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Druck der 5«t> er Uditnbntdtrti in Selbe.
Zuldaer Leitung.
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Donnerstag 29. Mai 1915
Lokales.
. , , Fulda, 29. Mai 1913.
-ft- Verliehen wurde dem Oberstleutnant a. D. von herteil zu Kassel der Kronenorden dritter Klaffe.
# Ernannt wurde für den in daS Kultusministerium »erufenen Provinzialschulrat Leist der Provinzialschul- iat Albers in Gumbinnen zum Mitglied des kaffeler Provinzialschulkollegiums und zum Dezernenten für das Seminar- und Präparandenschulwesen >er Provinz Hessen-Nassau.
** Vom Tom. Zur Feier des Herz-Jesu- Festes am morgigen Freitag wird im Dom um S Uhr vormittags Hochamt mit Bischöflicher Affistenz und Chorgesang des Alumnats gehalten. Abends >/s8 Uhr ist die Weihe der neuen Herz-Jesu-Statue mit Ansprache des Hochwürdigsten Herrn Bischofs; danach kurze Herz-Jesu-Andacht, wobei der Alumnatschor mehrstimmige Lieder singt.
** Stadtpsarrei. Die Herz - Jesu - Andacht mit der feierlichen Weihe an das hl. Herz Jesu wird in der Stadtpsarrkirche am morgigen Freitag abend 8 Uhr gehalten. Der Kirchenchor wird diese Feier durch einige mehrstimmige Choräle verherrlichen. Mit sakramentalem Umgang endigt die Andacht. — Am Sonntag vormittag 8 Uhr zieht die Stadtpfarrei in feierlicher Prozession von der Stadtpfarrkirche zum Grabe des hl. Bonifatius in den Dom und eröffnet damit die Festoktav des hl. Bonifatius. Nach Ausgang der Wallfahrt wird um l/s9 Uhr eine hl. Messe gelesen; auch um 11 Uhr ist noch eine hl. Messe.
iL Die Festwoche des hl. Bonifatius steht bevor. Jeden Tag werden zwei bis vier Wallfahrten auS ben umliegenden Pfarreien in unsere Stadt kommen. Dlit flatternden Fahnen, Musik und Gesang ziehen sie durch die Straßen zum Dome und hinab zur Bonifatiusgruft, wo der .Glaubensvater* ruht. Die Grabeskirche des Heiligen hat ihr Festgewand an- gezogen, am Hochaltäre find Reliquien des hl. Bonifatius, darunter auch der Dolch, womit er den Todes- stoß erhielt, ausgestellt. Jeden Morgen um 9 Uhr findet für die Wallfahrer em feierliches Hochamt, am Sonntag und am Festtage (Donnerstag, den 5. Juni) ein Pontifikalamt statt. An jedem Abend wird in der Krypta eine Andacht zur Verehrung des Heiligen gehalten, bei der ein Abschnitt aus dem Leben des Apostels der Deuffcheu verlesen wird. Am Samstag abend werden diese Andachten mit einem Tedeum be- chlossen. Für die leiblichen Bedürfniffe der Waü- ahrer ist in der Nähe des Gotteshauses gesorgt. Inter den schattigen Bäumen der Kastanienallee sind Verkaufsbuden aufgeschlagen, die in diesem Jahre auf eine in unserer Zeitung gemachte Anregung hin wohl etwas mehr aus die wirklichen Bedürfniffe des Landvolkes Bedacht nehmen. Das Bonifatiusdeukmal am Schloßplah, nunmehr von seiner alten Umgitterung befreit, erhält für die Festwoche einen einfachen Schmuck mit Tannenbäumen. Die Reihenfolge der Wallfahrten ist wie folgt: Am Sonntag wallfahren die Stadtpfarrei, die Filialen der Dompfarrei Neuenberg und Dietershan, sowie Horas mit Riesig; am Montag die Pfarreien Johannesberg und Petersberg; am Dienstag Haimbach, Maberzell, Margrethen- Haun und Steinhaus; am Mittwoch Dietershausen, Eichenzell und Fiorenberg; am Donnerstag Hattenhof und Neuhof; am Freitag Oberbimbach, Großenlüder, Marbach und Michelsrombach; am Samstag die Pfarreien Dipperz, Giesel und Kämmerzell. Wenn bei ungünstiger Witterung diese Reihenfolge nicht eingehaltm werden kann, kommen die betreffenden Pfarreien am folgenden Tage.
