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Fuldaer Zeitun

Monats-Beilage:

Zuldaer Seschichtsblätter

I n Ziehungslisten der preutzisch-süddevtschnl Klaffen-Lotterie. — Halbjährlich Taschenfahrplan, k

Nr. 120

Erstes Blatt.

Mittwoch den 26. Mai jtz-Z

40. Jahrgang

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Illustrierte Sonnfogszdhmg

«rsched,» kSgstch mit ktusnahme der Sonn- und Zeienage. viertel- jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 mark. •••• Rotationsörudt und Verlag der z s Zuldaer flctienbruckerel in Zulda. Zemjprecher Nr. 9. : s

Nenttcher Reid).

Beendigung der ersten Lesung der Wehrvorlage.

Die Budgetkommission deS Reichstages erledigte am Dienstag in kurzer Sitzung zunächst die zur Wehrvolrage eingegangeneu Petitionen. Sie bezogen sich zum Teil auf die allgemeine Wehrpflicht und den Umfang der Heeresvermehrung, zum andern Teil aus militär- tccknische Erfindungen, Garnisonfragen usw. Die Ein­gaben wurden teils als Material überwiesen und im übrigen durch die Beschlußfassung der Kommission für erledigt erklärt. Die nächste Sitzung der Kommission findet Mittwoch statt. Auf der Tagesordnung steht sc- wohl die 2. Lesung der Heeresvorlage wie die Deckungs­frage. In welcher Reihenfolge diese Tayesordu rng be­raten wird, beschließt die Kommission erst heute.

genug durch die Münchener Gassen, und wir müssen nach ihm tanzen. Da soll doch gleich ein —"

Pirkheimer rüttelte ihn, daß die Schellen klingel­ten, und rief lachend: „Halt' den Schnabel, Grün­specht! Und laß mir die Preußen in Ruh' — das sind anständige Leute, so gut wie wir. . . ."

Ein Helles Mädchenlachen unterbrach ihn; ein allerliebstes Münchner Kindl eiste auf ihn zu und hing sich ihm an den Hals. „Papa — da bin ich! Und wunderschön ist's g'wesen!"

„Na, da haben wir's ja, das Münchner Kindl!" rief Puck, schlug ein Bein über's andere, schob die Laute unter den rechten Arm und griff einen Akkord.

Pirkheimer zog seine Tochter an sich und sagte: „Nun bin ich froh, daß du wieder bei mir bist."

Annie machte verwunderte Augen und fragte: „Hast du dich denn um mich gesorgt? — Das war wirklich nicht nötig, denn ich war in bester Hut."

Puck lachte höhnisch, sodaß sich Annie ihm zu­wandte. „Was lachst du denn?" fragte sie. „Dir geht es, wie mir scheint, ausnehmend gut in deinem Narrenkleid!"

Statt der Antwort begann Puck zu singen:

„Seinen Tropfen im Becher mehr, Und der Beutel schlaff und leer, Lechzend Herz und Zunge —"

Annie lachte, tote eben nur ein Münchener Mädel lachen kann — frisch, herzhaft, innig, toarnt,, herz­erquickend, süß und schalkhaft. „Muß denn immer geliebt und getrunken fein?" fragte sie.

Bor Verwunderung über diese Frage schnellte Puck seine Beine, von denen das eine in weißem, das andere in blauem Trikot steckte, gerade aus und rief: „Ja, wozu wär' man denn sonst auf der Welt?" ,

„Man hat doch auch noch andere Ideale als Bier und Liebe!" belehrte ihn Annie.

Puck warf sich in die Brust. „Hab' ich auch!" rief Puck mit Pathos. „Die Kunst — und dann dich, das süßeste Mädel in der ganzen Münchener Stadt!"

„Schwatz keinen Unsinn, Puck!"

(Fortsetzung folgt.)

:: Der Kampf u n die Deckung.

