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Fuldaer Zeitung

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Hr. 128. Erstes Blatt.

Freitag den 6. 3uni |9|3.

40. Zahrgang.

e Der Wehrbeitrag vom Einkommen.

Was die von der Budgetkommission eingesetzte ünterkommisston nicht fertig gebracht hat, eine Ver­ständigung über die Staffelung des Wehr bei- IragS herbeizuführen, das ist der Budgetkommission selbst gestern überraschend schnell gelungen. Sie hat sich auf einem Vermittelungsantrag Westarp zu­sammengefunden, der alle Vermögen bi8 50000 Mk. mit 0,15 Proz. besteuert, die nächsten angefangenen 50000 Mk. mit 0.35 und in größeren Absätzen dis auf 1.5 Prozent.

Vorläufig ist hierdurch nur der Beitrag vom Ver­mögen geregelt, über die Besteuerung des Einkom­mens hat man sich noch nicht geeinigt. Bekanntlich hatte, um die Leistungsfähigkeit so allgemein und so gerecht als möglici heranzuziehen, der Reichstagsausschuß den Versuch unternommen, auch die Einkünfte aus gewinnbringender Beschäftigung, und zwar Einkommen von 5000 Mark an mit einem Wehrbeitrag zu belegen Die Regierungsvorlage sah die Heranziehung der höheren nicht fundierten Ein­kommen nur in viel geringerem Maße vor, sodaß dem Gesetze der Charakter einer Vermögenssteuer im wesentlichen gewahrt bleiben sollte. Der vom Reichstag geplante Ausbau eines Gesetzes stellt eine Verbindung von Einkommensteuer und Vermögens steuer dar.

Die Berechtigung dieses Gedankens läßt sich nicht leugnen; doch wird natürlich durch diese Erweiterung und Vervollkommnung des gesetzgeberischen Gedan­kens die Ausführung viel verwickelter und schwieriger.

Um die Einheitlichkeit des Tarifs zu wahren, hat der Unterausschuß vorgeschlagen, das nichtfundierte Einkommen zu kapitalisieren, sodaß immer nur eine Abgabe von einer Kapitalsumme zu erheben ist. Das Einkommen soll je nach seiner Höhe mit dem zehn­fachen oder zwölfeinhalbfachen oder fünfzehnfachen Betrage als Vermögen angesetzt werden. Da das sinstragende Kapital bei 4 Prozent das fünfundzwan- sigfache und bei 5 Proz. das zwanzigfache der Rente beträgt, so sieht die erwähnte Vervielfältigungszahl 10—15 recht schonend aus. Aber doch hat sich sofort lebhafter Widerspruch erhoben, der zumeist in ben Satz ausklingt: Wer 5000 Arbeitseinkommen hat, darf nicht dem Inhaber eines Vermögens von 50 000 Mark gleichgestellt werden!

Nun gibt es in der Tat Fälle, in denen ein Mann, der 5000 Mk. jährlich verdient, hinter einem 50 000 Mark-Rentner an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bedeutend zurücksteht. Die Rente hat vor dem oft schwankenden und schwindenden Arbeitsein­kommen den großen Vorzug der andauernden Glerchmäßigkeit und Sicherheit. Bei den Sewerblichen Unternehmern und auch bei den vielen Erwerbstätigen im freien Berufe, z. B. bei Aerzten, Schriftstellern usw. wechseln fette und magere Jahre a6; den Angestellten droht stets die Gefahr einer Kündigung; einer zeitweiligen Arbeitslosigkeit und eines Gehaltsrückganges bei schlechter Konjunktur oder abnehmender Leistungsfähigkeit. Der fest An­gestellte Beamte verdient außer seinem Gehalt noch Die Pension und die Reliktenversorgung, der private Angestellte und der selbständige Unternehmer müs­sen von ihrem Jahreseinkommen noch die nötigen Rücklagen für ihr Alter und die Versorgung ihrer Angehörigen machen. Ein junger Mann, der schon mtt 25 Jahren 5000 Mk. jährlich verdient, steht auf enter viel höheren Stufe der Leistungsfähigkeit, als ein Familienvater, der erst zwischen 40 und 50 Iah­ten sich zu einem solchen Jahresertrage hinaufqearbei- tet hat.

