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Fuldaer Leitung

Vienrtag 27. Mai MS-

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Lungenkraut — auch ein Mittel, um Felsen zu stürzen! — angckündigl, ein 1600jähriges Jubiläum feiert.

Noch mehr aber, wenn bei dieser Gelegenheit die katholische Kirche auch daran erinnert wird, über welche Gegner sie gesiegt hat. Denn dieses Jubiläum gilt dem Sieg über einen Gegner, wie er mit einem stärkern Aufgebot nicht gegen die Kirche zu Felde gezogen ist: dem Sieg über das alte römische Weltreich.

Man muß sich vergegenwärtigen, was es heißt, daß das römische Weltreich die ganze R.esenmajchine seines Beomtenapvarates aufgebolen hat, um dem Christentum den Garaus zu machen und mit bru­talster Gewalt, mit Anwendung der raffiniertesten Versuchungen zum Abfall es unternehmen wollte, das Gedächtnis des christlichen Namens auszutilgen von der Erde. Das wenigstens ist die Praxis feit dem Jahre 249, seitdem der Kaiser Dccius die Cbrisier.- verfolgung systematisch zu einer Sache des Reiches machte.

Es ist unwiffenschastlich, wenn eine dieser Nörgler- Broschüren die Sache so hinznstellen versucht, als ob eigentlich vorher die Lage der Kirche und des Christen­tums gar keine so sonderlich bedrohte gewesen sei (oergl. Hugo Koch, Konstantin der Große und das Christentum, München 1913, welcher jetzt anstelle Pms X. den Berliner Professor Harnack als unfehlbaren Papst sich erkoren hat, dessen sämtliche Ausstellungen er tief» gläubig entgegennimmt und nachbetet) und zu diesem Beleg auf die Antwort Trajans verweist, die dieser seinem Freunde Plinius gegeben hat: „Conquirendi non sunt“ (die Christen sollen nicht polizeilich aufge- sucht werden). Gewiß, so heißt es in diesem Schrei­ben, aber in der unmittelbaren Fortsetzung heißt es auch: .Aber man muß sie bestrafen, wenn sie angegeben und überwiesen werden." Und über die Folgen dieser Wendung? Hier die Antwort eines neueren Historikers: .Wie viele Tausende von Todesurteilen über unschuldige und gute Men» chen sind aus diesem Reskript gefloffen. Welcher maßlose Jammer wäre dem Reiche erspart geblieben, wenn der Kaiser die Frage des Plinius, ob das Christentum als solches zu bestrafen sei, in anderer Weise beantwortet hätte." (Achelis, Das Christentum in den ersten drei Jahrhunderten II, 236.) Und auch

bei seinem neuen Papste Harnack hätte Koch lesen lönnen: „Man würde sich irren, wenn man sich die Lage für die Christen ganz erträglich vorstellte. Ge- wiß, sie haben sich faktisch im Reiche einbürgern kön­nen, allein über jedem Christen schwebte das Damokles­schwert." (Mission und Ausbreitung I, 403.)

Und fragen wir nach den Gründen, aus denen es zwischen dem römischen Staate und der Kirche zu einem so furchtbaren Zusammenstoß gekommen ist, ja kommen mußte, so lautet die Antwort sehr einfach: Das war von dem Augenblicke an unvermeidlich, als der römische Staat von seinen Staatsangehörigen nicht nur die Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflich­ten, rote Steuern :c., forderte, sondern auch ausdrück­liche Anteilnahme am heidnischen Kultus der Kaiser. Mochten andere in der Leistung eines Opfers an den Kaiser, in dessen göttlicher Verehrung den Ausdruck der staatsbürgerlichen Loyalität und Zuverlässigkeit ehen und bekunden, die Christen konnten dieses Stück Heidentum nicht mitmachen. „Es war ein Akt der Befreiung, daß das Christentum den Gläubigen ver­bot, dem Kaiser zu opfern," so urteilt der Protestant Ranke; der Exkatholik Hugo Koch schreibt zwar: „Dem Kaiierkultus stellte die Kirche einmütig und allezeit ein entschiedenes Nein entgegen. Hier hat sie niemals paktiert, niemals sich auf ein Kompromiß eingelaffen (42), aber es wacht den Eindruck, als ob der Kirche daraus wegen ihres „unfreundlichen" Verhaltens zum Staate sollte ein Vvrwurf gemacht werden, als han­dele es sich lediglich um „Stimmung", und mit der späteren freundlichen Stellung zum Staate in der Zeit nach Konstantin um einen „Stimmungswechsel".

