Fuldaer Zeitung
erschein» täglich mit tnfsnaTjme ber Sonn- unb Selerfoge. Ufertet* jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. - Rotationsdruck und Oerlag der 6 5 Zuldaer flctienbrudterei in Zuldu. Fernsprecher Nr. 9. ; :
" * tOocfjen-Beifage: ~ ~ v r. Monats-Beilage: n z Illustrierte Sonntagszeitung ! Zuldaer Sefchichtsblätter r. Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, c
Rnjelgen: Der Raum einer einspaltigen Colonehelle, 47 mm breit, kastei jjpfa. Reklamen: Der Raum einer Coloneheile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. Zür Offert- und fluskunftanjeigen 20 Pf. extra. 3n Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Crfütlungsort für das Anklagen oon Sortierungen ist Zulda. finjelgen-flnnahme bis 10 Uhr oormittags. U :: Sräßere findigen erbitten wir uns tags vorher. :: ::
Hr. 126> Erstes Blatt.
Mittwoch den 4. Juni 1913,
40. Zahrgang.
LllÄtWSWhl 1913.
Die Urwahlen am 16. Mai haben bereits in mehr Als 200 Wahlkreisen eine feststehende Mehrheit er« St, so daß die Wahl der Abgeordneten durch die
Imänner, die gestern in ganz Preußen stattgesunden hat, dort nur noch eine Fornralität war. Das Ergebnis stand schon damls sest und die glücklichen Kandidaten dieser Parteien durften sich als gewählt betrachten. In den zweifelhaften Wahlkreiseir haben bis zur letzten Stunde Kompromißverhandlungen stattgefunden, die zum Teil ergebnislos verliefen, zum Teil auf den Gang der Abstimmung noch von Einfluß gewesen sind.
Indessen steht fest, daß in der Zusammensetzung des künftigen Abgeordnetenhauses und damit auch in den bisherigen Mehrheitsverhältnisien keine nennenswerte Veränderung eintreten wird. Die Verschiebung in dem Zahlenverhältnis der einzelnen Parteien sind so gering, daß es sich nicht verlohnt, auf sie einzugehen. Die beiden konservativen Parteien sind nach wie vor so stark, daß ihnen nicht gar so viel an der Mehrheit fehlt; sie können, sei es mit dem Zentrum, sei es mit den Nationalliberalen in Mi meisten Fragen sichere Mehrheiten bilden. Immerhin haben sie nicht für sich allein schon die Mehrheit, und deshalb bleibt nach wie vor auch die Möglichkeit einer Mehrheitsbildung gegen die Kon- servattven, wie sie in besonderen Fällen stellenweise in die Erscheinung getreten ist.
Die Zentrumspartei hat sich auch bei den gestrigen Wahlen glänzend behauptet. In den bei der vorigen Wahl gewonnenen Bezirken des rheinisch-westfälischen Industriegebiets, die ihm diesmal, unter anderen Verhältnissen, nicht wieder zufallen konnten, hat das Zentrum auf die Stimmabgabe für feine Kandidaten verzichtet. Diesen Verlusten stehen, wie dies schon nach den Wahlmännerwahlen bemerkt wurde, auch einige Gewinne gegenüber, in St. Goarshausen fiel dem Zentrum ein Mandat in der Stichwahl zu, ein Gewinn, mit dem vorher nicht gerechnet worden war. So behält das Zentrum auch mt neuen Hause seine Stärke von reichlich 100 Manualen. Mit diesem Ergebnis kann es zufrieden sein.
Schlüchtern-Gelnhausen bisher kons. Der bisherige konservative Abgeordnete Mehenschein kandidierte nicht wieder. Im ersten Wahlgang erhielten: Hengsberger 119, Schwarzhaupt (nl.) 78, Geiß. (Ztr.) 71 und Schnabrich (soz.) 17 Stimmen. In der en- gern Wahl fielen auf Hengsberger 183 und auf Schwarzhaupt 62 Stimmen. Amtsrichter Hengsberger also gewählt.
