2. Blatt.
vruck -<r $wlbaet Actiendruüerei in Znlba.
14"5e Stuf'*
Fuldaer Leitung.
& m.
vienrtag 20. Mai 1915.
Lokales.
Fulda, 20. Mai 1913.
+ Bo« der Einrichtung einer elektrischen Straße», bahn, welche seinerzeit von der .Vorbereitenden Ge- stllschaft für den Bau und Betrieb einer Ueberland- zentrale für Fulda und Umgebung" mit ins Auge gefaßt zu sein schien (wir halten dar ialS mitgeteilt, daß sich eine Wiesbadener Firma bereits um den Bau derselben beworben habe. & Heb.), und die, wie uns mitgeteilt worden war, f zu lachst von der Artilleriekasern, nach Kohlhaus (EelluloUabrik) ge> plant gewesen sein soll, scheint Huhn abgäommen zu sein, wenigstens sind in dieser Ängelebxnheit, wie wir hören, bei den zuständigen BehördM . z jetzt keine weiteren SchrUt, seitens des ElektriMtS erkes unter, nommen worden.
& Sin Automaten-Restaurant. ein für msere Stadt neuartiges Unternehmen, wird <M 15; S ^:ember hier im Geschäftshause deS Herrn Kaufmar Ignaz Traut (Ecke Bahnhofstraße) eröffnet roetbr >:e erforderliche Genehmigung hierzu ist bet üt. Den Betrieb des Automaten-Restaurants mut Herr Jakob Kraus aus Hanau. — Mir aiuben Tage wird auch das gegenwärtig im Bahn^shotel befind- liche Kinomatographentheater in das Haus des Herrn Traut verlegt, der augenblicklich einen eigenen Raum dafür erbauen läßt, der über 200 Personen fassen soll.
KaiserjubilSumS- und Jahrhundertfeier. Auf Einladung des Magistrats hatten sich gestern abend im Sladtv,rordneten.Sitzungssaal 35 Herren aus verschiedenen Vereinen und Vertreter der städtischen Körperschaften eingefunden, um Stellung zu nehmen für die projektiert, nationale Doppelfeier im Schloßgarten. Herr Oberbürgermeister Dr. A n t o n i zeichnete in großen Zügen das vom Magistrat aufgestellte Festprogramm. Am Sonntag, den 15. Juni finden in den verschiedenen Kirchen Festgotlesdienste statt. Für Montag, den 16. Juni ist morgens früh ein großes Wecken vorgesehen durch die gesamte Artillerie- kapell, unseres Regiments; vormittags finden Schulfeiern statt, nachmittags soll ein Festzug stattfinden, bei dem auch historische Gruppen und alte Trachten ver-, treten sein werden. Der Festzug wird am Festplatze im Schloßgarten enden. Dort wirb mit patriotischen Festreben, Aufführungen und Gesangsvorträgen die offizielle Feier beendet. Im weiteren Verlaufe ist eine allgemeine Volksfeier geplant, die am Abend von den Turn- und Sportvereinen durch Stellung von Pyramiden und patriotischen plastischen Gruppen bei Konzert der Artilleriekapelle ihren Abschluß finden soll. ES wurde der Wunsch geäußert, der Magistrat möge dahin wirken, daß an dem Festtage der Nachmittag von 1 Uhr ab, bis zu welcher Zeit durchgearbeitet werden könnte, freigegeben werde bei Auszahlung des vollen Tagelohnes. In diese Maß- nähme sollen miteinbegriffen fein die Geschäftsangestellten. Zum Schluffe wurde eine Ißgliebrige Festkommission gewählt. Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Volks- fest im Sckloßgarten ein Fest der Eintracht für die gesamte Bevölkerung unserer Stadt werden möchte.