Das ist alles so grundfalsch als nur möglich, nicht eine „Stimmung" hat die Kirche zum schärfsten Gegen­satz zum heidnischen Staat getrieben, sondern der Kampf um die höchste religiöse Wahrheit, nnd der Kampf gegen die Vergötterung des Kaisers und der Staatsgewalt überhaupt. Und wenn nach Konstantin die Kirche diesen ihren feindlichen Stand­punkt nicht mehr^ einnahm, so kam das nicht von einem „Stimmungswechsel", sondern von einem Wech­sel der tatsächlichen Außenwelt, von einem Wechsel in dem Verhalten des Staates selbst und des Herrschers. Denn nachdem daS Ideal des Kaiserkultus, das Dio« kletian noch einmal aufgerichtet hatte, zu Boden ge­sunken war, war für die Christen jener Konfliktgrund

Lokales.

Fulda, 27. Mai 1913.

H Verliehen wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse dem Oberkassenvorsteher Rechnungsrat Rudolph in Bebra und dem Eisenbahn-Obersekretär Kanne­gießer in Frankfurt. Das Ritterkreuz 2. Klasse vom Hess. Orden Philipps des Großmütigen erhielt der Werkmeister Cassel in Frankfurt.

-si- Ernannt wurde der Rechtskandidat Boden- den der von Kassel zum Gerichtsreferendar.

’S? Pofthilsstrlle. Mit dem 1. Juni d. Js. wird in Kämmerzell in Verbindung mit der bereits bestehenden Telegraphenhilfstelle eine P o st h i l f st e l1 e eröffnet, deren Lerwallung der Witwe Kollmann übertragen wurde.

L- Sin Kriegsveteran, der Maurer Johann Adam Müller, wird heute nachmittag auf dem dompfarr- lichen Friedhöfe am Frauenberg zur letzten Ruhe be­stattet. Der Verstorbene, vielfach bekannt durch sein fast ein halbes Jahrhundert hindurch geübtes Amt als Leichenträger, hatte in Erfüllung eines Gelöb­nisses das mit einem Holzzaun umgebene große steinerne Kreuz am Lichtwege, Ecke der Elisabeth- straße, errichten lassen als Tank für die glückliche Heimkehr aus dem Kriege gegen Frankreich.

F. Das diesjährige Aushebungsgeschäft fällt in die bevorstehende Bonifatiuswoche. In diesen acht Tagen ziehen nach altem Herkommen viele Pfarreien des Umkreises in Prozessionen singend und betend zum Grabe des Apostels der Deutschen im hohen

# Das Korrstarrtinsjnbiläum, daS die katholische Kirche in diesem Jahre feiert, hat bei deren Gegnern eine arge Nervosität hervorgerufen, die sich znrzeit in allerhand nörgelnden Broschüren ävßeri. Das ist nicht überraschend, sondern durch- ans begreiflich.

Da hat man in allen Tonarten daS Lied gesungen von dem unmittelbar bevorstehenden „Untergang" der Kirche, von ihrem .Zusammenbruch" und was dergleichen kindische Redensarten noch mehr sind. Und die Kirche überläßt diese Kinder ihrem kindi­schen Treiben und gibt eine Antwort, wie sie eben «ur eine Macht geben kann, welche aus ihrer Ge- Wchte weiß, daß alle Mächte des Umsturzes ihr vichts anhaben können: Sie feiert ein Jubiläum witzigster Art, die 1600jährige Wiederkehr des Tage- chreS Sieges über das alte heidnische römische Welt­teich.

