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«rschelnt »Sgllch m# Nurnohm« 6er Sonn- und Jelertage. viertel. .■ jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zuido sowie auswärts 1.50 Mark. »— Rotatlonsörudi und Verlag der 8 - Zuldaer flcfienbrudterel in Hulda. Zemsprecher Nr. 9.
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40. Zahrgang.
Samstag den 7. 3uni 1913
erstes Blatt.
Nr. 129
eine
das
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Zu § 17, wonach den dauernd land» und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken der Ertragswert, d. h. das LSfache des Reinertrages zugrunde gelegt wird, lagen mehrere Abänderungsanträge vor. Die Debatte darüber wird am Samstag fortgesetzt.
„Weil keines den rechten Grundton findet: Vertrauen."
„Sie haben recht — und ich werde immer verstanden sein. Ich laufe noch davon —"
lohnt sich nicht! Wir beide, ich und mein Gatte, haben nichts Gemeinsames, sondern nur Gegensätze. Und wenn sich diese berühren, springen immer geharnischte Dissonanzen heraus. Nie gibt es — schöne, reine Harmonie."
die Schultern. „Ach, das
Deutscher Reich.
* Berlin, 6. Juni 1913. Die deutschen Bun. desfürsten baden nunmehr mit Ausnahme des durch sein hohes Alter verhinderten Herzogs von Sachsen-Meiningen ihr Erscheinen zu der Jubiläumsfeier des Kaisers am 16. Juni zugesagt. Der Prinzregent Ludwig von Bayern wird an der Spitze der Bundesfürsten eine Ansprache an den Kaiier halten. — Der Kaiser machte heute nachmittag bei dem Reichskanzler einen längeren Besuch. Früh 6 Uhr war er vom Neuen Palais auf dem Truppenübungsplatz Döberitz eingetroffen und hatte einem Scharischießen eines kriegsstarten Bataillons des 1. Garderegiments zu Fuß beigewohnt. Um 31/« Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin mit dem Prinzen Oskar auf der Rennbahn Grünewald ein, um dem Nennen der Offiziere beizuwohnen.
(*) Regierungsjubiläum und Reichstag. Der Reichslag wird eine besondere Fensitzung am 16. Juni an» läßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers voraussichtlich nicht abhalten, sondern schon am 14. Juni eine die geschich'liche Tatsache berücksichtigende Kundgebung veranstalten. Bestimmtes wird jedoch erst in der nächsten Woche entschieden.
** Zur Eröffnung des preußischen Landtags. Der preußische Landtag wird diesmal, wie die »Post' erfährt, nicht wie bisher im Weißen Saale deS Berliner Schlosses, sondern im Sitzungsfaale des Abgeordnetenhauses eröffnet werden. Die Eröffnung wird durch den Ministerpräsidenten ohne allen Pomp durch Verlesung einer Kabinettsorder vollzogen werden. Diese au sich ungewöhnliche Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem Regierungsjudiläum und der Tatsache, daß der Landtag nur zur Konstituierung zusammentritt und gesetzgeberische Arbeiten nicht vornimmt. Die Eröffnung des Landtages erfolgt deshalb in schlichten Formen in seinem Geschäftsgebäude selbst. Die Thronrede des Königs wird erst bei der Eröffnung der ersten Arbeitssession im nächsten Winter erfolgen. Bei der Neuwahl des Präsidiums in beiden Häusern des Landtags am 13. Juni werden wahrscheinlich die alten Präsidien wiedergewählt. Alterspräsident im Abgeordnetenhause ist der Zentrumsabg. v. Strombeck, der die Sitzungen bis zur vollzogenen Präsidentenwahl leiten wird.
+ Der Präsident der Ansirdlungskommiffion in Posen, Dr. G r a m s ch ist zum Regierungspräsidenten in Gumbinnen ernannt worden. Präsident Gramsch stand seit dem Jahre 1908 an der Spitze der An. siedlungSkommiffion. Selbstverständlich hat der Rück» tritt Dr. GramschS mit einer Arnderung der Oft» markenpolilik nichts zu tun.