E Der von der Fuldataler Brieftauben - Reisever. einignng für Sonntag vorgesehene Preisflug mit 439 Tauben ab Dessau, erfolgte wegen des ungünstigen Wetters erst gestern früh 5,30 Uhr. Die Luftlinie von Deffau nach Fulda beträgt 229 Kilometer. Die ersten Tauben trafen ein in Bedra 9.33 Uhr, in Günthers 9.50 Uhr, in HerSfeld 9.51 Uhr, in Oberufhausen 10.08 Uhr, in Fulda 10.09 Uhr, in Horas 10.19 Uhr, in Neuhof 10.21 Uhr, in Lanzenhain 10.36 Uyr, in Lauterbach 10.50 Uhr, in Flieden 10.46 Uhr. Auch gestern hatten die Tauben streckenweise unter der Ungunst der Witterung zu leiden.
u. Blumenpflege durch Schulkinder. Auch dieses Jahr werden durch den Gartenbauverein an die oberen Mädchenklaffen aller hiesigen Volksschulen Blumenstöcke zur Pffege übergeben, die dann in das Eigentum der Kinder übergehen. Im Herbste müssen die Blumen vorgezeigt werden und die Mädchen, die ihr, Liebling« gut gesiegt haben, erhalten eine kleine Belohnung. Der Brauch, die Schulkinds an die Pflege der Blumen zu gewöhnen, hat in unserer Stadt viel zur Ausschmückung der Fenster, Gärten und Wohnungen mit den Kindern Floras beigetragen. Am Samstag rottben 269 entwickelungsfähige Blumen- stöcke an Mädchen verteilt werden.
F Gartenbauverein. Zu Anfang der gestrigen Mo- natsversammlung machte der Vorsitzende Herr Sell die Mitteilung, daß der vorgesehene Vortrag wegen Erkrankung des Referenten, Hrn. Kunstgärtner Breitenborn, ausfallen muffe Aus Anlaß der Schenkung eines über hundert Jahre alten Fachwerkes „Der Zimmer- und Fenstergarten" vonseiten des Herrn Kaufmanns G. Kalb an die Vereinsbibliothek machte der Vorsitzende auf die reichhaltige Vereinsbücherei aufmerkfam und empfahl diese zu eifriger Benutzung. Die Vereinsbücherei repräsentiert einen Wert von über tausend Mark. Nach Beschluß des Vorstandes soll von jetzt ab einmal im Jahre das Verzeichnis der Mitglieder verlesen werden, damit die Mitglieder sich besser kennen lernen. Dies geschah gestern abend zum erftenmale. Es zeigte sich, "daß der Gartenbauverein 262 Mitglieder zählt. Durch Aufnahme von 10 neuen Mitgliedern erhielt der Verein weiteren Zuwachs. U. a. wurden folgende Briefkastenfragen behandelt: die Pflege des Winterrettigs (er liebt nahrhaften, feuchten, lockeren Boden, nicht zu dicht säen); ist die japan. Klettergurke empfehlenswert? (sie ist zwar sehr widerstandsfähig, jedoch nicht so gut im Ertrag wie andere Gurken); wie verhindert man das frühzeitige Schießen des Spinats und Salats? (gesäter Salat muß dünn stehen, gesetzter Salat erhält einen Einschnitt in den Strunk, der Spinat braucht viel Feuchtigkeit, event. auch Jauche); welche Bohnensorten sind am empfehlenswertesten? (als Buschbohnen Henrichs Riesen und Kaif'r Wilhelm II., als Stangenbohnen Phänomen und Zeppelin, von letzteren werden die Schoten bis 46 Zentimeter lang); wie bringt man unfruchtbare hochstämmige Birnbäume, die zu stark in die Höhe gehen, ;um Tragen? (durch Schröpfen an verschiede- nne Süllen des Stammes, Düngen im Herbst mit Thomasmehl und Kainit, dagegen ist Anlegen von Fruchtgür^el nicht zu empfehlen); wie fängt man die im Garten lästigen Drahtwürmer? (Auslegen von ausgehöhlte.' Kartoffeln oder Rüben als Fallen, auch Hühner zur Herbstzeit in den Garten gelassen, erweisen sich sthr nützlich); ist das Einweichen der Bohnen und Eurken vor der Aussaat gut? (nicht empfehlenswert, bv. der Samen, wenn die Aussaat nicht bald möglich wird, auffpringt und seine Keimfähigkeit verliert). Ar die anwesenden 96 Mitglieder wurden ebensoviele Blumenstöcke verlost. Dies erfolgt in Zukunft nur an persönlich anwesende Mitglieder, nicht an Angehörige, ausgenommen bei Versammlungen mit Damen, die alljährlich zweimal stattfinden. Die nächste Versammlung wurde auf den 9. Juni festgesetzt.
