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2. Blatt.

druck Ser Zuldaer Iktitnlniäetet in zulda.

Zuldaer Leitung. «•

JVs (35.

Donnerstag 12. Iuni 191».

Kleines Feuilletou

Lokales.

Fulda, 12. Juni 1913.

, # Verliehen wurde den pensionierten Fuß- ,e«darmeriewachtmeistern Schanz zu Gensungen im Preise Melsungen, Hohmann zu Oberkaufungen md Gundlach zu Kassel das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens, dem Auszüger Kurze zu Geismar 'm Kreise Fritzlar das Allgemeine Ehrenzeichen.

i ** Zum Kaiserjubiläum. Die Stadtverwaltung Übt, wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, Krün zum Schmücken der Häuser an dem nationalen Festtage — 16. Juni — gegen Erstattung der geringen Hau« und Fuhrkosten an die Einwohner ab. Man wolle sich deswegen alsbald an die Stadtgärtnerei (im Schloßgarten) wenden.

i △ Volksfest. In einer zahlreich besuchten Gene- «lversammlung des hiesigen Arbeitgeberverbandes in den letzten Tagen war man der Ansicht, die nationale Feier hier durch Freigabe der Arbeiterschaft an dem Festtage zu unterstützen. Ein sämtliche Ar­beitgeber bindender Beschluß über die Freigabe wurde nicht gefaßt; jedem einzelnen Arbeitgeber bleibt es überlasten, seinen Betrieb tu schließen oder den mitwirkenden Arbeitern Urlaub zu erteilen. Heber« einstimmung wurde dahin erzielt, L o h n Ver­gütungen nicht zu bewilligen.

' 4- Ueberlandzentrale. Wie wir seinerzeit berichteten, bestand das Projekt der Errichtung einer Uebcrland- zentrale im Anschluß an das Elektrizitätswerk Fulda bezw. an eine beim Braunkohlenbergwerk Ostheim bei Malsfeld zu errichtenden elektrischen Zentrale ur- sprünglich für die Kreise Melsungen, Eschwege, Hers­feld, Hünfeld, Fulda, Gersfeld, Schlüchtern und Geln­hausen. Weiterhin sollte sie über die Streife Alsfeld, Lauterbach und Schotten sowie über die Kaligebiete an der Werra ausgedehnt werden. Danach hatte das Projekt die Versorgung ganz Mittelhessens nebst den .anschließenden Gebieten Oberhessens und der thüring. Staaten mit elektrischer Energie vorgesehen, sodaß diese neue Ueberlandzentrale im Nordwesten an die oberhessische Ueberlandzentrale (Gießen), im Norden an die Edertalkraftwerke, im Osten an die große thüringische Ueberlandzentrale und im Süden an die daselbst im Ausbau begriffene Ueberlandzentrale an­gegrenzt haben würde. — Wie wir hören, hat man dieses große Projekt aulgegeben, und soll neuerdings die Errichtung einer Ueberlandzentrale nur für die drei Kreise Fulda, Hünfeld und Schlüchtern in Frage kommen. Danach scheinen die Verhandlungen mit den Kaliwerken des Werragebietes für die Unter­nehmerin ein befriedigendes Ergebnis gehabt zu haben. Auch wegen der Versorgung von H o r a § mit Elektrizität sollen sich Schwierigkeiten wegen der Ueberspannung der Ortswege ergeben haben. Es erscheint fraglich, ob das Landratsamt in Fulda zu dem betreffenden Passus des Vertrages die Genehmigung erteilen wird.

