'M- Kleines FeniUeton
kennt.
♦ Fraktion Größenwahn. Der „Bayer. Kurier^ schreibt: „In W ü r z b u r g ist als 2. Bürgermeister ein Rechsrat gewählt worden, der den einzigen Feh. ler aufwies, daß er „ultramontan" war. Der Gewählte hatte sich um die Stelle beworben, der Rotblock, Sozialdemokraten und Liberale, stellten ihm aber einen Kandidaten entgegen, der sich für den Posten gar nicht genannt hatte! Hier zeigt sich wieder, was von den liberalen Versicherungen zu halten ist, daß einzig die „Würdigkeit", nie die Partei- zugehörigkeit entscheiden soll. Ein „Schwarzer" ist eben nie würdig, handle es sich um einen Bürgermeister- oder Nachtwächterposten., Trotzdem wurde der „Ultramontane" gewählt, weil zwei Mitglieder der Freien Vereinigung, ein Protestant und ein Israelit, ihrem Gerechtigkeitssinn folgten und den „ultramontanen" Rechtsrat wählten. Man muß nun sehen, wie beide Herren in der „vornehmen" M.-A.
Ausland.
Ä Der Block der rechtsstehenden Parteien in Holland. Auf dem am 24. April abgehaltenen Parteitag be- schloffen die Parteien der Rechten (Katholisch« Staats- partri, Antirevolutionäre und Christlich. Historische) an der bisherigen Koalition sestzuhalten, durch welche ein konfessronelles Schulgesetz gesichert sein dürste. Dem Ministerium Heemskerk, dem Minister Talma und dem Führer der Katholiken, Prälat Dr. NolemS, wurde volle Anerkennung für ihr Wirken gespendet.
* Franzöfischer 800 Millionen-Kredit. Infolge des von dem Parlament gebilligten Regierungsbeschlusses über die Zurückhaltung des 1910er Jahr- S unter den Fahnen wird auf Beschluß des errats der Kriegsminister von der Kammer
einen Bries beantworten muß, und zwar im eigenen Fntereffe, um sich vor Schaden zu bewahren. Ein solcher Fall wurde einmal bis vor das Reichsgericht gebracht. A. brachte seinem Gläubiger B. die Bürgschafts-Erklärung eines gewissen C. B. traute der Sache nicht sehr und fragte deshalb brieflich bei C. an, ob Urkunde und Unterschrift richtig seien. Aber C. antwortet, nicht. B. hielt nunmehr dre Urkunde für «cht, und al» et bei«, schließlich 3000Mark ver- lor, verklagte er C. als den Bürgen. Dieser bestritt eine ZahlungSpflicht, weil die BürgschaftS - Urkunde gefälscht sei; daS war tatsächlich der Fall, und aus diesem Grunde wurde denn auch di« Klage vom Landgerichte und Oberlandesgerichte abgrwiesen; eine Rechts- pflicht, Dries« zu beantworten, bestehe eben nicht. Das Reichsgericht hingegen war anderer Meinung, «S sagte: .In dem Schweigen des Beklagten auf «inen derartig wichtige» Brief hin sei im vorliegenden Falle ein Der- stoß gegrn die guten Sitten zu erblicken, der den Beklagten zum vollen Ersatz der Schadens von 3000 Mk. verpflichtet.» Demgemäß erfolgte Verurteilung. Das Urteil zeigt zugleich deutlich, wie verschieden die Auf- kaffung unserer Richter in prinzipiellen Fragen ist. Es wäre nur zu wünschen, daß recht oft und schon von den unteren Instanzen die .guten Sitten» mehr maß- I geblich erachtet würden, als die Buchstaben deS Ge
setzes-, dar allein würde dem Rechtsempfinden des I Volkes entsprechen. rb.
