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Fuldaer Zeitung

Meines Feuilleton

teil'.:

qccrnte Unf-

Was die Gesetzgebung angcht, so arbeiten die Handwerkskammern an einer durchgreifenden Re­form des Handwerkerschutzes von 1897. Eine ganze Reihe von Berbesserunqsvorschläqen liegt bereits vor. Bei der Pflege der Gewerbeförderung legt die Kammer besondern Wert auf die Einrichtung von Kursen, die dem Handwerk neue Arbeiten erschließen. Zur Pflege des Baugewerbes hat die Kammer eine Bauberatungsstelle geschaffen. In den einzelnen Orten werden Sprechtage für Bauhandwerker abqe- halten, auf denen Sachverständige dem Handwerke mit Rat zur Hand gehen, damit es den Anforderun­gen der heimischen Bauweise Rechnung tragen kann. Hinsichtlich des Submisswnswesens wie der Errich­tung von Auskunfteien zur Bekämpfung des Bau­schwindels vertritt die Kammer die Meinung der Schwerpunkt der Arbeit muffe bei den Jnnungsaus- schüssen liegen. Jedoch ist sie nicht abgeneigt, ein Submissionsamt als Zentralverdingungsamt zu schaffen.

Das Gesamtbild ist durchaus nicht ungünstig und von allgemeinem Interesse. Der Mittel­stand hat sich in letzter Zeit auch die langersehnte Sammelorganisation im Reichsdeutschen Mittel­standsverband geschaffen. Arbeiten die Angehörigen »es Mittelstandes einträchtig mit den gesetzlichen und freien Oraanisationen zusammen, so braucht man um die Zukunft des Mittelstandes nicht bange zu sein.

die aus den Streifen lauter gleichgroße runde Metall­stücke herauslochen, die künftigen Münzen. Jetzt schon I tvird jedes einzelne Stück mit dem sogenannten Richt- pfennig, dem Normalstück der betreffenden Geldsorte, justiert; zu seichte Stücke gehen, wie auch die durch­lochten Streifen, in die Schmelzöfen zurück, zu schwere Stücke werden automatisch abgeschabt, wie überhaupt der ganze Vorgang: Tas Wiegen, das Sortieren, je nach Größe des Fehlers, 'das Abschaben 'bis zum Normalgewicht automatisch geschieht, so daß, da 12 Wagen vorhanden sind, täglich rund 30 000 Münz­plättchen sortiert werden können, in jeder Minute 5 auf jeder Wage. Nunmehr werden die Plättchen ge­rändelt, nicht nur zur Verzierung, sondern auch, weil man hieran ein rasches Merkmal für die Abnutzung im Umlauf besitzt. Hiernach werden die Stücke wie- I der in Muffelöfen erhitzt, in Beizfässern mit Schwe­felsäure schnell gereinigt und endlich geprägt. Dies geschieht jetzt nicht mehr mit Handbetrieb, sondern ebenfalls automatisch. Die Plättchen werden gleich­zeitig aus Vorder- und Rückseite geprägt und schließ­lich noch einzeln auf Klang und Aussehen geprüft. Die Münze kann täglich 40 000 Geldstücke liefern.

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— Vom Trinken. In scherzhaften Ausdrücken und Redewendungen, die sich auf das Trinken, besonders auf ein Uebcrrnaß darin beziehen, ist unser von jeher allzu trinkfröhliches Volk nncrschöpslich. Dian nennt diese Seite sprachlichen Humors nach dem Titel eines darauf bezüglichen Werkes von Joh. Fischart auch die Trunkenlitanei. Zunächst gibt es für das Trinken selbst allerlei volkstümliche Ausdrücke. Ter eine hebt einen, der zweite genehniigt ihn, ein dritter gießt ihn hinter die Binde, ein vierter pfeift, tutet oder schmet­tert ihn gar, und ein fünfter ruft dabei aus: „Nun ducke dich, liebe Seele, es konunt ein Platzregen" oder »Seh dich auf eine Rippe, liebe Seele, cs kommt ein Wolkenbruch." Auch die Trinklust findet mannig­fache Bezeichnungen. Einer hat eine trockene Leber, ein anderer ein gutes Gefälle, und wieder ein an­derer kann einen gehörigen Hieb oder Stiefel vertra­gen; er trinkt wie ein Bürstenbinder, letzteres eine scherzhafte Anlehnung an mittellateinisches bursa, deutsch Bursch (mundartlich Burscht, so bei I. P.

