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Fuldaer Leitung

Monats-Veüage:

n 2iet)imgsliften der preußisch-süddeutsche» Klaffen-Lotterie. — galdjShrtich Taschenfahrplan, k

trfdjdnt »glich mR kusnahme der Sonn- und Zelertage. Gierte!, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rototionsbrudt und Verlag der s s Julbeer flctienbrutkerd in Zulda. Zemsprecher Br. 9. ; s

;; Wochen-Deilage: r. tt ' .. - Monats-Vellage: n

Illustrierte Sonntagszeitung I Fuldaer Seschichtsblätter

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Ur. ttZ. Erstes Blatt.

X Nach der Wahl.

Es gehört zu den .Schönheiten" des preußischen Wahlrechts, daß einige Tage verstreichen müssen, bis Die Gesamtergebnisse der Wahl vorliegen. Immerhin stehen jetzt nur mehr aus 4 Wahlkreisen mit 8 Sitzen die Ergebnisse noch aus. In 272 Wahlkreisen mit 435 Sitzen ist das Wahlresultat bekannt. In diesen Wahlkreisen sind nach einer Zusammenstellung des Wolff'schen Bureaus 388 Kandidaten als ge- wählt zu betrachten, außerdem haben 41 Stich­wahlen stattzufinden und schließlich sind 6 Wahlen noch unentschieden, da nicht alle Wahlmänner nach ihrer Parteizugehörigkeit bekannt sind.

Indessen, welche Verschiebungen auch noch vor kommen mögen, das Ergebnis steht schon fest dahin, daß so ziemlich alles beim alten bleibt. Die eine Partei hat 5 Sitze verloren und 4 gewonnen, die andern 4 verloren und 2 gewonnen. .Per Saldo", wie der Kaufmann sagt, ist die Verschiebung nicht der Rede wert. Die Verschiebungen, die eintrelen, sind für den einzelnen Kreis, sür die einzelne Person von Belang, für die Gesamtheit aber ohne Bedeutung.

Bisher sind als gewählt zu betrachten: 139 Konservative, 48 Freikonservative, 57 Nationallibe­rale, 25 Volksparteiler, 100 Zentrum, 10 Polen, 2 Dänen, 7 Sozialdemokraten. — An den 41 Stich­wahlen sind beteiligt 17 Konservative, 13 Frei- konservative, 22 Nationalliberale, 12 Volksparteiler, 4 Zentrum, 1 Pole, 1 Bund der Landwirte, 1 Deutsch-Sozialer, 11 Sozialdemokraten.

Das Zentrum hat in Schlesien zwei Mandate Eewonnen (Jauer und Ratibor, das erste durch ein lebereinkommen mit den Konservativen, das zweite durch Zurückdrängung der Polen), außerdem gewann es ein Mandat in Breslau-Land und verlor eines in Striegau-Schweidnitz infolge Abkommens mit den Rechtsparteien. Verloren hat das Zentrum ferner Bo­chum, Dortmunds Gelsenkirchen an die Nationllibera- len, die Nationalliberalen haben ihrerseits Straßburg in Westpr., Tilsit und Memcl-Heidekrug an die Kon­servativen abtreten müssen, im Ganzen werden sie einen Gewinn von 4 Mandaten haben. Den Kon­servativen ist Schleusingen-Ziegenrück und der Oberlahnkreis von den Nationalliberalen, und Dan­zig von der Fortschrittspartei abgenommen worden. Die Fortschrittspartei wiederum hat Schö­neberg-Neukölln an die Sozialdemokratie verloren.

