Einzelbild herunterladen
 

Zuldaer Zeitung

Ntttwoch 28. Mai 1915.

v

m*

m-,

ta»

an

?r

er,

ria*

9

ta*

Lr-

tter i,

safr lleo, ingt

bei itt- in

rer»

ite» I mil Hw be»

st« im gen be- ort

(114

8011

kd.

In

Physiognomie verändert zu haben; es ruhte ein tragischer Schleier auf allen Gegenständen, einen schicksalschwangeren Geist sah ich über Städten und Dörfern schweben . . .

Der Tag war vergangen, das Hauptquartier be­hauptete seine Stellung auf der Höhe die Nqcht über; es war beschlossen, bte Schlacht am zweiten Tage zu erneuern. In der Nacht spät stand ich neben dem Artilleriegeneral Braun; in dem weiten Umkreise, den wir übersahen, zählte ich die Flammen von acht­zehn brennenden Dörfern, ich dachte mir die Lage der vertriebenen Einwohner, ich versetzte mich in die Mitte einiger derselben . . . Die immer wachsende Menge solcher Szenen (der Verwüstung) drängte sich in meine Seele, als ich in der stillen Nacht die Flam­men der brennenden Dörfer erblickte; ich konnte sie nicht los werden, ich war ganz in ihrer Gewalt. Frauen, die ihre Kinder trugen, von Verzweiflung ergriffen, riefen mich um Hilfe an; mutige Männer, die den Angriff der Feinde zurückwiesen, sah ich stürzen. War ich am hellen Tage Zeuge eines gro­ßen Kampfes, dessen wechselndes Glück ich mit teil­nehmender Begeisterung verfolgte, so trat jetzt ein wildes Heer nächtlicher Gespenster mir entgegen, hilfeslehend umringten mich die Gemißhandelten, Zertretenen, mit dem Tode Bedrohten; die wiü>en Gespenster hatten mich in ihre Mitte genommen, und die Greuel des Krieges ergriffen mich bis zum Ent­setzen.

Noch war alles stille, aber kaum eine halbe Stunde verstossen, als wir das vereinzelte Gewehrfeuer hier und da vernahmen, wo die einanderstehenden Vor­posten sich wechselseitig angriffen. Einzelne Kanoucn- chüsse beider Heere brachten den ernsthaften Morgen­gruß: Generale und Adjutanten fanden sich zusam­men. Die Angriffe breiteten sich immer mehr und mehr aus, und bald waren sie so allgemein, daß das Ganze nach kurzer Unterbrechung nur eine Fort­setzung des beißen Kampfes am vorigen Tage zu sein, chien. . . Es war Nachmittag, als es Hoi'toativ daß wir die lange behaupteten Krcckwitzer Höhen verlassen mußten, wenn wir unfern Rückzug in völ­liger Ordnung bewerkstelligen wollten. Hier erlebte ich nun einen Austritt, der mir unvergeßlich geblie­ben ist. Blücher, zornig und voll Ingrimms, konnte* ich nicht entschließen, untätig das so lange behauptete Zentrum unserer Position aufzugeben. Auf den

r ab 3119 >Ps.

16 5 in g

B a a

2. Blatt.

vrock der 5»!daer ZttieitbniCfrtt in Selbe.

m, M

Lokales.

Fulda, 28. Mai 1913.

# Personalien. Den Eisenbahnobersekretären Groß und Scotti in Frankiurt (Main), Stridde in Kassel und Bauer in Gießen wurde der Charakter als Rechnungsrat verliehen. Zur Hilfeleistung in den landrätlichcn Geschäften ist Regierungsaffestor Baum aus Kastel dem Landrate des Kreises Memel zugeteilt worden. Der Reg.»Hauptkastenkaffierer Meynecken bei der Regierung in Düffeldorf wurde zum Oberbuchhalter bei der Rcgierungshauptkasse in Kassel ernannt.