ist, wenn die Gurken mehr Raum brauchen. ■ Früchte lege man Reisig, damit sie nicht direkte Berührung mit der feuchten Erde r fleckig werden. ]g

Döctn. Kürzlich suchte ich einen alten Be-

* Notenburg, 29. Mai 1913. T ie Teilnehmer am hessiichen Stabtet ag sind im Laute des heutigen Tages ziemlich vollzahlich eingetroffen. Die Stadt hat ihnen zu Ehren reichen Flaggenichmuck ange.egt.

* Melsungen, 29. Mai 1913. Die Stadtverord­neten beschlossen gestern, daß bei der städtischen Spar­kasse vom 1. Januar 1914 ab Spareinlagen mit 4 Proz., Darlehen aus Hypotheken und an Gemeinden mit 4V» Proz., Darlehen auf Schuldschein und Wert­papiere mit 5 Proz. zu verzinsen seien.

* Kassel, 29. Mai 1913. Eine vielköpfige Zigeun er­bende, angeb ich von Hamburg kommend, durchrog gestern nachmittag die Straßen »inserer Siadt. Einige Familien der Braunhäute logierten sich in Häusern herFischgaste. Druselgasse und Leipftaer Stiaße em.

Lokaler.

Fulda, 30. Mai 1913.

# Personalien. Dem Kaufmann Joseph Baum in Wiesbaden wurde der Charakter als Kommerzien- rat verliehen.

# Verliehen wurde dem Rektor Sch ecker zu Frankfurt a. M. und dem Grubenverwalter a. D. Franz zu Friedberg der Kronenorden vierter Klasse dem Grubensteiger Jung zu Großalmerode im Kreise Wihenhausen, dem bisherigen Waldschütz Weitzel zu Kreffenbach im Kreise Schlüchtern, dem Ortsdiener Bange zu Riede im Kreise Wolfhagen das Allge- meine Ehrenzeichen, sowie dem Tonputzer Aschen- btennet und dem Tonhauer Göbel, beide zu Groß- almerode, das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.

-ix An den beide« Kram Markttagen waren nicht weniger als 160 Verkaufsstände, 140 von auswär­tigen und 20 von hiesigen Verkäufern, aufgeschlagen. DaS war des Guten doch zu viel, und von großen Geschäften kann dabei im allgemeinen keine Rede sein An gleichen Märkten der Vorjahre war nicht einmal die Hälfte der Verkaufsbuden vorhanden. Die Ur­sache der starken Frequenz kommt daher, daß in dieser

JVs ,22.

Freitag 30. Mai sysö.

Ans dem Nachdargebrete.

0. Kohlhaus, 30. Mai 1913. Gestein abend ge'sen 9ll* Uhr wurde von der Cellulosefabrik ans Feuer beobachtet, das scheinbar' im Erdgeichoß der | Schule ausgebrochen war. SVlit Müumaxapparatcn ausgerüstete Arbeiter, die zur Hülfe geiinot wurden, lanöcn nicht die Schule, sondetn einen Chausseedaum, der jedenfalls von Bubenhänden in Brand gcstecki worden war, in Hellen Flammen. Der Minimax tat fein: Schuldigkeit und so war die Aufregung schnell vorüber.

* Lauterbach, 29. Mai 1913. Im Walde wurde gestern die Leict e eines Mannes gefunden, der sich an einem Baume erhängt hatte. Es handelt sich um den 40 Jahre alten ledigen Krieger aus Heilbad), Kreis Alsleld.

