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2. Blatt.

druck 6« finltcer Aetiendruckerei in 5«Ida.

Zuldaer Zeitung. ---

M 151.

Dienstag 10. Juni 1915.

Ztadtverordneten-Versammlung.

--- Fulda, 10. Juni ISIS.'

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver­sammlung nahmen 30 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni und den 1. Beigeordneten Halbleib vertreten. Außerdem nahm Stadtprobator Wohlgenruth an der Versammlung teil. Den Vorsitz führte der stellvertre­tende Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt und No­tar Rang.

Vor Eintritt in die Tagesordnung wird ein Dank­schreiben der Frau Kunstgärtner Breitenborn für die Teilnahme des Kollegiums beim Tode ihres Mannes mitgeteilt.

1. Beschluß des Bezirksausschusses betr. Ablehnung der Genehmigung der beschlossenen Kanalgebühren- Ordnung und die Erhebung eines einmaligen Kanalbei­trages. — Ordnung betr. die Erhebung von Kanalbe- nutzungsgcbühren. Stv. Fritz: In der letzten Sitzung wurde in dieser Angelegenheit beschlossen, gegen den Beschluß des Bezirksausschusses Beschwerde einzulegen beim Provinzialrat und die Sache an eine Kommission zurückzuverweisen. Durch Anfrage ist festgestellt wor­den, daß in Kassel y, und in Marburg Vs der Kanal­baukosten durch einmalige Beiträge entrichtet wurden. In der Konunission ist man sich über die Beitragsfrage nicht einig geworden. Der Magistrat hatte bekanntlich vorgeschlagen, die Kosten des Kanalbaues nach Nieder­schlag von 13 000 Mk. uneinbringlicher Gelder auf 1026 000 Mk. festzusetzen und ein Viertel dieser Kosten durch einmaligen Beitrag zu erheben. Der größte Teil der Kommissionsmitglieder sträubte sich gegen diesen Vorschlag, da die Beiträge zu hoch beniessen seien und die Hausbesitzer allein für Hausanschlüsse schon 105 000 Mark entrichtet hätten. Einen positiven Vorschlag der Kommission kann ich nicht machen. Stv. Dux: Es ist zunächst die grundsätzliche Frage zu lösen, ob die Haus­besitzer vorbelastet werden sollen oder nicht. Ich stelle den Antrag, diese Frage zu bejahen. Stv. Schwarz: Es ist doch der Beschluß gefaßt, beim Provinzialrat Beschwerde zu erheben und man sollte deshalb dessen Entscheidung abwarten, bevor man zu dieser Angelegen­heit eine neue Stellung einnimmt. Der Oberbürger- m e i st e r: Ich habe in der letzten Sitzung hervor­gehoben, daß ein Beschluß zustandekommen müsse, da sonst die Einspruchsfrist verstreicht. Ich fasse den da­maligen Beschluß als einen provisorischen auf, in der Absicht getätigt, die Gültigkeit der früheren Beschlüsse durch Einspruch zu wahren. Ich habe mich bei der Re­gierung in Kassel erkundigt und erfahren, daß der Pro­vinzialrat erst im Oktober zusammentreten wird. Es muß aber unbedingt vorher für die Deckung der Betriebs­kosten Geld beschafft werden. Stv. Schulte: Um die Debatte in die rechten Wege zu leiten, stelle ich formell den Antrag: Die Hausbesitzer werden vorweg belastet, die Höhe der Belastung kann nachher geregelt werden. Die Hausbesitzer haben durch die Kanaleinrichtung schon dadurch einen besonderen Vorteil, als sie jährlich 12 000 Mark Reinigungskosten sparen. Stv. Schwarz spricht gegen diesen Antrag und plädiert nochmals dafür, den Beschluß des Provinzialrats abzuwarten. Dann wendet er sich gegen die Auffassung, daß die Hausbesitzer einen besonderen Nutzen aus der Kanaleinrichtung zögen. Als vor Jahren die Entrichtung von Kanalbeiträgen beschlos­sen worden sei, wären die Vorteile den Hausbesitzern so schön gemalt worden, daß sie selbst daran geglaubt hätten; heute, nach 7 Jahren, sei man jedoch anderer Meinung und es sei sicher, daß nie ein Beschluß auf Vorbelastung der Hausbesitzer zustande komme. Mlt der