* Verliehen wurde dem Eisenbahnmaschinisten a. D. Reuß zu Frankfurt a. M.-Eckenheim das Verdienstkreuz in Silber und dem biherigen Eisene bahnmaschinenputzer Kurth zu Bebra das Allgemein- Ehrenzeichen.

X Schwurgericht. Die zweite diesjährige Schwur­gerichtsperiode beginnt am Montag, den 7. Juli.

-n Jahrmarkt. Der heute und morgen hier statt- findendi. Krammarkt hat einen noch nie dagewesenen Besuch von auswärtigen Verkäufern aufzuweisen. Es mußten ganze Reihen von Verkaufsbuden neu ein­gerichtet werden, so daß diese bis zum Oifizierskasino und auf der anderen Seite bis zum evangel. Lyzeum reichen. Sogar der Platz am Porzellanmarkte mußte teilweise in Benutzung genommen werden. Während also die Fuldaer Viehmärkte — wenn auch hoffentlich nur für turze Zeit — zurückaehen, erfreuen sich die

ch. Born Handwerk und seiner Selbstverwaltung.

Kürzlich brachte die offiziöse „Norddeutsche All­gemeine Zeitung" einen höchst bemerkenswerten Ar­tikel über das Selbstverwaltungsrecht und die Ver­waltung der Innungen. So führte das Blatt u. a. aus,

die Erfahrung habe gezeigt, daß das dem Handwerk in den Innungen verliehene Selbstverwaltunzsrecht nur ungenügend durchgeführt werde. Die sämtlichen Verwaltungsarbeiten und die Durchführung aller in der Innung beschlossenen Maßnahmen in der Innung habe man den Vorständen überlassen und nicht berück­sichtigt, daß es diesen vielfach an der nötigen Zeit fehle, alle diese Aufgaben boll zu erfüllen. Es scheine danach notwendig zu sein, wo es möglich sei, den Innungen einen eigenen Verwaltungsapparat an die Hand zu geben, der unter Aufsicht des Vorstandes die laufende und ausführende _ Verwaltung versehe und neue An­regungen geben könne. Da es nun selten möglich sein werde, für jede einzelne Innung eine eigene Verwal­tungsstelle zu schaffen, so seien doch die Gesamtinnun­gen einer größeren Stadt oder eines Bezirks, wenn nur etwas Opfersinn vorhanden sei, in der Lage, im An. schlutz an den Jnnungsausschuß eine gemeinsame Ver­waltungsstelle ins Leben zu rufen und deren Geschäfts- führer zum Verwalter der einzelnen Innungen zu machen. ...

Jeder Kenner der Verhältnisse wird zugeben, daß es in der Tat viele Innungen gibt, die in keiner Hinsicht Bemerkenswertes leisten und aus diesem Grunde keine auch nur geringe Bedeutung zu erlangen vermögen. Hier liegt es nicht an der Materie, son­dern am Geist, und der geht — oder sollte wenigstens gehen — von der Verwaltung der Innungen aus. Soll eine Innung gedeihen, so bedarf sie einer kundi­gen, gewandten und energischen Leitung, die vor Schwierigkeiten nicht zurückschreckt. Da aber liegt es furzest bei den meisten unserer Innungen noch sehr an Argen, und müßte vielerorts, wenn es endlich vorwärts gehen soll, eine gründliche Reform vorge- nommen werden.

Heute liegt die Verwaltung der Innungen in Händen des Vorstandes (Obermeisters, Ausschüsse). Es ist nun nicht möglich in unserer heutigen Zeit, einer Zeit intensivsten Daseinskampfes, des hasten- den rastlosen Ringens eines jeden Einzelnen und ins­besondere des selbständigen Handwerkers, von den Jnnungsverwaltern im Ehrenamt und ohne ange- meffene Vergütung, die Verwertung einer Befähigung zu verlangen, die nur auf Grund eingehenden Stu­diums und liebevollen Eindringens in 'den Geist und Inhalt der bezüglichen Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen genommen werden kann. Es ist ein­fach unmöglich, von diesen Herren zu verlangen, daß sie ihr Wissen und Können, ihre Tatkraft, chren Ein­fluß der Förderung tijrer persönlichen, familiären und Geschäftsinteressen entziehen und lediglich tu den Dienst der Innung stellen.

