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Zuldaer Leitung

Samstag 24. Mai 1915.

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gruftfrei!

(6oldmnbftck. 16. Rur. 0old) Ugarette-n.

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Vochen-Kun-schau.

[:] 8ulba, 23. Mai 1913.

solcher Nachhilfe gewissenhaft und taktvoll vorge­gangen wird. Die Verantwortlichkeit ist groß, denn es handelt sich um das ganze Lebensglück zweier Leute; darum müssen die Rater und Förderer ihrer Sache vollständig sicher sein. Sie dürfen vor allem nicht von Eitelkeit oder Habgier oder von sonstigen äußerlichen Rücksichten sich leiten lassen, sondern nur von ihrer ehrlichen Neberzeugung, daß die beiden wirklich zusammen passen und ein glückliche?, liebe­volles, fruchtbares, echt christliches Familienleben be­gründen können. Sieh dich vor als Ehestifter, damit du nicht einstens beklagt wirst als Wehestister.

Damit nun die jungen Leute aus dem Volke nicht etwa neidisch werden, möchte ich noch hervorheben, daß sie den Vorzug der größeren und freieren Aus­wahl haben. Die fürstlichen Sprößlinge sind auf einen kleinen Kreis von Standesqenossen anaewiesen. Der Lcbensgcnosse soll ebenbürtig sein und die Zahl der Ebenbürtigen ist nicht aroß. Sie wird noch wei­ter eingeengt durch die Rücksicht auf die Gleichheit des Bekenntnisses. Es ist sehr löblich, wenn die fürst­lichen Familien Mischehen zu vermeiden suchen. Die Bürger sollten sich daran ein Beisviel nehmen. Leider hat die Freizügigkeit mit der starken Vermischung von Katholiken und Protestanten auch eine ungeheure Vermehrung der Mischehen herheioefübrt. Hier in der Dialvora mbt cs mehr Mischehen als rein katho­lische Ehen. Das ist ein liebel, wie auch die qläu- biaen Evanaelischen zugeben, und es ist im Grunde nicht einmal ein notwendiges liebel. Denn unsere -leit ftcTv unter dem Leichen de? Verkehrs, und da ist es bei gutem Willen jedem jungen Mann möglich, eine Lebensgefährtin zu suchen, die auch im Glauben und Beten mit ibm und den, künftigen Kindern ein Herz und eine Seele ist.

Im Mittelalter, al? die Leute noch an der Scholle klebten, wär die Drautwabl auf den kleinen örtlichen Kreis beschränkt. Darin» lag die Gefahr der Fami- lien-Verfilzung, der Inzucht durch Verwandtenheirat; und die strengen kirchlichen Ehebindernisse waren sehr zeitgemäß und heilsam, indem sie die Leute zwangen, bei der Baautwahl etwas weiter zu schweifen und so frisches Blut in die Sipve ru bringen. , Jetzt haben Eisenbahn und Post auch für das Liebesleben die |

3. Statt.

der 5nldaer rctiendruaerei iit Zu!»a

Für Erholungsbedürftige and leichtere Nerven-Kranbe- So.riw i 1VI V Vll Kuranstalt Hofhelm 1. Taunus

*Z» Stunde von Frankfurt a. M.

Prospekte durch Dr. SchUlze-Kaloyss Nervenarzt.

Salern-Göl-

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Orient. Cabalv-u. Eigaretteu.-2abrih.

TeniO^e. SreaOen.

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Dte Budgetkommission des Reichs­tags hat die Beratungen über die Wehrvorlage am letzten Dienstag wieder ausgenommen und arbeitet fleißig, sodaß zu hoffen ist, daß die am nächsten Dienstag wieder beginnenden Verhandlungen im Plenum eine rasche Förderung erfahren werden. Je werter aber die Kommissionsberatungen fortschrciten um so gespannter werden die Verhältnisse zwischen den einzelnen Fraktionen. Der Hauptgrund für die Zwistigkeiten ist in dem Bestreben der Linken zu suchen, die Deckungsfraqe erst im Herbst zu lösen. Auf nationalliberaler Seite neigt man auch immer "sehr einer Verschiebung der Dcckungsvorlaqe zu. Das damit verfolgte Bestreben ist zu offensichtlich, als daß die Parteien, die zur Verabschiedung der Wehrvorlage bereit sind, nicht verstimmt werden mußten Es geht einfach nicht an, baß die Parteien der Rechten und das Zentrum bei der Erlediqungg der Deckungsfrage mundtot gemacht werden sollen.