Belastung der Hausbesitzer müsse endlich Schluß gemacht werden, sonst würden sie ruiniert. Stv. Schultheis bittet, den Antrag Schwarz abzulehnen. Ohne Vor­belastung der Hausbesitzer werde man, wie in anderen Städten, auch hier nicht auskommen, da ein Vorteil für sie nicht abgeleugnet werden könne und sonst auch der Bezirksausschuß Schwierigkeiten mache. Es frage sich nur, wie hoch diese Vorbelastung bemessen werden solle. — Der Antrag Schwarz, die Entscheidung des Provinzialrats vorerst abzuwarten, wird darauf mit 18 gegen 12 Stimmen angenommen. Stv. Fritz: Wir kommen jetzt dazu, die Gebührenordnung zu er­ledigen, um für die Betriebskosten und zur Deckung der Zinsen und des Tilgungssatzes in Höhe von 104 000 Mark Geld zu beschaffen. Die Ordnung enthält im wesentlichen die Bestimmungen der am 17. April be­schlossenen Ordnung, jedoch mit dem Unterschiede, daß für den Mietwert ein geringerer Betrag in Anrechnung gebracht ist. Außerdem sieht die Ordnung vor, für die Zeit vom 1. April 1913 bis 1. April 1914 ein Mehrfaches der Sätze und zwar ein Viertel mehr zu erheben. Stv. Dux stellt fest, daß für diese Zeit nicht ein Viertel, sondern, da die Gebühren auf nur dreiviertel Jahre verteilt werden, ein Drittel der Gebühren mehr er­hoben werden müsse. Der Oberbürgermeister: Wie ich an zuständiger Stelle erfahren habe, wird die Gebührenordnung wegen der hohen Sätze voraussicht­lich nicht genehmigt werden. Es bleibt für diesen Fall nichts anderes übrig, als für das laufende Jahr die Steuern zu erhöhen und zwar die Zuschläge zur Einkommensteuer um 33 Proz. auf 195 Proz. und die Grund- und Gebäudesteuer um 35 Proz. auf 213 Proz. Es wäre also die vorliegende Ordnung zu beschließen mit dem Zu;atzantrag aur Erhöhung der Steuern, falls die Ordnung nicht die Genehmigung des Bezirksaus­schusses fände. Stv. Laux: Die Regierung wird nicht zugeben, daß die Einkommensteuer erhöht wird, die Grund- und Gebäudesteuer dagegen nicht. Zudem würde eine Erhöhung der Steuern eine Schonung der steuer- kräftigen staatlichen Beamten bedeuten, die keine Grundsteuer zu entrichten haben. Stv. Schwarz sührt nochmals aus, daß von einer Vorbelastung der Haus­eigentümer keine Rede sein könne, da diese sich keines­wegs günstig ständen. Sie würden sich sträuben, so lange es ginge. Wenn andere Städte als Beispiele herangezogen würden, so müsse man bedenken, daß die Hausbesitzer dort auch vielleicht arroganter seien. Die Häuser rentierten sich dort mit 6—7 Proz., hier nur mit 4 Proz. Die Gebührensätze für das laufende Steuerjahr betragen für 1—500 Mk. Mietwert 2,50 Proz., für 151—200 Mk. Mietwcrt 3,35 Proz., für 201 bis 300 Mk. Mietwert 4,25 Proz., für 301—600 Mk. Mietwert 5 Proz., für 601—900 Mk. Mietwert 5,75 Proz. und für 901 Mk. und mehr Mietwcrt 6,70 Proz. Die Vorlage betreffs Gebührenordnung wird darauf genehmigt.

2. Bereitstellung eines Kredits für das am 16. Juni staitfindcnde Volksfest. Stv. Vollmer: Zur Deckung der Unkosten für das Volksfest werden 1000 Mark ge­fordert, und zwar 500 Mk. für die Musik, 100 Mk. für das Podium, 200 Mk. für Beleuchtung und 200 Mk. für verschiedenes. Ich bitte den Magistrat, dafür Soroe zu tragen, daß bei der Feier die Anlagen des Schloßgartcns nach Möglichkeit geichont werden. Stv. S u n k e l : Ich möchte anfragen, ob auf den städtischen Büros an dem betreffenden Tage gearbeitet wird. Für das Schlachthaus kann ein Ausfall der Arbeit nicht in Frage kommen, da gerade Montags viel geschlachtet wird. Der Oberbürgermeister erklärt, daß bezüglich des städtischen Bürodienstes noch keine Entscheidung ge­troffen sei. Er sei auch der Meinung, daß im Schlacht­haus gearbeitet werden müsse. — Die geforderte Summe wird bewilligt.

