z. Blatt.
vr«S der Kuldaer Zefieitbrnderei in Silbe.
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Zuldaer Zeitung.
J* «2.
Samstag XL Mai 1915.
wochen-Run-fchau.
[:] gulba, 16. Mai 1913.
Der Leiter unserer auswärtigen Politik, Staatssekretär v. I a g o w, hat sich am Dienstag abend nach Wien begeben, um sich dem Kaiser Franz Joseph vor- zuftellen und den Staatsmännern der befreundeten Monarchie seinen Antrittsbesuch zu machen. War dies auch in erster Linie ein Höflichkeitsakt, so fanden doch auch zwischen Herrn von Jagow und dem Gra- fen Berchwld vertrauliche Besprechungen statt, die zweifellos zur Stärkung unseres Bündnisses mit Oesterreich-Ungarn beitragen werden.
Am Pfingstsonntag hat in B e r n die deutsch-fran- zöpsche Berständlgungskonferenz getagt. Gegenüber der großen Zahl französischer Parlamen- tarrer, die sich in der Hauptstadt der Schweiz eingefunden hatten, waren nur wenige deutsche Abgeord- ntte der Einladung der Schweizer Friedensfreunde gefolgt. Außer den zwei elsäsiischen Reichstagsabgeordneten Haegy und Ricklin und dem Dänen Haussen nahmen nur Mitglieder der fortschrittlichen und der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion an der Kon- ferenz teil. Besondere Bedeutung wird wohl kein ernsthafter Politiker ihr beimesien. Bor einer allgemeinen Aussprache hat man sich ängstlich gehütet. Es wurde eine Resolution angenommen, ip der für die Beschränkung der Rüstungsausgaben Deutschlands und Frankreichs eingetreten und gegen die chauvinistischen Bestrebungen, die sich in einem Teil unserer und der französischen Presse bemerkbar gemacht haben und sich auch weiter bemerkbar machen werden, protestiert wurde. Die Bestrebungen, die auf die Wahrung des Friedens hinauSzieleiz. werden von ledem vernünftigen Menschen gebMgt. Gleichwohl aber wird man der Berner Konferenz nicht die Be- deutung beimesien können, wie es beispielsweise der „Borwarts" tut, der von einem nachhaltigen Ein- druck der Reden und Beschlüsse von Bern auf das putsche und französische Volk redet. Auf die deutsche Wehrvorlage werden diese Reden und Beschlüsse fe- denfalls ohne Einfluß bleiben; haben doch sämtliche bürgerlichen Parteien sich für die Verstärkung unserer Streitkräfte ausgesprochen. Und auch der Heeresaus- schuß der französischen Kammer hat sich durch die Konferenz nicht beeinflussen lassen, sondern am zweiten Tage darauf die neue Heeresvorlage angenom- men.
Der oberschlesische Bergarbeiter, streik hat ein schnelles Ende genommen. In einer Versammlung der Vertrauensleute der Bergarbeiter, organisationen, die am Freitag in Kattowitz stattfand und teilweise stürmisch verlief, wurde beschlossen, den Streik wegen seiner Aussichtslosigkeit für beendet zu erklären und den Ausständigen die Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen.
Der Besuch des spanischen Königs in Paris hat zwar nicht zum Abschluß eines Bündnisses Spaniens mit Frankreich geführt, dürste aber vielleicht der Anfang einer auf ein solches Bündnis hinzielenden Politik sein. Die Madrider Blätter drücken ihre Befriedigung über den glänzenden Verlauf des Königsbesuches aus und bemühen sich, als dessen Haupterfolg das Verschwinden der Voreingenommenheit zu betrachten, die in den letzten Jahren gegen Spanien bestanden habe. Die Bündnisfrage dagegen wird letzt in der svanischen Presse mit ziemlicher Zurückhaltung behandelt. Sie scheint an die Voraussetzung eines wirtschaftlichen Einverständnisses ae- knüpft zu werden.