Die erste Lesung der Wehrvorlage in der Budget­kommission ist beendet; die Reichsregierung kann mit dem Ergebnis zufrieden sein, obwohl einige Abstriche vorgenommen worden sind, die sie bekämpft hat. Alle bürgerlichen Parteien haben eine Opferfreude bewie­sen, die im Jnlande verdiente Anerkennung finden und auf das Ausland gebührenden Eindruck machen wird.

Es kommt nun vor allem darauf an, daß für dir bürgerlichen Parteien ein Weg zur V e r st ä n d i - gung über die Deckungsfrage gefunden wird. Wenn gegenwärtig die Aussichten hierfür auch durchaus nicht ungünstig sind, so sind doch soviel Kräfte im Werk, die uns wieder an einer glatten Zusammenarbeit der großen bürgerlichen Parteien zweifeln lassen. Zentrum und Konservative haben m der Kommiffion sich dafür ausgesprochen, nach der ersten Lesung der Wehrvorlage zunächst an die Be­ratung der Deckungsvorlagen zu gehen. Es

soll dadurch erreicht werden, daß die Heeresverstär- kung und die Mittel zur Deckung der Kosten von der­selben Mehrheit bewilligt wird. Es geht nicht an, daß die Rechte die Heeresvermehrung beschließt und die Linke dazu die ihr genehmen Steuern schafft. Daß die Linke des Reichstages von vornherein für eine Trennung der Wehrvorlagen von den Deckunas­vorlagen eintreten würde, war bekannt, auch daß der hansabündlerische Teil der Nationalliberalen dieses Vorhaben hatte. Auch in der führenden national- liberalen Presse haben sich Leute zu Wort gemeldet, die für eine Verschiebung der Lösung der Deckungs­frage bis zum Herbst eintreten, dabei aber fortwäh­rend auf den Leitsatz pochen, daß keine Ausgabe ohne Deckung gemacht werden dürfte. Dieser Leitsatz ist eine Selbstverständlichkeit, hat aber nur dann Sinn und praktische Bedeutung, wenn mit der Aus­gabe gleichzeitig die Deckung beschafft wird. Das suchen die Politiker, die sich für eine Verschleppung der Deckungsvorlage einsetzen, zu vertuschen, wes­halb dieses verdient, ganz besonders hervorgehoben zu werden. Es spielen in dem Bestreben, die Deckung his zum Herbst zu verschieben, aber auch so tiefgrei­fende parteipolitische Jntereffen mit, daß man es versteht, warum einsichtige nationalliberale Politiker und ganz kürzlich auch das Organ der baye­rischen Regierung auf die Notwendigkeit der Erledi­gung der Wehr- und Deckungsvorlagen durch ein und dieselbe Mehrheit hinzuweisen sich ver­pflichtet fühlen.

Da man sich in der Kommiffion über die geschäft­liche Behandlung der Vorlagen noch nicht zu einigen vermochte, überließ man es zunächst den Fraktionen, darüber zu beraten und schlüssig zu werden. Sie ha­ben das gestern getan. Zu welchem Ergebnis die ein­zelnen Parteien "der Rechten und der Linken kommen würden, weiß man, ohne daß es besonders gemeldet zu werden brauchte. Nur bei den N a t i o n a l l i b e- ralen konnte man noch über die Entscheidung int Zweifel sein. Wie nun die „Köln. Ztg." meldet, hat die nationalliberale Fraktion beschlossen, die schleunige endgültige Verabschiedung der Wehrvorlage in der Kommission tote im Plenum zu fordern. Die Deckungsvorlaqe sei in der Kommission nach Er­ledigung der Wehrvorlage in Angriff zu nehmen und in der Kommission sowie im Plenum in diesem Som­mer zu erledigen. Fn der beutigen Kommission?- sst-ung, die sicb über die geschästliche Bebandlunq dec Vorlagen schlüssig werden muß, wird sich also aller Voraussicht nach eine Mehrheit der gesam­ten Linken ergeben, die für die Inangriffnahme der zweiten Lesung der West,-Vorlage mit Hinaus­schiebung der ersten Lesung der D e"ck u n g S - Vorlage stimmen wird.

