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Suldaer Zeitlin

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- Jutbaer flctienbrudeerei In Zulda. Zemsprecher Nr. 9. ::

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Illustrierte Sonnfagszeitung ! Fuldaer Seschlchtsblütter

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40. Zahrgang.

Dienstag den 27. Mai 1913

Nr. 119. -A- erstes Blatt

z Gehts wieder los?

Gar nicht unmöglich. Es sieht so aus, als oh die BaÜanverbündeten sich noch tüchtig in die Haare ge­raten würden.

Die Gegensätze zwischen den Bulgaren und ihren Verbündeten, den Griechen und S e r b en, treten immer deutlicher hervor. Der alte Haß der Griechen und Bulgaren gegeneinander, den das Bündnis gegen die Türkei künstlich überbrückt hat und der während des Krieges unter der Asche weiter ?klimmte, bricht jetzt wieder von neuem aus. Schon eit einiger Zeit werden Zusammenstöße zwischen grie­chischen und bulgarischen Truppen gemeldet. Die Stätte der Zusammenstöße ist in dem vom Angista- fluffe durchgezogenen Gebiet zwischen Saloniki und dem nordöstlich auf der anderen Sette der Halbinsel Lhalchidice gelegenen Serres.

Ueberraschend ist das kriegerische Nachspiel eigentlich nicht. Auf dem Balkan sind die Rassen, die Sp eit und die Bekenntnisse derartig durcheinander geq. ttt, daß sich natürliche Grenzen für die Interessen­gebiete der einzelnm Staaten nicht ziehen lassen. Wie man auch die Beute verteilen mag, stets bekommt dieser oder jener Staat etwas ungehöriges und ent­behrt etwas, was er beanspruchen zu können glaubt. Bei den Verhandlungen über die Abgrenzung von Albanien hat sich ja handgreiflich gezeigt, daß sich o^ne Unrecht nach der einen ober der anderen Seite ober gar nach beiden Seiten überhaupt kein Scheide­strich ziehen läßt.

Die natürlichen Schwierigkeiten der Beuteverteilung werden nun noch gesteigert durch das Uebermaß von Selbstbewußtsein und Eifersucht, das sich bei den bis- hörige» Verbündeten und den allzu billigen Siegen entwickelt hat. Die Bulgaren sagen mit einem ge­wissen Recht, daß sie im Kampfe gegen die türkische Macht die Hauptsache geleistet haben. Die Serben ober, die schon von alters her zum Größenwahn neigen, behaupten dagegen, daß sie bei der Eroberung von Adrianopel und von Mazedonien überhaupt den Ausschlag gegeben hätten. Die Griechen pochen darauf, daß st« bei dem Wettlauf nach Saloniki den Bulgaren um eine Strohhalm breite zuvorgekommen find und wollen sich diese wichtige Stadt nebst ihrer Umgebung um keinen Preis nehmen lasten. Da Serbien und Griechenland ihren Beuteanteil von Bulgarien bedroht sehen, so haben sie schleunigst ein engeres Bündnis gegen den bisherigen Ver­bündeten und jetzigen Nebenbuhler im Norden abge­schlossen. König Ferdinand scheint seinerseits mit der gewohnten Klugheit für einen Waffengang mit Ser­bien und Bulgarien alles vorbereitet zu haben.

Als im Jahre 1870 Norddeutschland und Süd- Deutschland den Bundeskrieg gegen Frankreich geführt hatten, gerieten sie nicht in Eifersucht und Hader, sondern schlossen sich im Deutschen Reich aus den gemeinsamen Lorbeeren zusammen. Sie hatten die häusliche Auseinandersetzung von 1866 glücklicher­weise schon hinter sich. Aus dem Balkan ist die Reihenfolge umgekehrt. Erst erringt man gemeinsame Siege nach dem Vorbild von 1870, und dann veran­staltet man einen Bruderkrieg ä la 1866.

