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2. Blatt.

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Lokaler.

Fulda, 9. Juni 1913.

# Verliehen wurde dem Bürgermeister Dam m m Wahnhausen tm Landkreise Kassel.das Allgemeine Ehrenzeichen.

# Personalien. Dem Regierungsbaumeister des Eisenbahnbaufachs Luther in Witzenhausen wurde eine etatsmäßige Stelle als Regierungsbaumeister bei bei Staatseisenbahnverwaltung verliehen. Versetzt wurden Postassistent Beulshausen von Schöningen «ach Schlitz, Pothe von Holzminden nach Schotten. Dem Regierungssekretär bei der Schulabteilung der König!. Regierung in Kassel wurde der Charakter als Rechnungsrat verliehen. Ernannt wurde der Mili­täranwärter Barch zum Kreisassistenten b ei dem Landratsamte Fritzlar.

> uv Die Fronleichiiamsprozession der katholischen Mannschaften der hiesigen Garnison fand gestern vormittag innerhalb der Mauern der Garni­sonskirche auf dem Frauenberge nach einem feierlichen Hochamt statt. Außer ungefähr 150 Artilleristen nahm die gesamte Ordensgemeinde und eine Anzahl Jünglinge und Männer an der Feier teil. Die Ge­sänge an den in den Klostergärten aufgestellten Altären führten die Knaben des stadtpsarrlichcn Kirchenchores und der Chor der Franziskaner gemein- sam aus. Unter dem Ambrosianischen Lobgesang und dem Geläute der Klosterglocken zog die Prozession zur Kirche zurück. Entgegen der sonstigen Gepflogen- heit war kaum die Hälfte der Artillerie-Regiments- kapelle vertreten.

(*) Fuldaer Geschichtsverei». Wie uns der Ge­schichtsverein mitteilt, ist soeben die 10. und 11. Ver­öffentlichung des Fuldaer Geschichtsvereins, betitelt: „Die Schriften Georg Witzels biblio­graphisch bearbeitet nebst einigen bisher un- gedruckten Reformationsgutachten und Briefen Witzels" (XX u. 208 S.) und „D i c Mundarten der Rhön" (128 S., 1 Tafel und 2 Karten) er­schienen. Ersteres verfaßt von Prof. Dr. Richter, letzteres von Dr. Glöckner. Witzel entfaltete in der Reformationszcit eine reiche literarische Tätigkeit. Ta er ein geborener Fuldaer war und in engen Be­ziehungen zum Hochstifte Fulda stand, sowie um ein wahrheitsgetreues Bild des von seinen Zeitgenossen und auch von der Nachwelt verschieden gewerteten Mannes zu schaffen, hat Prof. Dr. Richter fleißige „Witzelstudien" gemacht, deren Ergebnis er in der vorliegenden Schrift niederlegte. Diese, sowie auch die von Glöckner dürften sehr interessant und wert­voll sein. Besonders die Glöckner'sche Arbeit wird im Fuldischen viele Freunde finden. Vielen, insbeson­dere den in den Mundarten Kundigen werden die Ausführungen in dem Buche eine verständnisvolle beifällige Zustimmung entlocken. Glöckner hat ein­gehend die Mundarten in der Rhön auf Grund eige­ner Kenntnis des Dialektes und umfangreicherSamm- lungen, die er 2 Jahre hindurch in der Rhön gemacht hat, behandelt. Beide Bücher sind durch die Buch­handlungen oder auch direkt von der Fuldaer Aktien­druckerei (der Veririebsstelle): die X. Veröffentli­chung betr. Schriften Witzels zu 4,50 Mk. und die XL Veröffentlichung betr. die Rhön-Mundarten zil 3 Mk., zu beziehen. Die Mitglieder des Fuldaer Ge­schichtsvereins erhalten diese Veröffentlichungen in diesen Tagen vom Geschichtsverein kostenlos zu­gestellt. Die Vereiusmikglieder erhalten auf Wunsch das Richter'sche Werk über Witzel gegen die von Prof. Dr. Haas hcrausgegebene Chronik des Fuldaer Bürgers Gangolf Hartung (1607—1666) auf dem Geschäftszimmer des Geschichtsvereins (Rathaus — Schloß — Zimmer Nr. 4) ohne Nachzahlung ausge­tauscht. Um das zurückgegebene Werk weiter verwen- ,cn zu können, muß es unbeschädigt, auch nicht ausge­schnitten, sein. — Wiederholt empfehlen wir den Bei­tritt zu dem Fuldaer Geschichtsverein. Der Beitrag beträgt pro Jahr 4 Mk. Die Mitglieder erhalten kostenlos die Vereinsveröffentlichungen und, wenn gewünscht, auch die Fuldaer Geschichtsblätter. Dabei unterstützen sie den Verein in der Lösung seiner Auf­gabe: Erforschung und Darstellung der Geschichte, Topographie und Statistik der ehemaligen Abtei und des Fürstentums Fulda, sowie anderer Gebiete, so­weit sie mit diesen in historischer Verbindung stehen.