Es gibt gewaltige Unterschiede zwischen den zif­fermäßig gleichen Jahreseinkommen Auch in An­sehung der Auskömmlichkeit. Mancher Sunq. geselle kann mit 5000 Mark ein flottes Leben sich-

Das Münchner ttindl.

9] Roman von Felix Nabor.

Heuberger schüttelte bekümmert den Kopf. „Ich war gezwungen, so zu handeln", sagte er. „Urteile selbst! — 5Bte du weißt, hält sich ein exotischer Fürst tn München auf, dessen Reichtum geradezu fabelhaft ist. Namentlich die wunderbaren Ringe, die er an den Fingern trägt, mit ihren edlen Steinen, den Ru­binen, Opalen, Smaragden, Topasen, Saphiren und Brillanten erregen die Bewunderung aller Damen Münchens. Und nun denke dir das Unglück: sie ver­liebte sich — nicht etwa in den Fürsten, o nein, dazu ist sie zu schönheitsdurstig, und dieser Nabob zu häß­lich, da er ein wahres Schimpansengesicht hat! — sie verliebte sich in seine Ringe! Bei ihrer ausgesproche­nen, geradezu krankhaften Vorliebe für Edelsteine ist das durchaus erklärlich. Ich glaube, um in den Be­sitz eines seltenen Edelsteines zu kommen, würde sie vor einem Verbrechen nicht zurückschrecken. Nun hatte aber der Fürst gleich ein paar Dutzend solcher Edelsteine, wie man sie so schön in Europa nirgends trifft. Da hatte sie den abenteuerlichen Plan, an der Seite des Fürsten, als seine Sultana beim' Fa­schingskorso durch die Stadt zu fahren. Das durfte ich doch nicht dulden! Das hätte ihrem guten Ruf geschadet. Und da sie gegen alle meine Vorstellungen taub blieb und auf ihrem Wunsche trotzig beharrte, so habe ich sie — aus reiner Notwehr —' einfach — — interniert. Jetzt ist sie von ihrer Krankheit ku­riert, denn der Fürst ist mit seinen Edelsteinen ab­gereist. Und nun bitte ich dich noch einmal: ver­söhne sie! Sie soll haben, was sie begehrt. Ich kaufe ihr einen Schmuck, den sie sich wählen soll. Du aber, Michael, nimm' dich ihrer an: führe sie ins Theater, in Konzerte, wohin sie nur will. — Wenn sie nur wieder lächelt, dann ist alles gut."

Pirkheimer wiegte bedächtig den Kopf. „Tu hast doch zwei erwachsene Söhne", sagte er. —

„Ach, die taugen nicht als Ritter für Marguerite! Ludwig ist zu ernst und zu schwerfällig, vor Max hat

,unb zu malen getraue ich mir so ein Bild wohl

(Fortsetzung folgt.)

klärte, in der Verständigungskommission sei eine Eini­gung nicht erzielt worden. Der Schatzsekretär habe bei den Besprechungen in der Unterkommission großen Wert darauf gelegt, daß nicht über eine Steuer von 1,25 Proz. hinauSgegcmgen würde und legte einen Vermitt­lungsantrag vor. Die Nationalliberalen und die Freisinnigen beantragten Aenderungen der Westarpschen Staffelung. Auch von den anderen Parteien wurden solche Anträge eingebracht, wobei sich der Schatzsekretär namentlich gegen die hohen Sätze der Sozialdemokraten bei den großen Vermögen wandte. Der preußische Ge- neralsteuerdirektor erklärte die Behauptung von regel- mäßigen Steuerhinterziehungen preußischer Landwirte auf Grund seiner Erfahrungen für grundlos.

