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Nr. ISS

Erstes Blatt.

Montag den 2S. Mai 1913

40. Zahrgang.

zu

Se­in ich

War es ein zufällig Vorüberfahrender, der den Todcsschrei Swerjeffs vernommen hatte?

Ich wußte, daß der Aberglaube der Bauern schauerliche Geschichten über den schwarzen Teich er­zählte. Schon früher, vor vielen Jahren, soll dort ein Mord verübt worden sein.

Ich trocknete das Blut von meiner Stirn und wusch mir das Gesicht mit einem Fetzen meines Taschentuches. Dann schlang ich ein zweites Tuch als notdürftigen Verband um iüe Wunde, die heftig schmerzte.

Was nun?

Das Fürchterliche meiner Tat wurde mir erst jetzt klar. Ich hatte ein Menschenleben auf dem Gewissen.

Wenn es herauskam, war ich verloren.

Ich eilte ziellos durch den Wald. Wieviele Werft ich gegangen war, wußte ich nicht. Der Tag be­gann zu grauen. Ich erwachte aus meiner seelischen Betäubung, ich rüttelte mich auf. Im Zwielicht er­kannte ich die Gegend. Ich war in der Nähe der Eisenbahnstation Wischnogradki, die von Latwilifchki mehrere Meilen entfernt ist. Der Pfiff einer Loko­motive tönte durch die Stille des jungen Tages. Ich hatte mich also nicht geirrt, es war der Güterzug, der von Wischnogradki abging. Eine Viertelstunde später der Personenzug auf der Station, um nach kurzem Stillstand weiterzufahren. Ich sagte mir, daß ich mit ihm fort mußte — um jeden Preis- Und ich begann zu laufen, als gälte es das Leben. Als ich die Station erreichte, war es die höchste Zeit; der Billettschalter sollte eben geschloffen werden. Mit Mühe und Not erhielt ich noch eine Fahrkarte bis L. Mein Geld reichte nur bis dorthin.

Es war mittlerweile schon Heller Tag geworden.

Der Stationsvorsteher stand auf dem Perron. Es schien mir, als ob er mich scharf fixierte. Er mußte bemerkt haben, daß ich in höchster Eile hergelaufen i kam. Außer mir waren nur noch einige Reisende da. Ich zog die Uhr, die ich Roman Romanowitsch geraubt hatte, und verglich sie mit der am Bahnhofs­gebäude. Es war halb fünf. J

den ganzen „U lt r a m o n t a n i s mu s" im Gange. — Ehe der Reichstag den ersten Schritt auf dieser schiefen Ebene billigt, muß er sich die möglichen Fol­gen klar machen. Sollen wir wegen der Handvoll Lärmmacher in Elsaß-Lochringen das ganze Reich in Rechtsunsicherheit stürzen und vor dem feindlichen Auslande uns als ein innerlich zersetztes, nur durch Zwang in Ordnung zu haltendes Staatswes«r hin­stellen?

Swerjeff schien endlich aus seinem Grübeln «Wachen. Er mußte, um nach Latwilifchki zu langen, den schwarzen Teich umgehen, der sich firunder Form dahinzog. Sprungbereit lauerte na Gebüsch. —

Vie Schuld des Vaters.

28] Roman von Freifrau G.von Schlippenbach.

Plötzlich pochte mir das Herz wie rasend.

Ich hatte Roman Romanowitsch erkannt.

Er stand, wie tief in Gedanken versunken da und starrte in das Waffer. Ich regte kein Glied. Alles fwhlockte in mir. Günstiger hätte ich mein Vorhaben nicht ausführeu können; ich hielt den Kerl in meinen Händen. In der Ferne verhallte der Hufschlag des Pferdes.