* Gersfeld, 29. Mai 1913. Der in Kitzingen in Stellung befindliche Handlungsgehilfe Weinberg von hier machte gestern mit einem Freunde eine Kahnfahrt auf dem Mam. Das Fahrzeug schlug um und ein Insasse ertrank, während der andere sich retten konnte. Auf die Auffindung der Leiche haben die Verwandien 1000 Mark Belohnung ausgesetzt.

* Hersseld, 29. Mar 1913. Am. 5., 6. und 7. Juli findet in unterer Stadt das kurhessische Krieger- bundesfest, verbunden mit dem Kreiskriegerver- bandssest des Kreises Hersseld statt. Die Voiberel- tungen sind schon in vollem Gange.

* Niederaula, 28. Mac 1913. Gestern morgen verletzte sich der Zimincrmeister Becker aus Mengs- hausen an der Kreissäge, so daß der Daumen und der Zeigefinger der rechien Hand fast vollständig ab- geschnitten wurden.

dd. Bad Sotten, 29. Mai 1913. Gestern fand in Gegenwart des Oberpräsideirlen H en g st en berg- Kassel die alljährliche Konferenz 6er Landr äle der Provinz Hessen-Nassau statt. Die Kurverwaltung bot am Abend den Gästen im Kurpark ein Konzert mit Pcrrkbeleuchtuno.

mf, dem vor einigen Monaten die Frau t e- storbrv war. In seinem Arbeitszimmer fielen mir: über dem Sofa zwei meterlange Metallspicße auf, die nach Art von Waffen kreuzweise befestigt waren: »Woher stammen denn diese sonderbaren Stoßdegen", > fragte ich neugierig. — „Stoßdegen?" gab mein Freund zurück. „Das sind die letzten zwei .v-u'.naDeln meiner fetrgen Frau." 4

| und der nächsten Woche keine bedeutenderen Märkte we,t und breit stattfinden.

* Meisterprüfung. Im Sitzungssaale der Hand­werkskammer zu Kassel wurde eine Meisterprüfung I für das Maurer-, Bauunternehmer- und verwandte Gewerbe abgehalten. Ter Prüfung unterzogen sich die Bauunternehmer Brück aus Frankenau (Kreis Frankenberg), Hoffmann aus Altenhaßlau (Kreis I Gelnhausen) und Bautechniker F r o b ö s e, Abiturient I der Königs. Baugewerkschule zu Kassel. Sie bestan­den sämtlich.

— Von Insektenplage war gestern hier die Rede I "nd besonders von dem verheeienden Auftreten der Erdflöhe. Aber auch anderes Ungeziefer, wie Schnecken vnd Blattläuse, tritt massenhaft auf Im Garten hat fast jede Pflanze ihre spezifische Blattlaus. Gegen dieses Ungeziefer wird eine Misch, ung aus 40 Gramm grüner Seife, 63 Gramm Tabakexlrakt, 50 Gramm Fuselalkohol und Vs Liter gewöhnlichen Alkohols empfohlen. Dies wild mit 1 titer Regenwaffer verdünnt und 5 Liter der so fertigen Mischung verdünnt man nochmals mit 1 Lit^r | Regenwaffer. Gegen die gefräßigen Schnecken bestreut । man vor Sonnenaufgang oder nach Son cnuntcrgan-i beit Boden mit Siipeiphosphat, ungelöschten Kalk, Asche, Rus, Gips oder Tabakstaub. Die Raupen sammle und verbrenne man. Gegen die Erdflöhe ist schwer arzukomn>'ii, bei feuchten Welter verbergen sie sich unter den Blättern. Man kann sie etwas vermindern, indem man mit Raupenleim bestrichene Gegenstände in die Nähe dec am meisten befallenen Beete legt.

