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Fuldaer Zeitung

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Nr. 112. erstes Blatt.

Samstag den 17. Mai 1913.

40. Zahrgang.

(1941 644).

Ein grundsätzlicher Fehler in der Rechnung des Generals Wandel ist, daß er die Zahl der M i l i. f jjj-rviXi: ... 1 OO-l AnA awJU cy« Wofor

30,5 v. H.

Die Ursache für diese Erscheinung kann dann lie­gen, daß im Laufe der Zeit die Sterblichkeit in den ersten 20 Lebensjahren abgenommen hat, so daß eine größere Zahl der geborenen Knaben das stellungS- pflichtige Lllter erreicht. In der Tat haben von 1000 im Jahrzehnt 1871/81 geborenen Knaben nur 593 das zwanzigste Lebensjahr erreicht; im folgenden Jahrzehnt wgren es 609 und in den Jahren 1891» 1900 650. Die Ursache kann aber auch darin liegen, daß bei größerem Rekrutenbedarf und wenn die Ge- burtszifser weniger gestiegen ist als die der einzustel­lenden Rekruten, die Zahl der zurückgestellten Leut» geringer wurde. Wahrscheinlich ist, daß

x Die llrmhles in Preußen.

Wahlkreis Fulda.

ESmliche im Wahlkreis Fulda gewählten 235 Wahlmänner gehören der Zentrumspartei an. Die Wahlbeteiligung war mäßig.

Fulda: In der Stadt Fulda haben von 3818 Wahlberechtigten 1187 ihr Wahlrecht ausgeübt. D. i. 31,29 Proz. In der 1. Abteilung stimmten von 115 Wahlberechtigten 55, d. i. 47,83 Proz., in der 2. Abteilung von 422 Wahlberechtigten 164, d. i. 38,86 Proz., in der 3. Abteilung von 3281 Wahl­berechtigten 976, d. i. 23,65 Proz., ad. Bei der letzten Wahl im Juni 1908 stimmten von 3646 Ur­wählern 1255 ab. Die Wahlbeteiligung betrug dem­nach 34,5 Proz., war also etwas stärker als diesmal.

Kämmerzell. Hier wurden 3 Zentrums- Wahlmänner gewählt.

Salzschlirf: In der 1. Abteilung wählten von 15 Wahlberechtigten 6, in der 2. von 49 25, in der 3. von 245 104. Es wurden 5 Zentrumswahlmänner einstimmig gewählt. Die Wahlbeteiligung beträgt etwa 50 Proz.

Flieden: Die 7 aufgestellten Wahlmänner der Zentrumspartei wurden einstimmig gewählt. Bon 310 Wahlberechtigten wurden 152 Stimmen abge­geben, mithin etwa 50 Prozent.

RückerS. In der 1. Klasse gaben von 18 Wahl­berechtigten 8, in der 2. von 42 7 und in der 3. von 148 13 ihre Stimmen für die Zentrumswahlmän­ner ab.

Opperz: Di« 3 aufgestellten Wahlmänner der Zentrumspartei wurden gewählt.

Großenlüder: Von280Wahlberechtigten haben in der 3. Abteilung 65, in der 2. 23 und in der 1. 5 abgestimmt. Es wurden 6 Wahlmänner des Zen­trums gewählt.

Wtchlkreis GerSfeid-Hünfeld.

Die Wiederwahl des Abg. Amtsgerichtssekretär Drinnenberg ist gesichert. Bis auf wenige Ausnah­men wurden nur Zentrumswahlmänner gewählt.

Hünfeld. Bei der heute vormittag vorgenom­menen Urwahl wurden hier in der Stadt die Wahl­männer der Zentrumspartei sämtlich gewählt.

Gersfeld. Die Beteiligung an der Äahlmän- nerwahl dahier war gering.

Simmers Hausen-Wender Sh ausen: In der 3. Abteilung wurden 2 ZentrumSwahlmännrr, in der 2. 1 konservativer und in der 1. 2 konservative Wahlmänner gewählt.

