2. Blatt.
druck der 5»lda«r rlettendmüeret in $nlia.
*► Zuldaer Leitung. «*-
Donnerstag 15. Mai 1913.
5ta-tveror-neten.versammlung.
-7- Fulda, 15. Mai 1913.
In der gestrigen Sadtberordnetensitzung waren 21 yhtglieber des Kollegiums anwesend. Der Magiitrat v-a» durch den L Beigeordneten Halbleib vertreten. Lluherdem nahmen an der Versammlung noch Stadt, proba/vr Wohlgemuth und der Direktor des Gas- und Wosse.ttverks, Mewes, teil. Den Vorsitz führte der stellvertretende Stv^Vorsteher, Rechtsanwalt und Notar Rang.
1. Rechnungsfeststellungen für bas Jahr 1911: ») Gaswerkskasse. Sw. Singer: Das Ergebnis des Rechnungsabschlusses kann als sehr günstig bezeichnet werden. Die Einnahmen stellten sich höher, als veranschlagt worden war. Der Kohlenverbrauch war dagegen 20 Doppelwaggons geringer. Der Mehrertrag ist also in der besseren Qualität der englischen Kohle begründet. Der Kassenbestand betrug Ende 1911 44 745,11 Mk.; Einnahmereste in Höhe von 2935,09 Mk. sollen auf neue Rechnung vorgetragen werden. Der verbliebene Kassenbestand ist zur Deckung etwaiger Mindereinnahme infolge der Konkurrenz des Elektri- ziätSwerkes auf einen Ausgleichssonds anzulegen. Der bilanzmäßige Gewinn von 56 527,40 Mk. soll zu Abschreibungen verwendet werden. Mit Zuschreibungen zu den einzelnen Fonds in Höhe von 40 830 Mk. und nach Abschreibungen an verschiedenen fiontis in Höhe von 21 487,20 Mk. beträgt der eigentliche Reingewinn 118 844,60 Mk. Stv. Sunkel: Der Abschluß der Kasse ist erfreulich; ob er aber so bleiben wird, ist eine andere Frage. Im Jahre 1912 wird es wohl anders aussehen; wir müssen mit dem Elektrizitätswerk als Konkurrenten rechnen. Stv. Reith wünscht, daß die Jnstallationsarbeiten mehr Geschäftsleuten überwiesen werden. SW. Kircher: Es wird hier viel geschimpft über schlechtes Gas; die Ursache ist aber in den Einrichtungen zu suchen. Ich bin der Auffassung, daß das Gaswerk an erster Stelle an der Installation beteiligt ein muß; denn dadurch müßte die beste Konkurrenz- ähigkeit des Gaswerks mit dem Elektrizitätswerk ge- ichert werden. Beig. H a l b l e i b : Die städtische Verwaltung will durchaus nicht hiesige Geschäftsleute schädigen. Sie läßt die Installation nur dann durch das Gaswerk ausführen, wenn es von den betr. Kunden gewünscht wird. Man kann diese doch nicht einfach abschieben. Gaswerksdirekwr Mewes: Im vergangenen Jahre sind an Leuchtgas mehr abgegeben 31 000 Kubikmeter, an Koch- und Heizgas mehr 29 000 Kubikmeter, an Automatengas mehr 10 000 Kubikmeter, an Kraftgas weniger 9000 Kubikmeter, für Straßenbeleuchtung mehr 11 000 Kubikmeter. — Die Kassenrechnung wird darauf mit dem Antrag des Magistrats genehmigt, b. Armenkasse. Stv. Kapp: Die Rechnung ergibt eine Ueberzahlung von insgesamt 4619,84 Mk., ein Einnahmerest von 145,41 Mk., ein Ausgabe rest von 124,56 Mk. Letztere Beträge sollen auf neue Rechnung vorgetragen werden, die Ueberzahlung ist aus den Ueberschüssen der Stadtkasse von 1911 zu decken. Die Unterstützungen an barem Geld und an Naturalien betrugen 23 728 Mk. Unterstützt wurden 326 Familien mit 566 Kindern. — Der Antrag wird angenommen, c. Kanalisations- lasse. SW. Dr. Schulte: Die Gesamteinnahmen betrugen 170 338,44 Mk., die Gesamtausgaben 167 016,92 Mk., sodaß sich ein Kassenbeftand von 3321,52 Mk. ergibt. Der Betriebsüberschuß beträgt 1186,56 Mk. d. Stadtkasse. Die Rechnung ergibt einen Kassenbestand von 51 741,89 Mk., einen Einnahmerest von 19 011,48 Mk. und einen Ausgaberest