Zuldaer Zeitung
n LlehimgrNsten der preiMch-svddeutsche» Kfa|fen-£otttrie. — halbjährlich Taschenfahrplan, ß
40. Zahrgang
Donnerstag den 29. Mal 1913
Erftes Blatt
Nr. 121
hin aus,
Erscheint täglich mit flusnarjmt oer Sonn- und vertage, viertel, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Sulba sowie auswärts 1.50 mark. •••• Rofationsbrudt und Verlag der s s julbcer flctienbrudeerel In Zulda. Zernsprecher Nr. t. ::
Widerspruch des Zentrums auszugleichen. Ferne, rechnet er mit der Zustimmung der Sozialdemokratie zur Reichsvermögenssteuer und bemerkt hämisch; „Dann würden Konservative und Zentrum allerdings die Erfahrung machen, daß diefetbe Mehrheit für beide Vorlagen entscheidend wäre, aber eine andere, als die „fchwarzblaue Koalition". Angesichts solcher Austastungen darf man in der Tat von einer rosa-rote K Koalition reoen.
Die Ga'shr ist groß, und es wird in der Tat hohe Zett, daß die Regierung gegenüber dieser neuen El- ckvolitik nach dem rechten sieht. Die letzte Hoffnung auf ?ine friedliche Entwirrung klammert sich an die Besprechungen über die Grundzüge der Deckungsgesetze, die noch zwischen den bürgerl'chen Parteien eine Einigung herbeisühren können. Doch sind die Aussichten nach diesem Rotblock-Triumph gewiß nicht besser geworden.
Diese Sendung stimmte die Kameraden des jungen Mannes nicht so heiter, als sie vorher waren. Um so freudiger überrascht war Fred.
„Das Grundstück für unser zukünftiges Häuschen, liebe Eltern," schrieb er an jenem Abend, „ist bereits geschafft. 9htn wollen wir ans Baumaterial denken. Stein oder Holz? Oder beides wie bei uns zu Lande. Was sagt Ihr zu einem Untergrund aus Bruchstein? Gutes Flößholz wird nicht schwer zu beschaffen sein. Ich denke, mit der kanadischen Kiefer wird ein gutes Arbeiten sein." .... Die lieben Alten. Er wußte, daß er ihnen jetzt Gesprächsstoff für viele Monate geschaffen. Das würde ein eifriges Hin- und Herreden geben, ein Abwägen und Klügeln, ein Herumfragen und Rateinholen bei den Nachbarn, dann manchen eifrigen langen Brief mit schüchternen Vorschlägen, sorglichen Abmahnungen, sich ja nicht zu tief einzu- lassen, sie wollten lieber ein wenig länger warten, das' kleine Einlegerhäuschen, das ihnen der Großbauer vermietet, sei noch lang nicht zum Zusammenfallen, und was dergleichen treue und redliche Worte waren.
Unterdessen wuchs langsam sein kleiner Schatz; und wenn cr's auch förmlich Stein um Stein herbeitragen mußte, das Häuschen seiner Träume — vielleicht sah er es doch einmal in Wirklichkeit erstehen, und feine lieben Alten auf der Schwelle.
Es war eine ziemliche Zeit nach diesem Erlebnis vergangen, und mancher Brief über den Ozean hin- und bergewandert, da erhielt eines Tages der Besitzer des Atlantic eine Zuschrift. Dr. Wbite, der bekannte Anwalt, fragte an, ob ein Bursche, namens Fred Wagner, bei ihm als Zimmerkellner bedienstet sei. Eine seiner Klientinnen, Mrs. Ratter, sei ge- swrben und habe diesem jungen Mann, von dessen uneigennützigem Charakter sie eine hohe Vorstellung gewonnen hätte, ein Legat von 3000 Dollars vermacht.
Ter Hotelier beschied den Deutschen zu sich, machte ihm die Eröffnung dieses Glücksfalles, schüttelte ihm die Hand und sagte, er freue sich darüber.