Lahrbach: Gewählt wurden 4 Zmtrumswahl- männer. Von 220 Wahlberechtigten übten 73 = 33,18 Prozent ihr Wahlrecht aus.

beide Ursachen zusammengewirkt haben. Kann die Erscheinung in der Hauptsache durch den Rückgang der Sterblichkeit in den ersten 20 Lebensjahren er­klärt werden, und steht nach den statistischen Er­hebungen fest, daß in der jüngsten Zeit noch weitere Fortschritte in dieser Beziehung gemacht sind, so kann man die Zweifel, daß die Rekrutenzahl nicht aufge­bracht werden kann, fallen lassen. Anders aber liegt die Sache, wenn die Zahl der Zurückgestellten abge» nommen hat; denn dies Mittel muß einmal ver­sagen, und es bleibt dann nur das sehr bedenkliche Mittel übrig, die Ansorderungen an die Tauglichkeit herabzusetzen, um die nötige Rekrutenzahl zu erhalten.

Nehmen wir an, daß von den im Jahre 1905 Geborenen rund 1 942 000 31,4 v- H. das ist die höchste in den letzten 18 Jahren erreichte Ver­hältniszahl also 610 000 Mann endgültig abge­fertigt werden, so muffen, um 365 000 Rekruten ein­stellen zu können, 59,9 v. H. als tauglich ausge­hoben werden. Die Zahl derunbedingt Tauglichen" war in den letzten Jahren nur etwas über 53 v. H., sinkt aber andauernd, was sich mit der Wanderung der Bevölkerung vom platten Lande in die Städte erklärt. In der Zahl von 53 sind aber auch die­jenigen Leute enthalten, die ihrer Familienverhält- nifse wegen vom Militärdienst int Frieden befreit sind, liehet die Zahl dieser Leute liegen Angaben nur aus den Jahren 1903 bis 1911 vor. Danach betrug deren Zahl im Mittel 1,59 v. H. der Abge- fertigten. Nimmt man an, daß diese Verhältniszahl sich in der nächsten Zukunft nicht ändert, so folgt daraus, daß die Rekrutenzahl aufgebracht werden kann, wenn 61,5 v. H. aller Stel­lungspflichtigen tauglich sind.

Eine auffallende Erscheinung verdient noch her­vorgehoben zu werden. Die Zahl der wegen ihrer Familienverhältnisse vom Militärdienste Bestellen ist in beständigem Rückgang begriffen. Sie betrug im Jahre 1903 noch 1,72, int Jahre 1908 1,46, int Jahre 1911 nur noch 1,32 v. H. der Ab­gefertigten. Auch absolut ist die Zahl von 8499 auf 7445 gesunken. Es liegt die Vermutung nahe, daß man hier die Verhältnisse strenger als früher geprüft hat, ob, um die Zahl der einzustellenden Rekruten zu erhöhen oder aus anderen Gründen, entzieht sich natürlich der Beurteilung. Eine allzu große Strenge scheint aber nicht zweckmäßig.

Heiligmstatt-WorbiS: (Bisher Zentr.) Fast all« Wahlmänner Zentrum. (Abgg. v. Stromdeck und Tourneau.)

MMden: In Paderborn-Büren sind aus­schließlich Wahlmänner für v. Savigny (Ztr.) und Humann (Ztr.), in Warburg-Höxter nur Wahl- männer für Dr. Würmeling (Ztr.) und AlderL (Ztr.) gewählt.

ArnSberg: Im Wahlkreise Olpe-Meschede ist die Wahl des Baurats Gerlach (Z.) anstelle des verstör- denen Abg. Klocke gesichert. In Lippstadt- ArnSbcrg-Brilon sind den ZentrumSkandidaten Schwarze und DinSlage keine Gegenkandidaten gegen­übergestellt.

Münster: In Steinfurt-AhauS sind fast nur Wahlmänner |ür die bisherigen Abgg. Herold (Ztr.) und Cohausz (Zentr.) gewählt. In Münster- Coesfeld werden Leppelmann (Ztr.> und Schmed­ding (Ztr.), in Lüdinghausen Wester-Schulte (Ztr.) und v. Twickel (Ztr.) sicher wiedergewählt.