In England hat das Unterhaus die Frauen- stimmrechtsvorlage mit 266 gegen 219 Stimmen abgelehnt. Dieser Ausgang ist wohl für niemand überraschend, da, ganz abgesehen von prinzipieller Stel- lungnahme, das Schreckensregiment der streitbaren Stimmrechtlerinnen eine solche Antwort geradezu her- ausgefordert hatte. Ez war deutlich zu bemerken, daß die Freunde des Frauenstimmrechts in der Vertretung der Angelegenbeit bedeutend abgeflaut waren. Es kann chnen allerdings niemand verdenken, wenn sie die Lust dazu verloren haben.
Auf dem Balkan sind die Feindseligkeiten beendet. Die Friedensdelegierten der Balkanstaaten und der Türkei sind in London eingetroffen. Die Un- terzeichnung des Präliminarfriedens steht bevor. Auch die Regelung der albanischen Frage, die den Kabinet- ten der Mächte so viele Kopfschmerzen bereitet hat, dürfte nunmehr auf keine Schwierigkeiten mehr stoßen. Die Montenegriner haben Skutari verlassen, in dem nunmehr die Truppen der internationalen Flotte Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten.
In Marokko ist es den Franzosen noch nicht gelungen, der aufrührerischen Stämme Herr zu wer
den. Fast täglich treffen Meldungen von blutigen Zusammenstößen zwischen französischen Soldaten und Eingeborenen ein. Stämme mit mehreren Taufen- den von wilden Kriegern gilt es dort noch zu unter- werfen, und es können noch Jahre darüber vergehen, bis das gelungen ist. Zwar werden die rebellischen Marokkaner stets mit Verlusten zurückgeschlagen, aber auch die Franzosen haben Tote und Verwundete zu beklagen.
Eine Krisis droht zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Japan infolge der japanerfeindlichen Gesetzgebung in Kalifornien auszubrechen. Die Ueberflutung der nordamerikanischen Westküste seitens der gelben Rasse hat das kali- fornische Parlament zu einer Maßnahme verleitet, die die Japaner, die bisher schon vom amerikanischen Bürgerrecht ausgeschlossen waren, nun auch am Landerwerb behindern will, indem sie durch ein Gesetz diesen vom Besitz des Bürgerrechtes abhängig macht. Die japanische Regierung hat hiergegen Protest eingelegt. Es steht zu hoffen, daß der Gegensatz durch friedliche Verhandlungen zwischen den beiden Staaten beigelegt wird.
+ Hinter den Kulisse«.
Die Haltung einiger der Budgetkommission des Reichstag angehörigen Zentrumsabgeordneten in eini- gen militärischen Fragen soll die K o n s e r b a 11 b e n „verschnupft" haben. Die Verweigerug bon drei neuen Kavallerieregimentern, die Herabminderung der Pferdegelder und schließlich die Streichung der Kommandanturen und fürstlichen Adjutanten hätten auf einen großen Teil der Konserbatiben einen derartig rückwirkenden Eindruck gemacht, daß die Parole: „S o S bom Zenrium" bereits manche offene und noch mehr geheime Anhänger bei den Konservativen gefunden habe.
So kann man in liberalen Blättern lesen. Es ist möglich, daß bei diesen Kombinationen der Wunsch der bürgerlichen Linken der Vater des Gedankens ist, da man zweifellos die Tage des Bülow-Blocks herbei- sehnt. Man braucht sich nicht zu verhehlen, daß es gewiß unter den Konservativen einige Mitglieder gibt, welche in der Zentrumsscheu mit Angehörigen der Linken wetteifern könnten und viel lieber wenigstens mit den Nationalliberalen zusammengehen möchten. Aber schon die politische Klugheit dürfte anderes verlangen. Abgesehen von den mit dem Bülowblock gemachten wenig erftenlichen Erfahrungen würde schon bei bet jetzigen Parteikonstellation im Reichstage die einfache Summierung der Zahlen ein solches Zu- sammengehen als wenig aussichtsreich gelten lassen.
Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß der Versuch eines Bülowblocks erneuert werden würde, wenn die Voraussetzungen dazu gegeben wären. Die erste Voraussetzung wäre eine Reichstagsauflösung. Man erzählt, daß an einer sehr hohen Stelle wegen der Streichungen am Militäretat der Gedanke an eine Reichstabsauflösung erwogen worden ist, aber die Regierung wird sich Wohl vorher reiflich überlegen, ob sie den Sperling in der Hand mit der Taube auf dem Dache vertauschen möchte. Da müßte schon etwas ganz anderes passieren, als die Streichung einzelner Forderungen der Heeresverwaltung. Es ist ja bekannt, daß man den Konservativen in militärischen Bewilligungen nicht leicht genug tun kann. Die konservative Partei hat ein gewisses persönliches Interesse daran, daß möglichst viele Offiziersstellen hauptsächlich in Kavallerieregimentern bewilligt weroen. Das kann man ja schließlich verstehen, wenn man bebentt, welche hervorragende Anteilnahme die konservativen Familien bei der Besetzung bet höheren Militärstellen zu nehmen pflegen. Es ist auch von bem Standpunkt eines preußischen Generals der Kavallerie durchaus nicht verwunderlich, wenn ein solcher hoher Offizier von der Regierung erwartet, daß sie lieber den Reichstag auflösen, als in die Streichung einiger Kavallerieregimenter zu willigen. Es wäre jedoch unklug, mit der Tatsache solcher Abstriche eine politische Schwenkung der Konservativen begründen zu wollen.
Das sogenannte „unnatürliche Bündnis zwischen Zentrum und Konservativen" bestand ja formell nur in der F a n t a s i e der Linksliberalen. Zentrum und Konservativen standen und stehen sich in voller Selbständigkeit gegenüber, ©ie gehen zusammen, wenn das Interesse des Ganzen und das eigne Parteiinteresse es geboten erscheinen lassen. Wo das nicht zutrifft, gehen sie chre eigenen Wege. Ein Teil des Zentrums hat übrigens in der bewußten Kommissionssitzung für sämtliche 6 Kavallericregi-
Unpolttische SettlSvse.
N. Berlin, 15. Mai 1913.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Als ich am Wend des Pfingsttages aus dem Grünen beimkehrte, froh geftimmt, wie es sich an diesem Fest des Friedens und der Freude gehört, — da leuchtete mir in der Bahnhofshalle ein rotes Plakat entgegen: 1000 Mark Belohnung! Zwei Menschenbeine aufgefunden; die grausige Tat mußte in der Pfingst- nacht verübt worden sein. So wird man auch an den heiligsten Tagen daran gemahnt, daß auch Teufel mit Fleisch und Blut auf Erden tätig sind.
Inzwischen hat man den Mörder gefaßt. Ein Hausdiener, der widernatürlichen Lastern ergeben ist, Hatte den dreizehnjährigen Knaben in die Wohnung gelockt und ermordet.
Soll man in einem Blatte, das auch vor zarte Augen kommt, von derarttgen Scheußlichkeiten sprechen? Früher hätte ich gesagt: Nein, verschonen wir die arglosen Gemüter. Aber die Verhältnisse haben sich geändert: die Gefahren für die Jugend sind auch dorthin gedrungen, wo früher die vollste Sicherheit herrschte; die Scheusale, welche Unschuld und Leben bedrohen, beschränken sich nicht mehr auf dieses oder jenes Großstadtviertel, sondern suchen überall chre Opfer, auch auf dem Lande. Nur zu off ist ja die Verschleppung und Vergewalttgung der Kinder auch in solchen Gegenden vorgekommen, wo die Angesessenen noch keine Ahnung von derartigen Greueln hatten. Tas schonende Stillschweigen gilt nicht mehr. Die Eltern müssen allzumal aufgeklärt werden über die Gefahren, die ihre Sprößlinge bedrohen, und die Eltern müssen ihren Kindern die nötigen Warnungen zuteil werden lassen.