Hanau. Baurat Wohlfarth (ntl.) mit 194 Stimmen wiedergewählt. Landwirt Lind (kons.) erhielt 49, Parteisekretär Dißmann (Sz.) 93 Stimmen.
Rotenburg-Hersfeld. Landrat Tuercke (kons.) wiedergewählt.
Melsungen-Fritzlar. Es erhielten 97 5 II, Gudensberg, (Bund d. Landw.) 135 Stimmen, Steuerinspektor Wollenhaupt, Fritzlar (ntl.) 61 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.
Homberg-Ziegenhain. Wiedergewählt Landrat v. G e h r en mit allen abgegebenen Stimmen.
Kirchhain-Frankenberg. Konsistorialpräsident v. Schenck zu Schweinsberg (kons.) mit 156 Stimmen wiedergewählt.
Marburg. Universitätsprofessor Dr B r e d t (Freik.) mit allen gegen 2 sozialdemokratische Stimmen wiedergewählt.
Kassel Stadt. Dr. Schroeder (ntl.) wiedcr- gewählt mit 426 gegen 105 Stimmen.
Kassel Land-Witzenhausen. (Bisher kons.) In der Stichwahl Lehrer Heins (Dtschsoz.) mit 146 Stimmen gegen 137 für Kimpel gewählt. Bei der Hauptwahl fielen 145 Stimmen auf Heins, 78 auf
Bas Münchner Nindl.
/7J Roman von Felix Nabor.
„Da gehen Sie am besten zu Gusti — aber hüten Sie Ihr Herz vor dieser holden Fee: auf Maler und Schwere Reiter hat sie es besonders abgesehen!"
Lachend schob er ihn in die Küche und begab sich dann in das Eßzimmer, wo ihn Puck und '„Tante Betty", ein kleines, struweliges, mit einem zarten Höckerchen verunziertes Malfräulein von fünfzig Lenzen, erwarteten. Die resolute Dame mit der griechischen Nase, die ganz stilwidrig in dem Hutzelgesicht saß, fuhr sich durch das graue Lockengestrudel ihtts Tttuskopfes, setzte den Kneifer auf den schmalen Grat ihrer Nase und hielt Puck eine gepfefferte Strafpredigt; die Kosenamen Taugenichts, Faullenzer und Tagedieb schlugen klatschend um seine Ohren. Der arme Sünder mußte alle Sünden anhören, die er in der schönen Faschingszeit begangen hatte, dafür wollte er nachher aber auch die Tante mit einem kräftigen Pump hereinlegen. —
Pirkheimer erlöste ihn aus seiner mißlichen Lage. „Sllentinm!" gebot er. „Wir haben einen werten Gast. Da ziemt es sich, Frieden zu halten."
Und als darauf Sandow eintrat, stellte er ihn vor und nannte dann auch den Namen von „Tante Betty": Fräulein Betty Moosbrugger, berühmtes Malweib, Tante fünften bis sechsten Grades!"
„Du hast halt ein böses Maul", schalt diese, worauf Pirkheimer erwiderte: „Das ist ein Erbstück in unserer Familie!"
Mährend die Tante dann die Suppe servierte, knurrte sie: „Anstandshalber hättest du auch Puck vorstellen können! Der ist doch kein Stiefkind!"
Ehe noch Pirkheimer erwidern konnte, schnellte der juckge Maler von seinem Sessel empor, stand stramm tote ein Rekrut, legte die Daumen an die Hosennaht und rasselte herunter: „Georg Puck, pinx! —• Punktum!" Steif wie eine Puppe fiel er dann <mf feinen Sessel zurück, sah die Tante an, ob er
Kimpel (Fvrtschr. Volksp.), 58 auf Thöne (Soz.) und 9 auf Abel (Bbd.).
Eschwege-Schmalkalden. (Bisher natlib.) Es erhielten Dr. Wcndlandt (ntl.) 174, Amtsgerichtsrat Sattmann (Dentschsoz.) 120 ©immer* Ersterer ist somit gewählt.