Slberseld-Barmen (bisher 1 Natlib. und 1 Fpt.): Die vereinigten Liberalen erhielten 377, die rechts­stehenden Parteien 274, die Sozialdemokraten 336 Stimmen. Außerdem sind 144 Stichwahlen zu voll­ziehen.

Mülheim a. d. Rh. (bisher Ztr.): Sauermann (Ztr.) 353, Mathies (natlib.) 489, Schluchtmann (soz.) 65 Wahlmänner. Stichwahl zwischen Zentrum und Nationalliberalen.

Bochum-tzerne (bisherZtr.): Es wurden 643 Wahl­männer der Rationalliberalen, 289 ZentrumS-Wahl- männer und 90 sozialdemokrati|che gewählt. Hinzu kommen noch etwa 100 Stichwahlen. Die Wahl des nationalliberalen Bergwerksdirektors Althoff aus Wattenscheid ist gesichert. (Vgl. Dortmund.)

Gelsenkirchen (bisher Ztr.): Gewählt wurden 516 Wahlmänner der Nationalliberalen und 230 Wahl­männer des Zentrums. Es stehen noch 200 Stich­wahlen auS. Die Wahl des Nationalliberalen Hasenelever «rscheint gesichert. (Vgl. Dortmund.)

Dortmund-Land (bisher Ztr.): Es wurden 350 nationalliberale, 197 Zentrums- und 243 sozialdemo­kratische Wahlmä-mer gewählt. Zwei Bezirke mit 20 Wahlmännern stehen noch aus, das ändert jedoch nichts an dem Resultat, daß Nationalliberale und Sozialdemokraten in die Stichwahl kommen. Die drei Wahlkreise Bochum, Gelsenkirchen und Dort­mund waren bei der letzten Wahl mehr durch Zufall m den Besitz des Zentrums gekommen. Für die jetzige Wahl hatte das Zentrum bereits mit dem Ver­lust der Wahlkreise gerechnet.

floht: Dem Zentrum sind im Rheinland in Köln- Land, Bonn-Rheinbach, Cleve, Koblenz, Cochem- Mayen, Adenau-Ayrweiler, Daun-Bitburg, Wittlich. Bernkastel, Trier, Saarburg-Merzig und Schleiden- Montjoie überhaupt keine Gegenkandidaten gegenüber­gestellt. Die Wahl der Zentrumskandidaten ist also sicher.

Berlin: Von den zwölf Berliner Wahlkreisen be­haupteten die Sozialdemokraten ihre 5 Mandate und die Fortschrittler die ihrigen bis auf die Kreise Ber­lin 10 (Spandauer Viertel) und 12 (Moabtt-Wed- ding) die noch unentschieden sind. In dem Westen und in der mittleren Stadt sah man von den Wahlen gar nichts, nur in den Arbeiter gegen den, wo auch Handwerker und Arbeiter in der ersten und zweiten Abteilung wählen, ging es unter dem Druck des so-, zialdemokratischen Agllationsbetriebes hoch und leb­haft her. Im Ministerwahllokal in dem Weinrestau­rant Hausmann, Jägerstraße 5, gibt es nur zwei Wähler in der ersten Abteilung und fünf Wähler in der zweiten Abteilung. Bon diesen war bis 11 Uhr kein einziger Wähler erschienen. Im 26. Urwahlbe­zirk sind nur vier Wähler zweller Klaffe vorhanden. Als einziger Wähler erster Klaffe ist der Geheime Kommerzienrat v. Friedländer-Fould eingetragen. Unter den Wählern dritter Klasse befinden sich hier die Minister v. Dallwitz, v. Trott zu Solz und etn weit bekannter Geb. Kommerzienrat. In Pots­

ten Flesch und Oeser haben 649, die nationallibera­len Kandidaten Kleinschmidt und Barrentrapp 227 und die sozialdemokratischen Kandidaten Dr. Quarck und Hüttmann 371 Wahlmänner. Außerdem sind noch gegen 300 Stichwahlen zu tätigen. Die Wahl der fortschrittlichen Kandidaten Dr. Flesch und O e s e r ist gesichert.