* Die ersten grünen Personenwagen sind seit eini- ger Zeit auf den Preußisch-Hessischen Staatsbahnen im Verkehr. Bekanntlich sollen nach und nach die Wagen aller Klaffen mit grünem Anstrich und neuen Schildern mit deutlichen arabischen Ziffern versehen werden. v

* Zugendpflege und Eisenbahn. Nach den neuen I Bestimmungen dan die Fahrpreisermäßigung den I Vereinen, die im Dienite der Jugendpflege stehen, zu I Eisenbahnfahrten jährlich höchstens zwölfmal gewährt I werden; die jugendlichen Teilnehmer dürfen das 20. Lebensjahr noch nicht überschritten Haden. Sie werden zu Halden Preisen in der dritten Klaffe der Personen- zöge befördert. Die Mmdestentfernung einer Reise I muff mindestens 10 Kilometer betragen, anderseits darf die Höchstentfernung einer Fahrtrichtung 75 Kilometer nickst übersteigen. Bei Benutzung von Schnellzügen ist der tarifmäßige Zuschlag von den Teilnehmern zu entrichten. Die Anmeldimg hat zwei -rage und bei mehr als 200 Teilnehmern fünf Tage vor der Fahrt zu erfolgen.

Eduard von England, vermählte. Sie ist die Mut­ter des jetzt regierenden Königs Georg. Ihre Schwe­ster, das vierte Kind des verstorbenen Königs Chri- strian IX., ist die Prinzessin Dagmar, die sich 1866 alten Stils mit Alexander jil, Kaiser von Rußland, | vermahlte, und den Namen Maria Feodorowna an­nahm. Sie ist die Mutter des jetzt regierenden Zaren Nikolaus II. Eine weitere Schwester, das fünfte Kind des verstorbenen Königs Christian IX., ist die Prinzessin Thpra, die sich am 21. Dezember 1878 mit Herzog Ernst August von Cumberland ver­mählte. Der Prinz Ernst August, der Gemahl der Prinzessin Viktoria Luise, ist somit der richtige Nesse der Kaiserin-Mutter von Rußland und der Königin- Mutter von England, und der Vetter des jetzt regie­renden Zaren von Rußland und des Königs von England. Prinz Ernst August ist demgemäß "sowohl mit dorn russischen Kaiscrhause, wie mit dem eng­lischen Königshause in ganz gleicher Art nahe ver­wandt.

— Wie entsteht jetzt ein Geldstück? Ta jetzt für einige Millionen „Jubiläumsgeldslücke" in den Ver­kehr gelangen, dürfte diese Frage nicht uninteressant sein. Unweit des Königlichen Schlosses in Berlin befindet sich in einem stattlichen Bau die „Königliche Münze", in der sämtliche Geldsorten hcrgestellt wer­den, die das Münzzeichen A tragen. Hier sind über zwanzig Cefen in Tätigkeit, und aus jedem brodelt ein Ton- oder Graphittiegel mit je sieben Zentner Mctallinhalt. Welcher Wert dabei in Frage kommt, läßt sich leicht berechnen, wenn man bedenkt, daß ein einziges Kilo Gold ca. 2700 Mk. kostet, Tie Legie­rungen werden flüssig, sobald 1000 bis 1300 Grad Celsius erreicht sind. Mittels Schöpfkellen wird das flüssige Metall in fahrbare Gießmaschinen gegossen, in denen es zu Streifen erstarrt, den sogenannten Zainen, die nun auf besonderen Maschinen mittels Walzen in die für das betreffende Geldstück erforder­liche Stärke gestreckt werden. Jetzt werden die Zaine nochmals in Muffelöfen ausgeglüht, um sie geschmei­dig zu niachen, und sodann mit Hilfe von Kreissägen in lange Streifen zerschnitten, von der reichlichen Breite des Geldstückes, das aus ihnen hervorgehen j soll. Hierauf treten die Stanzmaschinen in Tätigkeit, I