Für uns Zuschauer in Mitteleuropa hat die Sache zwei Seiten. Wir fühlen Mitleid mit den Völkern, die noch weiter geplagt und geschunden werden, und wir bedauern den weiteren Aufschub der Be­ruhigung des Südostens. Aber der Realpolitiker fragt sich: Was wäre das größere liebel?

Der Beutezwist unter den Emporkömmlingen am Balkan oder der Bestand eines festen Balkanbundes unter panstaviftischem Einfluß? Für Oesterreich und alfo mittelbar auch für uns würde eine solche ge­sammelte Vormacht des Slaventums im Süd- often gewiß eine reiche Quelle von Schwierig­keiten und Gefahren sein. Dagegen ist es eine wesentliche Erleichterung der Sage, wenn Bul-

Die schuld des Vaters.

^29] Rmnan von Freifrau G.von Schlippenbach.

(Schluß.)

Ez lautete auf Deportation nach Sibirien und Zwangsarbeit auf zehn Jahre; später auf Ansiede­lung im Tomskeschen Gouvernement auf lebens­länglich.

Als Tischnofski es hörte, knickte er zusammen.

Daun blitzte eS aber in seinen Augen auf.

«Ihr sollt mich doch nicht haben", dachte er ver­bissen.

Am andern Morgen fand man ihn in seinem Kerker erhängt. Er hatte dazu einen Haken an der Wand und seine Hosenträger benutzt.

XIV-

Es ist ein Tag Mitte August, der Hochzeitstag Soltjakoffs und Olgas. Bier Wochen vorher sind Boris und Daisv ein glückliches Paar geworden. Heute geleiten sie die Eltern zum Altar.

,Diu kommst mir gar nicht wie eine Stiefmutter bor", sagte die reizende junge Fürstin zn Olga,ich liebe dich wie meine Schwester."

So soll es auch immer zwischen uns bleiben, mein Seelchen," entgegnete Iljas Braut zärtlich.

Du mußt meinen goldenen Papa recht glücklich wachen, du weißt garnicht, wie gut er ist", bittet Daisy.

Soltjakoff kommt dazu bei diesen Dorten feines Kindes.

Idealisiere mich nicht," sagte er lächelnd,ich Ptbe es sonst zu schwer, Olga nicht zu enttäuschen." , Ilja ist im letzten Jahre gealtert. Sein Haar P fast weiß geworden, aber ein friedlicher Ausdruck

auf seinen edlen Zügen, der Ausdruck eines "lenschen, der endlich innerlich - zur Ruhe getont- wen ist.'

q, "Ich will Leid und Freud' mit dir teilen," flüstert «oltzakosfs Braut, sich fest an feine hohe Gestalt

garten in andauerndem Gegensatz zu Serbien und auch zu Griechenland steht. Der unbequemste Nachbar für Oesterreich ist Serbien. Man hat schon in den letzten Jahren wiederholt das Gefühl gehabt: Die tollen Kinder in Belgrad können nicht anders erzogen werden, als durch Prügel. Oester­reich hat nun des lieben europäischen Friedens willen die Rute immer hinter dem Spiegel stecken lassen. Wenn nun die Bulgaren den Serben eine lehrreiche Züchtigung angedeihen ließen unb ihnen das Miß­verhältnis zwischen ihrer Kraft und ihrer Anmaßung zum Bewußtsein bringen, dann wäre das ein wert­voller Beitrag zur politischen Erziehnngskunst.

Die Hauptsache ist, daß die drohende Ausein­andersetzung zwischen den bisherigen Verbündeten dem europäischen Frieden nicht gefährlich wttd. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich aber ein Anlaß für Rußland oder eine sonstige Groß­macht zum Eingreifen in diesenBruderkrieg" nicht ergeben. Ein Wetterwinkel bleibt freilich der Balkan nach wie vor.