Die Kameraden wurden diesmal nicht eingeweiht. Umsomehr beeilte sich Fred mit seinem Brief in die Heimat. „Das Häuschen, liebe Eltern," schrieb er,
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Illustrierte Sonntagszeitung
den Kellnern besonders eine alte Frau mißliebig, die sich schon wochenlang im Hotel aufhielt, ohne daß es je dem geschicktesten unter ihnen gelungen wäre, ihr ein Trinkgeld zu entlocken.
Man behandelte sie warm, man behandelte sie kalt — alles vergebens; sie war feuer- und wasserfest. Dazu nichts weniger als ein bequemer Gast, voll der Nörgeleien, immer einen Auftrag, einen Gang im Hinterhalt, den ihr noch dazu niemand nach Wunsch ausrichtete.
Die jungen Republikaner im Servierftack taten also das einzige, was sie tun konnten — sie ignorierten sie. Wenn ihre Glocke läutete, schien es, als sei das Hotel ausgeswrben: es war rein, als wäre auf Meilen in der Runde kein Kellner auszuforschen, was — nebenbei, gesagt — nicht gerade zur Zähmung dieser Widerfpendigen betrug.
Als nun Fred ihr zugeteilt wurde, änderte sich das mit einem Schlage. Sie mochte ihn ein halbes Dutzend mal in einem Atem zu sich klingeln, stets war er bereit wie der treue Knecht der Gräfin von Savern, auf alle Wünsche und Launen feiner Gebieterin einzugehen, und nie versagte ihm das fteundliche Lächeln, die höfliche Rede.
Aber auch ihm gegenüber änderte die Karge ihre Art nicht.
„Nun, Lämmchen", hänselten die Kameraden, wenn sie in müßiger Weile beisammen standen, „wieviel hat Dir Dein Dienst bei Mrs. Ratter schon eingetragen?"
Er lächelte friedlich, zuckte die Achseln und ließ sie reden. Sie hatten wohl alle nicht erlebt, was er hinter sich hatte. Sie wußten vielleicht nicht, was es heißt, in der Dezemberkälte ohne Winterrock, in ungeheiztem Raum, von einem Tag zum andern darauf gefaßt sein, daß auch dieses elende Asyl ihnen morgen verschlossen sein würde, daß ihnen keine Wahl ,:ehr bleibe, als im Schneesturm der Winternächte die endlosen Straßen der Weltstadt obdachlos zu durchwandern und jeden Tag der kommenden Nacht, und jede Nacht dem anbrechenden Tag mit Grauen entgegenzusehen.
ü ü monats-Beitoge: r. s
Fuldaer Eeschichtsblätter
indem sie trotz deS entschiedenen Widerspruchs der Konservativen und des Zentrums die Trennung der Deckungsvorlage von der Wehrvorlage im Budgetausschuß durchdrücklen. Der Befehl von links lautet: Die Wehrvorlage soll unbedingt sofort erledigt werden, die Teckungsvorlage möglicherweise noch im Sommer.
Gegen diesen Beschluß, der gegen die Natur der Dinge frevelt und auf eine Vergewaltigung der Rechte und des Zentrums ausgeht, haben sich die angegriffenen bürgerlichen Parteien mannhaft zur Wehr gesetzt. Das Zentrum gab eine förmliche Erklärung zu Protokoll, die klipp und klar jagt: Eine Verabschiedung der Wehrvorlage ist der Zentrumsfraktion erst möglich nach der Entscheioung über die Deckungsfrage! Die Konservativen sprachen sich in demselben Sinne aus. Und die Regierung? Sie blieb auch in diesem ernsten Augenblick „diplomatisch". Natürlich will sie den Grundsatz „Keine Ausgaben ohne Deckung" nicht preisgeben, aber sie will es auch mit den liberalen Taktikern nicht verderben; daher keine klare Stellung zu der entscheidenden Frage, ob die D kung gleichzeitig mit der Äehrvorlage von derselben positiven Mehrheit entschieden werden muß.