Ti» 1600jährigrS Jubiläum! Das allein schon sollte und könnte ihren Feinden zu denken geben! denn welche Macht der Erde kann ihr daS gleich tun? Es ist ein bitteres Los, das über allem Menschenwerk schwebt: das Los des Unterganges und des Todes. Und nichts ist so geeignet, ttüb» Mge Gedanken wachzurufen, als ein Blick über die Menschengeschichte. Ist diese nicht ein Riesenkirchhof, wo Wellreiche und Völker, vor denen einst die Erde SHittert, begraben liegen? Wo sind sie heute? lieber °Ue hat die Weltgeschichte ihr Bahrtuch geworfen, und alle, alle sind der furchtbaren Macht der — Zeit Liegen. Daß sie und nur sie allein von biejem ®efet} der Weltgeschichte, dem Gesetz „Versunken und Vergeffen" ausgenommen ist, daran erinnert die Ache, heute alle ihre Feinde durch die Feier eines 1600jährigen Siegesjubiläums! Was sind im Ver« gteich damit die Sektlein und Kirchlein, die Religiön- teru, wie sie vorgestern von Apostaten gegründet worden, gestern schon zusammenbrachen und heute vergessen sind? was damit verglichen jene Achtem, wie sie heute zu bqzien unternommen 2 , n- .unter dieser ober jener Flagge? Armselige n kie bet nächste Luftzug umbläst. Man

M?a wohl, wenn die Bewohner solcher Karten« Täufer nervös werden, wenn die katholische Kirche, «wen Untergang sie mit soviel Aufgebot ihrer

z. orarl.

Druck der 5«tda*r Letiendrueerei in 5»Ida.

träges. Ordnung betr. Erhebung von Kanalbenutzungs- gebührrn. Stv. Fritz: Der Bezirksausschuß hat der neuen Gebührenordnung die Genehmigung versagt und der Magistrat hat keine Hoffnung, beim Provinzialrat mit einer Beschwerde durchzudringen. Er nimmt des­halb sofort seine Zuflucht zur Erhebung von Beiträgen. Nach meinem Dafürhalten ist die ganze Frage so wich­tig, daß es sich empfiehlt, die Vorlage noch einmal durch, zuprüfen. Ich stelle deshalb den Antrag, die Ange- legenheft einer besonderen Kommission, bestehend aus Mitgliedern des Finanzausschusses, der Rechnungs- kmnmission und der Baukommission, zu überweisen. Ferner sollen bei den Städten Kassel, Marburg und Hanau Erkundigungen über die Art der Erhebung der Beiträge eingezogen und diese der genannten Kommis, firm borgelegt werden. Es muß reine Bahn geschaffen werden. Im Interesse der Hausbesitzer muß darauf hingewiesen werden, daß ihre Belastung viel zu groß ist. In den genannten Städten werden zwar auch Kanal, beiträge erhoben, aber fortlaufende für jedes Jahr, Neben den Gebühren. Damit wir nicht Gefahr laufen, noch einmal abgewiesen zu werden, muß man die Sache dom Grund wieder aufarbeiten. Der Oberbürger, meister: Es ist ja bequem, solche Anträge zu stellen, aber die Sache wird dadurch nicht verbessert. Wir müs. fen unbedingt die Gebührenordnung regeln, da wir Geld gebrauchen. Wir müssen also unter allen Um. ständen heute abend über eine Gebührenordnung schlüs­sig werden, damit am 1. Juli Gebühren erhoben werden