So gleicht sich Gewinn und Verlust der Parteien so ziemlich aus. Die Konservativen konnten ihren bisherigen Besitzstand behaupten, während die Frei­konservativen und das Zentrum einige unerhebliche Verluste zu verzeichnen haben. Der Mandatsgewinn der Nationalliberalen wird durch Verluste der Fort­schrittlichen Volkspartei nahezu aufgehoben, welche durch eine ziemlich konfuse Parteizersplitterung einige Mandate wie Schöneberg-Neukölln den Sozialdemo­kraten sozusagen von selbst ausgelicfert hat. Das ist gewissermaßen der humoristische Zug bei dem Wahl­kampf, da keine Partei in so hohen Tönen ihre inner­liche Festigung und hervorragende Organisation be­sungen hatte, wie die Herren Fortschrittler. Die geringen Wahlerfolge des Z e n t r u m s im rheinisch- westfälischen Jndustrierevier, wo man die drei Mandate an die Nationalliberalen abgeben mußte, waren ja vorauszusehcn und werden keineswegs als eine Niederlage empfunden werden, wie die nationalliberale Presse glauben machen möchte. Zentrumskreisen war die Verschiebung in der rheinisch-westfälischen Parteikonstellation wohl­bekannt und wird nicht etwa mit einem Umschwenken ehemaliger Zentrumswähler in Zusammenhang ge­bracht, sondern lediglich mit der veränderten Lage der vorauszusetzenden Verhältnisse. In Mülheim' a. d. Ruhr ist das Zentrum in die Stichwahl mit den

Die Schuld der Vaters.

83] Roman von Freifrau G. von Schlipp en b ach.

XII-

Während sich das Schicksal ihres Vaters entschied, -var Daisy in Datnofka geblieben. Von zartester Rücksicht umgeben, fühlte sie sich trotz ihres Kummers für Augenblicke getröstet. In dieser für sie schweren Zert lernte sie Boris Arbutin kennen und ihre Liebe zu ihm wuchs mit jedem Tage.

Der junge Offizier hielt mit dem Geständnis sei­ner Neigung zurück, es war jetzt nicht die Stunde, darüber zu sprechen. Wie ein Bruder umgab er die Tochter Soltjakoffs mit schonender Aufmerksamkeit, juchte sie zu zerstreuen und zu unterhalten.

Auch Boris war von Iljas Unschuld überzeugt. Er begleitete seinen Vater einige Male nach K. und wohnte den Verhandlungen bei. Daisys große, angst­volle Augen, wenn die Herren zurückkamen, ihre -trage: „Wie war es heute?" schnitten Arbutin ins Herz.

. „Ich bleibe heute bei Ihnen," erklärte der junge Fürst am Morgen des neunundzwanzigsten April, „ist es Ihnen recht?"

, „Ach ja!" rief Daisy und die Tränen traten ihr m die Augen, mit Ihnen spreche ich doch am liebsten von meinem Väterchen. Er muß ja bald freikommen, ich bete alle Tage darum."

„Sie sind eine gute Tochter, Sie werden einmal °me gute Frau sein," bemerkte Boris anzüglich, der sich Gewalt antat, um das geliebte Wesen nicht auf der Stelle in die Arme zu ziehen.

„O, ich verlasse meinen goldenen Papascha nie­mals," versicherte Daisy mit'Inbrunst.

Ueber das hübsche Gesicht des Offiziers glitt ein Lächeln.

„Ich werde Sie vielleicht bald daran erinnern," sagte er.

„Wieso? Was meinen Sie damit?"

Aber Boris schwieg, und sie wagte nicht weiter forschen. Ihr Herz begann heftig zu pochen und sie errötete lebhaft unter dem töarmen Blick seiner ^ugen, die mehr sagten, als Worte.

Montag den 19. Mal 1913.

