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M 13-f.

Sreiiag 15. Zmi 1915. ,

2. Blatt.

Druck »er Sxllatr Zdteebraatrti in Znir«.

*8*

Zuldaer Zeitung.

tfc Zur Berufswahl der katholischen Mädchen.

Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß die Berufswahl der Mädchen auf katholischer Seite viel- fach zu einseitig ift, sich in bestimmten, seit langem üblichen Bahnen hält und häufig genug eine nicht genügende Fühlung mit den sozialpolitischen Bestre­bungen unserer großen katholischen Organisationen St die Volkskultur bekundet. Während auf der an- rn Seite, i» protestantischen Frauenkreisen z. B., für die höher« Haus- und landwirtschaftlichen Berufe sowie für Pflege-, Fürsorge- und Aufsichtstätigkeiten in Kreis und Provinz durchgängig eine Reche Bewer­berinnen mit ausreichender Borbildung wenigstens vorhanden sind, empfindet man auf katholischer Seite eine gewisse mangelnde Initiative nach dieser Rich­tung hin. So sieht man infolgedessen den katholischen Einfluß, der von solchen durch gemeinnützige Vereine, Anstalten und Behörden organisierten Stellungen ausgehen könnte, ost in ganz katholischen Gegenden auf dem Lande besonders, bei den Frauen und Fami­lien des Volkes, ausgeschaltet.

Es handelt sich dabei zunächst um technische Berufe in Haus- und Landwirtschaft, die nicht nur für die Familien- und Heimatpflege sowie die Seßhaftigkeit der Landbevölkerung so wichtig sind sondern auch für die Uebersiedlung überschüssiger Kräfte in unsere frauenarmen Kolonien, zur Stutze unserer Schwestern-Missionsstationen dringend zu fördern wären, soll dort das katholische Element nicht Sz fehlen oder verschwindend gering vertreten blei-

. In der Landwirtschaft, die das größte weibliche Arbeitsgebiet ist, sind die einzelnen Berufszweige der Mehrzahl nach für die Frauennatur und -kraft geeig­net, und die Wirtschafterin, die Meierin, die Obst-, Geflügel- und Bienenzüchterin, die Gärtnerin finden nicht nur in größeren landwirtschaftlichen Betrieben sichere, gute Stellungen, sondern auch in Sanatorien, in Fürsorge-, Haushaltungs- und Erziehungsanstal. ten u. dal. Die Ausbildung wird in Fachschulen, den wirtschaftlichen Frauenschulen, gewon­nen, wie wir eine solche unter katholischer Leitung, Mallinckrodthof in Borchen bei Paderborn, haben. An dieser Stelle sei auch die K o l o n ia l h a us h a l- tungs schule der Franziskanerinnen in Karthaus bei Trier sowie die staatlich anerkannte G ä r t n e » rinnen schu le unter katholischer Leitung, Haus Gandersheim in Kaiserswerth a. Rh., in Erinnerung gebracht. Auch, für. die landwirtschaftlichen Fachleh­rerinnen und die ländlichen Daushaltungsschullehre­rinnen steigen die Aussichten stetig, da die Kreis- und Kommunalvorstände im Einvernehmen mit der Mi- msterialbehörde immer mehr darangehen, die Anstal­ten für Haus- und landwirtschaftliche Ausbildung der Mädchen auszubauen und zu vermehren.

®e§_ weiteren kommen dann die Aufsichts- and Fürsorgetätigkeiten in Betracht. So sind die Haus-, Säuglings- und Landpflegerinnen, die Kreisfürsorgerinnen, die Gemeindebeamtinnen beim Polizei- und Gefängnisdienst bei Frauen immer brin­gender vonnöten. Gemeinnützige Vereine sorgen für Ausbildungsgelegenheiten und darauf erfolgende An­stellung, wie z. B. der Verein für Säuglingsfürsorge im Regierungsbezirk Düsseldorf, der die Ausbildung von Kreisfürsorgerinnen, die in Kranken- und Kin­derpflege geschult sein müssen, fördernd in die Hand nimmt und sich wiederholt an katholische Kreise nm Zuweisung von Bewerberinnen gewandt hat. Aus Mangel an katholischen Bewerberinnen werden dann hier wie an all den oben genannten Posten andere angeftellt, die mit den Familien des Volkes in stete Berührung treten und langsam ihren Einfluß aus­üben.