von 31 880,60 Mk. Bei der Illustrierung der Rechnung bemerkt Stv. Dr. Schulte, daß die Stadtkasse durch die Bewehaltung der Märkte nichts verdienen und nichts verlieren würde. Auf Anfrage erklärt Beig. H a l b l e i b, daß der früher von der Negierung gezahlte Zuschuß von 10 000 Mk. zur Lberrealschule von feiten der Magistrats auch für die neue Schule angefordert worden fei, daß dessen Zahlung aber von der Erfüllung gewisser Bedingungen beim Neubau abhängig gemacht wurde. So habe der Regierungsschulrat moniert, daß bei dem Projekt infolge der Alleiniegung der Turnhalle außerhalb des Schulgebäudes der Spielhof zu sehr beengt würde. Stv.- Vorsteher Rang erklärt, daß die Ansicht vertreten würde, daß die Regierung nicht berechtigt sei, den vom Landtag eingestellten Betrag zu sperren. Weiterhin wird hervorgehoben, daß die Eisenbahn für Fulda ein wichtiger Steuerfaktor sei. Ihre Steuerbeiträge schwanken aber oft stark, je nach ihrer Einnahme; so ist er in einem der letzten Jahre von 30 000 Mk. auf 11 000 Mk. gesunken. Um für derartige Ausfälle sich zu sichern, hat der Magistrat beschlossen, einen
Gemeinde st euer-Ausgleichsfonds
zu bilden, dessen Dotierung aus Jahresübestschüssen nach dem jeweiligen Beschlüsse der städtischen Körperschaften zu erfolgen hat. Der Fonds hat die Bestimmung, die Erhöhung der zu den einzelnen Steuerarten festgesetzten Prozentsätze an Gemeindesteuern zu vermeiden. Sollte es in Zukunft erforderlich fein, die Gemeindesteuer-Prozentsätze, wie sie für das Rechnungsjahr 1913 festgesetzt sind, zu erhöhen, so ist, ehe die Erhöhung des Prozentsatzes auch nur einer Steuerart erfolgt, der Fonds bis zu seiner Erschöpfung als Ausgleichfonds heranzuziehen, und erst nachdem dieser Ausgleich nicht hinreicht, ist einer Erhöhung des Steuersatzes ■ näher zu treten. Stv. Dux gibt zu bedenken, daß infolge dieser Maßnahme Ueberschüsse aus der ordentlichen Verwaltung, die bisher im außerordentlichen Etat verwendet wurden und verwendet werden mußten, wenigstens zum großen Teil ausfallen würden. Beig. Halbleib: Man kann über den Ausgleichsfonds geteilter Meinung sein, aber die Idee des Magistrats :st doch eine ganz gesunde. Es soll doch nur ein Teil der Ueberschüsse dazu verwendet werden und es ist für die Steuerzahler viel angenehmer, wenn sie Muffen, was sie zu bezahlen haben, als wenn auf einmal eir# Steuererhöhung kommt. Stv. Eicken- scheid^ spricht sich für die Einrichtung des Ausgleichsfonds aus. Wenn die Ueberschüsse auf diese Weise Verwendung fänden, würde man nicht so freigebig bei Bewilligungen fein. Stv. Dux: Der Magistrar ist sehr weitsichtig; er sieht größere Ausgaben kommen für Schulen usw. und möchte so eine Steuererhöhung vermeiden. Aber im Grunde kommt doch alles darauf hinaus, daß die erforderlichen Ausgaben direkt oder indirekt den Steuerzahlern abgeknöpft werden. Stv. Kircher meint, es wäre besser, wenn statt dessen die Hreuerfätze erniedrigt würden. Stv. Dr. Schulte erwidert, daß es nicht angebracht sei, in einem Jahre Wit größeren Ueberschüssen die Steuern herabzusetzen, um sie dann vielleicht im folgenden Jahre wieder erhöhen zu müssen. Beig. ^albleiB verteidigt nochmals den Magistratsantrag, wobei er hervorhebt, daß die Stadt in Zukunft mit Mindereinnahmen, z. B. beim Gaswerk, zu rechnen habe. In gleichem Sinne exem. plifiziert Stv. Eickenscheidt auf das Wasserwerk. — Die Anträge wurden sodann angenommen. Stv. Sunkel bringt die Sprache sodann auf die
Fuldaer Vieh Märkte.