= Die Raiffeisenverein« der Provinz Heffen-Raffan werden am 16. und 17. Juli d. IS. in Raffel in den Stadtparksälen einen VerbandStag abhalten. Etwa 1200 Vertreter werden sich an dieser Tagung beteiligen.
a. Bezirkssteuern. Nachdem der Kommunallandtag die Erhebung einer Bezirkssteuer von 10 Prozent des umlagepflichtigen SteuersollS für daS Steuerjahr 1913 beschlossen hat, entfallen nach Beschluß der Landes- auSschuffes auf den Kreis Fulda 53511,45 Mk., au den Ärei§ Hünfeld 11341,67 Mk., auf den Kreis Gersfeld 9513,71 Mk., auf den Kreis Fritzlar 22937,68 Mk., auf den ShceiS Marburg 54873,08 Mk., auf den KreiS Kirchhain 15724,79 Mk., au! den Kreis HerSfeld 34841,30 Mk. und auf den Kreis Ziegenhain 24414,37 Mk.
Aus dem Nachbargebiete.
e Hanau, 18. Mai 1913. Der geplante Bahnbau Hanau-Büdingen begegnet in zahlreichen Orten, die von der Linie berührt werden sollen, scharfem Widerstande. Einige Orte verweigern jeden Kostenbeitrag. Auch in Büdingen selbst ist man von dem Projekt nicht erbaut, da die Bahn nicht durch das Seemental geleitet wird. Um aber das Projekt nicht völlig scheitern zu lassen, hat sich Büdingen jetzt zur Uebernahme von 47000 Mark Kosten, statt der geforderten 77 980 Mark, bereit erklärt, vorausgesetzt, daß die an dem Bahnbau besonders interessierten Gemeinden ihren Betrag um weitere 40 Prozent erhöhen.
Amt Geisa und Umgebung.
k Dermbach, 19. Mai 1913. Das Ergebnis des von den Mühlen, Grundanliegern und Fischereiberechtigten an der Oechse erhobenen Einspruchs gegen die Erteilung der von der Gewerkschaft Heiligenmühle in Oechsen beantragten Genehmigung zur Entnahme von Wasser aus dem Oechfebach in Menge bi§ zu 100 cbm täglich, zeigt das Entgegenkommen und die Förderung, welche die weimarische Regierung der für die Finanzen deS Großherzogtums bedeutungsvollen Kalkindustrie angedeihen läßt. Zur Versagung der Genehmigung durch die hiesige großherzog- liche Bezirksbirektion hat der Einspruch nicht zu führen vermocht. Der erteilte Bescheid lautet:
„Durch die Wasserentnahme soll lediglich bezweckt werden, den Erdungsapparat der elektrischen Hochspannungsleitung im Transformatorengebäude zur Vermeidung von Ueberspannungen mit ständig laufenden Wasserstrahlen durchfließen zu lassen. Hierbei soll das der Oechse entzogene Wasser unverändert und in gleicher Menge dem Bache wieder zugeführt werden. Daß dies auch geschieht, ist bei der auf Grund von § 42 des Gesetzes vom 16. Februar 1854 über den Schutz gegen fließende Gewässer und über die Benutzung derselben erteilten Genehmigung ausdrücklich unter die gestellten Bedingungen ausgenommen worden. Eine weitere Bedingung ist die, daß das in den Oechsebach wieder zurückgeleitete Wasser rein und vor allem für landwirtschaftliche Zwecke sowie für die Fischerei tauglich sein muß. Die Einhaltung dieser Bedingungen wird von hier aus kontrolliert werden. Die Interessen der Fischereiberechtigten sowie der Wiesenbesitzer und der Triebwerksbesitzer dürften mithin hinreichend gewahrt sein. Die Genehmigung ist vorbehaltlich wohlerworbener Rechte DrÜter erteilt worden. Nicht unbemerkt will ich lassen, daß die Oechse im August 1911, also in einer sehr wasserarmen Zeit, nach einer von der Gewerkschaft vorgenom- menen Messung 25 Liter pro Sekunde oder 1% cbm Wasser in*der Minute, mithin stündlich 90 cbm Wasser führte. Zur Zeit ist die Wasserführung eine erheblich höhere."