Man wird also die riesenhaften neuen Ausgaben beschließen, ohne zu wiffen, wie und wovon man sie bezahlen soll.

* Berlin, 27. Mai 1913. Das englische Königspaar ist am Dienstag 5 Uhr 35 Minuten nachmittags von Berlin über Vtissingen nach London abgereist. In Berlin hatten der Kaiser und die Kaiserin ihre Gäste zum Lehrter Bahnhof geleitet. — Am Dienstag vormittag hat in Potsdam die Früh­jahrsparade der dortigen Garnison stattgefunden. Mit dem Kaiser nahm König Georg von "England die Parade ab. Ferner wohnten die Kaiserin mit der Königin von England sowie die Kronprinzessin, die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, die Prinzessin Max von Baden und Prinzessin Olga, Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg, dem militärischen Schauspiele bei. — Zur weiteren Ausführung des Fleischbeschaugesetzes, insbesondere zur Er­gänzung der Vorschriften für die Einfuhr und Unter­suchung ausländischen Fleisches, ist seitens des Ministeriums für Landwirtschaft und der anderen zuständigen Ministerien ein Erlaß an die zuständigen Amtsstellen ergangen. Ein anderer Erlaß betrifft die Vorschriften für die Untersuchungen bei Schlach­tungen un Jnlande.

+ Ter Reichskanzler wird, gutem Vernehmen nach, im Reichstage bei der Verhandlung der sozialdemo­kratischen Anfrage über die außergewöhnlichen Maß­nahmen in Etsaß-Lothringen persönlich das Wort erareifen.

— Die Lösung der Braunschweigischen Frage. Wie die „B. Z." erfährt, ist mit Bestimmtheit anzu­nehmen, daß Herzog Ernst August von Braunschweig und Lüneburg am 1. November mit seiner Gemahlin feierlichst in die Burg Dankwardrode in Braun­schweig einziehen wird, sodaß die Regent­schaft des Herzogs Johann Albrecht am 31. Oktober chr Ende erreicht. Daß man mit diesem Ereignis tote mit einer feststehenden Tatsache rechnet, ging ja auch aus der Ansprache hervor, die der Kaiser bei der Vermählung seiner Tochter an der Galatafel machte, wo er bemerkte, es werde dem neuvermählten Paare Wohl bald beschieden sein, anderen zu dienen und für andere zu sorgen".

* Industrie und Handwerk. Die schon seit länge­rer Zeit in Aussicht genommene neue Konferenz von Vertretern der Industrie und des Handwerks, die über die Abgrenzung der beiden Gewerbe be­raten soll, wird nach Berliner Blättern demnächst im Reichsamt des Innern zusammentreten. Es wird sich namentlich um die Frage handeln, in welcher Weise die Industriebetriebe zu den Jnnungspflichten heranzuziehen und die Handwerks beiträge festzusetzen sind.

0 Reichsregierung und Konkurrenzklausel für die Industrie. Mehrere Handelskammern hatten kürz­lich den Wunsch ausgesprochen, daß die Konkurrenz­klausel für Handlungsgehilfen auch auf technische A n« gestellte der Industrie ausgedehnt werden sollte. Der Minister für Handel und Gewerbe hat sich nun dahin geäußert, daß die Konkurrenzklausel für die Industrie eine Frage für sich bilde, dement­sprechend nach anderen Gesichtspunkten beurteilt und selbständig geregelt werden muffe. Es ist demnach ausgeschlossen, daß die Staatsregierung sich mit einer Ausdehnung der geplanten Bestimmungen über die Konkurrenzklausel der Handlungsgehilfen auf die Betriebsbeamten und Ingenieure in der In­dustrie einverstanden erklären wird. Man muß zu­geben, daß insbesondere die Techniker, Ingenieure, Chemiker usw., namentlich, wenn sie in chemischen Werken in der Maschinen- und Stahlindustrie tätig sind, oft von sehr wichtigen Fabrikationsgeheimnissen Kenntnis haben und wenn sie nicht in genügender Weise zur Geheimhaltung dieser Dinge verpflichtet werden könnten, das dem unlauteren Wettbewerb Tür und Tor öffnen könnte.

** Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, wird für Philologen der Titel „Geheimer Stu­die n r a t" eingeführt werden. Es gilt nicht als

Raubritter. Jetzt schenk' ein — in der Not frißt der Teufel Fliegen!"

Mit lautem Zischen fuhr der schäumende Strahl in die Gläser. Pirkheimer erhob das seine. „Es leben Prinz Karneval und die Freude!"

„Sie leben!" sekundierte Puck. „Es sollen aber auch leben die Kunst, die schöne Münchener Stadt, alle lieben, süßen Mädels —"

„Hör' auf mit deiner Litanei!" unterbrach ihn Pirkheimer. „Zu so vielen Toasten reicht ja das bißchen Wein gar nicht! — Prost!"

„Prost! — Ertränken wir alle Sorgen im Wein!"

„Was — Sorgen?" rief Pirkheimer und wischte sich die Schaumperlen vom Bart. „Kennt ein Hof­narr dieft nagenden Würmer auch?"

„Der Hofnarr weniger — um so mehr aber Georg Puck: ich bin rein abgebrannt!"

Pirkheimer lachte. „Gräme dich nicht, mein Sohn — der Herr hat uns gleich gemacht. Zwar sind noch ein paar Silberlinge und etn Goldvogel im Beutel, aber diese werden jetzt nicht angetastet. Wir tragen sie feierlich hinüber ins (Safe Luitpold und begraben den Fasching in würdiger Weise. Es soll ein Aus­klang in Schönheit sein. Ein fröhliches Valete. Wir trinken, bis der Morgen tagt — man lebt ja doch nur einmal auf der Welt! Und morgen hebt die graue Bußzeit an. Bis dahin laß uns fröhlich zechen. Es lebe —"

„— Dein schönes Münchner Kindl!"

Pirkheimers Augen strahlten. „Mein Goldkind!

■— Meine Annie! — Hast recht, Puck: sie lebe!"

„Wenn nur dieser Berliner, der Annie im Tanze dreht, nicht mit dem schönen Kindl davonläuft und Euer Gnaden im Stiche läßt!"

Pirkheimers Faust fiel dröhnend aus den Tisch. „Du, schilt mir Herrn von Sandow nicht! — Das ist ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle —"

Puck schnitt eine Grimasse. „Natürlich — ein erstklassiger Mensch! Zum ersten schreibt er sich „von", zum zweiten ist er ein Preuß und zum drit­ten ist er gar mit Spreewaffer getauft. Hol' ihn der Deubel!- Der Preußische Wind (pfeift- so schon laut

Das Münchner Ktnöl.

1] Roma«^on Felix Nabor.

L

Prinz Karneval hatte sich wieder einmal ausge­tobt und schickte sich eben an, sein strahlendes Reich der Freude zu verlassen. Da ging es wie ein letztes Freudenzucken durch die Münchener Stadt: was sich im Fasching noch nicht völlig ausgetobt hatte, das setzte am Ende der fröhlichen Narrenzeit in mitter­nächtiger Stunde noch einmal den goldenen Becher der Freude an die lechzenden Lippen und leerte ihn bis zur Neige. . . .

Die Künstlervereinigung ,„Jsaxia" veranstaltete zu Ehren des scheidenden Prinzen eine Abschieds- Redoute in den glänzend dekorierten Sälen des Lö- tvenbräu-Kellers, zu der sich die Ritter vom Geist, die Beherrscher des Meißels und Pinsels, die Jünger Polhymnias und Hunderte von schönen Frauen drängten.