-r- BlutlnuZplage. In Privatgärten und auch in den städtischen Gartenantagen sind an vielen Apfelbäumen die Blutläuse in großen Mengen auf« -getreten. Das frühzeitige starke Auftreten des gefähr­lichen Ungeziefers dürfte mit der warmen Temperatur der verflossenen Wochen zusammenhängen. In den städtischen Anlagen ist man seit einigen Tagen mit dem Reinigen der Bäume beschäftigt, um ein Weitergreifen zu verhindern,

- ** Kampf gegen den Lotterieschwindel. Im hie­sigen Amtsgerichtsgebäude ist folgende beachtenswerte Bekanntmachung des ersten Staatsanwalts in Kassel angeschlagen: Lotterieschwindler aus dem Auslande schädigen das deutsche Publikum jährlich um Millio­nen. Sie suchen ihre Kundschaft durch Lockmittel wie -Prospekte und Drucksachen, die in hochtönenden Wor­ten ihre Schwindelpapiere als sichere Treffer und er­laubte Papiere därstellen. Strafverfahren gegen solche Schwindler in Kopenhagen, Malmö, Amster­dam, Christiania, Budapest, London wegen Betrugs, Wuchers, verbotener Lotterieveranstaltung lausen etwa 100. Diese Schwindler besitzen die Originale der Papiere, die sie verkaufen wollen, überhaupt nicht. Das Spielen ausländischer Lospapiere auf Abzahlung oder gegen Beleihung wird in Deutschland strafrecht­lich verfolgt. Jeder ist strafbar, der solche Papiere kaust. Die Schwindler ändern fortwährend ihre Adresse. Auch die Teilnahme an ausländischen Ge- Iloffenschaften, die sich mit Lospapieren befassen, ist strastechtlich verfolgbar. Die Genossenschaften sind )tur Deckadressen für Spielgesellschaften.

* Neservcübungen der Feldartilleri-. Diejenigen Mannschaften des Beurlanbtenstandes im Bereich des 11. Armeekorps, die früher bei den Feldartillerie-Re­gimentern gedient haben, sollen in Kürze zum gro­ßen Teil zu einer vierzehntägigen Reserveübung ein­berufen werden. Die Hebungen finden vom 8. bis

—Die Zunft der Taschendiebe. Aus der Moppe eines Wiener Polizeibeamten veröffentlicht die „Wie­ner Reichspost" interessante Artikel über die Gau­nertypen der Großstadt. Heber die Taschendiebe heißt es u. a.: Die Taschendiebe sind „Handwerker" im buchstäblichen Sinne des Wortes; sie bedürfen einer Jianj enormen Geschicklichkeit, die nur durch jahre- ange Hebung erworben wird. In Ungarn, Rumä­nien und Rußland gibt es eigene Taschendiebschulen, wo schon für den kleinen Jungen oder das kleine Mädchen das Lehrjahr beginnt. An Puppen wird nicht nur jeder Griff eingelernt, sondern auch jede Stellung, welche der eigentliche Taschendieb und sein Helfershelfer gegenüber dem auserkorenen Opfer cin- zunehmen haben'. Bei der leisesten Berührung der Puppe beginnt diese zu schwingen, und im nächsten Moment schwingt auch schon der strenge Lehrer seine Hand, um dem ungeschickten Schüler eine Züchtigung ;u erteilen. Ja, es ist eine harte, unerbittliche Me­thode, mit welcher der Nachwuchs der Taschendiebe er­zogen wird. Haupterfordernis des Taschendiebes ist es, nicht aufzufallen am wenigsten durch seine Klei­dung, denn die Detektivs suchen auf den „Operations­feldern" zuerst die Person eines ihnen schon von frü­her bekannten Taschendiebes zu erspähen, um sich dann an dessen Fersen zu heften. Er wechs-'t darum die Haar- und Barrtracht, die Form der Hüte, Ge­wänder ukw. Einen Stock oder Schirm trägt tr ge­wöhnlich nicht, um die Hände frei zu haben, wohl aber einen über den Arm geworfenen Heberzieher oder Plaid. Diese Kleidungsstücke gewähren ihm die nötige „Deckung", wenn sich die Beute an einem auch für ändere sichtbaren Orte befindet. Den Ge- igensto.nd erfaßt er in der Regel mit der „Schere", dos heißt so, daß er mit dem langgestreckten Zeige- und Mrtlelnnger seiner wohlgepflegten Hand in die Tasche des Opfers greift, während seine übrigen Fin­ger das Gewand vom Körper wegziehen "mb die Oess- nuvg der Taschen ewocitern. Nötigenfalls macht er Mit cixur wLiquen. Jnrierft scharfen ©d^ere ober mit

21. Juli auf dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf statt. Es werden dort besondere Reserve-Feldartil- lene-Abteilungen des 11. Armeekorps gebildet.