Die deutsche Reichshauptstadt beherbergt in dieser Woche eine Anzahl gekrönter H o ch z e i t s g 5 st e. Zur Vermahlung der einzigen deutschen Kaisertochter mit dem Welfenprinzen Ernst August von Cumber­land sind die durch verwandtschaftliche Bande mit dem Hohenzollern- und Welfenhause verbundenen Fürstenhäuser nach Berlin gekommen. Wenn der Anlaß der Monarchenzusammenkunft zunächst auch ein privater und freundschaftlicher ist, so entbehrt das Beisammensein der mächtigsten Herrscher Europas natürlich nicht auch einer Politischen Bedeutung, die umso größer ist, als Europa gerade eine äußerst ge­fährliche Krisis glücklich überstanden hat. Mit den besten Wünschen für das neuvermählte Paar verbin­det das deutsche Volk auch die Hoffnung, daß durch zas Beisammensein der flihrenden Herrscher Europas /er in letzter Zeit so gefährdete Friede neu gekräftigt verdc.

In Frankreich setzt es eine Revolution im .feinen gegen die Regieruna ab. Der fortschreitende Geburtenrückgang hat die Rekrutierungsschwicrigkei- wn immer größer werden lassen, und die Regierung «ah sich, wenn die französische Armee auch nur eint» Dermaßen der deutschen ebenbürtig sein sollte, gezwun- zen, die Wiedereinführung der dreijährigen Dienst­zeit in Vorschlag zu bringen. Dagegen hat sich so- gleich ein sehr scharfer Widerspruch erhoben, und dieser Widerspruch stieg noch an, als sich das volkarme Land Darüber klar wurde, wie ruinierend die Entziehung einer Viertelmillion bester Arbeitskräfte aus dem ge­werblichen Leben wirken müsse. So kam es allent­halben zu Demonstrationen, Revolten, zu Prügeleien I and Schlägereien. _ Die Parteien der Linken haben I sehr scharfe Beschlüsse gegen diese ReqierunqZvläne I gefaßt, und alles deutet daraus hin, daß Frankreich I «-echt ernsten Tagen entgegengeht.

Die Balkan st aaten sind aus ihrer Sieges- I Kimmung gründlich aufgeschrcckt worden. Daß Mon­tenegro nicht einfach tun und lassen konnte, was es wollte, zeigte den so sehr hochmütig gewordenen Herr- I schäften, daß ihre gegenwärtige Lage allen Anlaß bie­tet, wenigstens nach außen hin die Großmannssucht nicht allzusehr hervortreten zu lassen. Dafür zantt man sich jetzt um so heftiger untereinander. Serbien I and Griechenland, die beiden glücklichsten Eroberer in I diesem Kriege, möchten die führende Vormacht, Bul­garien, möglichst um den größten Teil ihrer blutigen I Errungenschaft hringen, obgleich Bulaarien die qröß-

Entfernungen aufgehoben. Auch der Standes- und Vermögensunterschied, der sogen. Kastengeist, spielt heutzutage längst nicht mehr die große Rolle wie früher. Die Brautwahl ist erweitert und erleichtert, und man kann sagen: unter den heutigen Verhält, nissen hat jeder cs sich selbst zuzuschreiben, wenn er nicht den richtigen Lehensgefährten findet.

