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2. Blau.

druck ötr Xulöcer Aetienöruäerei in 5ul6a.

- Fuldaer Zeitung. ■*

JVo 125.

Dienstag 5. Juni 1913.

LMtaWH 1913.

Abgeordnetenwahlen.

e. Fulda, 3. Juni 1913. Bei der heute vormit­tag im Stadtsaal vorgenommenen Abgeordnetenwahl waren von 235 Wahlmännern 229 erschienen, die ihre Stimmen auf den bisherigen Abgeoroneten Amts­gerichtsrat R h i e l - Fulda vereinigten. — Aus einem Wahlbezirk lag ein Wahlprotest gegen die Gültigkeit der dortigen Urwahl vor, der damit begründet war, daß die ortsüblich bekanntgegebene Zeit der Urwahl »icht innegehalten und so den Einsprechern die Aus­übung des Wahlrechts unmöglich gemacht worden sei. Sw Wahlmännerversammlung beschloß gleichwohl die Urwahl als gültig anzuerkennen, da auch eine Be­teiligung der Einsprecher an dem Ergebnis der Ur­wahl nichts geändert haben würde.

= Hünfeld, 3. Juni 1913. (Tel.) Bei der hier vorgenommenen Abgeordnetenwahl im Wahlkreise Hünfeld-Gersfeld erschienen 130 Wahlmänner. 129 stimmten für den bisherigen Abgeordneten, Rech­nungsrat Drinnenberg-Fulda; darunter befan­den sich auch einige konservative Stimmen. 16 an­dere konservative Wahlmänner waren nicht erschienen. Ein Wahlmann aus Dalherda stimmte sozialdemokra­tisch. Abg. Drinnenberg ist also wiedergewählt.

Lokales.

Fulda, 3. Juni 1913.

G Personalien. Meyer, M>litär-Jntend.-Regi- strator von der Intendantur des 18. Armeekorps, ist der Titel „Ober-Militär-Jntend.-Registrator" ver­liehen. — Dr. Krause, Oberstabs-Apotheker, Korps­stabs-Apotheker des 18. Armeekorps, wurde auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand versetzt. — Lampe, Proviantamts-Inspektor und Kontrolleführer in Hanau, als Amtsvorstand nach Beeskow.

# Verliehen wurde dem Regierungs- und Forstrat Freiherrn von Hammerstein-Loxten zu Wies­baden der Rote Adlerorden vierter Klasse mit der Krone.

-r- Verbrannt. In dem hiesigen Wachsindustrie­geschäft Gies trug sich gestern nachmittag ein schweres Unglück zu. Als die los/, jährige Tochter des ehe­maligen Grubenmeisters Jestädt von der Florengasse dort damit beschäftigt war, einen Apparat mit Spi­ritus nachzufüllen, fingen die Kleider des Mädchens, das sich zufällig in dem Augenblick allein in dem Raum befand, plötzlich auf unaufgeklärte Weise Feuer. Als ihm schließlich auf sein Jammergeschrei Hilfe gebracht wurde, hatte es so entsetzliche Brand­wunden an Gesicht, Armen und Brust erlitten, daß es nach Anlegung eines Notverbandes sofort ins Land­krankenhaus überführt werden mußte. Wie wir hören, besteht wenig Hoffnung, das Leben des un­glücklichen Mädchens zu erhalten.

X Die Generalversammlung des St. Josephsvereins kath. Arbeiter am vergangenen Sonntag hatte den Zweck, die Mitglieder zu eifrigerer Vereinsarbeit an­zufeuern. Herr Pfarrer Ruez von Künzell hielt einen Vortrag über die Ziele eines katholischen Ar­beitervereins und hob dabei besonders die beiden Hauptpunkte: Wahrung und Förderung der Religiosi­tät der Mitglieder und ernste Arbeit für die Inter­essen des Arbeiterstandes hervor. In der sehr leb­haften Aussprache wurden verschiedene praktische Wünsche zur Ausgestaltung des Vereinslebens vor­gebracht. Da sich zu viele Redner zum Wort ge­meldet hatten, mußte die weitere Aussprache auf eine demnächstige Generalversammlung verschoben werden. Ferner beschloß die Versammlung, eine Wallfahrt nach Maria Ehrenberg zu machen, sowie ein Sommerfest in der Harmonie zu veranstalten. Das diesjährige Stiftungsfest soll Ende September statt­finden.