* Der Roggen blüht. Tie Wärme der letzten Zeit hat einen derartigen Einfluß auf die Vegetation aus­geübt, daß der Roggen seit einigen Tagen zu blühen begonnen hat. Da er während der ganzen Blütezeit noch fortwächst, an sich aber schon ziemlich lang ist, wird er dieses Jahr Wohl eine verächtliche Länge erhalten. Vom Roggen heißt es nun bei den Land­wirten: 14 Tage braucht er zur Blüte, 14 Tage zur Körnerbildung und 14 Tage zur Reife, bann ist Erntebeginn; danach hätten wir bereits in der ersten Hälfte des Juli die Ernte zu erwarten! Normale Witterungsverhältnisse werden natürlich vorausge­setzt.

X Tie Stcucrvcrhältniffe in Preußen. Von allen preußischen Provinzen steht Hessen-Nassau in den Steuerverhältnissen am günstigsten. Tie Zu­schläge zur Einkommensteuer betrugen in Hessen- Nassau int Jahre 1912 durchschnittlich 144 Proz., es folgen Brandenburg mit 166 Proz., Sachsen 16s Proz., Schlesien 177 Proz,, Hannover 179 Proz., Rheinprovinz 186 Proz., Westfalen 192 Proz., Pom­mer 200 Pro;., Schleswig-Holstein 201 Proz., Posen 205 Proz., Ostpreußen 243 Proz. und Westpreußen 249 Proz. Nimmt man den Durchschnitt von allen Städten Preußens, so kommt man auf den Satz von 192 Prozent Zuschlag zur Einkommensteuer, je 203 Prozent zur Grundsteuer sowie Gebäudesteuer unb 201 Prozent zur Gewerbesteuer. Auch bei den Kreis­abgaben hat Hessen-Nassau einen günstigen Stand: die Provinz steht mit 30 Proz. im Durchschnitt an zweiter Stelle, die Rheinprovinz hat 24 Proz.; die höchsten Kreisabgaben sind in der Provinz Ostpreu­ßen mit 100 Prozent. Interessant ist noch ein Heber­blick über die Durchschnittseinkommen in manchen Städten. Unter 1275 preußischen Städten sind nur 46, in denen die Steuerzahler ein Durchschnittsein­kommen von 3000 Mk. und mehr haben. Deutsch- Wilmersdorf ist nach der Steuerstatistik die reichste Stadt; dort betrug das Durchschnittseinkommen 5400 Mark.

X Geologische Karte von Preußen und benachbarte» Bundesstaaten. Von der Königlich Preußischen Geologi­schen Landesanstalt ist eine neue Lieferung (Nr. 184) von 4 Karten mit Erläuterungen, umfassend die Bläiier Hünfeld, Fulda, Weyhers und Tann im Maß­stab 1 : 25000 berausgegeben worden. Mit dem Er­scheinen dieser letzten Lieferung in 4 Blättern findet die geologische Kartendarsteüung des Rhöngebirges, we­nigstens soweit letzteres zu Preußen und den Thüringi- schen Staaten gehört, ihren endgültigen Abschluß. Blatt Tann bringt die.letzten übriggebliebenen Teile der nördlichen Rhön, die Ausläufer der sogenannten Lan­gen Rhön, zwischen den Flußtälern der Ulster und Felda zur Darstellung, die 3 in. S.N.-Richtung aneinander- stoßenden ' Blätter Hünfeld, Fulda und Wey­hers das westliche Vorland der Rhön, das Hügelland, das durch die Täler der Fliede und Fulda von den öst­lichen Ausläufern des Vogelsbergs getrennt ist. An dem geologischen Aufbau des Gebietes beteiligen sich beinahe der gesamte Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper das mioeäne und plioeäne Tertiär, Basalt, Phonolith nebst zugehörigen Tuffen und Breseien, Diluvial- und Alu- vialbildungen. Hiervon fällt besonders dem Buntsand­stein die größte'Rolle zu auf den 3 Blättern des west­lichen Vorlandes, während auf Blatt Tann der Muschel­kalk relativ größere Ausdehnung gewinnt. Die verschie. denen Sedimentschichten sind im großen ganzen hori­zontal gelagert. Faltungen, wie sie ältere Gebirge kenn­zeichnen, fehlen. Aber dre Einförmigleit de. Bildes er­fährt vielfach, Unterbrechung durch Gsbirgsstörungen. oder Verwerfungen, die namentlich in 'interessanten Gräben- einsenkungen jüngerer Formationsstufen zwischen älteren ihren prägnanten Ausdruck finden. .Bei den Bruch- linien herrschen im ganzen 2 Richtungen vor, die von Süd nach Nord und die von S.-O. näch .N.-W., die bei gegenseitiger Durchkreuzung Komplizierungen zeigen. Oft treten auch Basaltdurchbrüche an ihnen auf. Die auch - sonst überall zerstreuten kleineren und größeren Kupven von Basalt und Phonolith tragen zur Belebung des Landschaftsbildes wie auch des Kartenbildes bei.