3. Bichmarktangelcgenheit. Stv. Sunkel: Der Magistrat hat in der Viehmarktangelegenheit mit den Vertretern^ des Viehhändlervereins und mit dem Herrn Kreistierarzt unterhandelt und besonders durch das Ent­gegenkommen des letzteren von Anfang an ist eine schnelle und zufriedenstellende Erledigung der Angelegenheit gefunden. Es ist das um so mehr erfreulich, als die bisher wichtigsten Viehmärkte im Rcg.-Bez. Kassel an Bedeutung verloren hätten, wenn mehrere Märkte nach­einander ausgefallen wären, wodurch die hiesigen Ge­werbetreibenden und die gesamte Bevölkerung Schaden erlitten hätte. Zwischen der Stadt und dem Herrn Kreistiergrzt ist ein Vertrar zustande gekommen, wo­

nach die Stadt die Kosten der veterinärpolizeilichen Maßnahmen übernimmt. Als Vergütung 'für die Un­tersuchung des Viehes zahlt die Stadt pro Markt bei einem Auftrieb bis zu 100 Stück 30 Mk. und für jedes weiter angefangene 100 ebenfalls 30 Mk., jedoch nur bis zum Höchstsätze von 100 Mk., sodaß also bei einem größeren Auftrieb eine Erhöhung der Vergütung nicht mehr eintritt. Das mit der Eisenbahn und zu Fuß angekommene und untersuchte Vieh gilt als zum Markt aufgetrieben, auch wenn es nicht am Marktplatz vorge­führt worden ist. Der Kreistierarzt fordert ferner für die Revision der Ställe eine jährliche Pauschalsumme von 600 Mark. Die der Stadt hieraus entstehenden Unkosten werden zunächst durch Erhöhung des Stand­geldes auf 20 Pf., wodurch eine Mehreinnahme von etwa 1100 Mk. erzielt werden dürfte. Der Viehhändler­verein hat sich bereit erklärt, für jeden der etwa 30 Betriebsställe jährlich 10 Mk. zu entrichten. Außerdem werden mit den Stallbesitzern noch Verhandlungen ge­pflogen, daß diese zur Zahlung des gleichen Betrages veranlaßt werden sollen. Auf diese Weise werden der Stadt keine besonderen Aufwendungen entstehen. Der Vertrag ist einstweilen nur für die drei folgenden Märkte geschlossen. Der Oberbürgermeister teilt mit, daß die Erhöhung des Auftriebgeldcs unter dem Titel „Untersuchungsgebühren" ohne besondere Ge­nehmigung möglich sei. Der Vertrag sei nur deshalb für 3 Monate abgeschlossen, um zu ergründen, ob nicht eine Ermäßigung der Gebühren stattfinden könne. — Dem Vertrage wird zugestimmt.

4. Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung uttb über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen. Den Inhalt der Ordnung haben wir in Nr. 129 der „Ful­daer Zeitung" mitgeteilt. Stv. Kircher meint, daß die Ordnung zu weit in die persönlichen Rechte der Hausbesitzer eingreife. Stv. Schwarz stellt den An­trag, die Beschlußfassung zu vertagen und die Ordnung der Fluchtlinienkommission zur Prüfung zu überweisen. Stv. Adam: Die Ordnung beschränkt sich auf das Allernotwendigste, sodaß an ihr eigentlich nichts mehr zu ändern ist. Ich bitte, die Ordnung zu genehmigen. Der Oberbürgermeister: Eine Anzahl Herren der Baukommission sind auch Mitglieder der Flucht­linienplankommission. Zudem ist es nicht angebracht, eine von der einen Kommission eingehend durchberatene Angelegenheit einer andern Kommission zu überweisen. Uebrigens ist Fulda in der Umgegend die einzige Stadt, die bisher keine solche Ordnung hat. — Der Antrag Schwarz auf Ueberweisung wird angenommen.

