2. siatt.
Vr»<k der jxlbatr Letlexdniüerei ix Zxlda.
* Fuldaer Zeitung. «•
Lokales.
Fulda, 31. Mai 1913.
* Personalien. Die TerichtSreferendare Bö ttner, Starck, Israel und Müldner wurden zu Ge- richtsaflefioren im Bezirk des Oberlandesgerichts Kassel ernannt. — In die Liste der Rechtsanwälte ringe, tragen wurde Rechtsanwalt Edinger bei dem Amts, gericht zu Witzenhausen. Gelöscht in der Liste der Rechtsanwälte wird Rechtsanwalt Jesse bei dem Amtsgericht zu Neuhof (Kr. Fulda). — Der Amts. Herichtssekretär Fehling bei dem Amtsgericht in Battenberg wird an das Amtsgericht in Fulda, der Gerichtsvollzieher Runge bei dem Amtsgericht in Hanau an das Amtsgericht zu Kirchhain und der Gerichtsvollzieher Schardt in Kirchhain an das Amtsgericht in Hanau versetzt. — Dem Geheimen Reg.-Rat Grafen v. Plate».Hallermund bei der Kgl. Regierung in Kastel sind die Geschäfte des landesherrlichen Kommistars bei dem Vorsteheramte der Israeliten in Kastel übertragen worden.
-st- Verliehe» wurde dem Vorarbeiter Theodor Gerth zu Veckerhagen daS Allgemeine Ehrenzeichen.
V BouifatiuSseier im Dom. Morgen, Sonntag den 1. Juni, beginnt die Stadtpfarrei die Reibe der diesjährigen Wallfahrten zum Grabe des hl. Boni, fatius. Nachdem die Prozcstion im Dom angelangt ist, also gegen 81/« Uhr, beginnt das Bischöfliche Amt. Nach dem Evangelium ist die Festpredigt. Den Schluß des Bischöflichen AmteS bildet der sakramen. tale Segen. Der Chor bringt die Salve Regina- Preismeste von Stehle mit Orgel, und Orchester, beglettung zur Aufführung. Nach dem Offertorium wird das Gaade Fulda für vierstimmigen Männer, chor mit Orgel- und Orchesterbegleitung von Kinds. Müller erschallen, eine für das Bonisatiusfest eigens komponierte und dem Priefterseminar zur alleinigen - Aufführung überwiesene Motette. Zum Segen wird ein Tantum ergo für vierstimmigen Männerchor mit Orgel, und Orchesterbegleitung von Kreitmaier ge« jungen. Die Orchesterbegleitung stellt die hiesige llrtilleriekapelle.
-L Weihe der Herz.Jes«»Statue im Dome. Zahlreich sanden sich gestern abend die Gläubigen in der Kathedrale ein, um dem feierlichen Akte der Weihe der neuen Herz » Jesu-Statue beizuwohnen, die auf dem schon für die Bonisatiusoktav aufgebauten sog. silbernen Altäre aufgestellt war. In seiner Ansprache, die die Frage beantwortete: »Warum verehren wir das hl. Herz Jesu?" teilte der Hochw. Herr Bischof mit, daß die Statue in Zukunft an jedem Herz.Jesu- Freitag und im Monat Juni auf dem Hoch rltare aufgestellt werde. Nach einem vierstimmigen Liede des Alumnatschors weihte Bischof Joseph Damian die Statue, wobei oben in der Apsis das elektrische Licht ausflammte. Eine Herz.Jesu-Andacht schloß die Feier.