Bergbau auf nutzbaren Sagerftäden fehlt heute in dem Gebiet, auch Kalisalze werden nicht gewonnen, wenn auch die Zechsteinformatton mit Steinsalz und Anhydrit im Untergrund vertreten ist. Die früher sehr rentablen Braunkohlenbergwerke von Theobaldshof und Kalten­nordheim (Blatt Kann) sind zum Erliegen gekommen.

Aus dem Nachbargebiete.

* Bad Salzschlirf, 11. Juni 1913. Der Besuch des Bades ist sehr lebhaft. Es sind über 2000 Kurgäste hier eingetroffen. Das feit Fahren trefflich geleitete Kurtheater hat feinen bewährten Rus befestigt. Am Sonntag fand vor vollbesetztem Hause eine mustergültige Aufführung von Herbert Eulenburgs „Belinde* in Gegenwart des Dichters statt. Der Beifall war lebhaft, das Stück interessierte sogar ein

einem kleinen Messerchen Schnitte in die Kleidung, um einen verborgenen Gegenstand zu erlangen. Eben­so führt der professionelle Taschendieb auch stets eine Kneipzange mit sich, die er zum Abzwicken der Hhr- ketten benötigt. Gewöhnlich arbeiten mehrere Taschen­diebe gemeinsam. Grundsatz ist, daß der Haupttäter die Beute sofort einem Komplizen zufteckt, der mit ihr verschwindet. Der Verdacht lenkt sich ja natur­gemäß am ersten gegen den eigentlichen Dieb unb ihm wirb das Leugnen am besten gelingen, wenn er die Beute nicht in feinem Besitze weiß. Dann kann er sogar mit Entrüstung seine Leibesvisitation verlan­gen. Die Taktik der Diebsgesellschaft gipfelt darin, daß die Genossen die Aufmerksamkeit des Opfers ab­lenken, z. B. durch ein Gespräch ober dadurch, daß sie dem Auserwählten scheinbar absichtslos auf den Fuß treten. Manchmal umdrängen sie ihn auch der­art, daß er sich gar nicht zurechtfindet und keine Ahnung hat, was die» bedeuten soll. Operiert der Taschendieb allein, was sich nur die erfahrensten zu­trauen, so spricht er das Opfer um Feuer an ober er strauchelt unb hält sich an demselben an oder er rennt es in höchster Eile an usw. Manche Taschen­diebe treten den Damen absichtlich auf das Kleid und holen sich das Portemonnaie, während die Dame mit einem entrüsteten Blick das Kleid straff spannt. Oft wurde schon ein Herr unvermutet von einem Frauenzimmer umarmt und geküßt, welches plötzlich den scheinbaren Perfonsirrtum entdeckt und beschämt davoneilt. Im nächsten Moment wird das Opfer aber schon von einem unbekannten Manne „gestellt", der ihm wütend zuruft: „Wie können Sie es wagen, meine Frau zu umarmen?" Der Umarmte, der noch vom ersten Abenteuer ganz perplex ist, klärt den Sachver­halt auf, und wenn er den Eifersüchtigen glücklich weggebracht hat, bann entdeckt er, daß ihm seine Uhr fehlt.

