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Fuldaer Zeitung

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fir. 133» Erstes Blatt

Donnerstag den 12. Juni 1913.

40. Zahrgang.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 11. Juni 1913.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung der

Heeresvorlage.

Abg. Erzberger (Z.): Der Abg. Noske hat uns ge­stern mit einer viereinhalbstündigen Rede erfreut. Er hat es noch gnädig gemacht (Heiterkeit); sein Freund Jaures hat ja angekündigt, daß er drei Tage hinter­einander im französischen Parlament reden will; wir sind also noch glimpflich davon gekommen. (Heiter­keit.) Es ist ein eigentümliches Spiel des Schicksals, daß in dem Reichstag, in dem die meisten Sozialdemo­kraten je gesessen haben, auch die größte Militärvorlage angenommen werden wird. Wer die Bewegung inner- halli der Sozialdemokratie verfolgt, der wird über die kolossale Kraftanstrengung des Abg. Noske nicht über­rascht sein. Sein Kollege Liebknecht hat ja schon aus­gesprochen, man müsse etwas energischer im Parlament auf treten; ab und zu sei auch ein Krach sehr angezeigt. (Heiterkeit.) Ich glaube, daß Herr Noske von ihm das Zeugnis la bekommen wird. (Heiterkeit.) Auch Rosa Luxemburg wird ja nun wohl zufrieden sein (Gelächter b. d. Soz.), die Ihnen (z. d. Soz.) doch eben in der Leipziger Volkszeitung vorgeworfen hat, daß Sie mit Ihrem Militärprogramm bis auf das Niveau der Fort­schrittspartei heruntergerutscht seien. (Lachen b. d. So­zialdemokraten.) Auch meine schwäbischen Landsleute m Stuttgart, die ihrem eigenen Reichstagsabgeordneten ein schweres Mißtrauensvotum ausgestellt haben, wer- den, denke ich, wenigstens der äußeren Kraftleistung ihres Fraktionsredners (Große Heiterkeit) ihre Aner­kennung nicht versagen. (Reichskanzler v. Beth- mann Hollweg er sch eint im Saale, von den Sozialdemokraten mit Ah! Ah! und Gelächter begrüßt.) Auch im deutschen Vaterlande werden die sozialdemo­kratischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wenn sie auch nach außen hin geschlossen auftreten, so ist es doch klar, daß sie innerlich uneinig und zerfallen sind. (Widerspruch bei den Soz.) Die gestrigen Ausführun­gen des Herrn Noske hätten einen Sinn gehabt, wenn sie in der ersten Lesung vorgebracht worden wären. An dem so aufnahmefähigen Genossen Noske sind alle Kommissionsverhandlungen spurlos vorbeigegangen, und doch waren diese Beratungen so eingehend wie nur rnög- lich. Er klagt über die hohen Geldausgaben bei dem jetzigen System, aber er verlangt das Mi l i z s h st e m , das nach den Ausführungen seiner Parteigenossen Grad- nauer und Schöpflin noch mehr Geld verschlingen würde. Das deutsche Heer ist das gesundeste Heer der ganzen Welt. Zweifellos lassen in den Kreisen der Gebildeten die Zahlen der Gestellungspflichtigen nach. Von den deutschen Studenten sind 70 Prozent nicht genügend. DaS ist der höchste Prozentsatz der ganzen Welt. Auf die Schulstunden fallen bei uns aber auch titel weniger Turnstunden prozentual als in England und Frank­reich. Aber trotzdem ist es nicht richtig, wenn Herr Noske sagt, daß der mangelhafte Arbeiterschutz einen Rückgang der Tauglichkeitsziffer herbeigeführt hat. Auch die Vorwürfe gegenüber unserem Flugwesen sind unberechtigt. Die ältesten Zeppeline sind im Besitze der Militärverwaltung. Die Angriffe gegen die Militär­flieger, die mutig chr Leben aufs Spiel setzen, müssen wir zurückweisen. (Lebhaftes Sehr richtig! rechts und in der Mitte.) Das, was Herr Noske gegen das Ge­bühren der Abnahmekommission von Krupp gesagt hat, unterschreibe ich. General Wandel hat ja auch alles bestätigt. Unsere Offiziere und Unteroffiziere dür­fen keine Zulage von der Firma Krupp bekommen. Das Deutsche Reich ist reich genug, um zu bezahlen, was dabei etwa fehlt. Ich bin erstaunt, daß bis in den späten Dezember hinein die Mililärvcrwattung davon nichts gewußt haben will, wo ich selbst im Jahre 1910 in der BudgetkomMission darauf hingewiesen habe. Wann wird endlich die U n t e r s u ch u n g s k o m m i s s io n für die Heereslieferung eingesetzt werden? Herr Noske sagt, es gäbe momentan keine Kriegsge­fahr und auch in absehbarer Zeit bestehe keine. Aber der Kluge baut vor. Andere Genossen haben noch in allerneuester Zeit darauf hingewiesen, daß eine Kriegs­gefahr bestehe. Der Kaiser hat vor 25 Jahren gesagt, das Heer solle stark und mächtig sein, um den Frieden zu schützen. Dieses Kaiserwort hat er gehalten. (Leb­hafter Beifall rechts.) Wir sehen in dem Heere ein