Wiesbaden. In Biedenkopf ist die Wieder- wähl von v. Heimburg (kons.), im Unterwester- waldkreiS die von Dahlem (Ztr.), im Unter» lahnkreiS di« von Lieber (natlib.) und in Lim­burg die von CahenSly (Zentr.) gesichert.

DMkreiS-Oberwesteiwaldkreis (bisher natl.): Die Wahl von Landrat Buchting (natl.) ist gesichert

Wiesbaden-Land (bisher ntl.) Wolf (ntl.) wieder- gewählt.

Wiesbaden Stadt-UntertannnskreiS (bisher ntl.) Bartling (ntl.) 314, Breidenstein (Vpt.) 107, Müller (Soz.) 48 Wahlmänner. Bartlings Wiederwahl ist gesichert.

Höchst, Wiederwahl Wolff (Natl.) sicher.

Oberlahnkreis. Usingen. (Bisher kons.) Wahl Dr. Lohmann (Ntl.) mit 129 gegen Behrens (Christ- lich-Soz.) mit 84, Schüttler (Vpt.) mit 14 und Wick (Soz.) gesichert.

Obertaunnskreis (bisher natlib.). Gewählt sind 88 nationalliberale, 40 Zentrums-, 34 sozialdemokra­tische, 20 volksparteiliche Wahlmänner. Einige länd­liche Bezirke fehlen noch. Es findet danach Stich­wahl zwischen den Nationalliberalen und dem Zen­trum statt.

Altenkirchen-Neuwied (bisher 1 kons. und 1 Ztr.). Gewählt wurden 312 Wahlmänner des Zentrums, 86 konservative und bündlerische, 219 nationalliberale und christlich-soziale. Da Zentrum und Konservative zusammengehen, so ist die Wiederwahl von Heckenroch (kons.) und Gerhardus (Ztr.) sicher.

Wetzlar (bisher natl?). Das Gesamtergebnis ist folgendes: Krüger (natl.) 84, v. Bodelschwingh (kons.) 74, Khrmse (Fpt.) 37, Kremser (Soz.) 14 Wahl­männer.

-- Nochmals die Rekrutenziffer.

In der Budgetkommission des Reichstags hat Generalleutnant Wandel Auskunft aus die Anfrage gegeben, ob es möglich sei, alljährlich 75 000 Rekru­ten mehr einzustellen, ohne die Ansprüche an die Tauglichkeit herabzusetzen. Die Antwort kann nicht befriedigen. Seine Behauptung, daß 1893 nach Ein­führung der zweijährigen Dienstzeit 65 000 Mann mchr ohne jede Schwierigkeit ausgehoben werden konnten, beweist nichts; denn bei der dreijährigen Dienstzeit wurden so wenig Rekruten ausgehoben, daß stets eine große Zahl unbedingt Tauglicher ver­fügbar blieb. Gerade aus diesem Grunde wurde die zweijährige Dienstzeit eingeführt.

Wie General Wandel angegeben hat, waren 1892 169 830 Rekruten eingestellt, d. h. nur wenig über 10 v. H. der Geburtsziffer von 20 Jahren vorher (1692 227); 1893 stieg die Zahl der einzustellenden Rekruten auf 234 685, d. h. 13,7 v. H. der Geburts­ziffer von 1873 (1715 283). Wenn aber im Jahre 1915 365000 Rekruten (73 000 mehr als 1912) ein­gestellt weiden müssen, so sind das nicht weniger als 18,8 v. H. der Geburtsziffer von 1895

Gelnhausen-Schlüchttt» (bisher kons.): Nach den ersten Meldungen sollte Stichwahl zwischen Zentrum und Konservativen wahrscheinlich sein. Nach neueren Angaben wurden gewählt für HengSberger (kons.) 116, Schwarzhaupt (natl.) 81, Zentrum 71, Sozial- demokrat 20 Wahlmänner. Also Stichwahl zwischen HengSberger und Schwär,Haupt.