<p Nationales Volksfest. Zwecks Festlegung der nationalen Feier im Schloßgarten hatten sich gestern abend die Komiteemitglieder im Stadtverordneten­saale zahlreich eingefunden. Bei der Abstim­mung wurde fast einstimmig Montag, der 16. Juni gewählt. Betreffs des Festzuges wurden verschiedene Mitteilungen entgegengenommen, u. a., daß von der alten Gepflogenheit, nur bestimmte Straßen zu passieren, abgewichen wird, indem auch andere Stadtteile berührt werden sollen. Der Krieger­verein wird Napoleons Durchzug durch Fulda im Jahre 1813 präsentieren.

Schöffengericht. Der 15jährige Schlofferlehrling P. K. von hier hatte aus der Kommode eines Dienst­mädchens ein 20 Markstück gestohlen. Er kommt diesmal noch mit einem Verweise davon. — Weil er einen Jagdpächter beleidigt und mit einer Schippe bedroht hatte, wird der Landwirt F. L. von der Haselhecke zu einer Gesamtstrafe von 30 Mk. verur­teilt. — Der Kaufmann A. G. von hier hatte seine Hühner auf der Straße herum laufen lasten. Er wird zu einer Geldstrafe von 3 Mark verurteilt.

=: Ausflüge. Mehrere Klassen der hiesigen Ober­realschule machen heute Ausflüge in die Rhön.

H- Zm preußischen Gewerbeaussichts-Dienste waren am 31. Dezember 1912 vorhanden: a) bei den Re­gierungen 33 Regierungs- uns Gewerberäte und 1 kommissarischer Gewerberat mit 8 Hilfsarbeitern, b) in der Lokaloerwaltung 180 Gewerbe-Inspektoren mii 81 Hilfsarbeitern und 14 Hilfsarbeiterinnen. Hin­zugetreten sind am 1. April 1913 7 Gewerbe - In­spektoren. Der Bezirk Kassel ist in 4 Gewerbe«In­spektionen eingeteilt: Kassel, Eschwege, Fulda und Hanau. Der Gewerbe-Jnspektions-Bezirk Fulda ist der ausgedehnteste uuo umfaßt die Kreise Fulda, Gersfeld, Hersfeld, Hünfeld, Schmalkalden, Schlüch- tern und Ziegenhain.

----- Die Kunst zu kleben. Die Kunst der Jnva- lidenversicberung ist bekanntlich nicht immer leicht and einfach. Bon besonderem Jntersse ist deshalb eine längere Belehrung des Reichsversicherungs- amis über das Entwerten der Beitragsmarken. Sämtliche Marken, so heißt es darin, müssen alsbald nach dem Einkleben entwertet werden. Beim Ent­werten dürsen die Marken nicht unkenntlich gemacht werden; insbesondere müßen der Geldwert, die Lohn- klaüe und der Name der Versicherungsanstalt ersicht­lich bleiben. Das Entwerten muß mit Tinte oder einem ähnlich seschaltenden Farbstoff auf jeder ein­zelnen Marke handschriftlich oder durch Stempel er­folgen Der Taa darf nur mit Zahlen bezeichnet werden, z. B. „27. 4. 13", nicht etwa 27. April 1913", oder gar „Entwertet am 27. April 1913". Biele Ar­beitgeber waren bisher der Meinung, als Tag der Entwertung könne auch der Tag der Lohnzahlung be­zeichnet werden. Das ist nicht richtig. Als Tag der Entwertung muß der letzte Tag des Zeitraumes an­gegeben werden, für den die Marke gilt. Dies ist immer der Sonntag, selbst bei Zwei- und Drer-

zehnwochemnarken, sogar wenn eine Beschäftigung am Sonntag überhaupt nicht stattfindet oder die Be­schäftigung während der Woche aufhört. Es stt dies dabei ganz gleichgültig, wann die Marken verwendet oder entwertet werden. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme. Bei den Zusatzmarken für die frei» willige Zusatzversicherung muß der Tag vermerkt wer­den, an dem sie in die Quittungskarte eingeklebt werden.