können, dann aber auch darüber, ob gegen den Beschluß des Bezii'.^ausschusses Einspruch erhoben werden soll, die Besch Werdefrist Anfang nächsten Monats abläuft, stv. Kircher: Die Stadtverordneten haben erst am letzten Freitag abend von der Vorlage Kenntnis be­kommen; in dieser kurzen Zeit war es nicht möglich, ftch zu informieren. Auch mit Rücksicht auf die schwache Besetzung des Hauses stelle ich den Antrag, die Sache ms zur nächsten Sitzung zu vertagen. Stv. Dux: Ich bin der Ansicht, daß wir heute über die Gebührenord­nung beschließen können, auch ohne Festsetzung der Bei- tragsordnung. Sollte diese später nicht genehmigt werden, so können dann immerhin noch die Gebühren ^cyöht werden. Stv. Dr. Schulte: Wir können dir Beschlußfassung nicht aussetzen, da sonst die Einspruchs- frist abläuft und der Beschluß des Bezirksausschusses dann rechtskräftig wird. Ich bin dafür, daß kein Ein. spruch erhoben werde und ein Achtel der Kosten durch einmalige Beiträge zu decken. Stv. Fritz: Ich be- trachte es als selbstverständlich, daß wir die Sache beim Provinzialrat verfolgen und daß der Magistrat recht­zeitig genug die nötigen Schritte hierzu unternimmt. Es muß ein Modus gefunden werden, nach dem die kleineren Hausbesitzer, die hier in Fulda stärker belastet sind als diejenigen in Hanau und Marburg, berücksich­tigt werden. Der Oberbürgermeister tritt der Auffassung entgegen, daß die hiesigen Hausbesitzer stär­ker belastet seien als die in den angeführten Städten. Stv. Adam spricht sich dafür aus, für das laufende Jahr erhöhte Gebühren zu erheben, um Geld zu ver­schaffen. Stv. Kircher redet nochmals einer Ver­tagung das Wort. Dem widerspricht Stv. Vollmer, da er sich künftig keine bessere Beteiligung an den Be­ratungen verspricht. Er ist gegen Einspruchserhebung und möchte, daß über das Gebührenstatut beraten werde. Stv. Trabert stimmt dem Antrag Kircher auf Ver­tagung zu. Stv. Schultheis: Ich bin der -Ansicht, daß im allgemeinen die Bürgerschaft mit der Erhebung von Beiträgen einverstanden ist, damit endlich die Sach« zur Ruhe komme. Der Oberbürgermeister: Wenn Sie für Erhebung von Beiträgen in Höhe von einem Achtel der Kosten sind, so beschließen Sie doch enstprechend. Stv. Adam stellt fest, daß wegen der Kanalbeiträge in^ der Bürgerschaft tiefe Erbitterung herrsche. Die früher gezahlten Beiträge seien meist unter Anwendung von Zwangsmaßregeln eingenommen. Der Oberbürgermei ster stellt letzteres in Ab- rede. Auch ist er der Ansicht, daß ein großer Teil der Bürgerschaft sich für die Erhebung der Beiträge ent. scheidet. _ Zahlen sei in jedem Falle unbequem, aber man müsse den Nutzen der Allgemeinheit im Auge haben. Stv. Dr. Schulte stellt auch seinerseits den Antrag, die Beratung diese? Punktes auf eine in den nächsten Tagen einzuberufende Versammlung zu ver­tagen. Stv. Reith stellt den Antrag, zu beschließen, daß vorläuftg die Gebühren in der bisherigen Höhe weiter erhoben würden. Der Oberbürgermei st er spricht nochmals gegen die Vertagung und wünscht eine Beschlußfassung darüber, ob Einspruch erhoben werden soll oder nicht, wegen der Erhebung von Gebühren könne dann in der nächsten Sitzung beraten werden. Der Antrag Fritz, gegen den Beschluß des Bezirksausschus­ses Einspruch zu erheben und die Angelegenheit an eine Kommission zu verweisen, wird schließlich ange­nommen, nachdem die übrigen zurückgezogen worden sind.

Schluß der öffentlichen Sitzung 9 Uhr. -s

Tome. An drei Tagen ber Fesioktav (Montag, Mittwoch, Donnerstag) kommen auch die Militör- pflichtigen au? dem Kreise Fulda, ebenfalls Lieber singenb, bie aber nicht im Gesangbuche stehen. In der kommenben Woche werben sich bie angehenben Vaterlanbsverteibiger innerhalb ber Stabt wohl in ihrem Gesang einige Einschränkungen auferlegen muffen, damit kein Mißton in bie althergebrachten religiösen Veranstaltungen fällt.