Es ist hohe Zeit, das Verständnis in den weitesten Kreisen zu verbreiten, daß die Berufswahlrichtung unserer katholischen Mädchen und Frauen mit wichti­gen Interessen deS katholischen Volkes zusammen­hängt, und dies auch bei der Berufsberatung mehr und gebührend zu berücksichtigen ist.

totales.

Fulda, 13. Juni 1913.

# Verliehen wurde dem RegierungSbauptkaffen- kmckhalter a. D., Recknungsrat Bloemacker zu Kassel der Rote Adlerorden vierter Klaffe, dem Oberst­leutnant a. D. v. Herteil zu Kassel der Kronen­orden dritter Klasse, dem Hoffleischermeister Schnell zu Kassel der Kronenorden vierter Klasse, dem Eisen- bahnlokomotivführer a. D. Krug zu Frankfurt a. M. daS Verdienstkrruz in Silber, dem pensionierten Eisen­bahnweichensteller Da big zu Salmünster und dem

Kleines Feuilleton.

— Kanu etwa» schön schmecken? ES gibt Gegenden, 4t deutschen Landen, in denen man schön nur vom Aussehen gebraucht, in andern aber stößt sich niemand daran, wenn mandas auch vomSchmecken sagt. DieFrage, ob man sagen könne, daß etwas schön fdjmecle, kann nicht entscheidend beantwortet werden. Die Ausdrücke, di« von bett Wahrnehmungen der fünf Sinne reden, haben alle Bedeutungsübergänge durchgemacht. »Süß", ursprünglich nur »das Gefallende* bedeutend, wird vornehmlich von SefchmackSwahrnehmungen gesagt, aber doch spricht man auch von einem süßen Gerüche und von süßen Tönen. .Hell" mit „Hall" und „hallen" zusammenhängend, wird diS in das späte Mittelalter hinein nur von Gehörsempfindungen gebraucht, wie noch heute zum Beispiel! ein „heller Klang", und doch sprechen wir auch von hellen Farben, bezeichnen also damit auch etwas, was wir mit dem Gesichte wahr­nehmen. „Scharf", womit nach der Grundbedeutung etwas Einschneidendes benannt wird, dient zunächst nur zur Angabe von Empfindungen re; Gefühls, daneben aber doch auch für solche deS GehörS, Geruchs und Geschmackes, wie ein „scharfer Ton", ein „scharfer Geruch", ein „scharfer Geschmack". Und mit dem­selben BedeutungSübergange (vom Gefühl zum Ge- ichmack) sprechen wir von einem „beißenden Geschmack". Nicht ander? verhält eS fich bei dem Worte „schön", das, von „schauen" herkommend, uriprünglich nur das „Geschaute", „Gesehene" bezeichnet, dann mit einer Verengerung der Bedeutung das Auge Wohlgefällige, da« aber weiterhin auch für Wahrnehmungen anderer Einneswerkzrug« verwendet wird: „Die Blume riecht schön", „die Musik klingt schön", die Wurst schmeckt schön." Und daß gerade auch tncjc letzt« Üebertragung nicht- Un- gewöhnliche« an sich hat, wird der Leser vielleicht bei sich selber beobachten könne«, wenn er sich deS gewiß auch ihm bei besonder« he?ovrragrnden Gaumengenüssen schon verwendeten Ausdrucks erinnert: „Schnieckst du prächtig!" Denn „prächtiz" ist von der „Pracht" abgeleitet, und twM Wort h^ßt ursprünglich nnd in bet älter« M# •***« nickt« »ette eU

bisherigen Nachtwächter Dender zu Frankfurt a. M. das Allgemeine Ehrenzeichen, dem Vizefeldwebel a. D. Schuch zu Bedra daS Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.