X Gelnhausen, 29. Mai 1913. Zu dem imS zu- I gegangenen Bericht in Nr. 118 der .Fuldaer Zeitung' über den am 25. ds. Mts abgebaltenen Hand- I werkertag wird uns von Herrn Generalkommiffar Dr. Neumann aus Raffel folgendes mitgeteilt: 1. Es ist unwahr, daß der von mir gehaltene Vor- I trag auf dem Handwerkertag in Gelnhausen über die I öffentliche Lebens- und Volksversicherung nicht sachlich I gewesen wäre. Wahr ist vielmehr, daß meine Aus- I fübtungen, namentlich auch über die Nachteile der I Privatgesellschaften, in einwandfreier Weise erfolgten. I Wäre dies nicht geschehen, dann hätte der Vorsitzende I der Handwerkskaa wer ein unsachliches Referat sicher­lich gerügt. 2. Die bei meinem Vortrage in dem Berichte erwähnte Unruhe ist dadurch entstanden, I daß eine große Anzahl von Vertretern von Privat- I gesellfchaften anwesend waren und diese den Anlaß | nahmen, durch Unruhe gegen die öffentliche Lebens­versicherung zu demonstrieren. Würde die Mehrzahl der Teilnehmer mit meinen Ausführungen nicht ein.

I verstanden gewesen sein, dann wäre nicht von der großen Mehrheit der Versammelten die in hem Be- Uchte ermähnte Resolution, in r die öffentliche Lebensversicherung den Mitglic < der der Hand- j werkskainmer angeschlossenen Jonuuocn, Handwerker­und Geweibcvereine empfohlen und für 'ein Zusam­mengehen in der Volksversicherung mit fern Verbände öffentlicher Lei ensoersicherungsanstalten in Deutfch- land eingelrc'ri! wird, angenommen worden.

* Hana!! 29. Mai 1913. Der Verein der Haus- I und G.untd fltzer e. V. hat in einer Eingabe an den Bezirksansichuß in Kassel den An rag gestellt, der von den fiä6ii|d;en Körperschaften als teilweisen Er- fatz für die ausfallenden ßanatbeibägc beschlossenen Grnndffeuer < rhöhung auf 126 Proz. die Ge- nehrnigung zu verjagen.

_ * Offenbach, 29. Mai 1913. In der gestrigen L-tadtverorvnelenversammlung erklärte der Oberbürger­meister, daß neuerdings Verhandlungen mit den I Schwei ne in etzgern angebahnt worden seien. — Ter Etat, der in Einnahme und Ausgabe mit 8 819 800 Mark abschließl wurde genehmigt und fol­gende Steuerauf sch läge für bas Rechnungsjahr 1913 festgesetzt: 189 P.g. auf je 1 Mk. Staatseinkommen- I (teuer und 31,5 Pfg. auf je 100 Mk. des lür die Be- fleuerung des Grundbesitzes, Gewerbebetriebes und I ttapllcffvormöaens ieiigejetzten Wertes.

* Frankfurt, 29. Mai 1913. Gestern wurden im I Hauptbahnhof zwei junge verdächtige Leute angehal­ten. Es stellte sich heraus, daß der eine am Dienstag in Eisenach einem Geschäftsführer 2200 Mark gestoh­len hatte. Er wollte nach Luxemburg durchbrennen, da er aber die Reise nicht allein machen wollte, nahm er noch einen Lehrling aus Mihla bei Eisenach mit. Der Dieb ist ein löjahriger Kaufmannslehrling. I Die 43 Jahre alte Ehefrau des Straßenbahnschaff- I ners Metzler zu Heddenhoim machte gestern mittag I Feuer im Herd. Die Flammen schlugen aber her- I aus, so daß im Nu die Kleider der Frau Feuer fingen. I Die Aermste erlitt am ganzen Körper schwere Brand­wunden und liegt hoffnungslos im Heiliggeisthospital. I — Die Ehefrau des Kammerjägers Becker vergiftete I sich am Mittwoch. Als man sie auffand, war der I Tod bereits cingetreten.

ob. Fianksurr, 30. Mai 1913. Heute feiert der I bekannte Chirurg Holdefehr fein goldenes I Berufsjuhiläum. Holdefehr ist der Gründer des I Frankfurter Sanitütsweiens. — Das meteorologisch- vhysikalische Institut ist bei der Erweiierung des I LuftweUerdienstrs zur westdeutjchen Zentrale des I Luftfahrerwetterdienstes erhoben worden. Tie Nachrichten über die Luftströmungen in großen I Höhen in ganz West- und Süddeutfchland werden in I Frankfurt gesammelt. Als Grenzen des Beobachtimgs- gehietes gelten int Westen die Reichsgrenze, im Otten I die Weser und der Thüringer Wald. Bisher über- I Mitteln schon 215 Telegraphenämter Westdeutschlands der hufigen Zentrale Nachrichten über ansbrechentte I Gewißer mitt Stürme.