Schöffengericht. Auf schiefer Bahn befinbet sich der erst 15 jährige Arbeiter I. Sch. von hier. Bereits schon zweimal hat er wegen Diebstahls einen Verweis bekommen unb abermals beging er im April in einem Hause ber Mittelstraße einen Eier-Diebstahl. Dem Anträge bes AmtSanwaltS gemäß lvirb Sch. mit einer Woche Haft bestraft. Die nicht erschienene Zeugin W. wirb zu einer Gelbstrafe von 10 Mk. verurteilt. — Ein ganz rabiater Mann ist der 48 jähr. Schreinermeister O. von Petersberg. Er hatte sich wegen Wibersiands gegen einen Staatsbeamten unb gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Dem Anträge bes Amtsanwalts gemäß erhielt er eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. — Herr Schreinermeister Balzer » Oberbimbach bittet uns mitzuteilen, baß er nicht ber in Nr. 113 ber .Fulbaer Zeitung' erwähnte, vor ber hiesigen Straf­kammer mit seiner Berufung abgeroiefese Schreiner- meister aus Oberbimbach ist.

D Schlägerei. In ber Nacht zum Montag ent­stand auf dem Buttermarkt zwischen einem Metzger unb zwei Elektrotechnikern eine Schlägerei, in deren Verlauf ber Metzger so schwere Verletzungen an einer Hanb bavontrug, baß er sich in ärztliche Behanblung begeben mußte.

-y- Fahrraddiebstahl. Gestern nachmittag würbe roieber ein vor einem Geschäft am Buttermarkt au kurze Zeit unbeaufsichtigt gelaffenes, fast neues Fahr­rad gestohlen. Der Täter ist erkannt.

= Zur Zierde bes vorderen Schloßhofes nach bet Hauptwache würben zu beiden Seiten in nächster Nähe des Weges je 6 Eibenbäume gepflanzt unb mit Drahtgitter umgeben.

-L Schulerausflüge werben heute von allen Klaffen bes Gymnasiums unb mehreren Klaffen ber bom« pfarrlichen Knabenschule unternommen.

** Stenographisches. Der Mittelwestdeutsche Stenographenbund Stolz e-S ch r e tj hielt am Sonntag in Homburg b. d. H. seine 27. Jahres- Hauptversammlung unter Leitung des Lehrers Puff- Frankfurt a. M. ah. Der Bund zählt 136 Vereine mit 5286 Mitgliedern, unterrichtet wurden im letz­ten Jahre 4962 Personen. Gelegentlich der öffent­lichen Festversammlung im Kurhause hielt Oberleh­rer Dr. Prönnecke -Magdeburg einen fesselnden Vortrag über das Thema: „Die Stenographie, eine Bannerträgerin der Kultur". Bei dem öffentlichen Preisschreiben, an dem sich etwa 600 Personen be­teiligten, wurden bis zu 400 Silben in ber Minute geschrieben. Als Ort der n ä ch st j ä h r i ge n Ta­gung wurde Fulda in Aussicht genommen.

Hk. Weltausstellung San Francisco 1915. Die­jenigen Firmen, welche bie Weltausstellung San Francisco 1915 zu beschicken gebenfen, werben ge­beten, dies unverzuglich ber Handelskammer zu Hanau mitzüteilen, und zwar bis zum 29. d. Mts.

— Nachlösung von Fahrkarten. Bahnseitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Anspruch auf Verabfolgung einer Fahrkarte 5 Minuten vor Ab­gang eines Zuges erlischt. Wer so spät zur Bahn­steigsperre kommt, daß er keine Fahrkarte mehr lösen kann, ohne daß der Zug aufgehalten würde, kann zwar unter Umständen noch zur Mitfahrt zugelassen wer­den, er muß aber dann zum gewöhnlichen Fahrpreis noch einen Zuschlag von 1 Mk., mindestens jedoch den doppelten Fahrpreis auf der Zielstation oder auf einer zum Nachlösen geeigneten Unterwegsstation entrich­ten. Zur strengen Durchführung dieser Vorschrift haben die deutschen Bahnverwaltungen nunmehr ein eigenes Kontrollspstem eingerichtet.

(*) Nationalspende zum Kaiserjubiläum. Hebet Vas Ergebnis ber Sammlungen für bie Nationalspenbe im Bereich des Kurbessischen Lanbesausschusses liegen nur sehr lückenhafte Mitteilungen vor, da in ein­zelnen Kreisausscküfsen die Sammeltätigkeit noch in ben Anfängen zu stehen scheint. Nach bem Stand in ber Mitte ber letzten Woche waren eingegangen: in Kassel 14310 Mk., in Eschivege 'nur aus ben Kreisorten ohne bie Stabt Eschwege) 1875,OS Mk., in Hofgeismar 932,37 Mk., in Homberg 1210 Mk., in Melsungen 2183,80 Mk., in Ziegenhain 2250 Mk. Es wäre zu wünschen, baß überall da, wo ber Eingang von Beiträgen noch im Rückstand ist, bie Sammlungen recht planmäßig

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5tadweror-neten'versammlung.