Wie ein Märchen wirkte dies schönheitstrunkene Bild, vom goldenen Rahmen der Freude umspannt.

In buntbetoegtem Strome glitten die Tausende von Masken vorüber oder drehten sich in dichtem Wirbel des Tanzes. Bei all dem scheinbaren Chaos aber herrschte künstlerischer Geschmack, die Freude schlug den Takt zu dem rauschenden Schönheitshym- nuz — aber auch die unverfälschte Münchener Note klana allenthalben kräftig durch.

In dem Maskengewoge verschwand der einzelne, dersank, wie ein Tropfen im Meer. Wer Gott Amor, dem neckischen Knaben, entging keiner. Der saß hoch °ben im Lichtkreis des Kronleuchters und sandte Pfeil Um Pfeil hinab in das bunte Gewimmel. Und er fuar ein guter Schütze: er traf mit seinen Liebespfei- y immer mitten ins Herz! Dann schlugen aber auch ^eich die Flammen empor. .....

Professor Pirkheimer, in bet’ reichen Tracht eines Wittelsbacher Grafen, zog sich mit seinem Hofnarren dem Maskengewühl in eine rosig erleuchtete Grotte lurüd und sank vollend auf einen Sessel.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 27. Mai.

Präsident Dr. Kämpf begrüßt die Abgeordneten bei ihrer Rückkehr aus den Ferien. Er erklärt ferner, der Reichstag sei der Budgetkommission dankbar, daß sie inzwischen ihre Arbeiten betreffend die Heeresvorlage kräftig gefördert habe. Er werde in einer Sitzung mit dem Seniorenkonvent erwägen, inwieweit der Budget- kommiffion und den Fraktionen Zeit zu ihren Beratun­gen zu lassen sei. Der Präsident entledigt sich dann der Aufgabe, dem Reichstag für seine Glückwünsche den Dank deS Kaiserpaares und der Neuvermählen auszu­sprechen. (Beifall.) Er gedenkt ferner in einer länge­ren Ansprache des verstorbenen Abg. Frhrn. v. T h ü n e- feld, wobei er insbesoirdere die Tätigkeit des Verstor­benen als Schriftführer hervorhebt. Aus der Tages- ordmmg stehen zunächst

Petitionen.

Eine Petition betreffend Aenderung des § 24, Abf. 2 des Offizierspension sgesetzes wird nach längerer Debatte unter Ablehnung sonstiger Anträge gemäß dem Anträge der Kommission als Material über­wiesen.

Eine Petition betreffend die Errichtung cines Reichseinigungsamtes wird der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Es folgt eine Petition betreffend die Pfändbarkeit des Dienstein­kommens der Beamten und des Einkommens der Privatangestellten usw. Die Petenten wünschen die Heraufsetzung der der Pfändbarkeit nicht unterliegenden Summe von 1500 Mk. auf 1800 bezw. 2000 Mk. Die Kommission beantragt Uebergang zur Tagesordnung. Die Sozialdemokraten beantragen Ueberweisung als Be» rücksichtigung; die Nationalliberalen wollen die Petition als Material in dem Sinne überweisen, daß ebenso wie bei den Beamten nur ein Teil des 1500 Mk. übersteigen­den Einkommens der Pfändung unterliegen soll; die Volkspartei beantragt die Ueberweisung zur Berück­sichtigung in dem Sinne, daß bei den Prwatangestellten und Arbeitern ebenso wie bei den Beamten nur ein Teil des die Pfändbarkeitsgrenze übersteigenden Ein. kommens der Pfändung unterliegen soll.