W Belgrad, 26. Mai 1913. Nach den hier einge­troffenen Nachrichten, scheinen die Kämpfe zwischen den Griechen und Bulgaren am Flusse A n g i st a von weit größerer Bedeutung gewesen zu sein als von Sofia ge­meldet wurde. Die Bulgaren griffen 80000 Mann stark, die griechischen Stellung an, welche diese seit sechs Monaten inne haben. Besonders war es ihnen um die Stellung von N i g r i tz a zu tun, die für die Verteidi­gung von Saloniki von höchster strategischer Bedeutung ist. Der Angriff erfolgte plötzlich. Die Griechen setzten ihre Mitrailleusen in Aktion. Das Artillerieduell dauerte 48 Stunden. Die griechischen Truppen zogen sich, da sie sehr schwere Verluste erlitten hatten, zurück. Tie Bulgaren drangen dann gegen Südosten vor. Die­ses Vordringen hat hier große Aufregung hervov- gerufen, da man fürchtet, daß, wenn die Bulgaren sich in der Stellung zwischen Nigritza auf Saloniki festsetzen, sie den rechten serbischen Flügel bedrohen werden. Die Blätter gehen sogar so weit, zu behaupten, daß die Bul­garen die Griechen aus Saloniki vertreiben wollen, um dann gegen die serbischen Stellungen im Osten und Süden vorzugehen.

W Saloniki, 26. Mai 1913. An der Front der ser­bisch - griechischen Truppenstellungen herrscht emsige, ununterbrochene Tätigkeit. Es werden mächtige Befestigungswerke aufgesührt, um den Bulgaren den Vormarsch auf Saloniki zu sperren und eine Ueberrumpelung der Stadt zu verhindern. Man hofft, gestützt auf diese Befestigungen, gegebenenfalls eine energische Offensive gegen Serres ein­leiten zu können.

W Sofia, 26. Mai 1913. Aus dem Osten treffen stündlich lange S i s e n b a h n.z ü g'e ein, die mit Militärtranspotten belegt sind und sogleich nach der Süd-West grenze weitergehen. Man bet­rautet, daß die von Adrianopel zurückkehrenden Truppen nicht entlassen, sondern an der serbischen Grenze kon- zentriett werden. Die Situation wird als sehr ernst angesehen.

W Sofia, 26. Mai 1913. Der serbische Gesandte Spaleikowitsch gab gestern die amtliche Erklärung ab, daß Serbien die Abänderung des serbisch-bulgarischen Vertrages wünsche. Wie von zuständiger Stelle ver­lautet, wird die Regierung darauf antworten, daß Bul­garien unbedingt auf der Einhaltung des Vertrages be­stehe und eine Abänderung des Vertrages ablehne.

W Saloniki, 26. Mai 1913. Die Griechen haben nun auch die Bahnstation von Salmanli besetzt. Jeder Vettehr zwischen Saloniki und Serres ist bis auf wei­teres unterbrochen. Das Dors und die Brücke von Ligo- wan befinden sich in den Händen der Griechen. Ein griechisches Geschwader kreuzt vor K a w a l l a. Von der bulgarischen Batterie aus versuchte man cs zu b e s ch i e- ßen. Der Hasen von Kawalla ist durch Minen ge­sperrt.

W London, 26. Mai 1913. Die Sitzung der Bot­schaftervereinigung dauerte 2% Stunden. Wie versichert wird, war der Wunsch allgemein der, daß die Frie­denspräliminarien schleunig st und ohne Aenderungen unterzeichnet werden. Außer mit der Frage des Friedens beschäftigte sich^die Bot­schaftervereinigung mit dem albanischen Statut. iiaiiaMi»iii»imiaEima>M«««»amasBaa3KanfflmaMiiii» iiwriiTaaacaisiaai schmiegend,Dein Volk ist mein Volk, wo du hingehst, folge ich dir in treuer Liebe."

Bewegt blickte Ilja in die Augen der geliebten Frau. "

So fei es," spricht er bewegt.

Eine Stunde später ist Olga in das bräutliche Ge­wand gehüllt. Die schwere, weiße Seide fließt in weichen Falten an ihr nieder und der Kranz von Orangenblüten hält den gestickten Schleier.