)( Der kath. Meister- und Männerverein unternahm gestern einen Familienausflug nach Vacha zum Besuche seines früheren Präses, des Herrn Kuratus Rippert. In großer Zahl hatten sich die Mitglieder mit einigen Familienangehörigen unter Leitung des geiftl. Beirates des Vereins, Herrn Subregens Dr.

Kleines Feuilleton.

— Gesundheit und Körpergewicht. Daß das Kör­pergewicht eines Menschen nicht nur von Einfluß ist auf feine äußere Schönheit, fondern auch auf seine Gesundheit, weiß jedermann. Das Körpergewicht hängt nun freilich von vielerlei Umständen ab, vom Alter, Geschlecht und Ernährungszustand und auch von der Größe des Menschen. Zwischen alledem und dem Körpergewicht bestehen gewisse Beziehungen, so­daß man von einem auf das andere schließen kann. Von großem Wert für die Gesundheit ist es, die Er­nährung so einzurichten, daß das Körpergewicht dem „normalen" möglichst nahe kommt. Das normale Körpergewicht kann man für feine Person sehr leicht feststellen. Man findet es nach der Methode des Franzosen Broca, die sich in 97 Proz. aller Fälle als zuverlässig erwies, wenn man das Körpergewicht in Kilogramm gleichfetzt dec Körperlänge in Zentime­tern abzüglich 100. Em Mann von 165 Zentimeter Körpcrlänge darf resp. soll also 65 Kilogramm wie­gen. Ein Zuwenig obev Zuviel ist vom Hebet und muß durch andere oder geregelte Ernährung, Schlaf, Bewegung in freier Lufl, Sport usw. ausgeglichen werden Eine andere Methode berechnet das Gewicht eines (unbekleideten!) Menschen vom Standpunkt der idealen Schönheit aus so, daß man Brustumfang und Körperlänge multiplizier: und durch 240 dividiert. Da ideale Schönheit gleichbedeutend ist mit Gesund­heit, so kann man auch auf diese Weise feinen Ge­sundheitszustand leicht selbst kontrollieren. Tie Haupt­sache bleibt aber, daß man's auch wirklich tut! gf.

— Modernes Früchteeinkochen. Nicht lange mehr währt cs, dann müssen unsere Hausfrauen wieder an das Einkochen oder Einmachen der Fruchte und Ge­müse denken, zunächst der Stachelbeeren, bann der Johannisbeeren, Kirschen, später der Heidelbeeren, Lohnen usw. Auch auf dem Gebiete der ^ruchte- imd Gemüsekonservierung hat die Wissenschaft den Hansfraiien Fingerzeige gegeben. Tie Methoden der Großmutter sind veraltet. Man weiß jetzt genau, daß niemand anders als allerlei Bakterien die Schuld Ha­den, wenn eingekochte Früchte und Gemüse sich nicht hakten, wenn sie schimmeln, sauer werden usw,

