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Fuldaer Leitung

Nontag 19. Mai 1913.

er unserer Organisalion an. Zinckes wissenschaftliche

Kleines Feuilleton

— Trinkt Kräutertees! Warum nur immer chine­sischen Tee trinken! Gute Sorten sind teuer, unv wer weiß, was man da überhaupt bekommt! Seit langem ist man bestrebt, das große Volk auf einen vollwertigen Ersatz aufmerksam zu machen, die Allge­meinheit für „deutschen Tee" zu interessieren, für solchen, den man sich vom Frühjahr bis Herbst ohne alle Kosten in Walv und äBiefe selbst sammeln und Ml Rucksack nach Hause tragen kann. Deutscher Tee — das sind die Blätter der Walderdbeere, Brom­beere, Himbeere, Heidelbeere, Preißelbeere, ferner die Lindenblüten, Ehrenpreis, Waldmeister usw. Man hat durchaus nicht nötig, dabei gleich an „Heilkräuter, zu denken unv zu glauben, derartige „Tees" seien nur für Kranke geeignet. Man trinke nur einmal den aromatischen Au guß von Lindenblüten, Erdbeer- oder Brombeerblättern, ganz nach Belieben mit Milch und Zucker, und man wird überrascht fein, wie herrlich er schmeckt! Im Frühjahr gepflückte Blätter smv besonders zu empfehlen, sie sind zarter, aroma- lischer; besonders junge Brombeerblätler geben im Keschmack einen Tee, der von dem des chinesischen Lees kaum zu unterscheiden, aber noch viel feiner ist. Man sammle also eifrig die verschiedenen Blätter, reinige sie und trockne sie im Schallen langsam ab, “9e sie fodann auf ein sauberes Eisenblech in die Kochmaschine und dörre sie, aber nur ganz gelinde.

zubereüet, halten sie sich in kleinen Säckchen Monatelang, ohne an Aroma einzubüßen. Solch ».deutscher Tee" kann alle Tage getrunken werden; K öfter, desto mehr schätzt man ihn, und obendrein gewinnt man noch hygienische Vorteile: Erdbeertee fordert den Appetit, wirkt beruhigend auf das Blut Uns~regt die Darmtätigkeit an; Heidelbcertee behebt ?ie Schwäche der Harnblase und Jcr Nieren und ist Ar vorteilhaft gegen Zuckerkrankheit, auch gegen Öuften. Brombeertee wirkt blutreinigend, Linden- °wtentee gelind reizend usw. gf

HöhungsProjektes begrüßt werden, nötigen den kath. Kirchen-Vorstand, aus seiner bis dahin be­obachteten Reserve hervor- und falschen Anschauun- . „Schon seit Beginn des 18. chrhunderts," schreibt der frühere Bezirks-Konser- '”*• » •«nnm Gutachten vom 23. Juni 1901, „ist

— Am Stammtisch. Huber: „Ich ärgere mich scheußlich über meine rote Nase, sie wird von Jahr ____,______ ..

zu Jahr schlimmer." — Müller: „Ja, ja, mein Lieber | gen entgegen zu treten. — es heißt eben iefe*' so nach und nach Farbe be» .....*......

kennen."