□ Bazar für die Sturmiuskirche. Die Schülerinnen des kathol. Lyzeums und Ober- lhzeums hiesiger Stadt werden am Samstag den 7. und Sonntag den 8. Juni in den Räumen des Institutes St. Mariae der Englischen Fräulein, Lindenstraße 27, einen Bazar zum Besten der neu zu erbauenden St. Sturmiuskirche veranstalten. Dank der Freigebigkeit von Eltern und Schülerinnen, sowie anderer Gönner des Instituts verspricht der Bazar recht reichhaltig zu werden und macht den Beteiligten alle Ehre. Äußer Verkaufs- und Erfri- schungsbuden wird durch Theater und andere Belustigungen für Unterhaltung der Besucher Sorge getragen werden. Es wäre zu wünschen, daß der Eifer im Besuche des Bazars nicht hinter dem der Veranstalterinnen zurückbliebe.
[.] Das Hotel-Restaurant Hoheuzoller« ist am heutigen Tage von Herrn Karl Graurath aus Frankfurt a. M. übernommen worden.
(*) Die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Fulda wird am Samstag, den 7. Juni, abends 8 Uhr, im Ball- hause eine Generalversammlung abhalten. Zur Beratung steht der Entwurf der neuen Statuten nach der Reichsversicherungsordnung, die Abnahme der Jahresrechnung sowie der Austritt aus dem Verband der freien Ver- einigung der Krankenkassen der Reg.-Bez. Kassel-Wiesbaden und Beitritt zu dem Gesamtverband deutscher Krankenkassen.
* Volksbad. Daß unsere Stadtverwaltung mit dem Plan, die in der Gasfabrik bis jetzt unbenutzt ausströmende Wärme zur Gewinnung von Warmwasser für das projektierte Volksbad zu verwenden, gut fahren wird, erhellt aus einer Feststellung in Tübingen, wonach an einer Retorte des Gasofens täglich 2 Millionen Wärmeeinheiten unbenützt bleiben. Außerdem wurde festgestellt, daß weitere 400000 Wärmeeinheiten aus der vom Ofen an die Luft aus. strahlenden Wärme gewonnen werden könnten. Diese Wärmemengen wurden in Form von Warmwasser
Dar Münchner KinöL
4] Roman von Felix Nabor.
„Tanke," versetzte Sandow kühl. „Ich will bei Professor Pirkheimer anläuten —"
„Na, so läuten S' halt an! Ich geh' derweil dahin, wo man mit Maßkrügen z'sammenläuteu lut. Einen Durst hab' ich — wie ein Walfisch. Adjes!" — Er eilte spornstreichs dem Nationalheiligtum zu, während Sandow durch die Perusa- und Theatiner- zur Maffeistraße ging.
In Pirkheimers Wohnung mußte er dreimal anläuten, ehe dieser erschien und öffnete.
Er war in Hemdärmeln und qualmte aus einer Stummelpfeife. „Treten S' herein," sagte er „und entschuldigen S' mich. Ich bin eben beim Umkleiden. Meine Nachtigallen streiken heute und da habe ich tüchtig ausgeschlafen.
Jetzt will ich nach Bogenhausen hinauspilgern. Dort habe ich eine Villa gemietet, daß ich an den freien Nachmittagen und am Abend ausruhen kann. Wenn man des TagZ acht Stunden — oder auch zehn — Klavier paukt und sich heiser gesungen hat, dann muß man wenigstens abends Ruhe haben, sonst reißen die Nerven und man geht kaput. Wenn Sie Lust haben, mitzukommen, freut es mich von Herzen. Annie und die Köchin sind schon seit elf Uhr draußen —" •
Sandow nahm die Einladung mit Freuden an und Pirkheimer vollendete seine Toilette. „Der Spaziergang wird mir gut tun," plauderte er dabei: „denn die Wittelsbacher Grafenwürde samt allem Klimbim des Faschings ist mir sakrisch in die Knochen gefahren und mein Schädel brummt wie eine Baßgeige., Na, dos muß schon so sein! — Das gehört in München zum Aschermittwoch wie das Amen zum Credo."
Eine halbe Stunde später durchquerten sie den Hofgarten und bogen in die Prinzregentenstraße ein. Trüben im . Westen rollte die Sonne wie eine feurige
gewonnen, ohne daß sich irgend ein schädigender Einfluß beim Betrieb des OfenS geltend gemacht habe.