(*) Radsport. Die am letzten Sonntag vom Gau 9 des Deutschen Radfahrerbundes veranstaltet« Wander­fahrt über 75 Kilometer erfreute sich einer Harken Beteiligung aus allen Teilen deS Gaue?, lieber 40 Vereine und zahlreiche Einzelfahrer erreichten inner­halb der festgesetzten Zeit das Ziel S ch i e r st e i n a. Rh. und sicherten sich damit die schöne Gauplakette. Die am Nachmittag vom R.-V. Schierstein fm Saalbau ..Tivoli" veranstalteten Saalwettwerbe brachten schöne Leistungen im Kunstreigen und interessante Kämpfe im Radball und Radpolo. Das Resultat dieser Ver­anstaltungen war nachstehendes: Achter Schul­reigen: R.-V. Wiesbaden von 1904 7,83 Punkte. Achter Kunstreigen: 1. Preis, BundeS-Ehren» pokal, R.-V. ,Germania"-Höchst a. M. 11,36 P.; 2. R.-V. Zeilsheim 10,49 P.; 3. R.-V. Ginsheim 10,31 P. Radpolo: Im Vorspiel siegte R.-Cl. Oberrad gegen ,Germania"-Frankfurt mit 4:0 Toren und im Entscheidungsspiel R.-Cl. Oberrad gegen R.-V. Schierstein mit 6:2 Toren. Radball: 1. Vorspiel: »Germauia '-Frankfurt 6 Tore, R.-V. Schierstein 1 Tor; 2. Vorspiel: R.-CI. Oberrad 4 Tore, Vel.-Club Darmstadt 0 Tor; Entscheidung: R.-Cl. Oberrad 5 Tore, R.-V. »Germania'-Frank- furt a. M. 2 Tore.

* Sommertheater. Das Kur- und Stadttheater- Ensemble Herrmann wird seine diesjährigen Vorführungen hier am 22. Juni eröffnen und bis Mitt« September ausdehnen. Für die Abonnementszeichnung wird in den nächsten Tagen eine Liste in Umlauf gesetzt werden.

Aus dem Nachbargebiete.

* Frankfurt, 2. Juni 1913. Durch die Unter­suchung im Falle Hopf ist fcstgestellt, daß sich in der Erde und den Leichenteilen seiner ersten Frau und denen des sechs Wochen alt verstorbenen Kindes seiner zweiten Frau Arsen in großen Mengen be­funden hat. Danach wäre anzunehmen, daß Hopf die beiden tatsächlich durch Gift beseitigt hat.

□ Frankfurt a. M. • Eschersheim, 2. Juni 1918. Unsere neue St. Josephskirche hat wiederum einen würdigen und stilgerechten Schmuck erhalten und zwar eine lebensgroße AutouiuS-Statue. Auf einem altarähnlichen Unterbau, welchen zwei ornamentierte Pilaster schmücken, erhebt sich die 1,76 Meter hohe Figur. Sie stellt den seligen Moment im Leben des hl. Antonius dar, wie er vor dem Tabernakel im Gebete versunken der sichtbaren Er­scheinung des göttlichen KindeS gewürdigt wurde. Die Händchen liebkosend ausstreckend schwebt das Jesuskind ihm auf das Buch. Ein freudiges Er­schrecken durchzuckt den Körper d«S Heiligen, was der Künstler durch ein sanftes Biegen des Körpers nach rechts zum Ausdruck gebracht hat. Der Blick neigt sich jedoch sofort liebevoll zum Kinde, und eS erklären sich die sonst so ernsten Gesichtszüge des großen Wundertäters. Em schön verzierter romanischer Um­bau leitet zur Wandfläche über. Nach oben läuft die Architektur in einem harmonischen Rundbogen auS, worauf zehn singende Engelsköpfchen «inen hochfeier, lieben Ausklang geben. Das prächtige Altärchen ist das Geschenk einer Frankfurter Dame und stammt aus dem Atelier der Gebr. Heise in Warburg in Westfalen.