— Schulkrankheiten. Mit dem Beginn der Schulzeit beginnt auch für viele Eltern die Sorge um die Gesundheit ihrer Kleinen, welche sie durch den Schulbesuch für bedroht halten. In der Tat ist ja die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß mancherlei ansteckende Krankheiten, wie Masern, Scharlach, Diphtherie, Keuchhusten usw., durch Mit­schüler übertragen werden können und auch häufig übertragen werden. Tas kann aber natürlich kein Grund sein, sein Kiud vom Schulbesuch zurückzu­halten oder in steter Angst zu leben, daß es sich in der Schule anstecken könnte. Denn wie hier, so kann ja auch sonst überall, besonders in Epidemiezeiten, eine Ansteckung erfolgen, auf dem Spielplatz, auf der Straße, ja sogar im eigenen Hause durch Nachbars­kinder. Unmöglich aber kann man aus Furcht vor Krankheiten seine Kinder von jedem Verkehr mit Altersgenossen abschließen. Tie Hauptsache wird immer sein, sich über die Merkmale heranschleichender Kinderkrankheiten und gegebenenfalls rechtzeitig er­forderliche Maßregeln zu treffen. Hierbei muß aber bemerkt werden, daß viele Aerzte die Ansicht hegen, man dürfe die Natur nicht stören und etwa eine her- anschleichende Masern-Erkrankung noch vor ihrem eigentlichen Ausbruch unterdrücken. Lasse man der Natur also ihren Lauf und sorge man nur für rich­tige Pflege. Tas alles sind auch nicht eigentlich Schulkrankheiten, sondern Kinderkrankheiten. Unter ersteren versteht man etwas anderes, das man sehr Wohl vermeiden kann. Hierhin gehört die durch schlechte Haltung bewirkte Wirbelsäulenverkrümmung, die Kurzsichtigkeit, häufiges Nasenbluten, Kopfschmerz, Blutarmut, nervöse Magenkrankheiten, geistige Er- schlafsung usw. Bemerkt man derartige Zustände, so ist es dringend geboten, mit dem Lehrer und dem Hausarzt zu sprechen, um die Ursachen zu ergründen und sie dann zu beseitigen. ef

Ans dem Nachbargebiete.

♦ Hofgeismar, 18. Mai 1913. Gestern nachmittag ging hier em starkes Gewitter mit Hagel und wolkenbruchart'gem Regen nieder, sodaß die unteren Straßen überschwemmt waren und das Wasser in bie ntebrtg gelegenen Häuser lief. Dr Blitz hat in bet Altüäbter Kirche die Giebelwanb zweimal im Zickzack gespalten. '

Aus Oberheffen n. den Hess. Aemtern.

* Marburg, 17. Mai 1913. Am Montag feiert der Professor der Chemie, Geh.-Rat Dr. Th. Zincke seinen 70. Geburtstag. Fast ein Menschenalter gehört

Am- Geisa und Umqebung.

* Stadtlengsfeld, 17. Mai 1913. Gestern legten die Arbeiter auf dem Neubau der Gewerkschaft Groß­herzogin „Sophie" die Arbeit nieder und ver­langten die GJtünbige Arbeitszeit mit der Begrün­dung, daß es ihnen unmöglich sei, länger als die ge­forderte Zeit in dem wasserreichen Schacht zu ar­beiten.

* Kaltennordheim, 17. Mai 1913. Im benach­barten Aschenhausen wurden gestern abend der 15 Jahre alten Tochter Alma des Fabriktischlers Bautz von ihrem Liebhaber, dem 30 Jahre alten Peitschen­flechter Lindemann, schwere B e i l h i e b e am Kopse beigebracht. Dann beging der Täter Selbstmord, indem er sich die Kehle durchschnitt. Als das Mäd­chen gefunden wurde, gab es nur noch schwache Le­benszeichen von sich. Kopf und Gesicht sind arg zu­gerichtet. Als Grund der unseligen Tat wird Eifer­sucht angenommen. Das Mädchen soll nach Meinin­gen gebracht werden, jedoch bffteht wenig Hossimng, daß es die Klinik lebend erreichen wird.

* Frauensee, 17. Mai 1913. Gestern wurde der Gutsbesitzer Roller Hierselbst verhaftet. An­geblich hat er sich Vergehen gegen § 175 des Straf­gesetzbuches zu Schulden kommen lassen.

2. Statt.

vrick der Hnldaer HttitnetMdtrti in Selbe.

25. Mai der Gradpilot Mürau aus Gelsenkirchen hier auf den Afföllerwiesen ein Schaufliegen ver» anftaltcn. Vielleicht wird sich auch eine Fliegerin, Frl. Möhring beteiligen.