Var

Kinöl.

14] Roman von Felix Na vor.

Dann stand er vor der Staffelei mit Annies Bild, und eine jähe Wut, gemischt mit Eifersucht, stieg in ihm hoch. Er ballte die Fäuste und grollte: „Der verdammte Berliner! — Am Ende schleppt er mir gar noch mein liebes Münchner Kindl weg!" Aber mit dem Optimismus der Jugend wies er den Ge­danken zurück und dachte: „Ach was, der geht wieder! Und hat ja ganz gewiß schon längst eine Braut in Berlin!"

Das Bild da kam ihm eben recht. Er wollte Kritik üben an dem Maler und stellte sich mit der Miene eines Akademieprofessors, der als Mitglied der Jury sein Urteil adgeben soll, vor die Staffelei. Jeden Ge­sichtszug, jede" Falte des Gewandes, jeden Pinselstrich unterzog er einer strengen Kritik, und das Endergeb­nis war em greulicher Fluch: „Himmelhageldonner­wetter — das liaö G'sichstrl so zu verschandeln!"

Dann vertxan'oelte sich fern Zorn in eine weh­mutsvolle Trauer, gleich als ob dem Anncrl das größte Unglück zugestoßen wäre. In seiner Herzens­erregung verfiel er in seinen echtesten Münchner Dialekt und seufzte: ,.Ah — na, das is net 's An- nerl! — Das is a Pupp'n-Paradi-G'sicht! — Kein biß! Gutsein is drinn, kein Herz und kein G'müt! — Ja mein: wie soll so a herg'schneiter Preuß' a so a fems G'sichterl malen können, wie's mei Annerl hat? — So a herziges Minkner Kindl, dem d' Lieb und d' Freud grab aus den Augen 'rausschaugt? — Na, na — das bringt der Berliner sein Lebtag net $’ weg' — und wenn er zehnmal a Baron ist!" —

Jmmex wieder schüttelte er den Kopf über das Unrecht, das Annie widerfahren . war und fragte sich: „Wie könnt man das nur wieder gut ma­chen?" —

Und mit einemmale hatte er die Antwort gefun­den. Er ergriff Pinsel und Palette und begann fie­berhaft zu malen. Dabei hellte sich sein Gesicht auf Und er sprach vor sich hin: „Mein ?nr<rl, jetzt macht