* Hess. Lichtenau, 31. Mai 1913. Zwischen den Ortschaften Hess. Lichtenau, Retterode und Hopfelde befindet sich ein ausgedehntes Kohlenfeld, dessen Ausbeute man seit mehreren Jahren erstrebt. Die Mutung dieses Feldes besitzt Böhme in Dortmund. Während sich die Kohlenlager der Böhme'schen Mu­tung, auf der bereits vor längeren Jahren ein Berg- werk im Tagebau betrieben wurde, im allgemeinen mehr zur Brikettfabrikatiou eignen werden, birgt die Frhr. v. Schenk'sche (Glimmeroder) Mutung ziemlich bebeutenbe Lager bester Stückkohle, stellenweise sogar Glanzkohle.

* Bad Homburg, 1. Juni 1913. Die Kaiserin wird während der diesjährigen Nordlandreise deS Kaisers längere Zeit in Bad Homburg Aufenthalt nehmen. Auch der Prinz und die Prinzelsin Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg werden wäh­rend dieser Zeit zu einem kurzen Besuche nach Hom­burg kommen. — Prinz Heinrich der Nieder­lande verließ gestern die Klinik des Professors Fried­länder in Hohemark und reifte nachts nach dem Haag zurück. Der Prinz, der 41/» Monate in der Fried- länder'schen Klinik zur Kur gegen fein zunehmendes Körpergewicht und gegen seine Neuralgie geweilt hat, fühlt sich wieder völlig frisch.

* Kronberg i. T., 2 Juni 1913. lieber die Zimmermannsche Mordaffäre herrscht hier gegenwärtig die größte Erregtheit. Kein Tag vergeht, ohne daß nicht mehrere Personen vernommen worden, darunter solche, die nicht im geringsten an eine Vor­ladung dachten. Letzter Tage waren von hier allein 16 Männer und Frauen vor dm Richter geladen.

* Aus Franken, 31. Mai 1913. Die feierliche Amtseinführung des Kgl. BezirksamtmannS und Kgl. Kämmerers Frhrn. v. Russin in Brückenau erfolgt am 7. Juni durch RegierungSrat Dr. Haack in Würzburg. — Schwere Gewitter durchzogen in letzter Nacht das Gr ab seid. In Großeibstadt schlug der Blitz ein und zündete, wodurch drei Scheunen, sowie das Wohnhaus des Jos. Knobling vollständig nieder­brannten. — Am 26. Mai abends wurde zwischm Michelau und Geusfeld aus das Postauto ein Schuß abgegeben. Verletzt wurde niemand. — Die diesjährige Tagung der Rabattsparvereine Deutsch- lands findet vom 20. bis 23. Juli in Würzburg statt, wo sich die Delegierten der mehr als 70 000 Mitglieder, welche in zirka 470 Vereinen zusammen- geschloffen find, versammeln werden. Im Jahre 1911 haben die dem Verbände angeschloflenen Vereine mehr als 33 Mill. Mark .dm Kunden ihrer Mit­glieder als Rabatt in Bar ausbezahlt. — An der Universität Würzburg sind im Sommersemester 1913 1455 Studenten immatrikuliert und zwar 98

Ministerium zur teilweisen Instandsetzung ihrer WäffernngSanlagen die Summe von 1600 Mark ge­währt. — Die Badefrequenz beträgt zurzeit in Kissing en 8337 Personen, gegm daS Vorjahr 1119 Personen mehr. — Für die Abteikirche in Neu­stadt a. M. stiftet« Fürst Aloys zu Löwmstein einen neuen Hochaltar. — In Aschaffenburg ertrank beim Baden im neuen Hafen infolge eines Herz­schlages der 19 Jahre alte ledige Schneider Hermann auS Gerolzhofen.

* Aus Waldeck, 2. Juni 1913. Seit einigen Tagen sind im Twister Kreise mehrere Haushaltungs­schulen gegründet worden, $. B. Arolsen, Landau. Külte. Fürst Friedrich hat eme Summe von 1800 Mark zur Verfügung gestellt, um die erste Einrichtung anschaffen zu könnem In die Unterhaltung der Haushaltungsschulen teilen sich Gemeinde, Kreis und Staat.