Die Oechse kommt von den Basalt- unb Muschelhöhen zwischen Dermbach unb Geisa unb ihr nieber« schlagsgebiet besteht aus Ton- unb Lehmboden, wodurch ein rascher Abfluß des Niederschlagswaffers ohne nennenswerte Versickerung stattfindet. Die Quellen im Oechsegebiet sind daher nur wenig ergiebig und es ist deshalb anzunehmen, daß der Zufluß in den Trockenzeiten des Sommers und Herbstes in jedem Jahre längere oder kürzere Zeit hindurch auf die im August 1911 festgestellte Waffermenge von 25 Liter sekundlich hinabzugehen pflegt. Diese ergibt mittelst eines 4 m hohen Wasserrades bei 75 °/0 Nutzeffekt nur 1 Pfk., mit der in 24 Stunden die an der Oechse gelegenen Mühlen höchstens bis 250 Kilo Roggen ober Weizen ober 400 bis 500 Kilo Futterschrot zu verarbeiten vermögen. Die Einnahme hieraus beträgt etwa 5 Mk., wovon Verzinsung bet Hypotheken, Gesellenlohn, Unterhaltungskosten bes Mühlenpferbes, Feuer- unb sonstige Versicherungen, Steuern, Abgaben ur MÜHlerei-Berufsgenoffenschaft, Reparaturen unb onstiges zu bezahlen sind, sodaß dem Müller von den 5 Mk. für sich und feine Familie nichts mehr verbleiben kann. Werben nun von dem 25 Litern fetunb» liehen Zufluß noch tagtäglich 100 cbm im ganzen burch bie Gewerkschaft Heiligenmühle entzogen, so bürste die Leistung der Mühlen noch weiter zurück- gehen, da das entnommene Wasser, wenn es auch wieder zurückfließt, zum Teil verloren geht. Es kann dann der Fall eintreten, baß bie an sich chon sehr knappe Kraft bet ben Mühlen überhaupt nicht mehr zu ttgenb welcher Mahlarbeit ausreicht. Die Mühlen werben bann ausnahmslos zur Anlegung von Aushilfsmotoren gezwungen fein. Es wäre zu erwägen, ob bei Genehmigung von Anlagen wie der vorliegenden Mühlen nicht eine gewisse Unterstützung !>ei der Anschaffung von Lokomobilen zu gewähren ist.
* Tiefenort, 18. Mai 1913. Der hiesige Gewerbe v e r e i n, der alljährlich die Besichtigung wichtiger industrieller wie gewerblicher Betriebe auf fein Programm gesetzt hat, unternahm in den letzten Tagen eine Reise nach Leipzig, um die internationale Bau- ach-Ausstellung und einige andere Etablissements zu besuchen.
* Dorndorf, 19. Mai 1913. Herr G. Träger wurde heute durch den Großh. Bezirksdirektor Baron von Groß in sein neues Amt als Bürgermeister von Dorndorf eingeführt.
* Aschenhausen, 18. Mai 1913. Die entsetzliche Bluttat, welche sich am Freitag abend hier abge- pieft hat, hält die Gemüter noch' immer in Aufregung. Die schwer verletzte Alma Bauß wurde im Automobil nach Meiningen geschafft, sie starb aber chon kurz nach Einlieferung in das Hospital, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Wie es heißt, soll der Täter Lindemann erblich belastet und geistig nicht zurechnungsfähig gewesen sein.
♦ Mosbach, 19. Mai 1913. Gestern früh kam das Pferd des Bäckermeisters Straßburg aus Eisenach unterhalb des Dorfes zu Fall. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert, während Kut- cher und Pferd unversehrt blieben.
?Ius Gberhsssen u. öen Hess. Aenttern.
■ L Marburg, 19. Mai 1913. Aus unbekannten Gründen machte heute mittaa ein Student feine*'-
Leben ein Ende. — Anläßlich des Regierungs- Jubiläums unseres Kaisers bewilligten heute die Stadtverordneten 30 000 Mk. zu dem Fonds für den Bau eines Altertumsmuseums, das die Bezeichnung „Kaiser Wilhelm-Museum" führen soll. Ferner be- schloffen die Stadtverordneten die Beteiligung der Stadt an der in der Bildung begriffenen deutschen Kommunalbank mit einstweilen 20 000 Mk.