„Er geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge." Dieses Bibelwort gilt auch von den menschlichen Teufeln, wenn man an die Stelle des brüllenden Löwen bit still schleichende Tigerkatze fetzt. Die Unholde pirschen sich an ihre Opfer heran mit freundlichen Mienen und Reden, mit Geschenken und anscheinend harmlosen Aufträgen. Sie
wollen sich den Weg zeigen lassen oder sie wollen dem Kinde etwas zeigen oder geben; so locken sie das Opfer an eine einsame Waldstelle, oder in eine stille Hausecke, ober einen Treppenflur, einen Keller, einen verfügbaren Wohnraum usw., unb das Verderben nimmt feinen Gang. Demgegenüber müssen die Eltern den Kindern eine gehörige Vorsicht und Zurückhaltung gegenüber allen fremden Personen beibringen. Wenn dich ein fremder Mann auffordert, mitzugehen, so gehe nicht mit. Will er den Weg wissen, so kannst du ihm den Weg zeigen, abe^toenn du ihn begleiten sollst, so sage, du müßtest erst die Eltern fragen. Wenn er sehr freundlich ist, so mußt du gerade sehr vorsichtig sein. Wenn er dir Süßigkeiten, oder Geld schenken will, so sage, die Eltern hatten dir verboten, etwas anzunehmen. Triffft du den Fremden im Walde, oder auf dem Felde, so halte dich bei ihm gar nicht auf. Will er sich an dick herandrängeln, so mach dich aus dem Staube, und suche schleunigst dahin zu kommen, wo noch mehr Leute sind. Faßt er dich an, so schreie aus Leibeskräften um Hilfe, und am besten ruf ft du dabei den Namen von dem einen, oder anderen Kameraden. Wenn dich der fremde Mensch in ein Haus fdürfen will, daß du dort etwas holen, oder abliefern sollst, so sag ihm, er könnte das ja selber besorgen, und laß dich auch durch geschenktes, oder der- sprochenes Geld nicht verleiten.
Der in Berlin ermordet Knabe war ein geweckter Junge, aber zum Verhängnis wurde ihm die große Geldgier. In den Freistunden, oder den Schulferien ging er auf Geldverdi nst aus, obschon zu Hause keine Bedürftigkeit herrschte. So hatte er sich am Vorabend von Pfingsten bei einem Kaufmann als Austräger angeboten, und dabei geriet er in die Fall- stricke des Verbrechers. Fleiß und Sparsamkeit sind ja sehr schöne Eigenschaften, die man auch schon bei den Kindern pflegen muß. Aber wenn schon Schüler in ihren freien Stunden oder Tagen sich in eine gewerbliche Lohnarbeit drängen, so hat das doch fein Bedenkliches. Der gesetzliche Kinderschuh leidet darunter, und den Arbeitern, die ihr Brot suchen müs- en, wird durch solche schlecht bezahlten kindlichen AuS- heiser ein .unlauterer Wettbewerb gemacht. So einen
meuter gestimmt und wie das Plenum entscheidet, muß man doch erst abwarten. Wenn man auch ht solchen schwerwiegenden Fragen verschiedener Meinung sein kann, so darf man doch wünschen, daß die Ein- heitlichkeit im Plenum größer wird als sie bisher in der Budgetkommission in die Erscheinung getreten ist.
In diesem Zusammenhänge darf auch betont »erben, baß bie bürgerliche Linke ganz ober teilweise im einzelnen biefer Fragen biefelbe Stellung eingenommen hat wie einige Mitglieder ber Zentrumsfraktion. Uehrigens hat sich bie Regierung mit ben int Etat vorgenommenen Streichungen abgefunben. Iebenfalls sind biefe Dinge nicht berart, daß sich bar» auf eine Schwenkung der Konservativen in ihrem Verhältnis zum Zentrum stützen ließe.