Abg, Chrysant >(Z.) befürwortet Uebergang zur Ta­gesordnung, da nicht nur die Schuldner sondern auch die Gläubiger die zunehmende Entwertung des Geldes und Verteuerung des Lebensunterhaltes treffe, die durch Heraufsetzung der Grenze der Pfändbarkeit schwer ge­schädigt würden. Wollen wir den Mittelstand schützen, so müssen wir e5 bei dem bisherigen Zustande belassen.

Abg. Haas (Vp.) begründet den freisinnigen Antrag.

Abg. Hoch (Soz.) polemisiert gegen die ablehnende Haltung des Zentrums.

Die Petition wird als Material überwiesen.

Petitionen betr. die Arbeiterverhältnisse im Gärt­nereibetrieb werden auf Antrag des Abg. Lehrens iW. SB.) an die Kommission zurückverwiesen.

Mittwoch: Interpellation Albrecht (Soz.) betr. El­saß-Lothringen, Reichs, und Staatsangehörig­keitsgesetz.

ausgeschlossen, daß bereits im nächsten Monat Ver­leihungen dieses Titels erfolgen werden. Der neue Titel wird eingeführt als Effatz für den Titel Geh. Regierunasrat, der früher älteren Direktoren der höheren Lehranstalten verliehen wurde, neuerdings aber ausschließlich höheren Regierungsbeamten Vor­behalten wird.

)( Abg. Wetterle klagt. Wetterle wird die,Rbein.- West). Ztg/, die geschrieben hatte, Blätter französischer Sprache im Elsaß bezögen Geld aus Frankreich, vor die Schranken des. Gerichts ziehen. Er erklärt, er werde die Geschäitsbücher seines .Nooelliste" dabei vorlegen, um ein für allemal das in der alldeutschen Presse sich stets wiederholende Märchen zu beseitigen, daß die französisch geschriebene Presse Elsaß-Lothringens systematisch von Frankreich aus unterstützt würde.

-r- 4- Straßburg, 27. Mai 1913. Die elsaß- lothringische Zweite Kammer beriet am Dienstag die Besoldungsvorlage. Es war ein Kompromiß zustande gekommen, um den mittleren und unteren Beamten die wesentlichen Vorteile zu sichern, die der Entwurf bringt. Die höchsten Gehälter sind in ein tatsächliches Gehalt und in eine nicht penstonsfähige Repräsentationszulage geteilt. In namentlicher Ab­stimmung wurde das Gesetz mit 34 Stimmen ange­nommen. 6 Abgeordnete der Lothringer Gruppe und eine Minderheit des Zentrums enthielten sich der Abstimmung. Das Haus erledigte sodann den Ge­setzentwurf über die Gewährung von Zulagen an Beamte, Lehrer und Geistliche in dritter Lesung. Der sozialdemokratische Antrag auf Kirchensteuer wurde mit 36 gegen 18 Stimmen abgelehnt.

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„Herrgott", rief er, „der fesche Domino hat mir aber sakrisch heiß g macht! Der Rundtanz, das war der reinste Wirbelwind! Und wie ich hernach dem süßen Mädel ein bifferl hinter's „Visier" schauen will, da lacht's — und walzt davon auf Nimmerwiedersehen! Na, mit meinen fünfzig Jahren mach' ich mir ja nicht mehr viel aus den Frauen; aber das süße G'sich- terl hätt' ich doch sehen mögen."

„Vielleicht war ein Affeng'sichi hinter dem „Vi­sier" — oder eine Urahne," sagte der Hofnarr.

Pirkheimer fuhr sich mit der langen, schmalen Hand über den Bart, der wie ein brauner Keil auf die Brust niederstieß. „Kannst recht haben", sagte er. „Im übrigen ist das Abenteuer erledigt — und nichts geblieben als ein Riesendurst. Ein Faß'l Hof- biäu wenn wir jetzt hätten, Puck —"

Dieser schüttelte sich im Schellenkleid und zupfte die Saiten seiner Laute. „Das Löwenbräu ist auch nicht von schlechten Eltern, Euer Gnaden."