5. Oberrealschulneubau. Dieser Punkt wird ver­tagt, da der Referent, Stv. Fritz, verhindert ist, an den Weiterverhandlungen teilzunehmen.

6. Umbau des alten Rathauses am Friedrichsmarkt Nr. 10 und Bewilligung der Kosten. Stv. Mahr: Der Umbau des Hauses, zu dem ein Plan des Archi­tekten Adam vorliegt, erfordert einen Kostenaufwand von 40 000 Mk., die aus einer Anleihe gedeckt werden sollen. Der Umbau soll, vom ästhetischen Standpunkte aus betrachtet, der Umgebung angepaßt werden und im unteren Teile sollen Ladeneinrichtungen geschaffen wer­den. Das angelegte Kapital wird nach der Versicherung des Oberbürgermeisters in etwa 10 Jahren durch die eingegangenen Mieten getilgt werden können. Stv. Sunkel glaubt, daß ein größerer Ertrag durch Ein- richtung einer Wirtschaft oder eines Cafes zu erzielen fei. .Der Oberbürgermeister meint, daß die Wirte hier in Fulda auch zu der Kategorie der schlecht gestellten Hausbesitzer gehören; man solle d;n bestehenden keine Konkurrenz machen. Zudem würde bei der günstigen Lage des Hauses ein Laden sich besser rentieren. Beig. Halbleib stellt fest, daß es in Fulda an guten Plätzen für Läden fehle. Stv. Vollmer bittet mit Rücksicht auf die Nähe der Stadtpfarrkirche von der Unterbrin­gung einer Wirtschaft in dem Hause abzusehen. — Der Magistratsantrag wird dann angenommen.

Schluß der öffentlichen Sitzung 9.40 Uhr.

In der geheimen Sitzung wurde beschlossen, von dem Maurermeister Johannes Schmitt einen in der Niesigerstraße fallenden Grundstücksstreifen in Größe von ungefähr 14 qm zum Preise von 15 Mk. pro Qua­dratmeter zu erwerben. Dem Rektor K o l l e wurde eine besondere Zulage von jährlich 300 Mk. bewilligt.

Lokales.

Fulda, 10. Juni 1913.

cb. Versitzt wird vom 1. Juli der technische Eisen­bahn-Büroassistent Hartmann von Braunfels zur Kgl. Eisenbahn-Bauabteilung in Fulda.

" # Verliehe» wurde dem Regierungsbaumeister Dörffer zu Frankfurt a. M. der Kronenorden vierter Klasse.

* Neue Telegraphen-Anstalte». In Neuenbruns- lar int Kreise Melsungen, in Stolzenbach im Kreise Homberg und in Böddiger im Kreise Mel­sungen sind Telegraphenanstalten mit Unfallmelde­dienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

X Submission. Zu dem gestrigen bei der Kgl. Eisenbahn«Bauabteilung hier abgehaltenen Snb- missionstermin über Herstellung eines Lagerplatzes auf Bahnhof Fulda waren 6 Angebote einge­gangen. Es forderten: El. Hendler - Futva 3649,17 Mk.; E. Becker-Homburg 3652,33 Mk.; Aug. Gärtner.Fulda 3792,34 Mk.; Jos. Sollmann. Fulda 4197,95Mk.; E.Kramer.Fulda4575,50Mk.; H. Hodes.Fulda 4777,05 Mk.

L- Gartenbauverrin. Zur Eröffnung der gestrigen Monatsversammlung des Gartenbauvereins gedachte der Vorsitzende, Herr Lehrer a. D. Sell, in ehrenden Worten des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Kunst­gärtner Hermann Breitenborn. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von den Sitzen. Auch das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Ober­regierungsrat Springorum-Wiesbaden, drückte schriftlich dem Gartenbauverein für den herben Ver- lüft fein Beileid aus. Die Versammlung beschloß die Teilnahme des Vereins an dem Festzug am kommenden Montag mit einem blumengeschmückten Auto^ und bewilligte die notwendigen Mittel. Der Schriftführer, Herr Lehrer Andre, sprach dann über die verkannten Freunde des Obst- und Gartenbaues. Als beste Ge­hilfen des Menschen gegen die Schädlinge bezeichnete er die Vogelarten der Meisen und Grasmücken, ferner den Igel, die Spitzmaus, den Maulwurf, die Kröte, den Laufkäfer, die Schlupfwespe, die Ameise, die Spinne und das Marienkäferchen. Diese alle müsse der Gartenbesitze'- schonen. Auch der Regenwurm, wenn er nicht im Uebermaß auftrete, sei wegen der Bodenlockerung, die er vornehme, sehr nützlich und müße geschont werden. Herr Lehrer Agricola- Künzell wies darauf hin, daß man den Maulwurf, wenn er durch seine Hügelauswerfung im Garten lästig fei, nicht töten, sondern nur vertreiben solle. Er bezeichnete noch den Specht als einen großen Freund des Gärtners. Nach Erledigung einer Anzahl Brieskastenfragen wurden 3 neue Milglieder aufge­nommen und die Blumenverlosung vorgenommen.