* Schweinezählung. Bei der außerordentlichen Bedeutung des Viehstandes für die Volksernährung ist eine fortlaufende Beobachtung der zahlenmäßigen Entwicklung für die hauptsächlichsten Viehgattungen unerläßlich. Es sollen deshalb künftig im ganzen Gebiet des Deutschen Reiches zu Anfang Dezember jeden Jahres Viehzählungen stattfinden. Während für Rindvieh, Schafe und Ziegen die jährlichen Aufnahmen genügen, trifft dies für Schweine nicht zu. Der Schweinebestand ist infolge des Umstandes, daß die Schlachttiere großenteils in einem Alter von unter einem Jahre zur Schlachtung gelangen, raschen Veränderungen unterworfen. Deshalb erscheint es angezeigt, für diese eine besondere Zwischenzählung im Sommer zu veranstalten. Da die Ernten auf den Umfang der Schweinehaltung einen maßgeblichen Einfluß ausüben, wird zweckmäßig die Sonderzählung vor der Ernte vorgenommen. Demgemäß ist als Termin für die Zwischenzählung der Schweine der nächste Montag, der 2. Juni, bestimmt. Wie ausdrücklich hervorgehoben werden soll, stehen die Einzelangaben unter dem Schutze des Amtsgeheimnisses, sie werden nur zu summarischen amtlichen statistischen Zusammenstellungen, nicht zu anderen Zwecken, auch nicht zu Steuerzwecken benützt. Die Erhebung erfolgt nicht, wie bisher, mit Haushaltungslisten, sondern mittels O r t s l i st e n. Jeder Zähler hat innerhalb seines Zählbezirkes durch Umfrage von Haus zu Haus die Zahl sämtlicher an die- fern Tage in den einzelnen Haushaltungen vorhandenen Schweine ftstzustellen und in die Ortsliste ein-
Die Wahl -er Abgeor-neten
znm preutz. Landtag (Wahlkreis Fulda) findet Dienstag, den 3. Juni, vorm. 10 Uhr im Stadtsaal (Orangerie) statt.
Die Wahlmänner werden höflichst gebeten, vollzählig zu erscheinen.
Zer Wchlausschutz Ser ZentruuHarlei.
zutragen. Die Richtigkeit der Angaben ist von dem einzelnen Viehbesitzer oder dessen Stellvertreter durch Unterschrift bestätigen zu lasten. Gezählt werden: unter y2 Jahr alte Schweine und Ferkel, y2 bis ausschließlich 1 Jahr alte Zuchteber, y2 bis ausschließlich 1 Jahre alte Zuchtsäue, alle anderen 1/2 bis noch nicht ein Jahr alten Schweine, 1 Jahr alte und ältere Zuchteber, 1 Jahr alte und ältere Zuchtsäue und alle anderen ein Jahr alte und ältere Schweine.
** Die Einrichtung der Barfrankierung, die versuchsweise zunächst in Berlin, Frankfurt a. M. und Mannheim eingeführt ist, soll auf weitere Postämter ausgedehnt werden. Täglich werden z. Z. zirka 115 000 Stück Sendungen durch die Barfrankierungsmaschinen behandelt, die gleichzeitig die Sendungen mit Marken bekleben und stempeln.
= Eine Bahnsteigkarte für zwei Kinder. Die Bestimmung, daß zwei Kinder im Alter bis zu 10 Jahren auf eine Bahnsteigkarte Zutritt zu den Bahnsteigen haben, scheint noch nicht allgemein bekannt zu sein. Deshalb sei daran erinnert, daß Kinder bis zur Vollendung des 4. Lebensjahres in Begleitung Erwachsener die Bahnsteigsperre frei pastieren dürfen und für zwei Kinder im Alter bis zu 10 Jahren nur eine Bahnsteigkarte erforderlich ist. Für ein Kind muß natürlich auch eine Karte gelöst werden, da halbe Bahnsteigkarten nicht ausgegeben werden.