Friedensmittel. Ist der Frieden in Ehren nicht mehr zu erhalten, so muß das Heer kräftig fein. In dieser Stimmung treten wir an die Bewilligung der Heeresvorlage heran und mit der Maßgabe, daß keine Ausgabenbe toilIigung ohne vorherige Deckung stattfinden darf. Alles andere ist eine (Stüm­perei oder ein Stückwerk. Der Bundesrat mutz auf dem­selben Standpunkt stehen. Darum bringen wir mit allem Nachdruck zum Ausdruck, datz Deckungsvor­lage und Heeresvorlage z u sa m m e n g e h ö. r e n. In Frankreich wurde gesagt, Deutschland mag mehr Menschen haben, aber wir sind reicher und zah­lungsfähiger. Das ist nicht richtig und mutz durch die Tat bekämpft werden. Alle Parteien, die von der Not­wendigkeit der Heeresvorlage durchdrungen sind rnmsen auch vereint die Kräfte besitzen, eine g e r t e Deckungsvorlage zu schaffen. In dieser V s- setzung billigen wir die Heeresvorlage in der Kommis- sionsfassung. Die Verstärkung der Etatsstärke, die Be- sch»eunigung der Mobilmachung und im Ernstfälle mög­lichst junge, mcht verheiratete Leute dem Feinde ont- gegenzustellen, das halten wir für richtig und nötig. Was in Frankreich in der Zwischenzeit passiert ist, borbereitet und genehmigt wurde, zwingt uns, die Hee­resvorlage anzunehmen. Zum Verständigen ge­hören zwei. Deutschland hat Frankreich mehr als ein­mal die Friedenshand hingehalten. Die Antwort war nie ermunternd. Aus Frankreich tönt uns auch feine Friedensliebe entgegen. Nie ist amtlich mit so falschen Zahlen operiert worden, als in Frankreich mit den Zah­len der deutschen Armeestärke. Frankreich hat sein Heer viel mehr verstärkt als wir das unfern. In Frank­reich hat man gerüstet, als in Deutschland noch die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" das Kommen einer Militärvorlage ableugnete. Und bereits fünf Tage nach der ersten Anzeige brachte der „Temps" die 'Jiarfr’djt von der beabsichtigten Einführung der 3 jährigen Dienst­zeit. Dieser Entwurf ging der franzvma^u Hammer zu, ehe der unsere über unsere Heeresvorlage gemacht wurde. Nun hat man gesagt, wenn in Deutschland die Vorlage zurückgezogen wird, dann wird Frankre-ch die (einige ebenfalls zurückziehen. Das zu g.aubert, dazu gehör! ein Glaube, der Berge versetzen ’ann. Aus Ein­zelheiten der Militärvorlage gehe tch nicht ein. Eine Anzahl von Verbesserungen haben wir durchgesetzt. Ich will nur hervorheben, datz wir die Uebungenber Reservisten in die Wintermonate verlegen, so weit es geht. Landwirtschaft und Gewerbe werden Nutzen davon haben. Soldatenreiche Familien sollen Ent­schädigung bekommen, sollen vom Wehrbeitrag Abzüge machen können. Der Ernteurlaub soll meh- ausgedehnt werden. Entscheidend ist für uns die lieber- zeugung, datz eine stärkere Garantie für den Frieden im stärksten deutschen Heere steckt. Das Ri­siko, gegen uns anzustürmen, mutz groß sein. Die Er­haltung des Friedens liegt im starken Heere. ^Lebhaf­ter Beifall im Zentrum.)

Abg. Dr. Semler (ntlb.): lieber die Notwendigkeit der Wehrverlage sind alle bürgerlichen Parteien sich klar. Di« Frag« ist nur, ob andere Bedingung«« kommen können, über die bi« Wehrvorlage doch zu Fall kommen könnte. Wir wünichen durch die jetzige Vorlage dt« all- gemtine Wehrpflicht tm Sinne des Scharnhorst'ichen Ge­dankens durchgejührt. Je stärker wir sind, desto un­wahrscheinlicher ist der Krieg. Die Worte d 8 Abg. NoSke, daß die Armee halb bet Sozialdemokratie aus« geliefert fein werbe, sink» eine Uebetbebung. Noch ist die Armee ein Bollwerk bes monarck,sichen ISebanten». Wichtiger al8 die Deckungssrage ist uns [ebenfalls, baß Oie Vorlage bis zum 1 Juki beschlossen fein muß, bamit sie am 1. Oktober in Kraft treten kann. Es wäre zu bedauern, trenn es bei der jetzigen Vorlage unter den bürgerlichen Parteien eine Partei der Sieger und Besiegte« gäbe. Bei der Deckungsfrage kommt es vor allem auf eine gerechte Verteilung bet Lasten an.

Abg. Gans Edler zu Putlitz (K.) teilt die Ansichten des Abg. Erzberger über imfer Verhältnis zu Fr in reich und stimmt feinen Ausführungen gegenüber der Sozial­demokratie zu. Für di« Kavallerie sind in neuerer Zeit derartig viele neue Aufgaben entstanden, daß wir die Verantwortung mcht auf uns nehmen können, die Regierungsvorlage in dieser Hinsicht abzuichwächen. Wir verlangen im Gegenteil statt 6 Kavalle teregtmeiuer deren 8. Die Einschränkung oer Kommanoogewali können wir nicht billigen. Wenn Abg. Roste den Kapi­talismus bekämpfen will, muß er für das fetzige Regime einiteten. Der stärkste Damm aeaen die fapttaltfniche

der Puck gut, was der andere an dir g'sündigt hat. Gib acht, das Bild! wird fern, weil mir d' Lieb den Pinsel führt! — D' Lieb, d Lieb — die seligste Lieb'!"