ßen das Fest ihrer Silberhochzeit. Wagen aus Wagen rollte vor dem Hotel vor, deren Insassen dem prinz- lichen Silberpaare ihre Glückwünsche darbrachten. Um 1.4,10 Uhr vormittags erschien die Kaiserin mit den Prinzen Joachim und Adalbert zur Gratulation. Auch die greise Großherzogin von Baden fuhr vor dem Hotel vor, um ihren Neffen und dessen Gemahlin ihre Glückwünsche zu überbringen. Ferner sprachen zur Gratulation vor das Herzogspaar von Cumber­land, die Kronprinzessin, der Regent von Braun­schweig, Prinz Friedrich Karl von Hessen, der Fürst von Hohenzollcrn-Sigmaringen und zahllose militä­rische Persönlichkeiten. Gegen 12 Uhr mittags be­gab sich Prinz Heinrich mit seiner Familie in das Mausoleum zu Charlottenburg, um dort einen Kranz an der Gruft Kaiser Wilhelms I. niederzulegen.

c. Die Wehrvorlage iu ver Brrdgst- kommWon.

! Die Budgetkommission des Reichstages fuhr am I Samstag bei der Beratung des Ergänzungsetats zum I Militäretat fort. Bei einer Anfrage gab der Kriegs« I Minister Auskunft über die Entstehung und Entwrck- I [ung der Generalinspektionen, insbesondere I über Stellung des Inspekteurs der Feldartillerie und I die Gründe, die einen Generalinspekteur bei dieser I Waffe nicht erforderlich machten. Ein fortschrittlicher I Redner befürchtete, bei Berufung der Armeeinspekteure I seien mehr dynastische Rücksichten, als die Tüchtigkeit I maßgebend. Der Kriegsminister erläuterte Art und I Umfang der Tätigkeit und die Stellung der Armee- I inspekteure, widerlegte die ebenfalls geäußerte Befürch- I tung, daß diese ihren Aufgaben nicht gewachsen seien I und äußerte sich weiter über die Verteilung der Armee- I inspektionen. Die neu eingeführte Stelle eines Armee- I Inspektors wurde bewilligt, ferner je ein Jnspek- I teur des Lust- und Kraftfahrwesens, der Maschinen» I gewehrtruppen, der Luftschiffertruppen, der Fliegertruppe I und 12 Landwehrinspekteure. Von den drei geforderten I Kavalleriebrigadekommandeuren wurden entsprechend I dem von der Kommission vorgenommenen Abstrich von drei Kavallerieregimentern nur zwei KavalleriebriMlde« I kommandeure bewilligt.

Bei dem Kapitel Adjutanturoffiziere wur­den statt der geforderten 26 Hauptleute und Rittmeister 24 bewilligt.

Zu Kapitel 24 „Geldverpflegung der Truppen" la­gen folgende Anträge vor: a) der Zentrumsantrag, 1008 Leutnants und 1044 Unteroffiziere zu streichen, eben­so die verlangten 13 Regimentskommandeure (pensio­nierte Offiziere bei Bezirkskommandos), dann b) eine sozialdemokratische Resolution, Unteroffizieren das Auf­rücken in Offiziersstellen zu ermöglichen; c) ein fort­schrittlicher Antrag, für den Stab jedes Infanterie-Re. giments einen Oberstleutnant, zwei Majore, zwei Haupt­leute und einen Oberleutnant zu bewilligen und die übrigen zu streichen, ferner von den für 1914 zu for­dernden Leutnantsstellen die Hälfte mit gehobenen Un­teroffizieren zu besetzen. In der Begründung des Zen­trumsantrages führte der Zentrumsredner aus, die Kriegsverwaltung werde gar nicht in der Lage sein, so­fort die angeforderte Anzahl von Offizieren zu beschaf­fen. Die glatte Bewilligung werde demnach zu einem papiernen Etat führen. Dazu dürfte es aus budgetären Gründen und mit Rücksicht auf das Ausland nicht kom­men. Die ganze Welt solle wissen, daß der deutsche Heeresetat genau durchgeführt werde. Aus denselben Gründen müsse auch bei den Unteroffizieren der Ab­strich erfolgen. Generalleutnant Wandel gab noch Aus­kunft über den Umfang der Uebungen des Be­ll r l aubtenstandes, und sagte zu, daß dieselben aus vielfachen Gründen, auch solchen militärischer Art, in ausgedehntem Maße im Winter stattfinden sollen. Die Sommerübungen sollen nach Möglichkeit einge­schränkt werden.