„Rindvieh!" rief Pirkheimer. „Wenn du noch­mals Euer Gnaden sagst, nachher hau' ich dir eine Ohrwatschel ’runter, die auch nicht von schlechten Eltern ist. — Der Mummenschanz ist zu Ende, und ich bin wieder der Musikprofesfor Michael Pirkheimer! Verstanden?"

Georg Puck schob die Laute auf den Rücken. „Schade, daß mein Amt als Hofnarr zu Ende ist!" fprach er. „Ich paffe so gut für diese Rolle — und dann ist es auch so tröstlich, unter Narren ein Narr zu sein."

Pirkheimer gab ihm einen fteundschaftlichen Stoß und ries: „Schweig mit deiner narreten Philosophie! Schaff lieber etwas Trinkbares herbei!"

Puck verschwand und kehrte nach einer Viertel­stunde mit zwei Flaschen und zwei Gläsern zurück. „An d'en Büfetts herrscht ein lebensgefährliches Ge­dränge," berichtete er. „Sine Flasche Kupserberg- Gold und eine Flasche Mcosel ist alles, was ich er­beuten konnte."

■ „Für den Anfang genügt das," lachte Pirkheimer. „Später stürmen wir einen Bierbonzen und legen uns in {einer hölzernen Burg fest als mannhafte

Ausland.

A Wahlhirtenbrief der galizischen Bischöfe. Der polnische Episkopat Galiziens hat anläßlich der Wah­len für den Landtag, der über das neue Wahlgesetz entscheiden wird, einen gemeinsamen Hirtenbrief er­lassen. Die liberalen Blätter greifen den Episkopat deswegen heftig an, wie immer, wenn die katholischen Bischöfe auf dem christlichen Standpunkt in der Ge­setzgebung Heftehen. Die polnischen Bischöfe haben sich nach der „Neuen Freien Presse" zum Echo einer ultrakonservativen aristokratischen Kamarilla gemacht. Der Episiopat aber erinnert in dem Hirtenbrief ge­rade daran, daß die Kirche stets für eine Er- weiterung der Volksrechte gewesen ist. Die Bischöfe sagen auch, daß sie keineswegs gegen die politische Einheit des Volkes sind, sondern nur gegen einzelne Führer, welche das Volk irre leiten. „Auch wir haben", heißt es in dem Hirtenbrief, „mit Wort und Tat gepredigt, daß wir das irdische Wohl des Volkes gefördert sehen möchten." Der Hirtenbrief wendet sich gegen den Radikalismus und gegen den Sozialismus, der auch in die Gesellschaft Zersetzung hineinträgt.

** Um die dreijährige Dienstzeit. Die französi­sche Kammer verhandelte gestern Über den von der Regierung geforderten Kredit von 235 Millionen Francs zur Deckung der Kosten, die aus der Zurückbehaltung der dritten Jahresklasse unter den Fahnen erwachsen. Die Debatte verlief zum Teil recht stürmisch. Die Regierung stellte die Vertrauensfrage und trug auch diesmal einen Sieg davon, da die Kammer mit 386 gegen 165 Stimmen die verlangten Kredite von 235 Millionen bewilligte. Der iftnanzminister hat in der Kammersitzung ferner einen Gesetzentwurf eingebracht, durch welchen eine Steuer von 1 bis 3 A auf Einkommen über 10000 Francs eingc- führt wird.

* Die Solbatenausschreitungen in Frankreich. Die revolutionäre Gruppe, die sich „Komitee der sozialen Verteidigung" nennt, veranstaltete in Salle Wagram in Paris eine Protestversammlung gegen die von der Regierung gegen die Soldatenmeutereien ge­troffenen Maßnahmen, namentlich auch gegen die Haus­suchungen Bei den revolutionären Verbänden. Plötzlich wurde bekannt, daß sich zwei Geheimpolizisten im Saale