Somborn: Sämtlich« im Freigericht ausgestellten 22 ZentrumSwahlmänner wurden gewählt, und zwar in Somborn 9, Bernbach, Horbach, GundSrot, Trages 6, Neuses 4, Altenmittlau 3.

Bad Orb: DaS Wahlergebnis in allen drei Klaffen ist hier: 5 sozialdemokratische, 8 national- liberale Wahlmänner und 3 vom Zentrum.

Roteubnrg-HerSfeld (bisher kons.): Für Landrat Tuercke (kons.) 156, für Professor Arndt (natl.) 101, für Trieschrnann (Bbd.) 8 Wahlmänner gewählt.

Sschwege: Nach den bisherigen Feststellungen wurden für den nationalliberalen Kandidaten Dr. Wendlandt 130, für deutsch-soziale Vgg. Lattmann 95 und für den Sozialdemokraten 20 Wahl- Männer gewählt. Wiederwahl Wendlandt gesichert.

Fritzlar-Melsungen (bisher kons.): Für Gutsbesitzer Röll (kons.) wurden 110, für Steuerinspektor Wollen- Haupt (natl.) 55 Wahlmänner gewählt.

tzomberg»Zieg«nhai« (bisher kons.): Landrat von Sehren (kons.) erhielt alle Wahlmänner.

Ziegenhain. Im Kreise Ziegenhain wurden 131 Wahlmänner für Landrat v. Gehren-Homberg gewählt. Die Beteiligung war hier sehr schwach; von 278 Wahlberechttgten machten nur 41 von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Raffel »Statt: Für den bisherigen Abg. Schröder (natl.) wurden 439 Wahlmänner gewählt, denen nur 99 sozialdemokratische Wahlmänner gegenüberstehen.

Kassel-Land-Witzenhausen (bisher kons.) Leh­rer Heins ldeutschsoz.) scheint mit kleiner Mehrheit ge­gen Lehrer Kirnpel (Fpt.) gewählt zu sein.

HosgeiSmar-Wolshagen (bisher kons.): v. Pappen­heim (kons.) 153, Hebel (natl.) 47 Wahlmänner.

Kirchhaiu-Frankenberg (bisher kons.): Frhr. Schenk zu Schweinsberg (kons.) sicher wiedergewählt.

Frankenberg-Stadt: Die Wahl der 13 Wahl­männer vollzog sich hier unter sehr schwacher Beteili­gung.

Neustadt: Die Beteiligung der Wahlberechtigten an der Wahl der Wahlmänner war äußerst gering. Die aufgestellten Wahlmänner wurden gewählt.

Marburg (bisher freikonf.): Brest (freikons.) mit 206 gegen Diehl (Soz.) mit 4 Wahlmännern wieder- gewählt.

Hanau (bisher natl.): Für Wohlfarth (natl.) 193, Lind (kons.- 48, Dißmann (Soz.) 98 Wahlmänner gewählt.

Grafschaft Schaumburg (bisher kons.): General­major v. Dttsurth-Rmteln (kons.) erhielt sämtliche Wahlmänner.

Frankfurt a. M. Die Urwahlen fanden hier bei recht flauer Beteiligung aller bürgerlichen Gruppen statt. 9iur die Sozialdemokraten^ hatten eine rührige Agitation entfaltet. Bis 11 Uhr abends lagen von 1540 Wahlmännern die Abstimmungsresultat- vor; 14 standen noch aus. Die fortschrittlichen Kcmdida-

pflichtigen zu 1321 000 angibt. In dieser OU1)L, die etwa doppelt so hoch ist wie die der Stel­lungspflichtigen, stecken alle Leute, die ein oder meh­rere Male 'auf ein Jahr zurückgestellt sind, ferner alle, die unermittelt geblieben oder ohne Entschuldigung bei der Musterung nicht erschie - nen sind. Gewiß kann man leicht aus dieser Zahl für etn Jahr eine erheblich höhere Rekrutenziffer ausheben; man braucht nur auf die Zahl der Zu­rückgestellten zurückzugreifen; aber dann vermindert sich die Zahl der in den Listen geführten Mannschaf­ten in den folgenden Jahren.