In der Abstimmung wurde die sozialdemokra­tische Resolution und der fortschrittliche Antrag abge­lehnt. Die Forderungen der Vorlage betreffend die höheren Offiziere wurden gegen die Sozialdemokraten und Fortschrittler genehmigt, dann die Oberleutnants und Leutnants nach dem Zentrumsantrag, also statt 1538 nur 530 bewilligt, ließet Titel 7 (Mannschaften) wurde auf Antrag besonders abgestimmt, und ebenfalls enffpre- chend dem Zentrumsantrag statt 8607 Unteroffizieren 7563 genehmigt.

Eine fortschrittliche Resolution, die den Reichskanz. ler ersucht, die von der Heeresverwaltung zu besetzen­den Schreibstellen tunlichst nicht mit aktjven Mannschaft ten, sondern mit geeigneten Schreibgehilfen aus dem Zivildienst zu besetzen, wurde gegen die Sozialdemokra- ten und Fortschrittler abgelehnt.

Nächste Sitzung Montag.

„So steigen Sie doch ein, der Zug wird nicht auf5 Sie warten!" rief mir der Vorsteher der Station zu.

Das Zeichen zur Abfahrt ertönte gleich, nachdem ich in mein Coups dritter Klasse hineingesprungen war. Die Wunde an meiner Stirn fing an, heftig zu schmerzen. Ich fürchtete, daß man mich in der Stadt als verdächtige Persönlichkeit erkennen werde Was sollte ich auch dort? Wer würde mich pflegen?, War es nicht befler. mich irgendwo zu verstecken, bis ich gesund war und die erste Aufregung über den Mott» sich etwas gelegt hatte. Aber vielleicht ent» deckte man die Leiche erst nach längerer Zeit, vielleicht gar nicht.

Immer heftiger wurden die Schmerzen.

Ich beschloß, in der Nähe des Dorfes Matutfchka auszusteigen. Dort lebte eine alte Tante von mir, die Bäuerin Nadeschda Simonowna Bobrowa. Ab­gelegen war der stille Ort, den ich zuletzt vor einigen Monaten besucht hatte. In L. hielt der Zug; ich verließ ihn und schleppte mich bis zur Hütte meiner Tante. Ich bat sie, mich aufzunehmen und sagte ihr, daß ich bei einer Prügelei eins über die Stirn ge­kriegt hätte. Die Alte gab mir ihr Bett ab, dokterte an mir heram, kochte mir Tee und schmierte ein Pflaster auf die Wunde. Ich fieberte, und die Rose schlug hinzu. Ich zitterte für mein elendes Leben. Die Furcht vor dem Tode bewog mich auf das Zu­reden der Bobrowa hin, in das Krankenhaus nach 8. unter falschem Namen zu gehen. Dort lag ich lange krank. Ich gab, ehe ich Matutfchka verließ, meiner Tante die Uhr zur Aufbewahrung. Z. liegt von Latwilifchki weit entfernt. Niemand schöpfte gegen mich Argwohn. Es gibt ja viele Menschen, die meinen Familiennamen führen, aber ich brauchte dennoch die Vorsicht, mich Maseim Konstantinowitsch Raklinski zu nennen.

Alles übrige ist bekannt. Am Tage vor meiner Entlassung aus dem Krankenhause wurde ich ver-

Tischnofski schwieg und stierte düster vor sich hin. Er hoffte auf Milderung seines Urteils."

(Schluß folgt.)

Je? Die schiefe Ebene der Ausnahme­gesetze.

In E l s a ß - L o t h r i n g e n soll die Sache an­fangen. Aber wo wird sie aus hören?