40. Jahrgang.

Nationalliberalen gekommen. Bei der vorigen Wahl siegte es nur deshalb, weil die sozialdemokratischen Wahlmänner für seinen Arbeiterkandidaten stimmten. Erfreulicherweise konnten die beiden Essener Wahl­kreise gehalten werden. .In den übrigen industriellen oder stark industriell durchsetzten Wahlkreisen des Zentrums im Westen hat die Partei sich sehr gut behauptet; so in Düsseldorf, M.-Gladbach, Neuß, Krefeld, Siegkreis-Mülhnm a. Rh., Köln-Stadt und Land, Aachen, Düren, Borken-Recklinghausen. Auch sonst hat das Zentrum überall in Rheinland-West­falen seinen Besitzstand behauptet. Der liberale An­sturm auf Neuwied-Altenkirchen wurde abgeschlagen; wie bisher wird dieser zum guten Teil protestantische Wahlkreis von Gerhardus (Ztr.) und Heckenroth (Li vertreten werden. Auch seine Mandate in Hessen- Nassau, unsere Wahllreise Fulda und Hünfeld, fer­ner Limburg und Untcrwestcrwald, hat das Zentrum sicher behauptet; ebenso Meppen und Melle m Han­nover, Heiligenstadt in Sachsen, Braunsberg und Menstein in Ostpreußen.

Im Wahlkampfe hatten die Konservativen und das Zentrum einen großen Besitzstand zu verteidigen, und das ist ihnen gelungen, die kleinen Abbröcke­lungen fallen realpolitisch gar nicht ins Gewicht. Der Ansturm von links richtete sich in erster Linie gegen das Uebcrgewicht der konservativen Partei, dann aber auch gegen das Zentrum und gegen den sog. schwarz­blauen Block im Ganzen, gegen die „reaktionäre Mehrheit von Junker und Pfaffen, von Rittern und Heiligen", wie es in den Hetzblättern hieß.

Dieser Ansturm ist gründlich geschei­tert.

Tie Rechte bleibt in der alten Vormachtstellung; ob sie künftig hinter der absoluten Mehrheit mit einem Dutzend Stimmen zurückbleibt, statt wie bis­her mit einem halben Dutzend, ist gleichgiltig. Auch in Zukunft kann das Zentrum mit den Konservativen allein, ohne die Hilfe der Freikonservativen, die sog. klerikal-konservative Mehrheit bilden.

Die nationalliberale Partei hat mit ihren paar Errungenschaften ein Trostpreis erhalten; doch ist ihr Hauptziel, die Beseitigung des Uebergewichts der Rechten, nicht erreicht worden. Die Fort­schrittspartei hat wieder einmal vollständig versagt, und die Sozialdemokratie hat mit der fürchterlichen Hetze gegen „Dreiklassenschmach" und „Junker- und Psaffenwirtschaft" bisher ein cin- ziHes Mandat zur Strecke gebracht (in dem Berliner Vorort Neukölln),- und das ist nicht der „Reaktion" entrissen, sondern der befreundeten Fortschrittspar­tei", die schon der alte Bismarck als Vorfrucht der Sozialdemokratie bezeichnet hatte.

Es bleibt in Preußen beim alten. Das hat auch eine gewisse Rückwirkung auf die Reichs. Politik. Die konservative ,Kreuz;eitung' erinnert mit Recht daran, daß bei den vorhergegangenen Landtagswahlen (im Jahre 1908) die Parole aus- gegeben war: die Blockpolitik im Reiche müsse nun­mehr in Preußen ihre Bestätigung und Kräftigung finden. Die Wahlen von 1908 ergaben aber statt der erhoff.en Stärkung des linken Blockflügels ein Anwachsen der konservativen Fraktionen, daneben auch ein Anwachsen des Zentrums. Offenvar haben die Wahlerfolge, welche die preußischen Konservativen 1908 errangen, wesentlich dazu beigetragen, das Selbstbewußlsein der konservativen Gesam'tpartei zu heben und sie widerstandsfähig zu machen gegen die Zumutungen, die ihr Fürst Bülow im Interesse seiner allzu geliebten Blocklinken stellte. So steht das preußische Wahlergebnis von 1908 in einem gewissen ursächlichen Zusammenhang mit bem Blockkrach von 1909. Las neueste Wahlergebnis, das den hohen konservativen Besinstand auuecht erhält, wird in ähn- sicher Weise die Reichstagsfraklion der Konteroat'ven

Früher, als man erwartet hatte, traf Fürst Wla­dimir Vorissoivisch in Datnofka ein. Schon von wei­tem spähten sein Sohn und Daisy nach denr Wagen aus, der sich am Ende der langen Allee zeigte.