Es seien hier nach der Boss. Ztg. etnige Angaben gemacht, auf die sich die Zweifel stützen, daß eine aus­reichende Zahl Tauglicher vorhanden ist. Können sie widerlegt werden, um so besser. .

Die Zahl der alljährlichendgültig Wgesetttgten ist nahezu gleich der in diesem Jahr stellungspflichtig Gewordenen. Man macht keinen großen Fehler, wenn man die Zahl der endgültig Abgefertigten als in erster Linie abhängig von der Geburtsziffer an­nimmt, die zwanzig Jahre vor dem Stellungsiahr vorlag In den 18 Jahren seit Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit (18931911) wurden durch­schnittlich von 100 in einem Jahre geborenen Kin­dern 20 Jahre später 28,8 stellungspflichtig (richtiger endgültig abgefertigt"; denn es fehlen daran alle unermittelt Gebliebenen und die, die sich der Dienst­pflicht entzogen haben). Bemerkenswett ist, daß die Zahl der Stellnngspflichttgen dauernd steigt. Bildet man von je drei auseinander folgenden Zahlen den Durchschnitt, so erhält man für die Jahre 1893 bis 1895 27,8 v. H., 18961899 28,3, 19001902 28,7, 19031905 28,1, 19061908 29,3, 19091911

dam sind 139 Stichwahlen erforderlich. Wahrschein­lich kommt es schließlich zur Stichwahl zwischen Pauli (kons.) und Stößel (freikons.). Der Wahlkreis S ch ö- neberg -Neukölln ist der Fortschritt!. Volks­pattei verloren gegangen. Dott haben die Wahlmän­ner des Sozialdemokraten Hus die Mehrheit. In Ober- und Niederbarnim wird Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten erfol- öen

H Berlin, 17. Mai 1913 (Tel.). Bis 4 Uhr mor­gens lagen von den 443 Wahlkreisen bereits aus 392 die Resultate der Urwahlen vor. Darnach sind bis­her gewählt: 130 Konservative, 42 Freikonser­vative, 63 Nationalliberale, 28 Fottschrittliche Volks­pattei, 94 Zentrum, 2 Polen, 2 Dänen und 7 Sozialdemokraten. In Stichwahl kommen die Kon- Srvativen je einmal mit den Freikonservativen, ollspattei und Sozialdemokraten, dreimal mit den Nationalliberalen; die Freikonservativen je einmal mit den Nationalliberalen und der Bolkspattei; die Natio­nalliberalen dreimal mit dem Zentrum und den So­zialdemokraten; die Fortschrittliche Volkspartei einmal mit den Nationalliberalen, je zweimal mit den Kon- servativen und Sozialdemokraten und dreimal (in Breslau) mit den bereinigten Konservativen und Zen­trum. Die Konservativen verlieren 9 und ge» Winnen 8 Mandate, die Freikonservativen 8 und 2, die Nationalliberalen 2 und 12, die Bolkspattei 5 und 4, das Zentrum 3 (die schon vorher verloren gegebenen Mandate im Jndustriebezirk) und 1. Die Sozial­demokraten haben ihren Besitzstand behauptet und Schöneberg-Neukölln von den Freisinnigen erobert. Wesentliche Verschiebungen sind bisher nicht zu ver­zeichnen. Die Patteien werden im Großen und Gan­zen wieder in der bisherigen Stärke in das Abgeordnetenhaus einziehen. Die Volkspatteiler sol­len die drei Danziger Wahlkreise von den Konservati­ven gewonnen haben. Nicht wiedergewählt sind bisher u. a.: Schwabach (natl.) und Glatze! (natl.); neu ge­wählt: Fuhrmann (natl.), Kanzow (fottschr. Vpt.), Münsterberg (fottschr. Vpt.) und der Vorsitzende des Bauernhundes Wachhorst de Wente. Im übrigen sind fast sämtliche Parlamentarier wieder gewählt worden.