Bei der Abstimmung wurde der Antrag Graf SB e ft a r p mit einer freisinnigen Abänderung in folgen, der Fassung angenommen: Zur Deckung der Ko­sten der Wehrvorlage wird nach den Vorschriften dieses Gesetzes ein einmaliger außerordentlicher Beitrag vom Vermögen erhoben. Als Vermögen wird nach näherer Vorschrift des § 31 auch ein Vielfaches des Einkommens angerechnet. Der Beitrag beträgt oei einem Vermögen bis zu 60 000 Mk. 0,15 vom Hundert. Die nächsten an­gefangenen oder vollen 50 000 0,35 v. H., die nächsten 100 000 Mk. 0,5 v. H., die nächsten 300 000 Mk. 0,7 v. H., die nächsten 600 000 Mk. 0,85 v. H., die nächsten 1000 000 Mk. 1,1 v. H., die nächsten 3 000 000 Mk. 1,2 v. H., die nächsten 4 000 000 Mk. 1,3 b. H., die nächsten 6 000 000 1,4 b. H. Von einem höheren Betrage 1,5 b. H. Auch ein sozialdemokratischer An­trag gelangte zur Annahme: Personen mit Vermögen bis zu 50 000 Mk., deren Jahreseinkommen 3000 Mk. nicht übersteigt, werden bon dem Wehrbeitrag befreit.

Heber Besteuerung des Einkommens wurde die Ent­scheidung beantragt. — Freitag: Fortsetzung.

Sie vielleicht zufällig, was ein Münchner Kindl ist? — llnb können Sie solch ein Bild entwerfen?"

Da fing Zuck fröhlich zu lachen an. „Tas schönste Münchner Kindl sitzt drüben am Flügel", sagte er.

„Ich bring' ihn selber, Joseph!"

Ter Kommerizenrat trommelte auf der Tisch-'

ie keinen Respekt. Uüberdies geniert es sie, sich mit ihren erwachsenen Söhnen öffentlich zu zeigen; sie ist doch so jung. — Also tu’ mir den Gefallen und nimm dich ihrer an —"

„Das ist eine gefährliche Sache. — Ich bin doch kein Mummelgreis!"

Heuberger schlug ein unbändiges Gelächter auf. „Du — mit deinem Fischblut!" rief er. „Du ge­hörst doch mit Leib und Seele der Kunst, deinem Kindl und dem Hofbräu! Das „Weib" hat keinen Raum in deinem Leben. Hab ich recht oder nicht?"

„Recht hast du schon, aber vor dem Feuer soll man sich hüten. Denk dir nur, was mir beim Fö­ching passiert ist---" Und er erzählte das kleine,

harmlose Abenteuer mit Gusti, der Küchenfee.

Heuberger lachte, daß ihm die Tränen über die Wangen liefen. „Schau, wie recht ich habe", rief er. „Stifte also Frieden zwischen mir und Marguerite — und der Himmel wird dich dafür segnen! — Und nun laß uns von etwas anderem reden. Ich habe einen Sack voll Sorgen! Mein Nettester gefällt mir nicht —"

„Aber Michael! Ludwig ist doch ein Prachtmensch, und wie er deinen ganzen Fabrikbetrieb leitet, das ist geradezu großartig. Auf den kannst du stolz sein."

„Das bin ich auch — aber trotzdem macht er mir Sorge: er schlägt aus der Art! Er ist düster und verschlossen, meidet den Alkohol und alle Freuden, und ist auf dem besten Wege, ein Eigenbrödler zu werden. Tas ist nichts für ferne Jugend, darunter leidet auch der freie Flug seiner Phantasie und seine künstlerische Schaffenskraft. Er findet keine neuen künstlerischen Ideen — und das wäre doch so not­wendig in meinem Betriebe, zumal die Konkurrenz chrecklich groß ist. Es fehlt mir der künstlerische

Mitarbeiter —"

„Aber du hast doch deine Frau! Sie hat immer neue Pläne, neue Ideen —"

„Marguerite fängt an, bizarr zu werden", sagte Heuberger bekümmert. „Ihre Entwürfe zu Möbeln und Zimmereinrichtungen sind egal unausführbar. Ich brauche einen Künstler, der auf realem Boden teht und doch neue, künstlerische formen, einen

ein bischen über die Stränge schlägt. Grad meine Freud' hab' ich an ihm."