** Die Indiskretion in der Angelegenheit der elsaß- lothringischen Ausnahmegesetze sollen durch Vermittlung eines Unterdeamten der Straßburger Regierung an den Parfter ,Malirü gelangt sein. Der Beamte hat von den Urtexten Abschriften genommen und sie dem Straßburger Vertreter des ,Matin' zur Verfügung gestellt.
* Die erste preußisch-suddeutsche Klassen-Lotterie mit bayerischer Beteiligung hat, wie das,Bert. Tagebl/ erfährt, allgemein den Erwartung^ ent'prochen, die man auf sie gesetzt hatte. Es war vorruszusehen, daß der Absatz der Lose in den füddeutfchen Staaten noch nicht in vollem Umfange erfolgen konnte, da sich die Lotterie erst allmäh ich einbürgern muß. Im übrigen ist die Organisation der Lotlerie-Einnehmer-Stellen in Süddeulschtand gänzlich durchgesührt. Baven und Württemberg haben bereits an der Klassen - Lotterie teilgenommcn, die am 10. Juli v. I. ihren Anfang
s Der Wehrbeitrag in der Budgetkommiifto».
In ihrer Sitzung vom Freitag verhandelte die Kom. misston nochmals über den am Donnerstag angenommenen sozialdemokratischen Antrag, wonach Vermögen unter 60 000 Mk. zum Wehrbeitrag herangezogen werden sollen, wenn gleichzeitig ein Einkommen von mindestens 3000 Mk. vorhanden ist. Der Berichterstatter wies nach, daß dieser Beschluß zu großen Härten führen könnte, da auch bereits ganz geringe Vermögen getroffen würden. In der nun folgenden kurzen Diskussion wurde Einmütigkeit erzielt dahin, daß eine bestimmte untere Vermögensgrenze festgesetzt werde.
Die Kommission beschloß dann in die Beratung des § 31 einzutreten, der die Einkommenbesteuerung betrifft, und hierbei gleichzeitig auch die Frage der Festsetzung einer unteren Grenze der Vermögen zu verhandeln. Es lagen dazu eine ganze Reihe von Anträgen vor, die eine verschiedene Staffelung der Einkommenbesteuerung vorsahen, zum Teil auch die verschiedenen Arten des Ein- kommens berücksichtigt wissen wollte. Der Schatzsekre- tär warnte vor zu großer Differenzierung, sie sei un- durchführbar.
Die Kommission faßte schließlich entsprechend mehreren Anträgen, die vom Zentrum und den Konservativen gestellt waren, in zahlreichen Abstimmungen folgende Beschlüsse:
Der Wehrbeitrag wird nicht erhoben von dem Vermögen, das den Betrag von 10 000 Mk. nicht übersteigt. Vermögen von 10 000 Mk. bis 30 000 werden nur dann herangezogen, wenn gleichzeitig ein Jahres- e i n k o m m e n von mindestens 6000 Mk. vorhanden ist. Veitragsfrei sind ferner Vermögen von 30 000 bis 50 000 Mk., sofern der Pflichtige ein Einkommen von weniger als 3000 Mk. hat. — Als Einkommen gilt das niedrigste Einkommen der Steuerstufe, in welcher der Steuerpflichtige unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse zur Einkommensteuer veranlagt ist. — Von dem festgestellten Einkommen wird ein Betrag abgezogen, der einer Verzinsung von 5 v. H. des abgabepflichtigen Vermögens entspricht. — Das hiernach festgestellte Einkommen wird, wenn es nicht mehr als 50 000 Mark beträgt, mit seinem sechsfachen, 50- bis 100 000 Mark mit seinem achtfachen, über 100 000 Mark mit seinem zehirfachen Betrage und wenn es mehr als 200 000 Mark beträgt, mit dem zwölffachen Betrage in Ansatz gebracht. — Beträgt das veranlagte Einkommen weniger als 6000 Mk. so wird das Einkommen nur dann berücksichtigt, wenn es einem beitragspflichtigen Ver- mögen hinzuzurechnen ist. Auf Antrag des Beitragspflichtigen ist für die Erhebung des zweiten oder letzten Drittels die neueste Eintommensteuerveranlagung zu- gründ' zu legen, sofern diese gegenüber der ursprünglichen Veranlagung ein Weniger von 40 Proz. ergibt.