cP Ihre» Brandwunde» erlegen ist b.e 16 jährige Jestädt, die in der vorigen Woche in der Wachs­industrie Fulda verunglückte.

-o- Unfall. Der in einer hiesigen Maschinen­fabrik beschäftigte Schlaffer Wehr geriet gestern vormittag mit einem Arm in die Fraismaschine. Da­bet wurde ihm die Pulsader des Armes durchschnitten. Der Verunglückte mußte sofort ärztliche Hilfe in An- spruch nehmen.

'+ Schuhmacher-Innung. Infolge einer Notiz des hiesigen Kreisblattes hat sich in Handwerkerkrei­sen das Gerücht verbreitet, die am 1. April errichtete „Zwaitgsinnung für das Schuhmacherhandwerk im Bezirk der Stadt Fulda" habe ihre A u f l ö s u ng be­schlossen. Die betreffende Versammlung war jedoch lediglich mit der Tagesordnung: Beschlußfassung über die Statuten einberufen worden. Die Innung ist errichtet und es müssen nun die Statuten der Regie­rung eingereicht werden, erst nach Genehmigung der Statuten kann die Innung inkraft treten. Da jene Versammlung bereits die zweite für den genannten Zweck war, hat nunmehr die untere Verwaltungsbe­hörde lMagistrat) die Weiterverfolgung dieser Ange­legenheit in die Hand genommen. Selbstredend hat diese Versammlung außerhalb der Tagesordnung nicht über die „Auflösung" der Innung beschließen können, wie denn, bevor ein derartiger Beschluß ge­faßt werden kann, zunächst genehmigte Statuten vor­liegen müssen. Sobald dies der Fall fftz könnte der Antrag auf Schließung der Innung (Zwangs­innungen können nur geschlossen, nicht aufgelöst wer­den) von mindestens einem Viertel der Mitglieder eingebracht werden. Dem Antrag kann nur dann stattgegeben werden, wenn drei Viertel sämtlicher Jn- nungsmitglieder ihm zustimmen. Erst bei einer zwei­ten Abstimmung, die in einer zweiten binnen 4 Wo­chen ordnungsmäßig einzuberufenden Jnnungsver- sammlung erfolgen kann, genügen drei Viertel der e r- schienenen Mitglieder zur Durchdringung eines solchen Antrages. Erst auf Grund eines derartigen gültigen Beschlusses kann die Regierung die Innung spätestens mit dem Abläufe des Rechnungsjahres schließen. — In jener Versammlung nun hatten sich 16 Mitglieder gegen das Weiterbestehen der Innung erklärt, zur Einbringung eines Schließungsantrages sind jedoch mindestens 18 Unterschriften notwendig, da die Innung 70 Mitglieder zählt, ganz abgesehen, daß wohl die größere Mehrzahl der hiesigen Schuh­machermeister, welche ja erst vor einigen Monaten den Antrag auf Errichtung der Innung eingebracht ha­ben, fiir eine Schließung der Innung nicht zu haben sein wird. Wir würden im Interesse des Handwerks bedauern, wenn durch den gegnerischen Eifer einer kleinen Minderheit die kaum errichtete Innung — die größte aller hiesigen Innungen — wieder ans- einandergehen sollte. Wir verweisen auf die unent­wegten Bemühungen und das rührige Streben der hiesigen Handwerker und Handwerkerfreunde, das Handwerk in Organisationen zusammenzuschließen, und erinnern u. a. an die Ausführungen der Wgg. Müller und Drinnenberg auf der großen Handwer­kerversammlung im September 1911, welche beide die Wichtigkeit und den Wert des Zusammenschlusses in Innungen hervorhoben, und weiter an die jüngsten Ausführungen des Herrn Dr. Hoefle-M.Gladbach über die „Betätigung der Selbsthilfe des Handwerks durch seine Organisierung". Ehe man überdies an die Auflösung einer Zwangs-Innung geht, sollte man. versuchen, tatsächliche oder vermeintliche Mißstände zu beheben. Haben sich Gegensätze so zugespitzt, daß auf eine Beruhigung nicht zu hoffen ist, so ist vorzuziehen, daß man die eifrigen Mitglieder in eine freie Innung hin über rettet. . . .