— Erst bezahlen. Auch große Künstler und Künst- I lerinnen halten am Prinzip der Barzahlung fest. Sie I können «S sich freilich auch leisten. Vor etwa 35 I Fahrm gastierte Adelina Patti an der Londoner I Oper. Der Intendant hatte mit ihr ein Honorar | von 20000 Mark für jede Vorstellung vereinbart, I vorher zahlbar. Eines Abends war der Hauptkaffierer I noch nicht zurück, der Regiffeur sandte deshalb, da I die Vorstellung beginnen mußte, einstweilen die vor- I handenen 16000 Mark der Diva ins Ankleidezimmer I mit der Erklärung, der Fehlbettag würde in kurzer I Zeit nachgeliefert. Sogleich darauf erschien die I Kammerjungfrau beim Regisseur mit einem Schuh in | der Hand und der Nachricht, man möge sich nicht I aufrege», Madame könne die .kurze Zeit» -e- I dulden, zumal sie ja auch noch den einen Schuh an- I zuziehen habe. Der Regiffeur verstand. Zum Glück I war soeben der S->ff':rer erschiene», und der Regiffeur
drücklich:
i »Dagegen kann man es nicht alS ein ungerechtes (wenn auch unerlaubtes) Mittel ansehen . . .»
Und um keinen Zweifel zu lassen, daß es sich nur darum handele, ob derartige Praktiken gegen die Gerechtigkeit seien, hat er selbst „ungerechtes" gesperrt gedruckt! Wo bleibt da aber nur ein Schimmer von Berechtigung für die künstliche Entrüstung!, Könnte man sich etwa entrüsten, wenn jemand erklärte: Das Duell ist nicht gegen die Tugend der Hoffnung! Gegen die Hoffnung ist es sicher nicht, aber darum bleibt es doch schwer sündhaft! Das Tollste von Unehrlichkeit und Fälschung ist es aber, wenn die sozialdemokratischen Blätter behaupten, Göpsert hätte den reichen Katholiken die Steuermogelei erlaubt. Schon mit dem obigen Zusammenhang ergibt sich, daß in dem ganzen Passus von einem Unterschied zwischen reich und arm absolut nicht die Rede ist, daß es da überhaupt keinen Unterschied geben kann, ist für jeden klar, der auch nur den kleinen Katechismus
/' — Windige Geschichten. Die letzte Zeit hat uns soviel windiges, ja stürmisches Wetter gebracht, daß allenthalben von Unglücksfällen berichtet wurde. Es ist nicht uninteressant, daß nach den Feststellungen der Deutschen Motorluftschiffahrtsstudiengesellschaft in Deutschland mehrere „Windgebiete" vorhanden sind, ja, man kann sogar von besonderen „Windwegen" sprechen. Am wenigsten Winde resp. die schwächsten Winde gibt es in den Provinzen Hannover und Sachsen sowie in der Ebene zwischen den Vogesen und dem Schwarzwalde. Hiernach kommt die Provinz Schlesien sowie ganz Süd- und Südwestdeutschland. Sehr Windstärke Gebiete sind sodann Rheinland, Westfalen, noch mehr Mecklenburg und Posen. Die stärkten Winde wehen aber an den Küsten und ganz be- unders an der Danziger Bucht. Diese Feststellungen beruhen auf Beobachtungen von 49 Stationen während eines Zeitraumes von zwanzig bis dreißig Jahren. Die Winde entstehen bekanntlich durch die Verschiedenheit des Luftdrucks, und diese wieder durch die Verschiedenheit der Wärmeverteilung auf der Erdoberfläche. Die Atmosphäre kommt dadurch in Zir- kulation und bildet zufolge von Störungen der mannigfachsten Art die Winde. Eigentümlich ist es nun, daß in etwa 500 bis 1500 Meter Höhe die Windgeschwindigkeit im allgemeinen doppelt so groß ist, wie in der untersten Luftschicht, und in 3000 Meter Höhe fast regelmäßig Sturmesstärke erreicht. Deshalb sieht man auch so oft die Wolkenschichten mit größter Schnelligkeit sich sortbewegen oder zerstreuen. Eigen, tümlich ist auch, daß in großen Höhen, schon von 2000 Meter an, fast niemals Ostwinde herrschen, vs
— Muß man Briefe beautwartr«? E» dürfte sich wohl niemand gezwungen fühlen, irgend einen Brief, der an ihn gerichtet wird, zu beantworten. In der Tat steht auch nirgends im Gesetze etwas davon, daß man einen Bries unbedingt beantworten müsse; auch dann nicht, wenn der Absender Rückporto beigelegt hat, sofern man nur bereit ist, dieses Rückporto dem Absender zur Verfügung zu halten. Dennoch gibt es Fälle, in denen man entweder au? rechttichen Gründen oder dem Begriff der guten Sitte heraus