△ Steuern zahlen! Gegenwärtig findet hier die Zustellung der Steuerzettel für das RechnungS- jahr 1913 statt. ES fei deshalb an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß die Zahlung des ersten Quartals innerhalb 14 Tagen erfolgen nutz und nicht etwa bis nach dem 1. Juli hinausgesckoben werden kann. Auch empfiehlt es sich, die Zahlung nicht bis in die letzten Tage des MonatS Juni zu verschieben, da dann bekanntlich ein großer Andrang zur Kaffe herrscht und dadurch naturgemäß ein längeres Warten unvermeidlich wird.

)( Bei dem Nationalfestzuge am Montag führt der kathol. Meister, und Männerverein einen Prunkwagen, die Weberzunft vor 100 Jahren dar. stellend. Dieses alte Handwerk, das noch vor fünfzig Jahren in Blüte stand, ist durch die mechanische Weberei vollständig verdrängt worden. Der Wagen dürste deshalb besonderes Interesse beanspruchen.

* Schulfeier. Aus Anlaß des RegierungS- Jubiläums des Kaisers veranstaltet die Stadtschule am Montag vormittag von 10 Uhr ab im Stadt­saale eine Feier, die sich aus einer Festrede, gesang­liche und deklamatorische Darbietungen sowie Retgen- und Turnvorführungen zusammensetzt. Die Be­gleitungen des musitalischen Teiles übernimmt di« hiesige Artilleriekapelle.

----- Die katholtsche Mannergesellschaft M. N. unter­nimmt auch in diesem Jahre am Feste Peter und Paul den üblichen Sommerausflug. Von den ve schiedenen Vorschlägen, die in der gestrigen Versammlung gemack t wurden, fand eine Wagenpartie nach Poppen­hausen die Mehrheit.

§ Sonntagskarten werden am Montag den 16. Juni anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers aus allen Stationen der preußisch-hessischen Staatsbahnen ausgegeben.

)( AuS dem Schloßgarten. Seit gestern nachmittag hat unser Schloßgarten einen neuen Schmuck erhalten. In der Mitte deS Weihers springt ein 3—4 Meter hoher, silberheller, mächtiger Sprudel. Der Spring- brunnen macht an dteser Stelle einen vortrefflichen Eindruck.

---- Ein Ständchen wurde gestern nachmittag dem Herrn LandratFreiherrn v. Doernberg im Schloß- Hofe vom Trompeterkorps unseres Feldartillerie-Regi­mentes gebracht.

+ 100 Jahre suldischer Geschichte. In dem De- freiungsjahre 1813 wechselte die altehrwürdige Fürst- abtei Fulda seit ihrer Säkularisation im Jahre 1802 zum fünftenmale ihren Herrn. Nach der Schlacht bei Leipzig batte mit dem Ende der Franzosenherrschast in Deutschland auch das Großherzogtum Frankfurt, welchem das vorher oranische Fürstentum Fulda als Departement Fulda einverleibt worden war, zu be­stehen aufgehört, und Fulda kam unter österreichische Verwaltung und wurde dem kaiserlich-töniglichen Generalgouvernement Frankfurt unterstellt. Wie wechselvoll waren doch die Geschicke der altehrwürdigen geistlichen Herrschaft mit ihrer über 1000jährigen Gr- schichte innerhalb 11 Jahren! — Nach der Säkulari- sation herrschte über Fulda vom 22. Oktober 1802 bis nach der Schlackt bei Jena der Oranier und von da ab bis zum 1. Mai 1810 kam eS unter französische Verwaltung, um dann dem Großherzogtum Frankfurt zugeteilt zu werden. Vom 6. November 1813 bis zum 27. Juli 1815 war Fulda österreichisch, um dann gemäß den Bestimmungen des Wiener Kongresses der Krone Preußens zugesprochen zu werden. Preußisch blieb Fulda bis zum 31. Januar 1816, wo es an Kurhessen abgetreten und von Kurfürst Wilhelm als Großherzogtum Fulda seinen Staaten einverleibt wurde. Hessen kam dann 1866 wieder an Preußen und unterm 8. Oktober 1866 nahm der kgl. preuß. Kommissar v. Specht von Stadt und Land Fulda Besitz, und damit wurde die ehemal. aeistl. Herrschaft als »Fürstentum Fulda" der Krone Preußens einver­leibt. Der König von Preußen führt bekanntlich seit dieser Zeit auch den Titel »Fürst zu Fulda*, und dem »großen königlichen Wappen* wurde das ehemal. suldaisch« Wappen (im silbernen Feld ein gemeines schwarzes Kreuz) a s vierzigstes Feld eingefügt. — Somit hatte die alte Fürstabtei innerhalb 64 Jahren 8mal ihren Herrn gewechselt.