§ Befltzwechsel. Das dem Metzgermeister Herrn Heinrich Hartung gehörige Wohnhaus Petersbergerstraße Nr. 4, in dem sich schon seit einigen Jahren eine Bäckerei befindet, ist durch Kauf an Herrn Bäckermeister Bernhard Bachenheimer hier Übergegangen. Der Kaufpreis beträgt 24000 Mark.
2 Vom Bahuhosserweiteruugsbau. Eine Anzahl Telegraphenarbeiter sind zur Zeit emstg mit dem Versetzen der Telegraphenmasten aus dem Gelände der neuen Bahnstrecke an der Künzellerstraße beschäftigt, wo nicht weniger als 56 Leitungsdrähte verlegt werden müssen. — Mit der Abdeckung der Grasnarbe zur Verlegung der Edelzellerstraße ist Wenfalls schon der Anfang gemacht. Die Boden- oerhältniffe scheinen günstig zu sein, sodaß die Arbeiten hossentlich flott von statten gehen werden. Eine Anzahl Transportwagen ist eingetroffm, auch hat man bereits mit dem Legen de8 Transportgleises begonnen. Auf der Hauptstrecke sind ebenfalls Schienen und Schwellen angefahren, die zum Umbau benötigt werden.
-y- Beerdigung. Ein langer Leichenkondukt bewegte sich gestern nachmittag vom Landkrankenhause
Dar Münchner Aindl.
2] Roman von Felix Nabor.
Da bekamen seine Augen einen warmen Glanz. „Ich sag' nur die Wahrheit! — Ich schwör' einen Eid, daß du das schönste Münchner Kindl bist, das der Herrgott erschaffen hat!"
Annie wurde rot; ihr Vater nickte wohlgefällig. „Recht hat er schon, Annie; aber den Schnabel sollt er halten."
„Nun also, was sagst jetzt dazu?" triumphierte Puck.
Annie sagte gar nichts. Ihre Wangen brannten, und wenn sie so in ihrer holden Verschämtheit, in all ihrer Jugend und Anmut dastand, mußte jeber sagen, daß man sich kaum ein lieblicheres Bild denken konnte als dieses schöne, frische, warmblütige Menschenkind.
Aus der großen Kapuze hervor blickte ein liebes Gesicht mit treuherzigen Augen und einem frssch-roten Mund, um den ein leiser Zug von Schalkhaftigkeit lag. Das braune Münchner-Kindl-Gewand, das in Weichen Falten die schlanke Gestalt umschloß, stand Annie allerliebst, und die goldfarbene Bahn des Ska- puliers verlieh dem anmutigen Bilde einen süßen Zauber, einen keuschen, königlichen Glanz.
Puck vermochte seine Begeisterung nicht mehr länger zurückzuhalten. „Himmel — so ein Bild wenn ich malen könnte." rief er, „da wär' ich über Nacht Zin berühmter Mann!"
Annie lachte ihm ins Gesicht. „Du — und ein Bild malen?" rief sie. „Das gibt's nicht! Dazu hast du weder die nötige Energie, noch findest du die erforderliche Zeit. 'Weil du beständig zwischen der Akademie und dem Hofbräuhaus hin- und herpen- delst."