Diese Tatsachen lassen klar erkennen, welcher Art die Gründe sind, weshalb es mit vielen Innungen nicht vorwärts gehen will. Ohne Zweifel kann nur eine Innung höchst wertvolles, ja unersetzliches für chr Handwerk — wie für das Handwerk überhaupt — wirken, wenn sie gut geleitet (verwaltet) wird. In der Hand des Unfähigen und Unlustigen ist das beste Werkzeug zu nichts nütze. Wir können daher der Anregung der „Nordd. Allgem. Ztg.", daß die Innungen sich (wo es möglich sei) einen eigenen Verwaltungsapparat an die Hand geben möchten, in deren eigenstem Interesse nur zustimmen.

Für viele Innungen bezw. Jnnungsausschüste be­deutet dies eine Reform ihrer Verwaltungsmethode. Vor allem heißt es als Jnnungsverwalter (Geschäfts­führer oder Sekretär, der Name tut zur Sache nichts) einen geschästsgewandten, energischen Mann, von klarer Urteilskraft und großem, freudigen Schaffens­geist zu gewinnen. Derselbe braucht nicht notwendig Handwerker oder Jnnungsausschußmitglied zu sein und könnte, als Beamter der Innung resp. des Jn- nungsausschustes gelten. Von der glücklichen Lösung der Frage einer solchen Kraft dürfte für die Folge noch für manche Innung Leben und Gedeihen ab­hängen. Natürlich würden solche nach großzügigeren Gesichtspunkten zu erstrebende Reformen größerer Mittel als bisher für die Verwaltung der Innung (wo ja die Aemter ehrenamtlich verwaltet wurden) erfordern, doch ist ohne dies an eine Besserung der Verhältniffe und an ein Vorwärtskommen nicht zu denken. Eine Erhöhung der Jnnungsbeiträge für viele Innungen dürste daher nicht zu umgehen sein,

und gerade in Finanznot haben — wie die Statistik klar beweist — in den 15 Jahren seit Bestehen des neuen Gesetzes, viele Innungen die Hemmniste einer gedeihlichen Entwicklung zu suchen. Gibt cs doch noch viele Innungen, die nur 4, 3 Mark, ja sogar 2 Mark Jahresbeitrag erheben. Oft sogar werden diese geringen Beiträge von den Mitgliedern noch bekämpft, vielfach von jenen, die anderwärts ohne wei­teren Nutzen auf einmal den mehrfachen Betrag zu ihrem bloßen Vergnügen ausgeben. Die ganz anders würde manche Innung dastehen, wenn bisher eine energische, geschäftsgewandte und arbeitsfreudige Kraft ihre Geschäfte geführt hätte.

Aufgabe eines solchen Mannes ist es, außer der dorteichaften Erledigung der Jnnungsarbeiten auch belebend und anregend zu wirken. Und wie viel­gestaltig sind oder können die Aufgaben einer Innung sein! Nennen wir nur die verschiedenen Ausschüste: Gesellen-, Gesellenprüfungs-, Lehrlings - Ausschuß, Ausschuß für die Bekämpfung des Borgunwesens und unlauteren Wettbewerbs, Tarifschutzkommission u. s. w. Dann die verschiedenen Nebeneinrichtungen, welche eine Innung zum Besten ihrer Mitglieder er­richten kann: Krankenkasse, Sterbekasse, Unter­stützungskaffe, Schiedsgericht, die verschiedenen Ge­nossenschaften (meist Kredit- und Rohstoff-Genosten- schasten) Einziehungsamt. Hauptaufgabe des Ver­walters oder Geschäftsführers der Innung (des Jn- nungsausschusses) wäre natürlich die Erledigung der Buchführung und der gesamten Korrespondenz der Registratur und Statistik. Letztere ist höchst notwen­dig. Behauptungen beweisen nichts, Zahlen dagegen beweisen. Um Aufklärung über die Verhältnisse und Daseinsbedingungen u. s. f. eines Handwerks (In­nung) zu erhalten, und um da, wo es not tut, helfen zu können, muß ich klar sehen können und die Ur­sachen seiner Erfolge oder Mißerfolge wiffen. Hier reden allein die Zahlen, und so dürften sich Sta­tistiken empfehlen über die Beschäftigung der Ge­sellen, Lehrlinge, Aushelfer, Lohnzahlung, stattgchab- ten Submissionen und über die dabei zutage getrete­nen Mißstände, über Materialienpreisbewegungen, über Schädigungen des Handwerks durch Waren­häuser, Wanderlager, Konsumvereine, Straf- und Besserungsanstalten, angebliche Fabrikniederlagen, Ausverkäufe, Schleudergeschäfte, unzuverlässige Bau­unternehmer u. s. f.