— Die bewegliche Rippe. Während ui den letzten Jahrzehnten die Entwicklung der Medizin völlig unter dem Einfluß der bakteriologischen Ursachenforschung stand, vollzieht sich allmählich eine Wandlung in der Auffassung, und es erlangen jene Momente eine er­höhte Bedeutung, welche in der Konstitution des

Badepublikum, das eine schwere Kost durchaus nicht gewöhnt ist, ganz außerordentlich. Für den 14. Juni ist eine umfangreiche Kaiser-Jubiläumsfeier geplant.

* Gersfeld, 11. Juni 1913. Von der Familie des Rcgierungsrates v. W a l d t h a u s e n sind der Gemeinde Gersfeld für kirchliche Zwecke 7 00 0 M a r k gestiftet worden.

* Hersfeld, 11. Juni 1913. Seitens der Land- wirtschaftskammer sinb für den am 16. Juli b. Js. ftattfinbenben P r am i e n m arkt als Preis­richter für Pferbe Rittergutsbesitzer Deichmann- Lembach und Liebrecht-Gilserhof, sowie Gestütsdirek- tor Bieler-Dillenburg ernannt worden; für Rindvieh Rittergutspächter Schlabach-Willingshausen, Graf- Oedinghausen und Kreistierarzt Dr. Günther-Roten- biirg; für Schweine und Ziegen Domänenpächter Lücking-Marienrode und Gutsbesitzer Bispink- Trätzhof bei Fulda.

* Hanau, 11. Juni 1913. In einer Sitzung des Hans- und Grimdbesitzervereins wurde gestern abend rnitgeteilt, daß nunmehr allen Hausbesitzern die feit 2Ms Jahren gezahlten Kanalbeiträge in Höhe von 560 000 Mk. nebst 30000 Mk. Zinsen zurück- gezahll norden feien. Durch den Einspruch des Vereins feien den Hausbesitzern außervew. 380000 Mark noch nicht gezahlter Beiträge gerettet. Auch sei bereits gegen die neue Ordnung und die be­schlossene Steuererhöhung beim Bezirksausschuß Ein- fpr u d> erhoben worden.

* Offenbach, 11. Juni 1913. Der Musketier Breitenbach in Worms, der von feinem Regiment entflohen war, wurde hier sestgenommen. Im Militärarrestlokal verübte der Deserteur einen S e 1 b st m o r d v e r s u ch, indem er sich die Puls­ader durchschnitt. Er wurde wieder in seinen Gar­nisonort zurückgebracht.

* Frankfurt," 10. Juni 1913. Die Voruntersuchung hat Verdachtsmomente dafür ergeben, daß Hopf sein uneheliches Kind im zartesten Alter ums Leben brachte. Dieses Kind ist in Wörsdorf bei Idstein begraben und soll demnächst wieder ausgegraben werden. — Der Milchhändler Fröhlich wurde wegen Milchfälfchung vom Schöffengericht zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. — Dem Weichen­steller Arnold am hiesigen Ostbahnhof wurde das Erinnerungszeichen für 25jährige Dienstzeit verliehen.

* Aus Thüringen, 10. Juni 1913. Milbe Rich­ter sanden zwei Schlingensteller ans N e u st a d t, die sich vor der Strafkammer in Koburg zu verantworten hatten. Sie erhielten nur sechs beziehungsweise drei Monate Gefängnis, während der Staatsanwalt iy2 beziehungsweise 1 Jahr beantragt hatte. — In O h r= b r u f kommt am 24. Juli das Vaterländische Sol- datenheim zwangsweise zum Verkauf. — Von der Forstakademie in Eisenach wurden zwei russische Forstakademiker entfernt, weil sie das Deutschtum beschimpft hatten. Den anderen Forstakademien im Reich wurde davon Kenntnis gegeben. — In der Nacht zum Sonntag wurde in der Färberei von Bell- scheid in 9k e u W e r k bei Mattstedt ein Einbruch ver­übt. Die Täter haben ein Büfett erbrochen, aus dem sie eine Kassette mit 620 Mk., sowie zwei Sparkassen­bücher über zusammen 1500 Mk., ferner einer goldene Hhr mit Kette und ein goldenes Armband stahlen.

k Eschborn, 10. Juni 1913. Da den hiesigen Schweinzüchtern die Metzger so geringe Preise für die Schweine bieten, ohne selbst die Fleischpreise herabzufetzen, schlachten die Züchter die Schweine jetzt selbst ans und verkaufen das Pfund Fleisch mit 70 Pfennigen.