Puck^ senkte schuldbewußt das mit der Schellenkappe geschmückte Haupt. „Recht hast schon," sagte er. „Ich bin ein Bummler und brinae es mein Lebtag zu nichts. Aber das liegt in der Münchener Lust — was weiß ich! Weißt, so ein bißchen Leichtsinn und Faulheit, das g'hört zu mir, grab so wie bie Frauen-
nach dem neuen städtischen Friedhöfe, um die sterb, lichen Uebenefte des verstorbenen HandelSgärtnerS Hermann Breitenborn zur letzten Ruhe zu bestatten. Unter dem Trauergefolge bemerkten wir Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni, beide Beigeordnete, Stadträte, fast daS ganze Stadtverordnetenkollegium, ben Kriegerverein, die aktive Feuerwehr, den evangelischen Arbeiterverein, daS Presbyterium der evangel. Kirchengemeinde und viele andere Vereine, denen der Verstorbene nahe gestanden hatte. Der Herr Landrat war durch Herrn RechnungSrat Köhler vettreten. Sänger von der GefangSadteilung des evangel. Arbeiterverc s trugen den Sarg von dem Pottal des Friedhofes zum Grabe, daS mit Tannen- grün auSgeschmückt war. Nach Dortrag deS Grabliedes „Hier unten ist Frieden" hielt Herr Pfarrer Weber die Leichenrede. Am Grabe deS Verstorbenen wurden eine große Anzahl schöner Kränze niedergelegt, u. a. auch von Stadt und Krei- Fulda.
cP Unfall. Aus dem Sennelager wird uns gemeldet, daß bort bei einer Artillerie-Attacke unter den Pferden eine Verwirrung entftanb. Die Pferde rannten von einem Geschütz ins andere; hierbei wurde der Spengler Krämer von hier, der eine 14tägige Landwehrübung ableistete, von einer Deichsel in den Rücken gestoßen und so schwer verletzt, daß er mit noch drei anderen Verletzten nach Paderborn ins Lazarett geschafft werden mußte.
= Unfall. Gestern kam der Lehrling eines hiesigen Metzgermeisters mit dem Zeigefinger der rechten Hand so nahe an eine arbeitende Fleischschneidemaschine, daß ihm der Finger vollständig abgeschnittrn wurde.
(*) Sportpack Reuenberg. Seit gestern ist in dem Schaufenster der Buchhandlung von Fritz Pappett ein sehr gut ausgeführter Plan deS im Juli zu eröffnenden neuen, prächtig gelegenen Sportplatzes des 1. Fuldaer Fußballklubs „Borussia" e. V. ausgestellt. Aus demselben ist ersichtlich, daß für jede den Fußball und die Leichtathletik betreffende Spockatt ein eigener Platz vorhanden ist, wodurch die Zuschauer in jeder Weise ungefährdet find. So sehen wir z. B. neben dem Fußballfeld, das von einer Laufbahn umgeben ist, besonders angeordnet bie Plätze zur Ausübung von Speer« und Hammerwerfen, Cricketballwerfen, Kugelstoßen und Hoch- nnd Weitsprung. Für den 100 Meter-Lauf ist eine besondere Bahn geschaffen, die längs der Tribüne führt. — Nicht unerwähnt bleiben sollen die zwei schön angelegten Tennisplätze, die voraussichtlich sehr stark benutzt werden, da schon jetzt vor ihrer Fettig- stkllung eine große Zahl von Anmeldungen vorliegen. Es dürfte sich deshalb für die Interessenten empfehlen, sich so bald wie möglich in die in der Drogerie von Pauly am Buttermarkt aufliegende Liste eiuzuzeichuen.
* Bauernfänger. Der der Polizei als Bauernfänger bekannte 38jährige Holzarbeiter Keßler aus Dalherda versprach einem hrefigeu jungen Mann, ihm eine Stelle zu beschaffen. Er forschte ihn aus und hötte, daß er in Oesterreich noch ein Guthaben von 120Kronen habe. Keßler bewirtte, daß sich der junge Manu das Geld schicken ließ, und pumpte ihn nun kräftig an in der Absicht, ihm das Geld abzuknöpsen. Keßler und Schützlmg fuhren nach Frankfurt, wo ersterer im Hauptbahnhof von der Polizei ergriffen wurde, noch ehe er sein Vorhaben ausführen konnte.