Wenn der Stadtkafse auch direkt kein Gewinn ober Verlust aus den Viehmärkten erstehe, so hätten doch die Steuerzahler in ihrer Gesamtheit ein großes Interesse an der Beibehaltung der Märkte. Die Angele- zenheit schwebe jetzt schon 2 Monate und es sei noch immer nichts erreicht. Beig. Halbleib: Der Magistrat hat sich in der Viehmarkt-Angelegenheit alle erdenkliche Mühe gegeben. Ihre Behandlung ist dem Herrn Beig. Arnd und mir übergeben worden. _2Bir haben nit einem von den Händlern gestellten Ausschuß bereits Verhandlungen gepflogen und sind zu der Anschauung gekommen, daß unter den Händlern die Meinung über i>ie Zweckmäßigkeit des Marktes geteilt ist; ein Teil von ihnen ist dafür, daß die Märkte nicht mehr gehalten Werden, ein anderer, namentlich die auswärtigen Hand« jer, hat Interesse an deren Beibehaltung. Tas größte Interesse aber hat der Kreis und die Stadt Fulda selbst sowie die hiesigen Geschäftsleute, nicht bloß die
Stallbesitzer. Es ist beschlossen worden, daß wir eine berufene Stelle veranlassen, die mit dem Kreistierarzt über die Angelegenheit verhandeln soll. Ich bin der Ansicht, daß die Vertreter der Regierung sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Forderungen des Kreistierarztes unbillige wären. Anders denken darüber die Händler und die Uebrigen, soweit sie sich mit der Sache befaßt haben. Es war deshalb unsere Sorge, darauf hinzuwirken, daß der Kreistierarzt seine Forderungen ermäßige. Der Herr Landrat hat mir zugesagt, heute mit dem Kreistierarzt deswegen verhandeln zu wollen. Soweit ich unterrichtet bin, ist dieser bereit, seine Forderung auf 30 Pf. für die Untersuchung eines jeden Stück Viehs zu ermäßigen; aber damit sind die Händler nicht zufrieden. Der Magistrat ist der Meinung, daß die Viehmärkte unter allen Umständen gesichert werden müssen. Auch der Herr Landrat hat anerkannt, daß die Märkte für die Landbevölkerung von größtem Interesse sind. Ich selbst habe die Angelegenheit keinen Augenblick aus dem Auge gelassen und ich denke, daß sie in zufriedenstellender Weise erledigt wird. Stv. Eickenscheidt: Ich möchte anfragen, ob die Sätze und Forderungen des Kreistierarztes fest liegen oder ob sie willkürlich sind; es sind mir Zahlen genannt worden, die im Verhältnis zur aufgewendeten Zeit ganz enorm find. Beig. H a l b I e i b : Von der Regierung sind für die Untersuchung eines jeden Tieres 50 Pf. festgesetzt, für Untersuchungen außerhalb der Geschäftszeit kann der Kreistierarzt mehr fordern. Wenn er früher weniger nahm, war das seine Sache. Tie Eisenbahnverwaltung ist den Wünschen der Händler weit entgegengekommen und hat an ihre Beamten entsprechende Weisungen ergehen lassen. Allerdings muß auch betont werden, daß der Kreistierarzt selbst berücksichtigen muß, daß er keinen Pfennig mehr erhält, wenn die Märkte hier ausfallen. Es ist auch angeregt worden, die Stalluntersuchungen durch Laien ausführen zu lassen; doch dem stellt sich die Regierung in den Weg. Bei allem mutz berücksichtigt werden, daß die Verhandlungen mit der Regierung nur sehr langsam von statten gehen. Stv. Kircher meint, daß die von der Regierung vorgeschriebenen veterinär-polizeilichen Maßnahmen nicht ausreichten, da nur das Vieh untersucht würde, damit der Bahn ankomme. Zudem sei es nicht erklärlich, warum die Stadt noch 700 Mk. für die Untersuchungen auswerfe, wo der Kreistierarzt sich doch jede einzelne Untersuchung bezahlen lasse. Stv. Reith: Es wäre zu wünschen, wenn die Verhandlungen Erfolg hätten, denn die Handelsleute bleiben tatsächlich nur deshalb fern, weil die Forderungen des Kreistierarztes zu hoch sind. Beig. H a I b l e i b: Auch von uns ist festgestellt worden, daß die Forderungen hoch sind, besonders für Untersuchungen, die außerhalb der Geschäftszeit vorgenommen werden. Es ist aber auch nicht zu verkennen, daß die Händler oft übergroße Ansprüche machen. Man muß zugeben, daß bei der starken Auffuhr auf den hiesigen Markt die Leistungen bei der Untersuchung nicht im Verhältnis stehen zu den großen Einnahmen.