= Juni. Mit dem heutigen Tage nimmt der Lenzmonat Abschied und morgen beginnt der „Brachmonat", so benannt, weil in diesem Monat die noch unbebaut gebliebenen Felder umgebrochen werden. Was der Mai an erster, zarten Naturschönheit zum Leben erweckte, das vertieft der Juni zu voller, satter Farbenpracht und Reife. Das gelb-grüne Laub der Bäume nimmt unter seiner Herrschaft tief dunkel- grüne Töne an, und daneben schafft seine warme Sommerluft den letzten und schönsten Blütenflor. Die Rose, die Königin aller Blumen, erschließt sich im Juni, den man deshalb auch den Rosenmonat genannt hat. Das lange anhaltende Tageslicht —• es bleibt im Juni bis nach 9 Uhr hell — macht ihn zum schönsten Monat des Jahres. Da auch das Sonnenlicht und die Sonnenwärme im Juni zu voller Sommerkraft ausreifen, ist der Juni deshalb auch der beliebteste Reisemonat sür alle jene geworden, Kugel über dem Maximilian eum hinweg, der Himmel färbte sich mit rosiger Glut und die Wolken trugen gold'ne Säume.
„Wie schön!" rief Pirkheimer. „Ein Sterben des Tages in Glanz und Schönheit! Das Abendrot ruht wie eine goldene Krone über der Stadt."
„Das ist aber auch das einzig Schöne in diesem Stadtteil," erwiderte Sandow. „Ich finde diese Straße nüchtern und tot —"
„Sie ist erst im Entstehen", verteidigte Pirkheimer seine Vaterstadt und deren Bauherren.
„Gewiß", sagte Sandow. „Aber schon im Entstehen sollte sie den Keim zu einer Weltstraße in sich tragen. Eine Via triumphalis sollte sie werden, so wie die Siegesallee in Berlin."
„Ja — Berlin! — Ta herrscht freilich ein Zug ins Große! Da ist die ganze Riesensumme deutscher Jntelliqenz, deutscher Arbeit und Kunst, aller Reichtum und alle Kraft des deutschen Volkes konzentriert. Das macht, weil sie Reichshauptstadt ist. Dort hält der Kaiser Hof! Tort ist der Reichstag, die Börse — kurzum: das Herz Deutschlands! — Wir sind hier doch etwas an die Peripherie gerückt —"
„Auch München hat seinen Hof, seine Nionumen- talwerke, sein reiches Kunstleben — aber es ist eben keine Zwei-Millionenstadt wie Berlin. Der Zug ins Groß«?fehlt. Diese Straße ist ein Beweis dafür. Tas reiche Geistes- und Kunstleben dieser Stadt sollte sich in ibr sviegeln, das Siegel der neuen Zeit aufgedrückt werden."
„Und wie denken Sie sich das?"
„Ich würde diese Straße bevölkern mit blühenden Werken der Kunst. Helden und Feldherrn, Fürsten und Staatsmänner mühten mir hier in Erz und Marmor erstehen, die ganze ruhmvolle Geschichte dieser Stadt würde ich hier verkörpern, sodaß jeder Vorübergehende an die Vergangenheit und an seine Pflicht als Deutscher gemahnt würde! — Drüben aber über der Isar, wo der Friedensengel seine goldenen Flügel spannt, ließe ich einen Prunkbau er» richten: einen Tempel der Kunst, in dein die größ-
die nicht darauf angewiesen sind, ihver schulpflichtigen Kinder halber den drückend heißen Juli wählen zu müffeit. Und so füllen sich denn mit Beginn des Junt die Kurorte und Seebäder, ein Strom pulsierenden Lebens verändert das bis dahin idyllische FrühlingS- bild. Dem Wetter im Juni schenkt der Landmann eine besondere Beachtung: „Juni trocken mehr als naß, füllt mit gutem Wein das Faß", aber: „Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr". Besonders entscheidend ist das Wetter des 8. Juni, des Tages des heiligen Medard, und des 1. Juni, des Tages des heiligen Veit, während der Siebenschläfcrtag, der 27. Juni, beim Landmann, ganz wie bei Meteorologen längst nicht die Bedeutung hat, wie beim Großstädter, der sich auf sieben Wochen Regen gefaßt macht, wcnn's am Siebenschläfertage regnet. Soll's also ein gutes Jahr werden, so muß der Juni mehr trocken als naß werden — und das hat für diesmal der französische Meteorologe und Ästronom Flammarion prophezeit!