-7- Insektenplage. Milde Winter, wie der letzte einer war, haben in der Regel für den Sommer mancherlei Insektenplagen zur Folge, da die Größe der Kälte bezw. der Temperaturstürze nachwetSlich auf das Leben der im Erdreich und sonstigen Schlupfwinkeln überwinternden Insekten und ihrer Brut von Einfluß sind. Da der Frost im vergangenen Winter nicht so stark und anhaltend war, daß er auf diese Tiere, deren Körpertemperatur derjenigen der Luft bis zu einem gewissen Grade anpassungsfähig ist, schwer schädigend hätte einroitten können, dürfte voraussichtlich der kommende Sommer em insektenreicher werden. Schon jetzt kommen vom Lande Klagen über das verheerende Auftreten mancher Schädlinge, besonders der Erdflöhe, denen auch die feuchte Witterung des Vorsommers nichts geschadet hat.
Aus dem Nachbargeblete.
Thalau, 28. Mai 1913. Thalau zeigte sich gestern im Festgewand. Ehrenpfotten, eine dicht besetzte Allee aus Birken- und Fichtenbäumen von Beginn des Dorfes bis zur Kirche gierten bie Straße, Kränze und Fahnen zietten Häuser unb Kirche. Die ganze Gemeinbe befand sich in festlicher Stimmung und alles dies mit Recht; galt es doch dem Besuche unseres vielgeliebten Ober- hitten dem Hochwürdigsten Herrn Bischöfe. Feierliches Glockengeläute kündete die Ankunft an.
türm’ und die grüne Isar zur Münchener Stadt. Die Kunst — die Freude und das Bier — und die lieben, süßen Münchner Kindl: das sst der schönhettSftohe Dreiklang meines armseligen Bohemine-Lebens. Dagegen ist nichts zu machen."
In den Hellen Auftakt dieser ftendigen Lebensmelodie klang plötzlich eine scharfe Dissonanz hinein —■ Herrn von SandowS spöttisches Lachen, der eben eintrat und Pups lautes Bekenntnis einer freudigen Lebensbcjahung hötte. Herr von Sandow schlug den rosseidenen Domino wie etwas Lästiges zurück, sodaß sein tadelloser Frackanzug und die schneeweiße Hemd- brust sichtbar wurden, in der ein paar kostbare Bril- lantknüpfe funkelten. Schlank und vornehm stand er da — ein Kavalier von reinstem Wasser.
Dem Narren fuhren bei fernem Anmick Zorn und Aerger ins Blut und mit hellem Hohn rief er, indem er absichtlich seinen Münchener Dialekt kräftig unter, sttich: „Jesses, a so was! — Der kimmt geradenwegs vom Hofball!"
Hardy v. Sandow wandte sich achselzuckend zu Annie und sagte, seinen Blick tief in ihre warmen, braunen Augen tauchend: „Ich freue mich, daß ich Sie hier finde! — Als Sie in dem Gedränge von meiner Seite gettssen wurden, war ich ernstlich in Sorge! —" Und leiser fügte er hinzu: „Da batte das ganze Fest auch keinen Reiz mehr für mich! — Doch jetzt ist die Freude wieder da — und nun hab ich nur noch den einen großen Wunsch: Sie als Münchner Kindl malen zu dürfen!"
Sein Blick war bittend, werbend, herzlich. —
Puck riß wütend an den Satten seiner Laute rgb brummte: „ Höll' und Teufel! Immer nimmt mir ein anderer das Schönste vor der Nase weg! Ich bin ein jämmerlicher Pechvogel! —"
Annie errötete bei Sandows Frage und sagte verwirtt: „Mein Gott, es sst doch nichts Besonderes an mir!"