* Marburg, 18. Mai 1913. Wie bestimmt ver- lautet, wird am 10. August Kaiser Wilhelm unserer Stadt einen Besuch abstatten und an dem I Jubiläum des Jägerbataillons teilnehmen. Auch die Chefin des Bataillons, Königin Margarita von Italien, wird zu diesem Fest erscheinen.

* Kirchhain, 17. Mai 1913. Hier sind gegen­wärtig viele Obstbäume außerordenllich stark mit Raupen befallen. — Am Montag tagt im Bahn- hvisholel dec Hessische Bezirksverband des Bundes Deutscher Barbier-, Frifeur- u. Perücken- macher-Jnnuage». — Die gerichtliche Sektion des bei Niederwalv in der Ohm aufgefundenen Toten hat keinerlei Tatsachen ergeben, welche auf ein Verbrechen schließen lassen. Die Persönlichkeit konnte nicht seft- gcfleUt werden.

[:] Kirchhain, 18. Mai 1913. Gestern sand hier eine Versammlung der Turn- u. Spielvercini- gung des Kreises Kirchhain im Bahnhosshotel statt, welcher auch Herr Landrat v. Gilsa beiwohnte. Nach Vornahme beijenigen Hebungen, welche am 31. August ds. Js. gelegentlich des Wett-Turnens von den Schülern vorgeführt werden sollen, folgte eine ein­gehende Besprechung der Einzelheiten des voraussicht­lichen Verlaufes des Festes. Nächste Versammlung am 5. Juli.

# Felsberg, 18. Mai 1913. Der hiesige Turn­verein, einer der ältesten des Fulda-Eder-Gaues, begeht am 5., 6. und 7. Juli sein 50jähriges Jubi­läum, wozu bic Vereine des Gaues cinaelnben sind.

* Kolbe, 17. Mai 1913. Am 5. Juli findet hier eine Ziege naus st ellung, verbunden mit der Eröffnung der Krcisziegenfarm statt.

* Lkiidcrscheiv b. Frielendorf, 17. Mai 1913. In vergangener Nacht war in dem einstöckigen Hause des Kaufmanns Moses ® ro 6f euer ausgebrochen. Die Bewohner konnten erst aus dem Schlafe geweckt werden, nachdem die Flammen emporloderlen. Sie konnten nur mit Mühe das Leben retten. Trotzdem die Orlsfeuerwehr schnell an der Brandstätte erschien, brannte bas Haus bis auf die Mauern nieder. Das Mobilar würbe zum grüßten Teil gerettet.

(♦) Neustadt, 18. Mai 1913. Die sichtliche Freude, womit in der Oberhessischen Zeitung und in den Kas­seler Neuesten Nachrichten die seitens der König!. Re­gierung erhobenen Bedenken gegen die -Ausführung des von langer Hand vorbereiteten Turrn - Er-

Der Mannergesangverein „Winfridia" unter» nebm am gestrigen Sonntag seinen dies;äliriaen Mar-Ausflug. Trotz der zweifelhaften Witte­rung hatten sich doch über 50 Sanger und zwei Ta­rnen zu dieser Tour bereit gesunden. Tas Dampf­roß führte zunächst die srohe Schar nach Schmalnau, von hier nach kurzer Rast in Thalau nach dem bayeri­schen Grenzdorfe Motten, wo man um die Mittaqs- pett anlangte. Hier entwickelte sich bei einem guten Glase echten Bayerisch eine recht fidele Stimmung. Es wurden mehrere Chöre vorgetragen und dann, nachdem die Sonne ein freundliches Gesicht machte die ^°»berung nach dem herrlich gelegenen Wallfahrts­ort Maria-Ehrenberg fortgesetzt. Hier trug der Ver­ein ein Marienlied vor und setzte den Weg über die Hohe Kammer nach dem Dammersfeld, von da über kleinei^Därttm^olherda. Nach einer I Arbeiten liegen auf dem Gebiet der organischen

Präsident fest, daß die Tour in allen Teilen gelungen verlaufen fei. Mit dem Abendzug langten die Sau­ger wieder in Fulda an.