Heller, eingefunden. In Vacha wohnte man dem Gottesdienste bei. Darauf fand ein herzlicher Empfang bet Gäste durch den Herrn Kuratus Rippert-Vacha statt. , DaS Wiedersehen erfreute sichtlich alle die zahlreichen Teilnehmer. Nach einer Stärkung trat man zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Vachas einen Gang durch die Stadt an. Der alten, früher einem Bettelorden gehörenden, jetzt in protestantischen Besitz befindlichen Friedhoskapelle wurde besonderes Interesse entgegengebracht. Dann wurden noch be­sichtigt die lange, massive, unter den Fürstäblen Ful­das erbaute Brücke über die Werra und das von einem Wohltäter der Stadt Vacha gestiftete kunstvoll aus Fachwert gebaute Rathaus, sowie der herrliche Brunnen am Marktplatz mit der Statue des hl. Vitus. Nach dem Nachmittagsgottesdienst gings auf den Oechsenberg. Hier, vom Bismarck - Aussichtsturm, bot sich eine herrliche Fernsicht und man sand den etwas beschwerlichen Aufstieg reichlich gelohnt. Später wohnte der Verein im Hotel Adler einem Vortraa des Herrn Benefiziaten Krieg aus Fulda über die »Konstantinische Feier" bei. Nach dessen Schluß dankte Herr Anton Neidert dem Herrn Kuratus und dem kath. Männerverein Vacha für die gebotenen s i önen Stunden. Dann nahm man Abschied von dem freundlichen Städtchen.

& EisenbahncrvereiN. Der für gestern geplante Ausflug des Eisenbahnervereins nach Vacha konnte nicht ausgcführt werden, da eine Anzahl Wagen für die Beförderung der Teilnehmer an der Regiments­feier in Gießen und auf der Strecke nach Geisa ge­braucht wurden. Die Fahrt findet nunmehr in zwei Abteilungen heute und am Mittwoch statt.

a Ausschank von Mineralwässern. Von Seiten der Regierung in Kassel ist angeordnet worden, daß die auf den Straßen feilgehaltencn Mineralwässer fernerhin nur in einem der Trinkwasser-Temperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa' 10 Grad Zel- sius abgegeben tvcrden dürfen, da der Genuß kälteren Wassers leicht ernste Verdauungsstörungen von länge­rer Dauer nach sich ziehe.

* Zu Kreisjugeudpflegern ernannt wurden für das Etatsjahr 1913 folgende Herren: Realschuldirektor Professor von Hanxleden für die Kreise Kassel- Stadt und Kassel-Land, Lehrer Koch in Haina für den Kreis Frankenberg, Oberrealschullehrcr Kühne» muth in Kassel für den Kreis Fritzlar, Rektor Kaufmann in Gelnhausen für den Kreis Geln­hausen, Hauptlehrer Kirchner in Gersfeld für den Kreis Gersfeld, Oberlehrer Böhning in Hofgeis, mar für den Kreis Hofgeismar, Lehrer Atzert in Hünfeld für den Kreis Hünfeld, Turnlehrer Fischer in Marburg für die Kreise Marburg und Kirchhain, Lehrer Kunkel in Rinteln für den südlichen Teil der Grafschaft Schaumburg, Seminar-Oberlehrer Sander in Rotenburg für den Kreis Rotenburg, Turnlehrer Kemnitz in Schmalkalden für die Herr­schaft Schmalkalden, Lehrer Euker in Ziegenhain für den Kreis Ziegenhain.

** Vereinfachung des Polizeiverordnungswesens. Die Staatsregierung hat eine wesentliche Verein­fachung und Einschränkung des Polizeiverordnungs- wesens eingeleitet, und die Regierungspräsidenten gehen bereits mit der Aufhebung einer großen Zahl minder wichtiger und entbehrlicher Polizeiverordnuu- gen vor. Es soll fortan dem Anwachsen der Zahl von Ortspolizeiverordnungen nach Kräften entgegen­gewirkt werden und die Polizeibehörden sind ersucht worden, nur wirklich dringende Verordnungen zu er­lassen, deren Genehmigung mit den vorgesetzten Be­hörden rechtzeitig ins Benehmen zu setzen. Man er­lebt ja auch sehr oft, daß Polizeiverordnungen, falls es bei Uebertretungen zu einer gerichtlichen Entschei­dung kommt, für ungültig erklärt werden.