* Bom Eichsfelde, 1. Juni 1913. Auf dem Bahn­hof Leinefelde geriet gestern abend der Bahnarbeiter Reinecke beim Zusammenkoppeln zweier Güterwagen zwischen die Puffer, wobei ihm die Brust einge­drückt wurde. Der Tod trat sofort ein.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Geisa, 2. Juni 1913. Die Thüringer Landes­versicherungsanstalt toiß zur Förderung des Klein- Wohnungsbaues die in den Voranschlag einge­setzte Summe von 800 000 Mark um 600 000 Mk. auf 1Z400 000 Mark erhöhen, um den vielen Ge­suchen um Gewährung billiger Baudarlehen zur Er­richtung von Kleinwohnnngshäusern entsprechen zu können, da der Kleinwohnungsbau in allen Thürin­ger Staaten einen ganz bedeutenden Umfang ange­nommen hat und die bisherige Summe nicht mchr ausreichend war.

* Tiefenort, 2. Juni 1913. Der Männerge- sangverein Tiefenort feierte gestern sein 50jähriges Bestehen. Mit dem Feste war zugleich das Bundes« sängersest des Werra-RhönsängerbundeS ver­bunden. Zahlreich hatten sich die BuudeSvereine wie auch eine Reihe Gastvereine eingefunden.

* Unteralba, 2. Juni 1913. Am Samstag fand die behördliche Abnahme bet neuen Schule durch die Herren Bezirksdirektor Baron v. Groß, Schulrat Heiland und Baurat Jaeuisch statt.

Aus Gberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Fritzlar, 1. Juni 1913. Gegen die Wahl des in Reptich zum Bürgermeister gewählten Landwirts Thiel ist ein erfolgreicher Protest eingereicht worden. Infolgedessen mitß eine Neuwahl stattfin­den. Seitheriger Bürgermeister war der Landwirt Doering.

* Marburg 2. Juni 1913. Gestern morgen y2ll Uhr stiegen bic beiden Bereinsballons des Kurheffi- schen Vereins fiir Luftfahrt Dassel" und „M a r- b u r g" auf. Vier Auwmobile, 4 Motorräder und eine Radsahrerabteilung des Jagerbataillons mach­ten sich sofort an di' Verfolgung. Der Ballon »Gaf­fel" landete 1-59 Uhr glatt bei Altena, der Ballon „Marburg" 2.20 Uhr ebenfalls glatt in der Nähe von Wipperfürth. — Prof. Dr. Karl v. A u v e r s, Ordi­narius und Direktor des chemischen Instituts in Greifswald, hat einen Ruf an die hiesige Universität als Nachfolger von Geh. Rat Prof. Zincke erhalten.

* Kirchhain, 2. Juni 1913. Das Söhnchen des Lehrers Weber kam gestern unter einen Bierwagen, wobei das Kind so schwere Verletzungen erlitt, daß es nach Marburg in die Klinik gebracht werden mußte. Ferner erlitt" beim Bahnbau ein Arbeiter schwere Verletzungen am Beim. Auch er kam nach Marburg in die Klinik. — Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in die elektrische Leitung. Auf dem Elektri- zttatswerk trat auf längere Zeit eine Störung ein.

* Ziegenhain, 2. Juni 1913. Gestern spät nach­mittags gingen in der hiesigen Gegend mehrere schwere Gewitter mit heftigen elektrischen Ent­ladungen nieder, die dem auSgetrockneten Lande be- fruchtenden Regen brachten.

vermischtes.

♦* Verbot des Straßenverkauss des.Simplizissimus'. Der Oberbürgermeister von Köln hat den ZeitungS- Verkäufern, soweit sie städtische Standplätze einnehmen, den Verkauf des ,Simpliziffimus' verboten. Im Falle deS Zuwiderhandelns soll ihnen der Stand entzogen werden.

* Verhängnisvoller Irrtum. Bei Borken in Westfalen wurde die Frau eines Landwirts, die die Kühe hütete, von einem unvorsichtigen Jäger er­schossen. Der Schütze, der mit einer großem An­zahl von Genoffen dem Weidwerk oblag, glaubte, auf einen Rehbock zu schießen.