Hebel), was zunächst ein Haus bedeutete, in dem Studenten zusammen wohnten, dann diese selbst. Wer einem guten Trunk etwas allzu reichlich zuge­sprochen hat, bekundet das auch in seinem Gange: er kann den Strich nicht halten, er hat schief oder schwer geladen, er gleicht also einem überladenen Ernte­wagen, u. dgl. m. Ueberhaupt beziehen sich auf die nicht immer angenehmen Folgen des Trinkens, ab­gesehen von den dafür üblichen Tierbezeichnungen, wie Spitz, Bock, Affe, Kater eine Unmenge von Rede­wendungen, wie: Er hat sich die Nase begossen, zu stark eingcheizt, hat einen Hieb weg, sieht den Him­mel für eine Baßgeige an, ist blau, hat ein Oel- köpfchen oder Ocl am Hut, ist knüll, kanonenvoll oder gar sternhagelvoll. Bon anderen Ausdrücken, die uns noch eine Stufe tiefer führen (gerben, Ulrich rufen u. bergl.) reden wir hier lieber nicht. spr

— Um mit gutem Erfolge Gurken im Garten zu ziehen, darf man sich einige Mühe nicht verdrießen lassen. Man werfe in der Mitte des etwa ein Meter breiten Beetes einen kleinen Graben aus, nur 20 bis 30 Zentimeter breit und 20 Zentimeter tief, fülle' zu uiiterst frischen Pferdemist, darüber Komposterde und schaufele nun gute Gardencrde darauf, so daß ein langer Hügel entsteht. Die Spitze dieses arbeite man man muldenförmig mit dem Rechen aus und Pflanze nun hier die Pflänzchen Ende Mai hinein. Auf diese Weise finden sic nicht nur eine gute Nahrung, son­dern werden auch von unten her erwärmt, was für das Gedeihen von großem Einfluß ist. Zu beiden Seiten des Beetes Pflanze man Salat, der bereits ab-

' I — Auf dem Wege nach seiner Schlafstelle wurde m ' I der vorgestrigen Nacht der Kutscher Stabl meuchlings 1 I überfallen und mittelst eines gefährlichen Werkzeuges I iu der brutalsten Weise mißhandelt und blutig I geschlagen. Sodann hat der Rohling dem wehrlos I zu Boden geschlagenen Manne das Portemonnaie I gewaltsam aus der Hosentasche genommen. — Einige sechzig Mitglieder des Wirte Vereins von I Lauterbach trafen am Mittwoch auf einer Rund- I reife hier ein. Heute wurden die Sehenswürttigteitrn I der Stadt besichtigt. — Mehrere Lehrlinge balgten sich gestern mittag am Neubau der Stadthalle.

I Dabei fiel einer von oer Böschung herunter und I brach die Wirbelsäule.

I '8' Eschwege, 29. Mai 1913. Im benachbarte» Langenhain wurde heule nachmittag die mit Getreidevorräten gefüllte Scheune des Arbeiters

I Urbach vollständig eingeäschert. Die Sirohvor- I rate gehörten verschiedenen Landwirten aus Langen­hain. Das Feuer entstand durch spielende Schul- I Huber.

* Göllingen, 28. Mai 1913. Gestern abend stürzte der Zugschaffner Theune an! Göttingen in der I Nähe des Bahnhofs Dlmieöat von 6er Bremse eines Gülerzugwagcns so unglücklich, daß ihm beide Beine I abgefahren wurden. Er wurde schwerverletzt w die Göttinger Klinik gebracht. An seinem Auskommen wird gezweifelt.