(♦) Sommerfrischen in Hessen und Waldeck. Mehr und mehr wird jetzt die Frage zeitgemäß: Wohin gehen wir zur Sommerfrische? Nur allzuleicht ist man geneigt, der im Menschen schlummernden Sehnsucht „nach fernen fremden Ländern" zu folgen oder an jene Gegenden zu deuten, di« von der Reisemode überlaufen werden. Oft übersieht man hierbei die tiefe Wahrheit, die in dem bekannten Goethewort ruht: »Wozu in der Ferne schweifen, sieh' das Gute liegt so neh." Besonders das ehemalige Kurheffen und da? bmachbatte Walreck bieten für den flüchtigen Touri'trnbesuch wie für den längeren Erholungs. urlaub die angenehmsten Gelegenhrsten, di« leider noch nicht genügend gewürdigt werden. Um die Aufmerksamkeit bet Ferienreisenden mehr wie bisher nach dielet Richtung zu lenken, hat der Verkehrsverband für Hessen und Waldeck ein Verkehrsbuch herauSqegeben. Es soll alS »Ratgeber bei Auswahl von Eommerjrllchen und Etandquartieren" dienen. DaS Büchlein enthält im ersten Teil Namen und Beschreibungen der sür die Erholungszwecke in Betracht kommenden Städte und Ortschaften in alphabetischer Anordnung. In kurzer Form werden hier sehr beachtenswerte Winke gegeben. Im zweiten Teil folgt die Aufführung von empfehlenswerten Eommer- ftischen, Gasthäusern. Verpflegungs« und Uvterkunfts- flältrn, worüber sich auch in dem zum Schluß ange- gliederten Anzeigenteil wertvolle Hinweise finden. Der Ratgeber ist gegen einen Auslagenersatz von 10 Pfg. von der GeschäftSstell« des Verkehrsverdandes zu Kaffe! erhältlich.
X Fußballsport. Unser Kaiser hat vor einigen Jahren das Fußballsviel als eine den Körper stählende und den Geist belebende sportliche Uebung bezeichnet und demzufolge im Heer und bei der Marine seine ständige Ausübung angeordnet. Auch in unsrer Garnison hat sich seit dem Kaiser!. Erlaß eine Fußballmannschaft herausgebildet, die am morgigen Sonntag der 1. Mannschaft deS 1. Fuldaer F.-Kl. Borussia e. V. im friedlichen Wettkampf gegenübersteht. Der Beginn des Spieles ist auf 3Vi Uhr angesetzt. Hoffentlich verfehlt das Motto .Militär gegen Zivi? seine Wirkung nicht und lockt eine ansehnliche Menge Sportbegeisterte hinaus auf den Sportplatz am Wallweg, dessen Tag« gezählt sind, da derselbe im Juli geräumt, und dafür der .Sportplatz Neuenberg' von Boruffia bezogen wird.
Aus dem Nachbargebiete.