— Die Haftung der Gesellschafter der G. m. b. H. Eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung für das Recht der G. m. b. H. ist kürllich vom Reichs­gericht entschieden worden. Nach Paragraph 24 des G. m. b. H.-Gesetzes haben die Gesellschafter für die Einzahlung des gesamten Stammkapitals derart ein­zustehen, daß jeder einzelne für etwaige Ausfälle in voller Höhe haftet. Streitig war es bisher gewesen, ob diese Haltung auch für f r ü h e r e F eh l b e t r ä ge besteht, das heißt auch diejenigen Gesellschafter trifft, die erst auf Grund einer neuen Emission von Stamm­anteilen Gesellschafter werden. Das Reichsgericht hat diese Frage bejaht und mithin fefigestellt, daß die Haftung für Fehlbeträge an Stammeinlagen also auch für Fehlbeträge früherer Stammeinlagen zu haften haben.

(*) Leichtathletik. Sonntag, den 15. Juni, nachmit­tags 5 Uhr, veranstaltet der Fußtourentlub „Eintracht"-

Prinzip hat man also nur nötig, die Früchte usw. zu kochen, dadurch die Bakterien, die etwa schon vor­handen sind, zu vernichten und die Gefäße so zu ver­schließen, daß neue Bakterien nicht' Zutritt finden. In der Großindustrie erreicht man dies auf einfache Weife dadurch, daß man die Früchte und Gemüse in Gläsern oder verlöteten Blechbüchsen luftdicht ver­schließt und im Dampfe kocht. Die Methode der Kon­servierung in Gläsern wenden auch unsere Haus­frauen an, sie hat sich durchaus bewährt, ist aber immerhin umständlich und kostspielig. Nach dem mo­dernsten Versahren gibt man die zu konservierenden Früchte einfach in weithalsige Flaschen, verschließt diese fest mit geruchloser antiseptifcher Verbandwatte, deckt noch eine Kapsel aus Pergamentpapier darüber und stellt nun die Glasflaschen ins Wasserbad. Hierin werden die Früchte genügend lange gekocht und da­durch die innen befindlichen Bakterien getötet., „Luft­dicht" braucht der Verschluß gar nicht zu sein, nur „bakteriendicht". Tie Verbandwatte filtriert gewisser­maßen die neu hinzutretende Luft, sodaß zwar diese, aber nicht die in ihr befindlichen Bakterien Eintritt in die Flaschen finden. Ein Verderben des Inhaltes ist somit ausgeschlossen. Da die einfachen Flaschen viel billiger sind als Konservierungsgläser, so ist das neue Versahren, das übrigens von der bakteriologi­schen Wissenschaft schon längst angewandt wird, dop­pelt zu empfehlen. hf-

— Sägemehl als Wundpulver. Von der fett alters her bekannten fäulnishindernden Eigenschaft des verkohlten Holzes ausgehend — die Japaner sol­len verkohltes Stroh als Verbandmittel verwendet Ijabrn —. ist Dr. F. Hartmann (Stuttgart), wie er in der „Münchner Medizinischen Wochenschrift" mit­teilt, darauf gekommen, Sägespäne aus Hartholz im Tiegel unter 'stetem Unirühren rösten und dann fein sieben zu lassen und dieses einfache Mittel als Wund­pulver in verschiedenen Fällen zu verwenden. Tas so hergestellte, sehr leichte Pulver hat noch die enorme Aufsaugunesfähigkcit, wie sie die rohen Sägespäne besitzen, du abcr'das Kohlepulver nicht mehr hat. Es eignet sich besonders zur Behandlung eiternder Höh- lenwundcn. denn es ist sehr plastisch, läßt sich in gro­ßen Me"0" in sie hineinpressen und spretzt sehr gut und mit ^.l"ichmäßigem Druck die Wunden ausein­ander. Nötigenfalls wird es mit zehn Prozent Jodo-

Fulda ein großes 12 Kilometer-Wettlaufen. Start und Ziel ist Restaurant »Hohenzollern". Der Wettlauf geht über Leipsigerstraße, Marienstraße, Horas, Riesig, Lebnerz, Grillenburg nach Hohenzollern. Das Laufen ist offen für jebermann. Der Einsatz beträgt 1 Mark. Da schon zahlreiche Meldungen eingelaufen sind, ist ein spannender Kamvf zu erwarten. Meldungen nimmt noch bis zum Donnerstag abend Herr Ernst Lentbecher, Kronhofstr. 9, entgegen.