Die Ltberalen sagen, sie hätten einen großen Triumph über die „Schwarzblauen" davonqetragen. Dazu ist zu bemerten, daß erstens der „Triumph" nichts anderes, als Verwirrung und Schwierigkeiten für die Reichsgeschäfte herbeifuhrt, und daß zweitens die wirklich triumphierende Partei nicht der Liberalismus ist, sondern die Sozialdemokratie. Als das Reich die gewaltige nationale Aufgabe der Hecresverstärkung und des Webrgeld- opsers in Angriff nahm, da mußte die sozialdemokratische Partei mit ihrer Ausschaltung rechnen; aber die liberalen Taktiker haben der Um stürz pari ei zur ausschlaggebenden Stellung verhalfen.
Der Vorteil für die sozialdemokratische Partei ist so groß und so handgreiflich, daß die Roten selbst bei diesem Manöver an der Spitze marschierten. Die sozialdemokratischen Vertreter setzten sich zu allererst dafür ein, daß die Wehrvorlage vorweg erledigt und die Deckungsvorlagen getrennt und später behandelt würden. Das taten die erklärten „Gegner des Militarismus" natürlich nicht aus Liebe und Sorge für die Heeresverstärkung, sondern in der Berechnung, daß sie dadurch die zwei größten positiven Parteien ärgern und lähmen, Spaltung und Verwirrung anrichten und im Trüben für ihre Parteizwecke fischen könnten. Sobald die Deckungsvorlagen von der Wehrvorlage getrennt sind, kann die Sozialdemokratie als das Zünglein in der Wage sich aufipielen. Der letzte Sinn und Zweck des taktischen Manövers der Linken ist ja auch nur der, in der Steuerfrage die Rechte und das Zentrum mit Hilfe der Sozial demokratie zu vergewaltigen.
Wenn wir nun die „siegreiche" (vorläufig siegreiche) Mehrheit einfach Rotblock nennen, so wird aus den nationalliberalen Kreisen sich wahrscheinlich Widerspruch erheben und das „Bündnis mit der Sozialdemokralie" wieder bestritten werden. Wir möchten wünschen, daß man nicht die Wahrheit bestreite, sondern lieber die fatale Wirklichkeit ändere. Wie es mit dem Bündnis stebt, das kann man nur zu deutlich aus der heutigen .National« z t g/ sehen In den Triumphgesang wird Dank und Freude darüber ausgedrückt, daß die Sozialdemokratie den ernsten Willen bekunde, ihre Macht nicht ungenützt zu lassen und auch bei den Steuergesetzen positiv mitzusprechen. Bei der Besprechung oer weiteren Möglichkeiten rechnet der liberale Wortführer fortwährend auf die verständnisinnige Beihilfe der Sozialdemokratie. Er hält es für recht wohl denkbar, dan bei der Endabstimmung über die Wehrvorlage die Sozialdemokraten nicht.mit Nein stimmten, sondern sich der Stimmabgabe enthielten, um den
c. Die Wehrvorlagen in der Bridget- kommisfion.
Die Mltlwochsitzung des BudgetauSfchusses wurde mit der erwarteten GeschäftSordnungS- debatte eröffnet. Ein Sozialdemokrat er- klärte, feine Freunde seien mit dem sofortigen Eintreten in die zweite Beratung der Wchrvorlaze kinver-
Nein, es kostete ihn wirklich keine große Ueberwin- dung, die Grämlichkeiten einer alten Frau zu ertragen und freundlich und geduldig dabei zu bleiben — nun, da er wieder ein sicheres Dach über seinem Haupte und die Möglichkeit wußte, in irgendeiner Zeit etwas vor sich zu bringen.
lind es kostete ihn noch viel weniger Mühe, seinen lieben Alten zuhause die allerschönsten und lustigsten Dinge zu schreiben, wie er nun in einem guten Hafen gelandet, und daß in seiner Sparkaffe schon etwas klappere und daß es gewiß nicht mehr lange dauern werde, bis sie ganz dumpf und schwer töne, und er möchte wetten, daß von da bis zum Grundstück für das künftige Famrlienhäuschen nicht mehr gar zu weit sei.