Die „Tägliche Rundschau" spricht offen aus, was schon mancher gedacht hat, sei es wünschend oder be- I fürchtend. Sie meint, „es wäre lediglich zu erwägen, I ob die Bestimmungen (wegen Unterdrückung von Zeitungen und Vereinen) nicht auch auf das nicht I weniger gefährliche Treiben der Polen und Dä- nen angewendet werden können". Das fehlt uns I gerade noch, daß der unglückselige „Kampf gegen das I Polentum" durch Verfolgungsmaßregeln gegen pol- I nische Zeitungen und Vereine vollends vergistet I würde!

Es wird hier nur von Polen und Dänen gespro­chen. Hätte die Erörterung einige Monate früher eingesetzt, so würden auch die „Welfe n" gewiß in die Reihe der verfolgungsbedürstigen „Reichsfeinde" eingefügt worden sein. Das ist die heillose Manier, alle unbequemen Regungen einfach auf die Proskrip­tionsliste zu setzen und die gewaltsame Unterdrückung zu sordernl In der „Welfenfrage" hat nun die Hochzeit eine Wendung zum Frieden geschaffen, und damit ist handgreiflich erwiesen, daß mit Geduld und Güte sich mancher Knoten lösen läßt, der die gewalttätigen Finger nur noch berworrener machen. Aber unsere Verfolgungspolitiker wollen auch jetzt noch die vielverlästerten „Welfen" nicht vollständig frei geben. Dieselbe „Tägliche Rundschau" erörterte die bevorstehende Ueberlassung des braunschweigischen Thrones an das erbberechtigte Welfenhaus und knüpft daran die Bemerkung: Nach dem bisherigen Ver­halten der Weifenpresse und der Welfensührer sei eine böswMge Agitation leider noch nicht zu be­fürchten, und deshalb müsse trotz Einvernehmen der Fürstenhäuser der Bundesrat dafür sorgen, daß klare Verhältnisse geschaffen und einwandfreie Rechtsbestimmungen, an denen nicht zu deu­teln ist, aufgestellt werden. Sieht das nicht so aus, als ob auch in Hannover und Braunschweig die schönen „Rechtsbestimmungen" der Straßburger Regierung eingeführt werden sollten?

Im Reichslande selbst hat man auf Grund von trüben Erfahrungen das Vorgefühl, daß die ftaglichen Ausnahmebestimmungen schließlich nicht auf die I Französlinge beschränkt bleiben, sondern die dortigen Staatsmänner die Machtmittel gegen das I verhaßte Zentrum verwerten und namentlich die katholischen Vereine Heimsuchen würden. Wenn nun gar der Wunsch unserer altdeutschen Scharfmacher in Erfüllung geht und auch „die Polen und Dänen", vielleicht sogar die Welfen, mit diesen Verfolgungsmaßregeln beglückt werden, nun, dann I bleibt ja nur noch ein kleiner Schritt Wester zu tun, und man kann im ganzen deutschen Reich die gangen I Vereine verfolgen, die der Sympathie für Polen, Nationalisten oder Welfen verdächtig sind. Dann haben wir einen richtigen Kulturkampf gegen

Wie der Tiger auf seine Beute, so stürzte ich mich tof ihn; ich packte ihn an der Brust.

. „Hund elender, jetzt sollst du deine Strafe haben!" ttef ich in rasender Wut und schüttelte ihn.

E „Sag mich los, Grigori", versetzte der Angegrif- Me röchelnd.

Nun begann ein wortloses Ringen, Brust an Brust.

Wir waren ungefähr von derselben Stärke. M Ich fühlte, wie meine Muskeln sich strafften; wie ; schwamm es mir vor den Augen.

Endlich riß sich Swerjeff los. Keuchend standen Uns gegenüber.

„Ich wexde dich anzeigen!" rief Roman Romano- „wie ein Räuber überfällst du mich hier mit­ten im Walde."