Amt Geisa und Umgebung.

0 Geisa, 12. Juni 1913. (Tel.) Frau Oberpoft­rat Matthes aus Eisenach stellte in einem Tele­gramm an den Vizepräsidenten des weimarischen Landtags, Herrn Dr. Kiel, 2000 Mark zur Lin­derung der Not der durch die verheerende Flut Ge­schädigten zur Verfügung.

* Geisa, 11. Juni 1913. Weitere 100 Mann des Eisenacher Infanterie«Bataillons find heute vor­mittag unter dem Kommando des Hauptmanns von Krause im hiesigen Heberschwemmungsgebiet an­gekommen, um bei den Aufräumungsarbeiten Hilfe zu leisten. Einschließlich der am Sonntag unter Führung des Leutnants v. Brandis eingetroffenen Mannschaften sind jetzt 250 Mann vom Eisenacher Bataillon in den von dem Unroetter betroffenen Orten tätig. Auch aus Meiningen von den 32ern und dem Pionier-Bataillon in Kassel sind Abteilungen hierher beordert.

△ Barsch, 10. Juni 1913. Der Schaden, den die Gemeinde an zerstörten Straßen, Brücken,

Kranken selbst gelegen sind und, entweder angeboren oder erworben, einen Boden bilden, auf dem sich unter verschiedenen Bedingungen die Krankheit ent­wickelt. Man geht daher immer mehr dazu über, Merkmale der schwächlichen Konstitution zu suchen, und ein solches findet der Stabsarzt Dr. Zerner in seiner Schrift „Beiträge zur Kenntnis der durch Ab­stammung und Entwicklung bedingten körperlichen Schwächeanomalien" in der Beweglichkeit der zehn­ten Rippe. Während unter normalen Verhältnissen die zehnte Rippe mit der neunten Rippe verwachsen ist, endigt sie wie elfte und zwölfte Rippe völlig frei. Eine derartig bewegliche Rippe soll ein sicheres Kenn­zeichen einer schwächlichen Konstitution sein, die sich vor allem auf die Verdauungsorgane und die Nerven bezieht. Dr. Zerner prüfte nunmehr eine große An­zahl von Menschen auf das Vorhandensein der beweg­lichen zehnten Rippe. Bei 1000 Soldaten fand sie sich 19mal, dagegen unter 200 Kranken 76mal, aber mehr bei Frauen als bei Männern. Diese Zahlen gestatten zunächst den Schluß, daß eine zehnte beweg­liche Rippe vorzugsweise in solchen Fällen vorhanden ist, die einen körperlich minderwertigen Organismus betreffen, der eine gewisse Neigung zu Schwächezu- ständen und Zuständen nervöser Art besitzt. Daß das Symptom bei Frauen häufiger ist, erklärt sich durch die im allgemeinen zierlicheren Knochen und die größere Zartheit der Weichgebilde, vor allem der Muskulatur. Ist das Symptom vorhanden, dann muß nach weiteren Zeichen der Schwäche gesucht wer­den.

