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2. Blatt

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Zuwaer Zeitung♦

Montag 2. Iavi MS

Lokales

Kleines Feuilleton

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Aus Gberheffen u- öen Hess. Aemtern.

* Marburg, 31. Mai 1913. Die preußische Aka­demie der Wissenschaften bat dem Privatdozenten für Chemie an der hiesigen Universität, Dr. Flade, zu Untersuchungen über das elektrotechnische Verhalten der Metalle 500 Mark bewilligt.

[:] Neustadt, 1. Juni 1913. Heute wurde hier das Kreis»Krieger-Derbandsfest des Kreises

Die Erfindung der Brötchen. 'Wie doch alles in der Welt seine Geschichte hat! Da sitzt man tag­täglich am Frühstückstische, erlabt sich am frisch­gebrauten Kaffee und verzehrt dazu sein Brötchen. Hat man aber schon einmal darüber nachgedacht, wer denn nun eigentlich die hübschen, schmackhaften Dinger, die Brötchen, erfunden hat? Wohl schwerlich; man wird überhaupt nicht denken, daß sie jemals »erfundrn* wurden, sondern annehmen, daß sie so nach und nach aus den Bedürfnissen der Zeit und der Menschen heraus entstanden sind. Das ist indes nicht der Fall. Sie wurden vielmehr im Jahre 1608 wirklich erfunden, und zwar von einer Kammerfrau am Hose Heinrichs IV. von Frankreich, die in Diensten der Königin Maria von Medici stand und daher ihrem Gebäck auch den Namen .Königsbrötchen* gab. Selbst die Bäckerzunft kam lange Zeit nicht hinter das Geheimnis ihrer Herstellung und rief deshalb sogar den Schutz der Gerichte an. Das Parlament ließ die Brötchen .chemisch" untersuchen und verbot daraufhin die Anfertigung und den Verkauf als der Gesundheit nachteilig! Doch das Brötchen siegte gegen alle Feinde. vs

Vorbildliches Kaufmannsdeutsch. Vorbild­liches Kaufmannsdeutsch bringt der Bericht der Zuckcrrafsinerie Tangermünde. Man hat uns früher wieder und wieder versichert, daß das kaufmännische Leben ohne einen ganzen Sack voll fremder und den meisten Nichtkaufleuten unverständlicher Wörter gar nicht auskommen könne. Aber wie schon andere große Werke das Gegenteil schlagend bewiesen haben, so zeigt jetzt auch die Zuckerrafsincrie Tangermünde, daß ein kaufmännisches Schriftstück durchaus gemein­verständlich geholten werden kann. Ein Nachteil ist das ganz gewiß nicht. Jedermann versteht, was mit derVermögensausstellung am 15. September 1212"

Von Sommersprossen werden gar viele Mägd- lein geplagt, und sie alle möchten gern ein Mittel wissen, wie man die Störenfriede beseitigt. Mit einem äußerlichen Mittel allein ist es aber nicht getan, denn die Sommersprossen sind keineswegs eine nur äußer­liche Erscheinung. Die Ursache muß man zunächst beseitigen, und diese liegt sehr ost tief. Zum Beispiel führt zu enges Schnüren, unvernünftige Ernährung, ungeregelte Leibesöffnung, Mangel an Hautpflege usw. zu dem Hebel, oft ist dasselbe auch ererbt, wieder andere, namenltich brünette und rothaarige Personen sind besonders für Sommersprossen .disponiert", müssen also erst recht vorsichtig sein. Die Tatsache, daß die Sommersprossen nur an den unbedeckten Hautstellen erscheinen, ist Beweis dafür, daß Sonnen- schein und Luft ebenfalls ihren Anteil an der Ent­stehung des Nebels haben. Man gehe bei gutem Wetter nie ohne weißen Sonnenschirm aus und trage auch viel weiße oder doch helle Kleidung, damit die Haut nicht zu sthr erhitzt werde. Wenn irgend möglich, kühle man das Gesicht am Tage öfter mit kaltem Wasser. Die vielen angepriesenen äußeren Mittel, wie Gurkensaft, Boraxwasser usw., helfen nicht im geringsten, wohl aber ist ein ständiger Gebrauch des sog. Kummerfeldschen Waschwassers zu empfehlen, das jeder Apotheker ansertigt. Es enthält Rosen­wasser, (Sau de Cologne, Schwefelpulver (ganz un­schädlich), Glyzerin, kohlensaures Kali usw., und wirkt nicht nur reinigend und kühlend, sondern auch rege­nerierend und heilend auf die Haut ein. gh.