Grafschaft Schaumburg. Wiedergewählt v. D i e t h- (kons.) mit allen abgegebenen Stimmen.
Hofgcismar-Wolshagen. Wiedergewählt ist v. Pappen heim (kons.).
Frankfurt a. M. (bisher 2 Fortschrittler). Fortschrittliche Volkspartei 829, Sozialdemokraten 424, Nationalliberale 8 Stimmen. Gewählt sind also die Volksparteiler Flesch und O e s e r.
Oberlahnkrcis (bisher kons.). Dr. Lohmann (natl.) mit 138 Stimmen gewählt- Außerdem erhielten Cahensly (Ztr) 44, Hilf (Freis.) 1, Behrens (Ehr. S.) hatte an seine Wähler die Bitte gerichtet, der Wahl fern zu bleiben, da an der Wahl des national- liberalen Kandidaten nichts geändert werden könne.
Dillkreis-Obcrwefrettoaldkreis (bisher natlib.). Ju- stizrat Dr. Dahlem (Ztr.) wiedergewählt.
Limburg (bisher Ztr.). Kommerzienrat Cahensly (Z.) mit 183 Stimmen wiedergewählt. Die Nationalliberalen hatten Stimmenthaltung proklamiert.
Wiesbaden-Stadt. (Bisher natlib.) Bartling (natlb.) mit 327 Stimmen gewählt. Die Wahlmänner der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokraten enthielten sich der Abstimmung.
Wiesbaden-Land. (Bisher natllb.) Bürgermeister a. D. Wolff- Biebrich (natlb.) wurde mit 275 Stimmen wiederaewählt, der Kandidat des Zentrums erhielt 79, der Vollsparteiler 52 Stimmen.
Nheingaukreis. (Bisher Bbd.) Gewählt wurde Geil (Ztr.) mit 187 Stimmen. Im ersten Wahlgang erhielt Berg (Freikons.) 135, Geil (Ztr.) 153, Burgess (Fortschrittler) 32, Grimm (Bbd.) 30 Stimmen. In der Stichwahl traten die Bündler für Landrat Berg ein, der 164 Stimmen erhielt, die Fortschrittler für den Zentrumskandidaten, der so mit 187 Stimmen gewählt wurde. Der Wahlkreis ist eine Neuerwerbung des Zentrums.
Oberiaunuskrcis Homburg v. d. H. (Bisher ntlb.) Amtsgerichtsrat v. Bülow mit 88 Stimmen gewählt. Der Zentrumskandidat erhielt 44 und der fortschrittliche 18 Stimmen.
Untcrlahnkreis. (Bisher natlib.) Amtsgerichtsrat Lieber (natl.) mit 146 gegen eine sozialdemokratische Stimme wiedergewählt.
Wetzlar. (Bisher Natlib.) Krüger (Natl.) mit 142 Stimmen gewählt, v. Bodclschwingh sKons.) erhielt 73 Stimmen.
Neuwied-Altenkirchen. (Bisher 1 Kons, und 1 Zentr) Heckenroth (Kons.) und Gerhardus (Zentr.) mitt 399 Stimmen wiedergewählt. Die nationalliberalen Kandidaten Weinlich und Andreae erhielten je 299 Stimmen.
Bielefeld-Halle-Herford. (3, bisher 2 Kons, und 1 Natl.) Gutsbesitzer Meyer zu Jerrendorf (Natl.) mit 701 Stimmen wiedergewählt, Malermeister Liene » weg (Konf.) mit 699 Stimmen wiedergewählt und Redakteur W a l l b a u m (christl.-soz.) mit 429 Stimmen neugewählt. Die Konservativen haben einen Sitz verloren und die Christlichsozialen einen gewonnen. Der Christlichsoziale wurde mit 20 Stimmen Mehrheit gewählt.