Als er an diese Stelle seines Briefes kam, tönte wieder die bekannte Klingel, und er stürzte hinein zu Mrs. Ratter, um dort die höchst trocken gemachte Mitteilung zu empfangen, Mrs. Ratter hätte ihre Angelegenheiten in dieser Stadt nun beendet, und sie rechn« auf seine Hilfe beim Packen.
Nächsten Tag war sie fort.
Es entstand eine formlicke Verkehrsstockung unten vor der Einfahrt, als Mrs. Ratter sich ihren Koffern zugesellte, die Fred dem Kutscher aufladen half; denn die Kellner aller Etagen wollten sich das Veranügen nicht entgehen laffen, die hartgesottene Sünderin absahren zu sehen und sich durch den Augenschein zu versichern, daß sie wahrhaftig und wirklich davon sei.
Von allen Seiten drangen sie jetzt auf Fred ein.
„Nun, Lämmchen! Sanfter Ritter! Ist Deine stille Hingebung endlich belohnt worden? Wie hoch hat dieser weibliche Harpagon Deine guten Dienste geschätzt?"
„Grenzenlos", spottete ein anderer, „denn sie hat keine Zahl dafür gefunden."
Er hatte recht; Mrs. Ratter war davongefahren, ohne ihrem treuen Diener auch nur einen Cent zurückzulassen.
Aber kaum waren einige Tage verstrichen, da brachte die Post dem wackeren Jungen einen Scheck auf runde hundert Dollars. Msenderin Mrs. Ratter.
flnirigtn: Der Novm einer elnsxaMgen Colon «hilft, 47 mm breit, tostet 15Pfg. Reklamen: Der Raum einer Colonebeile, T4 mm breit, kostet 40 pfg. Bet Wiederholungen Rabatt. $ür Offert- und fluskunftanjeiaen 20 Pf. extra. 3n Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt fcinfeillp. Erfttlurpeori für dar Anklagen von Sortierungen ist $ulba. flnidgen-flnnchme dir 10 Uhr vormittags, s :: Größere fimcigen erbitten wir uns tags vorher. ::
Frage der Deckung zu klären sei. Ein national- liberaler Abgeordneter erklärte, seine Freunde hiel- ten die Verabschiedung der Vorlage für unbedingt notwendig. Sie seien überzeugt, daß es möglich sein werde, noch in diesem Sommer auch die Frage der Kostendeckung zu erledigen. Reichsschatzsekretär Kühn erklärte, die. Reichsleitung vertrete den Standpunkt, daß die Unkosten der Heeresvermehrunz nicht auf Anleihen übernommen werden dürften, sondern daß die Deckungs. frage ebenfalls im Laufe des Sommer? gelost werden müsse. Ein Konservativer fragte noch einmal, ob die verbündeten Regierungen nicht eine gleichzeitige Verabschiedung der Deckungsgesetze mit der Militär. Vorlage verlangen, oder wenigstens darauf bestehen, daß die Deckungsvorlage soweit geklärt sei, daß ihre rechtzeitige Erledigung mit Sicherheit bevorstehe. Diese Fragen würden die Konservativen solange wiederholen müssen, bis sie klar beantwortet seien. Staatssekretär
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 28. Mai 1913.
Die sozialdemokratische Interpellation betr. Einschränkung des Bereinsgesetzes und des Pretzgesctzes in Elsaß-Lothringen wird abgesetzt, da der Reichskanzler sich durch den Staatssekretär Dr. Delbrück zur Beantwortung Ende bet Woche bereit erklärt.
Es folgt die 2. Beratung des
Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesrtzes.
§ 1 bestimmt: Deutscher ist 1) wer die Staatsangehörigkeit in einem Bundesstaate besitzt, 2) wer die unmittelbare Reichsangehörigkeit besitzt.
Abg. Dr. Landsberg erkennt die Verbesserungen, der Vorlage an, verlangt aber noch weitere, insbesondere bezügl. des Rechtes der Frau.