* Eisenach, 29, Mai 1913. Es wurde gemeldet, I daß am vergangenen Dienstag in Bürbach bei Schönau a. b. Hörsel die 18 Jahre alte.Dienstmagd Ida Bürbach mit schweren Schußverletzungen am Kopfe aufgesunden wurde. Neben ihr lag ein RevRver, jodaß zunächst Selbstmord vermutet wurde. Gestern wurde nun unter dem Verdacht des Mordes I der Stiefsohn des Di. nstherrn der Bürbach, der Land- I wirt Bruder, verhaftet. Bei der Vernehmung der I Bürbach, die kaum mit dem Leben davon kommen durfte, wurde der gegen Bruder gerichtete Verdacht

* Aus Thüringen, 28. Mai 1913. In der juristi- fchen Fakultät der Universität Jena ist Dr. jur. Franz Beyerle als Privatdozent für deutsches Recht zuge­lassen worden. — Infolge eines Wirtshausstreites hat in Barlgau bei Königsee der Fabrikarbeiter Breternitz den Glasbläser Otto Schneider erstachen. Er rouroe verhaftet. Der Landtag des Fürstentums Reuß j. L. hatte sich am Diesistag mit einer Reso­lution des Geraer Gewerkschaftskartells zu befassen, [ die verlangt, im Fürstentum Reuß keine Krankenkassen einzujühren. Im unterländischen Bezirk ist von der­artigen Einrichtungen bereits abgesehen worden. Wie von mehreren bürgerlichen Abgeordneten hervor- gehoben wurde, sind die Landkiankcnkoffen für das reußische Oberland ein Bedürfnis. Bei der Ab­stimmung wurde die Resolution gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelchnt.

* Darmstadt, 29. Mai 1913. Die Stadtverord­neten genehmigten eine Polizeiverordnung, nach der das Tragen von heroorstehenden unvcrwahrteu Hut« nadelspitzen in den Straßenbahnwagen bei einer Strafe bis zu 30 Mark verboten ist.

* Diez, 29. Mai 1913. Von den fünf schweren Verbrechern, die, wie gemeldet, aus dem hiesigen Zuchthause entflohen, gelang es, den 32 Jahre allen Schreiner Kreusch aus Eupen, einen schweren Jungen, nach nahezu dreistündiger Verfolgung durch den Wald, durch Hecken uub Gräben in der Nähe des Ortes Gachenbach festzunehmen. Auch die anderen Sträflinge sind heute mittag von Landleuten in der­selben Gegend festgenommen und dem Zuchthaus« wieder zugeführt worden.

* Vom Eichsfelttk, 29. Mai 1913. In der Nm- gegend von Heiligen st adt unternehmen gegen­wärtig verschiedene Herren aus dem preußischen Landwirtschaftsministerium und von der Regieiung in Erfurt eingehende Besichtigungen zum Zwecke der Aufforstung. — Turch ein gestern abend über unsereGegend niedergegangenes schweresGewitter wurde viel Schaden angerichtet. In Zwinge wurde das Wohnhaus des Landivirts Fricke infolge Blitz­schlages vollständig eingeäjchert. Das Feuer legte ferner das Wohnhaus und die Stallungen des Tijch- lers Dreimann in Asche.

* Aus Franken, 29. Mai 1913. Drei schwere Gewitter zogen in der vorletzten Nacht mit wolken­bruchartigem Regen und teitweijem Hagel über die Untermaingegend dahin. In Diebach schlug der Blitz im Pfarrhause ein, demolierte das Dach und eine Hausfront. In Thulba zündete der Blitz eine Scheune, die rasch in Flammen aufging. In Pro|fels- heim bei Würzburg wurden drei Scheunen nebst Vieh- und Schweineställen durch Blitzschlag einge-

2. ölatt.

vrack tter Sxlbaet Hctitnöraterti in $n!6o.

* Zur wirtschaftlichen Lage des Handwerks.