Deutsches Reich.
* Woher die Unzufriedenheit ber Polen? In der Herrenhaussitzung vom 2. Mai erklärte der frühere Kultusminister Studt, er habe eine fast fünfzigjährige Erfahrung über die Geschichte und Entwicklung in ben polnischen Landesteilen, er sei schon als ganz junger Landrat dahin gekommen. Als er seine erste Rundreise machte, begrüßten ihn die Ortsvorsteher aufs freundlichste und erflärten, gute Deutsche und Preußen zu sein. Wie habe sich das geändert! Jetzt fei dort davon keine Rede mehr. — Nach diesem sicherlich einwandsfreien Zeugnis war also bie politische Haltung der Polen ba m a l s b ef r i e b ig e n b; wenn bas jetzt nicht mehr ber Fall ist, so wirb bas auch seine Grünbe haben. Unb diese Gründe bespricht Herr v. G e r l a ch in der „Welt am Montag" (Nr. 18), wobei er zu folgendem Resultate kommt:
Ja, wahrhaftig, unendlich ist die Schuld, die die preußisch-deutsche Politik den Polen gegenüber auf sich geladen hat. Das EnteignungSgesetz zertrümmert daS Dogma von der Heiligkeit des PrivaieigentumS zu Ungunsten der Polen und nur ber Polen. Das Ansiedlungsgesetz nimmt den Polen und nur den Polen das Recht, aus ihrem eigenen Grund und Boden sich ein HäuSchen zu errichten oder auch nur in einem Zigeunerwagen zu wohnen. Die Ansiedlungskommission fordert Hunderte und aber Hunderte von Millionen von den preußischen Steuerzahlern, zu denen doch auch die Polen gehören, um die Polen auszukaufen. Ein Parzellierungsgesetz ist angelündigt, das die Polen hindern soll, ihre großen Guter zu zerschlagen, um polnische Bauernstellen zu begründen, um polnische Arbeiter ansässig zu machen. DaS ReichsvereinSgesetz vernichtet das Recht der Polen auf den Gebrauch der Muttersprache in ihren eigenen Versammlungen. Die Erteilung von polnischem Privatunterricht wird mit Freiheitsstrase geahndet. Die polnische Sprache ift sogar aus dem Religionsunterricht gebannt. Die Selbstverwaltung ist verstümmelt, nur um den deutschen Großgrundbesitzern die Mehrheit auf den Kreistagen zu sichern. Die Polen werden um ihrer Nationalität und Sprache willen von allen Beamten ft ollen ausgeschlossen. Der Boykott der polnffchen Gewerbetreibenden wird sogar von amtlicher Stelle aus proklamiert. Ausnahmegesetze und AuSnahmemaß- regeln allenthalben! Krieg im Frieden!
Die Liste des Herrn v. Gerlach ist ein niederschmetterndes Dokument für einen ,/luIturftaat" und muß deshalb jeden Deutschen und Preußen tief beschämen. Ein solches System von Ausnahmegesetzen und Unterbrückungsmaßregeln steht einzig da in der ganzen Welt.
.:. Wer bezahlt bie Erbschaftssteuer? Die Reichserbschaftssteuer, von bereu Dasein bie allein aus liberalen ober bemokratischen Organen unterrichteten Leute überhaupt kaum Kenntnis bekommen, hat im Etatsjahre 1911-12 einen Ertrag von 59,9 Mill. Mk. geliefert. Diese doch immerhin schon recht ansehnliche Steuersumme verteilte sich aber auf 116,243 Erbanfälle (inll. bet Anfälle durch Schenkung), die zusammen einen Nennwert von 879,8 Mill, hatten- Ter Durchschnittsbetrag der der Besteuerung unterworfenen Erbschaften betrug demnach nur 769 Mark. Es sind also nicht die großen Millionenerbschaften, die von ben Befürwortern des weiteren Ausbaues unserer Reichserbschasts- zur Reichswaisensteuer immer lockend ins Treffen geführt werden, sondern es ist die große Masse der kleinen verhältnismäßig unbedeutenden Erbschaften, bie ben Hauptanteil an der Gesamtsteuereinnahme zu liefern hat. Die Mit- telstandsvermögen würden auch bei der auf Kindes- unb Gattenerbe erweiterten Steuer die Hauptlast zu tragen haben, wie sie sie jetzt bei der auf das Erbe ber weiteren Verwandten beschränkten Steuer tragen. Das würde umsomehr der Fall sein, als es den Erben ganz großer Vermögen immer sehr viel eher möglich sein wird, einen Teil beS Erbes zu verbergen, als dies bei ben kleinen Erbschaften möglich ist.