F Katholischer Gesellenverein. In der gestrigen I außerordentlichen Generalversammlung wurde an- I stelle des von hier verzogenen Seniors Riehl Herr I Korl Kohlmann, der kürzlich seine Meisterprü- I jung als Schuhmacher bestand, zum Senior des Ge- I fellenvereins gewählt. Hierauf wurde eine Anzahl I neuer Mtglieder in den Verein aufgenommen.

I u- —.Der Oberrealschulneubau beschäftigt gegenwärtig die Bürgerschaft in hohem Grade. Die auf das ex- laffene Preisausschreiben eingegangenen 121 Projekte stnd zurzeit im Stadtsaal ausgestellt und wurden be- sonders am gestrigen Sonntag eifrig besichtigt. Fast oet ganze große Stadtsaal ist mit den auf Stellagen übersichtlich angebrachten Zeichnungen ansgefüllt. Unter den Entwürfen befinden sich hervorragend schöne und monumentale Projekte, sodaß sich ein Be- such der Ausstellung, die bis einschließlich kommenden Sonntag täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 6 Uhr nartimittaaS geöffnet ist, durchaus lohnt

+ Handwerkskammer. Zu den schwierigsten Fra­gen gehört ohne Zweifel die der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk, woraus sich bei der Veran­lagung für die Beiträge für die Handels- bezw. Hand­werk ammer gar oftmals ernstere Schwierigkeiten er­gebe. Auch die Kasseler Handwerkskammer hat sich fast in jeder ihrer Vorstandssitzungen mit diesen Fragen zu beschäftigen. Von Interesse für das Hand- toerf dürste ein Entscheid des Regierungspräsidenten zu .Kassel sein, wonach die Jnstallationsab- v^.lung des Elektrizitätswerks Fulda Aktiengesellschaft als „Handwerksbetrieb" er­klärt wird. Die Handwerkskammer hatte den Jnstal- lationsbetrieb des Werkes als beitragspflichtig ange- sprochen, wogegen das Werk Einspruch erhob. In der letzten Borstandssitzung der Kammer wurde nun mitgeteilt, daß der Herr Reg.-Präsident diesen Ein- sp^uch abgelehnt und das Werk als beitragspflichtig er­klärt hat. — In der gleichen Sitzung wurde der hie- sigen Schuhmacher-Zwangsinnung auf thren Antrag ein Beitrag von 30 Mk. bewilligt Eben­so wurde dem Antraa der hiesigen Buchb'inder- m erster auf Erricht, ig eines Gcsellenprüfungsaus- schuss.es stattgegeben, dessen Mitglieder die Kammer sogleich bestellte.

-st Die Handwerkskammer zu Kassel hat beschlossen m Fulda einen Gefellenprüsungsausschuß für Elektro.Installateur- undElektro-Mecha- niker.Lehrlinge zu errichten. Seit Errichtung des Elektrizitätswerks und der damit bedingten Vermeh­rung der elektrotechnischen Geschäfte ist die Zahl um das Fünffache d. i. auf 20—25 gestiegen.

△ Kaninchenzüchterverein Fulda. In der gestrigen Verfammlung wurde beschlösse,', daß zur Hebung bet "vuwchenzucht in diesem Jahre wieder eine Kaninchen- und Produkten-Ausstellung in der Harmonie statt- stnden soll und zwar am 14. August. Um den in v?ruf-<.ten mehrmals vorgekom nene» Kaninchen- drebslahlen zu steuern, wurde unter den Mitgliedern eine Kasse gegn'inbei, aus dessen Einlagen bei etwa I vorkommenben Kaninchendiebstählen sofort die Hälfte der Kosten der Beschaffung eines Polizeihundes be« I ftritten werden sollen. Die für 230 Mark gepachteten Wiejen» und Kleegrundstücke wurden parzellenweise I verlock. 1 I

Vermischtes.