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier in de­taillierter Weise über die Aufgaben einer Innung oder eines Jnnungsausschusses zu schreiben, unsere Absicht war lediglich, die offiziöse Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg." nach unserer Meinung zu kom­mentieren, und auch wir möchten wünschen, daß das Handwerk diese Anregung zu einer zeitgemäßen Re­form oder zur Einführung moderner Berwaltungs- grundsätze bei neu zu errichtenden Innungen sich bestens dienen lassen möge.

zweiten Tage sand er dagegen in Blücher, der das Zentrum kommandierte, einen harten Gegner, den er nicht zu werfen vermochte. Allein die Uebermacht wäre schließlich auch hier gefahrbringend geworden und so zog der „Marschall Vorwärts" es vor, wenn auch mit innerem Unbehagen, das Gefecht aufzugeben und die Truppen in voller Ordnung zurückzuziehen. 20 000 Franzosen waren die Opfer des Kampfes, während die Verbündeten wenig mehr als die HAfte verloren. Napoleon selbst war am wenigsten be­friedigt, denn er konnte nicht von einem durchgrei­fenden Erfolge sprechen und mußte den Feind un­überwunden weiter nach Schlesien abziehen sehen. Der ehemalige Breslauer Professor Steffens er­zählt uns in seinen Memoiren „Was ich erlebte" von )er Schlacht bei Bautzen u. o. das Folgende:

„Es war Mittag, als ich auf der Höhe ankam, wo sich Blücher aufhielt. In der Mitte des Hügels erhob sich ein kahler Granitfels. Der klare helle Tag ließ uns das ganze weite Schlachtfeld übersehen. Bei Löbau und in der Umgegend sahen wir, obgleich in weiter Entfernung, den Kämpfen der Russen zu; Bautzen lag vor uns, aber hinter Hügeln versteckt; nur die Turme ragten hervor. Zwischen dieser Stadt und uns, an den Ufern der Spree fanden die lebhaftesten Angriffe statt;, aber diese waren uns verborgen, denn diesseits wie jenseits des Flusses er­hoben sich die Hügel, nur hörten wir das Gewchr- euer in großer Nähe. Einzelne Kanonenkugeln er­reichten usts schon am ersten Tage; Berichte kamen und gingen, ab. Im ganzen war man am ersten Tage mit dem Erfolge nicht unzufrieden. Unsere Truppen behaupteten fast an allen Stellen ihren Platz, unsere Position war nirgends bedeutend angegriffen. Es ing an dunkel zu werden: nach allen Gegenden hin oarb es stille, nach bem lärmenben Tage mit seinen lebhaften Angriffen erfolgte eine wunberbare Ruhe; nur hier unb da hörte man einzelne Schüffe. — Den ganzen Tag über konnten wir, ohne bedeutend ange­griffen zu sein, mit Ruhe das Schlachtfeld übersehen. Wenn ich das Auge erhob . . . wie seltsam trat es mir entgegen! Wie verhängnisvoll erscheint über­haupt eine Landschaft während einer Schlacht! — Dir Gegend um Bautzen ist fruchtbar, eine Menge Dör» er umgaben uns; alle, wie wir vermuten konnten, waren von den Bewohnern verlall-n, Bautzen von dem Feinde" besetzt. Die Landschaft schien chre ganze