Interessante Rückschlüsse auf die G e s a m hl a g e des Handwerks gestattet der eben erschienene Jahres­bericht der Handwerkskammer Düsseldorf 1912/13 Hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage des Handwerks lauten für diese Zeit die Berichte der einzelnen Organisationen viel günstiger als vor meh­reren Jahren. Früher waren die Berichte überein­stimmend auf den tiefften Pessimismus gestimmt. Alle waren sich darin einig, daß es dem Handwerk außerordentlich schlecht gehe. Jetzt sind die Berichte Z? un gs freudiger. Allerdings liegen die Verhältnisse nicht in allen Branchen gleich günstig Die Handwerkskammer kommt zu dem Schluffe: Für das Handwerk liege kein Grund vor, verzweifelnd in die Zukunft zu sehen. Bei einer Anpassung des Handwerks an die gegebenen Verhältnisse und bei ent­sprechender Gemeinschaftsarbeit biete sich Aussicht genug, auch im heutigen Wirtschaftsleben den Hand­werkerstand zu erhalten. Das offenbart sich auch in den Neugründungen von Handlverksbetrieben deren Zahl im Berichtsjahre gegen 2000 beträgt. '

Die Fortschritte im einzelnen zeigen sich zunächst in der Zunahme der Meisterprüfungen Auch der Organisationsgedanke dringt im Handwerk wei­ter vor. Die Jnnungsbildung hat gerade im Be­richtsjahre einen Fortgang zu verzeichnen. Beson­ders beachtenswert ist die Bevorzugung der Zwangsinnung. Weniger groß sind die Fort­schritte auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens Beachtenswert ist, daß auch Gewerbe, di- bisher den Genoffenschaftsgedanken nicht pflegten, jetzt dazu übergehen. So gründen die Konditoren Eisgenossen­schaften, die Maler und Friseure Rohstoffgenosscn- schasten. Die Kammer veranstaltete eigne Gcnossen- schaftstage und hat eine entsprechende Summe zur Pflege des Genossenschaftswesens in den Etat ein­gestellt.

— Die Verwandtschaft zwischen Kaiser, Zar, König Georg und Prinz Ernst August. Im großen Publikum wird vielfach Erstaunen darüber geäußert, der Zar und der König von England zu den Hochzeitsfeierlichkeiten in Berlin anwesend waren, wahrend der König von Italien und der öster­reichische Thronfolger, die als Verbündete dem Kai- ftrhause doch näher stehen, dem Feste fernblieben. Diese Anschauung hat chren Grund in der Unkennt­nis des Verwandtschaftsverhältnifses, das di' Herr­scherhäuser von Deutschland Rußland und England miteinander und mit der herzoglichen Familie von Cumberland verbindet. Da die Hochzeit der Prin­zessin Viktoria Luise nur in engem Familienkreise gefeiert wurde, konnte ein Besuch des nichtverwand­ten Königs von Italien und des gleichfalls in ver­wandtschaftlicher Hinsicht fernstehenden österreichischen Thronfolgers nicht in Frage kommen, während der Zar und der englische König als nahe Verwandte sowohl unseres Kaiserhauses wie des Welfenhauses in erster Linie als Teilnehmer an der Hochzeit in Betracht kommen. Am bekanntesten ist ja die Ver­wandtschaft des englischen Königs mit dem Kaiser. Die beiden Herrscher sind Vettern, da die Mutter des Kaisers die Schwester des Vaters dos jetzigen Königs von England war. Weniger bekannt ist der Verwandtschaftsgrad zwischen dem Zaren und dem Kaiser. Diese Verwandtschaft beruht auf der Ehe des Zaren Nikolaus I., des Urgroßvaters des jetzigen Zaren mit Prinzessin Charlotte von Preußen, einer Schwester Kaiser Wilhelms l. Mer auch der Zar und der König von England sind miteinander verwandt und ebenso mit dem Prinzen Ernst August, dem Gemahl der Priu- üeffin Viktoria Luise. Kpnig Christian IX. von Dänemark, der in Kopenhagen am 29. Januar 1906 starb, Haire sechs Kinder. Die älteste Tochter des Königs Christian IX. ist die Prinzessin Alexandra, die sich am 10. März 1863 zu Windsor mit Albert Eduard Prinzen von Wales, dem späteren König