„O doch!" rief Sandow mit einem Feuer, das sonst seiner kühlen, nordischen Natur fremd war. „In Ihnen sehe ich die ganze schöne Münchnerstadt ver- körpett! Alles Liebe und Schöne, das ich seit einem Jahre hier erlebt habe, m«*"- /in diesem Bilde
Recht herzlich gestaltete sich der Empfang. Ein Schul- mädchen entledigte sich korrett seiner Aufgabe durch ein schönes Gedicht mtt Ueberreichung eines Buketts. Herr Kuratus Simon hieß in seiner Ansprache auch namens der Gemeinde den Hochwürdigsten Herrn herzlich willkommen. — Unter feierlicher Prozession wurde der Hochwürdigste Herr zur Kirche geleitet, wo er unter Absingung der Sacerdos et Pontifix seinen Einzug hiett. Nach Prüfung der Christen- lehrpflichttgen hiett der Hochw. Herr eine Ansprache, in der er betonte, es fei ihm eine Freude, die Kirche so besetzt zu sehen, die Gemeinde auch im frommen Glauben zu wissen. Sakramentaler Segen bildete den Schluß der kirchlichen Feier. Daran schloß sich dann die Prüfung der Schulkinder. Unter feierlichem Glockengeläute verließ der Hochwürdigste Herr unfern Ott. 94 Firmlingen unserer Kuratie erteilte der Hochw. Herr in der Pfarrkirche zu Schmalnau das hl. Sakrament der Firmung.
:/: Thalau, 28. Mai 1913. Gestern brannte die Scheuer des Bauern Fttedttch Quell in Hüh- n e r k r o p f bis auf die Mauer nieder. Dank dem fleißigen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr und mehreren Feuerwehrleuten aus Schmalnau gelang es, das große Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Immerhin aber hat der angrenzende Nachbar Leinwandhändler Franz Jos. Wahl dabei durch plötzliche Räumung des Hauses großen Schaden. Tas Gebäude ist gegen Brandschaden versichert.
* Mainz, 28. Mai 1913. Im Stadtteil Kastel wurde der 18 Jahre alte Heizer Griffel von der Dampfwalze erfaßt, zu Boden gedrückt und ge- tötet.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 28. Mai 1913. In der letzten Sitzung der weimattschen Handwerkskammer wurde in bestimmter Weife die Errichtung eines P e r d i n- gungsamtes in Aussicht gestellt, wenn dieses auch etwa 800 Mk. kosten würde. Die Gesamteinnahme der Kammer betrugen im Jahre 1912 rund 31301,50 Mk., die Ausgaben 25 739,80 Mk., so daß eine Gewährschaft von 5561,70 Mk. für das Jahr 1913 verbleibt. Der gegenwärtige Vermögensbestand der Kammer ist rund 68 714 Mk. Weiter beschloß die Versammlung, die Meisterprüfungen jährlich zweimal, ttn Frühjahr nnb Herbst, und zwar an bestimmten Terminen abzuhalten. Die Mitglieder der Meisterprüfungskommissionen sollen in ihren Vergütungen vollständig ben Mitgliedern der Kammer gleichgestellt werden. Die Tagegelder der Mitglieder der Meisterprüftmgskommissionen erhöhen sich danach von 6 auf 7,50 Mk. für den ganzen, von 3 auf 3,75 Mk. für den halben Tag. Außerdem haben diese Kommissionsmttglieder fortan das Recht, zweiter Klasse zu fahren, und weiter erhalten sie auch, gleich den Kammermttgliedern, die Vergütungen für Zugang und Abgang bei der Eisenbahnfahrt. Den § 30 des Statuts ändette man dahin ab, daß statt der dreijährigen Wahlperioden für die Ausschüsse einjährige eingeführt werden.
* Dermbach, 28. Mai 1913. Der Bezirksarzt Dr. S t a p f f in Dermbach sst vom 2. bis einschließlich 29. Juni d. I. beurlaubt und wird durch den Bezicksarzt Dr. Spann in Kaltennordheim vettreten. — Hier herrscht eine rege Bautätigkeit. Es sind bereits 4 Neubauten aufgeführt. Drei stehen auf dem durch den Bebauungsplan aufgeschlossenen Gelände der sogen. Stöbe. Durch ben Schulbau unb bie neuen Gebäube ist auf bem betreffenben Gelände ein neues Ortsviertel entstanden.