Die von den Sozialdemokraten, den Fortschrittlern und den Nationalliberalen gestellten Anträge verfielen durchweg gegen die Stimmen der Antragsteller der Ablehnung.
Angenommen wurde die Bestimmung, daß für die Veranlagung des Wehrbeitrages die Vermögen der Eheleute zusammenzurechnen sind, wobei nach einem Zentrumsantrag Erleichterungen für solche Familien vorgesehen sind, wo drei und mehr Söhne ihrer Dienstpflicht genügen. Der entsprechende Beschluß besagt: „Hat der Beitragspflichtige kein Vermögen oder nur von nicht mehr als 200 000 Mk., so ermäßigt sich der Wehrbeitrag für den dritten und jeden weiteren Sohn, welcher seine gesetzliche Dienstpflicht abgeleistet hat, um je 10 «Proz. Die Beitragsermäßigung tritt auch dann ein, wenn die Ableistung der Dienstpflicht noch in den Jahren 1914, 1915 und 1916 erfolgt.
Ein Antrag, die Junggesellen und die vom Militärdienst Befreiten besonders heranzuziehen, wurde abgelehnt.
In der Nachmittagssitzung der Kommission wurde eine Bestimmung angenommen, daß für die Beitragspflicht und die Ermittelung des V e r m ö ge n s w e r - t e s der Stand vom 31. Dezember 1913 maßgebend ist, bei landwirtschaftlichen und Gewerbebetrieben mit regelmäßigem jährlichem Abschluß kann der Vermögensstand am Schluß des letzten Wirtschafts- und Rechnungsjahres zugrunde gelegt werden. Die Beratung der Bestimmung, wonach bei Feststellung des Vermögens der gemeine Wert zugrunde zu legen ist, wurde ausgesetzt.
J? Ueber die Heranziehung des Einkommens zum Wehrbeitrag
hat der Budgetausschuß am Freitag in erster Lesung einen Beschluß gefaßt, der einerseits die Sache einfach zu regeln, anderersefts Härten zu ber- meiden sucht.
Der Einfachheit halber hat man daraus verzichtet, eine Unterscheidung zwischen den Arten des Einkommens eintreten zu lassen. Die Fachmänner der Regierung erklärten eine verschiedene Behandlung des Einkommens aus freier Berufstätigkeit und des Gehalts in einer lebenslänglichen Anstellung für praktisch undurchführbar. Ebenso wurde auf die unterschiedliche Behandlung nach dem Lebensalter, der Zahl der Familienmitglieder rc. aus praktischen Gründen verzichtet.