* Marburg, 19. Mai 1913. Der Dirigent des -preisgekrönten Berliner Lehrer-Gesangvereins, der Träger der Kaiserkette, Lehrer Adolf Zissel, stammt nicht aus dem Kreise Frankenberg, wie dieser Tage eine Anzahl Blätter berichteten, sondern auS dem Kreise Marburg. Seine Wiege stand in dem kur- hessischen Dorfe Wollmar, wo fein Vater Landwirt und Feilenschmied war. — Dem Geh. RegierungSrat Prof. Dr. Zincke wurden heute anläßlich seines 70. Geburtstages zahlreiche Ehrungen zuteil. — Beim JSgerbataillon sind zwei fahrbare Feldküchen eingetroffen.
O Kirchhain, 19. Mai 1913. Zwischen einem ungarischen unb einem kroatischen Bahnarbeiter, die zusammen in Stausebach beim Landwirt Bromm logieren, kam es gestern zu einer Streiterei. Plötzlich zog der eine einen Dolch und stach seinen Gegner nieder. Der Verletzte wurde in die Marburger Klinik gebracht, wo er hoffnungslos barnieberliegt. Den Täter verhaftete man.
* Kirchhain, 19. Mai 1913. Die Stadtverordneten bewilligten am Samstag die Hälfte der Kosten zur Anlegung eines erhöhten Fußsteiges auf der Ueber- führung Bahnhof Kirchhain. Die andere Hälfte trägt die Bahnverwaltung. Der Magistrat entsendet Herrn Bürgermeister Grün zu dem in Rotenburg stattfindenden Hessischen Städtetag. Die Stadwerordneten- Berfannnlung beschloß, von einer Beschickung ihrer- eits abzusehen. Hinsichtlich der Abgabe von Was- e r an die Eisenbahnverwaltung hatte der Magistrat >en Preis pro Kubikmeter Wasser auf 8 Pfg. festge- etzt, wenn die Bahnverwaltung eine Mindestabnahme von 15 000 Kbm. pro Jahr garantiere. Es wurde zugestimmt. Hiernach würde die Mindesteinnahme jährlich 1200 Mk. jein. Der Umbau des Rathauses, insbesondere im Interesse der Sparkasse wurde beschloffen. Es soll ein besonderer Warte- raum, ein feuer- und diebessicheres Gewölbe mit Safes-Einrichtung angelegt werden.
* Ziegenhain, 19. Mai 1913. Amtsgerichtssekretär Rüppel in Neukirchen wurde zum Stellvertreter deS dortigen Amtsanwalts ernannt.
[:] Neustadt, 19. Mai 1913. Unsere Kirmes hatte diesmal durch die Ungunst der Witterung zu zu leiben. Verschiedentlich setzten Regenschauer ein unb verhinderten so bie volle Entfaltung des Volksfestes. Trotzdem brachten die Nachmittagszüge viele Fremde aus der Umgegend, so daß sich bald in der .Lehmkaute* ein munteres Treiben entwickelte. Leider entstand in später Abendstunde eine Schlägerei, welche für die Beteiligten ein gerichtliches Nachspiel haben wird.
vermischtes.
* Diebstähle in D-Zügen. Am häufigsten lummen bekanntlich die Diebstäble während der Zeit vor, in der bie Reisenben zur Einnahme von Mahlzeiten bie Speisewagen aufsuchen. Kleinere Gegenstänbe können zwar von ben Reisenben in ben Speisewagen mitgenommen werben, dagegen müssen sie größere Stücke, wie Pelze, Stöcke, Schirme, Handtaschen nsw. in den Abteilen unbeobachtet zurücklassen. Die Handels- kammer zu Deffau schlägt vor, für bie Unterbringung wertvoller Gegenstände in ben D-Zügen einen besonderen Raum herzurichten, in dem die Reisenden gegen eine Aufbewahrungsgebühr ihre Sachen abgeben können. Mit der Verwaltung dieser Ausbewahrungsräume könnten die Aufwartefrauen der D-Züge betraut werden. Für die Eisenbahnverwaltung ergäbe sich damit gleichzeitig der Vorteil, eine Einnahmequelle zu erhalten, aus der ein großer Teil der Entlohnung für diese Frauen gedeckt werden könnte. Es wäre zu wünschen, daß bie Eisenbahnverwaltung die er Anregung nachkommt.
* Ein Denkmal für den Bekennerbischof Johann Bernhard Brinkmann ist am Sonmtag in Evers- winkel in Westfalen enthüllt worden. Der Bischof war in Everswinkel in bescheidenen Verhältnissen geboren und hatte den Bischofssitz in Münster von 1870 bis zu seinem Tode im Jahre 1889 inne. Der Kulturkampf gab ihm Gelegenheit, vieles für die Kirche Gottes zu leiden.