Aus dem Rachbargebiete.

t. Neu-Isenburg, 8. Juni 1913. In der Person des Händlers Pult wurde ein geradezu gemeingefähr­licher Waldfrevler ermittelt, der unter dem Vor­wand des Kräutcrsammelns zahllose Kiefern der Kronen beraubte. Das Offenbacher Schöffengericht verurteilte den Mann zur Erstattung des ganzen Pflanzenschabens unb dann zu einem Monat Gefängnis.

Q Hanau, 8. Juni 1913. An den Folgerschei­nungen der Typhus-Erkrankung ist vorgestern der Pionier Heß aus Derschen bei Betzdorf von bet 1. Kompagnie des hiesigen Eisenbahn-Regimentes Nr. 3 gestorben. Er war feit dem 17. Dezember v. I. krank. Insgesamt hat bie jetzt als erloschen zu be- zeichnenbe Typhus-Epibemie beim Eisenbahn-Regiment 23 Todesfälle gefordert. Es sind gestorben 19 Mann Soldaten und 4 nach der Ableistung ihrer Hebung in der Heimat erkrankte Reservisten.

* Vom Main, 7. Juni 1913. Wo der Mainstrom den sonnigen Rebenhang des Kalmut von den Wald- bergen des Spessart trennt, schaut von der Höhe ein stattlicher Bau ins Tal: Schloß Triefenstein. 800 Jahre sind nun vergangen, seit hier bie ehemalige Augustiner - Kolonie gegründet wurde. Als erster Probst wirb Gerungus von Greußen (gest. 1123, früher Pfarrer in Greußenheim) genannt. Nach ber Säkularisation kam das Kloster in ben Besitz ber Fürsten Löwenstein-Wertheim-Freubenberg. Sehens­wert ist in bem jetzigen Schloß bie Waffensammlung, bet Billarbfaal mit seinen Gobelintapeten unb vor allem die Kirche mit ihren Malereien. In bem an­grenzenden prächtigen Park befinden sich mächtige Baumriesen, sowie eine kleine Tropfsteinhöhle, bie wohl ehebem ber Augustiner-Kolonie ben Namen .Triefenstein" gab.

d. Frankfurt a. M., 8. Juni 1913. Im „Frank­furter Hof" traten gestern die Vertreter von etwa 300 Zuckerwaren- unb Schokolabenfa­briken zu einer Konferenz zusammen, in der zahl­reiche bie Branche betreffende Angelegenheiten erörtert wurden. Der Verein beschloß die Errichtung einer Zentrale für das Mahnverfahren und bie Heraus­gabe von „schwarzen Listen."

ss. Griesheim a. M., 8. Juni 1913. Die Polizei griff vier Fürsorgezöglinge auf, bie seit einer Woche der Enkenbacher Erziehungsanstalt entwichen waren. Man vermutet in den Burschen bie Höchster Ein­brecher. — Ein junger Kaufmannslehrling wird s eit Mittwoch vermißt. Er fuhr an biesem Morgen nach Frankfurt ins Geschäft, traf aber bort nicht ein.

* Kassel, 7. Juni 1913. In dem Hinterhause Müllergasse Nr. 17 erbrachen Diebe in Abwesenheit ber Wohnungsinhaberin bie Eingangstür unb die Schränke und stahlen Leinenstücke im Werte von 300 Mark. Haussuchungen bei verdächtigen Personen, die früher im selben Hanse gewohnt halten, förderten bie Sachen wieder zu Tage. — Die diesjährigen Generalversammlungen des Verbandes ber lanb- wirtschaftlichen Genossenschaften des Sieg.« Bez. Kassel unb angrenzenden Gebiete — nicht Raiff- cisenvcrband — unb der Kasseler Zentralgenofsen- schaftskasfe findet am 28. Juni hier statt.