* Betäubt und ausgeplündert. An allen Bahn­hofswänden in Berlin kleben die Warnungstafeln: Achtung vor Taschendieben! Achtung vor sogenannten Fremdenführern! usw. Die Gauner sind unverdros­sen auf dem Platz und sie finden immer wieder ein Schaf, das sich scheren läßt. Vor einigen Tagen kam auf dem Görlitzer Bahnhof ein Russe an, der nach kurzem Aufenthalt in Berlin nach Paris Weiterrei­sen wollte. Am Bahnhof bot sich ihm ein Mann als Fremdenführer an. Der Russe ist einverstanden und beide steigen in ein Auto. Nach dreistündiger Fahrt will der Russe zahlen, und da er das deutsche Geld nicht kennt, gibt er dem Chauffeur das Potte- monnaie, damit er sich die Fahrsumme selbst nehme. Das geschieht, worauf der Chauffeur und der Frem­denführer den Ruffen zur Erfrischung ein Fläschchen Kognac anbieten. Zur Stärkung. T^r Russe nimmt einen kräftigen Schluck und verliert das Bewußtsein. Man nimmt ihm Portemonnaie und Bmsttasche, Worin sich bedeutende Summen befanden, und legt den Bewußtlosen in einer stillen Sttaße aufs Pfla­ster. Da wird er von Schutzleuten gefunden, und ins Hospital gebracht, wo die Aerzte eine Kokainvergif­tung feststellten. Der Russe ist inzwischen toiebti her­gestellt worden. Von den Räubern hat man natürlich nicht die geringste Spur.

* Kaum glaubliche Hochstapeleien eines desertter- ten Soldaten, des Kaufmanns WM Kannewurf, ka­men vor dem Berliner Oberkriegsgericht des 3. Ar­meekorps zur Verhandlung. Der Soldat trat, nach­dem er desertiert war, in der Schweiz und in Schwe­

Theologen, 894 Juristen, 632 Medizmer, 68 Zahn­ärzte, 204 Philosophen der 1. Sektion, 124 Philo­sophen der 2. Sektton, 35 Pharmazeuten; hierzu kommen noch 45 Hörer und 27 Hörerinnen, so daß die Gesamtzahl aller Studierenden 1527 beträgt. Damen sind immatrikuliert 2 Juristen, 9 Mediziner, 2 Philosophen 1. Sektton, 5 Philosophen 2. Sektion. Jyl Sommersemester 1912 betrug die Gesamtzahl aller Studierenden 1512. — Der SBieftriM#**: geuofsenschaft WeiherS au wurde vom KüegS«

den als Herratsschwindler auf. Er verstand es, tue hübsche Tochter eines dänischen SanttätSrates zu be­tören und dem Vater große Summen abzuschwindeln. Eine reiche Dänin verliebte sich derart in chn, daß sie, trotzdem auch sie große Summen hatte ^verlieren muffen und bi» Straftaten des jungen Menschen Sargjt erwiesen waren, in unwandelbarer Treue zu ihm hielt. Der Anqenagte entschuldigte sich damit,

daß er aus der Bahn geschleudert worden sei, weil feine Eltern ihn nicht studieren lassen wollten.

* Dynamit und Walhalla. In Regensburg gehen, wie der „Bayerische Kurier" mitteilt, bestimmt auf tretende Gerüchte, es seien knapp vor den Feierlich­keiten zur Aufstellung der Richarb-Wagner-Büste in bet Walhalla aus einem Betriebe in bet Nähe von Stadtamhof, anscheinenb bem gleichen, bei dem vor einigen Jahren 60 Pfb. Dynamit aus bisher unauf­geklärte Weise gestohlen wurden, — etwa 25 Kilo Dynamit gestohlen worben. Blau habe deshalb zur Wagnerfeierlichkeir besondere Vorsichtsmaßregeln ge­troffen. Der „Bayer. Kur." bezeichnet diese Gerüchte als übertrieben, bemerkt jedoch, es sei allerdings richtig, baß kurz vor b?r Wagnerfeierlichkeit in bet Nähe von Regensburg ein Qantum Sprengstoff — nicht Dynamit, auch nicht 25 Kilo, sondern eine kleinere Menge — abhanben gekommen ist.