* Wichtig für Mannschaften des Beurlaubten­standes ist folgende, erst seit kurzem bestehende Be­stimmung. Darnach erhält jeder Reserve- und Land­wehrmann, der sich vor der Ableistung einer militä­rischen Hebung auf seine Uebungsfähigkeit ärztlich untersuchen lassen will, nach Vorzeigung des Gestel­lungsbefehles bei der Fahrkartenausgabe auf Verlan-

„Geschrei", dient allo zum Ausdruck einer Gehörs« Wahrnehmung, während die heutige Sprache damit nur einen Gesichtseindruck wiedergibt: „Pracht der Ausstattung". Und doch wird das Eigenschaftswort prächtig" unbedenklich auch für Geschmacksempfin­dungen verwendet. — Der beanstandete Gebrauch deS Wortes „schön" ist also nichts Sprachwidrig, s, und wenn er hier und da so empfunden wird, so kommt das nur daher, daß er nicht überall in deutschen Landen gleickmäßig verb eitet ist. a.

— Tas ideale Mittel gegen den Straßenstanb scheint nun endlich gefunden! Es ist unter dem Na­men Apokonin im Handel und soll nach einem Urteil des Dresdener Oberbürgermeisters tatsächlich allen Anforderungen entsprechen, die man an ein Staubbe- kämpsungsmitte! nur stellen kann. Man hat zwar schon verschiedene andere Mittel erfunden, von denen namentlich wässerige Lösungen verseifter Mineralöle iowie die Oberflächenteerung viel Anwendung fan- ien und noch finden, aber alle diese Mittel und Staubbindungsverfahren hatten trotz ihrer unbeding­ten Vorzüge doch auch Nachteile oder mindestens Eigenschaften, die noch nicht an das Ideal heranreich­ten, wie es die Hygieniker fordern müssen. Das Apo­konin ist bereits im großen Umfange sowohl in Deutschland als auch im Auslande ausprobiert wor­den und hat auch in Hinsicht der Billigkeit ungeteilte Anerkennung gefunden. Das Mittel besteht aus einer Mischung von schweren Teer- und Mineralölen und Kohlenwasserstoffen, die zur Oxydation gebracht wird. Die Mischung wird bei hoher Temperatur durch Druckluft in sein verteiltem Zustande auf die Stra- tzcnoberfläche geschleudert, in die sie eindringt und mit der sie ein: Art Verharzung bildet, die weder durch mechanische Einflüsse, wie Reibung durch Wagen­räder usw., noch durch chemische Einflüsse der Stra- ßendestandteile. noch auch durch atmosphärische Ein­flüsse angegriffen tont». Es wäre wahrlich ein Segen, wenn die Staubptagc endlich radikal beseittgt werden könnte. ' “ as.