„Papa kommt nicht allein," berichtete der junge Husarenofsizier, der ein Fernrohr in der Hand hielt, „es sind mehrere Personen in der Equipage."

Daisy zitterte heftig.

„Können Sie sie erkennen?" fragte sie leise.

/Sehen Sie selbst, hier ist das Fernrohr."

Sie griff danach und blickte hinein.

„Es — es ist Papa — Olga sitzt neben ihm," stammelte Daisy, vor Freude fast in die Knie bre­chend.

Boris stützte sie. In der Erregung bedeckte er das bleiche, holde Gesicht mit Küssen.

„Mein Seelchen, mein Täubchen," sagte er zärt­lich. „Gott Lob, nun ist alles gut, nun kann ich es Ihnen endlich sagen, was mir die ganze Zeit unmög­lich war. Ich habe Sie innig lieb Sprechen Sie, darf ich hoffen, daß auch Sie mir gut sind?"

Lachend und weinend gab Daisy ihm Antwort.

Der Wagen war unterdessen vorgefahren. Hand in Hand eilten die Verlobten auf bie. Freitreppe.

„Papa, Papa!" jubelte Daisy und warf sich in die Arme Iljas.

Vater und Kind hielten sich lange wortlos um- chlungen.

Mestutscheff, der Arbutin auf seine Einladung hin begleitet hatte, entfernte sich diskret.

„Mein Liebling," begann Soljakoff endlich, „hier ist noch jemand, der sich nach deiner Umarmung ehnt es ist Olga Romanowna. Willst du sie recht lieb haben?"

Sie waren in die Halle des Schlosses eingetreten.

Etwas in dem Ton Iljas brachte sein Kind der

Wahrheit nahe.. X

„Ihr — Ihr seid doch nicht —", stotterte sie.

„Verlobt, — ja, das sind wir," ergänzte Solt- jakofs.

Die beiden jungen Mädchen umarmten sich lange und innig.

' Jetzt trat Boris, der abseits leise mit dem Fürsten

stärken in ihrem Widerstand gegen die Witwen- und Waisensteuer und sonstige alte oder neue Steuer- Projekte der Linken.

Der nationalliberalen Partei kann man den mäßigen Stimmenzuwachs im Landtage ruhig gönnen. Um so mehr, wenn sich die Anzeichen be- (tätigen, daß die besonneren Elemente des rechten Flügels den Vorteil haben werden. Angesichts der Erfolglosigkeit der Sozialdemokratie und der Fort­schrittspartei muß sich doch den Nationalliberalen neuerdings wieder die Erkenntnis aufdrängen, daß mit dem Linkskurse nichts zu erreichen ist, sondern der Einfluß der nationalliberalen Partei vielmehr im Zusammenarbeiten mit dem Zentrum und den Konservativen am besten zu wahren ist.

Was nun die angeblich brennende Frage der preußischen Wahlreform angeht, so hat das Wahlergebnis abermals bewiesen, daß man eine Aenderung des Wahlrechts nicht gegen die Konser­vativen durchzusetzen vermag.

Im Abgeordnetenhause sind sie sehr stark und im Herrenhause noch stärker. Der „Volkssturm", der die Gegner der Wahlreform wegfegen sollte, ist ausge- blieben. Wie richtig war die Taktik des Z e n t r u m s - das die Konservativen für eine schrittweise Wahlreform, zunächst für die geheime Wahl, glück­lich gewonnen hatte! Wenn wir weiter kommen sollen, muß man diesen Weg noch einmal beschreiten. Die Voraussetzung ist freilich, daß die National­liberalen und die Regierung auf Verschlechterungen zu Gunsten der oberen Klaffen verzichten und sich namentlich mit der Drittelung in den Urwahlbezirken zufrieden geben. Sonst gibt es in absehbarer Zeit überhaupt keine Wahlreform.