** Aus dem Ueberschwemmungsgebiet im Geisaer Lande ist uns noch eine Anzahl gut gelungener Pholographien aus dem Atelier des Photograpben W. Bechtold von hier zur Verfügung gestellt. Die Bilder, die einen Einblick in die entsetzlichen Ver­wüstungen gewähren, sind an der Geschäftsstelle der Aetiendruckerei ausgehängt.

-4- Die allgemeine Ortskrankenkasse wird heute abend die Beratungen ihrer neuen Statuten im Ball­hause fortsetzen.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 9. Juni 1913. Die Großherzogin bat für die durch die Unwetterkatastrophe Ge­schädigten 2500 Mark bewilligt. Der Großherzog hat genehmigt, daß ein neu erschienenes Bild, ihn selbst mit den beiden prinzlichen Kindern darstellend, als Postkarte vervielfältigt und an seinem morgigen Geburtstage zur Linderung der Not in den Straßen Weimars "oerfauft wird. Auch die Zentralstelle der patriotischen Institute des Frauenvereins im Großherzogtum veröffentlicht einen Aufruf.

□ Geisa, 9. Juni 1913. Gestern vormittag traf mit dem 9 Uor-Zug ein Kommando des 2. Ba­taillons Jnf.-Reats. Nr. 94, bestehend in 1 Offizier, 2 Vizefeldwebel, 4 Unteroffiziere und 46 Mann, hier zur Einquartierung ein, um der durch die Hochwasser­fluten betroffenen Gemeinde Schleid Hülfe zu leisten. Ei» fast gleich starkes Kommando wurde in Schleid zur Hülfeleistung für die Gemeinde Kranlucken und ein weiteres nach Zella zur Hülseleistung in Neidhardtshausen einquattierf. Sämtliche Mann­schaften sind auf unbestimmte Zeit und mit Ver­pflegung einquartiert. Die Zahl der Besucher der Unglücks st ätten am gestrigen Sonntag wird auf mindestens 10000 geschätzt; das Militär mußte, um überhaupt arbeiten zu tonnen, Verkehrsfperrungen vornehmen.

* Tiefenort, 9. Juni 1913. In einer gemein­schaftlichen Sitzung des Schulvorstandes und Ge- meind.'rates wurden die Erd- und Maurerarbeiten für den Schulneubau dem Maurermeister Schanz hier übertragen. Die Tischlerarbeiten erhielt Tischlermeister Zillex hier. Mit dem Bau wird an­fangs nächster Woche begonnen werden. Als Fertig- stellungstcrmin war der 1. Januar 1914 festgesetzt worden. Inzwischen wurden Bedenken geltend ge­macht, ob dieser Termin bei ordnungsmäßiger Aus­führung der Arbeiten eingehalten werden kann. Es soll deshalb die Festsetzung eines weiteren geeignet erscheinenden Termin es der Bauleitung anheimge- geben werden.

* Kaltennordheim, 9. Juni 1913. Dem Tischler­meister Flöht hier ist auf der kürzlich in Berlin abgehaltenen Ausstellung für Friseurbedarf auf von ihm ausgestellte Friseurmöbel die Goldene Medaille nebst Diplom zuerkannt worden.

Aus Merheffen u. den Hess. Aemlern.