--- Fulda, 27. Mai 1913.

Arr ber gestrigen Sitzung ber Stad tv ero rdn eten-V e r- sarnrnlung nahmen 23 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magrstrat war durch den Lbervürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte der stellvertre­tende Stadtverordnetenvorsteher RechtSanwal: and Notar Rang.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des am Sonntag verstorbenen Mitgliedes des Kollegiums, Herrn Breitenborn. Niemand konnte ahnen, so führte er ans, daß den in der Voll- kraft stehenden Mann der Tod so bald Wegreißen sollte. Wir werden dem kernigen Mann, der ein so großes Interesse allen öffentlichen Fragen entgegengebracht und sie stets in taktvollster Weise behandelt hat, ein ehrendes Andenken bewahren. Die Versammlung hatte sich wäh­rend dieser Worte zu Ehren des Toten von den Sitzen erhoben.

1. Feststellung des Planes nnd Kostennachweises über Herstellung des Bürgersteiges in der Johannisstratze — Westseite— und Heranziehung der Anlieger zu Bei­trägen gemäß 8 9 des K.-A.-G. Stv. Sauer: Es kommen hier in Betracht 27,34 Quadratmeter, deren Herstellungskosten sich auf 251,25 Mk. belaufen, sodaß auf das Quadratmeter 9,19 Mk. entfallen. Die Hälfte der Kosten entfall# auf die Anwohner. Die Vorlage wird genehmigt.

L. Tesgl. Johannisstraße — Südseite. Stv. Sauer: Die Herstellung dieses Teiles erfordert 7729,66 Mk. mit einem Kostenaufwand von 8,66 Mk. pro Quadratmeter. Von ben Kosten entfällt auch hier die Hälfte, d. i." 3864,83 Mk., auf die Anlieger. — Wird bewilligt.

3. Gutachten des Professors Dr. Dunbar betr. Ber- falzmrg der Flüsse durch bie Abwässer der Kaliindustrie. Stv. Kircher: Das vorliegende Gutachten ist inhalt­lich nicht ohne weiteres wiederzugeben wegen seines großen Umfanges, dann aber auch deshalb nicht, weil die Ergebnisse mit Bezug auf die jeweilige Nutzung der anliegenden Ländereien berechnet find. Der Ober- bärgermeister erklärt, daß die Stadt Fulda bei ihrem Vertrage mit dem fialitoed Neuhof nach den vor. liegenden Ergebnissen gut fahre. Den interessierten Stadtverordneten wird das Gutachten zwecks Einsicht zur Verfügung gestellt.

4. Protokoll des Preisgerichts über die auf Grund des ergangenen Wettausschreibens eingegangenen Ent­würfe für den Neubau der Oberrealschule. Stv. Fritz: AuS dem Protokoll geht hervor, daß 48 der eingegan­genen Entwürfe bei der ersten Sichtung zurückgestellt wurden. Von den verbleibenden Entwürfen kamen 25 in die engere und von diesen wieder 10 in die engste Wahl. Das Preisgericht hat beschlossen, von einer Ver­teilung des ersten Preises Abstand zu nehmen, da in keinem Entwurf die Aufgabe zufriedenstellend gelöst worden war. Dagegen sind zwei zweite Preise zuer. könnt worden. Mich hat eS gewundert, daß nicht noch gtoei weitere Preise aus gegeben worden sind, da dies doch in Aussicht genommen war. Meines Erachtens waren unter den Entwürfen doch noch einige gute Stücke. Die Angelegenheit ist der Baukommission übergeben worden. Der Oberbürgermei st er: Me Bau- kommisston soll sich schlüssig werden über den Typ des Baues und sie hat nach zweimaliger Beratung auch schon einen Beschluß gefaßt. Dieser Typ soll der !)u>- gierung unterbreitet werden. Im Rahmen dieses Typs müssen dann die Einzelheiten festgelegt werden. Stv. Fritz beantragt, daß zu allen Sitzungen der Kommis, fion Stv. Vlstlmer hinzugezogen werde. Dieser schlägt tagegen Herrn Direkter Machens vor. Die Wahl fällt auf Sw. Vollmer.