* Auf der Bröhllalbahn bei Hennes a. d. Sieg stieß ein Fahrgast, bet sich aus dem Fenster des Zuges hinauslehnte, so heftig mit dem Kopf gegen einen Banm, baß er kurze Zeit darauf starb. Die Bahn fährt stellenweise dicht an den Chauffebäumen vorüber, so baß bie Bahnverwaltung in jedem Abteil in Warnungstafeln aus bie nut bem Hinauslehnen verbundene Ledensgeiahr hinweist.
* Ein Seminar für Gartenbau und Handfertigkeit, das erste dieser Art in Preußen, in dem Lehrer und Lehrerinnen in Jahreskursen und halbjährlichen Kursen ausgebildet werden, ist in P e i n e in Hannover eröffnet worden.
* Der Streit um den Namen. Jrn Theater in der Königgrätzerstraße in Berlin wird seit einiger Zeit ein Lustspiel von Lothar Schmidt aufgeführt. In diesem Stück spielt ein Schriftsteller Lebius eine recht beklagenswerte Rolle. Nun will es der Zufall, daß in Berlin ein Schriftsteller Lebius lebt und dieser Herr hat jetzt den Antrag ge- tellt, daß der Verfaffer des Stückes den Namen des betrogenen Ehemannes ändern soll, andernfalls würde er den Klageweg beschreiten. Lothar Schmidt will nun eine gerichtliche Entscheidung darüber herbeiführen, ob Lebius berechtigt sei, ihn in der Namengebung einer Theaterfiguren zu beschränken. Der Fall ist zweifellos interessant. Aber ob das Gericht sich auf den Standpunkt des Herrn Lebius stellen wird, ist doch recht zweifelhaft.
* Ter Schatz im Keller. Eine Kassette mit über 8000 Mark grub die Kriminalpolizei in Berlin in einem Keller aus. In der Nacht zum Samstag waren in einem Modegeschäft aus einem Geldschrank 8400 Mark gestohlen Wochen . Die Kriminalpolizei stellte bald fest, daß ür den Einbruch ein Maler in Frage kam, der in dem Hause zu tun gehabt hatte. Die Kriminalpolizei nahm ihn in seiner Wohnung fest und fand bei deren Durch- üchung das Geld bis auf 200 Mark, die der Einbrecher bereits ausgegeben hatte, im Keller vergraben.
* Eine halbe Million unterschlagen. Der Bankbeamte Richter von der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt in Dresden wurde wegen einer Reihe von Unterschlagungen verhaftet. Die Höhe der veruntreuten Beträge soll eine halbe Million erreichen.
* Schnee iü, wie aus «i. Galttn gemeldet wird, neuerdings in den AppenzellerBergen gefallen.
* Wenn das nur gut geht! Die Londoner Hafenverwaltung bat zwei Schleusentore unb eine Drehbrücke bei einem beutschen Eisenwerke bestellt, bas wesentlich billiger, unb babei in gleicher Güte, wie bie enaliscke Konkurrenz, au liefern vermag. Der
Auftrag bebeutet einen Triumph für die beutsche Jn- bustrie, wie er aber in England», zumal er von einer Behörbe erteilt worben ist, aufgefaßt werben wirb, batauf kann man gespannt sein. Denn bie ganze leibige Spannung vergangener Zeit rührte ja von bem englischen Aerger über bie überflügelnde deutsche industrielle Konkurrenz her.
Handel und Industrie.
Gute Stimmung in der Industrie. In Der am Montag in Köln abgehaltenen Hauptversammlung des Roheifenverbandes wurde über die Marktlage berichtet. Der Versand betrug im Monat April 98,03 Proz. der Beteiligung und hält sich damit auf der Höhe der Vormonate. Der Abruf ist immer noch sehr stark. Nach Freigabe des Verkaufs für das zweite Semester 1913 hat der weitaus größte Teil der Abnehmer, sowohl der Gießereien, als auch der Martinwerke, den Bedarf für das zweite Semester dieses Jahres gedeckt. Der Auftragseingang ist befriedigend. — Nach den vielfache* unbefriedigenden Mitteilungen aus der Industrie der letzten Zeit mutet das sehr angenehm an.