* Dorndorf, 28. Mai 1913. Langfinger entwendeten in der Nacht zum 26. d. M. aus der chemischen Fabrik der Gewerkschaft Hettigenwda Lederriemen. Die Gewerkschaft zahlt für die Namhaftmachung der Täter eine hohe Belohnung.
Aus Dberhefsen u. Öen Hess. Ämtern.
△ Marburg, 28. Mai 1913. Die Heeresvermeh- rung bringt auch Marburg eine Verstärkung der Garnison, uns zwar handelt es sich um die neugrgrün« bete Radfahrer- und eine Maschinengewehr- Abteilung. Inder heutigen Stadtverordnetensiitzung beschäftigte man sich mit der Frage, wie die Mann- ichaften untergebracht werden. Dem Anträge der Militärverwaltung bezüglich der neu zu erbauenden Kaserne und sonstigen Gebäuden wurde schließlich zugestimmt und bezüglich der Aussetzung eines Oberstocks und Anbaues eines Flügels an die Jäger-Kaserne der Beschluß ausgesetzt. Die sämtlichen Gebäude kommen auf den Kämpfrasen in die unmittelbare Nähe
feschalten und auf die Leinwand bannen. Wollen Sie mir diese Bitte gewähren?"
„Ich weiß nicht! — Da hat schließlich Papa das letzte Wott —"
„Na, Kindl, sträub' dich nicht länger!" rief Pick- Heimer. „Sag' Ja und Amen und laß dich hatt malen! — Grad neu ist die Idee ja nicht, und wenn mich mein Gedächtnisschrank nicht täuscht, so gibt's ehz fantofes „Münchner Kindl" von Piglhein. Aber vielleicht hat Herr v. Sandow eine neue originelle Idee — und bann — etwas Schönes sehen bie Leut immer wieder gern."
Annie streckte Sandow die Hand hin: „Nun ja — so malen S' mich hatt!"
Sandow küßte die rosigen Fingerspitzen unb rief: „Taufend Dank, Fräulein Anme! — Geben Sie acht, das soll etwas Schönes werden! — Da soll jedem, der es sieht, das Herz im Leibe lachen!"
Puck zupfte wie närrssch seine Satten, als ob er alle entzwei reißen wollte. Pirkheimer sah, daß er sich ärgerte unb erhob sich. „Die Gläser sinb bis auf ben letzten Tropfen geleert," sagte er, „nur ber Durst ist geblieben. Da ist es an bet Zeit, daß wir in einen andern Keller einbrschen, wo ber alte Bierkönig Gam- brinus thront. Auch spielt bie Musik eben ben Kehraus — da wollen auch wir Fersengeld bezahlen —"
Aber eben als er in den Saal treten wollte, stürmte ent Schwarm von Nymphen in die Grotte — schlanke Mädel mtt flinken Beinen und heißen Gesichtern. Die Tttller und Arien-Bruchstücke, die sie losließen, ver- rieten, wes Standes sie waren. Lachend, singend und kichernd umringten sie ben Professor, tuteten ihm Opernatten ins Ohr und drehten ihn im Kreise. Vergeblich bat er: „Laßt mich in Ruh! Die Grafcn- herrlichkett ist zu Ende unb morgen in ber Früh hebt toteber das graue Elend an: da muß ich eine Schar Gänse drillen und Koloraturen und Kadezen pauken —"
Sie faßten seine Hände. „Will der Herr Graf ein Tänzlein wagen?" fangen sie. •
„Nein, nein!" protestierte er. „Gebt's Ruh, ihr losen Vögel! — Zum Kuckuck: hat sich denn die ganze Chocklasse gegen mich ve^chworen? — Na, wartet
der Kaserne. Bis diese fertig find, werden die Mann/ schäften zum größten Teile ins alte Waisenhaus, die Fachschule, in ein anderes städtisches Gebäude und der Rest in Bürgerguartieren untergebracht.