Zur Vermeidung von Härten wurde aber die Verhältniszahl, welche das Einkommen in Kapital umwandeln soll, für die mittleren Einkommen beträchtlich herabgesetzt. Sie soll nicht mehr 10 bis 15, sondern 6 bis 12 betragen, d. h. ein Arbeitseinkommen von 5000 Mk. wird nicht mehr, wie zuerst vorgeschlagen war, einem Vermögen von 50 000 Mk. gleichgestellt, sondern nur einem Vermögen von 30 000 Mark. Eine stärkere Kapitalisierung, nämlich mit dem achtfachen, soll erst einsetzen, wenn das Einkommen mehr als 50 000 Mark beträgt; bei mehr als 100 000 Mk. soll das zehnfache, und bei mehr als 200 000 Mark das zwölffache angesctzt werden. Gegen diese stärkere Heranziehung der hohen Einkommen läßt sich kaum ein ernstes Bedenken erheben. Auch eine vielköpfige Familie ist bei einem Einkommen von 50 000 Mk. und mehr soweit über den Existenzbedarf hinaus, daß sie einige Tausend Mk. auf den Altar des Vaterlandes opfern kann. Auch für Familien mit einem Einkommen von 10 000 Mk. und mehr wird die Abgabe von einem oder mehreren Hundertmarkscheinen nicht zu schwer sein. Aber wenn man die heutigen Lebensverhältnisse in Betracht zieht, so kann man nicht verkennen, daß manche Familie, die auf 5000 Mk. Arbeitsverdienst ihres zur Zeit noch rüstigen Oberhauptes ausschließlich angewiesen ist, recht wenig zu verschenken hat. Es verdient doch wohl noch einer Nachprüfung, ob man die steuerpflichtige Einkommenhöhe nicht noch etwas h i n- a u f s ch i e b e n kann. Wenn nicht auf 7500 Mk., wie ein Antrag vorschlug, dann doch wenigstens auf 6000 Mk. Man würde dann der Mühe überhoben 'fein, wegen der zahlreichen Einkommen von 5000 bis iGOOO Mk., die im einzelnen doch nur einen bescheidenen Beitrag liefern, eine umständliche Veranlagung und Erhebung durchzuführen, und zugleich würde man vielen Klagen aus diesen Kreisen vorbeugen. Natürlich würde nur in Frage kommen, die reine A r b e i t s - Einkommen bis zu dieser Höhe freizulassen. Sobald hinter dem Einkommen noch ein Vermögen steckt, kann und soll man schärfer zufassen.
Sehr dankenswert sind die weiteren schonenden Bestimmungen in dem Beschluß des Ausschusses, namentlich "die Vorsorge, daß das zweite oder letzte Drittel des Wehrbcitrags herabgesetzt wird, wenn in der Zwischenzeit das veranlagte Einkommen beträchtlich zurückgegangen ist. Ebenso ist zu begrüßen die auf Antrag des Zentrums beschlossene Ermäßigung für Familien, die drei oder mehrere Söhne für den Militärdienst gestellt haben.
Vollkommen wird die Lösung dieser Frage wohl nie werden. Aber der Fortschritt zum besseren ist doch nicht zu verkennen. Hoffentlich wird das Streben nach einer praktischen und nicht drückenden Ordnung des Wehrbeitrags weiter fortgesetzt. Um Mißverständnissen und übertriebenen Befürchtungen vorzubeugen, muß man noch besonders darauf Hinweisen, daß in Folge der Staffelung der Tarif für die mittleren Vermögen und Einkommen mir eine mäßige Abgabe Vorsicht.
„Soviel Durst hab ich", rief Puck. „Lassen S' mich nur auf ein Stünderl ins Hofbräuhaus, Herr Kommerzienrat! Hernach —"
„Daß ich ein Narr wär'!" schrie Heuberger. „Zehn Maß Bier sollen Sie haben, meinetwegen ein ganzes Faß; aber aus dem Käfig 'raus kommen Sie nicht ehe nicht das Bild fertig ist. Und jetzt will ich meine Ruh' haben!"
Aus dem Kabinett heraus drang ein berghoher Juchzer. „Zehn Maßl! — holladioh! — Gleich mach ich mich an die Arbeit! — Und grüßen S' mir das Annerl, Herr Profeffor!" — Tann Stille.
»Letzt geh' ich zu Frau Marguerite," sagte Pirk- Heimer, „und trag' den Orlzweig und die Friedens- palme hin zu chr."
„Tu' das! — Und schick mir das Annerl! — Heut' abend um sieben aber hobst du meinen Schmetterling ab —"
„Ist recht Joseph! — Schlag dir die Grillen aus dem Kopfe! Gib acht, es wird alles gut! In acht Tagen hol' ich dich ab, bann feiern wir im Hosbräu- haus das große Dersöhnungsfest."
„®oti gebe es!" rief Heuberger und dann hob er drohend den Stock. „Du — jetzt gehst aber! Du machst mir den Mund wässerig, daß es kaum mehr zum Ausbalten ist. Wieder im Hofbräuhaus sitzen und eine Schlacht schlagen — du, das ist gerade, wie wenn ein armer Sünder ins Himmelreich eingeht."