Pirkheimer kannte die Schwäche Heubergers für seinen jüngeren Sohn und schwieg. Dieser sprang gleich darauf auf ein geschäftliches Thema über. „Der kleine gelbe Japaner", sagte er, „weißt du, der Mar­quis Titatu — oder wie der Kerl heißt —"

„Der die Sängerin Salvini geheiratet hat?" —

«Ganz richtig — der ist's! — Der Mann ist so unheimlich reich, daß seine Braut behauptete, dem wachsen die Goldstücke auf den Kirschbäumen — der also will für seinen Salon in Tokio einen Flügel ha­ben, etwas ganz Apartes. Legt 8—10 000 Mark an! . . — Du, das machen wir! — Damit soll die deutsche vorausgesetzt, daß Sie mir Zeit lassen —' Kunst einen Triumph feiern. Auf dem Deckel will

neuen Stil schafft, der einerseits dem modernen Zeit­geist entspricht, anderseits dem verfeinerten Ge­schmacks des Publikums entgegenkommt."

„Wie wäre es mit Puck? — Er ist mit Annie hier —"

„Ach, geh' mir mit dem! — O weh, o weh!"

Ein Gichtanfall packte ihn und schüttelte den star­ken Mann, daß er vor Schmerz stöhnte. Pirkheimer reichte ihm die gewohnte Arznei, aber es währte eine halbe Stunde, bis der Anfall vorüber war. Der Kranke wischte sich den Schweiß von der Stirne. „So", sagte er, „nun hab' ich ein paar Stunden Ruhe. Und jetzt, bitt' schön, mach' die Türe auf — dein Annerl singt. Das muß ich hören."

Pirkheimer tat ihm den Willen und beide lausch­ten. Hell und freudig fluteten die Melodien des Brohmsschen Frühlingsliedes durch das Haus — „Mein Lieb' ist grün wie ein Fliederbusch, Und mein Lieb' ist schön wie die Sonne —"

Heubergers Gesicht strahlte. „Jetft schließ' die Türe — es zieht", bat er, als das Lied verklungen war. „Du — dein Annerl, das ist ein Prachtmädel — grabe so ein Goldkind wie mein Marl. Du — auf den kann ich stolz sein —"

„Halt ein bißchen ein leichtes Tuch ist er, der Max!"

„Ach, geh! — Bin froh, daß er Schneid bat und

platte, nickte und sagte schließlich: „So wird cs gehen!" — Als dann Puck, von Pirkheimer gedrängt, in das Zimmer trat, brummte Heuberger ihn an: „Was tun denn Sie hier, Sie Pflastertreter? Dem Herrgott den Tag abstehlen?" Und als der Verblüffte keine Antwort fand, fuhr Heuberger fort: „Wissen

ren, während der Familienvater mit gefüllter Kinder­stube, dem obendrein die Berufsstellung noch eine gewisse Repräsentation auferlegt, mit 5000 Mk. kaum auszukommen weiß.

Aus alledem ergibt sich, daß man bei der Umrech­nung von Arbeitseinkommen in Kapital sehr vor­sichtig vorgehen muß. Es soll sich allerdings nur um eine einmalige und außerordentliche Abgabe handeln. Doch muß trotzdem die a u § g I e i* chende Gerechtigkeit und die Schonung der schwächeren Schultern unverdrossen ou- gestrebt werden. Umsomehr, als doch immerhin die Möglichkeit besteht, daß die Veranlagung zum Wehr­beitrag noch weitere steuerpolitische Folgen nach sich zieht, fei es für eine mittelbare oder gar für eine un­mittelbare Heranziehung des „Besitzes" für dau­ernde Reichsbedürfuisse.