In stummer Andacht kniet sie vor dem Kreuzbild in der Ecke. Sie findet keine Worte, ihre Seele beugt sich im Staube vor dem Lenker der menschlichen Geschicke.

Die Hochzeit wird auf Wunsch des fürstlichen Paares in Datnofka gefeiert; nur Nekraffoffs unb einige Nachbarn sind eingeladen. Mestutscheff ist aus Petersburg gekommen, um seine Rolle als Braut­vater zu übernehmen. Er fühlt herzliche Freund­schaft für Ilja und das schöne Mädchen, das heute sein "Weib wird. Die Glocken der Schloßkirche rufen zur Feier.

Nun sind Soltjakoff und Olga als Mann und Frau verbunden; ihr höchster Wunsch ist erfüllt.

Er herrscht eine gehobene Feststimmung an der Hochzettttasel; alle Anwesenden überbieten sich in froher Laune.

Daisys liebliches Gesicht strahlt, wenn sie die bei­den lieben Menschen ansieht; die Neuvermählten sitzen ihr gegenüber.

Ich werde noch ganz eifersüchtig werden," sagt ihr junger Gatte leise und zupft sie am Aermel ihres Kleides.

Borja, sei nicht albern, du bist mir doch der Liebste," entgegnet die junge Frau.

Ilja unb" Olga treten noch heute ihre Hochzeits- reise an- Sie gehen zuerst nach Wien, denn Soltjakoff sehnt sich danach, am Grabe seiner ersten Gattin ein stilles Gebet zu sprechen. Der Stachel der Der- gangeuhett. ist durch das Glück der Gegenwart über­wunden.

Väterchen, du liebes," sagt Daisy kurz vor dem Aufbruch der Neuvermählten,behalte.mich immer so lieb wie bisher. Siehst bu icb bin iefet die glückliche

Zypern an England abgetreten.

Der Konstantinopeler Korrespondent desDaily Expreß" drahtet, er habe aus bester Quelle die Nach­richt erhalten, daß gemäß den Bestimmungen einer anglo-türkischen Vereinbarung die Türkei endgültig die I n s e l Zypern an Großbritannien abgetre­ten hat. Eine offizielle Bestätigung der Nachricht steht noch aus.

Tatsächlich ist die Insel bereits seit 1878 englischer Besitz. In einem während des Berliner Kongreffes zwischen England und der Türkei ohne Vorwiffen der übrigen Großmächte geschloffenenSondervertrage wil­ligte die Pforte in dieOkkupation" Zyperns durch Großbritannien ein, wogegen England sich verpflich­tete, auf dem Kongreß für die Erhaltung des asiati­schen Besitzstandes der Türkei einzutreten. Der Sul­tan hat seit jener Zeit nur die nominelle Souveräni­tät über die Insel ausgeübt. Zypern hat für Eng­land hervorragenden Wert als starke Position im äußersten Osten des Mittelmeeckes, vielleicht auch als Tauschobjeft. In der Nähe Zyperns liegt die Hafen­stadt Mexandrette, die durch eine Zweiglinie mit der Bagdadbahn verbunden werden wird.

Der endgültige Uebergang Chperns in englischen Besitz wird "in Griechenland lebhafte Proteste Hervorrufen. Sie Insel ist fast ausschließlich von Griechen bewohnt, die ihrer wachsenden Unzufrieden­heit mit dem englischen Regime häufig starken Aus­druck verliehen haben.

c. Die Wehrvorlage in der Budget- kommiifion.