2. Einladung zur Mitglieder-Versammlung des Reichsverbandes deutscher Städte. Die Versammlung beschließt, keinen Delegierten zu der am 19. und 20. Mai in Berlin stattfindenden Tagung zu entfenden.
3. Einladung zum Hessifchen Städtetag. Der Magistrat entsendet zu dem am 30. und 31. Mai in Rotenburg a. F. abzuhaltenden Städtetag Qberbürgermelster Dr. Antoni und 1. Beig. Halbleib. Aus Vorschlag werden von feiten des Stadtverordnetenkollegiums die Stadtverordneten Dux und Dr. Schulte als Vertreter für den Städtetag gewählt, nachdem eine Anzahl anderer Stadtverordneter die Wahl abgeschlagen hatten.
4. Zwei Freigabeurkunden werden genehmigt.
5. Bereitstellung der Mittel für Anbringung eines Ankers für Luftschiffe aus dem Exerzierplätze. Stv. Weber: Die Militär-Luftschifferabteiluug Berlin hat durch die Geschäftsstelle des Deutschen Luftschifführer- Verbandes in Marburg an den Magistrat die Mitteilung gelangen lassen, daß bei der Stadt Fulda ein Luftschiff- Verankerungsplatz vorgesehen fei. Es wurden zunächst die Plätze zwischen Neuenberg und der Fulda und die Bleiche in Aussicht genommen. Schließlich hat man sich mit der Militärverwaltung auf den Exerzierplatz geeinigt. Dort soll nun vorläufig ein Anker angebracht werden. Es liegen drei Pläne hierfür vor, von denen einer mit einem Kostenanschlag von 215 Mk. empfohlen und genehmigt wird.
6. Niederlegung des Hauses Schlachthausgasse Nr. 22 und Uebernahme der Erwerbskosten auf den Grundstückserwerbsfonds. Stv. Adam: Das betr. Haus ist mit zwei städtischen Hypotheken in Höhe von 880 Mk. belastet. Bei der Versteigerung blieb jüngst die Stadt mit 1085 Mk. Höchstbietende. Das Haus soll niedergelegt werden und der Platz zu dem anstoßenden freien Platze geschlagen werden. — Der dahingehende Antrag wird genehmigt.
7. Beschluß des Magistrats zu dem Beschluß der Stadtverordneteu-Bersammlung vom 14. April 1913 betr. der Ruhegehaltskasse <ür Lehrpersonen. Stv. Dux: Die Sache ist bereits in d»r Sitzung vom 14. April verhandelt worden. Man war sich damals über die Erhöhung der Beiträge nicht klar. Es handelt sich in der Hauptsache um einen Zuschuß, den die nichtstaatlichen Mittelschulen verlangen. Ich beantrage, die geforderten 2895 Mk. zu bewilligen und aus den Ueberschüssen des Jahres 1912 zu decken, außerdem, daß der Magistrat gelegentlich bei der Regierung in Kassel Erkundigungen darüber eknzieht, warum Städte, die derartige Anstalten nicht haben, in voller Höhe zu den Beiträgen herangezogen werden. — Der Antrag wird angenommen.
8 Legung eines zweiten Zementrohrkanals in der Borgiasstraße und Bewilligung der Kosten. Stv. Fritz: Auch diese Angelegenheit hat uns damals schon beschäf- iigt. Die Vorlage wurde indes an die Baukommission zurückverwiesen. Diese hat nun den Beschluß gefaßt, die durch den Wasserdurchbruch herbeigeführten Unzu- träglichkeiten baldigst zu beseitigen. Die Firma MölderS hat an mich als den damaligen Referenten einen Brief gerichtet, in dem sie sich darüber beschwert, daß ich ihr in der damaligen Stadtverordnetensitzung die Schuld an der mangelhaften Ausführung der Kanalisation in der Borgiasstraße zugeschoben habe. Sie fühlt sich da- durch in ihren Interessen geschädigt und verlangt eine entsprechende Richtigstellung. Aus den vorliegenden Akten geht aber hervor, daß sie den Fehler selbst ein. gestanden, hat. Ich stelle den Antrag, vorläufig die für die Kanalisation geforderten 3100 Mk. aus dem Kcmal- erweiterungsfonds zu bewilligen und den Magistrat zu ersuchen, nachprüfen zu lassen, nL die Firma Mölders rechtlich zur Bestreitung der Kosten herangezogen werden kann. Bis spätestens zum 1. Juli soll in der Stadtverordnetensitzung darüber Auskunft gegeben werden. — Der Antrag wird angenommen.