Darum wird sorgsam zu prüfen fein, ob die Ar­beitseinkommen von 5000 Mk. an schon allge­mein herangezogen werden können, ob die Kapitali­sierungsziffer nicht wenigstens bei gewissen Arten des Einkommens unter 10 herunter zu setzen ist, und ob nicht überhaupt auf die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Erwerbstätigen mehr ausgleichende Rücksicht genommen werden kann. Wir möchten z. B- den Gedanken zur Erwägung stellen, daß man von dem Arbeitseinkommen zunächst ein Existenz- Minimum abzieht, und zwar zur Schonung der Verheirateten für jedes Familienmitglied noch 500 oder 1000 Mk., und daß man erst den Rest mit einer mäßigen, gestaffelten Ziffer kapitalisiert.

Es heißt, die Regierung wolle prinzipiell gegen die „Vorbereitung einer Reichseinkommen­steuer" Einspruch erheben. Ta sie aber selbst eine Berücksichtigung der Einkommen vorgeschlagen hat, so kann es sich nur um das rechte Maß und die ge- eignete Form handeln.

*

Wie verlautet, wird wahrscheinlich die Besteuerung des Einkommens auf der Grundlage zustande kom­men, daß man auf die ursprünglich geplante 10- und 15fache Vervielfältigung verzichtet und die Verviel­fältigungsziffern auf 6, 8 und 10 Prozent herabsetzt. Man rechnet dabei mit einem Betrage von 80 Mill. Mark aus den Einkommen. Nach einem Antrag Westarp sollen alle Einkommen von 5000 Mark an erfaßt werden, die unter 5000 Mark nur bann, wenn ein wehrbeitragspflichtiges Vermögen vorhanden ist.

s. Der Wehrbeitrag in der Budget kommission.

In der Budgctkommifsion des Reichstages wurde gestern die Beratung des § 12 der Vorlage (Beitrags, pflicht der Aktiengesellschaften und Komman- ditgesellschaften a. A.) fortgesetzt Auf eine Anregung erklärte ein Regierungsvertreter, daß die wohltätigen Vereine im Gesetze deshalb nicht besonders erwähnt seien, weil man ihre besondere Berücksichtigung als selbstverständlich angesehen habe. — Ein Zentrumsred­ner verteidigte den Zentrumsantrag, der eine klare Fas. jung des Vermögens ermöglichen und ein erhebliches Matz von Schnüffelei und Schikanen ausschalten soll. Von fortschrittlicher Seite wurde der Antrag bekämpft. ■— Nach einem anderen Zentrumsredner erreichen die stillen Reserven eine Höhe von vier Milliarden, die man treffen müßte.

Unter Ablehnung der Zentrumsanträge wurde schlietzlich § 12 mit vierzehn (stimmen der Sozialdemo­kraten, der Fortschrittlichen Volkspartei und der Na­tionalliberalen in der Hauptsache der Regierungsvorlage angenommen. Für die Berechnung des beitragspflich- I tigen Vermögens der Aktiengesellschaften und Komman- I ditgesellschaften auf Aktien gilt danach entweder der I Durchschnitt des Börsenkurses des Jahres 1912 oder, I wenn die Aktien keinen solchen Kurs haben, der Durch- I schnittsverkehrswert aller Einheiten.

In der Nachmittagssitzung wurde auf den § 1 gu« I rückgegriffen, der die Staffelung des Wehrbei- I träges enthält. Der Berichterstatter Graf Westarp er- I

* Eine deutsche Universität in Japan.