' Hebet ein seltsames Naturereignis, das ir Bayern beobachtet wurde, wird der „Franks. Ztg." be­richtet, „Bei der Kreuzung der Erdbahn mit der Bahn des sogen. Lyridenschwarrns ist in diesem Jahre Bayern in seinem nordöstlichen Teile mit Meteor­fällen ungewöhnlich reich bedacht worden. In der ganzen Oberpfalz, im Bayrischen Walde und an der llnterinn wurde eine Meteor-Erscheinung beobachtet, und zwar eine ausfallend prächtige. Bei sternklarem Himmel, völliger Windstille und ziemllich kühler Tem­peratur erschien das Meteor, das in Gestalt und Größe einer kleinen Feuerkugel glich und sekundenlang einen blendend hellen Schein gab. In gelbem und violettem Lichte zog es mit großer Geschwindigkeit von Südosien nach Nordwesten, einen langen, feurigen Schweif hinter sich lassend. Es platzte zuletzt wie eine Granate in mehrere feurige Trümmer. Zwei Minuten später vernahm man einen etwa acht Sekunden anhaltenden dumpfen Donner und ein merkwürdiges Geräusch, das an Stärke allmählich abnahm und dem Praffeln eines auf gefrorenen Boden auffallenden Steinregens glich. Die Erscheinung war so seltsam, daß sie auch die ruhende Tierwelt ausschreckte. Bon allen Seiten ver­nahm man plötzlich lautes Gebell der Hunde, und unter den Stimmen der Vögel hörte man besonders die ängstlichen Ruse der Kiebitze.

* Nie mehr ein Flugzeug zu besteigen hat der be­rühmte amerikanische Flieger Beachy gelobt. Beachy war einer der kühnsten Flieger, der beim Volk den Namen „Master Birdman" «.soviel wie Vogelmensch > erhalten hatte. Zu feinem Entschluß ist er gekommen, weil er eine große Zahl von Freunden hat zu Tode stürzen sehen, und weil er in der Verzweiflung der Angehörigen eine unausgesprochene Anklage gegen ihn erblickte, der durch seine stets glücklichen Flüge viele zu Wagnissen verführte, die besser unterblieben wären. Es scheint, daß Beachy nervenkrank gewor­den ist. Der Fall ist insofern ein neuer, interessanter Beitrag zur „Fliegerkrankbeit", die die Nerven der Aviatiker in höchstem Maße mitnimmt. Nrcht nur die Gefahr des Absturzes ist die einzige, die den Flie­ger bedroht: ftu.tbcnlang h.ntcr dem tubeuben, rasen­den Motor zu sitzen mit voller Ruhe der Hand und aller Kräfte, ist schon eine physische Höchstleistung, und die vielerlei Aufregungen, oie der Beruf mit sich bringt, lassen einen En.lchluß, wie ihn Beuchy ge­faßt hat, verständlich externen.