einigungen Deutschlands geschrieben, schon sehr viele Prinzipale, die ihren Angestellten unter Weiterbezahluna des Gehaltes einen Erholungsur­laub jedes Jahr gewähren. Aber auf der andern Seite fehlt es auch nicht an solchen, die meist aus- Mangel an sozialem Verständnis ihren Angestellten den Urlaub vorenthalten. Es ist deshalb auch bei uns in Deuffchland schon die Forderung nach einer gesetzlichen Einführung des Erholungsurlaubes erho­ben worden. Wir würden es lieber sehen, wenn wir ohne gesetzliche Bestimmung auskommen könnten, wenn also die Prinzipale aus freien Stücken in rich­tigem sozialen Verständnis und in richtiger Erkennt­nis der Tatsache, daß der Urlaub nicht nur für den Angestellten von Nutzen ist, sondern daß er auch in­folge der durch ihn erhöhten Arbeitslust und Schaf­fensfreudigkeit der Angestellten dem eigenen Geschäfte zugute kommt, diesen regelmäßig einen Erholungs­urlaub unter Weiterzahlung des Gehalts gewährten. Es ergeht deshalb jetzt, wo die Sommerzeit beginnt, an alle Prinzipale die dringende Bitte, ihren An­ge st eilten einen angemessenen Urlaub 5 u erteilen. Die Geschäfte, in denen bisher schon ein Urlaub der AngestMen üblich war, werden auch, davon sind wir überzeugt, in diesem Jahre die löb­liche Gewohnheit beibehalten. Mögen aber auch die­jenigen Chefs, die sie bisher nicht hatten, jenen fol­gen; sie werden erkennen, daß es chren Betrieben nicht nur nicht zum Nachteil, sondern zum Nutzen gereicht.

Hk. lieber die wirtschaftliche Lage in Riga können Interessenten von der Handelskammer zu Hanau vertraulich Auskunft erhalten.

§ Ter Eisenbahnerverein Fulda macht seine dies­jährigen Ausflüge nach Vacha am 8. und 11. Juni.

Q Erinnerungen an die Freiheits­kriege.

x.

Die Schlacht bei Bautzen.

Nach der harten, unentschiedenen Schlacht von Großgörschen am 2. Mai war das Heer der verbün­deten Ruffen und Preußen östlich zurückgegangen. Ter russische Kaiser Alexander war hierbei die Haupttriebfeder, sei es, daß er seine Truppen schonen, sei es, da er neuen Verstärkungen entgegen­gehen wollte.

Nur unwillig folgte König Friedrich Wilhelm III., der befürchtete, wieder bis an die Grenzen seines Staates zurückgedrängt zu werden, während doch sein Heer und seine Generale und namentlich Blücher darauf brannten, mit dem Feinde die Entscheidung auszukämpfen.

Napoleon war dieses Zurückweichen unter steten, ost waghalsigen Reiterattacken der feindlichen Kaval­lerie durchaus nicht angenehm, einem Manne der schnellen Entscheidung und des gewohnten Erfolges, wie er war, konnte ein solches Ausweichen keines­wegs behagen.

Lange sollte dieser Zustand auch für die Verbün­deten nicht dauern, das litt nicht der unruhige taten» lustige Geist der Armee; aber auch das Ansehen vor Europa, das mit Spannung auf die Entscheidung wartete, verlangte nach Taten. Nicht zuletzt hieß es durch Erfolge Oesterreich, das noch immer un- enffchieden beiseite stand, zu einem Bündnisse gegen den gemeinsamen Bedrücker zu bewegen. Die Stirn» wung im dortigen Volle und Heere drängte schon lange das Land an die Seite der Kämpfer für die Freiheit Europas.