Abg. Dr. Belzer (Zentr.) stimmt dem Gesetzentwürfe zu, da er den Wünschen zahlreicher Kreise und besonders der Auslandsstaaten entspräche. In Zukunft verliere der Ausländsdeutsche die Reichsangehörigkeit nur mit der ausdrücklichen Willenserklärung oder einer dahingehenden Handlungsweise. Bezüglich der Kritik des Vorredners betont er, daß seine Partei nach ihrer Auffassung von der Ehe als unauflösliches Band die Frau der Staatsangehörigkeit des Mannes folgen lasse und daher alle Anträge, die an diesem Prinzip rütteln wollten, von vornherein ablehnen müsse. Bezüglich des Erwerbs der Staatsangehörigkeit wünscht er, daß nur moralisch einwandfreie und wirtschaftlich tüchtige Leute naturalksiert werden. Das Religionsbekenntnis dürfe keinerlei ausschlaggebende Rolle spielen. Einen direkten Anspruch auf Naturalisation erkennt der Redner nicht an. Mit besonderer Freude begrüßt er die Er- leichterungen, die für die Einbürgerung ehemaliger Deutscher, die sich im Inlands nicht niedergelassen habeck, geschaffen wurden. Die Regierung hat das weit- gehendste Entgegenkommen in dieser Hinsicht zugesagt, und wir haben unS gefreut, daß die Negierung hierbei mit warmen Worten auf unsere Missionare hingewiesen hat, die infolge deS Kulturkampfes zum Verlassen der Heimat genötigt waren. Wir geben uns der bestimmten Erwartung hin, daß nicht nur die Missionare, sondern auch die Geistlichen, die in den siebziger und achtziger Jahren im Auslande, in Oesterreich und Belgien, eine Unterkunft gefunden haben, weitgehendes Entgegenkommen finden werden. Im allgemeinen erblicken wir in dem Entwürfe so große Fortschritte und Verbesserungen im Interesse der Stärkung des Deuffchtums, daß wir einmütig diesem Entwurf mit Freude zustimmen werden. (Lebh,-Beif.)
Abg. Beck-Heidelberg (natl.) begrüßt ebenfalls den Entwurf im Interesse der Stärkung des Deutschtums im Auslande. Der Staat muß aber das Recht haben, Bewerber um die deutsche Staatsangehörigkeit auf ihre Würdigkeit zu prüfen und wir können es dem Staate nicht verargen, wenn er Elemente, die die ganze Staats- orbnung stören wollen, nicht mit Freuden aufnimmt. Das- gilt auch für die dänische Agitation, die durchaus nicht so unschuldig ist, wie man es uns glauben machen möchte.
Abg. Dr. Giese (kons.): Auch wir erblicken in dem Entwurf ein Stück nationaler Arbeit und hoffen, daß durch ihn das Deutschtum int Auslande gestärkt wird. Für ausgeschlossen halte ich es aber, den Ausländern einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung zu geben. In der Frage der Staatsangehörigkett der Frau steht der Redner durchaus auf dem Standpunkte oe§ Zentrums.
Abg. Dr. Blunck (Vp.) ist der Ansicht, daß man den in Deutschland lebenden Ausländern die Einbürgerung erheblich erleichtern soll und den in Deutschland geborenen auf ihren Wunsch ohne weitere? naturalisieren solle. Er ist ebenfalls der Ansicht, daß bte Frau ohne weiteres die Staatsangehörigkeit des Mannes erwirbt.
Abg. Herzog (W. V.): Die Lage Deutschlands bringt es mit sich, daß es leicht zum Sammelbecken unerwünschter Elemente wird. Deshalb sollte man den Erwerb der Reichsangehörigkeit nicht zu leicht machen. In dieser Hinsicht versagt aber das Gesetz.
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Dombeck (Pole), v. Lieber (Rp.) und Högy (Els.) wird § 1 der Vorlage in der Kommissionsfassung angenommen.