eine ausgiebige Erweiterung der kath. Pfarrkirche zr Neustadt dringendes Bedürfnis, dem man in durchaus notdürftiger, die Jnnenwirkung beein­trächtigender Weise durch rohe Emporen in 2 Ge­schossen abzuhelfen gesucht hat." Die König!. Bau- Jnspektwn Kirchhain, welche sich amtlich mit der Frage zu befassen hatte, ob die hiesige Pfarrkirche für die kath. Kirchengemeinde ausreiche, ist nach ge­nauen Messungen und Schätzungen am 16. Aug. 1900 zu dem Resultate gekommen, daß die Pfarrkirche allein für die dortige kath. Gemeinde nicht aus­reichend ist. Man braucht auch nur an gewissen Ta- gen, wo eine Teilung des Gottesdienstes eine Un­möglichkeit ist, Christmette. Charsreitag, Allerseelen, 2. Kirmeßtag einmal die Kirche zu besuchen, so wird man am eigenen Leibe den Raummangel verspüren. Um diesem Mißstand abzuhelfen, hatten schon im J.^re 1902 die städtischen Körperschaften — die Bau- pilicht lastet auf der politischen Gemeinde — einen Erweiterungsbau mit einem Kostenaufwand von 35 000 Mk beschlossen. Ta die Stadt Neustadt die­len Kostenaufwand nur durch eine Anleihe decken fcnnte und zu derselben die Genehmigung der Kgl. Negierung brauchte, verfügte letztere, gestützt auf ein Gutachten des damaligen BezirkslonservatorZ Dr. Bickel, unter dem 4. Sept. 1901, daß die Anleihe nur dann genehmigt werde, wenn auch gleichzeisig eine entsprechende Erhöhung des Turmes öorgenommen werde, weil sonst das schon bestehendeMißver. h ä 11 n i s noch vergrößert werde. In derselben Der- fügung hat die König!. Regierung noch ihr Bedauern darüber ausgesprochen, daß nicht'schon bei deren Um- bau in den 80er Jahren diese Erhöhung vorgenom­men worden sei. Infolge dieser Bedingung der Turm- erhöhnng ist das ganze schöne, von Baurat Gülden- Pfeniiig ausgearbeitete Projekt gescheitert und die als notwendig anerkannte Erweiterung ist auf bessere Zeiten verschoben. Nach dem Grundsätze divide et impera (Teile und herrsche) betrieb der jetzige Pfar­rer zunächst eine stilgerechte Einrichtung des Be- ftebenben und suchte das von der Kgl. Negierung auf­geworfene Hindernis dadurch zu beseitigen, daß er durch Sammlung von milden Gaben und Opfern die Mittel zur Erhöhung des Turmes zusammenbrack)te. Ein von künstlerischer Hand ausgearbeitetes Projekt wurde von Kirchenvorstaiid und kirchl. Gemeindever­tretung einstimmig zur Ausführung beschlossen, nach­dem die Bischöfliche Behörde dieses Projekt in aller Form gebilligt und den jebigen Ortspfarrer ermutigt batte, für feine Verwirklichung Sorge zu tragen. Was" niemand hier in Neustadt für möglich gehalten hätte, daß nämlich von derselben Stelle aus, von der die erste Anregung zur Erhöhung des Turmes gege­ben wurde, von welcher das Bedauern ausgesprochen wurde, daß diese Erhöhung nicht schon längst bewerk­stelligt sei, jetzt, nachdem alles in die Wege geleitet, nachdem mühsam die Mittel zusammen gebracht, au * das erforderliche Bauholz schon geschlagen im Walde liegt, mit einem Male Bedenken erhoben und dem Projekt Schwierigkeiten gemacht werden, das ist leider zur Tatsache geworden. Gegenwärtig liegt die Ent­scheidung in dem Ermessen der Bischöflichen Behörde, welcher die Sache zur nochmaligen Prüfung über­wiesen wurde, allerdings mit dem Wunsche, von einer Erhöhung des Turmes überhaupt abzusehen. Auf den Ausgang der Sache kann man gespannt ein. Wenn die Gründe, welche die vom jetzigen Be- sirkskonservatör anders beratene König!. Regierung ins Feld führt, Veränderung des Stadtbildes von künstlerischem Werte, und dergleichen maßgebend wer­den sollen, um einen notwendigen oder auch nur wünschenswerten Umbau eines kath. Kirchengebäudes zu verhindern, dann ist es gar nicht abzusehen, wie oft auf dieses Mittel von Seiten eines Verwaltungsbeamten zurückge-^ griffen wird, mit dem Erfolge, daß wohlbegründete und künstlerisch voll­endete B a ut e n kath. Kirchen unmög­lich gemacht werden. Ans diesem Grunde erweckt die Neustädter Kirch- rind Turmbaufrage allerdings das größte allgemeine Interesse.

* Fritzlar, 16. Mai 1913. Bei der gestrigen Vorstellung der reitenden Abteilung in Gegenwatt des komm. Generals Erz. von Schefser-Bovadel stürzte ein Pferd und verletzt- sich so, daß es getötet werden mußte. Ter Netter blieb unverletzt.