-Ä Berlin, 19. Mai 1913. Die Börsenkurse gingen infolge der vom Montanmarkt ausgehenden Verkaufs- beroegung weiter zurück. Von ben heimischen Anleihen gaben 3proz. Reichsanleihe unb Konsuls 0,20 Prozent, 3,5proz. Reichsanleihe 0,10 Prozent nach. Der Privatbiskont erniebrigte sich auf fünfdreiachtel Prozent.
Märkte.
Ms. Kassel, 19. Mai 1913. Die hiesige Genossenschaft für Häute- und Fettverwertung brachte bei gutem Besuch 758 rote unb 112 schwarze unb bunt, Ochsenhäute, 486 Bullenhäute, 3033 Kuh- unb Rinderhäute, 7170 Kalb- unb 1226 Schaffell« zur Versteigerung. Bei lebhafter Kauflust unb flottem Zuschlag wurden folgende Preise erzielt: rote Ochsenhäute 69-76 »am 17. April 67'/»—74'/-) Pfg., schwarze und bunte Ochsenhäute 67—70'/, (68*/,-70) Pfg., Bullenhäute 61*/, bis 69*/, (59*/,- 67*/,) Pfg., rote Kuhhäute 72-80 (71 bis 78’/,) Pfg., schwarze und bunte Kuhhäute 72—78 (70*/, bis 75*/,) Pfg., rote Rtnderhäute 75-84 (73*/,-81) Pfg., schwarze u. bunte Rinderhäute 74—80*/, (73—78'/,) Pfg., rote Mastkalbfelle 98 (98*/,) Pfg., Fresserhäute 70—71*/, Pfg., alles für das Pfund bei Schlachtung mit Horn und ohne Schweifbein. Kalbfelle mit Kopf erlösten 7,45 bis 12,70 (7,25-12,50) Mark, ohne Kopf 7,30-11,80 (7,50 bis 10,75) Mark, alles für das Stück. Schaf- und Hammelfelle brachten: kleine Lammfelle 25*/* (27) Pfg., große Lammfelle 39V* (41) Pfg., Blößen 40*/- (43*/,) Pfg., kable Felle 46*/, (48) Pfg., große Wollfell« 51 (53*,) Pfg., alles für das Pfund. Es wurde alles glatt verkauft.
* Oberhessische Zuchtviehauktion zu Alsfeld. Zur Zuchtviehauklion sind folgende in die Herdbücher des Landwirtschaftschastskammer - Ausschusses eingetragene Zuchttiere gemeldet: 86 Simmentaler Bullen, von denen 70 da8 körfähige Alter erreicht haben; 10 Edelschwein- eber unb ein Landschweineber. Es werden nur Tiere zur Auktion zugelassen, die durch die Kreiskörkommission begutachtet, angekört oder bei noch nicht vorhandenem körfähige« Alter als gute Zuchttiere anerkannt morde» sind.
Frankfurter Getreidemarttberichi vom 19. Mai 1913. Am heutigen Markt war bie Kauflust sehr gering. Guter Lanbweizrn war trotz kleinem Angebot schwer zu verkaufen. Landroggen gleichfalls matter. Fremder Weizen bei großen Zufuhren sehr ruhig. Gerste in guter Futterware gesucht. Hafer je nach Qualitäten bezahlt. Geringer« Sorten vernachlässigt. MaiS stetig. Mehl ruhig. Fulterartikel unverändert. — Es notierten je nach Qualität: Weizen: hiesiger und Wetterauer 21.05—00.00 Mark, aas dem Lande abgeholt 31.10-21.10 Mark, kurhessischer 21.50—00.00 Mark, norddeutscher 21.50—00.00 Mk., Manitoba 23.75 bis 24.00 M., Kansas 23,50—23.75 Mk., russischer Nicolajeff 23.75-24.00 Mark, Saxonska 23.75—24.75 Mark, Ulka 23.75-24.00 Mark, Azima 23.50—23.75 M., La Plata 23.50-24.00 Mark, rumän. 24.00—24.75 Mark, Walia Walia 24.00_24.50 M. — Roggen: hiesiger, 17.50 bis 17.75 M., auf bem Lanbe abgeholt 17.00—17.15 Mk., Pfalzer 00.00—00.00 M. russischer 17.50—17.75 M., Amerikaner 00.00—00.00 Mk. — Gerste: hies. 17.00 dis 18,00 Mark, Pfälzer 17.25-18.00 M., fränkische 17.50-18.00 M„ Riebgerste 18.50-18.00 M., ungarische 00.00-00.00 Mark, Futtergerste 00.00—00.00 M. — Hafer: hiesiger unb Wetterauer 1825—18.75 M., kurhess. 