A Marburg, 9. Juni 1913. In der heutigen Stadtverordnetensitzung beschäftigte man sich wieder mit der Frage der Unterbringung der Mannschaften der Maschinengewehr -Abteilung und der Radfahrer - Kompagnie. Der Beschluß der letzten Sitzung, sie in der Fachschule und dem alten Waisenhaus so lange einzuquartieren, bis die neue Kaserne fertig ist, läßt sich nicht ausführen, weil jetzt feststeht, daß im nächsten Frühjahr diese zwei Gebäude niedergelegt werden müssen, da auf diesem der Uni- versität gegenüberliegenden Gelände mit dem Bau eines großen Verwaltungsgebäudes nebst Hörsaal begonnen werden soll. Der in der letzten Setzung

vertagte Antrag, betr. Aufstockung der Kaserne um Anbau eines Wirtschaftsgebäudes fand heute, nach­dem zwei Ortsbesichtigungen erfolgt sind, Annahme — In der heutigen ersten Sitzung ves Schwur­gerichts wurde der frühere Polizeidiener Willers­hausen ans Erdhaufen bei Gladenbach wegen Sitt­lichkeitsverbrechens zu 6 Monaten Gefängnis ver­urteilt. — Beim Baden in bet Lahn ertrank gestern bei Brungershausen der 15 Jahre alte Sohn des Hegemeisters Dreyding, infolge Herzschlags.

# Ziegenhai», 9. Juni 1913- Samstag uni Sonntag tagte hier die 14. Hauptversamm­lung des Verbandes der Gemeindebe­amten des Reg.-Bez. Kassel, wozu etwa 70 Dele­gierte und viele Mitglieder eingetroffen waren. Am ersten Abend fand im Rosengarten ein Begrüßungs­abend statt. Der Vorsitzende, Herr Stadtsekretär M ü 11 e r = Kassel, eröffnete gestern 11 Uhr die Ver­sammlung mit einer warmen Begrüßungsansprache. Aus dem von Herrn Stadtfekretär F l a d u n g - Kas­sel erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß die Mitgliederzahl 810, darunter 237 Unterbeamten be­trägt und der Zentralverband 34 000 Mitglieder zählt, die sich auf 49 Unterverbände verteilen. Dieser unterhält zahlreiche Wohlfahrtseinrichtimgen, die auch im letzten Jahre sich gut entwickelt haben. Die Un. rstühungskasse I für Witwen und Waisen hat jetzt 131 000 Mark Bestand, die neu gegründete Unterstützungskasse II für in Not geratene Mitglieder 6000 Mk. Der Verband hat außerdem eine Sterbe-, Kranken- und Brandkasse. Ueber die Erhebung be­treffend Pensionsverhältniffc der Gemeindebeamten im Reg.-Bez. Kassel berichtete der Vorsitzende in ein­gehender Weise und stellte fest, daß das Endergebnis der veranstalteten Erhebung dahin zusammengefaßt werden tarnt, daß die Pensionen in den betreffenden Gemeinden zwar geregelt sind, daß aber die praktische Ausführung dieser Regelung vielfach Unklarheiten, z. T. auch eine mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht im Einklang stehende Anwendung erkennen, läßt. Es wurde daher empfohlen, die einzelnen Orts­gruppen sollten an ihre vorgesetzten Behörden Heran­gehen und der Vorstand will beim Hess. Städtetag und der Aufsichtsbehörde vorstellig werden. Der Ver­trag des H. Nagel-Kassel, die Angestelltenversicherung und die Gemeindebeamten und Angestellten wird im. Druck erscheinen. Herr Steuerkontrolleur Siebert- Fulda begründete eingehend den Antrag des dor-. tigen Ortsverbandes, „beim Hess. Städtetag auf die Verleihung einer einheitlichen Amtsbezeichnung für die vor der Prüfungskommission des Städtetages er-' folgreich vorgeprüften Gemeindebeamten hinzuwir- ken." Der Antrag wurde im Prinzip angenommen, doch soll der Vorstand zuvor Erhebungen anstellen. Es wurde die Erhöhung des Beitrags um 30 Pfg. pro Kopf und Jahr beschlossen. Der Vortrag des Herrn Polizeiwachtmeister Rößler- Schmalkalden über „die Zuständigkeit und Tätigkeit der Polizei im allgemeinen" beleuchtete eingehend die vielseitige Tätigkeit und Pflichten der Polizeibeamten. In An­schluß daran wurde beschlossen, daß eine Prüfung für diese Beamten eingeführt werden möge. Als Ort der nächstjährigen Hauptversammlung wurde Wolfhagen bestimmt. Um 2 Uhr fand im Rat­haussaale ein Festessen und später im Schützenwald Konzert und Belustigungen statt.