Berlin. In den vier ersten Berliner Wahlkreisen wurden die fortschrittlichen Kandidaten gewählt. In dem 5., 6., 7., 9 und 11. Wahlbezirk war an der Wiederwahl der sozialdemokratischen Kandidaten nicht zu zweifeln. Heftig umstritten waren dagegen die Wahlkreise 8, 10 und 12, in denen es von wenigen Stimmen abhing, ob die bisherigen fortschrittlichen Abgeordneten Cassel, Ro- senow und Dr. Runze wiedergewählt werden würden.
seine Sache gut gemacht habe, und reichte ihr seinen Teller hin.
Da mußte selbst die strenge Tante lachen. „Du bleibst halt ein Narr dein Leben lang, Schorschchen", sagte sie und gab ihm eine doppelte Portion.
Während sie die Suppe löffelten, stockte das Gespräch; mit Annies Eintritt aber kam Sonne herein und die Unterhaltung wurde lebhaft und animiert. Nur ungern riß sich daher Sandow von der heiteren Tafelrunde los, um dem Professor in den Ganten zu folgen, und eine Zigarre zu rauchen.
Auch Tante Betty verließ das Speisezimmer und begab sich in die Küche, wo sich bald ein heftiges Gewitter über Gnstts schuldigem Haupte entlud.
Puck aber schlug ein Bein übers andere, pickte mit dem Zeigefinger auf Annies Hand und sagte geheimnisvoll: „Du ich hab' eine großartige Idee. Gestern abend im Hofbräu, beim siebten Maßt, ist sie mir gekommen. Gib acht, da wirst schau'u!"
Annie ließ ihre Augen suchend zum Fenster gehen und sagte, indem sie eine Orange schälte: „Da bin ich wirklich neugierig."
Pucks Gesicht strahlte. „Ich sag' es nur Dir, Annie, sonst keinem Menschen. Also denk dir: ich mal auch ein Münchner Kindl! — Und zwar ganz o—ri—gi—neß! — Paß mal auf, Annie! — Also die beiden Frauentürm', das sind zwei Maßkrüg. Die Hauben, das sind die Teckel drauf! Zwischenhinein mal ich das schönste Münchner Kindl: es hebt den Deckel auf, daß der Schaum überläuft, und fagt seinen Spruch . . . Jessas, Jessas, jetzt hab ich den Spruch richtig vergessen! Aber das tut nichts, er fällt mir schon wieder ein. Und wenn nicht — nachher machen wir halt einen neuen. Etwa so: „Die zwoa Krügerl, die wann man Hofbräu voll wären, Sakra, gäb das eine Kraxlerei auf die Frauentürm'! — Na, was sagst dazu? Ist das nicht originell?"
Annie schüttelte den Kopf. „Das ist ja gar keine Idee", sagte sie, „höchstens ein schlechter Witz. Das reicht kaum zu einer Ansichtskarte!"
„Ja Anuerl", mehr will ich ja auch gar nicht! Zehntausend Karten, wenn der Verleger herstellen
In Charlottenburg wurde der fortschrittliche Kandidat getvählt. In Teltow-Beeskow-Storkow, diesem Riesenwahlkreis, der die meisten Borotte Berlins umfaßt, enthielten sich die Sozialdemokraten der Abstimmung, so daß im ersten Wahlgang der Fortschrittler Traub und der Nationalliberale Liepmann gegen die Konservativen gewählt wurden. In Schöneberg war die Wahl des Sozialdemokraten Huz nach den Urwahleit bereits sicher.
*
H. Berlin, 3. Juni 1913. (Tel.) Das Ergebnis derHanptmahlen zum preußischen Abgeordnetenhause war hier spät abends bekannt; 439 Abgeordnete wurden definitiv gewählt. In zwei Wahl- lreisen (Berlin 18 und Brandenburg-Wcsthavellmd) haben für 4 Abgeordnete Stichwahlen stallzufinderr. Es sind gewählt: 146 Konservative, 53 Freikonser- valive, 74 Nationalliberale, 37 Fortschrittler, 103 Zentrum, 12 Polen, 2 Dänen, 10 Sozialdemokraten, 1 Deutschsozialer und 1 Christlichsozialer. Der Gewinn und Verlust der Parteien stellt sich wie folgt: Konservative +10 —15, Freikonseroative + 2—9, Nalionalliberale +12 — 5, sortschrittl. Volksparlci + 6 —5, Zentrum +5 —4, Polen —2, Sozialdemokraten + 4, Fraktionslose + 2—1.