— Die Unterhaltung. Man spricht so ost, der und jaw sei „ein guter 'Gesellschafter". Somit drückt man zn^eich ans, daß der und jener eine überall Mttke Peinlichkeit ist. Wer mochte nicht auch he­

gen eine Militärfahrkarte für die Reise zum Bezirks­kommando. Wird der Uebungspflichtige bei der ärzt­lichen Untersuchung sür übungssähig geschrieben, so setzt das Bezirkskommando auf den Gestellungsbefehl neben der Abstempelung durch die Eisenbahn seinen Dienststempel und einen entsprechenden Vermerk. Den Mannschaften, die für übungsunfähig befunden sind, wird durch das Bezirkskommando der Gestellungsbe­fehl abgcnommen und für die Rückreise ein besonderer Ausweis ausgestellt.

/v Statisttk b»8 StondeSamieS. Im Monat Mai wurden 9 Aufgebot« erlassen und 23 Ehen geschloffen. Im ganzen wurden 58 Geburten angemeldet <32 männliche und 26 weiblichen Geschlechts.) Hiervon waren Lebendgeborene 29 männl., 24 roeibl. Tot­geborene 1 männl, 1 roeibl. Auf Neuenberg, Lehnerz und ZieherS entfallen 2 männl, und 1 roeibl. Ge- butten. Im Bezirke der Stadt Fulda starben 25 männl, und 21 roeibl. Personen. Hiervon entfallen auf das Landkrankenhaus 9 männl, und 8 roeibl. Orts­fremde.

Aus dem Nachbargebiete.

* Radmühl, b. Herbstein, 12. Juni 1913. Unser Ort wird in Kürze auch eine Fernfpreckein- richtung erhalten. Der Gemeinderat bat besch ossen, die Hässte zu den Baukosten beizutragen.

() Kreuzberg, 12. Juni 1913. DaS erste Stationsfest dahier wird am 6. Sonntag nach Pfingsten, also am 22. Juni, nefeiert.

* Wächtersbach, 12. Juni 1913 In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde das neue Maaistratsmitglied Gg. Kolb durch den Bürger- metster Hankeln eingeführt und verpflichtet. — An­stelle des von hier nach Fulda verzogenen Pfarrers Weber wurde Pfarrer Wörner zum Gemeinde- waisenrat oewählt.

* Gelnhausen, 12. Juni 1919 Ein verdienter Bürger unserer Stadt, Herr Hch Wolf, ift gestern im Alter von 69 Jahren verschieden. Lange Jahre gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an, war Kommandant der hiesigen Freiwilligen Feuer­wehr und Kreisbrandmeister. Der Heimgegangene hat die Feldzüge 1866 und 1870-71, ersteren im Kur­hessischen Dienste, mitgemacht.

* Hanau, 12. Ium 1913. Der Maurer Schmidt auS Kilianstädten, der am Sonntag abend von einem unbekannten Manne überfallen und mit einem Taschenmesser in die Schläfe gestochen wurde, ist in­folge der Verletzungen geworben.

* Offenbach, 11. In i 1913. Die Preisfestsetzungs- kommiffion zur Regelung der Schweinefleisch­und Wurst preise, soll nach dem Vertrag der Stadt mit der Schweinemetzger-Innung mindestens einmal monatlich zufammentreten, um die Preise festzustellen, die sür den nächsten Monat ttt Offenbach aeiten sollen. Die Schweinemetzger- .wnung verpflichtet sich, den von der Kommission festgesetzten Preis streng einzukalten. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird eine Kon­ventionalstrafe von 20 Mark festgesetzt u. die Schweine - mctzger-Jnnung zahlt der Stadt eine Konventional­strafe von 50 Mark für jeden einzelnen Fall bet Nichterfüllung der Verpflichtungen. Die Stadt ver­pflichtet sich auf die Dauer des auf 6 Monate laufen­den Vertrags von bet Einrichtung einer Gemeinde- schlächterei und von der Einrichtung eines städtischen Sckweinefleis ivetkauws abnisehen.