Ein seltenes Vorbild treuer Liebe gab der Frei­herr Franz von Raygersfeld, ein Vorbild, daS ihm freilich kaum jemand nacheifern wird. Der Freiherr lebte als Staatsbeamter, Kammerherr usw. in Lai­bach und führte eine überaus glückliche Ehe mit Anna gebotene von Erbach. Als ihm nach 26 Jahren die Gattin starb, die ihm 13 Söhne und 9 Töchter ge« schenkt hatte, ließ er sie in einem kostbaren Sarge in der LoreUokapelle bäfcfcen. Einen ganz gleichen Sarg

und sich bewährt hat, sollen aus allen Gebieten der Bundesstaten, durch Vermittelung der unteren Ver­waltungsbehörde die Personalfeststellungen der Zi­geuner gelangen, und ebenso sonstige Nachrichten, die für die Beobachtung der Personen usw. von Belang sein können. Ferner ist geplant, in der Zentralstelle durch aufzunehmende Fingerabdrücke die Identität der Zigeuner festujestellen, was angesichts der viel­fach beobachteten Namensveränderungen der Zigeu­ner von besonderm Wert erscheint. Im übrigen ha­ben sich die von der preußischen Regierung er­lassenen Vorschriften über die Behandlung der Zi­geuner vom Jahre 1906 gut bewährt, und am 1. Juni 1912 wurden weitere einheitliche Polizei­verordnungen der Oberpräsidenten erlassen, nach denen Zigeunern und nach Zigeunerart umherziehen­den Personen das Zusammenreisen in Horden auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen verboten ist. Diese Vorschriften bleiben selbstverständlich weiter in Geltung.

* Warnung vor Schwindlern. In einigen stabten der Provinz sind in der letzten Zeit verschiedene Per- tonen aufgetreten, die für eine Jubiläumsspende zum ReSierungsjubiläum des Kaisers Sammlungen veran­stalteten. Wie sich nachher herausstellte, hatte man es mit Schwindlern zu tun, die ihre eigene Tasche füllen wollten. Da die Herren ihren Sammeleifer vielleicht auch in unserer Gegend betätigen werden, so sei vor der Schwindlerbande gewarnt.

XJ? Um da? Beschreiben von Postkarten mit der Schreibmaschine zu erleichtern, läßt die Reichs­postverwaltung vom 1. Juni 1913 an einfache Post­karten mit Wertstempel auch in Streifen zum Nenn­werte des Stempels durch die Reichsdruckerei liefern. Die Streifen bestehen aus 5 Postkarten, die zum Ab- trennen an ihren Längsseiten durchlocht sind. Be­stellungen auf Postkarten in Streifen in Mengen von mindestens 1000 Stück nehmen die Postanstalten ent- gegen. Vom gleichen Zeitpunkt an wird die Reichs­druckerei die bei ihr zur Abstempelung mit dem Freimarkenstempel eingelieferten, in Bogen zusammen­hängenden Postkarten auf Verlangen ebenfalls in Streifen zu je 5 Stück geschnitten und an den Längs­seiten durchlocht ohne Erhöhung der Abstempelungs- gebühr liefern.