^Zür llmermchung tm Falle Krupp. Ma« ein« r rlSvüqeitung (Rr. '127) behandelt wachen. Da liest Meldung der .Köln. Zeitung' hat der Staatssedletär | »an: „ .... Ig
veranlaßt, ob etwa Beamte des Reichsmanne-Anues I «aIäo« ein«! -Waler oder Wenaa, sondern
an den angeblichen Verfehlungen de, Krupp bet«,llgt I «int tft «rjt, der andere «potdeker
gewesen sind. Die Untersuchung fet jetzt mit bem I _ bnttten sie bisher zu de« politisch Reisen gezählt
gebniS abgeschloffen-worden, daß tetneelei 8et« I tw*«*. DaS sie und ihre eiet anderen Bürger- oacht sich rechtfertigen lasse. I oeteinigungSgenoffen zu der Wählt-,« Zenttumr-BSrger-
• Deutsche Truppen als Gäste bei dn, Jesuiten. I meiüers veranlaßte, wird wohl bte Zukunft lehren.' Wie dem Berl. Lok.-Anz. aus Skutari gemeldet I Die Zumutung des letzten Satzes wollen wir nicht wird sind von den dort eingerückten Truppen vom I näher berühren, uns genügt der Hinweis auf den internationalen Geschwader die deutschen M a- l w i d e r w ä r t i g e n und nutz zu übertreffenden, für cinetruppen der „BreSlau" im Garten der I unseren Liberalismus aber charakteristischen Hoch- Jesuiten in Zelten untergebracht. Der Bericht- I mut, mit dem die beiden Herren plötzlich gewaltsam erstatter des Berliner Lokal-Anzeiger bemerkt dazu I zur Politischen Unreife zurückverwandelt werden. Wer noch: „im Garten der sehr entgegenkommenden Je- I einen ZentnimSmann wählt, ist Politisch unreif! Man suiten". — Es liegt eine gewisse Ironie der Welt- I muß sich Vie Nase zuhalten vor dieser Sorte Libe- geschichte darin, daß gerade Jesuiten es sind, die I raliSmuk.
den deutschen Truppen in einer so sehr entgegen- I j> Darmstadt, 18. Mai 1913. Die Frage, in wel- kommenden Weise in ihrem Garten Unterkunft ge- I ch«r Weise die Ordensgesetzgebung demnächst währt haben, während die deutschen Jesuiten vom I in Heffen geregelt werden soll, hat bis heute eine Reiche durch ein Ausn ahmegesetz bedrückt wer- I Klärung immer noch nicht gefunden. Nachdem die den. Was werden wohl unsere deutschen Jesuiten- I Regierung in einer Mitteilung an den Gesetzgebungshasser dazu sagen? I ausschuß der Zweiten Kammer sich zu wesentlichen
X Die Steuermogelei ist erlaubt? In verschiede- I Nachgaben namentlich gegenüber der Zulassung neuer nen sozialdemokratischen Organen findet sich folgende I Orden nickt verstanden hat und damit den heffischen liebliche Stelle: I Katholiken ein« gleiche Behandlung tote in Preußen
»Den rttche« Katholiken ist di« Et«u er mogelet I tntb anderen Bundesstaaten versagt, hat die Zen- erlaubt, wenn sie glauben, die Steuer sei ungerecht. I trumSfraktion der Zweiten Kammer beschlossen, bei Der katholische Professor der Moral- und Pastor-üthe.o- I ber Beratung des Zentrumsantrages im Ausschüsse «E hbiam etwh ”in SAriftm I einen ergänzenden Antrag auf Zulassung
"8 1 vertreten und m Schriften I neuet £rben einzubringen, um schon bei den
Dre sozialdemokratischen Blätter schöpfe» diese Aussckußberatungen eine^Klärung der Situation her- chre Weisheit aus liberalen Blättern, die unter dem I beizuführen, -ecker konnte infolge Verhinderung eim- Borantritt des „Würzburger Journals" den ver- gerAvZschiignittchieder^eBeratungnochnlchtstatt- storbc.en Würzburger Profeflor Göpfert wegen sei- I tt"den, sodaß auch darauf verzichtet werden muß, die «er Ausführungen über Steuerdrefiaudationen her- I Entscheidung des Plenums der Kammer noch in der qxvta denn Vrok Gövkert tatsächlich I bevorstehenden Sommersesston Herbetzufuhren. Dte Am iwKSÄ Stellungnahme der heffischen Regierung hat bei den digen Moralwerkes, auf den der zitierte Passus bet betrnAfe^ I/als ewe direkte Kränkunq^des
pmt der Tugend der Gerechtigkeit ihrer°Be^- I ka^holffchen BolkAeilS, daß man auf kirchenpolitffchen nMAinn Nerlevuna uiw - unter'lebterem be- Gebiet nicht einmal die Vorteile den Katholiken ein- E dZLWKUN ä fiÄTÄ ifl. A» di- d,r ®«i«.