* Frankfurt, 12. Juni 1913. Am morgigen Tage sind 75 Jahre verflossen seit dem Tage, an dem die herzoglich-nassauische Staatsregierung die Erlaubnis zum Bau einer Eisenbahn von Frankfurt über Kastel nach Wiesbaden und Bieb­rich erteilte. Es war der erste Schienenstrang, der nicht nur durch Nassau, sondern in ganz Südwest­deutschland und Westdeutschland überhaupt gelegt werden sollte, im Reiche die dritte Bahn. Am 10. März 1840 wurde zwischen Wiesbaden und Kastel und am 13. April 1840 auf der gesamten Strecke von Frankfurt nach Wiesbaden der Verkehr eröffnet. Am 3. August 1840 folgte die Teilstrecke nach Biebrich. Die Gesamtbankosten der Linie stellten sich nach Fer- ttgstellung auf 2 018 090 Gulden 14 Kreuzer gegen 2 298 000 Gulden im Voranschlag; die Länge betrug 43 400 Meter.

♦ Udenhausen, Kr. Hofgeismar, 12. Juni 1913. Am heutigen Tage feierte unser in weiten Kreisen bekannter und bel-ebter Bürgermeister, Jacob Sommer, sein 25 jähriger Jubiläum als Vorsteher unserer Ge­meinde.

* Kassel, 12. Juni 1913. Im Lause der letzten 25 Jahre sind in Kassel nicht weniger als 2 3 Kir­chen und solche Gebäude entstanden, die mit kirch-

liebt sein! Worin besteht das Geheimnis? Zunächst wohl darin, daß man einen etwas beweglicken Geist besitzt, sodann aber auch darin, daß man überhaupt über Geist verfügt! Ein nie stille stehendes Mund­werk macht den guten Gesellschafter wahrlich nicht aus; man darf nicht mit der Zunge, man muß mit dem Herzen reden und sich nach seiner Gesellschaft richten, um den rechten Ton zu finden. In einer Damengesellschaft plaudert man ganz anders als in einer Herrengesellschaft, und im Familienkreis ganz anders als am Biertisch. Man muß auch Rücksicht nehmen auf die verschiedenartigen Interessen der An­wesenden, und endlich muß ein guter Gesellschafter über eine humoristische Ader verfügen, ohne aber über die eigenen Witze selbst mit zu lachen. Hat man noch eine Dosis Schlagfertigkeit, dann ist man kom­plett als gerngesehener Mensch, denn daß man auch Bildung und Belesenheit besitzt, am Ende auch noch musikalisches Talent usw., erscheint selbstverständlich. Sein Rüstzeug muß man jedoch auch gut zu hand­haben verstehen! Man plaudere von allem und jedem, die Themen entwickeln sich ganz von selbst, aber man bleibe an der Oberfläche, verweile nirgends zu lange, spreche niemals zu gründlich, zn geistvoll, zu lehrhaft, und ziehe niemals die letzte Folge aus der Diskussion. Man zwinge ferner die anderen zn Rede und Gegen- rede und lasse auch sie zn Worte kommen: das macht sie frisch und rege nnd amüsiert sie. Ist die Plau­derei dann zu Ende, so nimmt jeder einen befriedi­genden Eindruck mit nach Hause: hundertlei Dinge wurden berührt, viel Neues hat man erfahren, die Seele wurde heiter gestimmt, gesunde, geistige Nah­rung hat man zu sich genommen! Und diese gerade ist für uns alle so wichtig und notwendig! Schließe man fich guten Gesellschaftern an und trachte man, ihnen nachzueisern! Tas ist ein Gebot wahrer Le- benskrmst, das reiche Früchte trägt! ' mo

— Die Furchtsamkeit der Kinder. Kinder mit leb­hafter Einbildungskraft sind gewöhnlich auch die furchtsamsten, denn die Furchtsamkeit entspringt erst der EinbildungÄraft. Aber während dies, andere Kinder und Gespielen gleichgültig läßt, ist die Furcht­samkeit ansteckend. Es brand;; mir ein. Kind anzu­fangen, sich zu furchten, dann tun's and; gleich dir