* Feldbergfest. Für das 60. Feldbergfest, das am Sonntag abgehalten wurde, warm als Hebungen Freihochspruna ohne Brett, Weitsprung mit Brett, Kugelstoßen, Laufen über 100 Meter und eine Frei­übung bestimmt. Gegen 560 Turner nahmen an diesen Hebungen teil. Sieger wurden Kofler und Schneller (vorjähriger 1, Sieger auf der Wasser­kuppe), beide vom Turnverein Hornburg v. b. H. Den Wälfungen-Wanderpreis, den der Mainzer Turn- verein von 1817 zu verteidigen hatte, errang der Frankfurter Turnverein. Der Jahnschild, ein Wan­derpreis für Stafettenlauf, wurde vom Mannheimer Turnverein errungen.

Fulda, 2. Juni 1913.

# Personalien. Den Militär-Jntendantur-Sekre- itären Frey und Hecht von den Intendanturen der 22. Division bezw. des 11. Armeekorps ist der Titel Ober - Militär - Intendantur-Sekretär" verliehen. :®er Proviantamts - Inspektor Fehling in Kassel wurde als Kontrollführer nach Hanau versetzt. Der Regierungsbaumeister Dobermann in Wiesbaden (warbt in die Hochbauabteilung des Ministeriums für «öffentliche Bauten berufen. In die Liste der Rechts- anwälte sind eingetragen Dr. Stern beim Land­gericht in Frankfurt und Dr. Bonn beim Ober« landesgericht in Frankfurt.

# Forstpersonalien. Der Charakter als Hege­meister wurde folgenden Förstern verliehen: Ambrosius in Görzhain, Oberförsterei Oberaula, Beier in Oberroßbach, Oberförsterei Witzenhausen, Blöcher in Sababurg, Oberförsterei Hombressen, Gärtner in Kahlberg, Oberförsterei Neuhof, Leh­mann in Hersfeld, Oberförsterei Hersfeld-Meckbach, Malkmus in Eichenzell, Obelförsterei Niederkalbach, Prescher in Gershansen, Oberförsterei Niederaula, Regehly in Steinau,Oberförsterei Steinau, Roloff jm Sorga, Oberförsterei Hersfeld - Wippershain, Schober in Oberbimbach, Oberförsterei Großenlüder, Schulz in Merzhausen, Oberförsterei Neustadt, Steinicke in Neu ü, Strippe! in Altengronau, 'Oberförsterei Sterbsutz, Michel in Wallau, Ober« fförfierei Biedenkopf.

-ff- Verliehen wurde dem Privatmann Waßmuth zu Wolfhagen das Allgemeine Ehrenzeichen.

t * Kreisassistenten-Prüfung. In Kassel fand in den 'letzten Tagen eine Kreisassistentenprüfung statt, die (sämtliche Prüflinge bestanden, nämlich die landrat- ljchen Bureaugehilfen Wambach aus Rotenburg a. d. F. und Kleinhans aus Hünfeld, sowie der Militäranwärter Barth ans Fritzlar.

§ Oberlandesgerichts-Präsident Greiff von Kassel

(trifft morgen vormittag hier ein und wird sich die Richter, Anwälte und die übrigen Beamten beim Amtsgericht Fulda vorstellen lassen.

Jagdkalender. Jm Monat Juni dürfen nur .Rehböcke erlegt werden. Alles andere Wild hat Schonzeit. Für den weidgerechten Jäger ist es ein Hochgenuß, jetzt durch den Wald zu bummeln und fbie Naturschönheiten zu bewundern. Fast bezaubernd wirkt der dunkle Buchenhochwald ans uns ein, und in stiller Andacht schreiten wir dadurch wie durch die Hallen eines ehrwürdigen Domes. Hnd welchen Ein­druck macht auf uns das langsam vorbeiziehende .Rotwild mit dem Kalb, die Ricke mit ihren Spröß- lingen usw. All' das sich jetzt im Revier aushaltende Jungwild zu schützen, ist in erster Linie Aufgabe und Pflicht des Jägers. Hebrigens laufen aus den ver­schiedensten Teilen Deutschlands Nachrichten über eine Zunahme des Wildbestandes ein. Während die Nimrode ob dieser Meldung erfreut sein werden, dürften die Landwirte diese Nachricht mit Bedauern aufnehmen. Wird auch meistens der Wildschaden den Landwirten teilweise ersetzt, so ist doch allgemein bekannt, daß der Landwirt bei allen derartigen Ent­schädigungen fast stets zu kurz kommt. Des einen Leid ist des anderen Freud'!