In den weitesten Wählerkreisen ist offenbar eine Abflauung der Reformstimmung eingetreten, da man durch das Anwachsen der Sozialdemokratie kopfscheu geworden ist. Die Linkspolitik versagt auch in dieser Frage.

Gelnhausen-Schlüchtern. Es ist möglich, daß sich das Zahlenverhältnis der Parteien noch etwas ver­schiebt, da die Zuteilung der Wahlmänner auf die Parteien hie und da noch nicht feststeht, doch dürste sich an dem Ergebnis: Stichwahl zwischen Konser­vativen und Liberalen nichts ändern. — Aus dem Pfarrbezirk Romstal stimmen nicht, wie zuerst berechnet war, 6, sondern 9 Wahlmänner für das Zentrum, nämlich 4 "aus dem Wahlbezirk Romstal, 3 aus Eckardroth und 1 aus Untersetzbach-Kaih. Willenroth. — In Soden-Stolzenberg find Wahlmänner gewählt 4 Zentrum, 1 Konservativer.

Kassel - Land - Witzenhausen. Nach den jetzt vor­liegenden amtlichen Feststellungen erhielt Heins (deutsch- sozial) 156, Simpel (fortschr. Vp.) 79 Wahlmänner. Außerdem wurden 58 sozialdemolratische Wahlmänner gewählt. Es bestätigt sich also, daß Heins die Mehr­heit hat.

Deutscher Reich.

£ Berlin, 18. Mai 1913. Im Neuen Palais in Potsdam sand am Samstag in Gegenwart des Kaiserpaares die Vermählung der Prinzessin Viktoria Margarete von Preußen, Tochter des Prinzen Friedrich Leopold, mit dem Prinzen Heinrich XXIII. von Reuß j. L. statt. — Prinz Heinrich von Preußen ist zum Besuch am groß­herzoglichen Hof in Darmstadt eingetroffen.

)( Ter Reichstagsabgeordnete Frhr. v. Thüneseld, Der rote gemeldet, am Freitag gestorben ist, war redneriich nn Reichstage weniger hervorgetreten. Da- gegen beteiligte er sich sehr fleißig an den Kommissions- arbetien und war auch einige Jahre hindurch Bericht- eruatter für den Etat d?s Auswärtigen Amtes. Sein

Wladimir gesprochen hatte, auf die Gruppe zu. Er faßte Daisys Hand und sagte:

„Wollen Sie uns Ihren Segen geben, Ilja Geor­gowitsch? Ihre Tochter und ich lieben uns, eben haben wir es uns eingestanden."

Soltjakoffs strahlendes Gesicht verdüsterte sich. Er trat einen Schritt vor.

„Ich bitte Sie und Ihren Vater vorher um eine Unterredung," sagte er.

„Gut, sie sei Ihnen gern gewährt. Bitte, hierher in mein Arbeitszimmer," entgegnete Wladimir Boris­sowitsch.

Nun sind die drei Männer allein. Der ältere Fürst sitzt auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch, Boris lehnt am Fenster und Soltjakoff steht vor beiden, vor den Richtern über das Glück oder das Unglück feines einzigen Kindes. Einige Male versucht er zu spre­chen, die Kehle ist ihm trocken, und er müht sich ver­geblich, einen Ton hervorzubringen. Mit gespannter Erwartung blickten Vater und Sohn auf sein vor Er­regung blasses Gesicht.

„Es greift Sie heute noch allzusehr an", sagt Ar­butin, der Steilere, „lassen Sie das, was Sie uns erzählen wollen, auf morgen."

„Nein, es muß gleich gesagt werden."

Soltjakoff richtet sich aus seiner gebeugten Hal­tung auf; straff steht er da, dann spricht er:

„Ich bin heute als Mörder freigesprochen worden, aber ich habe, wenn auch jetzt unschuldig, dennoch einen Menschen getötet."