lichen Zwecken im Zusammenhang stehen. Für Zwecke der katholischen Kirche wurden erbaut: Dir Kirche zur heiligen Familie, die Kirche zur heiligen Maria, die Kirche zum heiligen Joseph, das neue Rothenditmolder Krankenhaus. — Die Frau eines hiesigen Beamten verlor beim gestrigen Wochen­markt ihre Handtasche mit 600 Mark. Glücklicher­weise wurde die Tasche bald aufgefunden und ihrer Besitzerin wieder zugestellt. — Das 23 Jahre alti Kindersräulein Marie B. aus Göttingen wurde am Donnerstag festgenommen, weil sie sich unter Bei­legung eines adligen Namens in verschiedenen Ge- schäften Waren erschwindelt hatte. Anscheinend hat die „adlige" Käuferin auch in anderen Städten der­artige Tricks ausgeführt. — Gestern wurde in bei Aue der 53 Jahre alte Arbeiter Heinrich E. von hier erhängt aufgefunden. E,, der die Tat aus Nah rungZsorgen begangen haben soll, hinterläßt eint Frau und 4 Kinder.

♦ Kassel, 12. Juni 1913. In der letzten Gesamt- sitzuna der Handelskammer berichtete der Syndikus über den Stand der Nebenbahnprojekte im Kammer­bezirk. Für den Bau der Strecke Gemünden- Frankenberg seien leider im diesjährigen Ent­wurf eines Eisenbahnanleihegesetzes keine Mittel ge­fordert worden, der Ausbau der Linie stehe jedoch fest Das Projekt der Nebenbahn von Hersfeld übet Homberg nach Wabern sei einen wesentlichen Schritt weiter gekommen. Der Bezirksausschuß hab« die Genehmigung zur Vornahme der allgemeinen Vorarbeiten dafür erteilt. Im allgemeinen sei bit Linienführung noch nicht bestimmt worden, dies/ werde erst bei den Vorarbeiten ermittelt.

* Ejchwege, 12. Juni 1913. Gegen die zunebmenv. Versalzung der Werra hat unsere Stadtveitreluntz erneut Stellung genommen, indem sie 300 Mk. zu den wetteren Porar beiten des Komitees gegen btt Versalzung der Fluß laufe durch die Abwässer bei Kali-Industrie bew lligte.

* Göttingen, 12. Juni 1913. Im nahegelegenen Orte Vollbrechtshausen sprang die sechzig Jahre alte Witwe C. in den Brunnen, indem vor8Jihren auch ihr Ehemann den Tod gesucht und gefunden hatte.

* AuS Thüringen, 11. Juni 1913. Die Fürstin von Schwa rz bürg-Sondershausen hat sich zur Kur nach Bad Kissingen begeben. — Dte Strafkam­mer in Meiningen verurteilte vier Wilddiebe aus Frauenbreitungen zu 5, 4, 3 und 3 Monaten Gesang- ms. — In Neufang bei Sonneberg fielen in der vergangenen Nacht bei einem Brande die Gastwirt- Ichaft von Leuthäuser, das Wohnhaus des Fabrikanten Siegel und das des Geigenmachers W'cklein lamt Hintergebäuden zmn Opfer. — Ein Herr tn Gera erstand eine Leipziger bekannte Briefmar.en» Samm­lung für den Preis von 100,000 Mark.

* Bad Nauheim, 12. Juni 1913. Aus Anlaß des Regierungsjublläums des Kaisers beschlossen die Stadtverordneten, 2 0 0 0 0 M k. für Errichtung eines öffentlichen Spielplatzes zur Verfügung zu stellen.

•h. Kelkheim i. T., 12. Juni 1913. Aus der Kirche des hiesigen Franziskanerklosters wurde eine wertvolle Stola und ein Geldbetrag gestohlen. Die Stola land man später aus einem Feldwege wieder

* Aus Nassau, 12. Juni 1913. Die Rekto­ratsprüfung in Kassel bestanden aus dem hie­sigen Bezirk die Herren Griesinger und Jäsch-Frank- furt, Kemps und Wirt-Wiesbaden, Minor-Dillenburg.