[:] Neustadt, Kr. Kirchhain, 9. Juni 1913. Nach­dem schon vor einiger Zeit die Eisendahndirektion Kassel r>ie Bezeichnung Neustadt Main-Weser-Bahn in „Neustadt, Kreis Kirchhain* umgewandelt hat, macht das hiesige Postamt bekannt, daß obige Abänderung auch für die Post Gültigkeit hat. Ob die neue Bezeichnung besonders glücklich gewählt ist, erscheint fraglich. Als Begründung wird die mögliche Verwechslung mit Neustadt am Main angeführt.

* Fritzlar, 9. Juni 1913. In der letzten Stadt­verordnetenversammlung wurde die K a n a l g e - bührenordnung beraten, die nach Art der in Fulda bestehenden abgefaßt ist; sie trägt indessen den Wünschen der Hausbesitzer möglichst Rechnung, in­dem sie der Berechnung den Nutzungswert, nicht, wie in Fulda, den Mietswert, zugrunde legt. Nach ein­gehender Prüfung und Begründung durch den Ma­gistrat wird das Statut genehmigt. Sodann ent­schloß man sich zu einer Hcrhohung d e s Schul- g e l d e.s für die städtische Lateinschule. Das Schul­geld, das früher nur 36 Mark betrug, dann aber er­höht wurde, soll nunmehr für die beiden unteren Klassen auf 48, für Quarta auf 72, für Unter- und Obertertia auf 96 bezw. 120 Mark erhöht werden. Der Preis für elektrisches Licht wurde vom 1. 4. 1913 auf 8 Pfg. für die Amperestunde festgelegt.

* Fritzlar, 9. Juni 1913. Das Garnisonbauamt Fritzlar hatte die Lieferung der Stalleinrichtungen »sw. für die Erweiterung der Artill eri etafern e ausgeschrieben. Es verlangten: Löber-Caßtorf 14 122 75 Mark, Warsteiner Gruben- und Hüttenwerke 16599 80 Mark, Isselburger Hütte A.-G. 18 543 50 Mark, May« farth (für die Träger allein) 2986 Mark.

Vermischtes.

* Neue Erdrutsche am Panama-Kanal. Ein Brief aus Panama an den „Newyork Herald" besagt, daß starke Regengüsse und fortwährende Erdrutsche die Arbeit am Panamakanal aufhalteu. Durch die letz­ten Erdrutsche sind auch die Bewässerungsanlagen be­schädigt worden. Man schätzt di: in den letzten Ta­gen in den Ausschnitt eingestürzten Erdmassen auf 60 000 Kubikmeter.

Handel und Industrie.

Berlin, 9. Juni 1913. Die Stimmung der Börse war am Montag sehr flau, und zwar nichi bloß wegen der Hitze. Die Gffchästskrisis in Nord- amerika, die erneute Kriegsgefahr in den Balkan­ländern bedrücken die internationalen Märkte. Die schwierigen Geldverhältnisse drängen überall die Unter­nehmungslust zurück. Der sinkende Kursstand zwingt die schwachen Hände zu Glattstellungen, und da die .schwachen Hände" im Börsenspiele die Mehrheit haben, so gab es wieder ein übertrieben düsteres Bild des Wirtschaftslebens.

& Wenig erfreuliche Mitteilungen kommen aus dem Ruhrrevier. Ter Leiter eines Eisen-Großunternehmens schreibt: »Den meisten Werken fehlt es zwar noch nicht an Arbeit, wozu die andauernd durchaus gute Be­schäftigung in schwerem Eisenbahnmalerial sehr viel beiträgt, aber in Stabeisen und Blechen sind einige Werke arbeitsbedürftig, und infolgeöeffen sowie durch die flaue Lage auch des Auslandsmarktes verlieren die Preise immer mehr ihren Halt. Die seither aufs höchste angestrengte Nachfrage in Halbzeug hat nach- gelassen, weil die verfeinerten Industriezweige weniger dringend beschäftigt finb/ — Das Quecksilber im Wirtschastsbarometer, die „Nachfrage", tft somit be­denklich ins Falle» geraten.