9. Vergrößerung der Büroräume des Gas- und Wasserwerks und Bewilligung der Kosten. Stv. Eickenscheidt: Es liegen 3 Pläne vor. Magistrat und Baukommission haben sich dem Wunsche der Gas- und Wasserwerkskommission angeschlossen und für Pro- jekt 1 entschieden. Die Kosten Betragen 4800 Mk. — Die Summe wird bewilligt.
10. Einrichtung einer Eisbahn im Winter auf dem großen Rondel im Schloßgarten und Bewilligung der Kosten. Stv. Vollmer: Die geplante Anlage würde jedenfalls von der Bürgerschaft Begrüßt werden. Der in Aussicht genommene Platz ist ungefähr 5000 Quadratmeter groß und Bequem zu erreichen, da er in der Mitte der Stadt liegt. Die Anlage ist vom Magistrat in der Weise geplant, daß in der Mitte etwa 25 Zentimeter dicker Rasen abgetragen und damit am Rande eine Böschung geschaffen werde. Die Kosten sind vom Sauamt mit 1600 Mk. berechnet und sollen aus Ueberschüssen gedeckt werden. Letztere würden sicher durch Erhebung eines kleinen Eintrittsgeldes wieder eingebracht werden. Es fragt sich aber, ob der Platz Wasser halten wird. Der Untergrund ist teilweise lockeres, aufgefülltes Land, welches das Wasser durchlassen wird. Eine Abdeckung durch eine Asphaltmasse würde nicht von Dauer sein. Vom Bauamt ist angeregt worden, an der Stelle Probe
bohrungen vornehmen zu lassen und so festzustellen, ob das Wasser in den Löchern stehen bleibt. Ich beantrage deshalb, die Beschlußfassung über den Magistratsantrag auszusetzen und die Ergebnisse der Bohrungen abzuwarten. Stv. Fleischmann: Wenn Eintritt erhoben werden soll, müßte der Platz eingezäunt werden, sonst wäre eine Kontrolle nicht möglich. Dafür würde sich die Bürgerschaft aber sicher bedanken. Stv. Kircher glaubt, daß der Graswuchs und damit die Schönheit des Schloßgartens durch die Anlage leiden mürbe. — Darauf wird der öntrftg Vollmer angenommen.
Schluß der öffentlichen Sitzung 11,10 Uhr.
Lokales.
Fulda, 15. Mai 1913.
4? Pcrsonaliru. Die von dem Provinziallandtage der Proomz Hessen-Nassau am 28. Februar d. Js. für die Zeit bis zum 1. Juli 1924 vollzogene Wiederwahl des Landeshauptmanns Ried es et Freiherrn zu Eisenbach in Kassel zum Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau ist bestätigt worden.
# Verliehen wurde dem Amtsgerichtsrat Dr. A u e rb a ch zu Frankfurt a. Bi. der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Lehrer M e n g e l zu Roda im Kreise Frankenberg der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern, dem Auszüger K l ü- b e r zu Pilgerzell im Kreise Fulda das Allgemeine Ehrenzeichen.
st. v-iestcrweihe. Am kommenden Samstag, den 17. d. M. wird der Hochwürdigste Herr Bischof von $nlbt i* der Klosterkirche auf dem Frauen berge morgens 7 Uhr die hl. Weihen erteilen, und zwar die Priesterweihe den £>erren Diakonen: Fr. Matthäus Binder (Brunstadt i. Els.), Fr. Raynerius Klüber (Rückers bei Hünfeld), Fr. Salvator Fleck (Fulda), Fr. Viktor Hirschle (Ehingen i. Württemberg), Fr. Hermann Schuhmacher (Flörsheim a. M.); die Diakonatsweibe den Herren Subdiakonen: Fr. Aegidius Bleuel, Fr. Bartholomäus Wolf, Fr. Eoaristus Storch, Fr. Fadian Bind.r, Fr. Gaudentius Hepp, Fr. Justnus Kohlhaas, Fr. Lukas Berning, Fr. Bernhard CnsiHosdieber); tue Snbdiakonats- weihe dem Herrn Akotythen Fr. Gentilis Arnold.