„Dies Himmelreich wirst du sicher gewinnen, Jo- scphuS! . . . Tas andre, das. richtige, das bleibt dir freilich verschlossen, nach dem bekannten Schrift- wort: Eher gebt ein Kamel durch ein Nadelöhr —“
„Raus! Raus!" schrie Heuberger und schwang lachend feinen Stock wie einen Speer, mit dem er den andern durchbohren wollte. —
Frau Marguerite spielte eben eine Lisztsche Rhapsodie. als Pirkhcimer eintrat. Sobald sie ihn bemerkte, brach sie mitten im Spiel ab, eilte auf ihn zu und fragte: „Nun, was sagte er, ber Tvraun?"
„Er ist ja gar kein Tyrann," erwiderte Pirk- heinrer, „sondern der beste Mensch; man muß ihn nur I zu nehmen wissen." ,
nahm. Infolge des Zutrittes dieser beiden Staaten wurde die Zahl der früher aus 348,000 Stammlosen und 32,000 Freilosen bestehenden Lotterie, die 174,000 i 5 Klagen verteilte Gewinne und 2 Prämien auf» w.cs, um 32,000 Stammlose und 4000 Freilose, sowie 16,000 Gewinne vermehrt, welche Zahlen auf die genannten beiden Bundesstaaten entfallen. Die aus 380,000 Stammlosen und 36,000 Freilosen bestehende, mit 190,000 Gewinnen unb 2 Prämien ausgestattete Klassen-Lotterie hat nun durch den Hinzutrttt Bayerns eine weitere Vermehrung an Losen unb Gewinnen erfahren. Es werben für bie nächste, am 9. Juli d. I. beginnende 229. Klassen-Lotterie 48,000 Stuck Stamm- lose und 4000 Freilose mehr ausgegeben, sodaß im ganzen 428,000 Stammlose unb 40,000 Freilose zur Verfügung stehen. Auch die Zahl der Gewinne ist um 24,000 vermehrt worden, sodaß im ganzen 214,000 Gewinne und 2 Prämien in der nächsten Lotterie eingesetzt sind, bie sich auf 5 Klassen verteilen. Als General »Vertreter der drei süddeutschen Bundesstaaten, der als Direktor in bie König!. Preuß. General-Lotterie-Direktion eingetreten ist, ist der König!. Bayer. Regierungs - Assessor Dr. Säumling ernannt worden, sodaß jetzt im ganzen vie, Direktoren mit gleichen Besugnissen in ber Behördi tätig sind.
= Der Oberbürgermeister Dr. Scholz in Kassel der für den Oberbürgermeisterposten in Charlo11en» bürg i-usersehen ist, hat kürzlich bie Geburt einet Jungen auch im sozialdemokratischen .Kasseler Volks, blatt' angezeigt. Wegen dieser Anzeige wenden sich konservative Blätter sehr lebhaft gegen Dr. Scholz. Die ,Post' spricht von einer tiefen Verbeugung des Oberbürgermeisters vor der Sozialdemokratie und meint:
„Da Oberbürgermeister Dr. Schal, der aussichts- reichste Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters der Residenzstadt Charlotlenburg ist, dürste dieses Vor kommnis für weitere Kreise von Interesse sein."