Donnerstag: Fortsetzung und kleine Vorlagen.
standen. Der konservative Redner sprach sich da. 3, daß gleichzeitig mit der Wehrvorlage auch die der Deckung zu klären sei. Ein national-
Kühn erklärte daraufhin: Die Reichsregierung besteht mit aller Entschiedenheit darauf, daß bei Verabschiedung der Wehrvorlage auch die Deckungsfrage ihre Klärung finde. Abg. Gröber führte aus, daß Zentrum werde einig u. geschlossen an feinem alten Grundsätze, keine Ausgaben ohne Deckung, festhalten. Wehrvor- läge und Deckungsfrage bilden eine materielle Einheit., Sie müßten daher gleichzeitig erledigt werden.
Bei der nun folgenden Abstimmung beschloß die Mehrheit (15 Stimmen der Nationaliberalen, der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokraten) so- fort in die zweite Lesung der Militärvor- läge einzutreten. Die Konservativen, das Zentrum, der Elsässer und der Pole blieben mit ihren 13 Stimmen in der Minderheit.
Daraufhin gab das Zentrum durch den Abg. Gröber folgende Erklärung ab: „Die ZentrumSfrak- tion hält einmütig und geschlossen an dem Grundsätze fest, keine Ausgabe ohne Deckung. Unsere Abstimmungen in der gegen unseren Willen oorgenommenen zwei, ten Lesung der Wehrvorlage können daher nur vor- läufige sein. Eine Verabschiedung ist der Zentrunis- fraktion erst möglich nach der 'Entscheidung Über die Deckungsfrage. Unsere Stellungnahme zur Wehrvorlage _ wird abhängen von der Art und Weise der Lösung der Deckungsfragen."
Darauf trat man dem Kommissionsbeschluß gemäß in die zweite Lesung der Wehrvorlage ein. Im Vordergrund der Beratung stand die Frage bei 51 a- vallerievermehrung um 6 Regimenter. Bekanntlich hatte die Kommission vor PfinKten von sechs angeforberten neuen Kavallerieregimentern mit 16 gegen 12 Stimmen nur drei Regimenter bewilligt. Mit derselben Mehrhett wurde auch wieder nach längerer Debatte die Regierungsvorlage abgelehnt und der Beschluß der ersten Lesung bestätigt. Für die Ug lehnte Regierungsvorlage stimmten die Konservativen (4), die Nationalliberalen (4) und 4 von 7 Mitgliedern des Zentrums.
Nach kurzer weiterer Debatte über einige zu dem Ergänzungsetat vorliegenden Anträge bezw. Resolutionen wurde die Wehrvorlage nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen.
Zum Schluß der Sitzung bestätigte der Reichsschatz- sekretär Kühn dem Grafen Westarp auf dessen präzise Frage, daß er seine Erklärung in bezug auf die Erledigung der Deckungsvorlage mit der Militär- Vorlage im Namen der Reichs Verwaltung abgegeben habe.
Nächste Sitzung Donnerstag: Deckungsftage und Wehrbeitrag.
Von der knappen Mehrheit, die sie im Reichstage haben, machten am Mittwoch die verbündeten Liberalen und Sozialdemokraten rücksichtslos Gebrauch,
Fred schreibt nach Hause,
Von Therese Schäfer.
(Nachdruck verboten)
(Schluß.)
Bei dieser Beschäftigung trat sein Zimmergenosse ein. „Schicksalstücke!" rief dieser gutgelaunt. „Eben ist mir ein guter Freund aus der Heimat in die Hände gelaufen, der mich überredet hat, ihm in, seine junge Ansiedlung zu folgen, die sich, wie er mir erzählt, schon fein herausmausert und auch einer zweiten Arbeitskraft noch reichliche Aussicht verspricht. Und zu gleicher Zeit trifft sich eine Stelle als Zimmerkellner im Atlaittic-Hotel, wo ich's in einer Stunde perfekt machen fall- Da stehe ich nun wie der Esel zwischen den zwei Bündeln Heu —"
„Und wonach steht Ihr Sinn? fragte Wagner mit heimlichem Zittern und unsicherer Stimme.