In der Budgetkommission des Reichstages kam es am Montag in fortgesetzter Beratung des Ergänzungs­antrages zum Militäretat beim Titel Sanitätsoffiziere zu einer Debatte über den A e r z t em a n g e l im Heere. Ein Fortschrittler stellte fest, daß 53,37 Prozent aller Stellen unbesetzt seien, hauptsächlich wegen der Nicht­zulassung jüdischer Offiziere. Demgegenüber erklärte der Kriegsminister den Mangel durch starken Abgang von Sanitätsoffizieren, auch Stabsoffizieren. Für den Mobilmachungsfall liege keinerlei Gefahr vor. Ein Zen­trumsredner empfahl die Anrechnung von fünf Jahren Studienzeit auf das pensionsfähige Dienstalter. Der Kriegsminister erklärte, die Frage werde verfolgt, sie sei aber wegen der Konsequenzen auf andere Berufe bedenklich. Ein Fortschrittler kleidete die Anregung des Zentrums in die Form eines Antrages. Der fott- schtttrliche A'nttäg wurde schließlich in aögeänderter Fassung, wonach ein Teil der Studienzeit nach längerer Dienstzeit angerechnet werden soll, fast einstimmig an­genommen.

In der weiteren Verhandlung wurden von 13 ange­forderten Regimentskommandeuren als Bezirks­kommandeure unter Ablehnung eines Zentrums­antrages auf Streichung dieser 13 Stellen drei Regi­mentskommandeure bewilligt.

Es folgte die Beratung eines Zentrumsantrages: die Dien st Prämien für Unteroffiziere, die aus dem Heere scheiden, nach neunjähriger aktiver Dienstzeit auf je 1000 Mark, nach 12jähriger auf je 1500 Mark zu bemessen. Auf Anregung des Kttegs- ministers und des Staatssekretärs änderte der Antrag, steiler seinen Antrag dahin, die Besserstellung der Un­teroffiziere in der Richtung herbcizuführen, daß vom 1. April 1914 an eine allgemeine Erhöhung der Dienst­prämien eintritt und daß die frühere Gewährung einer kleinen Dienftprämie nebst dem Anstellungsschein er­folgen wird. Dieser Antrag wurde angenommen. Auch folgender Antrag des Zentrums, für den zwei Lesungen beschlossen wurden, fand in erster Lesung Annahme: Familien, von denen mehr als drei Söhne ihrer attiven Dienstpflicht im Rem.^ecre oder in der Marine genügt haben, erhalten während der Dienstzeit eines jeden weiteren Soldaten Pro Jahr 240 Mark Aufwandsentschädigung. Gegen den Antrag stimmten nur die Sozialdemokraten.

Eine Reihe von Kapiteln wurden ohne Debatte er­ledigt. Beim KapitelMedizinalwesen" begründete ein IIIMIIII HH 1! IIIHTI

Frau meines Borja, ober der Platz, der dir gehört, ist heilig, der ist dein für alle Zeit/'

Und ebenso ist es bei mir der Fall," entgegnet Soltjakoff innig,Gottes Segen über dich, du m<*. Kleinod, mein Seelchen."

Sie umarmten sich lange und innig.

Nun haben Ilja und Olga von allen Abschied ge­nommen.

Sie fahren zur Station.

Stumm fitzen sie nebeneinander, Hand in Hand, sie finden keine Worte; ihr Glück überwältigt sie fast.

Der Abend sintt; schon blitzt hin und wieder ein Stern am Himmel. Da legt Ilja den Arm um sein bräutliches Weib.

Du mein guter Engel," sagt er tief bewegt, Gott mache uns würdig des großen Glückes, das wir uns eroberten. Durch Kampf und Sturme hat der Allmächtige uns geleitet, damit wir geläutert wer­den. Laß uns danach trachten, Tränen zu trocknen, Wunden zu heilen, nuferen Mitmenschen in Not und Sorge zur Seite zu stehen, und es so zu verdienen suchen, was wir dem Höchsten verdanken."

Ja, so soll es fein!"

Olga ruft es hingerissen, und beide fühlen, daß es ihnen mit diesem Versprechen ernst ist.

Behrings neues Diphtherie-Schutzmittel.