-4- Sur Befitzsteuerfragc.
Der Reichsschatzsekretär hat den Mitgliedern der Budgetkonimission das von konservativer Sette gewünschte Material zur besseren Beurteilung der Steuervorlagen zugehen lassen.
Der Einleitung der umfassenden Darlegungen entnehmen wir folgendes: Will man ein richtiges Bild von der Verteilung der Steuern und der steuerlichen Belastung in Deutschland geben, so muß man die Gesamtheit der öffentlichen Körperschaften, das Reich, die Bundesstaaten, die höheren Kommunalverbände und die Gemeinden berücksichtigen. Das Reich erhebt Zölle, Verbrauchssteuern, Auswandstenern, Verkehrs- und Erbschaftssteuern. Fast die Hälfte aller Einnahmen gewinnt es aus den Z ö l l e n , die es ausschließlich erhebt. Die wichtigsten Verbrauchssteuern sind die Zuckersteuer, die Branntweinverbrauchsabgabe und die Brausteuer, die mit 158 Millionen Mk. 9,29 % bezto. mit 179 Millionen Mk. 10,50 % bezw. mit 163 Millionen Mk. mit 9,58 % der gesamten Reichseinnahmen ausmachen. Rasch wachsende Erträge bringt die Zigarettensteuer ein. Unter den Verkehrs- st e u e r n sind die Stempelabgaben am ertragreichsten. Sie bringen jährlich 182,7 Millionen Mk. ein, machen also 10,7 % aller Reichseinnahmen aus.
In den Bundes st aalen stammen die Steuererträgnisse insgesamt zu 76 % aus den direkten Steuern, zu 11 % aus den Aufwandsteuern, zu 11 % aus den Verkehrs- und Stempelsteuern und zu 2 frans den Erbschafts- und Schenkungssteuern. Unter den direkten Steuern ist die allgemeine Einkommensteuer, die neuerdings auch in Bayern eingeführt worden ist, die wichtigste Steuer in den deutschen Einzelstaaten. Sie macht in Preußen 71 % aller Staatssteuereinnahmen und 84 % aller Einnahmen aus direkten Steuern aus. Insgesamt entfallen auf die allgemeine Einkommensteuer 535,6 Millionen Mk., das ist 53,75 % des Gesamtsteuerertrags der Bundesstaaten. Eine Ergänzungsteuer findet sich in 9 Staaten, die Kapitalrentensteuer, die in 7 Staaten erhoben wird, bringt nur in Bayern, Württemberg und Elsaß-Lothringen größere Erträgnisse. Tie Grund- und Gebaude- t e u e r n sind in Preußen und einigen anderen Staaten den Gemeinden überwiesen, dagegen haben ie in Bayern, Sachsen und Hamburg noch eine große Bedeutung. Von den anderen dttekten Steuern lie- ’ert namhafte Erträgnisse die Gewerbesteuer. Verbrauchssteuern werden nur in einigen süddeutschen
läßt, das gibt drei- bis vierhundert Mark und ich kann einen, ganzen Monat lustig leben."
„Hast du denn keinen höheren Ehrgeiz?" fragte Annie ernst. „Raffe dich doch einmal auf, schasse etwas Großes!"
Puck schnippte die Asche von der Zigarette und hob die Schultern. „Hab' auch schon 'was Großes probiert", sagte er, „aber es ist nichts Rechtes geworden. Man muß halt auch das Zeug dazu haben, um ein Raphael zu werden. No ja, das fehlt mir — und so bleib ich eben bei meinen Hofbräu-Milieu! Alles andere kann mir gehorsamst gestohlen werden."