-4- Die Allgemeine Ortskrankenkasse ist von jetzt ab von morgens 8 Hhr bis mittags 3 Hhr für den allgemeinen Verkehr geöffnet.

»v Zngverfpätung. Der morgens 4,52 Uhr hier einlaufende Berliner D-Zug hatte gestern morgen wegen'Maschinendefekts eine Verspätung von über zwei Stunden.

-y- Brieftauben. Der gestrige Brieftaubenwettflug der Fuldataler Brieftaubenvereinigung ab Frankfurt a. d. Oder, ca. 400 km Luftlinie, zählte zu den ver­krachten Flügen. Die Tauben, 214 an der Zahl, wurden um 5 Uhr früh aufgelassen, kamen in mehrere starke Gewitterregen, sodaß sie nur vereinzelt in ihren heimatlichen Schläge eintrafen. Die erste Taube wurde in Fulda um 12 Uhr mittags festgestellt. Der nächste Wettflug um die goldene Staatsmedaille findet am 22. Juni statt. Die Tauben werden an jenem Tage von der kaiserlichen Fortifikation in Posen, ta/610 km Luftlinie bis Fulda, aufgelassen.

E Submission. Bei der heute vormittag erfolgten Oeffliung der Offerten für die Spenglerarbeiten beim Neubau auf Domäne Johannesberg waren folgende Angebote von Fuldaer Reflektanten eingegangen: Kobel 387,83 Mk., Ehrig 383,40 Mk., Hermann 399,30 Mk., Jos. Kalb 452,55 Mk., Waider 392,50 Mark, Andreas Hasenpflug 555 Mk., Dannemann 412,40 Mk. und Melchior Hasenpflug 377,40 Mk.

§ Zu einer wüsten Schlägerei kam es Sonntag gracht in einem Hause der Ohmstraße. Der Arbeiter M. mißhandelte seine Ehefrau und die zur Hilfe herbeigeeilten weiblichen Mitbewohner. Er mußte nach der Polizeiwache verbracht werden. Auf dem Wege dorthin leistete er den Beamten energischen

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 31. Mai 1913. Die nächste Schwur­gericht ssitzung in Eisenach beginnt am 23. Juni. Zum Vorsitzenden ist wieder der Oberlandesgerichtsrat Höfling aus Jena ernannt worden.

* Vacha, 31. Mai 1913. Die Vereinsvorstände hiesiger Stadt beschlossen, die Feier des Regierungs­jubiläums des Kaisers am Sonntag, 15. Juni, abzuhalten. Es wurde folgendes Programm auf- gestellt: Vormittags VelO Uhr gemeinsamer Kirchgang der Vereine und Schulen, Festgottesdienst; nachmittags 3 Hhr Feier auf dem Marktplätze: Konzert der Kapelle des 32. Jnf.«Reg. in Meiningen, Gesangs­vorträge, turnerische Vorführungen, Festrede; abends 9 Hhr Fackel- und Lampionzug der Vereine und Schulkinder.

* Oechse», 31. Mai 1913. An Stelle des bis­herigen, mit den Funktionen eines Großherzoglichen Bergrevierbeamten betrauten preußischen Bergrats Reinicke in Naumburg tritt vom 1. Juli d. Js. an der Bergassessor Schulze-Berlin als Großherzoglicher Berginspektor mit dem Amtssitz in Weimar. Durch das Anwachsen der Geschäfte in der Kali­industrie des weimarischeu Landes hat sich die Groß« herzoaliche Staatsregierung veranlaßt gesehen, einen eigenen technischen Bergbeamten für das Großherzog, tum anzustellen. Die hierzu erforderlichen Mittel wurden in der letzten Landtagssession bewilligt.