E. von Behring, der berühmte Marburger Schöpfer des Diphtherie-Heilserums, veröffentlicht in der neuen Nummer der deutschen Medizinischen Wochenschrift sei­nen aufsehenerregenden Vortrag über ein neues Diph- thcrieschutzmittel, das er auf dem letzten Kongreß für innere Mcdizm bekannt gab. Der Grundgedanke, auf dem diese aussichtsreiche Methode sich aufbaut, ist fol­gender: Spritzt man einem Tier gewöhnlich werden Pferde dazu verwendet das von Diphtheriebazillen ausgeschicdene Gift in allmählich steigender Menge ein, so wird es immer widerstandsfähiger gegen das Gift, weil sich im Blut ein Gegengift (Antitoxin) bildet, da? das Diphthericgift unschädlich machr. Dieses Verfahren nennt man aktive Immunisierung. Do^ Blutserum

Nationalliberaler eine Resolution, den Reichskanzler zr ersuchen, Vorsorge zu treffen, daß die in Friedenszeiten während der aktiven Dienstzeit oder während einer Uebung verstorbener Militärpersonen aus Verlangen der Angehörigen zur Beerdigung kostenlos in die Heimat übergeführt werden. Der Kriegsminister und der Schatzsekretär erklärten ihr grundsätzliches Einverständnis mit der Resolution, mach­ten abtr formale Bedenken geltend. Zusammen mit der Resolution wurde ein von Zentrums- und national liberaler Seite eingebrachter Antrag beraten, für den genannten Zweck, sowie ferner zum Besuch erkrank- ter Militärpersonen durch ihre Angehörigen 100 000 Mk. einzusetzen. Nach kurzer Debatte wird die nationalliberale Resolution zurückgezogen und der An­trag des Zentrums mit der Aenderung angenommen, daß die Bestimmung nur auf Unterofsiziere und Mann­schaften anwendbar sei.

In der Nachmitagssitzung beantragte Abg. Erzberger (Zentr.), 1600 000 Mark für freie Urlaubsrei. sen der Mannschaften in die Heimat einzustel­len. Die Volkspartei hatte einen ähnlichen Antrag ein­gebracht. Die beantragte Summe ist so bemessen, das jedem Soldat damit eine jährliche Reise in die Heimat yröglich ist. Die verbündeten Negierungen hatten gegen den Antrag Bedenken. Er wurde jedoch einstimmig a n- genommen. Eine volksparteiliche Anfrage, ob die Absicht bestehe, die Ausbildungszeit der Os f i- ziersaspiranten auf den Kriegsschulen zu ver­kürzen, wurde durch Generalmajor Wandel verneinend beantwortet. Abg. Erzberger wies bei Besprechung des Etats des G ru n d e r w e r b e s für die neuen Ka­sernen refetterend darauf hin, daß durch Entgegen­kommen der Städte etwa 6 Millionen Mark gespart werden könnten. Weitere Abstriche gleicher Art im Be­trage von 5*4 Millionen Mark stünden bevor, sodaß eine provisorische Unterbringung von Truppen nicht,nötig würde. Eine lebhafte Debatte entspann sich _ bei den Zulagen für das Unteroffizierkorps in Elsaß-Loth- ringen. Die Zulagen wurden abgelehnt.

lieber die weitere Behandlung der Heeresvorlagen entspann sich eine längere Aussprache. Das Zentrum sprach sich dahin aus: Keine Ausgabe ohne Deckung! Weiter glaubte ein Zentrumsredner auf gründ der Aussprache feststellen zu können, daß zwischen den Nationalliberalen und Konservativen und dem Zen­trum eine Verständigung über die Art der B e- lastung wohl möglich erscheine. Die Konserva­tiven schlossen sich dem Zentrum im wesentlichen an. Ein nationalilberaler Redner brachte zum Ausdruck, auch seine Freunde wünschten keine Verschiebung der Deckungsfrage, wollten jedoch das Eine von dem An- deren abhängig machen, während die Fortschrittler be­tonten, daß ihnen die Annahme der Wehrvorlage an sich von der Art, wie im einzelnen die Deckung erfolge, nicht abhängig gemacht werden dürfe, und sie im Interesse der Oeffentlichkeit und des Auslandes zunächst eine baldige Erledigung der W e h r v o r I a g e als nötig er* achteten.