* Marburg, 27. Mai 1913. Tie hiesigen Milchhändler geben bekannt, daß wegen der hohen Viehpreise, der teuren Futtermittel, der steigenden Lohne und der zu ertoartenben schlechten (?) Futter, ernte an eine Herabsetzung ber Milchpreise jetzt noch nicht zu beulen sei.
♦ Münchhausen, Kr. Marburg, 27. Mai 1913. Die er ft en Wagen Heu von den Betteselungs- wiesen an ber Strecke nach Wollmar sind eingebracht. Die iibttge Heuernte verspttcht sehr reichsich auszufallen. — Die Arbeiten an ber Ent- unb Bewässerung bes Wetschaftstales haben begonnen; diese wie auch die Verwppelungsarbeiten werden hauptsächlich von hiesigen Arbeitern ausgeführt. Der Kostenanschlag für die Wiesen war 120 000 Mark, hierzu erhält die Gemeinde einen Staatszuschuß von etwa 40 000 Mack.
* Kirchhain, 28. Mai 1913- Zu dem Fest des hiesigen Gesangvereins sind gestern 14 amerikanische Sangesbrüder, sämtlich alte Kirch Hainer, mit chren Familien hier eingetroffen.
* Kirchhain, 27. Mai 1913. Durch ein neues Projekt soll dem hier bestehenden Wassermangel abgeholfen werden. Dem Pumpwerk sollen 3 starke Quellen, die 3 Kilom. entfernt in einem Wiesengrunde liegen, zugeführt werden. Alsdann stehen täglich ganzen 500 Kubikmeter Wasser zur Verfügung.
* Dreihaufen, 28. Mai 1913. In ber Nähe nuferes Dorfes stieß gestern ein junger Radfahrer Goß. mann aus Wittelberg mit dem Fuhrwerk des Landwirts Michel aus Roßberg zusammen, kam unter den mit Pflastersteinen beladenen Wagen unb erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
* Fritzlar, 28. Mai 1913. Me Landwirtschaftskammer beabsichtigt auch im Kresse Fritzlar Feld- büngungsver suche einzuletten. Dieselben sok- j len sich auf 6 Jahre erstrecken. Die bazu erforber-' lichen Parzellen, 6 Morgen, werben durch die Land- > Wirsschaftskammer angepachtet.
vermischtes.
* Fünfzigjähriges Krankenlager einer Schttftstrl- lettn. Die unter dem Pseudonym „Tante Emmy" bekannte katholische Volksschttststellettn Frau Emma G i e b r I, geborene von Aschenbrenner, eine Tochter des ehemaligen bayettschen Finanzministers, begeht am 30. Mai in München ein trauriges Jubiläum: Sie hat feit einem halben Jahrhundert dal Krankenlager nicht mehr verlassen. Um ihr eigenes Leid zu vergessen und andere erfreuen unb trösten zu können, hat sie sich frühzeitig der Schttftstellerei zuge- wendet. Ihre Märchen-, Rätsel- unb Bilderbücher, ihre Bücher für Frauen unb Kranke machen zusammen eine kleine Bibliothek aus. Wieberholt schon ist sie dem Tode nahe gewesen und hat sich doch immei wieder durchdrungen. So ist die jetzt 76jährige eint rührende, leidverklärte Dulderin und für einen großen Teil der deutschen Lesewelt die ihr Wirken und ihre Schicksale kennt, eine verehrte unb vertraute Erzählerin unb Wegweiserin geworden.