[:] Wüstenfüchsen, 31. Mai 1913. Die Bienenzucht ist in unserem Rhöngebiete im steigenden Wachsen begriffen. Der Leiter der Rassezuchtstation »Rhönhäuschen", Herr F. Lai big hier, wird dem im vorigen Jahre auf feinem Bienenstände vom 27. Mai bis 9. Ium abgehaltenen Zuchtlehrkursus einen zweiten vom 8. Juni d. IS. an anschließen. Während desselben finden theoretische Erörterungen und praktische Vorführungen über: .Einleiten der Zucht", »Okulieren einer Serie", »Bilden und Verproviantieren eines Völkchens" etc. statt. Dieser Kursus kann von den Mitgliedern der Bienenzüchtervereine Wüstensachsen, Hilders und Lütter unentgeltlich besucht werden. In dem 577 Meter ü. d. M. gelegenen Marktflecken Wüstensachsen ist der erste Schwarm bereits am 28. Mai d. Js. gefallen. Demnach liegt unser in früheren Zeiten als besonders rauh verschrieenes Rhön- gebiet hinter Gegenden in den Niederungen bei weitem nicht zurück.
* Schotten, 30. Mai 1913. Dir vom Kreisamt vorgeschlagene Erbauung eines Schlachthauses hat der Stadtrat abgelehnt, nachdem auch die hiesigen Metzgermeister sich gegen ein Schlachthaus ausgesprochen hatten. Sämtliche Metzger sind im Besitz konzessionierter Schlachthallen.
* Schlüchtern, 30. Mai 1913. Sicherem Vernehmen nach findet Ende Juli d. I. hier eine Kreistierschau mit Prämierung statt und zwar sür Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen.
s Oberndorf b. Bad Orb, 28. Mai 1913. In unserer Pfarrei wurde vorn 17.—25. Mai Missi 0 n abgehalten von 5 Franziskanerpatres aus verschiedenen Klöstern der Thüringischen Ordensprovinz. Der Erfolg der Mission war sehr gut; gewaltig war der Eindruck, den die ewigen Wahrheiten auf die
ten Meisterwerke deutscher Kunst, vom „Faust" und der „Zauberflöte" angefangen bis zum Nibelungenring und den „Meistersingern" ihre verklärte Auferstehung feiern sollten! Einen idealeren Platz für diesen königlichen Monumentalbau könnte man in der Welt nicht ein zweites mal finden! — Zu Füßen liegt die Stadt mit ihren Kunstschätzen, mit ihrer Industrie und dem fröhlichen Herzschlag heiteren Genusses! — Dort — in blauer Ferne, ragen die königlichen Berge, mit ihren silbernen Gipfeln, mit ihrem Lawiueudonuer und dem Rauschen der heiligen Wälder! — Tas lebendige Bindeglied zwischen beiden ist dieser starke, ewiqrauschende Strom, der aus dem Schoß der Berge bricht, Land und Stadt, Berge und Menschen umarmt und tausend geheime Kräfte birgt! — Dort Alpenglühen und friedvoller Herdenglocken- klong — hier der pochende Hammer der Arbeit und frommer Glockenschlag von ragenden Türmen! — Inmitten all dieser Herrlichkeit aber, Himmel und Erde, Natur und Leben umspannend, erhebt sich wie ein königlicher Thron der hehre Tempel der Kunst, der die Verklärung des Lebens in lichtvollen Bildern schauen läßt, alle Gegensätze friedvoll löst und Wunder über Wunder in sich schließt! Wie eine strahlende Gralsburg ragt er in die Welt hinein, alle Schönheit ist in ihm zu schauen, in fleckenloser Reinheit thronen die höchsten Ideale der Menschheit auf goldenen Altären — hier werden die Menschen emporgehoben in den Himmel der Kunst, alle Kampfmotive verstummen und die weiße Taube des Gral schwebt sriedvoll vom Firmament der Kuppel herab! Alle Völker würden zu diesem Tempel wallen und den Friedenssymphonien lauschen, die hier erklingen, glle Nationen würden sich über den: Altäre der Kunst die Hände reichen zum großen, heiligen Friedensbunde, der die ganze Welt umspannt! — München aber, mit seiner Prunkstraße und seinem nationalen Knnsttewvel wäre der künstlerische Mittelpunkt der Welt! —"
„Sie sind ein Poet und ein Träumer," sagte Pirk- heimer. „Tas hätte ich nicht hinter Ihnen gesucht."