Die ,Kreuzzeitung' wird schon deutlicher. Sie ver öffentlicht eine Zuschrift unter der Ueberschrift: »Ein Oberbürgermeister als Förderer der Sozialdemokratie" In dieser Notiz heißt es u. a.:
Der Kasseler Oberbürgermeister ist für den Postet deS Oberbürgermeisters der Königlichen Residenzstadt Charlotlenburg ausersehen und würde als solcher einer der hervorragendsten Posten der Selbstverwaltung von Groß-Berlin entnehmen. Wenn ein abhängiger Geschäftsmann mit großer Arbeitertundschast außer in bürgerlichen Blätiern auch in sozialdemokratischen Zeitungen inseriert, bann kann er sich immer noch mit einem Schein von Recht darauf berufen, er wäre dazu aus Erwervsinietesse leider genötigt Wenn aber ein unabhängiger Privatmann und noch dazu der Chef einer städtischen Verwaltung, der die Obrigkeit darstellt, zugleich ein königlich preußischer Hauptmann b. R., ganz offen uns ungeniert die s ozialdemokratische Parterkasste füllt, dann ist dies ein tief bedauerlicher Vorgang, der in der Oeffentlichkeit besprochen werden wuß. Er führt dazu, daß in der öffentlichen Meinung die Grenzlinie zwischen bürgerlich und sozialdemokratisch vollends verwischt wird, und wenn ein solcher Oberbürgermeister als das Oberhaupt einer Königlichen Residenzstadt gewählt unb bestätigt wird, dann muß sich breiten Schicksten die lieber- zeugung ausdrängen, daß auch die Regierung nichis dagegen einzuwenden hat, wenn Persönlichkeiten in Meter Stellung ihre Sympathie mit der Umsturzpartei öffentlich bezeugen."
Indem die ,Kreuzzeitung' das Wort »bestätigt* in Sperrdruck roieöergibt, läßt sie deutlich erkennen, baß sie eine Nichtbestä tigung erwartet.
# Karlsruhe, 6. Juni 1913. Daß bie Vertreter ber Rorblockparteien in Baden am Sonntag sich über ein Zusammenarbeiten bei den nächsten Landtagswahlen geeinigt haben, wurde aller Welt blockoffiziös verkündet. Aber was im einzelnen abgemacht worden ist, davon erfährt man noch immer nichts. Erklärlich ist das ja, denn die liberalen Blockbrüder fürchten sich vor ihren Wählern, wenn sie gestehen müssen, was sie den roten Blockbrüdern zuge
geben, da er sie zu sprechen wünsche. Sie entschuldigte sich bei Sandow und ging.
„Mich will dieser Haustyrann, wie es scheint, nicht sehen?" fragte Sandow.
„Sie müssen schon entschulidgen," verteidigte Pirk- Heimer den Freund, „ber Kommerzienrat ist" ganz in Watte verpackt unb daher nur für bie allernächsten Hausfreunde zu sprechen. Ein andermal wird er Sie gerne empfangen."
„Ick bin begierig, diesen Ritter Blaubart von Angesicht zu sehen! Tie schlanke Frau mit den Nixenaugen hat wahre Schauermären von chm er» zählt."
Pirkheimer wollte ihm eben beweisen, daß Heuberger ber beste Mensch sei, als unten ratternd und stauchend ein Auto anhielt. Gleich darauf trat Max Heuberger ein — schlank, blond und rosig, in tadelloser Uniform, alles blank unb glänzend an ihm vom Wirbel bis zur Zehe.
Beim Anblick der Gäste schlug er die Hacken zu- ammen, verbeugte sich zweimal und schüttelte dann lern Professor die Hand. „Geht es Ihnen gut? — Freut mich riesig. Wo ist Annie? . . Ach, bei Papa! Ich will auch rasch guten Tag sagen. Ist Papa gut bei Laune?"
„Tas böse Zipperlein setzt ihm zu —"
„O weh, o weh!" — Tas Einglas schnippte aus dem Augenwinkel und baumelte an seidener Schnur auf der jungen Heldenbrust. „Ta muß ich mich ar Mama halten! —" Er trat auf Sandow zu, um auch diesen Gast zu begrüßen, und Pirkheimer stellte die beiden Herren einander vor. Als der Name Berlin genannt wurde, geriet der Leutnant in eine gelinde Ekstase. „Ah, Berlin!" rief er. „Großartige Stadt! Werde demnächst wieder mal hinüberflitzen! . . . München ist bie reinste Provinzstadt dagegen. Da guckt jeder dem andern in den Topf und gleich um bie Ecke hat jedes Haus ein gläsern Tach. Aber Berlin — brillant! . . . Freut mim kolossal, Sie kennen gelernt zu haben, Herr Baron! Geben Sie uns doch öfter die Ehre! — Ah, Pardon, meine Her. ren, da kommt Mama! . . ."