5. Beschlutz des Bezirksausschusses betr. Ablehnung ber Genehmigung der beschlossenen Kanalgebühren- Ordnung und Erhebung eines einmaligen Kaualbei-

befeitigt, der bisher ben Frieden unmöglich gemacht hatte.

So hat denn bas römische Reich mit allen ihm zur Verfügung stehenben Mitteln der brutalen Ge­walt unb ausgesuchten Grausamkeit die Verfolgung bes Christentums betrieben. Und zu den Mitteln der Gewalt gesellte sich als diensteiftiger Bundesgenosse der Hohn und Spott der Sophisten, ber zynischen Freigeister von damals, bie Agitation des damaligen Monismus, die nicht müde wurde, ihre Weisheit als schöner, erhabener unb menschenwürdiger als die des Christentums anzupreisen; ganz so, wie es heutzutage auch der Fall ist. Damals hat man gehöhnt über die Religion des Pöbels, ber ungebildeten Fischer vom, See Genesareth, bie des Sklaven und Gemeinen und ber Ungebildeten, über den Wahnsinn derer, die an eine Menschwerdung Gottes und deffen Opfertod für der Menschheit Sünden redeten.

Unb bas Enbe? Weber der beißende Spott, noch ber giftigste Hohn, noch bie brutalste Gewalt haben es vermocht, ben Siegeszug der Kirche aufzuhalten.

Mit Widerwillen erkennt sterbend, von schmerz­licher Krankheit gepeinigt, der alte Christenversolger GaleriuS den Sieg des Christentums an und gewährt ihm widerstrebend Duldung, bis bann 2 Jahre nach­her (313) in dem von Konstantin unb Licinius er­lassenen Mailänder Edikt die Duldung des Christen­tums vollkommen wirb.

Ein Doppeltes also will bie Kirche mit dieser Jubiläumsfeier: Ihre eigenen Kinb er ermu» tigen für die Kämpfe der Gegenwart und Zukunft, indem sie ihnen bie Siegeslraft, die ihr Chrmus der Herr verliehen, vorführt in ihrem Sieg über das heidnische Weltreich und dann eine Antwort an bie Gegner und Feinde von heute und morgen: te sollten sich belehren lassen durch das Zeugnis der Geschichte, das ihnen die Aussichtslosigkeit ihres Kampfes gegen das Christentum klar und greifbar deutlich vor Augen stellt.

Stögen sie tun, was sie nicht lassen können, aber lernen hätten sie doch dürfen aus der Geschichte.^ baß ihr Kampf gegen bas Schiff der Kirche vergleich- rar ist dem Kampf eines Papierschiffleins, wie es die Kinder machen, gegen ein modernes Kriegsschiff.

vorgenommen werben, damit unser Heffenland hinter den anderen Provinzen und Bundesstaaten nicht zurück- steht. Es sei daran erinnert, daß bie Nationalspenbe für die christlichen Missionen die einzige öffentliche Spende ist, die das gesamte deutsche Volk seinem Kaiser überreichen soll. Außer den bekannten Sammel­stellen haben sich auch sämtliche Herren Pfarrer bereit erklärt, Beiträge für die Nationalspenbe entgegen zu nehmen.

** Rescrveübungeu. Im Laufe dieses Jahres sollen wieder auf dem Ohrdrufer Truppenübungs­platz größere Hebungen der Landwehr und Reserve in besonderen kriegsstarken Reserve-J»« fanterie-Regimentern abgehalten werben. Das erste Reserve-Regiment wird am 6. Juni auf dem Truppenübungsplatz gebildet. Es werden dazu ca. 2000 Mann aus allen Gegenden Mitteldeutsch­lands eingezogen. Die Hebungen dieses Reserve- Regiments dauern bis zum 19. Juni. Die gesamte Ausrüstung hat das 4. Armeekorps zu erledigen, da frühere Mannschaften aus Truppenteilen dieses Ar­meekorps eingezogen werden. Ein weiteres Reserve- Regiment, und zwar des 18. Armeekorps, wird bom 21. Juni bis 4. Juli seine Hebungen auf dem Truppenübungsplatz vornehmen.