t Unser Tom hatte bisher noch keine Herz-Jesu- Statue. Die früher auf dem Hochaltäre aufgestellte Statue war geliehen und wurde nicht gelaust, weit sie zu klein erschien. Es lag darum der Wunsch nahe, eine den Größenverhältnissen des Domes entsprechende Figur des Heilandes zu beschaffen. Es wurde zunächst ein Modell hergestellt, das den Hochwürdigsten Herren Bischösen gelegentlich ihrer Versammlung am Grabe des hl. Bonifatius im Jahre 1912 vorgesührt und von denselben seiner Idee nach gut geheißen wurde. Die Einholung eines Urteils der Hochwür- dtgsten Herren schien deshalb geraten, weil das neue Bild insofern von den bisherigen Darstellungen abweicht, als es das Herz nicht über der Kleidung, sondern auf der freien Brust über der Wunde zeigt. Die Statue ist am 8. Mai hier eingetroffen und muß noch bemalt werden. Sie ist 280 Zentimeter hoch und in Eichenholz ausgesührt. Joseph Hetse heißt der Künstler, aus dessen Meisterhand sie hervorgegangen tst.
-y- Augenscheinstermin. Gestern mittag sand ein gerichtlicher Augenscheinstermin am Spitzkawether bei der Tivoli-Brauerei statt. Diesem Termin wohnten die drei jungen Leute von hier bei, die am Pfingstmontag zuerst die Leiche deZ verunglückten Hans Reichhardt bemerkten.
§ Rhönklnb. Die diesjährige 37. Hauptversammlung des Rhönklutzs ist auf die Tage vom 19.—21. Juli in Bischofsheim v. Rh. festgesetzt worden. Am 19. Juli ist Begrüßungsabend, am 20. Juli die Hauptversammlung mit nachfolgendem gememschaft- ltchem Festmahl, nachmittags Militärkonzert im Beck'schen Parke und am 21. Juli ein Ausflug über die Ruine Osterburg auf den Kreuzberg. — Der Hauptausschuß verfügt jetzt über eine Zahl von etwa 120 Glasdiaposiliven im Format von SVtXiO, die zu Vortrags- bezw. Vorführungszwecken von Lichtbildern an dte Zweigvereine umsonst verliehen werden. Für Beschädigungen und Verluste bat der betr. Zweigverein auszukommen. Die Bilder zeigen die verschiedensten Landschaften, hervorragende Punkte, Städte und Dörferansichten, Denkmäler usw. unserer an Schönheiten reichen Rhön.
L Erstkommunion der Gymnasiasten. Am Dreifaltigkeitssonntag werden 19 Schüler des hiesigen Gymnasiums zum exsten Male zum Tische des Herrn gehen. Zu der Feier, die in der Pfarrkirche zum hl. Geist stattfindet, werden des beschränkten Raumes wegen nur die Angehörigen der Erstkommunikanten Zutritt erhalten. Die Erstkommunion der Ober- r e a l s ch ü l e r finde am Aloysiusfeste statt.
[] Der Sitz der König!. Spezial - Kommission in Rotenburg a. d. F. wird vom 1. April 1914 nach Fulda verlegt werden.
(*) Vorsicht. Am 3. Mai mietete^ ein junges Ehe- pärchen in der Leipziger Straße ein möbliertes Zimmer. Die Frau gab an, von Frankfurt zu sein, ihr Mann sei von Offenbach und in Miitelkalbach mit Wasser- leitungsarbeiten beschäftigt. Rach zehn Tagen verschwand das Paar unter Hinterlassung der Schuld für Kost und Logis. Nachträglich stellte es sich heraus, daß es der arbeitslose Gelegenheitsarbeiter Ph. H. und seine junge Ehefrau geb. D. von hier waren. Aehnlich hatten dieselben vorher ihr Spiel hier in der Rittergasse getrieben.