* Im Teer erstickt. In ber Waldauer Fabrik bei Zeitzist der Arbeiter Werner in Folge eines Schwindel« aufalles in ein gefülltes Teerbassin aeftürzt und darin erstickt. — Ein ganz ähnlicher Unfall wird aut Meißen gemeldet. Dort fiel der Dachdeckergehilft Zieschang bei einem Leiterbruch m ein Faß kochenden Teeres; hoffnungslos verbrüht wurde der Verunglückte in ein Krankenhaus gebracht.
* Fliegerabsturz. Der Pilot Horn ist gestern morgen mit einem Jatho-Eindecker aus einem lieber« landflug bei Burgwedel in Hannover aus einer Höhe von 150 Meter abgestürzt. Er war sofort tot.
* Um 3000 Mark auf ber Berliner Stadtbahn be* stöhlen. Ein Kaufmann aus Charlottenburg, der' auf dem Potsdamer Bahnhof einen Zug der Ringbahn bestiegen hatte, um nach Hause zu fahren,, schlief während der Fahrt ein und erwachte esst, als er schon mehrere Stationen über das Ziel hinausgelangt war. Zu seinem größten Schrecken gewahrte er jetzt, daß ein Dieb sich an seine Taschen gemacht und außer einem Portemonnaie mit über 1000 Mark in bar ein Kästchen mit Brillanten im Werte von 2000 Mark gestohlen hatte.
* Der ertrunkene Zuchtstrauß. Mtt dem Dampfer .Frieda Woermann" waren kürzlich aus Kapstadt vier sehr wertvolle Strauße in Swakopmund angekommen. Tie Regierung batte diese Tiere zu Zucht«, zwecken angekauft; jeder Vogel hat einen Wert vow
nur, ihr Teufelsmädel: wenn ihr morgen eure Arien, und Tttller nicht wie die Nachttgallen hinausschmet- tert, hernach dreh' ich euch den Kragen um." \
Aber fein gutmütiges Schelten und fein energisches Sträuben nützten ihn nichts, denn was ein richtiges Münchner Kindl ist, daß kann bei Zeiten auch, recht eigensinnig und resolut sein — und so wurde Pirkheimer lachend entführt. Auch der Hofnarr suchte eines der schlanken Nixlein zu haschen, und es gab eine tolle Jagd. !
Als Sandow unb Annie ben beiden folgten, wurden sie sofort in den Wirbel hineingezogen: um nicht von einander getrennt zu werden, faßten fie sich bei den Händen und ließen sich von dem Strome mtt fort« reißen. Inmitten desselben hatte sich eine lebende Kette gebildet, die sich, einer schillernden Schlange gleich, durch den Saal wälzte, bann über bie Treppen hinab bis zu dem großen, freien Platze, um den bie Laternen Schildwache stauben.
Puck hatte die Nymphen aus dem Gesichtskreis verloren unb geriet ins Gedränge: ba schwang er sich mit einem Satze auf ben breiten Rücken eines riefen»; haften Germanen, ber sich brummenb schüttelte, aber dann, als er sah, daß sie nicht abzuschütteln war, seine Last lachend durch den Saal und zum Ausgang trug. Von seinem erhöhten Standpuntte aus übersah Puck den ganzen Saal, dieses tolle Chaos der Freude, in dem all die Tausende von Masken, jauchzendem Bae ^gw-nschwarrn gleich, durcheinanderwirbelten und die Freude den Takt schlug.
Pickheimer war seiner Nhmphenschar glücklich entronnen und hatte unvermutet „feinen" blauen Domino entdeckt. Da vackte auch ihn noch einmal die Freude, einem heißen Fieber gleich, unb er faßte kühn ben Arm ber „motteten" Schönen. „Jetzt lass' ich aber net aus," lachte er. „Unb ehnder ich dein G'sichterl net g'sehen hab, ehnder geb ich keine Ruh' net."
Er landete denn auch mit ber Holden glücklich unten auf der Straße bei einem Gaskandelaber. „So, Schatzerl," sagte er, „jetzt tu’ mir den einzigen Ge» fallen unb nimm bein Visier ab, daß ich dein lieb's G'sichterl sehen kann —" (Forts. folgtO