„Ich bin ein Poet der Arbeit," erwiderte Sandow. „Dennauch Arbeit i{L Poesie^«^ >>ie schönste
»amstag 31. Mai 1915.)
Gläubigen machten. Sind diese Grundwahrheiten an sich" schon geeignet, den ganzen Menschen zu ergreifen, fo kommt hinzu die in jeder Beziehung rich-' tige Aufeinanderfolge der einzelnen Predigten. Die ganze Pfarrei beteiligte sich an der Mission und manche brachten große Opfer. Groß war der An-! drang zur Kommunionbank und 5374 Kommunionen wurden während der Missionswoche ausgeteilt.
* Frankfurt, 30. Mai 1913. Seit einigen Wochen tft der Generalagent und Bauunternehmer Wegfahrt unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast aus Frankstrrt verschwunden. Eine ganze Anzahl kleiner Handwerker und Grundstücks- besiver erleiden empfindlichen Schaden. Die meisten Häuser, die Wegfahrt befaß, kommen nun unter den Hammer. Die Schuldenlast soll etwa 85000 Mark, darunter nahezu 60 000 Mark Wechselschulden, betragen. — Der von der Strafkammer zu drei Jahren Gefängnis und 9000 Mk. Geldstrafe verurteilte Losehändler Schäfer aus Düsseldorf hat feine Revision zurückgezogen. — Gestern nachmittag wurde der 19jährige Tapezierer Bock beim Baden besinnungslos. Schiffer retteten Bock, der, als er ins Heiliggeist- hospital eingeliefert wurde, starb. — Die 43jährige Ehefrau Luise Metzler, die sich in Heddernheim beim Feuerschüren verbrannte, fft ihren Verletzungen cikcien.
* Kassel, 30. Mai 1913. Beim Fußballspielen zwischen einer Anzahl Schulknaben erhielt ein Mädchen von etwa 6 Jahren einen Tritt vor das rechte Bein, das unterhalb des Kniegelenks gebrochen tourbe. — Der Polizei ist es gelungen, tn der Person des stellenlosen Kellners Otto M. einen Straßenräuber zu verhaften, der in einer der letzten Nächte einen Kutscher überfiel und ihm sein Portemonnaie stahl. — Nachdem erst Ostern tm Stadtteil Kirchditmold eine neue Schule in Benutzung genom- mne wurde, ist bereits wieder der Neubau enter Mädchenschule dort projektiert worden Mit den Erd- arbeiten soll noch im Sommer der Anfang gemacht werden. — In der Gemeinde Dorn berg beging das Ehepaar Nolte die Feier der g o ld e n e n H o ch- 8 C '» Eschwege, 30. Mai 1913. Die W e t r a s ch.au hat gestern nach viertägiger Dauer thr Ende erreicht Diese in jedem zweiten Jahre stattfind end eS ch aubnt allein den Zweck, das Flußbett, die Ufer und die Fluß- anlagen auf ihren Zustand zu prüfen, ^cor aDem handelt es sich stets darum, festzuftellen, ob die Werra für die Holzflößerei nach tote vor geeignet tft. ^ . Einbeck, 30. Mai 1913. Die Ausstandsbe- tocaung in der Weberei von Salzmann m Co. nimmt größeren Umfang au. Heute sind auch die Weber in den Ausstand getreten, sodaß von den 209 verschüttet. Obwohl sofort energtsche Rettungs- arbeiten begonnen wurden, gelang es ^'^.F-lebend zu bergen. Seine Leiche wurde erst nach 8 itunbtger