Aus dem ttachbargebiete.

* Wolshagen, 26. Mai 1913. Der 16jährige Sohn des Landwirts D. aus Gasterfeld hantierte gestern mit einem geladenen Tesching, wobei sich das­selbe entlud und den im gleichen Alter stehenden Bl. aus dem benachbarten Dorfe Viesebeck in ben Kopf traf. Die Kugel blieb im Kopfe oberhalb der Stirn sitzen. Der junge Mensch wurde in das Landlranken« Haus nach Kassel gebracht.

# Homberg, 26. Mai 1913. Während der Sommer­ferien wird auch in diesem Jahre wieder ein vier« wöchentlicher Fortbildungskursus für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen am hiesigen Lehrer­seminar abgehalten werden. Der Kursus wird von Herrn Geh. Regierungs- unb Schulrat Dr. Quehl aus Kassel geleitet. — Hnsere städtische Sparkasse schloß im vergangenen Jahr in Aktiva und Passiva mit 3 828 067,54 Mk. ab. Die Spareinlagen beliefen sich einschließlich Zinsen auf 3621151,88 Mk, der Reservefonds auf 189693,90 Mk.

(♦) Kassel, 26. Mai 1913. Mitte Juni wird im Orangerieschloß in der Karlsaue die deutsche Kunstausstellung eröffnet werden, die als erste große Ausstellung dieser Art in Kassel und über dessen Weichbild hinaus im ganzen Hessenland eine besondere Bedeutung beanspruchen darf. An sorg- faltig ausgewählten Beispielen soll gezeigt werben, was die jetzt lebenden Generationen von Künstlern in unserem gesamten Vaterland anstreben und schaf­fen. Unb dieses einheitliche Bild soll nicht durch das Hineinziehen ausländischer Kunst getrübt werden nicht etwa aus falsch verstandenem Chauvinismus als vielmehr in dem Bewußtsein, daß die deutsche Kunst der Gegenwart in sich geschlossen und wir­kungsvoll ist und der fremden Folie nicht bedarf. In allen Kunstzentren ist in den Ateliers der Künsllei eine Auswahl getroffen worden, in dem Bestreben möglichst gute und bezeichnende Arbeiten zu erhalten. Von den namhaftesten Künstlern seien neben Thoma genannt Trübner, Graf Kalckreuth, Max Klinger, der Werke der Malerei und der Plasttk sendet, der greife Steinhaufen, Kampf, Mackensen, Stuck, Sle- bogt, Ludwig von Hofmann und Hagen. Der Kas­seler Akademiedirektor Olde wird mit frühen und neueren Arbeiten bertreten sein, und am stattlichsten wird sich die Kunst des berühmtesten gegenwärtigen Malers ans dem Heffenland, Prof. Karl Bantzers in Dresden, mit einer ganzen Reihe bon Bildern bar« stellen. In dem schönen und wirkungsvollen Ein. gangsraum wird als Hauptwerk der Skulptur die große Reiterfigur in Bronze von Hermann Hahn in München ihre Stelle finden, die auf der vor kur­zem von der Berliner Akademie veranstalteten Aus­stellung gezeigt wurde. Von Adolf Brütt in Ber- lin ist die ausgezeichnete Büste ber Kaiserin in Aus­sicht gestellt unb hoffentlich wird sich ihr die neueste Büste des Kaisers zugesellen, an der ber Meister noch tätig ist. Aböls von H i 1 b e b r a n b in München, geborener Marburger, sendet seine Bismarckbüste, eist anderer Hesse, der sich draußen einen Namen ge­macht hat, Arnold R e ch b e r g, mehrere seiner neuesten Arbeiten: unb zu diesen von zahlreichen anderen Werken der Skulptur wird eine schöne Aus­wahl von Werken der Kleinplastik treten. Eine aus, gedehnte graphische Abteilung wirb eine treffliche Hebersicht über diese von fast allen Künstlern ge-