* X?ÖwEl|« M I-w« es d-, W« SlMi«tunS di-ft ihr- luldirl-impft-tsch- »al. der Kommunität (des Staatswesens) fordert, Steuern tung vor dem Lande und vor allem gegenüber dem aufxuetlegen, und die Untertanen haben tm allge. I katholischen Bolkstetl rechtferttgen wtll. Eine Erkla- ,meinen die GewissenSpflicht, die notwendigen und I rung für dieses mehr als merkwürdige Verhalten des gerieten Steuern zu bezahlen.» I Ministeriums ist lediglich in dem Einfluß des evan-
Das ist doch Wohl deutlich genug. — Dann er- I g «lisch en Bundes zu suchen, der in Heffen zum klärt Göpfert, wann eine Steuer gerecht fet, wann Schaden des konfeffwnellen Friedens immer noch in also die Steuerdrückerei gegen die Ge recht rakeit I maßgebenden Kreisen auf Schritt und Tritt sich be- verstoße und bemerkt dazu, daß es Fälle von Steuer^. I macht. Sollte die Regierung auf ihrem feit«
Hinterziehung geben könne, die nicht gegen btf I ablehnenden Standpunkt beharren, so stehen
Tugend der Gerechtigkeit verstteßen. Er be- |ür bie nächste Zeit schwere kirchenpolitische Kämpfe in hauptet mit keinem Worte, daß solche Manipulattonen I Aussicht, die bei einer auch nur einigermaßen paritä- nicht sündhaft seien, schreibt im Gegenteil aus- | und gerechten Behandlung der Katholiken leicht zu vermeiden wären.
* Nürnberg, 16. Mai 1913. In Sachen des Franziskanerklosters hatte das Ortskartell der katholischen Vereine Nürnbergs gestern abenbjime Versammlung einberufen, zu ber etwa 3000 katholische Männer und Frauen erschienen waren. Stadtpfarrer Thomann und Landtagsabg. Graf Pesta- lozza referierten. Das Leitmotiv ihrer Reden war, daß in Nürnberg für die Katholiken ein s e e l s o r - -irischer Not st andherrsche. Dte zu deffen Behebung zu berufenden Franziskaner boten volle Garantie, daß sie den konfeffwnellen Frieden in ket- ner Weise stören würden. Die Versammlung nahm schließlich mit allen gegen eine Stimme eine Resolution an, welche den Einspruch der beiden stadtt- schen Kollegien gegen die Niederlaffung von Franzts- kanern in Nürnberg als Politische Einseitigkeit ^ind religiöse Intoleranz bezeichnet und gegen diese Stellungnahme Protest erhebt.
einen außerordentlichen Kredit von 400 Millionen zur Errichtung von Kasernen, Bekleidung von Mann- chaften und Anschaffung von Pferden und Material ordern. Ueber die Deckung der Kosten der Gesetzesvorlage fft nichts enthalten. Es werden also für die Vorlage und für diejenigen, welche die für die Bewaffnung geforderten 420 Millionen betrifft, neue Einnahmequellen von mehr als 800 Millionen er- chloffen werden müffen.