„Wie? Was sagen Sie?" ruft Boris erschreckt, während sein Vater Ilja verständnislos anstarrt.

Da erzählte Soltjakoff alles. Er beschönigte nichts und schilderte die Tatsachen, wie er sie Olga geschrie­ben hatte.

„Roman Romanowitsch war der einzige, der von meinem Geheimnis wußte. Er war vor dreizehn Jah­ren in Wien gewesen und wohnte einer Verhandlung bei. Als er mich hier wiedersah, erkannte er mich. Ich ahnte es zue-'t nicht, erst nach und nach. Seine Bewerbung um ifr.'.." Tochter war mir sehr unange­nehm. Daisy hatte ihn zweimal abgetoiefen, aber , Swerjeff wollte noch einmal bei mir sein Heil ver-

Wahlkrris Weilheim gehört zum sicheren Besitz dei Zentrumspartei. — Frhr. von Thüneseld war ein treuer Kathol-k in allen Lebenslagen und viel verdankt ihm die Caruas. Er starb ohne Familie und Nach­kommen zu hinterlassen, der letzte seines Stammes, der Bayern viele vortreffliche Männer geschenkt Hal.

* Die Anrechnung der Hilfsbeamtendienstzeit soll erweitert werden. Wie die „Voss. Ztg." (Nr. 245) hört, ist soeben ein königlicher Erlaß über eine Er­weiterung der Anrechnung der Hilfsbeamtendienstzeit auf Grund des Penswnsgesetzes ergangen. Von der bisher allgemein vorgeschriebenen Kürzung der Silfs- beamtendienstzeit um drei Jahre soll abgesehen wer­den und das Ausscheiden eines ständigen Hilfsbearn- ten zur Ableistung der aktiven Militardienstzeit als eine Unterbrechung der Hilfsbeamtendienstzeit nicht mehr zu gelten haben. Diese Grundsätze werden auch auf das Personal des mittleren nichttechnischen Dien­stes Anwendung finden. Die Bestimmungen haben rückwirkende Kraft bis zum 1. April d. I. — Damit geht ein langjähriger Wunsch der Beamtenschaft wenigstens teilweise in Ersüllung.

* Die Veteranenfürsorge. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" weist auf die ständig gestiegene Fürsorge des Reiches für die Veteranen hin. Die Beihilfen seien von 1,8 Millionen Mark im Jahre 1895 auf 29 Mil­lionen im Jahre 1912 angewachsen. Beihilfenempfän­ger seien zurzeit 245 070 von 317 000 lebenden Kriegsteilnehmern. Nach dem neuen Gesetz werde dis Veteranenbechilfe von 120 auf 150 Mark jährlich er­höht. Weitergehenden Forderungen ständen Bedenkn entgegen. Die allgemeine Wehrpflicht sei eine Ehren- pflicht. Das Reich sei nur zur Erhaltung der Veteranen verpflichtet, die gesundheitlich Schaden er­litten hätten. Die Beihilfe habe nur die Bedeutung der Erstattung einer Dankesschuld. Die von den Sozialdemoraten verlangte Erhöhung auf 360 Mark würde die Bereitstellung von 88 statt 37 MMonen erfordern. Das Reich sorge besser für die Veteranen als irgend ein anderer Staat. Rußland und Oester­reich kennen keine Veteranenfürsorge aus öffentlichen Mitteln. Frankreich gewähre 60 bis 120 Franes jährlich nur an Veteranen mit mehr als sechsjähriger Dienstzeit. In Dänemark erhielten die Teilnehmer der Kriege von 1848 bis 1850 100 Kronen jährlich, die Veteranen von 1864 nichts. Italien verwende jährlich sechs MMonen Lire für die Deeranenfür- sorge. Zudem trete int deutschen Reiche die private Veteranenfürsorge mit großer Opferwilligkeit ein.