Nun wollte er zeigen, welch ein Künstler er war. Er vergaß alles um sich her, dachte nur an sein An- ner, — und malte, malte in einem fort. —

Einmal steckte Gusti den Kopf zur Türe herein und schrie auf. „Mär' und Joseph! — jetzt pinselt der Puck gar an 'm Herrn Barohn sein ’m Bildl 'rum! — Jessas, Jessas — das gibt a Unglück! —" Bei einem Glas Wein und einem Schinkenbein suchte sie sich für kommende Strapazen zu stärken, und als cs so „schön still" im Hause war, trat sie flink eine Reise ins Traumland an, das mit langhaarigen Ma- lern und strammen „Schweren Reitern" bevölkert war. —

Puck malte inzwischen mit einem Eifer, als ob es gelte, alle goldenen Medaillen der Welt mit einem Schlage zu erringen.

Erst als es in dem Zimmer zu dämmern begann, legte er mit einem tiefen, befreienden Aufatmen Pa­lette und Pinsel w°r und betrachtete wohlgefällig sein Werk. „So, jetzt schaut's anders aus, das Münchner Kindl", sagte er. „Jetzt hat's eine Seel' und 's Herz lacht ihm aus den Augen! —Ja meine lieben Leut, man darf bei einem solchen Bildl net allein mit Far­ben malen — man muß auch alle Lieb' und Freud' und alle Glückseligkeit d'rein mischen! — Wie wird 's Annerl schaug'n, wenn sie das Bildl sieht — ihr Ebenbild! — Aber es soll eine Ueberraschung sein — eine freudige —"

Er trug Staffelet und Bild zu dem großen grauen Vorhang, hinter dem sie auch sonst immer geborgen wurden, wenn eine Sitzung beendet war. Und je länger er das Bild anblickte, um so lieber wurde cs ihm und plötzlich war es ihm, als ob es blühendes Leben, als ob es „sein Annerl" in eigener Person wäre. Phantasie und Wirklichkeit schmolzen ineinan­der zusammen und bei seinem Lieben und Träumen glaubte er, es sei ihm körperlich nahe, sein liebes Münchner Kindl. Das Bild gewann Leben, schien zu atmen, lächelte ihm zu. —

Strömung ist ja die Monarchie. Wir wollen keinen Krieg, aber wir wollen, baß, wenn wir einen Krieg bekommen, wir jo stark sind, wie wir nur jein können. Wir sind überzeugt, baß auch bas Volk bi« neuen großen Lasten tragen kann ohne Hemmnis feiner wirtfchastltchen unb kulturellen Bedürfnisse. (Beifall rechts.!

Abg. Müller-Meiningen (Vp.i: Die Regierung ist schukb, baß sich die Berabichi düng bes Gesetzes verlpätet, denn sie hat biefe Mtlliarbenvorlage ttrem abgehetzten, übermüdeten Parlament erst im April übermittelt Daß die Linke die Vortage verschleppe, ist jedenfalls mcht richtig. Vor wenigen Tagen erst hat em angeiebeneS Mitglied vieles Hanfes eine Rede gehalten, in der er wörtlich gesagt hat: „Wenn ich Reichskanzler wäre unb das wäre daS fchlimmste, was mir passieren könnte (Große Heiterkeit), unb es wäre Ende Juni die Bewilli­gung der Webrvorlaae noch nicht als sicher anzufehen, io würde ich Sr Majestät sagen: Dieser Reichstag muß nach Haufe ge'chickt werden, oder aber: Hier ist mein Amt, ich kann nicht länger regieren." Der diese Worte gesprochen hat, war kein Geringerer a'S unser Kollege Dr. Derlei. (Hört! hö t! links unb Ruse: Wo ist er Benn?) Wer hat sich denn überhaupt darauf tapri tert, daß diese Vorlage, auf die die ganze Welt steht, unerledigt bleibt, bis die Deckungsfrage nach ihren Wünichen ge­regelt ist? Das sind die Rechtsparteien gewesen, sie sind es, die sich eines VerichleppungsveriuchS schu big gemacht haben. (In btefem Augenblick encheint, von leinen Parteigenossen herbeigeholt, Dr. Derlei tm Saal; er geht gewichtigen Schrittes nach ber Redner­tribüne zu unb verbeugt sich mit ironifcher Feierlichkeit vor dem Redner.! Da steht ja nun bas corpus delicti vor mir (Stürmilche Heitertritt, aber nun bin tch bereits fertig mit Ihnen unb kann Ihnen bähet keine we.tere Beachtung schenken. (Dr. Derlei btebt sit> um und i erläßt unter stürmischer allgemeiner Heiterkeit den Saal. In ber Frage ber Kavallerieregimenter muß ich bitten, es bei dem Kommissionsbeschluß zu belassen Die Sozial­demokraten feien in den Kommiisionen mertwürdigerweise viel milder geg nüber de- Vorlage geweien, da auch auf st« die Schwierigkeit unterer Mobilmachung nach zwei Fronten hin den tielften Eindruck gemacht habe. Redner tritt bann für Bewilligung der Vorlage ein und wagt, ob nicht der gtöß.e Verbrecher aller Zeiten, Oberst Re bl, auch deutsche Geheimnisse verraten habe.

Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg: In Ihrer Kommnsion hat sich eine entschiedene Mehrheit für Oie Wehrvorlage ausgesprochen. In einzelnen Positionen ist die Meinungsverschiedenheit geblieben: batübei wird im weiteren Verlaule der Debatte zu sprechen sem, m- sonderheit über die Anzahl der auszustellenden Kai aller te- Regimenter. Ich überlasse die wetteren Aussührungen meinem Nachbar, dem Herrn Kriegsminiiter, aber ich will schon jetzt für mein Teil betonen, die Forderung, die wir Ihnen in b.r Vorlage unterbreitet haben, be­züglich der lechs Kavallerie-Regimenter ist eine Forderung, die wir zur Sicherung des gesamten Hee- resgefüges und zur besonderen Sicherung der Grenz- provinzen aufrecht erhalten müssen. (Lcbh. Zustim­mung rechts.) Es würde die Tatsache, datz die Wehr- Vorlage im Ganzen in der Kommission eine Piche große, ausgesprochene Mehrheit gefunden hat, abschwächen, wenn ich heute auf die Gründe zurückkommen wollte, die zu dieser Vorlage geführt haben und deren Stich­haltigkeit von der Mehrheit der Kommission anerkannt worden ist. Ich nehme das Wort, nawdem von -inigen Seiten der Zusammenhang zwischen der Weh r- und der Deckungsvorlage besprochen und eine Auskunft darüber erbeten worden ist, wie sich die Re­gierung zu dieser Frage stellt. Der Standpuntt der verbündeten Regierungen ergibt sich klar und deutlich aus der Lage der Dinge. Wie ist die Situation? Es ist ein unbedingtes Erfordernis, daß die Hee res- verstärkung unverzüglich ins Werk ge­setzt wird. Tas ist der oberste Grundsatz, nach dem ich meine Haltung regeln mutz (Lebh. Beifall rechts), und in alle Konsequenzen h t n- aus regeln werde. (Bewegung.) Daneben steht.die Forderung, daß die Finanzen weder des Rei­ches noch der Bundes st aalen erschüttert werden. Auch sie sind ein zwingender Bestandteil der Bereitschaft des Reiches. (Lebhafte Zustimmung.) Tie verbündeten Regierungen sind dieser Forderung vollauf nachgekomnicn. Wir haben Ihnen volle Deckung liorgc- schlagen. Ihre Pflicht ist, eine Einigung zu su­chen über die Fragen der Deckung, soweit die Einigung noch nicht erzielt worden ist. Ich bin fest überzeugt.

Ta umschlang er es mit seinen Armen und küßte leise und erschauernd den roten, süßen Mund — „An­nerl, mein Annerl"", flüsterte er, „du mein Ein und Alles auf der Welt! — Du mußt mein liebes Weib werden, sonst sterb' ich vor Kummer und Herzeleid. Komm, Kindl, liebs — laß dich Herzen!" —

Immer wieder küßte er den feuchten roten Mund, den er selbst gemalt hatte, und vergaß alles um sich her —

Aber dann schreckte ihn Annies Helles Lachen auf: sie trat mit ihrem Vater in das Erkerzimmer und nun war es für Puck zu spät zum Entfliehen. Rasch zog er den Vorhang vollends zu und saß ganz still hinter der grauen Faltenwand. —

Annie warf sich ihrem Vater an die Brust. „Papi, lieber Papi", jubelte sie, „ich muh dir ein Geheimnis verraten!"