Unglückliche Ehen gibt es leider noch genug und wird es auch in Zukunft wohl noch geben; denn die Liebe ist blind, sagt das Sprichwort, und manche Leute, die ohne Liebe heiraten, sind erst recht blind. Sie lassen sich von Geld und Glanz bestechen, wäh­rend der fluge Heiratskandidat zwei andere gros G ins Auge faßt: Gesundheit und Güte. Dr Rücksicht auf die Gesundheit sieht etwas egoistisch aus, aber sie ist doch ein Gebot der Pflicht gegen­über der künftigen Nachkommenschaft. Unter Güte verstehe ich die Herzens- und Charaktereigenschaften, die zu einem gedeihlichen Zusammengehen erforder­lich sind. Die lodernden Flammen der geschlechtlichen Liebe und Leidenschaft geben keine nachhaltige Stu­ben- und Herdwärme. Drinnen im Herzen muß das Dauerfeuer der treuen Hingabe brennen, und int Kopfe muß der felsenfeste Vorsatz regieren: Ich will ihn /ober sich glücklich machen und nur ht dem Glücke der Familie mein eigenes Glück suchen. Wenn beide Teile so voll des guten Willens sind, dann werden sie auch in einer kleinen und bescheidenen Hauswirt­schaft einen frohen und frischen Anfang machen, um durch Fleiß und Sparsamkeit sich allmählich hcraus- zuarbftten. Aber wer mit blinder Gier nach Geld und Glanz anfängt, der bat sich auf den Abstieg von der Glücksleiter gefaßt zu machen. Lieber mühselig Rettern, als enttäuscht abrutschcn!

Denn wir dem prinzlichen Brautpaar und den hohen Eltern Glück wünschen, so sollen darin cinge- schlossen sein all die Mitmenschen groß und klein, die ihrem Beispiele folgen. Mögen die Weisen über die staatserhaltenden Kräfte noch so gelehrt reden, de feste Eckstein der Ordnung und die richtige Würzet aller menschlichen Kultur ist doch die Familie. Die Ebe ist der Segensquell, die Trauung ist für die Welt Erbauung.

| der einkommensteuerfreien Bevölkerung vorhanden. Diese 4,8 Millionen Ueberfchuß, für welche ein Ein­kommen nachgewiesen ist, das aber, well es 900 Mk. nicht übersteigt, freigelassen wurde, haben also ne- ben den 3*4 Millionen Familienvorständen an der Gewinnung des Einkommens mitgewirkt. Die Tat- ! fache, daß auch eine Reihe von Leuten als Einzelper­sonen selbständig ist und keinem Familienverbande angehört, kann an dem Durchschnitt wenig ändern, weil dadurch die durchschnittliche Stärke einer Fa- milie wieder erhöht würde.

. Noch interessanter wird die Behauptung, wenn wir die Städte gesondert betrachten. In den Städ- ten wohnt ja weitaus der größte Teil der Arbeiter- schäft. Es wäre nun naheliegend, zu vermuten, daß in den Städten der Anteil der Einkommsntzeuer freien Bevölkerung wegen der starken Arbeiter- massen noch weit größer sei, als im Landesdurch­schnitt. Das ist aber nicht der Fall. In den Städten sind 1911 nur 32 Prozent der Bevölkerung von der Steuer befreit geblieben, im ganzen, einschließlich der Angehörigen, 6 Millionen. Unter diesen 6 Millionen aber befinden sich 3,85 Millionen Personen, die ein selbständiges Einkommen haben. Auf jede dieser Per­sonen in der einkommensteuerfreien Schicht der Städte entfallen also nur 0,6 Angehörige.

Die Gesamtschicht von 6 Millionen (Angehörige und Familien) zerfällt im Durchschnitt in V/4 Mil­lionen Familien; es sind aber 3,85 Millionen Per­sonen mit eigenem Einkommen vorhanden; also müs- sen im D u r ch s ch n i 11 in jeder städtischen Familie, die von der Einkommensteuer befreit ist, nicht einer, sondern drei Personen mit selbständigem Einkom­men vorhanden sein. Wenn man das durchschnitt­liche ^Einkommen auf 750 Mk ansetzt, so ergibt sich I ein Familieneinkommen von 2250 Mk.

Aus diesen Tatsachen erhellt zur Genüge, tote ge­waltig d'e sozialdemokratische Presse ihre Leser irre- führt, und wie tatsächlich die Familieneinkommen im Durchschnitt eine ganz andere Gestalt zeigen, als man auf den ersten Blick vermuten sollte.

Unpolitische ZeMause.