So war das Heer in die Gegend von Bautzen gekommen, wo es eine Woche in festem Lager stand. Die Macht war auf reichlich 95 000 Mann, darunter 33500 Preußen angewachsen. Aber auch Napoleon Witte seine Kräfte vermehrt und namentlich hatten sich ihm die Sachsen, in deren Hauptstadt Dresden Et Jein Hauptquartier aufgeschlagen, wohl oder übel ^schließen müssen. Er zählte über 160 000 Mann unter seinen Aolern.

Genau um die Mittagsstunde des 20. Mai be» Sonn der harte Kampf, der zwei Tage dauern sollte und bei dem Napoleon gleich Bautzen nahm. Dm

Krammärkte eines steigenden Besuchs. Dieser sog. Pfingstmarkt gehört sonst gerade nicht zu den bedeu­tendsten Märkten, da die Landbevölkerung in dieser Zeit viel mit Feldarbeiten beschäftigt ist.

Schöffengericht. Weil er seinen Dienst bei einem Landwirt in Lehnerz unbefugter Weise verlassen hatte, wird der 21jährige Dienstknecht K. von Lieb« Hards zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt. — Ein früher hier, jetzt in Charlotten bürg wohnender Architekt wird wegen öffentlicher Beleidigung des Schutzmanns W. hier zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verurteilt.

** Zur Erweiterung des Bahnhofes Fulda. Im 2. Blatte Nr. 115 war „zur Erweiterung des Bahn­hofes Fulda"'geschrieben, daß die Ausschreibung von Arbeiten den kleineren und mittleren Gewerbetrei­benden eine Enttäuschung gebracht habe, indem 3000 Kubikmeter Erdaushub und 2800 Kubikmeter Beton­mauerwerk in einem Los ausgeschrieben sei. Der Magistrat hat sich sofort an die zuständige Stelle gewendet und es ist ihm darauf mitgeteilt worden, daß es sich um 4 Durchlässe handelt u. eine Trennung un­tunlich gewesen sei, weil die Arbeiten ihrer ganzen Natur nach und mit Rücksicht auf die örtlichen Ver­hältnisse — Anfuhr, Borflut usw., ein unteilbares Ganzes bildeten. Auch sei es ausgeschlossen, eine längere Vollendungsfrist zu gewähren, weil die Frist von 2i/2 Monaten das Aeußerste ist, was nach dem Bauprogramm bewilligt werden könne. Bei wei­teren Ausschreibungen werde, soweit angängig, eine Trennung durch geführt werden, damit auch kleinere und mittlere Gewerbetreibende sich beteiligen können.

~ Gewitter. Der diesjährige Wonnemonat geht bald zu Ende, ohne uns viele schöne Tage beschert zu haben, die meisten waren regnerisch unb kühl. Seit Sonntag dagegen ist ein Umschlag eingetreten, die Temperatur war schwill und erreichte gestern sogar 31 Grab Celsius. Infolgedessen bildeten sich im Verlaufe des Abends mehrere Gewitter, die jedoch hier keinen nennenswerten Regen brachten, da sie nördlich an uns vorbeizogen. Aus der Fritzlarer Gegend wird ein starkes Gewitter mit Hagelschlag gemeldet und in Geismar wurde ein Haus vom Blitz in Brand gesteckt.

L- Ans bem kaihol. Gesellenverein. Zur Jahr­hundertfeier der Geburt des Gefellenvaters Adolf Kolping am 20. unb 21. Juli zu Köln wird auch der Fuldaer Gefellenverein gleich anderen Bruder­vereinen der Diözese eine Fahnendeputation, der sich noch weitere Mitglieder anschließen können, nach der rheinischen Metropole entsenden.

= Briestaubm-Reisevereinigung „Fulbatal", Fulba. Bei dem Wettflug ab Luckenwalde am 25. Mai wurden eingesetzt 346 Tauben. Es errang den ersten Konkurrenzpreis Sersling - Hersfeld, dessen erste Taube eine Geschwindigkeit von 1060.5 Meter pro Minute hatte. Der Fuldaer Verein kann 15 Preise verzeichnen. Nächster Wetlflug findet am Sonntag ab Frankfurt a. d. Oder statt.