* Spangenberg, 17. Mai 1913. Gestern entstand im Forstrevier Auerholz, Oberförsterei Altmorjchen, dicht an der Eisenbahn, ein WaId brand. Nahezu zwei Acker große Fichlenwaldung fiel dem Feuer, das jedenfalls durch Funkensprung der Eisenbahn ent­standen ist, zum Opfer.

* Gelnhausen, 18. Mai 1913. Das Komitee für den Handwerkskammertag setzte vorgestern ein Programm über den Verlaus der Tagung fest. Die' Verhandlung beginnt in der Turnhalle vormittags 11 Uhr und wird bis gegen 3 Uhr nachmittags dauern. Daran schließt sich das Essen in der „Hoffnung". Die hiesige Handwerkerschaft wird die Kosten der Ver­anstaltung durch freiwillige Beiträge tragen. Den Ehrenvorsitz des Komitees hat Herr Landrat Gra, v. Wartensleben übernommen. Der Verkehrsoerein stellt den Teilnehmern an der Tagung den neu er- schienenen Führer durch Gelnoausen zur Verfügung. Einige Herren werden die Führung bei dem Rund- gange durch die Stadt übernehmen.

* Gethsemane, 17. Mai 1913. Nach langjährigem Mühen ist für unsere Gemeinde jetzt die neue H o ch- druckwasserleitung fertig gestellt worden. Bor einigen Tagen wurde durch die Bauleitung und Vertreter der Gemeinde die Anlage besichtigt und ge­prüft.

* Aus Thüringen, 17. Mai 1913. Ein großer Brand hat in Neuhaus a. R. das Gasthaus zur Tanne (frühere Knochenmühle) und die beiden Ge­bäude der Geschwister Michel und von Fr. Hampe in Asch- gelegt. — Der Gemeinderat von Tambach hat den von der Postverwaltung für eine Autoverbin­dung nach Schmalkalden geforderten Zuschuß rund­weg abgcleht und damit das Zustandekommen der Autolinie gefährdet. — Der Gemeinderat von Il­menau genehn sie die Uebernahme einer Garantie in Höhe von 600 Mk. auf zehn Jahre für eine Auto­linie nach Schwarzburg. — Um ein Erholungsheim für Kaufleute zu schaffen, hat der Deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband das Schloß Fttedensburg bei Leutenberg auf dreißig Jahre gepachtet. — Ten Städten des Herzogtums Altenburg ist vorn herzoglichen Ministerium aufgegeben worden, Klär­anlagen zu schaffen, weil die Verunreinigung der Flußläufe nicht mehr geduldet werden könne.

Lokales.

Fulda, 19. Mai 1913.

* Verliehen wurde dem Fußgendarmeriewacht- meister Bandemer zu Somborn im Kreise Geln- Hausen daS Allgemeine Ehrenzeichen.

* Personalien. Reg.-Rat Bunk in Raffel wurde der Kaiserlichen Disziplinarkammer oaselbft ernannt. Versetzt sind die Regierungsbau­meister des Eisenbahnbaufachs, Tschich, bisher in Raffel, als Vorstand (auftrw.) des Eisenbahnbetriebs- amts nach Emden und Renfer, bisher in Bromberg, zur Eisenbahndirektion nach Kassel.

* Die Meisterprüfung als Tüncher bestand hier Herr Florian Schmitt ans Weyhers.

.!. Diebstahl im Stadtschulbau. Man schreibt uns: Die Mittel ung über den Diebstahl im Stadtschulbau in der Samstags-Nummer könnte den Anschein er­wecken, als sei der Unterricht in der gewerblichen Fortbildungsschule am Freitag aus irgend einem »runde — vielleicht, weil Wahltag war — ausgesetzt worden. Demgegenüber sei festgestellt, daß der Tag noch in die Pfingstserien fiel, was den Schülern am letzten Freitag vor den Ferien auch mitgeteilt und den Meistern in Form einer Zeitungsnotiz in den beiden hier erscheinenden Zeitungen bekanntgegeben worden ist. Außerdem sind, wie nachträglich fest- gestellt worden ist, an den Einbrüchen nicht Fort­bildungsschüler beteiligt. Der Tat überführt wurde ein 11 jähriger Schüler aus der evangel. Schule, der die Tat auch eingcfianben und den Diebstahl den Beamten praktisch vorge,ührt hat. Uebrigens erstrecken sich die Einbrüche, die in 13 Klassen verübt wurden, auf die Stadtschule und die evangel. Schule.