— Ein armes Mädchet. In Newhork lebt ein fünfzehnjähriges Waisenmädchm, Helene Annie de Witt, dem es scheinbar sehr schlecht geht. Der Groß­papa hat ihr vor einigen Jahren ein kleines Vermö­gen in der Höhe von fünf Millionen 9Nark hinterlas­sen, und als ihr Papa William de Witt im Vorjahr starb, vermachte er dem Töchterchen noch die Baga­telle von anderthalb Millionen. Miß Helene hat also sechseinhalb Millionen im Vermögen, deren Zinsen ungefähr 300000 Mk. ausmachen. Damit ließe sich nun für ein kleines Mädchen ganz nett leben, wenn die sparsame BormunbfchaftSbehörbe nicht angeordnet

Kanälen, Wasserleitung und Baumpflanzungen er­leidet, dürste allein auf 12—15 000 Mark zu schätzen sein, und der Schaden der Privatleute in und an Häusern Gärten, Wiesen und weggeschwemmtem Holze beträgt etwa 7 0 0 0 M a r k. Die Wasserscha­den von 1909 unterhalb des Eisenbahndammes sind zum größten Teil heute noch nicht ausgeb^sftrt, und nach dem jetzigen Hochwasser bieten die Wiesen da­selbst ein gräuliches Bild der Verwüstung. Die Be­sitzer jener Grundstücke glauben, daß die Anlage des Dammes au dem Hnglück schuld sei, _ba vor dem Bau deS Dammes bei gleichem Hochwasser nie solche Verwüstungen zu verzeichnen gewesen sind: sie füh- reu deshalb seit 1909 mit dem Eisenbahnfiskus ein Prozeß, der aber immer noch schwebt.

* Termbach, 11 Juni 1913. Der Großher­zog und die Großherzogin werden am Freitag früh hier eintreffen, um von hier aus das lieber« schwemmungsgebiet Brunnhardishaufen Gersten­grund, Zitters, Kranlucken, Bremen, Schleid und Borsch zu bereisen.

Mus Gderhesssn u. den hesi. Remtern.

△ Marburg, 10. Juni 1913. Dem 22 jährigen früheren Bureaugehilfeu Koch aus Frankenberg, der früher bei der Kreis- unb Forstkaffe in Frankenberg beschäftigt war, wurde zur Last gelegt, in fünf Fällen amtlich ihm anoertraute Gelder für Holzlieferungen, im ganzen 229 Mark, unterschlagen und Buch- sowie QuittungSialschungen begangen zu haben. In der heutigen Verhandlung vor dem Schwurgericht stellte sich heraus, daß bei der Kaife eine große Mißwirt­schaft geherrscht hatte. Die Geschworenen hielten schwere Hrkundenfälschung und Unterschlagung von im ganzen 133 Mark für erwiesen, billigten jedoch. Milderungsgrunde zu. Tas Urteil lautete auf vier Monate Gefängnis. — Außerdem erhielt wegen Unter», schlagung von "1800 Mark der seitherige Sparkassen- beatnte Fr. In n g aus Wetter unter Zubilligung mildernder Umstände 9 Monate Gesängnis. Für Jung soll ein Gnadengesuch eingereicht werden. — Der Stationsansseher Götte ans Allendorf bei Kirchhain, der 847 Mk. aus der Kasse für sich ent­nommen haben soll, machte geltend, daß ihm das Geld gelegentlich der Lohnauszahlung auf ihm un­erklärliche Weise abhanden gekommen sei. Die Sache wurde zioecks weiterer Beweisaufnahme vertagt.

* Frankenberg, 11. Juni 1913. In der gestrigen Stadtverorbnetensitzung wurden dem hie­sigen Turnverein als Zuschuß zu den bevorstehenden Gauturufestkosten freie elektrische Beleuchtung des Festplatzes und der Halle und 150 Mark bewilligt. Zu den Kosten der am 16. Juni ftattfinbenben Feier des Regierungs-Jubiläums bes Kaisers soll ein et­waiges Defizit bis zur Höhe von 100 Mark übernom­men werden. Ferner wurden dem Verkehrsverein zu den Herstellungskosten des Führers durch Franken­berg und Umgebung 100 Mark bewilligt. Um allen von der Regierung geforderten Formalitäten für die Errichtung einer Rektoratschule zu genügen, gab die Versammlung dem derzeitigen Beschluß des Magi­strats in feinem vollen Wortlaut ihre Zustimmung.