Was bedeutet ter Ausdruck .,Flitterwochen"? So schöne Flitterwochen, wie sie jetzt unsere Kaiser­tochter mit ihrem jungen Eheherrn verlebt, dürfte wohl selten ein junges Ehepaar haben. Was bedeutet eigentlich der Ausdruck Flitterwochen? Man hat zwei Erklärungen hierfür. Die neuvermählten Frauen der mittelalterlichen Zeit trugen nämlich besonders schöne Hauben, die mit fütternden Goldblättchen, ähnlich kleinen Münzen, bedeckt waren. Aus leicht begreiflichen Gründen trug man sie aber, da sie mehr ein Festtagsschmuck waren, nur kurze Zeit, nur einige Wochen. Mittlerweile hatte man sich eingelebt, und so waren dieFlitterwochen" vorbei. Solche alte Flitterhcnlben sind mehrfach im Germanischen Mu- feum in Nürnberg zu sehen. Die zweite Erklärung greift auf das mittelalterliche Wortflirten" zurück, ivas etwa soviel wie flüstern, kichern, kosen bedeutet. Dergleichen soll ja in einer jungen Ehe Vorkommen, wie Eingeweihte versichern. Später läßt dasflitern" nach, und dann 5«*- -nu? oteFlitterwochen"

Widerstand und zerriß einem Schutzmanne den Dienstrock.

-X- Abbruch. Mit der Niederlegung der beiden städtischen Häuser Löherstraße 9ir. 9 und 11, die schon wiederholt das Stadtverordneten-Kollegium be­schäftigten, hat man am Freitag nachmittag begonnen.

§ Fahrrad. Das in der vergangenen Woche einem Kaufmann am Buttermarkt gestohlene Fahrrad wurde im Walde bei Hünfeld aufgesunden und dem Eigen­tümer wieder zugestellt.

4- Ein schweres Gewitter, das große Regenmassen mit Hagel untermischt brachte, ging gestern in den Abendstunden über das Fuldatal nieder. Meldungen über Blitz- und Hagelschäden liegen noch nicht vor. Auf dem Kloster Frauenberg wurde der Blitzableiter getroffen. Auch das letzte Haus in der Niesigerstraße, das Herr Major Hennig bewohnt, wurde von einem kalten Schlag getroffen.

----- Direktoren und Lehrer der Fortbildungsschulen find keine Gemeindebeamten. Wenigstens dürfen sie nicht in den Anstellungsurkunden als solche bezeichnet werden. Dies stellt ein besonderer Bescheid des Kultusministers an die Regierungspräsidenten fest. Der Minister hatte auch bisher auf die Anstellungs­urkunden einen Bestätigungsvermerk gesetzt. In Zu­kunft soll lediglich im Eingänge der Urtunbep fein Einverständnis mit der Anstellung ausgedrückt werden.

b. Aus Anlaß des 25 jährigen NegieruugsjubiläumS des Kaisers wird auf Beschluß des königlichen Staats­ministeriums am 16. Juni bei sämtlichen Be- Hörden der Monarchie der Bürodienst ebenso wie an Sonntagen geregelt.