„Armer Narr!" —
„Recht hast, Annie — ein Narr bleib ich mein Leben lang. Narret ist an mir alles — innen und außen! Narrisch bin ich, wenn ich durch unsere liebe Münchner Stadt und zum Hosbräuhaus geh; narret ist mein Denken und meine Kunst — und wie narret pumpert mein Herz, wenn ich dich anschau, du liebes Münchner Kindl!" — Sein Ton wurde warm und herzlich, als er sich vertraulich zu ihr hinüberneigte und fragte: „Sag, Annerl, weißt du vielleicht, was das zu bedeuten hat?"
Annie wurde der Antwort auf diese diskrete Frage enthoben. Jbr Vater trommelte draußen an die Scheiben und sagte, als sie den Fensterflügel öffnete: „Eben habe ich einen Brief von Kommerzienrat Heuberger im Schalter gefunden. Er will mich noch heute sprechen, vermutlich wegen eines neuen Flügels, den er bauen läßt. Wenn du Lust hast, mitznkommcn, so kleide dich rasch zum Ausgehen an. Herr von Sandow geht auch mit und Puck, der Tagedieb, kann miltraben, ohne daß er etwas versäumt. Also ein bischen fix!"
Schon eine halbe Stunde später befand sich die kleine Gesellschaft in den Jsarauen, wo an dem schönen Nachmittage fröhliches Leben herrschte. Kinder tummelten sich unter den Bäumen, die elegante Welt promenierte, die Sonne lachte vom Himmel — und drunten in ihrem breiten Bette rauschte die Isar-,
Sie kamen zur Wittelsbacher Straße, wo' Heu- bexaeps Haus lag. Es war ein stattlicher Dau mit
Staaten erhoben. Auch die Aufwandsteuern sind in Süddeutschland am stärksten ausgebildet.
Tie gesamte steuerliche Belastung des deutschen Volkes ist aber nur dann richtig festzustellen, wenn auch die weit beträchtlicheren Abgaben berücksichtigt werden, die in den Gemeinden erhoben werden. Bei den direkten Gemeindesteuern fällt fofort ins Auge, daß ihre Erträgnisse weit höher sind, als diejenigen der direkten Staatssteuern. In Preußen machen die Erträgnisse der Gemeindesteuern 66, in Bayern 53, in Sachsen 58, in Württemberg 50 % aller Staats- und Genreindesteuereinnahmen aus. Die Gemeinden gewinnen ihre Steuereinnahmen fast ausschließlich aus den direkten Steuern. Die Erträgnisse der direllen Gemeindesteuern in Deutschland belaufen sich auf 90,7 % der Gesamteinnahmen der Gemeinden.
Das Ergebnis der vergleichenden Darstellung, welche für die steuerliche Belastung in Deutschland, Frankreich, England und Oesterreich durchgesübrl ist, wird am besten aus den nachstehenden Tabellen ersichtlich:
1. Nach den Gesamtsteuerbeirägen (i. 1000 Mark):
2. In Hundertteilen des Gesamtsteuerertrags:
Staaten
Direkte
Steuern
Röfle u.
Berb auch^ steuern
Der- kehrs- abgab.
Erbschafts steuer
Gesamtsteuerertrag
Deutschland
2(08044
1542498
384894
62081
4079595
England
2637717
1364091
199581
518758
4720147,
Frankreich
106290V
1766545
651626
295314
3776394
Oesterreich
315260
647525
185846
(51000)
1148631
Staaten
Direkte
Steuern
Zölle uni VrrbrauchS. steuern
SS || s-"
Verkehr S- abgaben
Erbschakir- ste. er
Insgesamt
Deutschland
49,22
37,81
2,02
9,43
1,52
100
England
55,88
28,90
——
4,23
16,99
100
Frankreich
28,15
46,78
—
17,25
7,82
100
Oesterreich
27,44
56,38
—
16,18
(4,44)
100
3. Auf den Kopf der Bevölkerung (in Mark):
•> «
c?s
«L
5
Staaten
6*®
Zölle v Berbra steuer
« §
2 «>> s
-SZ iS®1
©
J"sgesr
Deutschland
30,89
23,73
1,26
5,92
0,95
62,75
England
59,27
30,65
—
4,49
11,66
106,07
Frankreich
27,05
44,95
—
16,58
7,51
96,09
Oesterreich
11,03
22,66
—
6,50
(1,79)
41,98
Deutscher Reich.