— Die Berbinimngsturen zwischen den einzelnen Abteilen der Eisenbahnwagen, auch zu den Frauen­abteilen, sollen zur Sicherheit der Reisenden künftig nicht mehr verschlossen werben.

§§ Zum Hessischen Stäbtetag, der morgen in Roten­burg (Fulda) zusammeniritt, haben sich bis jetzt 92 Teilnehmer gemeldet; es wird diesmal auf eine Teil­nahme von über 100 Vertreter gerechnet.

♦ Erholungsurlaub für Angestellte. Bei bem Ha­sten unb Treiben unseres heutigen Wirtschaftslebens, wo jeßer, ber rnitkornrnen und nicht beiseite geschoben werben will, seine körperlichen unb geistigen Kräfte bis zum äußersten anspannen muß, ist bie Gefahr nicht gering, daß diese Kräfte frühzeitig unb vorzeitig aufgebraucht find, wenn nicht regelmäßig eine Aus­spannung, eine völlige Loslösung von bem geschäftlichen Betriebe unb ben Sorgen be§ Alltags­lebens erfolgt. Zu benen nun, bie in dem wirtschaft­lichen Getriebe am meisten angespannt werden, gehö­ren zweiffellos die Privatangestellten im allgemeinen unb die Handlungsgehilfen im besonderen. Ihnen tut daher ein regelmäßiger Erholungsurlaub vor allem not. Wie sehr man im Auslände von der Notwendig- leit dieses Erholungsurlaubes für die Angestellten überzeugt ist, geht daraus hervor, daß man ihn in Oesterreich gesetzlich festgelegt hat und daß in England bte Gewährung desselben als ganz selbstverständlich gilt, ohne daß eine gesetzliche Vorschrift die Prinzipale dazu zwingt. Auch bei uns gibt es, so wird uns vom Verband kaih. kaufmännischer 93 er»

Aus dem Nachbargebiele.

F. Nenenberg, 28. Mai 1913. Gestern mittag hatte Herr Johann Herzig hier den ersten dies­jährigen Bienenschwarm. Hoffentlich bewahr­heitet sich der Spruch: „Sin Bienenschwarm im Mai ist wert ein Fuder Heu".

-7- Hünfeld, 27. Mai 1913. Gestern abend starb im Landkrankenhaufe zu Fulda der Kreistierarzt Dr. Meyer st raße von hier. Schon vor Jahresfrist erlitt er einen Schlaganfall, erholte sich aber derart, daß er wieder feine Berussgeschäfte ausüben konnte. Zur Erholung und Festigung seiner Gesundheit be­gab er sich vor einigen Wochen nach Bad Orb. Hier jedoch erkrankte er an Blinddarmentzündung, welche eine Uebersührung in das Landkrankenhaus Fulda erheischte, das er nicht wieder lebend verlassen sollte. Herr M. erreichte nur ein Alter von 45 Jahren. Er war ein biederer, liebenswürdiger, freundlicher Mensch und deshalb allseitig belieot. Als Tierarzt war er äußerst tüchtig. Man wird ihm hier ein dankbares Andenken bewahren.

* Schlitz, 27. Mai 1913. Am 5. und 6. Juli d. I. wird hier im sogenannten Hopfengarten das 2 5 j ä h - rige Bestehen des Veteranen- und Militärvereins gefeiert.

♦ Hilders, 26. Mai 1913. Der kürzlich hier ab­gehaltene Lehrkursus des Thüringer bienenwirt­schaftlichen Haupwercins war von zahlreichen Imkern ans bem Rhöngebiete, aber auch aus ben angrenzen­den preußischen unb thüringischen Staaten besucht. Der Vorsitzenbe bes Hauptvereins, Lehrer Z e u n e r, ebenso Lehrer Pölling er aus Windischenbernsborf verstanben es in meisterhafter Weise, die Kursisten in bte Geheimnisse des Jrnmenlebens einzuführen. Von besonderem Jntereffe war auch in diesem Jahre die Einführung in das Schweizer Rassezucht- verfahren, eine Einrichtung, die der Hanpwer- ein seit mehreren Jahren als erste Jmkerorganisation des deutschen Reiches in sein Arbeitsprogramm auf­genommen hat. Die Nachmittage waren zum größ­ten Teil Ausflügen nach gut eingerichteten Bienen­ständen gewidmet.