* Gudensberg, 7. Juni 1913. Die durch die bei­den Untoetter an den Ländereien des Gutsbesitzers und Landtagsabgeordneten Röll verursachten Schä­den beziffern sich auf 5 0 0 0 0 M k., da rund 100 Morgen Roggen und Gerste vollständig vernichtet sind. Auch sonst sind die Schäden, wie sich erst jetzt übersehen läßt, groß.

* Gießen, 7. Juni 1913. Der Immobilienmakler Isaak Rosenthal ist unter Hinterlassung von 200 000 Mark Schulden flüchtig gegangen. Es zirkulieren von ihm Wechsel in Höhe von 150000 Mark, die uneinbringlich sind. Auch hat er viele kleine Leute, die ihm ihr Vermögen anvertrauten, Harum gebracht. Rosenthal war früher Bankier.

* Höchst, 7. Juni 1913. Die Stadtverordneten gaben in nichtöffentlicher Sitzung dem Gesuch der Volksschullehrer und -Lehrerinnen um Erhöhung ber Ortszulagen Folge. Bei den Lehrern wurde

sormpulver vermischt. Seine leichte Herftellbarkeit und Billigkeit werden ihm wohl auch in der Kriegs­chirurgie einen Platz sichern. Zur Trockcnbehandlung eignet sich das geröstete Sägemehl in Gazesäcken; cs wirkt aber in dieser Form nicht mehr so energisch aufsaugend, wie ohne Hülle.

— Wissen Sic, was ein Maulesel ist? Diese Frage ist nämlich gar nicht so überflüssig, wie man denkt. Man hat nur nötig, sich mal einen Maulesel aus dem Ausland zusenden zu lassen, und gleich wird man sehen, wie sehr diese Frage — in den Geldbeutel einschneidet. Der Maulesel ist bekanntlich eine Kreuzung zwischen Pferd und Esel. Nun kostet aber ein Pferd 20 Psg. Fracht, pro Kilometer auf der Eisenbahn, ein Esel nur 10. Pfg. Ein Maulesel, der also halb Pferd und halb Esel ist, müßte somit 15 Pfg. zahlen. Jedoch die Eisenbahnverwaltung stimmt in ihrer Ansicht mit Brehms Tierleben überein und rechnet die Maulesel den Eseln zu, verlangt also nur 10 Pfg. Fracht. Die Zollbehörde des einigen Deut­schen Reiches sagt aber: Nein, der Maulesel ist kein Esel, sondern ein Pferd, und verlangt deshalb für Maulesel den Zollsatz für Pferde — 30 Mark! Gott­lob gibt's soviel Esel bei uns, daß man mit der Ein­fuhr von Mauleseln sparsam sein kann. vs-

— Die Geduld des Mathematikers. Der große Astronom und Mathematiker Karl Friedrich Gauß, 1777 in Braunschweig geboren, gibt uns ein Beispiel von der ungeheuren Geduld, mit welcher die Gelehr­ten seiner Art oft ihre Arbeiten verrichten müssen. Im siebenten Band seines Nachlasses, der allein 650 Seiten umfaßt, befindet sich eine Abhandlung über „die Theorie der Bewegung der Himmelskörper", eine Arbeit, die allein schon dem Gelehrten unsterb­lichen Ruhm gebracht haben würde. In dieser hatte Gauß Störungstafeln des kleinen Planeten Pallas aufgestellt. Tie hierzu erforderliche Arbeit umfaßte im Anfang täglich über 250 umständliche Berech­nungen, später gegen 500, und die ganze Arbeit dauerte vom 5. April bis gegen Mitte Juli, etwa hundert Tage! Welcher Mensch im heutigen Zeit­alter der "Nervosität würde wohl eine gleiche Leistung vollbringen! ys.