30. M« 1913. »in Mittelbach die Maul- und Klauenseuche ausge. brocken ist, ist die Abhaltung der Schweinemarkte am 3. Juni in Meiningen, am 5. Juni tn Salzungen und am 18. Juni in Roßdorf verboten worden. , . Die Hanvelskammer in Koburg bat für die Em-, sührung einer Autopostlinie Koburg-Heldburg,-Dieters. dorf-Maroldsweisach auf zehn Jahre jährlich 800MH Garantiesumme bewilligt. — Die ILalderholungsstatte im Münchenrodaer Grund bei Jena wird ruM durch die Aufstellung einer zweiten Baracke erwettert. — Das Schwurgericht in Rudolstadt hat die Schuhs macher Paul Teichmüller aus Jena und Reinhold Apel aus Dorndorf a. S. wegen versuchten Münz» verdreckens zu je einem Jahr Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaussicht verurteilt. — Aus dem Bahnhof Kraftsdorf bei Gera war eine bester gekleidete, Frau aus der falschen Seite aus dem Abteil ausge, stiegen. Sie wurde von einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zug erfaßt «nd überfahren. Der Kopf wurde ihr vom Rumpf getrennt. Tne Persönlichkeit der Toten konnte bis jetzt noch m$t' festgestellt werden. — Jin Lause des gestrigen Nach-, mittags wurde im Wartesaal 3 und ^. Klasse in Eisenach ein fünfjähriges Kmd der Obhut emes Bahnbediensteten übergeben; es sollte ”a{ jnntger «eit von der Mutter wieder abgeholt werden. Bis nachts 2 Uhr war es noch nicht abgeholt. Das Kind Jab an Else Marschall zu heißen und wohne m Erfurt. Ihr Vater liege im Krankenhaus zu Erfurt.
* Aus Franken, 30. Mai 1913. Großadmiral von Köster ist mit Gemahlin aus Kiel zum Äurge- brauch wieder in Kissingen emgetrosfen. - Das und kräftigste, die ich kenne. Sie schafft neue Werte, und neue Welten und befruchtet, das ganze Geists und Kulturleben der Völker. Sie macht den Men-^ scheu zum Könige, zum Herrn der Welt -- MM Gotte! Sehen Sie: solch' ein Gott mochte ich sem.^ Sie sind ein Himmelssturmer, lieber Baron, sagte Pirkheimer, „und es ist gefährlich, Ihnen zu fo^ gen — man kann dabei das Gemck frechen! JÄ glaubte bisher, Sie wären Maler . <
Tast bin ich auch — allerdings nur ans Liebhaberei. Mein wahrer Beruf ist die Architettur. sMl"! Vater ist der Chef der großen Architekten-tftrma „Sandow" im Berliner Westen."
„Aah — das wußte ich nicht!" &
Die Sache ist nämlich so: Mein Vater ist ein selbstberrischer Geist und duldet keinen anbern nebey sich — nicht einmal sel.".'u Sohn. Da sagte ermir eines Tages, nachdem ich meine Studien abgeschlost je„ batte: „Mein lieber Junge, ich mache h>er alles allein und du bist überflüssig. Hier hast du einen Scheck aut 50 000 Mark, nun sieh dir gefälligst bts Welt an unb kehre mit neuen Jbeen und Planen zurück, wenn ich bich rufe!"-So hab ich denn Holland, Frankreich, Spanien, Griechenland. und Italien bereist, babe die Kunstschätze und Bauwerke dieser Länder studiert, nebenbei ein bißchen gemalt — und, warte nun hier am Strande der grünen Jyfai; ms e» meinem alten Herrn gefällt, mich an ferne Sette zw rufen." . .. ff
„Ta sind Sie freilich in einer sehr beneidenswerten Lage."
„Nun, cs geht an! — Seine Sorgen hat schließlich ein jeder. Sie etwa nicht?
„Doch, doch," lachte Pirkheimer. „Aber ich löffel mir' desw'ogen keine grauen Haare wachsen! Ich habe,- was ich zum Leben brauche: meine Kunst, mein Heim/ meine Münchner Stadt mit dem Hofbräuhaus mitten drin — unb mein liebes Kind! Meine größte) Sorge ist bic leere Börse gegen Monatsschluß — aber das gehört zum Metier!" .
(Fortsetzung folgt.) ' -