18.25-18.50 M., vayer. 18.00—18.50 Mark, La Plata 17.75—18.00 Mk., russischer 18.50—19.50 Mark. — Mais sMixeds 15.00-15.25 Mark, Donau- mais 15.50-15,75 M., La Plata 15.50—15.75 Mark, Ctnqantin 19.00-19.50 M., russischer 00.00—00.00 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv toko hier. — Mehl: unveränb. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 32.75—33.00 Mark, fübb. Nr. 0 32.75-33.00 M-, hiesiges Nr. 1 30.75 -31.00 M., südbeutsches Nr. 1 30.75 -31.00 Mk., hiesiges Nr. 3 27.75 - 28.00 M., sübbeutsches Nr. 3 27.75—28.00 M., hiesiges Nr. 4 23.75—24.00 Mark, süddeutsches Nr. 4 23.75—24.00 M. — Roggen mehl, hiesiges, Nr. 0 25.75 bis 26.00 M., do. Nr. 01 24.75—25 00 M., do. Nr. 1 23.75—24.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Saa loko hier. — Futterartikel: stetig. Weizemchalen 10.75—11.00 M., Weizenkleie 10.25—10.50 M., Roggenkleie 11.00—11.25 M., Weizen - Futtermehl 14.50 bis 15.50 M, Biertreber, getrocknet, 13.00—14.25 M„ Malzkeime 12.75-13.00 M., Rapskuchen 14.00—14.25 Mk., Palmkuchen 14.75—15.00 Mark, Futtergerste 16.25 bis 16.50 M., Melaffeprodukte 00.00—00.00 M., Kartoffeln 0.00—0.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10000 Kilo.
* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt- preise vom 19. Mai 1913. Auftrieb: 1554 Rinder einschließlich 00 Rinder aus Holland, sowie 00 Rinder aus Schweden», barunur 627 Ochsen, 62 Bullen 856 Färsen und Kühe, 00 Fresser 294 Kälber, 151 Schafe, 2479 Schweine. Preise für 1 Zentner, Rinder: A. Ochsen: a. voll fleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes L im Aller von 4—7 Jahren Lebendgewichts 49—55 Mark, (Schlachtgewicht) 98 bis 94 Mark, 2. die noch nicht gezogen haben lvngejocht) Lebendgewichts 00 — 00 M., (Schlachtgewicht) 00—00 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemä'iete und ältere ausgemästete (Lebendgew.) 45—48 M., (Schlachtg.s 81—87 M., c. mäßig genährte junge. gut genährte ältere [äebenbgero. | 40—44 M., (Schlachtgew ( 74—81 Mark, d. gering genährte leben Alters fLebenbgew.s 00-00 M., (Schlachtgew.j 00 - 00 M. ».Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.j 48- 50 M., (Schlachtgewicht) 80-83 M., 5. vollsieischige jüngere (Lebendgewichts 42 —45 Mark, Schlachlgew.) 72—78 M., c. müßig genährte jüngere itnb gut genährte ältere (Lebendgewichts OO 00 Mark. Schlachtg'ew.s 00-00 M., d. gering genährte (Lebdgew.j 00—00 M„ (Schlachtgew.j OÖ-00 Mark. C. Färsen unb Kühe: a. vollsteifchlge, auägemdfteie Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgewicht 47—50 Mark, Schlachgew.s 84—89 M, b. vollffeischige, ausgemästete, Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldzew. 43—47 M., (Schlachtgew.) 80—84 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgew.s 40—45 M., (Schlachtg.( 77—87 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe uuo wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew. 39 -42 M., Schlachtgew.s 72—78 'M., d. müßig genährte Kühe unb Färsen (Lebendg.) 33—38 M., (Schlachtgew.j 63—76 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 25 —30 Mark, (Schlachtgew.j 57—67 M. D. Gering genährtes Kunavieb Ofcteffer) (Lebend" X)—(X K.< '^chlachlE*