Am Dienstag werden die Beratungen fortgesetzt.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Mai 1913. Die Königin vor England beging am Montag ihren Geburtstag. Der'Kaiser unb die Kaiserin erschienen gegen 91/« Uhr vormittags in den Gemächern der englischen Herr- schatten zur Beglückwünschung. Um 10 Uhr 30 Min. sind dann der König unb die Königin von England mit Gefolge unb Ehrendienst nach Neustrelitz abge. reist, um den Tag am Hofe von Mecklenburg-Strelitz zu verleben. Der Kaiser unb die Kaiserin hatten ihre hohen Gäste im Schlosse dis zum Automobil geleitet. Um 4 Uhr kehrte das englische Königspaar wieder nach Berlin zurück. Am Dienstag erfolgt die Rück­reise nach England. Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, ist vom Kaiser zum Rittmeister bei den Zietenhusaren befördert worden. Eine argentiniiche Sonderbotschast unter Führung des Senators Dr. Carlos Salas ist in Berlin eingettoffen, dem Kaiser den Dank Argentiniens für Deutschlands Teilnahme an der Jahrhundertfeier der argentinifchen Unabhängigkeit im Jahre 1910 auszudrücken.

der aktiv immunisierten Tiere, bas also das Gegengift enthält, ist das bisher gebräuchliche Heilserum. Seine Anwendung bei menschlichen Diphtcheriekranken stellt eine passive Immunisierung dar, d. h. der Körper der Kranken bekommt in dem eingespritzten Serum das Gegengift fertig geliefert und brauche es nicht, wie das vorbehandelte Tier selbst zu erzeugen.

Nun hat man auch versucht, mit diesem Heilserum gesunde Personen, die der Ansteckung durch Diphtherie-' kranke ausgesetzt find, z. B. die Geschwister kranker Kin- der, vorbeugend zu behandeln, das heißt, sie vor der An­steckung zu schützen; indeffen waren die Erfolge nur gering, weil der Impfschutz entweder ungenügend ist, oder doch nur sehr kurze Zett, wenige Wochen, vorhält. Hier setzen v. Behrings neue Forschungen ein. Ein un­ter bestimmten Bedingungen hergestelltes Gemisch ton Diphtheriegift und -gegengift (Toxin und Antitoxin) bewirkt wie die Schutzpockenimpftmg eine kurze, völlig harmlose Fieberreaktion und veranlaßt im Blute der Geimpften die Bildung einer Antitoxinmenge, die nicht nur groß genug ist, um sie vor der augenblicklichen Anstechmgsgefahr zu schützen, sondern auch lange Zeit, bis zu einem Jahre, Vorhalten kann. v. Behring be- ttchtet, da diese Impfung an nahezu 100 Personen ohne Schädigung bereits durchgeführt worden ist und daß et in einem Krankenhanse gelungen ist, während einer Diphtherie-Hausepidemie sämtliche Geimpfte gesund zu erhalten.

Darüber hinaus hat das Verfahren noch die große Bedeutung, daß man mit kleinen Blutmengen, die sol­chen Geimpften entnommen werden, w-.eder andere Per­sonen passiv immunisieren kann, was den Vorzug hat, daß gewisse unangenehme Erscheinungen, die das tie rische Serum beim Menschen bisweilen hervorrust. die Erslbeinungen der sogenannten Anaphylaxie, vermieden werden. Die neue Methode erfordert die größte Sorg- fall, weil die verschiedenen Alrersperioden verschieden empfindlich sind unb namentlich weil Personen, die früher Diphthette überstanden Haven oder noch Diph­theriebazillen beherbergen, besonders stark auf die Jm- pfwrg reagieren.

Der Erfinder -'S* daher sein Mittel vorläufig nur an all. I '> verpflichten, in jedem einzelnen