(Fortictzung folgt.)
Das Münchner Kinöl.
10] Roman von Felix Nabor.
„Ja, glauben Sie denn, ich will warten bis jum jüngsten Tag?" fuhr ihn Heuberger an. „Nichts da — auf der Stelle fangen Sie an. Dort nebenan in dem Kabinett ist der Zeichentisch und alles, was Sie brauchen. Zigarren kriegen Sie auch — da! — und jetzt marsch hinein ins Kabinett'!!"
Puck ließ sich hiueinschieben unb lachte spitzbübisch. „Gern, Herr Kommerzienrat!"
„Lachen Sie nicht so niederträchtig!" rief biefet. „'Raus kommen Sie mir nicht, bis bas Bild fertig ist. Unb durchbrennen können Sie auch nicht, weil nur biese eine Türe ba ist — die schließe ich hernach ab."
Puck schien im ersten Augenblick erschrocken. Dann heiterte sich sein Gesicht rasch auf unb er sagte: „Ich werd' halt alssort an's Annerl denken und ihr liebes G'sichterl malen —" Da schloß sich hinter ihm die Türe und Heuberger drehte den Schlüssel nm.
„Es gibt Menschen, die man zu ihrem Glück geradewegs zwingen muß", sagte er. „So einer m dieser Puck — ein verbummeltes Genie."
„Sei nicht zu hart gegen ihn, Joseph", sagte PirÄwimer. „Laß ihm seine Jugend und seine Freude!"
„Still, Michael! — Der junge Mensch muß eine strenge Schule durchmachen, sonst wird sein Lebtag nichts aus ihm."
Da lächelte Pirkheimer und sagte: „Lieber Jo- sephuS, das L.'bcn ist bie beste Schule! — Wenn ihn das erst ordentlich am Schopfe packt und schüttelt, bann wacht er aus."
Heuberger drohte ihm lachend mit Der Faust. „Tu — mit dir ist nicht gut anbandeln! —J$u mußt immer k letzte Wort hoben. Und meiner Treu: ail- wril hast bu recht, und allwcil bist du der Klügere!"
Es klopfte an die Türe d-.Z Kabinettes.
„WoS gibt's?" rief H-nbrraor.
„Nein, nein — Fahnenflucht gibt es nicht. Tap- Sr sein — ausharren! — Sie müssen bie golbene rücke suchen, bie ins Märchenlanb des Glückes hin- einführt."
„Ach" sagte sie mit schmerzlichem Lächeln, „bie golden'n Brücken finb hinter mir abgebrochen unb bas Märchenlanb liegt weit, weit mir. Die blaue Blume des Glücks blüht mir nicht wieder —"
„Warum denn nicht! Das Glück läßt sich wieder aufbauen — schöner als je. Joseph sucht den Weg zu Ihrem Herzen, öffnen Sie chm die Tore — er will Versöhnung unb Frieden. Und als Zeichen des Friebensbundes bietet er Ihnen heute abend einen Platz in ber Oper an — ich soll Sie begleiten —"
Frau Marguerite klatschte vor Freude in die Hände. „Ach, das ist reizend," rief sie. „Heute wird Carmen gegeben, mit ber Pariser Diva als Gast. Es wirb ein schöner Abenb werden und ich freue mich ehr —"
„Ich ebenso —"
„Schließlich können totr nach ber Vorstellung noch in Odeon-Bar geben. Da ist's brillant und man trifft immer ein paar Bekannte ans ber guten Gesell- djaft
„Ich habe nichts bagegen —"
„Dann also auf Wiedersehen, teurer Freund! Ich will rasch die Anordnungen wegen meiner Toilette treffen unb den Wagen bestellen." Sie summte bas Zigeiinerlieb au? „Carmen" unb schwebte davon. —
Pirkheimer trat zu Annie und Sandow, die sich in einer Fensternische lebhaft unterhielten, und bat seine Tochner. sich zu „Onkel Kommerzienrat" zu be-