Pirkheimer horchte auf. Aus Annies Jubelruf heraus vernahm er freudige Herztöne. Tas leise, zarte Schwingen ihrer Seele, jenes Helle Klingen, das wie eine silberne Glocke, rein und klar tönte. Nur das Glück hat dieies Helle, herzensfrohe Klingen, die­ses jubelnde Geläute! — „Annie", rief er, „was ist dir? — Tu bist so erregt, du zitterst! — Und ganz heiße Wangen hast du — und so Hellen Glanz in xcn Augen! — Sprich, was ist es, was dich so glücklich macht?"

Annie hing sich an seinen Arm und zog ihn zum Erker, vor dessen Scheiben das verglimmende Sonnen­feuer wie ein rosiger Schleier hing. Und jauchzend, nicht ahnend, daß" ein dritter ihr süßes Bekenntnis hören könnte, kam es von ihren Lippen: „Denk dir nur, Papa, Hardy war hier--und ... ja, da hat

er mir gesagt, daß er mich lieb habe und hat mich geküßt. Nun bin ich seine Braut, Papi! — Ach, ich kann dir gar nicht sagen, wie selig ich bin!"

Pirkheimer fuhr ihr zärtlich über's heiße Gesicht „Ja hast du ihn denn lieb, Kind?"

„Ach, Papa, ich kann nicht leben ohne Hardv! In zwei Tagen kommt er und hält bei dir um meine Hand an. Und nicht wahr, du wirst nicht Nein sa­gen, sonst müßte ich sterben vor Jammer —"

die Einigung wird gefunden werden, weil |ic gefunden werden muß. Ein Volk, das in der Mehrheit seiner parlamentarischen Vertretung zu der Gewißheit getont, men ist, daß seine Wehrmacht verstärkt werden muß, weil es die Sicherheit und der Schutz des Vaterlandes verlangt, dieses Volk hat ein Recht darauf, daß ihm dieser Schutz in Wirklichkeit gewährt wird. (Sehr rich­tig' rechte.) Auf dem Wege, den Sie ernge'chlagcii ha­ben, gibt es kein Zurück! Wir können nicht das Volk um den Schutz betrügen, von dem wir überzeugt sind, daß er ihm nottut. (Sehr richtig! rechts.) Das wäre eine Versündigung am Vaterland, deswegen werde ich mich für meinen Teil dafür einsetzen, daß die Wehr. Vorlage zu dem Zeitpunkt ins Werk ge. setzt wird, den.die Vorlage vorsieht, und ich werde mit Ihnen nachdrücklich arbeiten, und, wenn es nottut, auch kämpfen, baß die Mittel bereit, gestellt werden, die dazu führen. (Beifall.) Lassen Sie uns handeln und ein Werk zum Abschluß bringen, für dessen Scheitern kein Mens h d'e Verant. Wortung tragen kann. (Sehr richtig rechts, lebhafte» Beifall, große Bewegung im ganzen Hause.)

Abg. ti. Siebert (Rpl): Dte StanaUem ist für der Kriegsfall von größter Wichtigkeit. Wir nimm en bet Heeresvorlage ,u und werden uns dafür ein|etzen, d« Abstrich« rückgängig ,u machen.

Abg. Colsborn (Well«) tritt für die Kommissions­fassung ein und verlangt eine gerechte Verteilung der Lasten.

Abg. Baflermann (ntlb.): Wir sind mit dem Reichs­kanzler oer ühemuug, daß die rechtzeitige Verabschiedung oer Webrvorlage em Gebot nationaler Notwendigkeit fei. In wachsendem Maße werden Beschwerden laut über di« jetzig« Grstaltung des Webrbeitrags. Ich hoffe, daß die Regierung mit gewohnter Energie (Heuer- fett) sich für die Regierungsvorlage em'eisen wird. Daß die Deckungsvorlage tm Lause des 6. mmerS erledig: wird, ist unumgänglich i oiwendtg, und ich hoffe, das wir zu einer Einigung kommen und zwar auf dem Boderi einer Retchsdeirtz Neuer, damit mchi auf die Ma- trilulaxbetträge juiüdgegtiffen werden muß. Was du Kavallerre anbelangt, fo ist nach unserer Meinung bv Forderung bet neuen lechs Regimenter begründet.

Donnerstag: Fortsetzung.

Die Rcichskanzkerrede vom Mittwoch.