[•] Scherben. Heute morgen scheuten in der Brau­hausstraße zwei noch junge Pferde des Herrn C. A. Arnd und rannten mit dem Geschirr, einem mit Ziegeln beladenen Wagen, die Straße hinunter. Vor dem Restaurant Windmühle stieß das Gefährt mit einem dort stehenden unbekannten, teeren Wagen zu- Jammen. Infolge des durch den Anprall entstehenden Rucks gerieten die Pferde in das Schaufenster der Möbel- Handlung D. Müller, das vollständig in Trümmer ging. Die im Schaufenster ausgestellten Gegenstände blieben unbeschädigt, dagegen hat ein Pferd Schnitt- wunden am Bein und der Wagenführer bei seinen Bemühungen, das Geschirr zum Stehen zu bringen, starke Quetschungen am Bein erlitten.

I Unser Artillerie-Regiment rückt am 17. Juni »um Schießplätze Ohrdruf aus. Die alljährlich vor dem Ausrücken zur Schießübung stattfindende große Fahr- und Exerzierbesichtigung findet nächsten Freitag durch den kommand. General des 11. Armeekorps statt.

<? Jahrhundertfeier. Der Magistrat hat für heute abend Einladungen zu einer Besprechung über die Ab­haltung der Jahrhundettfeicr an die für die Mitwir­kung in betracht kommenden Vereine ergehen lassen.

1*1 Strafkammer. Der 23 jährige, schon achtmal vorbestrafte C. B. und dessen 26 jähriger, einmal vor- I bestrafter Bruder L. B., beide Stemhauer aus Staffel, waren im Oltober 1912 in Burghaun eines Tages verduftet, ohne ihr Kostgeld zu bezahlen; auch ließen sie sich bei ihrem damaligen Werkmeister Vorschüsse geben und dachten nicht an das Abverdienen. Das Gericht erkannte gegen C. B. wegen Betrugs im Rücksalle auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monate und gegen L. B. auf eine solche von 3 Monaten. — Die 32 jährige Taglöhnerin L. N. geb. W. von Neuhof, war wegen Unterschlagung angeklagt. Sie hatte von ihrer Cousine deren Sparkassenbuch aus 1102 Mk. »um Ausbewahren erhalten. Angeblich aus Not, wie die Angeklagte heute schluchzend aussührt, holte sie innerhalb 13 Monaten Beträge von 40, 30, 50 Mk. und quittierte mit falschem Namen. Das ganze Geld wurde bis auf 22,43 Mk. abgehoben. Inzwischen I hat die Angeklagte 20 und 30 Mk. an die A. L. jurückgezahlt. Das Gericht erkannte dem Anträge »es Ersten Staatsanwalts gemäß auf eine Gefängnis- ^rafe von 6 Monaten. — Ein Schreinermeister von Oberbimbach war vom Schöffengericht Großenlüder wegen unbefugten Schießens im Orte zu einer Geld- strafe vo 10 Mark verurteilt worden. Er legte Be­rufung hiergegen ein mit der Begründung, daß nicht >r, sondern sein Sohn den Schuß abgegeben habe. Eie Strafkammer verwarf die Berufung, da die Ver­nehmung der Zeugen nichts ergab, das zu den ersten Feststellungen im Gegensatz stand. Ebenso erging es stvei Maurerlehrlingen aus Großenlüder, die wegen Vergehens gegen das Vogelschutzgesetz vom dortigen I Schöffengericht zu je 5 Mark Geldstrafe verurteilt worden waren. Sie sollen mit Leimruten Singvögel, sogenannte kleine Zeisige, gefangen haben. Die Straf- lummer erkannte mangels gegenteiliger Beweise auf Verwerfung der Berufung.