N. Berlin, 22. Mai 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Hochzeit am Hofe. Hohe Verwandte kommen als Hochzeitsgäste von allen Seiten. Die Berliner Stra. ßen sind voll von Ehrenkompagnien, Schaulusttgen und Musik. Ein Familientag von weltpolitischer Bedeutung. Das Volk nimmt herzlichen Anteil. Nicht bloß aus staatsbürgerlichem Pflichtgefühl, son- dern mit dem Gemüt. Das ist nett, sagen die Leute, daß die Kaiserwchter den einzigen Enkel des letzten Königs von Hannover heiratet; sieht mehr nach Liebe, als nach Kommando aus, und wenn nun hie beiden Fürstenhäuser sich vertragen und der- tchrnelzen, so ist die letzte Narbe von 1866 ausgeheilt. Glück auf!

Nun denkt vielleicht ein gallischer Zaungast, Für­stenkinder hätten gut heiraten, da hei ihnen die Sorge um das Geld und das tägliche Brot keine Rolle spiele. Als ob sie nicht mit anderen Sorgen und Rück­sichten und. Pflichten und Aufgaben reichlich belastet wären! Es ist ein großer Irrtum, wenn man glaubt, daß der volle Beutel das Herz sorgenfrei und die Lebensbahn dornenlos mache. Wir sehen es ja häu- sig genug, daß der Arbeiter im Hinterhause schneller und leichter zu der Würde eines Schwieger- und Großvaters gelangt, als der wohlhabende Mann im .Vorderhause, der hei der Verheiratung seiner Kinder >n einer Masse von Zweifeln und Schwierigkeiten stecken bleibt. Nur nicht neidisch sein! Jeder Stand hat sein Päckchen zu tragen, und wenn es in Seide gewickelt ist, so kann cs doch schwer drücken und scharf scheuern.

Das Standesamt ist ein sehr demokratisches Ding. Alle Menschen werden von ihrer Mutter in Schmerzen geb o ' en, auch die Prinzen und die Millionärssöhne, und schließlich müssen sie alle den btttern Tod kosten, ob sie zu Lebzeiten Diener oder ( Rascher gewesen sind. Und wenn zwei Hoch- oder «ochstgeborene sich die Hände zum Ehebunde retchen, so unternehmen sie dasselbe Wagnis, wie die gewöhnlichen Menschenkinder: Hoffnungsfreudig ; schließen sie die neue Gemeinschaft, die über das

Aus dem Nachbargebiete.

* Gudensberg, 20. Mai 1913. Der stetig zunehmende Verkehr der Grifte.Gudensberger Klein­bahn erforderte schon längst eine Erweiterung der hiesigen Güterhalle, va gerade der Güterverkehr besonders gewachsen ist. Es soll deshalb der auf den 12. Juni d. I«. einberuferen Generalversamm­lung der Gesellschaftler der Plan einer Erweiterung der Güterhalle zur Beschlußfassung vorgelegt werden.

* Aus Thüringen, 22. Mai 1913. Für das 3. Bataillon des 1. Oberelsässischen Jnf.-Regts. Nr. 167 ist die Stadt Mühlhausen als voraussichtliche Garnison bestimmt worden. In einer geheimen Sitzung der Stadtverordneten in Mühlhausen wurde die Platzfrage bereits erledigt. In den Fluren von Dielsdorf und Schloßvippach hat eine Was­serhose großen Schaden angerichtet. In Butt­städt stürzte sich die Frau eines Landwirts in einem Schwermutsanfall aus dem Fenster. Sie mußte schwer verletzt nach Jena geschafft werden. Aus Verzweiflung über das Schicksal der Mutter hat" sich die 21 Jahre alte Tochter erhängt. Vom Schwur­gericht in R u d o l st a d t wurden der Karionnagen- arbeitcr Lösche aus Gräfenthal und seine Frau wegen Brandstiftung zu je iy2 Jahren Zuchthaus verur­teilt- Aus Schwarzburg-Sondershau. s e n wurden 19 polnische Erdarbeiter ausgewiesen, weil sie am Sonntag in Bittstädt eine Messerstecherei veranstalteten. Der Haupträdelsführer wurde ver­haftet. In Gera tagte der Zweigverein Thü­ringen des deutschen Fleischergesellenbundes. Man verlangte die Gewährung von Erholungsurlaub und das Zugeständnis, daß die Meister Hilfsarbeiter nicht als Gesellen beschäftigen. In der Nähe des Bahn­hofes Wasserthalleben bei Erfurt wurde die Leiche eines Jägers zu Pferde vom Regiment in Langensalza aufgefunden. Der Mann war von einem Eisenbahnzug überfahren worden.