* Der Spielhöllenskandal in Frankreich. Wie wtr chon berichteten, soll der von dem Abg. Berry verlesene, dem Spezialkommissar Abschwanden zugeschriebene Bericht über das Kasino in Eughien gefälscht ein. Man berichtet dazu weiter, daß Abschwanden eine Klage gegen den unbekannten Verfasser dieses Ähriftstückes eingereicht habe. Abg. Berry erklärte aber in den Wandelgängen der Kammer, daß er an >er Echtheit des von ihm verlesenen Berichtes nicht zweifele, denn er verttaue auf die Person, die ihm dieses Schriftstück übergeben habe. Der Budgetaus- chuß hat den am Mittwoch eingebrachten Vorschlag des Abg. Berry angenommen, in einem Umkreise von 50 Kilometer von Paris alles Glücksspiel zu verbieten. Da die Ausschußmitglieder erfahren hatten, daß die Kasinoleitung von Enghien beschlossen habe, ihr Unternehmen infolgedessen nach Pierrefonds bei Compiegne, das 53 Kilometer von Paris entfernt liegt, zu verlegen, erhöhte der Ausschuß die Verbotsgrenze auf 100 Kilometer. , „
△ Die Einziehung frommer Sttsttmgen tu Italien. Die Radikalen und Katholikenfreffer in Italien sind über einen Entscheid des Staatsrates wütend. Dieser bestätigt, daß Stiftungen zu Gunsten der Zoten durch Stadtverwaltungen nicht aufgehoben werden können. Immerhin aber ordnete «r an, daß religiöse Stiftungen ür Lebend« ihre Zinsen jährlich an die Stadtverwaltungen auSzuhändigen haben. Diese Ent- cheidung erfolgte im Anschluß an einen in Parma vorgekommenen Fall der Beraubung der Kirchenstiftung durch den radikalen Stadtrat.
** Der Kampf gegen die christliche Schule in Spanien. Gelegentlich des Kongresses in Valencia lür den Religionsunterricht in den Schulen kam «s zu Aus- t chreitungen. Mehrere Zöglinge der Schule der Salesianer wurden von jungen Burschen, die von der Loge bezahlt waren, auf dem Wege zu der Versammlung verwundet.
** Fleischeinfuhr nach Nordamerika. Eine Ladung von 400 000 Pfund australischen Fleisches ist in San Franzisko eingetroffen. Es ist dies der e r ft e Fall australischer Fleischeinfuhr nach Amerika. Man erwartet davon einen Rückgang der Preise, die an der Küste des Stillen Ozeans höher als in den östlichen <5taaten sind. .....
Ans dem Nachbargebiele.
er Horas, 19. Mai 1913. Nach einer gestern nachmittag dahier abgehaltenen Feuerwehrübung wurde eine freiwillige Feuerwehr gegründet, ber so. fort 25 Mitglieder beitraten. Dieselbe soll an dem am 22. Juni b. I. dahier stattfindenden Kreisfeuerwehrtag zum ersten Mal« öffentlich auftreten.
Kr. Böckels, 18. Mai 1913. Der Darlehns- kassen-Verein Böckels e. G. m. u. H. hielt heute seine diesjährige FrühjahrS-Generalversammlung ab, die vom Herrn Bürgermeister Jonas-Rex mit einer Begrüßung an die zahlreich erschienenen Mitglieder eröffnet wurde. Aus dem von dem Rechner Bech- Böckels vorgetragenen Jahresbericht ging hervor, daß der Verein im letzten Geschäftsjahre eine Mehreinnahme von 10620 Mk. und eine Mehrausgabe von 13,137 Mk. gegen 1911 hatte. Der Umsatz stieg von 354579 Mk. in 1911 auf 378355 Mk. Die Rechnung schließt ab mit 197371,57 Mk. Einnahmen und 180 983,69 Mk. Ausgaben und einem Kaffa- beftanb von 16387,88 Mk. Die Bilanz weist auf 387 283,14 Mk. Aktiva und 386560,31 Mk. Passiva und ergibt einen Gewinn von 722,83 Mk. Von diesem Gewinn werden 48 Mk. dem Reservefonds, 481 Mk. dem Stiftungssonds und 192 Mk. dem Sterbesonds zugeführt. Die Abänderung des § 55 ber Satzungen wurde genehmigt. Der Darlehnskassen- Verein Böckels umfaßt 18 Ortschaften, zählt 168 Mitglieder und hatte im letzten Rechnungsjahre 48 Sparkassenbücher im Umlauf. An Futter- und Düngemitteln-Kosten, Saatfrüchten, landwirtschaftl. Maschinen und Geräten bezog der Verein im abgelaufenen Geschäftsjahr« 5610 Zentner im Werte von 16576,86 Mk. Dem Vorstand und dem Rechner wurde Entlaitung erteilt. Die Wiederwahl der ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder erfolgte durch Akklamation. Die Kreditbewilligung des Aufsichtsrats wurde um 5000 Mark auf 20000 Mark erhöht. Sowohl die Aktien im Geld- wie im Warenverkehr wurden um je 1000 Mark erhöht; ebenso das Gesamtkapital (Einlagen) von 400000 Mark auf 500000 Mark.