* Nachprüfung der Ausführungsbestimmungen zum Jmpfgesetz. Die Ausführungsbestimmungen zum Jmpfgesetz sollen demnächst in dem beim Reichsge­sundheitsamte für die Erörterung von Jmpfangele- genheiten bestehenden Ausschuß einer Nachprü­fung unterzogen werden. In Regierungskreisen besteht die Absicht, zu diesen Verhandlungen auch solche Sachverständige hinzuzuziehen, die einen von der in medizinischen Kreisen herrschenden Anschauung abweichenden Standpunkt entnehmen, soweit sie nach ihrer allgemeinen wissenschaftlichen Bedeutung dazu geeignet sind. l

)( Ein Reichslustgesetz soll dem Reichstag noch in. diesem Herbst zugehen. Schon seit Ende des vorigen' Jahres liegt ein vollständiger Entwurf eines Reichs- luftgesehes mit Ausführungsbestimmungen im Reichs­amt des Innern vor. Im Januar wurde der Ent­wurf einem Ausschuß von Sachverständigen vorgelegt. Diese bezeichneten den Regierungsentwurf allgemein als brauchbare Grundlage und schlugen eine Reihe neuer Bestimmungen und Verbesserungen vor. In bem Entwürfe fehlt eine Bestimmung über die Be­handlung fremder Luftschiffe, die auf deutschem Bodetr. Wnden. Es wird angenommen, daß eine entsprechende Bestimmung, nach den bekannten Vorlällen an der oeutsch-französischen Grenze, noch Aufnahme finden wird.

suchen. Deshalb schrieb er mir und verlangte eine Zusammenkunft im Walde. Als ich ihn beim schwär- zen Teich sah, als ich sein Anliegen hörte, wies ich ihn kurz zurück. Da packte er mich an der Brust. l

„Sie müssen Ja sagen, sonst denunziere ich Sie als den Mörder des Ungarn Miska Lazh!" rief der wüste Mensch. j

Es war gut, daß ich mich in der Schule des Le­bens an strenge Selbstzucht gewöhnt habe. Wohl, wallte cs zornig in mir auf, aber ich beherrschte mich.

„Lassen Sie mich los!" gebot ich und befreite mich mit einem Ruck. Dabei mag wohl der Knopf meines Jagdrockes abgerissen sein.

„Ich habe Sie gleich erkannt. Sie spiele» hier den Tugendhelden, und doch sah ich Sie im Wiener Ge­richtshof auf der Anklagebank. Wenn Sie mir Ihrs Tochter nicht zur Frau geben, sollen Sie ohne Ihre gleißnerische Blaske dastehen."

So sprach Swerjeff.

Ich überlegte. Nicht, daß ich auch nur eine Se­kunde lang daran dachte, mein liebes Kind zu zwin gen, die Frau dieses Wüstlings zu werden, ich sann auf ein anderes Mittel. Ich wußte, wie verschuldet Roman Romanowitsch war. Mit Geld ließ sich allez bei ihm durchsetzen; da bot ich ihm eine große Summt ür sein Schweigen. Er willigte sofort ein, drohte aber, daß er mich angeben werde, wenn er nicht in drei Tagen zehntausend Rubel bekäme. Mein Ent- chluß stand fest, ich wollte Blagotir verkaufen und wieder die geliebte Heimat meiden, denn ich sagte mir, daß Swerjeff immer wieder neue Erpressungen ver- üchen werde, bis er mich völlig ausgesogen hat. Ehe tch zu dem Rendez-vous mit Roman ritt, schrieb ich einer Schwester, die ich innig liebte. Ich habe ihr, ebenso wie Ihnen, alles bekannt. Sie war groß ge­nug mir keine harte Richterin zu sein. Und nun bitte ich' Sie beide, zu sprechen; es hängt davon meiner Tochter Glück ober Unglück ab. Es wäre von mir schlecht und niedrig gehandelt, wenn ich Daisy in Ihre »Familie eintreten ließe, ehe Sie das wissen, was ihr Vater verbrochen hat."

Fortsetzung folgt.)