-g- Dom Eichsfelde, 23. Mai 1913. Zwischen dem Vorstand der im Abteusen begriffenen Kalischäwie zu Ferna und Wintzingerode und der deutschen Tief­bohr. Gejellschaft, die das Abteusen vornimmt, sind Differenzen entstanden, da tue Wasservcrhältmsse un- erwartet hohe Kosten erfordern. Die AbteufungS-Ar- beiten sind vorläufig eingestellt worden. Infolgedessen hat die Verwaltung der Kalischächle der gesamten Belegschaft gekündigt.

#Roter" Steuerschwindel als Agitationsmittel.

_ s"^wcmokratische Presse (vgl.Vorwärts" Nr. lOo) holt wieder einen alten Ladenhüter her­vor unter der Firnta:31,2 Prozent der Bevölkerung unter dem Existenzminimum", d. h. fast die Hälfte der Bevölkerung hat nicht soviel wie sie zum Leben unbedingt nötig hat. Mit solchen Sprüchen soll mal I wieder die Bevölkerung verhetzt werden.

. Als Mittel müssen für diese saubere Arbeit dienen die Zahlen der Einkommensteuerstatistik. Danach I waren 41,2 Prozent der preußischen Bevölkerung von der Steuerzahlung befreit, weil ihr' Ein- I kommen 900 Mark nicht überstieg. Der in die Ge- I Heimnisse des Steuerwesens nicht eingewcihte sozial­demokratische Leser muß nun glauben, daß zwei fünftel der sämtlichen preußischen Familien mit emem Einkommen von höchstens 900 Mark auskom- ntne müßten. Und derVorwärts" bestärkt aus- I drücklich diesen Glauben, indem er sagt:Fast die I Hälfte (!) der Bevölkerung Preußens 41,2 Pro- I »ent muß demnach mit einem Einkommen vegc- | tieren, das um mindestens 600 Mark unter der I Grenze des erwähnten Existenzminimums bleibt" | (nämlich des vor Pfändung geschützten Einkommens I in Höhe bis 1500 Mark. Die Red.)

Die sozialdemokratische Presse weiß aber sehr gut, I daß ihre Behauptung unrichtig ist, daß I diese eine vollkommene Verschiebung des eigentlichen I Tatbestandes bedeutet.

In der preußischen Einkommensteuer wird nicht I bas Familieneinlommen besteuert, sondern die Ein­kommen der einzelnen Personen der Fami- I He. Nur die Einnahmen der Ehefrau sind zusammen I mit jenen des Haushaltungsvorstandes als ein Gan- I zes zu versteuern. Denn also in einer Familie der I Mann nur 900, zwei Kinder aber je 800 und 700 I Mark verdienen, so braucht diese Familte gar keine I Einkommensteuer an den Staat zu zahlen, obwohl I ihr Gesamteinkommen 2400 Mark beträgt. Sie I braucht keine Steuern zu bezahlen, weile jede einzelne I Person nicht mehr als 900 Mark Einkommen hat. I Nach der Statistik könnte man meinen, daß diese Familie mit 900 oder wenigervegetieren" müßte. Das Miterwerben der Kinder ist aber keine Selten­heit, sondern zählt bei den untern Einkommensklas- I sen der Bevölkerung geradezu zur Regel.

Eine genaue Statistik in dieser Hinsicht haben wir nicht., Wohl aber können wir auf indirektem Wege uns einen Begriff davon machen, wie stark der Mit­erwerb von Familienzugehörigen in der Familie ist.

Nach der preußischen Bevölkerungsstatistik beträgt die durchschnittliche Größe einer Familie 4% Köpfe. Die Arbeiterfamilien sind erfahrungsgemäß an Zahl stärker als die Turchschnittsfamtlie. Wir wollen aber dieses letztere Moment ganz beiseite lassen.