schickte den mit den fehlenden 4000 Mark in Gold gefüllten Schuh und einer schönen Empfehlung an die Patti zurück. vs
— Ein sehr einfacher Grund. Der französische Lustschiffer SantoS Dumont mußte einmal in einer Testamentsstreitigkeit vor Gericht als Zeuge erscheinen und wurde hier von einem dünkelhaften jungen Advo- taten einem lästigen Kreuzverhör unterzogen. Nach- dem dies eine Weile gedauert hatte, fragte ihn der Anwalt: „Hatte der Testator nicht die Gewohnheit, mit sich selbst zu reden, wenn er allein war?" „Das weiß ich nicht, sagte Dumont. „WaS", donnerte nun der Anwalt los/„das wiffen Sie nicht, obwohl Sie eben erst ausgesagt haben, daß Sie ein sehr intimer Freund des Toten gewesen sind? Wie kommt es, daß Sie das nicht wiffen, he?» „Der Grund ist ganz einfach,» erwiderte nun Dumont seelenruhig, .ich war nämlich niemals bei ihm, wenn er allein war!" Das ganze Auditorium nahm die Antwort mit schallendem Gelächter auf, und das Kreuzverhör war plötzlich zu Ende. 's.
— Der beste Aufbewahrungsort für Pelzwaren. Pelzschmuck ist jetzt so teuer, daß man doppelt Sorge tragen möchte, ihn während der Sommermonate durch Mottenfraß uftv. nicht verderben zu lassen. Man weiß aus Erfahrung, daß die vielen vorhandenen Mittel gegen die IQlotten ihren Zweck mir wenig erfüllen. In Amerika schafft man kostbares, echtes Pelzwerk in die Kühlräume von Brauereien, Markthallen usto., denn Kälte ist das sicherste Mtttel gegen Mottenfraß und bietet obendrein den Vorteil, daß das Pelzwerk nicht auStrocknet, daß es also vortrefflich konserviert wird. Auch bei uns greift man jetzt wieder zu der Art und Weise zurück, wie sie die Großmütter für die Aufbewahrung ihrer Pelzsachen zur Anwendung brachten: Man steckt sie, gut ausgeklopft und in frisches Zeitungspapier eingetragen, in die Koch- ober Feuerungsöffnungen der Zimmeröfen. Hier herrscht fortwährend Luftzug, insolgedeffen ist es auch immer kühl, und wo es kühl und kalt ist, kommt eben auch keine Motte hin! hf
— Raffe Probe. „Haben Sie lerne Wage da i Ich mochte gern wiffen, wieviel ich abgenommen habe." — „A Wag' haben wir net — aber stell'n S' Jhna auf den Bachsteg dort; wenn ber durchbricht, so wiegen S' wenigstens 200 Pfund
Herr Unlerverbandsdirertor vrecynungsrar ^rtnnenr berg-Fulda verbreitete sich eingehend über das ®e*. noffenschaftswesen, schilderte dessen große Vorteile für den Bauernstand und feuerte energisch an, dem Dar- lehnskaffenverein beizutreten und ihn zu unterstützen, lieber die im Vorjahre erzielten Mehrumsätze des Böckelser Vereins sprach sich Redner sehr lobend aus. Der Rechner maehte sodann noch bekannt, daß der Verein im nächsten Jahre auf fein 25jähriges Be- tehen zurückblicken kann. Dieses Jubiläum soll voraussichtlich tm Mai n. I. durch eine größere Fest, lichkeit gefeiert werden. Aus diesem Grunde soll auch ein Teil des Gewinnes (414 Mark) dem Stistungs- onds zugeführt werden.