„Sie haben mir meine Ehre genommen durch Ee nichtswürdigen Verleumdungen!" schrie ich ^fcer mir.

M „Sie waren keine Verleumdungen, sie beruhten Cuf Wahrheit", antwortete Swerjeff.

8 „Sie haben mich tote einen Hund geschlagen und Mißhandelt. Glauben Sie, daß Menschen, die Ihnen tzflenen, das so ruhig hinnehmen werden? Die Zeiten

• ** Leibeigenschaft sind gewesen."

die eine so markante Rolle in der geschichtlichen Entwick­lung gespielt haben. Es ist Dir wie wenigen beschieden gewesen, der Neigung Deines Herzens frei folgen zu können und den Mann zu erhalten, den Du erwählt hattest.

Mein lieber Sohn! Ich vertraue Dir hiermit unser Kind an. Wir haben beide zu Dir das vollste Vertrauen, daß Du sie hegen und pflegen wirst und daß dieser Sonnenschein nun in Dein Haus einziehen wird. Mögest Du nach dem bewährten Vorbild Deiner Ahnen Deinen Hausstand führen in echter, alter, einfacher deutscher Art, und auf Gott den Herrn bauen, und, wie es in Eurem Wahlspruche heißt, „Alles aus feiner Hand em­pfangen, das Gute und das Böse," bereit, Schweres zu tragen und die schönen Tage des Glücks und der Freude dankbaren Herzens anzunehmen.

Vor allen Dingen aber, trotz Euter Jugend, wird es wohl bald Euch beschieden sein, anderen zu dienen und für andere zu sorgen. Möge diese Aufgabe, die schönste. Euer ganzes Leben erfüllen, und möge die Liebe zu an- deren Menschen Eure Hetzen erwärmen. Möget Ihr beide und Du vor allem, meine liebe Tochter, ein treues Kind im neuen Hause fein.'

Ich bitte Euch beide (zum Herzog und bet Herzogin von Cumberland) von ganzem Hetzen, unser Kind gnä- digst in Euren Schutz nehmen zu wollen und in Eure Liebe einzuschließen. Alles übrige fasse ich in den Wunsch zusammen: Gott fegne Euch auf Eurem Lebens­pfad, den Ihr heute gemeinsam antretet. Das Braut, paar Hurra! hurra! hurra!

Für die anderen Eingeladenen waren Tafeln im Marinesaal, im Königinnenzimmer, sti der Branden- burgischen und Roten Kammer, in den Braunschwei­gischen Kammern und in weiteren Räumen aufge­stellt. Gegen 1100 Gäste speisten au den königlichen Tafeln.

Den Reigen der Hochzeitsfeierlichkeit schloß um 8 Uhr int Weißen Saal der althergebrachte Fackel- I tanz. Dabei machten unter Vorantritt von zwölf I Pagen mit weißen Wachsfackeln die Braut mit je I zwei fürstlichen Herren, der Bräutigam mit je zwei fürstlichen Damen einen Rundgang durch den Saal. Nach Beendigung des Tanzes traten die Pagen mit den Fackeln dem Zuge der Fürstlichkeiten bis'an den Eingang der für die Neuvermählten eingerichteten I Gemächer vor. Hier wurde die Prinzeffinnenkrone den Beamten des Hausschatzes wieder überliefert, und die stellvertretende Oberhofmeisterin der Braut nahm die I sog. Verteilung des Strumpfbandes vor, ein aus früherer Zeit stammender Brauch, der heute in die Verteilung eines Erinnerungszeichens umgewandelt I ist. .Hierauf entließ der Kaiser d'en Hof. Erst nach 9 Uhr waren die Feierlichkeiten beendet. Die A b- I reisedes jungen Paares zum Jagdschloß Hubertus- I stock erfolgte bald darauf Der Kaiser geleitete selbst I int offenen Automobil das neuvermählte Paar nach I dem Stettiner Bahnhof. Eine ungeheure Menschen- I menge jubelte dem Kaiser, der Tochter und dem I Schwiegersöhne zu.