— Eine neue Art von Heiratsvcrmittlung wird von amerikanischen Blättern berichtet. Bei einer Hochzeit zu Charleston in Südkarolina, an der eine

die um 150- 400 Mark steigende Ortszulage auf 200—600 Mark erhöht. Die Lehrerinnen, bie bisher eine einheitliche Zulage von 100 Mark erhielten, erhalten nun ebenfalls eine mit ben Dienstjahren steigende Zulage von 100 — 300 Mark.

* Aus Thüringen, 7. Juni 1913. Das Konkurs­verfahren wurde über bas Vermögen der Firma Demmler in Zella St. Bl. eröffnet. — Bei Kreuz­burg wurde eine Fran durch eine wild gewordene Kuh getötet. — Vom 12.—14. Juli will bas 1813 begründete Knrbad Berka fein lOOjähriges Be­stehen feiern. — In Obersuhl fiel ein UZ-jähriges Kind, das unbewacht blieb, in einen mit Wasser ge­füllten Graben unb sand ben Tob. — Beim Baden an verbotener Stelle hat in Kahla ein 22jähriger Arbeiter ben Tob gefunden. — Das Kriegsgericht ber 38. Division in Erfurt verurteilte einen Mann ber 6. Kompagnie bes Bataillons in Hildburghausen wegen Fahnenflucht zu sechs Monaten Gefängnis unb zur Versetzung in bie zweite Klasse bes Soldaten­standes. Der Unteroffizier Reinhardt von ber 8. Komvagnie erhielt fünf Tage gelinden Arrest, weil er einem Soldaten eine Ohrfeige gegeben hatte. — Auf dem Tonkünstlersest in Jena wurde als Ort des nächsten Tonkünstlerfestes Essen a. b. Ruhr in Aussicht genommen. Ter gesamte Vorstand des all­gemeinen deutschen Musikvereins wurde in ber General­versammlung wiebergewählt.

Die Verheerungen Ves Unwetters.

F. Hünfeld, 8. Juni 1913. Die beiben Opfer der Wasserkatastrophe vom letzten Dienstag abend, bie ertrunkenen Kinder des Tagelöhners Schmitt, wurden gestern nachmittag unter inniger Anteilnahme ber hiesigen Bevölkerung zu Grabe ge­tragen. — Heute wurde ber Schauplatz der durch ben Wolkenbruch heimgesuchken Ortschaften von vielen Schaulustigen besucht.