[ Wenn die rote Presse nun recht hätte, wenn wirklich nur 41 Prozent der Bevölkerung mit einem Einkom­men von 900 Mark und weniger pro Familie aus­kommen müßte, dann dürfte in diesen Einkommen- fchichten die Zahl der P e r s o n e n mit selbständigem Einkommen jene der Familien nicht übersteigen. Da aber die Gesamtschicht der steuerfreien Bevölke- I rung (also m i t Angehörigen) rund 16,4 Millionen, die Durchschnittsgröße einer Familie 4,75 Köpfe trägt, so muß die Zahl der Familien im Durchschnitt I 3 450000 in diesen Schichten betragen; in Wirklich- I feit aber waren 1911 nicht 3 450 000 Personen mit I selbständigem Einkommen, sondern 8(4 Millionen in

Glück oder das Unglück ihres ferneren Lebens ent- I scheidet. Ob olles wahr wird, was sie selbst crwar- I ten und die Angehörigen ihnen wünschen, wer I weiß es? Auch die Höchsten dieser Welt sind schwache I Menschen, bedroht von ihren eigenen Mängeln und I Fehlern, von Krankheiten und "sonstigen Schicksals- I schlügen. Alles, was auf Erden lebt, muß von dem I Jammer dieses Tales kosten; die unvermeidlichen I Dornen, durch die der Familienweg führt, sind oft I für die Hochgestellten viel empfindlicher, als für uns I gewöhnliche Sterbliche. Denn wir find weniger der- I wöhnt, haben eine derbere Haut.

Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll fein, Han- I gen und Bangen in schwebender Pein. . So I schildert der Dichter den Zustand der Minne und Brautwahl. Macht sich der Siebe Lust und Leid mich I geltend auf der steilen Höh', wo Fürsten stehen? Oder I wird dort im Hohen Rat der regierenden Eltern und I ihrer Staatsmänner einfach entschieden: Den oder die nimmst du? Freilich hat es schon k o m m a n - I dierte Eheschließungen zu politifchen Zwecken häu­fig gegeben, und manchmal haben Fürsten ihre Sprößlinge geradezu geovfert auf dem Altäre des Staates, wenn man z. B. ein anhaltischez Prinzeß- chen einem elenden Mostomiter ausliekerte oder die I österreichische Marie Luise zu dem Delttvrannen I Napoleon J. schickt. Llber in neuerer Zeit geht man mit dem Lebensglück der Prinzen und Prinzessinnen I etwas vorsichtiaci um. Erstens hat die Verschwäae- rung der Herrschergeschlechter überhaupt nicht mehr den großen politischen Wert, und zweitens sind die I Sitten milder geworden. Die Eltern nehmen mehr I Rücksicht ans das Glück ihrer Kinder, und die Kinder selbst reden jefct auch mit. Das schließt freilich nicht I aus. daß die hohen Eltern und deren Ratgeber auf I die Brautwab! Einfluß auSübcn. Wenn die gepan- I serte Faust sich zurückhält, so kann doch bei? väterliche I Finger klug und sttll die Tinge so lenken, wie man sie gern haben möchte. Dagegen ist auch wahrlich nichts einzuwenden, denn gewissenhafte bürgerliche I Eltern tun ebenfalls das ihrige, um ihre hcrange- I wachsenen Sprößlinge auf den richtigen Heiratsweg I zu bringen. So eine Anleitung kann oft nötig und I nützlich sein. Es 'kommt nur darauf an, daß bei |

ten unb metften Opfer gebracht hat. Einige Male orohtcn die Gegensätze sogar zu kriegerischen Zusam- menstoßen zu führen. Das hat bisher vermieden wer- den können, doch weiß man nicht, was dieser Wetter- totnfel, un§ noch bescheren kann.

Die japanische Frage an der Westküste von Nord- °m e rrka muß jetzt einer Lösung entgegengehen. 4)te kalifornisch- Regierung hat ein Gesetz zur An nähme bringen lassen, das den Japanern im Gegen­satz zu den Verträgen zwischen Japan und der Union den Landerwcrb verbietet. Die Amerikaner wollen sich eben die vielfach wenig angenehmen gelben Herr­schaften vom Leibe halten. Nun haben aber die maß­gebenden Geldherren in Amerika so große Handels- mtereffen in Japan und auf den vor Japan liegen-

!m .Falle eines Krieges ohne weiteres verlorenen Philippinen, daß man von Washington die kalifor­nische Regierung vermutlich schleunigst zum Nachge­ben zwingen wird. Da§ wäre dann eine weitere Sta­tion der gelben Rasse auf dem Wege zur Gleichbe- rechtigung mit den weißen Kulturvölkern.

vermischter.