w. AlSfeld, 19. Mai 1913. Bei dem letzten Abend- zuge, der Fulda um 6 Uhr 49 Min. verläßt, wurde kurz vor Burg- undNieder-Gernünden die Maschine defekt, sodaß eine Ersatzmaschine von Gießen requi- riert werden mußte. Mit P/iftünbiger Verspätung ging dann die Fahrt weiter.
cP Heesfeld, 18. Mai 1913. In der Turnhalle des hiesigen Turnvereins fand' heute die Gauvor- turncrftunbe des Oberfulda-Werragaues statt. Dieselbe war von 120 Vorturnern besucht. .Der durchgenommene Uebungsstoff stand im Zeichen des Gauturnsestes, das im nächsten Monat in Vachch abgehalten wird.
k Bad SobeN, 18. Mai 1913. Der hiesige Tau-- nusklub plant auf dem Dachberge, einem der chönsten Aussichtspunkte ber Umgebung, die Er- iauung eines Turmes. Die Skizzen und Pläne inb bereits angefertigt.
0 Bad-Orb, 18. Mai 1913. Die Kur-Frequenz beträgt bis zum 17. Mai 675 Kurgäste.
* Frankfurt, 17. Mai 1913. Der Fechtmeister Hops, der wegen Morbversuchs an seiner brüten Frau verhaftet tourbe, weil er ihr Arsenik in Sekt gegeben hatte, unb in besten Laboratorium Kulturen von Cholera- unb Thyphusbazillen gefunben wurden,' hat jetzt eingestanben, baß er seiner Frau wieber- holt Cholera - unb Thyphusbazillen rn Hackfleisch verabreicht hat. Bei seiner Fran hatten biefe Bazillen nicht gewirkt, dagegen war eine Aufwartefrau, bie von bem Fleisch gegessen hatte, an Thyphus erkrankt; sie befinbet sich jetzt noch im städtr- cherr Krankenhaus. Heute vormittag würbe auch bte Leiche ber ersten Frau Hopfs, bie ans bem städti- chen Friedhof liegt, ausgegraben, weil sich ber Verdacht ergeben hat, daß Hops auch diese vergiftet habe. — Dte Stadtverwaltung hatte es aus Sparsamkeitsrück- ichten abgelehnt, aus städtischen Mitteln öffentlrchs Normaluhren ausstellen zu lassen. Darauf hat eine Anzahl von Uhrmachern Uhren für die Zwecke ber Allgemeinheit angebracht. Nun will bie Stabt auf bie öffenlichen „Privatuhren" eine Steuer legen, die je nach der Größe ber Uhr und ber Art der Anbringung zwischen 30 und 30 Mk. schwankt, Natürlich sind die Uhrmacher entschlossen, falls es bei diesem Beschlüsse bleibt, ihre Uhren toieber zu ent», fernen. _
ch. Frankfurt, 18. Mat 1913. Auf dem hiesigen, Hauptfriedhofe wurde gestern nachmittag em Denkmal für den im Jahre 1911 verstorbenen Professor Dr Sic. Albert Krebs enthüllt. Albert Krebs hab sich um die Geschichte Nassaus und feines Fürstenhauses große Verdienste erworben. — Die lang-, monatliche Intendantur-Krisis an den städtischen Theatern hat nun wenigstens für die Dauer eines Jahres eine befriedigende Lösung gefunden, indem Felix Holländer für das Spieljahr 1914-15 bte Leitung des Schauspielhauses übernimmt. — Dr. phil. et mus. Gustav Seibel, der sich vom etnfachen Hoboisten im rheinischen Pionier-Bataillon Nr. 8 in Koblenz durch eisernen Fleiß den Doktorhut erwarb, beabsichtigt, sich an der neuen Universität aH Privatdozent der Musikwissenschaft niederzulaffen.