? Die landwirtschaftliche Bodenbeuutzung. Anfangs des nächsten Monats werden in allen Bundes­staaten Erhebungen über die landwirtschaftliche Bodenbenutzung beginnen, für die die Reichsregierung unter Zustimmung des Bundesrats die Einzelheiten festgesetzt hat. Die Erhebungen im Juni werden sich vor allem auf die Hauptnutzung des Ackerlandes erstrecken, während die Erhebungen der Nebenbenutzung im September stattfinden werden. Die besondere Be­deutung der diesjährigen Ermittlung besteht darin, daß einmal im Hinblick auf die wachsende Bedeutung des feldmäßigen Gemüsebaues eine größere Erfassung der deutschen Gemüseerzeugung erreicht werden soll, daß fernerhin die Zählung der Obstbäume erweitert wird, indem sie auf die Apri­kosen-, Pfirsich- und Walnuß bäume ausgedehnt wird. Auch das Spalier- und Zwergobst wird bei der Zäh­lung berücksichtigt. Die jetzt in großem Maßstab in Angriff genommene Moorkultivierung ist die Hr« fache, daß bei den bevorstehenden Ermittelungen auch die Flächen der unkultivierten Moore festzu­stellen sind, für die gegenwärtig eine sichere Statistik nicht vorhanden ist, da sie mit dem Oed« und Um» land zusammengefaßt sind. Daher sollen die Moore diesmal besonders nachgewiesen werden. Jm Zu­sammenhang mit der Ermittlung des Areals der Forsten werden auch Erhebungen über den Besitz­stand, den Ertrag, die Betriebsarbeiten der Forsten vorgenommen. Nach einem Bundesratsbeschluß vom Jahre 1892 sollten derartige Ermittelungen zum ersten Mal im Jahre 1893, dann weiterhin von 10 zu 10 Jahren stattfinden. Die zweite Ermittlung der Bodenbenutzung, die 1903 hätte stattfinden müssen, wurde mit Rücksicht auf die Vorbereitungen zu den Handelsverträgen im Jahre 1900 veranstaltet, es hat mithin seit 13 Jahrn feine derartige Ermitte­lung mehr stattgefunden,

* Regelung der Zigcunerfrage. Nachdem vor etwa H/«, Jahren auf Einladung der bayerischen Re­gierung tn München eine gemeinsame Konferenz von Delegierten der Bundesstaaten über eine einheitliche Regelung der Bekämpfung 8er Zigeunerplage getagt hatte, haben Auf Grund der dort gegebenen Anre­gungen wiederholt Beratungen zwischen den Bundes­regierungen über diese Materie stattgefunden, preußische Regierung hat nun der bayerischen ihr Einverständnis mit der Einrichtung einer Nachrich­tenzentrale für das Zigeunerwcfen in München sowie mit gewissen Grundsätzen zur einheitlichen Behand­lung des Zigeunerwesens erklärt, in der Voraussetz­ung, daß auch die übrigen süddeutschen Staaten, Sachsen sowie die thüringischen Staaten gleichfalls einer derartigen Regelung zustimmen. Für Preußen dürften die betreffenden Vereinbarungen nur in den Gebieten zur Anwendung gelangen, die an die übrigen Staaten, die sich dem geplanten Vor­gehen anschließen, grenzen. Das Hin- und Her­schieben der Zigeuner zwischen den Bundesstaaten soll unterblieben, ferner kann nach Bedarf ehre Be­gleitung der Zigeuner durch Gendarmen oder Polizei- heamte über die Grenzen der Bundesstaaten hinaus bis zur Ablieferung der Personen an die zuständigen Dienststellen des anderen Staates erfolgen, und außerdem hat das Abschieben der Zigeuner über die Reichsgrenze zu erfolgen. An die Münchener Nach­richtenzentrale, die zurzeit schon für Bayern besteht gemeint ist. Links stehen dieBestände", rechts die Verpflichtungen". Nicht minder deutlich ist die Gewinn-' und Verlustrechnung am 15. September 1912". Links steht dasSoll", rechts dasHaben". Alle einzelnen Angaben sind gleich verständlich: Ab­gang, Abschreibung, Zugang, Wertpapiere, Hinter­legungen, Anteile, Bankguthaben, gesetzliche Rücklage, Arbeiter-Hilfsschatz, Beamten-Hilfsschatz, Aufgeld, Tilgung, Bürgschaften, Rückstellung, Zinsscheine, Ge­winn aus Verschiedenem. Ob Wohl wirklich jemand z. B. Reservefonds, Depositenkonto, Amortisation, Hilfsfonds, Diverses, Aktiva und Passiva vermißt oder für deutlicher und für allgemeinverständlicher hält? Nicht zu ihrem Vorteil sticht davon die kurze Bemerkung der Deutschen Treuhand-Gesellschaft ab, die dievorstehende Bilanz . . .,. per 15. September 1912" geprüft hat und die Richtigkeit be=