*

♦ Berlin, 25. Mai 1913. Das Kaiserpaar, die I Großherzogin Luise von Baden, die cumberländischeu I Herrschaften und die anderen Fürstlichkeiten besuchten I heute morgen den Gottesdienst in der alten Garnison- I kirche. Das englische Königspaar wohnte dem Gottes­dienste in der englischen St. Georges Church bei. Der Kaiser und der König von England besichtigten die I Kaserne der 1. Garde-Dragoner und besuchten Pots- I dam. Auch die Kaiserin und die Königin von Eng­land sowie andere Fürstlichkeiten vom Königsschlosse fuhren im Automobil nach Potsdam. Abends y29 Uhr sind der Herzog und die Herzogin von Eumber- I land und die Prinzessin Olga vom Anhalter Bahnhof abgereist. Der Kaiser und die Kaiserin geleiteten sie I zur Bahn. Der Zar hatte bereits Samstag abend I Berlin verlassen, vor der Abreise überwies er dem I Magistrat von Berlin 10 000 Mark für die Armen.

Die Silberhochzeit des Prinzen Heinrich.

Im Hotel „Kaiserhof" in Berlin feierten am Samstag Prinz und Prinzessin Heinrich von Preu-

X Die Hochzeit im Kaiseehause.

Berlin hatte sich am Samstag festlich herausge- ptcht. Deutsche, preußische, cumberländische und eng- lffche Fahnen wallten von den Häusern hernieder, bereit viele noch mit Girlanden unb Gobelins ge­schmückt waren. Auch die Straßenbahnwagen und die Omnibusse waren mit kleinen Fähnchen festlich ausstaffiert. Bo« früher Morgenstunde ab hatten sich im Lustgarten und Unter den Linden viele Tau­sende von Schaulustigen in festlicher Stimmung ein» gefttnben und begrüßten die Fürstlichkeiten mit Zu­rufen. Um 10 Uhr begaben sich der Kaiser und der Z a r, von der Menge lebhaft begrüßt, zu Besich­tigung des Zeughauses, der Ruhmeshalle sowie des Kaffer-Friedrich-Museums. Der König von England begab sich schon um 9 Uhr vormittags «ach dem Tempelhofer Feld zur Besichtigung des 1. Garde-Dragoner-Regiments Königin von England. Auch das englische Köniaspaar war allenthalben Gegenstand herzlicher Kundgebungen.

Die Kaiserin besuchte vormittags den Prin­zen und die Prinzessin Heinrich, um sie zur silbernen Hochzeit zu beglückwünschen. Der Kaiser hat alle Salons des Prinzenpaares im „Kaiserhof" frühmor­gens mft prachtvollen Blumen schmücken lassen. Im Schlosse liefen andauernd unzählige kostbare unb herrliche Blumenarrangements für das Brautpaar eia.

Nachdem am Nachmittage im Beisein des Kaiser­paares und des Herzogs und der Herzogin von Cum­berland die Ehepakten vollzogen worden waren, fand um 4y2 Uhr die standesamtliche Eheschlie­ßung im Kurfürstenzimmer des Königlichen Schlos­ses statt. Sie wurde durch den Minister des König­lichen Hauses Gras August von Eulenburg vollzogen. Punkt 5 Uhr erfolgte bann die kirchliche Iran» ung in der Schloßkapelle, die besonders hergerichtet und mit Blumen festlich geschmückt war.