* Aus Franken, 11. Juni 1913. Das Ergebnis des Blumentages zu Gunsten der Tuberkulosesür- sorge beziffert sich in Würzburg auf 10 538 Mk. in Mellrich st adt auf 1500 Mk., in Nord­heim v. Rh. auf 350 Mk., in Stadt und Bad Brückenau auf 1134 Mk., in Goldbach aty 154 Mk., in B u ra s in n auf 117 Mk., in M i 11 e l- sinn auf 100 Mn, in Kitzin gen auf 3500 Mk. in Schweinfurt auf 4344 Mk., in Ochsen furt auf 672 Mk. und in Marktheidenfell auf 650 Mk. — Professor Dr. Hosius in Greifs Wald hat den an ihn ergangenen Ruf nach Würz bürg als Nachfolger von Professor Dr. Martin vor Schanz angenommen. — Der Sohn des Stations- mcisters Schmitt in Ritschenhausen stürzt« bei Ausübung seines Geschäftes auf der Amalien- ruhe in Meiningen vom Gebälk und brach das Genick -— Tot aufgefunben wurde im Arrestlokal der Poli­zei in Schweinfurt der ungefähr 40 Jahre alti Faber aus Herzogenaurach, der als obdachlos gestern eingeliefert wurde. Da man ihn für krank hielt, wurde der Arzt gerufen, der eine Ueberfnhrung ins Krankenhaus nich: für nötig erklärte. --- Die deutsch; Kaiserin ließ für die ncucrbeute protestantische Kirch«

anderen. So vorteilhaft es ist, wenn Kinder die Ein­drücke verarbeiten, die ihr kleiner Gesichtskreis chnei vermittelt, so nachteilig ist es, wenn neue Eindrück zu Unbegreiflichkeiten für das Kind werden, dener es ratlos und hilflos gegenübersteht. Das Kind Hw im Familienkreise oder von Dienstboten von schreck­lichen Ereignissen gehört, von Unfällen, bösen Men­schen und bösen Tieren, nun begegnet ihm etwas noch Unbekanntes dieser Art, und sogleich ist auch bit Furcht schon da. Kein Kind ist von Natur furchtsam, und kein Kind wird sich fürchten, wenn es über Dingi und Erscheinungen, die chm nahe treten, von vorn, herein eine gesunde Aufklärung erfähtt. Vielfach wird aber das gerade Gegenteil getan: Man spricht vom Popanz, vom schwarzen Mann, und sucht aus diese Weise die Furcht gradezu großzuziehen, ohne doch im geringsten die erhofften pädagogischen Er­folge zu erzielen. Man denke doch nicht, daß das alles ohne bleibenden Einfluß sei! Der Jüngling wird sich zwar nicht mehr v'or einem Popanz fürch ten, aber das Furchtgesühl verwandelt sich in Angst gefühl, untergrabt das Kraftbewußtsein und läßt ihr zurückschrecken vor den Schwierigkeiten des Lebens Flöße man also schon dem kleinen Kinde Mut un Freiheit ein, kläre man es auf und bedeute man ihm, daß Furchtsamkeit etwas Unwürdiges ist! e

— Kaiser Wilhelm II. als Schloßbesitzer. Au Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums Wil Helm II. wird es von Interesse sein, zu erfahren wieviel Schlösser und Grundbesitz ihm gehören. Zi unterscheiden ist dabei zunächst einmal zwischen bei Krongütern und dem Privalbesih des Monarchen Tas 'Königsschloß in Berlin gehört zn den Kron gittern, während in Potsdam 13 Paläste Privat­eigentum des Kaisers sind. Kronbesitz sind ferner nock das Residenzschloß in Hannover sowie die Stadtscblös ser in Stettin und Kassel. Eine Anzahl Jagdschlösse: mit eingerechnet, besitzt der deutsche Kaiser 50 Schlös­ser als Privatbesitz, während vier Schlösser der Kron gehören. Uebrigens ist Kaiser Wilhelm auch de größte Grundbesitzer Preußens, da ihm 83 Güter ge­boren mit einer Gesamtfläche von etwa 100 00t. Hektar