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Kirchham, verbunden mit der 43. Dekegierten-Ver- fammlung, abgehalten. Aus den Verhandlungen sei hervorgehoben, daß der Verband 1660 Mitglieder und 31 EhrenrnitgÜeder zählt. Vertreten waren 35 Vereine durch 78 Delegierte. Außerdem zählt der Verband 164 Veteranen. An Hnterstützungen wurden 597 M. ausbezahlt. Laut Vertrag mit der »Providentia* können den Vereinen 800 M. Tantiemen zugewiesen werden. Der Vorsitzende ermahnte die Kameraden eindringlichst, sich in der Jugendpflege zu betätigen.1 Patriotische Feiern sollen am 31. August und 18. Ok­tober abgehalten werden. Nachmittags 2 Hhr zog ein imposanter Festzug durch die geschmückten Straßen. Aus dem Festplatze sprach der Vorsitzende, v. Goldammer, über die Entstehung der Krieger-, vereine und gedachte dabei des Regierungsjubiläums unseres Kaisers. Von den anwesenden Veteranen wurde eine photographische Ausnahme gemacht. Ein-, tretende Gewitter bereiteten dem im ganzen gelungen verlaufenen Feste ein frühzeitiges Ende.

* Gladenbach, 31. Mai 1913. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wurden im Bezirk der Landesbankstelle 22 Schulfparkassen ge­gründet. Bis zum Schluß des Geschäftsjahres waren insgesamt 7411 Mark eingelegt.

* Fronhaufen, 31. Mai 1913. Die Gastwirtschaft Jost ging durch Kauf in den Besitz des Adam Metz aus Goßfelden über.

vermischtes.

* Ein Hundertjähriger bei der Einweihung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. An bei Einweihung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals wird auch ein Hundertjähriger, der Wagner Sämann aus Ostdorf in Württemberg teilnehmen. Er ist gerade am Tage der Völkerschlacht bei Leipzig, am 18. Oft. 1813, geboten und erfreut sich, dank seiner geregelten und mäßigen Lebensweise, noch guter Gesundheit und Rüstigkeit. Er arbeitet noch täglich in seinem Beruf« und im Haushalte seines Schwiegersohnes. Auch geistig ist er noch frisch, nur etwas schwerhörig. Ein Leipziger Bürger hat den ehrwürdigen Alten für die Festtage zu Gaste geladen.

Handel und Industrie.

H Berlin, 31. Mai 1913. Die Börse wurde durch neue Jnlandsmisfronen und schlechte Nachrichten aus der Schwerindustrie sehr beeinträchtigt. Große Rück­gänge zu verzeichnen hatten Montanaktien (nicht unter 2 Prozent) und von den Schiffahrtsaktien Hansa, (7 Prozent). Von deutschen Anleihen gaben 4 pro;, und 3proz. Reichsanleihe und Konsols je 0,20 Pro-', zent nach. Der Privatdiskont erniedrigte sich für) langfristige Sichten auf fünfeinachtel Prozent.

Markte.

Alsfeld, 31. Mai 1913. Auf dem gestrigen Zuchtviehmarkt waren von den angemeldeten 85 Bullen 75 aufgetrieben und davon wurden 42 ver­kauft. Die Preise waren durchweg recht hoch. Ten, höchsten Erlös erzielte ein Landwirt aus Lich, nämlich 1145 Mark für einen Bullen. Die neue, vom Land­wirtschaftskammerausschuß entworfene Geschäftsord­nung bewährte sich aufs beste. Es wurde, gegenüber früheren Auktionen, den Steigerern kein Mindestpreis festgesetzt; auch wurde den Verkäufern gestattet, bei dem zweiten Ausgebot auch unter dem Taxionswerd den Zuschlag zu erteilen. j

* Deutscher Saatenstandsbericht.