gelegentlichen Nebenverdienst sollte man höchstens den Kindern aus bedürftigen Familien gestatten, wenn die Arbett leicht ist und der Verdienst den armen Angehörigen mit zu gute kommt. Im vorliegenden Falle traf "bas nicht zu. Es wird fogar berichtet, daß der Knabe schon öfter durch ben Besitz von Geld seine Angehörigen und Kameraden überrascht habe. Die Habgier des Knaben hat offenbar der Verbrecher gekannt und ausgenutzt. Die Eltern handeln offenbar unrichtig, wenn sie ruhig zusehen, daß die Kinder Geld besitzen, dessen Herkunft zweifelhaft und bedenklich ist. Das Kind bars keine Heimlichkeit im Gelbver- dienste ober Gelbbesitz haben. Man bars es wohl allmählich an bie freie Verfügung über angemessene Scheidemünzen sich gewöhnen lassen, aber die Eltern müssen immer volle Klarheit und Sicherheit haben übet die Geldgeschäfte des Kindes. Sonst ist man. cherlci Verirrungen und Gefahren Tür und Tor geöffnet
Ferner muß den Eltern das Gewissen geschärft werden, daß sie den Umgang der Heranwachsenden Sprößlinge mit größter Sorgfalt beachten. Wir sprachen vorhin von der Vorsicht gegenüber fremden Personen. Silber sind die bekannten Personen lauter Engel? Wie oft sind arglose Eltern schon grausam enttäuscht worden, wenn sie nachträglich merkten, daß Leute aus ber nächsten Umgebung, vielleicht sogar Verwandte, der Unschuld der Kinder zu nahe getreten sind durch schlechte Reden, durch Vor- zciaung von frivolen Bildern, durch Zustellung von bedenklichen Büchern, vielleicht fogar durch tatsächliche Verführungsverfuche. Trau, schau, wem? Die Eltern dürfen sich nicht in Vertrauensseligkeit wiegen lassen. Auch gegenüber denen, die sich als die wärmten Freunde des Hauses und feiner Sprößlinge auf» pielen, müssen sie die Augen und die Ohren offen halten. Man kann nie wissen, ob nicht der eine oder der andere einen schlechten Einfluß auf die Kinder ausübt; und wenn es auch ohne Bewußtsein unb Absicht geschähe, das Unglück wäre doch da, gerade so gut, als wenn ein Mensch mit einer ansteckenden Krankheit sich in die Kinderstube einniftete. Wenn sie Kinder eine ungünstige Veränderung in ihrem
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7? Bo» den italienischen Wahle». In Mailand routoe unter der Oberhoheit der Freimaurerei eine liberale demokratische Vereinigung gebildet. Die neue Partei soll in dem bevorstehenden Wahlkampfe gegen die Katholiken im Vordertreffen stehen.