[:] Neustadt, 11. Juni 1913. Von Samstag abend bis heute morgen wurde hier _ durch zwei Franziskaner-Patres ein eucharistisches Tri» b u u m abgehalten. Zu den jedesmaligen Standes- predigten füllte sich das festlich geschmückte Gottes- haus' bis auf den letzten Platz. Groß war die Zahl derjenigen, welche sich zum Beichtstuhl und Tische des Herrn drängten. Den Glanzpunkt der Feier bildete die feierliche Prozession durch die Straßen der Stadt. Mächtig durchbrausten die erhebenden Klänge des Te Teums die Kirche am Schlüsse der Gnadentage. Als Frucht des Triduums wurde das Männer-t a p o st o 1 a t ein geführt. j

$ Breitenbach a. Herzb., 11. Juni 1913. MiL zu den lieblichsten unb schönsten Punkten unseres Lessenlandes zählt der Herzberg ander Grenze des Knüllgebirges und des Vogelsberges, die Stammburg des althessiscken Adelsgeschlechtes der Freiherrn von Dörnberg. Von da aus genießt man bei klarem Wetter eine Aussicht, die den Thüringerwald und die Rhön, das Vogelsgebirge, den Kellerwald wie das Knüllgebirge und das Hornberger Bergland in sich schließt. Daneben grüßt uns noch so mancher liebe Bekannte, wie der Frauenberg bei Marburg, die Landsburg, Amöneburg, Stoppelsberg, Ahlheimev Landecker" und Dreienberg. Nach diesem herrliche» Fleckchen Erde wird der Knüllklub am Sonntag, den 15. Juni, eine Tour unternehmen, bei der die Weisen einer ans Musikern des 47. Artillerie-RegtS. in Fulda bestehenden Kapelle die Teilnehmer erfreuen werben.

hätte, daß Helene de Witt bis zu ihrer Großjährigkeit- nur 60 000 Mk. für ihre Erziehung bekommen und der Rest dem Vermögen zugeschlagen werden soll, lind nun ist der Vormund und Onkel des Mädchens bei der Vormundschaftsbehörde vorstellig geworden, sie möge diese Rente auf 100 000 Mk. erhöhen, da sonst das Mädchen nicht anständig lebgn kann. Zif­fernmäßig wies er nach, baß bie kleine Helene mit 60 000 Mk. jährlich darben muß. Sie besucht die vornehmste Mädchenschule Newyorks, hat einen Kla­vierlehrer, der sich seine Zeit mit Gold bezahlen läßt, sie braucht immerhin sechs bis acht Toiletten im Jahr, und ebensoviel entzückende Mädchenhüte, sie hat eine; Kammerzofe und eine französische Gouvernante, sie fährt einmal im Jahr nach Nizza. Der Vormund erklärte feierlich, daß er mit 60 000 Mk. sein Aus­langen nicht finden könne und schon Geld ans seiner eigenen Tasche zusetzen mußte. Tatsächlich hatten die Vormundschaftsrichter ein Einsehen mit der Not der jungen Erbin unb sie erhöhten bereitwillig bie Rente des Mädchens auf 100 000 Mk. jährlich.

— Ein Schlauberger. In einem Schlächterlabeu in Leipzig«Volkmarsdorf trat ein kleiner Bäckerjunge,; luchte in allen Taschen nach einem Groschen und verlangte ein Stück Wurst, indem er sanft ermunternd hinzusügte: „For’n Kranken iebrigens, deestrwächen messen Se man gut.* Aber die „Meestersch" lehnte ab, für einen Groschen Wurst zu verkaufen. Nicht mal für eine Leiche würde sie das tun, geschweige denn für einen Kranken. Der Bäckerjunge juchte von neuem, fand noch einen Groschen unb forderte nun „for’n Zwanziger* Läberwurscht. Die Meisterin schnitt ein Stück ab. AIS sie es in Pergament einwickeln wollte, sagte der Junge: „Nu machen Se recht hidsch zwee Bortionen dadervon, und wickeln Se mer'sch in zwee Badiere." Die Meisterin tat ihm den Gefallen, der Junge nahm nur ein Stück vom Ladentisch, zu­gleich auch den zweiten Groschen unb eilte zur Tür hinaus indem et sagte: „Nu sähn Se, warum gäben Se mer nicht direktemang sor eenen Groschen Läbcr- nmrfcht?"