[:] Tann, 27. Mai 1913. Heute nacht brannte* das vor drei Jahren neuer baute Haus mit Neben­gebäuden des Möbelschremermeisters Werner ab. An den vorhandenen Holzvorräten hatte das Feuer reich­liche Nahrung.

* Talherba, 27. Mai 1913. Auswärtige Blätter berichten von hier folgendes Stückchen, das, wenn nicht wahr, bann gut erfunden ist: Kommt da nach Dal­herda, dem höchstgelegenen, wasserarmen Rhöndorf, eine Gesellschaft aus der Stadt und bestellt im Wirts­haus fünf Glas Wasser und ebensoviele Brote. Der Wirt holt das Verlangte und rechnet am Ende die Zeche wie folgt vor: „5 mal 20 ist 1 Mk., und Hügeln waren wir die ganze Zeit zu Fuß, diesen wie den vorigen Tag; unsere Pferde standen geschützt auf dem von" den Angriffen der Feinde abgewandten Whange. Plötzlich ließ Blücher fein, Pferd bringen, fest entschlossen, sich an die Spitze eines Kavallerie­angriffes zu stellen. Begreiflich taten die Generale alles, ihn davon abzuhalten. Der geordnete Rückzug war völlig gesichert; wenn Blücher sich jetzt persön­lich einer großen Gefahr aussetzte, konnten die Folgen die entsetzlichsten sein. Dem ganzen großen Entwurf des Feldzuges widersprach ein solcher Angriff, unb es gelang nur mit vieler Mühe, ben greifen Helden von seiner Rittertat abzuhalten."

Wenige Tage nachher, am 26. Mai, war es banrt Blücher vergönnt, feinen kühnen Reitermut zu be­weisen. Bei H a y n a u gelang es seiner Reserve­kavallerie unter Oberst Dolffs, ben Franzosen erheb­liche Verluste beizubringen. General v. Clausewitz erzählt über bas kühne Reitergefecht:

„Nachdem bet Feind etwa 1500 Schritt über das Dorf Michelsdorf hinaus war, setzte sich bte Reserve­kavallerie in Marsch. . . Sie legte die Strecke von einer Viertelmeile im Trabe zurück, worauf General von Zieten durch das Anzünben ber Windmühle das Zeichen zum Angriff gab. General Maison erkannte dies sogleich als irgend ein Signal und gab Befehl, Massen" zu formieren; allein seine Truppen hatten kaum Zeit dazu. Ter Oberst von Dolffs nahm . . . den günftigen Augenblick wahr und stürzte sich mit drei Regimentern ohne Aufenthalt in ben Feind. Die feindliche Kavallerie floh und überließ die drei ober vier un rbentlichen Massen, die sich eben formierten, ihrem Schicksal. Diese wurden sogleich ntebergerti« ten, und was nicht niedergehauen oder gefangen ge­nommen wurde, entfloh durch das Dorf Michelsdorf gegen Hanav. Dies alles war das Werk einer Vier­telstunde^. . . De'r Feind ließ seine ganze Arttllerie, die aus 18 Geschützen bestand, stehen . . « Außerdem wurden 300—400 Gefangene gemacht . . . Der Oberst D-ffkffs, 'der tot mitten unter den Feinden blieb, kann an diese n Tage mit Recht einem Seydlitz an die Seite gestellt werden."

Durch das glückliche Treffen war bas Selbstver-- trauen ber auf dem Rückzüge begriffenen Armeen, wesentlich gehoben worben "unb „Vater Blücher" bürste mit gutem Mute an kommende bessere Tage denken.