* Verhaftung einer internationalen Bankräubcr- bande. Samstag mittag bemerkte ein im Kassen­raum ber Hamburger Vereinsbank postierter Krimi­nalbeamter, wie brei Männer, die sich scheinbar in. Geschäften dort aushielten, einen älteren Herrn, ber am Kassenschalter Geld in Empfang nehmen wollte, scharf beobachteten. Der Beamte behielt die Gruppe im Auge und sah, wie der alte Herr, nachdem er 30 000 Mark in Empfang genommen hatte, sich im Vorra'.!".' auf eine Bank "setzte nm seine Papiere zu ordnen. Sofort setzte sich einer der drei Verdächtigen neben ihm, während seine beiden Genossen sich so auf« stellten, baß sie ihn gegen Beobachtungen deckten. Unauffällig ging ber Beamte an ihnen vorbei, wandte sich plötzlich um, und sah nun, wie der neben dem alten Herrn sitzende Herr in dessen Tasche griff, um das hineingesteckte Geld herauszunehmen. Der Be- anite nahm sofort den Dieb und einen Genossen feft. Der dritte konnte die Flucht ergreiseu, wurde jedoch auf der Straße von Passanten aufgegriffen und dem Beamten übergeben. Die drei Diebe gehören einer internationalen Diebesbande an, die seit längerer Zeit ihr schändliches Handwerk ausgeübt hat.

*♦ Eröffnung des Lötschbergtunnels. Am Samstag ist der Lötschbergtunnel eröffnet worden, der die schweizerische Bundeshauptstadt Bern unb bie Ge­biete am Thuner unb Brienzer See mit bem Rhone­tal, bem Kanton Wallis unb bem Simplontunnel unmittelbar verbinbet. Ein bebeutfamer internatio­naler Verkehrsweg ist barnit Ereignis geworben, eine Schienenstraße, bie sich gleichwertig ben berühmten Bahnen burch ben Gottharb, bett Mont Cenis unb burch den Simplon anschließt. Ihre Bedeutung er­hellt aus bem Umftanbe, baß burch bie Lötschberg- bahn bie Entfernung zwischen Bern unb Brig, wo ber Simplontunnel beginnt, von 230 auf 130 Kilo­meter verkürzt wirb, baß bie Fahrzeit zwischen Bern und Mailanb sich auf knapp sechs Stunben, zwischen Bern unb Genua auf etwas mehr als acht Stunben verkürzt.

* Eine verderbenbringende Lokomotive. Am Sonn­tag wurde ein Personenzug auf der Strecke Moskau- Nischni-Nowgorod dadurch schwer gefährdet, daß ein Leeiqug, dessen Führer von der Lokomotive auf den Bahndamm gestürzt war, in größter Geschwindigkeit auf demselben Gleise herannahte. Um einem Zu­sammenstoß vorzubeugen, leitete ein Weichensteller bie Lokomotive auf ein totes Gleis. Die Lokomotive zertrümmerte eine Schranke unb eine (Steinmanb unb fuhr in eine Straße hinein. Dabei würben zwei" Personen getötet unb mehrere verletzt.

Handel mtb Industrie.

5) Berlin, 2. Juni 1913. Die Börse verkehrte in flauer Haltung infolge des Kurssturzes ber Kattaba-, Pacific-Aktien. Von deutschen Anleihen gaben 3proz, Reichsanleihe unb Konsols 0,10 Prozent, 3,5 proz. 0,20 Prozent, 4 proz. Reichsanleihe unb Konsols 0,30 Prozent nach. Privatbiskont unveränbert.

Märkte.