** Berlin, 3. Juni 1913. Das Kais erp aar traf heute abend um 10 Uhr von Ahlbeck in Wildpark wieder ein. Die Kaiserin begab sich nach dem Neuen Palais, der Kaiser fuhr nach Geldern. — Der Vereinsverband akademisch gebildeter Lehre, Deutschlands errichtete anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers eine Stiftung von 100000 Mk,
** Der Wehrbcitrag. In der ersten vertraulichen Besprechung über die Gestaltung der Sätze des Wehr, beitrageS wurde, wie die Tägl. Rundschau (Nr. 254) erfährt, von einer Seite der Antrag gestellt, bei der Heranziehung der Einkommen bis auf 3000 Mk. herabzugehen. Dieser Antrag wurde jedoch verworfen und man einigte sich schließlich auf die Grenze von 5000 Mk. Der Regierung geht aber auch diese Heranziehung viel zu weit. Sie sindet, daß der Um terschied zwischen fundiertem Einkommen (ans Kapitalvermögen) und nicht fundiertem Einkommen (aus Erwerb), der in der Regierungsvorlage ausreichend berücksichtigt worden fei, von dem Ausschuß bisher gar nicht berücksichtigt worden ist. In dieser Beziehung wird die Regierung, dem genannten Blatt zn-
schöner Fassade, der im Erdgeschoß Kontor pnd Magazrne enthielt; die erste "Etage bewohnte der Kommerzienrat mit seiner Familie, die zweite und dritte waren Herrschattswohnungen und vermietet.
„Wer ist denn eigentlich dieser Heubergnr?" fragte Sandow.
„Großindustrieller", erwiderte Pirkheimer. „Er ist Besitzer der großen Leisten- und Möbelfabrik drunten in der Au. Daneben hat er noch eine Pianofortefabrik mit großem Export nach Amerika, Australien und Japan. Ter Mann gehört zu jenen „Helden der Arbeit", die klein begonnen, sich durch Fleiß, Energie und Intelligenz emporgearbeitet und es zu Ansehen und Vermögen gebracht haben. Sein Vater arbeitete noch a!3 ehrsamer Tischler mit drei Gesellen in einem kleinen Häuslein in der Au — der Sohn beschäftigt heute gegen tausend Arbeiter."
„Bravo!" rief Sandow. „Vor solchen Männern habe ich Respekt. Sie sind wohl gut bekannt mit dem Kommerzienrate?"
„O ja — wir sind nämlich Jugendfreunde, obwohl Heuberger fünf Jahre älter ist als ich. lieber« dies bin ich in allen Fragen des modernen Klavierbaues sein künstlerischer Berater. Auch in Familienangelegenheiten fragt er mich um Rat, was mir gar nicht angenehm ist, weil es da manche Differenzen gibt. Heuberger hat nämlich eine blutjunge Frau geheiratet, die sehr lebenslustig ist, während er selbst zu altern anfängt. Bei diesen Gegensätzen ist es erklärlich, daß manches nicht stimmt. Dann sind noch zwei Söhne aus erster Ehe da: Ludwig, ein tüchtiger und ernster Mensch, der völlig im Geschäfte feines Vaters aufgeht, und Max, der flotteste Offizier in der ganzen Münchner Garnison. Der macht seinem Papa heiß! Und da dieser das Zipperlein und Frau Marguerite ihre Launen hat, so ist die Stimmung im Hause nicht immer rosig."
„Wie alt ist denn Herr Heuberger?"
„Fünfundfünfzig! Seine Frau zählt dreiund zwanzig Jahre - - v
„Wie kommt der alte Herr dazu, solch eine junge Frau zu nehmen? Das ist doch immer bedenklich."
^Fortsetzung folgt)