A Geisa, 8. Juni 1913. Auf dem Schauplätze der Hochwasserkatastrophe haben sich die Fluten allmählich zurückgezogen, aber nur zum Teil; denn auch letzt noch strömen wilde Wassermassen da­hin über ein Trümmerfeld, dessen trostloser An­blick den Beschauer mit Entsetzen erfüllt. Das ganze Tal des Kohlbachs von Schleid bis Kranlucken und weiter hinauf nach Zitters und Gerstengrund zeigt eine Verwüstung, als ob sämtlich: Naturgewalten mit ihren entfesselten Kräften um die Wette gewütet hätten. Die Feder ist zu schwach, um ein Bild des Zerstörungswerkes zu entwerfen, dessen Größe selbst dem Auge des Beschauers unfaßbar ist. Steine, Schlamm und Geröll bezeichnen weichin den Weg der wilden Flut. Nur mühsam bahnt sich der Fuß einen Weg durch dieses Zerstörungsfeld. In Schleid sind Häuser und Scheunen wie von einem schweren Erdbeben vernichtet, im Dorfe hat das Wasser 4 Meter tiefe Gräben ausge- wühlt. Und Inas sich dem Auge in Kranlucken bietet, spottet erst recht jeder Beschreibung. Auf den Wiesen vor dem Dorfe ist ein wahres Stein- und Felsenmeer angefchwemmt, überall liegen Balken, Hausgeräte, Wirtschaftsmaschinen, Tierkadaver, aus- gespü'ltes Gras, Korn und Bäume wild durchein­ander. Die Dorfsiraße ist vollständig ver­schwunden und bildet einen tiefen gähnen­den Schlund, durch den sich noch große Wasser- mengen wälzen. Hier und dort zu beiden Seiten liegen die Trümmerhaufen zusammengestürzter Häu­ser und Scheunen, an vielen Häusern sind die Mau­ern des untern Stockes zum Teil weggeriffen, so daß der obere Teil fast in der Luft schwebt und einzustür­zen droht, von andern wieder ist ein Teil von der Seite wcggefegt. Bei fast allen Häusern und Scheu­nen in der mittleren Dorfflucht, soweit sie noch stehen, sind die Fundamente teilweise weggespült; in­folgedessen hat der Oberbau nachgegeben, sind Balken gerissen und Dächer eingestürzt. Das Innere dieser Häuser bildet ein wüstes Chaos. In welcher Not die Leute jene Unglücksnacht durchbracht haben, mögen folgende zwei Fälle illustrieren: In der Gastwirt­schaft Schachert stand das Wasser bis fast an die Decke. Ein Fuhrwerksbesitzer aus Geisa, den das Wasser im Lokal überraschte, flüchtete sich auf den Ofen. Bolle vier Stunden mußte er hier znbringeu. Das Wasser ging ihm bis an den Leib. Seine Pferde sind, wie vieles andere Groß- und Kleinvieh, draußen ertrunken. An einer anderen Stelle stürzte ein Hans zusammen. Wie durch ein Wunder blieben die Bewohner unverletzt, da sich die brechenden Balken dachartig über ihnen auftürmten. Es gelang ihnen,, große Zahl unverheirateter Herren und Damen ieil- nahmen, nrachte ein junger Advokat folgenden Vor­schlag: „Tie unverheirateten Mitglieder der Gesell­schaft wählen aus ihrer Mitte einen Präsidenten. Dieser muß sich mit feierlichem Eide verpflichten, alle ihm in feiner offiziellen Eigenschaft an dem be­treffenden Abend zugehenden Mitteilungen geheim zu halten; jeder ledige Herr und jede ledige Dame in der Gesellschaft schreibt seinen bezw. ihren Namen auf ein Blatt Papier und darunter den Namen der Person, die der oder die Betreffende heiraten möchte. Ter auf diese Weise beschriebene Zettel wird^dem Präsidenten eingehändigi, und dieser hat, im Falle ein Herr oder eine Dame sich laut Zettel zu ehelichen wünschen, ben Betreffenden davon Mitteilung zu machen. Die Namen derjenigen Personen, bei denen dieser Wunsch kein gegenseitiger ist, müssen vom Prä­sidenten geheimgehalten werden." Dieser Vorschlag wurde angenommen und zur Ausführung gebracht. Tas Ergebnis war, daß elf junge Damen und Herren gegenseitig den Wunsch äußeren, sich ehelich tu ver­binden: doch erfuhren von dieser Wahl nur die Be- treffeiben und der Präsident. Einige Monate später waren bereits zehn Paare, die sich auf so merkwür­dige Weise gefunden, verheiratet, und acht von den jungen Ehemännern erklärten, daß sie niemals den Mut besessen hätten, den von ihnen erkorenen Lebens, gefährtinnen einen Heiratsantrag zu machen.

— Allerlei Weisheit. Die Stämme des wilden Weinstockes erreichen eine Stärke bis zu einem Meter Durchmesser. — Den Italienern ist der liebliche Duft der Rose merkwürdigerweise im allgemeinen gerade­zu unerträglich, weshalb man in Italien auch wenig Rosen attbaut. — Liebigs Fleischertrakt wurde lange Jahre nur allein in der Münchener Hofapotheke her­gestellt und kostete hier 20 Mark das Pfund. — In der Wüste Sahara hat man trotz der enormen Aus­dehnung nur 560 verschiedene Pflanzenarten feststel­len können. — Ein einziger Blauwal liefert etwa 9000 Liter Tran. — Jetzt hat man ein Verfahren entdeckt, welches das bekannte Reinigungsmittel Ben­zin ganz unentzündlich macht, so daß es dann nicht mehr seuergcfährlich ist. — Der Hochwaldbestand des Deutschen Reiches umfaßt 11 Millionen Hektar; hier­von sind 81/ Millionen nur Nadelhölzer und davon wieder 5y2 Millionen Hektar nur Kiefern. mo.