* Graf wünscht Heirat ... In einem großer rheinischen Blatte finden wir folgende Heiratsanzeige

Graf

wünscht Heirat mit vermögender Dame! Bürgerlich sowie auch ältere Damen (Witwe) nicht ausgeschlviscn Konfession, Nationalität usw. irrelevant. Jedoch :mrd eine Barmitgift von mindestens Mk. 500 000 zur freien Disposition beansprucht. Der Gras ist ein eleganter, hübscher Mann von ca. 30 Jahren, gesund, ledig, sehr intelligent und gebildet, vornehmen Charakters ufiu. niw.; dem österreichischen Hochadel angehörend, ist er mit dem größten Teil desselben teils verwandt, teils eng tio ! freundet.

Dem Mann kann geholfen werden, da ja auch ältere Damen", sogar Witwen zugelasien sind, wenn sie 500000 Mark zur freien Disposttion haben. Re­ligion Nebensache, Diskretion Ehrensache, Geld Hauptsache. Die Anzeige nennt nur einige der vie­len guten Eigenschaften dieses hochadligen Herrn mid deutet die übrigen durch usw. usw. an. Aber die Hauptsache ist und bleibt; der vornehme Charakter. 500 000 Mark sind geradezu eine lächerliche Summe. Jede ältere Dame (Witwe nicht ausgeschloffen) wird sich sagen: das ist halb geschenkt.

Wp Eine neue Gemeinheit desBerliner Tage» blattes". Wie bekannt, war es dasBerliner Tage- blatt", das die Verleumdung des Pfarrers von San Mauro auf Sizilien, der ein Mädchen ermordet und zerstückelt haben sollte, auch nach Deutschland verbrei­tete. Es war dies um so gemeiner, als das Blatt sich die Nachricht aus Rom drahten ließ zu einer Zeit, wo sie dort längst als glatt erfunden bekannt war. Gleich darauf brachten auch die deutschen katho­lischen Zeitungen eine Berichtigung. DasBerliner Tageblatt" natürlich nicht. Endlich nach 14 Tagen bequemte es sich dazu, aber indem es eine neue Ge­meinheit begeht und das katholische Gefühl nochmals auf's tiefste verletzt. In Nr. 246 sagt es nämlich, daßdie Klerikalen jene Lügennochricht absichtlich in die Welt gesetzt haben, um nach ihrem Dementi die Volkswut gegen die Liberalen anzufachen". Das ist eine Gemeinheit, tote sie demBerliner Tageblatt" ähnlich sieht.

Dte Neuwahlen zum preußischen Ab- geordnetenhause haben den erwarteten Vcr- lauf genommen. Bei dem bestehenden Wahlrecht und der geringen Anteilnahme der Wahlberechtigten an den Wahlen war eine wesentliche Verschiebung der Fraktionsstärken im neuen Abgeordnetenhause von vorherein ausgeschloffen. Die konservattven Par­ieren und das Zentrum haben ihren Besitzstand ge- wahrt und die Nationalliberalen haben sogar einige Mandate hinzugewonnen; recht niedergeschlagen und verzagt tst nur bte_ Volkspartei, deren hochgespannte Erwartungen schmählich zu schänden gewotwen sind. Ihr Unvermögen und ihre Selbstnichtachtung hat dte fortfchrtttliche Parteileitung zu der beschämenden Aufforderung an die Parteifreunde veranlaßt für bte Stichwahlen für die Wahlmänner überall' dort fürdte Sozialdemokraten einzustehen, wo die Wahl schwarz.blauer" Kandidaten in Frage kommt. Dte Parteileitung hat diese Parole ausgegeben ohne Rücksicht daraus, ob die Sozialdemokraten Gegen, lrnstttngen gewahren werden. Tiefer kann der Fort, fchrttt kaum noch sinken.