S)er Brautzug zur Schloßkapelle wurde an­geführt von zwei adligen Herolden und dem Oberst- Marschall Fürst zu Fürstenberg. Dann folgten die Kammerherren, das Brautpaar, die Hofchargen, der Kaiser mit der Herzogin von Cumberland, die Kaiserin mit dem Herzog von Cumberland, der Zar mit der Königin von England, der König von Eng­land mit der Kronprinzessin und dann die andern prinzlichen und fürstlichen Herrschaften. Das Braut­paar nahm auf einem kleinen Podest vor dem weißen Alabasteraltar Platz. Der Bräutigam saß zur rechten der Braut, um das Brautpaar herum gruppierten sich die Fürstlichkeiten, und zwar so, daß der Kaiser und die Kaiserin dem Altar am nächsten waren. Der Oberhofprediger Dr. Drhander nahm die kirchliche Trauung vor. Beim Ringwechsel gab die im Lust­garten ausgestellte Leibbatterie des Ersten Garde- Feldartillerie-Regiments auf ein Zeichen des dienst­tuenden Flügeladjutanten dreimal 12 Kanonen­schüsse ab.

An die Trauung schloß sich die Gr a t u I a t io n s- tour im Weißen Saale des König!. Schlosses an. Auf sie folgte die Zeremontentafel im Ritter­saale. Sobald die Suppe gereicht war, brachte der Kaiser das Wohl des neuvermählten Paares aus. Der Trinkspruch, der durch seinen schlichten, herzlichen Ton sympathisch berührt und auch eine bedeutsame politische Ä nspielung, nämlich den Hin­weis auf die „bald" bevorstehende Uebernahme der Regierung von Braunschweig enthält, lautet:

Meine liebe Tochter! Am heutigen Tage, an dem Du unser Haus berläffeft, danke ich Dir von ganzem Herzen für bie Freube, bie Du mir unb Deiner Mutter immer bereitet hast, für bie lange Zeit strahlenden Son­nenlichts, das Du meinem Hause gewesen bist. Du hast Deine Hand unb Dein Herz einem Manne aus einem edlen deutschen Fürstenhaufe, aus einem deutschen Ge­schlecht gereicht. Solange die deutsche Zunge erklingen wird, wird sie erzählen von Welfen und Hohenzollern,

„Schade", versetzte Swerjeff mit kaltem Spott, „du hättest sonst die Knute verdient."

Diese Wotte entfachten meine Wut von neuem.

In der Ferne hörte ich das Rollen von Rädern. Es mußte jemand noch so spät durch den Wald fah­ren. Wenn Swerjeff jetzt nm Hilfe schrie, mußte ich fliehen. Ich sprang auf ihn zu. Wie eiserne Klammern umschlossen meine Finger feinen Hals.

Noch einmal riß er sich los.

Er bückte sich und hob etwas auf, einen Stein.

,„Ich verspreche dir fünfhundert Rubel, wenn du gehst", sagte Roman Romanotottsch mit halberstickter Stimme.

„Lump, du hast keinen Kopeken."

Ich duzte ihn jetzt ebenfalls.

„Ich schwör: dir, daß ich morgen im Besitze des Geldes bin."

„Ich glaube dir nicht, Hallunke."

Swerjeff wollte fliehen, aber ich erwischte ihn noch beizesten. Ta wandte er sich um und holte aus; etwas Spitzes traf meine Stirn. Der rasende Schmerz erpreßte mir einen Wehlaut.

Tas Blut lief mir übers Gesicht.

Da wußte ich nicht mehr, was ich tat.

Ich griff nach der Waffe, die ich auf der Bären­jagd in Rosmarischeff gefunden. Mft wuchtigem Griff traf das Stilet das Herz meines Feindes. Er chrie auf, — bann stürzte er zu Boden. Ich durch- üchte seine Taschen. Sie waren leer, nur die Uhr Swerjeffs nahm ich an mich. Dann schleifte ich den Körper zum Wasser und warf ihn hinein.

Bei diesem letzten Ringen krallten sich die Finger meines Opfers in meine Haare unb rissen Daran. So kam es, daß man einen Büschel davon in der tarren Hand Swerjeffs fand.

Das Rollen der Räder hatte aufgehört.

Jetzt vernahm ich, tote ein Wagen so schnell wie möglich davon jagte.

Wer mochte uns belauscht haben?

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