*♦ Ein gemeiner Schwindel. Wir stellen fest, daß das Fuldaer Kreisblatt endlich gestern doch noch einen Widerruf der siztlianischen Schwindelnachricht gebracht hat. Es meldet:
Rom, 10. Mai 1913. Wie der „Offervatore Romano" mitteilt, beruht das Verbrechen eines Pfarrers von St. Mauro auf Cefalu auf Erfindung und wird die sensationelle Mare rn aller ftorm widerrufen.
f Eine schnellere Bezahlung der Rechnungen der Bauhandwerker durch die Behörden hat der Minister der öffentlichen Arbeiten in einem besonderen Erlaß an die Regierungspräsidenten und die chm unterstellten Behörden verfügt. Die Klagen der Handwerker, die in dieser Hinsicht laut geworden sind, haben ergeben, daß die Behörden nicht selten in dieser Hinsicht recht ungleichmäßig verfahren und die Handwerker, die oft selbst Zahlung leisten müssen, längere Zeit auf die Bezahlung warten lassen. Namentlich die Baubehörden haben die Rechnungsbegleichung nicht mit der wünschenswerten Beschleunigung behandelt. Andrerseits soll nach der Verfügung auch darauf hingewirkt werden, daß die Handwerker selbst die Rechnungen sofort nach Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten v o r l e g e n. Die Handwerker sind dementsprechend darauf hinzuweisen, daß sic sich unter Umständen die Nachteile einer lässigen Einreichung der Rechnungen selbst zuzuschreiben haben, die bei den Hochbauämtern geprüft und sestgestellt werden, um
dann zukünftig ohne Verzug an die Regierungspräsidenten usw. überwiesen zu werden. Der Minister bezeichnet es als unzulässig, daß mit der Weitergabe der Rechnungen, die von dem Handwerker eingereicht sind, gewartet wird, bis alle oder ein: größere Anzahl von Rechnungen vorliegen, die dieselbe Bauausführung betreffen. Um überflüssige Formalitäten zu vermeiden, sollen auch besondere Begleitschreiben bei der Weitergabe der Rechnungen vermieden werden. In dem Erlasse kommt man erfreulicherweise vielfach geäußerten Wünschen der Handwerker entgegen, die zum Teil sehr darunter gelitten haben, daß sie die ihnen zustehenden Gelder nicht rechtzeitig genug erhalten konnten.
* Schncllbremsen an Eisenbahnzügen. Gegenwärtig werden in verschiedenen Eisenbahndiretttonsbezirken Versuche mit einer Schncllbremse für D- und Schnellzüge vorgenommen, die es ermöglicht, von der Lokomotive aus den Zug in ganz kurzer Zeit zun: Halten zu bringen. Wird z. B. erst am Vorsignal im letzten Augenblick gebremst, so ist cs möglich, den Zug zum Halten zu bringen, bevor das Haltesignal erreicht ist. Tie bisherigen Versuche sind durchaus günstig ausgefallen: sie werden noch fortgesetzt. Die Einführung einer solchen sicher wirkenden Schncllbremse würde sicher zur Verminderung der Eisenbahnunfälle beitragen.
X Ter diesjährige Kreisscnerwehrtag ist aus verschiedenen Rücksichten auf den 22. Ium verlegt. Es wird, wie wir bereits früher mitteilten, in Horas abgehalten.
Amt Geisa und Umgebung.
)( Dermbach, 14. Mai 1913. Am 2. Pfingstsciertage veranstalteten die kalb. Vereine Dermbachs im Saale des „Deutschen Hauses" eine gemeinsame „Konst a n t i n i s ch e Feier." Nach einer Eröffnungsansprache des Ortspfarrers hielt Herr Oberlehrer Zinsser den Festvorlrag. In anschaulicher, von hinreißender Begeisterung getragener Sprache entwarf er ein Bild des großen Kaisers Konstantin, der, an der Schwelle zweier Zeitalter stehend, dem römischen Heidentum den Todesstoß gab und dem Christentum die Wege bahnte, auf denen es schon bald zum Lichtpunkte der Geschichte werden sollte. — Ein Lichtbildervortrag des Herrn Kaplans Zeuch vervollständigte das von dem Herrn Vorredner entworfene Bild. Der Kirchenchor „Caecilia" trug durch einige passende Lieder zur Verschönerung der Feier bei. Besondere Erwähnung und Anerkennung verdient die Aufführung der italienischen Papsthymne von Abbate Rosati.
* Kaltennordheim, 14. Mai 1913. Der gestrige Pfini,st markt war äußerst zahlreich besucht. Auf dem Markt und auch in den Geschäftslokalen herrschte ein reger Verkehr.