„Zum Freunde. Die Stadt hab' ich gründlich satt. Anderseits möchte ich aber auch die braven Jungen im Atlantic nicht im Stiche lassen. Es wäre allerdings ein Ausweg offen, alle Teile zu befriedigen, wenn nämlich jemand an meiner Statt —"
„Könnte ich vielleicht?" . . -
„Ob Sie könnten! Ich wagte nur nicht recht —" So wurde Alfred Zimmerkellner im Atlanttc, und es war an diesem Abend keine Seele in der Millionenstadt, die sich glücklicher und mit heißeren Dankgebeten zur Ruhe begeben hätte, als der junge Deutsche, der die Ueberfahrt in dem Glauben angetreten hatte, in jedem der großen Exporthäuser stehe ihm ein Kontvrstuhl offen/ .
Von seinen Kollegen stach „Frcd", wie ihn das Personal kurzweg nannte, durch unverdrossene Dienstwilligkeit angenehm ab.
Da ihr Nationalgefühl diesen stolzen Söhnen Amerikas nur dann erlaubte, die Gäste zuvorkommend zu bedienen, wen» ein entsprechendes Trinkgeld ihren Wünschen Nachdruck gab, fügte es sich von selbst, daß dem jungen Deutschen alle „genauen" Passagiere zugewiesen wurden. Unter diesen war
* Gefahren für Deutschland.
Vor einiger Zeit ist ein Verband zum Schuhe der deuischen Tabakindustrie gebildet worden, dein die führenden Organisationen des Tabakgewcrbes, so der Deittsche Tabakverein, der Verband der deutschen Zigarettenindustrie, der Verband Deutscher Zigarrenladeninhaber und der Zentralverband deutscher Hcm- delsagenten-Vereine als korporative Mitglieder angehören. Von diesem Verbände wird seit Monaten eine rege Aufklärungstätigkeit in Versammlungen und in der Presse entfaltet, wie von ihm auch bereits sonstige praktische Maßnahmen ergriffen worden sind, um dem weiteren Vordringen des englisch- amerikanischen Trusts zu begegnen. So hat er die unabhängigen deutschen Zigarettenfabriken durch einen Vertrag, in dem hohe Konventionalstrafen vor» gesehen sind, verpflichtet, sich weder direkt noch indirekt an den Trust oder eine Tochtergesellschaft zu verkaufen. Er wird auch in kurzer Zeit ein geschütztes Antitrustzeichen herausbringen, das den Fabrikaten beigegeben wird. Dem Auskauf eines für die Fabrikation notwendigen Patentes durch den Trust ist er zuvorgekommen.
Das Wesen und die Gefahren des amerikanischen Trustwesens dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Es gibt heute in den Vereinigten Staaten kaum mehr eine bedeutende Industrie, die nicht mehr oder weniger der Vertrustung anheimaefallen wäre. Die Folge war die Unterdrückung zahlreicher selbständiger Existenzen, die Vereinigung der unbeschränkten Macht in den Händen verhältnismäßig weniger Milliardäre, und vor allem eine rücksichtslose Ausnützung der Konsumenten. Die Verteuerung hat unter der Trustherrschaft allmählich dahin gefühtt, daß sich das amerikanffche Volk mit Entschiedenheit gegen sie wandte.
lieber den amerikanischen Tabaktrust haben wir die Leser bereits früher aufgeklärt, weil er schon früh versucht hat, seine Herrschaft auch auf andere Länder, so auch auf Deutschland, auszudehnen. In England eroberte er sich nach kurzer Zeit des Kampfes den größten Teil der Industrie und des Handels. Er wußte letzteren durch das Versprechen auf seine Seite zu bekommen, eine Million Dollar und außerdem den Reingewinn von einem Jahre an diejenigen Händler zu verteilen, die sich verpflichteten, seine Waren zu führen. Nach der Eroberung des Marktes gründete der Trust eine große Anzahl eigener Verkaufsgeschäfte, so daß die Händler mehr unt mehr ausgeschaltet wurden.
Nach Deutschland streckte der Trust erstmals im Jahre 1899 seine Fühler aus, und es gelang ihm dann im Jahre 1901, die Firma Jasmatzi in Dresden in seine Hände zu bekommen. Im Laufe der Zeit sind dieser Firma eine Anzahl anderer Fabriken angegliedert worden, so die Zigarettenfabriken