Wenn je eine Tatsache bie Wibersinnigkeit ber Jesuitenniaßregeln bes Deutschen Reiches zu erschüt­tern imftanbe ist, so ist es bie tatsächliche Wirksamkeit ber beutscheu Jesuiten in fremben Ländern. In Tokio, ber Hauptstadt Japans, besteht eine neu. gegrünbete Universität ber beutsch en Je­suiten. p. Jos. Dahlmann S- J-, Tokio, macht barüber hochinteressante Ausführungen in einem Briefe an Dr. Adam ©enger, Weihbischof von Bam­berg, der im 22. Heft der „Allgemeinen Rundschau" veröffentlicht wird. In dem Brief heißt es:

Eine schöne Ostersreude ist uns in der Osterwoche zuteil geworden. Am 28. März hat unser Institut bie staatliche Anerkennung als Hoch­schule erhalten. Das auf biefem herrlichen Fleck japanischer Erde, im Herzen der Hauptstadt, in An­griff genommene Institut hat jetzt vom Unterrichts- Ministerium die Anerkennung als Hochschule erhalten, und zwar ans Grund eines zustimmenden Beschlusses des Gesamtministeriums. Einen Augenblick schien die Anerkennung auf Schwierigkeiten zu stoßen. Denn mit deutscher Kultur sind auch gewisse Vorurteile, bie in Deutschlanb gegen bie Jesuiten gepflegt wer- den, nach Japan eingebrungen. Da muß nun aber gesagt werden, daß bie amtlichen japanischen Kreise sich sehr nobel benommen haben. Sie ertunbigien sich bei uns selbst unb erbaten über gewisse „Jesuitenfabeln" Auskunft, unter anberem über bie berüchtigten Monita secreta-

Am peinlichsten war es, als ber stellvertre­tende Unterrichtsminister an p. Hoffmann (ben Di­rektor des Instituts) die Frage richtete: „Können die Jesuiten in Deutschland Schulen leite n?" Daraus wurde ehrlich, gerade und offen geantwortet: „N e i n." — Es folgte die weitere Frage: „Warum nicht?" — Als Antwort wurde darauf hingewiesen, daß in Deutschland bie katholische Kirche nicht bie volle Frei­heit genießt, wie sie biefe z. B. in Amerika unb Englanb besitzt. Darum konnten dieselben deut­schen Jesuiten, denen in ihrer eigenen Heimat das Recht zu unterrichten versagt ist, un­ter englischem Schutz unb unterstützt von ber

। Mumfizenz der englischen Regierung große Kollegien in Indien gründen. In einer besonderen Denk- I schrift wiesen wir auf die Tatsachen hin, welche die I Unterrichtstätigkeit der deutschen Ordensprovinz ir I Zahlen beleuchteten.

Die japanische Regierung gab uns daraufhin zu I verstehen, der Anerkennung stehe kein Hindernis ent’ I gegen. Ter stellvertretende Unterrichtsminister er- I klärte, die katholische Kirche genieße in Japan alle I Rechte, welche bie Protestanten beanspruchen. Tar- I um könne ben Jesuiten nicht verweigert werben, was I ben anberen zugestanden werbe. So erfolgte beim I bie staatliche Anerkennung schneller, als wir hoffen I konnten.

Die Hochschule wirb unter beutscher I Leitung stehen, beutsch wirb bieHaupt- unb I Unterrichtssprache sein. Mit ber neuen I Hochschule kommt zu ben unter englischer ober ameri- I konischer (natürlich protestantischer) Leitung stehenden I Hochschulen, denen Englisch ben Charakter ausdrückt, I bie er st e Hochschule, wo Deutsch bie führen^ I Sprache sein wird. Wir deutschen Patres freuen uns, I der Hauptstadt Japans bie erste Hochschule unter I deutscher Leitung geben zu können.

Durch alle japanischen Blätter geht jetzt die An- I kündigung der vorbereitenden Kurse der neuen Hoch- I schule. Die Kunde wird wohl auch nach Deutschland I gelangen, aber kaum das Echo finden, das das Bei- I spiel und die Haltung der javanischen Regierung I wecken könnte.