Ex Die öffentliche Meinung hi Italien gegen bie Freimaurerei. In bei öffentlichen Meinung Italiens macht sich mehr und mehr eine Strömung gegen die Freimaurerei bemerkbar. Gerade nichtkatholische Zeitungen wie bie offiziöse „Tribun a" haben erst kürzlich auf die Gefahr für das Vaterland hingewie- fen, die darin liegt, daß freimaurerische Offiziere, zwei Vorgesetzten gehorchen, dem militärischen und dem fteimaurerischen. Dieselbe Zeitung der- öffentlicht auch das Schreiben eines Marineoffiziers. Es wird erzählt, daß der freimaurerische Kapitän eines Kriegsschiffes einen Grad tiefer unter dem Offizier des Maschinenraumes stand, der also fein militärischer Untergebener und fein freimaurerischer Vorgesetzter war. DaS ganze Schiff wußte, daß der wirkliche Kommandierende ber freimaurerische Vorgesetzte unb nicht ber militärische war. Es wird auch erwähnt, daß ein nicht der Loge angehöriger Marine- Minister einen Gesetzesvorschlag, der den Angehörigen der Marine ausdrücklich den Eintritt in die Loge verbieten sollte, ausgearbeitet hatte. Aber der Minister starb und der Entwurf verschwand. So besagt das Schreiben, ohne näher auf den dabei zu Tage geriete, neu Einfluß der Loge einzugehen.
♦* China. Die PeterSb. Tel.-Agentur meldet aus Tfchifu: In der Umgegend verüben T f ch u n g n- fen Raubüberfälle. Mehrere Verwundete sind in das städtische Krankenhaus gebracht worden, zwei von ihnen sind geswrben. Aus Tschengtschoufu sind 2000 Soldaten, aus Schanghai drei Kreuzer ein. getroffen. Die Soldaten meutern in ben Ka. fernen. Die Stimmung ist erregt.
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Seelenleben zeigen, launisch oder träumerisch, der- drosselt oder verschwssen werden, bann genügt nicht eine einfache Mahnrede, sondern die Eltern müssen nachforschen, wodurch baS Kind aus der Gemüts, und Gewissensruhe herausgebracht worden ist. Mit wem hat es verkehrt? Was hat es gesehen oder gehört oder gelesen? Ein gewissenhafter Vater und eine sorgsame Mutter müssen im Bedarfsfälle etwas D e<- t e ? t i v-Befähigung entwickeln. Sie müssen die Wurzeln der ungünstigen Veränderung aufdecken; nicht als grausame Richter, sondern als hilfreiche A e r z t e, die die Ursachen der Krankheit zu befeiligen suchen. Im allgemeinen haben die Mütter bie meiste Befähigung zur Erforschung beS Seelenlebens der Kinder. Die weibliche Natur ist findiger und geschickter, und meistens gewähren auch die Kinder der lieben Mutter eher einen Einblick in ihr Inneres, als dem gestrengen Vater.
Beide Eltern müssen da klug und zielbewußt zusammenarbeiten, um bie Kinber zu bewahren vor den inneren und äußeren Gefahren, und sie wieder heil und frisch zu machen, wenn ihnen doch etwas Mißliches zugestoßen ist.
In der modernen Zeit mit ihren verwickelten Lebensverhältnissen ist das Amt der Eltern viel schwieri- ger geworden, als in ber früheren Einfachheit und Solidität. DaS elterliche Ehrenamt ist mit viel Mühsal unb mancher Enttäuschung verknüpft. Aber es ist doch unb bleibt bie höchste, heiligste und verbienstlichste Ausgabe, bie uns auf Erden gestellt wird, und am Gerichtshof ba oben werben wir gewiß einen Stein tm Breit haben, wenn wir sagen können: Ich habe zwar manches versehen, aber ich habe mich boch stets aus allen Kräften bemüht, meine Kinber gut zu erziehen und vor allen Gefahren des Leibes unb ber Seele zu bewahren!
— AuS dem Leben. Frau A.: .Haben Sie denn endlich bie Bücher zurückbekommen, die Frau Lehmann bei Ihnen geliehen halte?" — Frau B.: .Ich sah sie bei Frau Krause liegen, die sie bei Frau Müller geborgt hat. Nun habe ich sie bei Frau Krause entliehen, und nun habe ich sie wieder."