Frankfurter Getreidemarktbericht vom 2. Juni 191? Am heutigen Markt war das Geschäft äußerst ruhig Lanbweizen war selbst in guten Qualitäten schwer ver­käuflich. Landroggen gleichfalls matt. Fremde Weizen trotz fester Auslandsofferten sehr ruhig. Gerste geschäfts­los. Hafer in geringen Sorten vernachlässigt. Mais in ge- suuderWare knapp. Mehl von benMühlenzuunveränderten Preisen offeriert. Futterartikel stetig. — Es notierten j« nach Qualität: Weizen: hiesiger unb Wetter­auer 21.00—21.40 Mark, auf bem Lande abgeholt 20.70—20.80 Mark, kurheffischer 21.00—21.40 Mark, norddeutscher 21.20—21.40 Mk., Manitoba 23.50 bis 24.00 M., Kansas 23.50—23.15 Mk., russischer Nieolajeff 23.25—23.50 Mark, Saxonska 23.25—23.50 Mark, Ulfa 23.50—23.75 Mark, Azima 23.25-23.50 M., La Plata 23.50—24.00 Mark rmnän. 23.75—24.25 Mark, Wallai Walla 24.00—24.50 M. — Roggen: hiesiger, 17.40 bis 17.60 M., auf bem Laube ab geholt 17.00—17 JO Mk., Pfälzer 00.00-00.00 M. russischer 17.50-17.75 M., Amerikaner 00.00-00.00 Mk. — Gerste: hies. 17.00 bis 18.00 Mark, Pfälzer 17.25-18.00 M., fränkische 17.50—18.00 M., Riebgerste 17.50-18.00 M., ungarische 00.00-00.00 Mark, Futtergerste 00.00-00.00 M. — Hafer: hiesiger unb Wetterauer 17.00—17.50 M., kurhess. 16.75-17.25 M., bayer. 17.00—17.50 Mark, La Plata 17.00-17.25 Mk., russischer 18.00-18.50 Mark. — Mais sMixed! 15.00-15.20 Mark, Donau- mais 15.20—15.30 M., La Plata 15.25—15.50 Mark, Einqantin 19.50—19.75 M., russischer 00.00—00,00 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: fest. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 82.25—32.50 Mark, südd. Nr. 0 32.75—33.00 M., hiesiges Nr. 1 30.25-30.50 M., süddeutsches Nr. 1 30.25-30.50 Mk., hiesiges Nr. 3 27.25-27.50 M., süddeutsches Nr. 3 27.25-27.50 M„ hiesiges Nr. 4 23.25—23.50 Mark, süddeutsches Nr. 4 23.25—23.50 M. — Roggen mehl, hiesiges, Nr. 0 25.80 bis 25.75 M., do. Nr. 01 24.50-24.75 M., do. Nr. 1 23.50—23.75 M. Alles per 100 Kilo inklusive Saü loko hier. — Futterartikel: stetig. Weizenschalen 10.50—10.60 M., Weizenkleie 10.00-10.25 M., Roggen- kiele 11.75—12.00 M., Wetzen - Futtermehl 14.50 bis 15.00 M, Biertreber, getrocknet, 11.75—12.50 M., Malz­keime 12.25—13.00 M., Rapskuchen 13.00—13.20 Mk., Palmkuchen 14.50—14.75 Mark, Futtergerste 14.75 bis 14.90 M., Melasseprodukte 00.00-00.00 M., Kartoffeln 0.00—0.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10000 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmartt preise vom 2. Juni 1913. Auftrieb: 1181 Rindei (einschließlich 00 Rinder aus Holland, sowie 00 Rinder au8 Schweden), darunter 467 Ochsen, 53 Bullen 668 Färsen und Kühe, 00 Fresser 294 Kälber, 134 Schafe, 2131 Schweine. Preise für 1 Zentner, Rinder: A. Ochsen: a. vollsteischige, ausgemäsiete höchsten Schlachtwertes 1. im Atter von 4—7 Jahren sLebendgewichts 50—55 Mark, (Schlachtgewicht! 90 bis 95 Mark, 2. die noch nicht gezogen haben (ungejocht) Lebendgewicht) 00 — 00 M., (Schlachtgewicht! 00—00 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und filtere artsgemästete (Ledendgew.! 40—49 M., (Schlachtg.s 83—89 M., c. mäßig genährte junge, gut genährt» ältere [Sebenbgero.J 40—44 M., (Schlachtge.-v.j 74—80 3Jlarf, d. gering genährte jeden Alters (Lebenbgew.s 00—00 M., (Schlachtgew.! 00-00 M. L. Bullen.-