Mich erfüllt es mit herzlichem Dank gegen Gott, I der bisher alles so gnädig gefügt hat. Zehn Jahre I sind es her, daß ich zum erstenmal (1903) Japan sah. I Keine Gesellschaft Jesu gab es damals in Japan, I am allerwenigsten Mitglieder ihrer deutschen Or- I densprovinz. Das Erzbistum Tokio, wie alle üb­rigen Bistümer, hatte nur französische Institute. Heute — im Jubiläumsjahr des Deutschen Kaiser- — wird in Japans Hauptstadt von deutscher Jesuiten der deutschen Sprache das erste Heim als staatlich anerkannte Hochschule er­öffnet. Das ist unsere Antwort auf' den Bundesratsbeschluß vom 28. Novem­ber letzten Jahres. (Dieser Bundesratsbe­schluß gibt bekanntlich die von der bayerischen Regie­rung beantragte „authentische Auslegung" des Be­griffes ber verbotenen Ordenstätigkeit. Darnach ist verbotene Ordenstätigkeit „jede priesterliche ober son­stige (!!) religiöse Tätigkeit gegenüber anberen, sowie bie Erteilung von Unterricht" )

Es wird ja noch viele Arbeit und ein nicht ge­ringes Aufgebot materieller Mittel in Anspruch neh­men, bis erreicht und ganz verwirklicht ist, was der Heilige Vater im Auge hatte, als er -die Gesellschaft Jesu nach 250 Jahren der Trennung (wieder) in das Erbland des Apostolates des heiligen Franz Taver berief. Nie werde ich vergessen, was mir der Heilige Vater bei meiner Rückkehr aus dem Osten sagte: ,Ego volo, ut Societas Jesu in Japoniam redeat et magnum collegium aperiat, magnam Universitäten!.“ (Ich will, daß die Gesellschaft Jesu nach Javan zuriickkedre und eine große Anstalt, eine große Uni» verfi'ät eröffne *)

Darum hoffe ich zu Gott, daß er mit der Zeit für alles, was noch fehlt, sorgen wird. Auch Bam­bergs herrlicher Dom ist nicht in einem Tag gebaut worden. Tie Großmut des Deutschen Kaisers, der da ruht, ist in den deutschen Katholiken nicht ge» ftorben." — —

Ich bin überzeugt, fügt Weihbischof Dr. ©enger diesem Schreiben bei, daß die Lesung des herrlichen Briefes in ben deutschen Katholiken zwei Gefühle cmslösen wird: patriotischen Stolz über diese Groß­tat deutscher Kultur in der Hauptstadt Japans, aber auch brennende Scham über den Fortbestand des Ausnahmegesetzes gegen unsere hochgebildeten Glau­bensbrüder. Im verflossenen Monat hat ber nativ­er nicht den üblichen Orpheus — ber könne ihm ge­stohlen werden, schreibt er. Die echte, unverfälschte Münchner Note will er — zur Erinnerung an seinen Aufenthalt in ber schönen Mün-chnerstadt, wo er seine Gemahlin gefunben hat. — Nun, was meinst bu?"

„Hm — da setzen wir ihm eben bie Frauentürme auf den Deckel!"

„Aber Michael: der Mann ist ein Erzheide —- oder doch so 'was Aehnliches!"

„Alsdann nehmen wir das Münchner Kind!"

Heubergers Linke fiel schmetternd auf den Tisch. „Heureka — bu hast den Nagel aus ben Kopf getrof­fen' — Das Münchner Kindl in Goldgravierung! — Du mußt mir ben Flügel intonieren, Michael, unb er soll der deutschen Kunst Ehre machen! Wenn er in dem fernen gelben Lande gespielt wird, so soll es klingen wie die Seele des deutschen Volkes: stark, hell und jauchzend! — Jetzt fehlt mir nur noch der Entwurf zu dem Bilde! Wenn ich nur den rechten Künstler hätte! —“

„Willst du es nicht einmal mit Puck probieren? Er ist zwar ein bischen verbummelt, aber es steckt ein tüchtiger Künstler in ihm."

Der Kommerzienrat warf mit einem Ruck den Kopf herum. „Puck? — Hm, probieren könnte man's einmal! Schick' ihn mir doch her!"