Der Reichskanzler hat gesprochen, aber dir Welt ist nicht viel klüger geworden. Er sprach schwungvoll und kräftig, aber gerade um die heißesten Stellen in dem Brei ging Herr v. Bethmann herum.

Er sagt, es sei ein „unbedingtes Erforder- nis", daß die H e e r e s v e r st ä r k u n g unverzüglich ins Werk gesetzt'werde. „Daneben" stellt er die „Not­wendigkeit der Deckung und Plaidiert lebhaft für eine Einigung, die „gefunden werden wird, weil sic gefunden werden muß". Doch fehlt hier das Wörtchen „unbedingt". Die rechtzeitige Verabschie­dung der Heeresvorlage wird als „oberstes Gesetz" hingestcllt, nach dem der Reichskanzler seine Haltung „bis in alle Konsequenzen hinein" regeln will uni muß, also auch wohl bis zur Reichstagsauflösung. Für die Deckung will der Reichskanzler „mit dem gleichen Nachdruck mit ihnen arbeiten und wenn nötig auch kämpfen". Leider gibt der Reichskanzler nichts näheres an über die Art dieser Arbeit und des etwaigen Kampfes. Warum sagte er nicht klipp und klar: die Regierung besteht unbedingt auf der Gleichzeitigkett von Ausgabe und Deckung? Warum betonte er nicht ausdrücklich die Notwendig­keit derselben Mehrheit für die Wehr- uni die Steuergesetze? Er konnte das z. B. in die be­ruhigende Versicherung kleiden: „Diejenigen Parteien, die für die Wehrvorlage sttmmen, brauchen nicht be­sorgt zu sein vor der Gefahr, daß sie in der Deckungs­frage vergewaltigt würden mit Hilfe einer Partei, die sich der Heeresverstärknng selbst widersetzt. Einer Lösung der Steuerfrage, bei der die verneinende Par­tei den Ausschlag gäbe zum Schaden von wesentlichen Grundsätzen und Interessen positiver Parteien,

„Kind, daran stirbt man mcht! — Wenn du glaubst, daß du mit Hardy v. Sandow glücklich wirst, so habe ich nichts einzuwenden gegen diese Verlobung. Tenn ich wünsche ja von Herzen, daß du so glück­lich wirst, wie du es Verdienst!"

„Papi, mein Herzenspapi — dank dir!" Sie küßte ihn unter Lachen unb Weinen und zog ihn mit sich hinaus, um auch Tante Betty und Gusti ihr Glück zu verkünden.

Hinter den Falten des Vorhanges erhob sich Puck mit totblassem Gesicht und suchte taumelnd den Aus­gang. 9'icntanb bemerkte ihn, benn sie waren alle mit Annie beschäftigt unb mit ihrem Glücke.

„Nun ist mir mein Liebstes verloren!" murmelst Puck. „Verloren! —" Unb er wankte burch ben Garten unb suchte einen Weg aus ber Finsternis seines Lebens. —

V.

Harby v. Sandow hatte sich so sehr an seine Be­suche tm Hause Pirkheimer unb an Annies Gesell­schaft gewohnt, baß ihm bie paar Tage bis zu seiner Werbung wie eine Ewigkeit erschienen. Um wenig­stens bie Zeit totzuschlagen, beschloß er. om Abend den „Klub der Einsamen" zu besuchen, in den thn Map Heuberger etngclaben hatte. Dessen Karte er­schloß chrn ohne Anstand die Türen des Klubs. Im Vorzimmer fand er einige Herren im Frack, die leist' plaubcrten oder gelangweilt in Journalen blätterten.

Sandow lächelte ironisch. „Ein Spielklub," dachst er, „sonst nichts weiter! Als ob ich diesen ganzen Klimbim nicht kennte! Die Besrackten sind bezahlte Angestellte des Klubs und haben die Aufgabe, bei etwaigen Recherchen dte Polizei aufzuhalten und den Klubmitgliedern ein geheimes Alarm,zeichen als War nung zu geben. „Nun — meine Börse ist gespickt — und ein paar Tausender kann ich schon wagen. Mein kühles Blut schützt mich davor, Torheiten zu begehen — und im rechten Augenblick werde ich einfach Schluß machen."

Zwei glattrasierte Lakaien in schwarzseidenen Kniehosen und rotem Frack öffneten ihm die Türe zu dem verbotenen Paradies — und er trat -»n.

(Fortsetzung folgt.)