* "Tiefenort, 13. Mai 1913. Gestern abend brannte in der Nähe des Bahnhofes der dem Landwirt Heinrich Reinhardt gehörige Strohdiemen vollständig nieder. Es wird angenommen, daß das Feuer aus Uebermut angelegt worden ist.
• Ostheim, 14. Mai 1913. Am Pfingstsonntag versuchte hier eine junge Dame aus Paderborn sich zu vergiften. Ste war ihrem Liebsten, der tags vorher auf Urlaub hierhergefahren war und sich zum Feste mit einer anderen verloben wollte, nachzereist. Sie konnte noch rechtzeitig von ihrem Vorhaben abgehalten werden. — Beim letzten Schnee hatte ein junger Bursche seinen Kameraden mit einem recht harten Schneeball ans Knie geworfen. Die Folge war ein Bluterguß in'8 Innere des Beins. In diesen Tagen nun mußte dem 17jährigen, sonst gesunden Menschen im Meininger Krankenhaus das verletzte Bein abgenommen werden.
Aus Dberheffen u- den Hess. Aemtern.
* Marburg, 14. Mai 1913. Der im 70. Lebensjahr stehende Direktor des chemischen Instituts, Geh. Reg.-Rat Prof. Zincke, ist auf seinen Wunsch vom Herbst ab von seinen akademischen Verpflichtungen entbunden worden. Im gegenwärtigen Sommer« semefter, in dem der Gelehrte bereits keine Vorlesungen mehr abhält, ist Prof. Fries mit seiner Vertretung betraut worden. Prof. Zincke war seit 1875 Ordinarius an der hiesigen Universität.
* Mardorf, 14. Mai 1913. Bürgermeister Schick ist auf acht Jahre wiedergewählt und verpflichtet worden
* Fritzlar, 14. Mai 1913. In der letzten Kreis- tagssitzung wurde zunächst der E at-Voranschlag für 1913 durchberaten. Die Kosten für Verpflegung Geisteskranker sind auf 18000 Mark erhöht, weil jetzt auch die Beschickung blinder und taubstummer Kinder hinzulommt. Für Jugendpflege werden 500 Mark, für Landwegebauten 27 009 Mk. eingestellt. Die Steuer des Kreises wird, wie bisher, auf 15 Prozent, die Bezirkssteuer auf 10 Prozent festgesetzt. Der Kreistag genehmigte zum Regierungsjubiläum des Kaisers einen Siock von 15000 Mark, dessen Zinsen zur Unterstützung von Kranken und zur Bekämpfung der Tuberkulose verwendet werden soll. Genehmigt wurde ferner ein Automobil für des Landrats dienstliche Reisen. Der Minister hat genehmigt, daß an Stelle der bisht^ im Kreise tätigen einzelnen Krankenkassen eine, allgemeine Ortskrankenkasse treten soll. Die Bürgermeister von Gudensberg und Fritzlar traten auch heute wieder für Bestehenbleiben der städt. Krankenkassen ein. Wegen Verteilung der Wegebau-Unler« stützungen wird berichtet, daß dabei nur solche Gemeinden berücksichtigt werden, die über 50 Prozent Steuern und 25 Prozent Wegekosten erheben. Die ausscheidenden Kreisausschußmitglieder, Gutsbesitzer W. Dietz (Zennern) und F. Röll (Gudensberg), werden wiedergewählt. Die Ueberlandzentrale sand sodann eine ausgiebige Besprechung. Ober» Ingenieur v. Einem (Kassel), berichtete, daß die etwa 50 Kilometer lange Leitungsanlage des Kreises 210000 Mark Kosten verursachen werde. Dabei sind nur die nördlich gelegenen Gemeinden des Kreises berücksichtigt, die auch saft alle den Anschluß beschloffen haben. Die Verwendung von Aluminium« drähten statt Kupfer und mit Teer-Oel imprägn:erter Holzmast wird einige Ersparnis bringen. Der Kreistag beschließt, über die Angelegenheit noch einmal in einet besonderen Sitzung zu beraten.
Handel und Industrie.
Berlin, 14. Mai 1913. Die Börse zeigte eine zunehmende Verstimmung auf Gruno ‘er Geldsorgen und der Preisrückgänge an den internationalen Eisen» > Märkten. Von deutschen Anleihen gaben 4proz. Reichs«! anleihe und Konsuls 0,10, Zproz. Reichsanleihe und! Konsols 0,20 Prozent nach. Privatdiskont unverändert. /