Der Deutsche Landwirtschaftsrat berichtet: In den Gebieten, wo Feuchtigkeit und Wärme die Vegetation förderten, wird der Weizen im allgemeinen günstig be­urteilt; auch der Roggen hat sich gebessert. Die Sommer­saaten haben sich befriedigend entwickelt, ausgenommen in den von Trockenheit heimgesnchten Landesteilen. Das Wachstum der Futterpflanzen ist in verschiedenen Gegen­den durch Trockenheit beeinträchtigt worden. Die Wiesen taffen im Osten und teilweise auch in Mitteldeutschland zu wünschen übrig, während die in West- und Süd­deutschland begonnene Heuernte reichlich auszufallen verspricht. Die Hackfrüchte konnten sich unter dem Ein- flust der warmen Witterung zuletzt besser entwickeln. Die Zuckerrüben zeigen zwar vielfach Lücken, im übrigen aber guten Stand. Der Aufgang der Kartoffeln verläuft normal.

Reklame»- und Anzeigenteil.

Der Kinder bester Schutz gegen Krankheit ist außer Sauberkeit und Abhärtung eine einfache regelmäßige Ernährung. Zu letzterer wäblt eine kluge Muller das Nestle'sche Kindermehl, eine naturgemäße, leicht verdau­liche und gern genommene Nahrung, welche die Kleinen vor Darm- und Magenkatarrhen schützt und das Ent­wöhnen der Säuglinge bedeutend erleichtert. Probedose gratis durch Nestle-Gesellschaft, Berlin W. 57.

benutzte er bis an fein Lebensende, sogar auch während aller Krankheitstage, als Bett, und in einem dritten, ebensoschönen ©arg, der ständig neben dem seinigen stand, legte et eine getreue Kopie der Ver­storbenen, angetan mit ihren letzten Kleidern und mit dem Schmuck, den sie zuletzt getragen hatte. vs. I

Allerlei Weisheit. Ein Zitterfisch hat gegen. 360000 elektrische Platten im Körper. Im Jahre 1912 wurde in Deutschland für rund 2700 Millionen Mark Milch produziert. In Deutschland gibt es heute 2,3 Millionen Hektar Land, eine Fläche, etwa so groß wie Württemberg, die noch vollständig un­kultiviert ist. Es sind dies alles ausschließlich Moor­gebiete. Man hat schon über, tausend Arten und Abarten von Tiefseebewohnern festgestellt. Mit Hilfe der chromographischen Kamera, die Lucien Bulls in Paris erfunden hat, kann man in einer einzigen Sekunde dis zu tausend photographische Ausnahmen machen, so daß man mit diesem Apparat nun auch die Bewegungen von fliegenden Libellen, Bienens Fliegen usw. scharf fixieren kann. Zu den Spiel- sälen in Monte Carlo erhalten jedes Jahr etwa 200000 Personen Zutrittskarten, aber nur sehr wenige, von ihnen sind klug und standhaft genug, nicht zw spielen. Berlin wird alljährlich von rund drei Millionen Fremden besucht, München von etwa 300000, Wien aber nur von von etwa 90000. wo.

Mißverstanden. Folgendes luftige Vorkommnis berichtet eine österreichische Schulleitung aus einer Schule in Böhmen: Der Lehrer behandelte in Gegen­wart des Inspektors die Ausgabe 1 und 1. Das kleine Mädchen, an daS er sich gewendet hatte, brachte das Resultat trotz aller Redekünste deS Lehrers nicht heraus. Der Inspektor, der dem Kinde helfen wollte, hielt zwei Finger in die Höhe. DaS Kind, das in feiner Verlegenheft bald auf den Lehrer, bald auf den Inspektor sah, brachte endlich schüchtern die Worte hervor: .Herr Lehrer, der Herr da muß hinaus."