* Vom Unierrnain, 17. Mai 1913. Ein «eue^ Industriegebiet bereitet sich gegenwärttg am Untermain vor. Namentlich sind es bie Orte Hochheim unb Flörsheim, bie sich neuerbings tmmer mehr zu Jnbustrieorten auswachsen. Ein gleicher tnbu- strieller Ainschwuna ist auch aus Kostherm, msbeson- bere aber aus Rüsselsheim und Kelsterbach zu melden.
♦ Kassel, 17. Mai 1913. Wegen umfangreicher Wechielfäschungen standen heute vor der Strafkammer ber ehemalige Bauunternehmer Lauterbach unb der frühere Buchhalter A. Barthelmes. B. hat bereits 5 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust hinter sich. Nach der Anklageschrift haben beide rn der Reit von 1911 bis 1912 gememschastlrch fünf Wechsel, inländische Privaturkunden, fälschlich angefertigt und dieselben in Umlauf gebracht. Durch diese Manipulationen ist ein hiesiger Kaufmann H. um den Betrag von 600 Mk. geschädigt worden. Ans den fünf Wechseln, auf die sich die Anklage stützt, waren die Unterschriften des Akzeptanten und der Aussteller gefälscht, und diese Fälschungen sollen beiöe Angell, gemeinschaftlich unternommen haben. Der Staatsanwalt beantragte, Lauterbach zu einer Zuchthaus- strafe von 21lt Jahren und 900 Mk. Geldstrafe, Barthelmes mit Rücksicht auf feine Vorstrafen zu einer solchen von 4 Jahren zu verurteilen. Bari thelmes wurde zu emer Gesamtstrafe von 3 Jahren 2 Nion. Juchthaus, 750 Mark Geldstrafe, Lauter- bach zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, 350 Mark Geldstrafe verurteilt: beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte für die Zeit von 5 Jahren aberkannt.— Ein bummer Streich bürste vier hiesigen sNechamker« lehrlingen im Alter von 16 bis 17 Jahren mancherlei Ungelegenheiten bereiten. Sie hatten Einpfennigstücke versilbert, nachdem sie vorher bie 1 so verstümmelt hatten, baß sie als 5 beim flüchtigen Hinsehen gehalten werden konnte. Die so geiälschten Geldstücke brachten bie jungen Burschen in den Verkehr. Die vier Uebeltäter würben verhaftet.
,8, Efchwege, 18. Mai 1913. Der 2jährige Sohn des Knechts Vogler im benachbarten Weiden- Hausen stürzte gestern beim Spielen in den Dorf- teich und ertrank.
* Gießen, 17. Mai 1913. Die Verwaltung ber Provinz Oberhessen ist der Frage der Errichtung einer ö sf e n t l ich en L eb e n s v er s i ch e r un g, die vor allem dazu dient, den Grundbesitz zu entlasten, näher getreten. — Die Lupusheil siätte ist vollendet und damit ist unsere Universitätsstadt um ein stattliches Gebäude und eine gemeinnützige Heilanstalt reicher geworden. Die Lupusheilstätte wird für ganz Mitteldeutschland von größter Bedentung werden, das geht schon jetzt aus der großen Zahl von Aufnahmegesuchen hervor. , 0I .
ss. Griesheim a. M, 18. Mar 1913. Der Auf enthalt dec seit kurzem verschwundenen Mao- eben ist jetzt von der Polizei ermittelt worden. Ein» befindet sich in Frankfurt in Stellung, und bas anbete hat sich nach Luxemburg begeben, weil cs ben »hm zugedachten Mann nicht heiraten will.
9 »Griesheim a. M, 18. Mai 1913. In großer Not um bie «rforberlidjen Wahlmanner-Kan bibaten für die Landtagswahl waren hier die Fort schriller, denn sie hatten zwei ausgesprochene Zen trumSleute aufgestellt, ohne dieselben vorher um ihr Zustimmung zu befragen. Dieselben haben diese natürlich abgelehnt, sobald sie zu ihrer Kenntnis w.,'-
11. Cronb-rg, 18. Mai 1913. In Gegenwart von mehr als 30 auswärtigen Brudervereinen und wu allen hiesigen Vereinen feierte heute der katholij cy .