Lk Die dreijährige Dienstzeit in Frankreich.

Das Ministerium B e r t h o u hat in der Pariser Kammer einengroßen Erfolg" errungen in der Rüstungsfrage, nämlich ein Vertrauensvotum mit 322 gegen 155 Stimmen. Eine solche Zweidttttel- mehrheit sieht auf den ersten Blick recht imposant aus; doch das SpttchwortZahlen beweisen!" gilt im politischen Lehen Frankreichs längst nicht immer. Manchmal kann dort ein Ministerium von der par­lamentarischenMehrheit" sterben.

Im vorliegenden Falle hatte das Ministerium eine recht scharfe Kraftprobe herausgefordert. Wäh­rend die Kammer noch über den Gesetzentwurf wegen der dreijähttgen Dienstzeit in Beratung steht, hat die Regierung m Gelegenheitsreden verkündet, daß sie den Jahrgang, der zum Oktober nach Erledigung des zweijähttgen Dienstes entlassen werden sollte,vorläufig" bei den Fahnen zurück- b eh alt en werde. Die Regierung, die angeblich demokratisch" ist undparlamentarisch" regieren soll, greift also der Entscheidung des Parlaments vor, indem sie eigenmächtig bereits die dreijährige Dienstzeit in Gang setzt, und sie benutzt dazu eine Vollmacht in dem alten Heeresgesetze, die nur für den Fall einer Kriegsgefahr bestimmt war. Ter Ministerpräsident sagt einfach: Wenn die Aus­bildung der Truppen gefährdet ist, so hat das schon die Bedeutung einer Kriegsgefahr, und die Re­gierung mußim Bewußtsein ihrer Verantwortlich- keit" etngretfen! Die sozialistische Opposition griff hinter diese Eigenmächtigkeit der Regierung; doch das Ministerium, das die nationale Sicherheit vor­schob und an die chauvinistische Stimmung oppelliett, erhielt ein Bettrauensvotum mit der oben ange­gebenen Mehrheit. Nach der Abstimmung ereignete sich aber ein echt französischer Zwischenfall. Diege­schlagene" Linke begrüßte das Abstimmungsergebnis mit stürmischem Beifall. Diese Hurrahstimmung er­klärt sich ans der Wahrnehmung, daß die Regierung nur mit Hilfe der Rechten gesiegt habe, also nicht über eine sichererepublikanische" Mehrheit verfüge. Die Tatsache liegt allerdings vor. Von der sozialistischen und radikalen Linken haben 155 Abge­ordnete gegen die Regierung gestimmt und 95 Ab­geordnete sich der Stimme enthalten; das macht im ganzen 250 Oppositionelle. Die regierungsfreund­liche Mehrheit schrumpft also auf 72 Stimmen zu­sammen, und damit sind die Konservativen und Nationalisten, die für die Regierung stimmten, ausschlaggebend geworden, juun gilt aber in Frankreich mit seinemrepublikanischen Terrorismus der Grundsatz, daß jede Regierung etne rein republikanische" Mehrheit hinter sich habe, also unbedingt gegen die Rechte regieren muff. Es muff sich nun zeigen, ob die ^Regierung bet ber ioette* ren sachlichen Abstimmung eine Mehrheit von unverdächtigen Republikanern aufzubringen vermag. Der aufgepeitschtePatriotismus" muff ihr habet helfen, und darum halten die Minister bet allen mög­lichen Gelegenheiten jetzt wahre Hetzreden, tme sie onst sich Minister eines friedlichen Landes nicht ge» ^Sollte trotz alledem das Gesetz über bie dreijährige Dienstzeit ins Gedränge geraten, so konnte die Re­gierung an eine Auflösung und eine Neuwahl der Deputiertenkammer unter chauvinistischem Hochdruck denken. ?lber darum bedarf es der Zustimmung deS Senats, und im Senat spielt Clemenceau, der ge­werbsmäßige Ministerstürzer und geschworene Feind des gegenwärtigen Präsidenten Poincarö, eine ent­scheidende Rolle.