Fuldaer Zeitung
erscheint täglich mit kurnahme Oer Sonn- und Zelertage viertel- ' jShrllcher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld ln Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. — Rotationsdruck und Verlag der s s Sulöaer flcfienbrudterei ln Zulda. Zernsprecher Nr. 9. 2 2
~ tDocfjen-Beilage: s s r - ~ Monats-Beilage: r. 5 Illustrierte Sonntagszeitung i Fuldaer Seschichtsblütter n Ziebungstiften der preußisch-süddeutsch« Klaffen-Eottetie. — halbjährlich Taschenfahrplan, rr
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fir. 110. Erstes Blatt
Donnerstag den 15. Mal 1913.
40. Jahrgang.
Fulda, 15. Mai 1913.
Morgen, Freitag sind die Wahlmännerwahlen für den preußischen Landtag.
Alle Mann zur Stelle mit der Parole: Für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Für die Erhaltung der christlichen Schule!
Für die Gleichberechtigung aller Konfessionen!
Für des Volkes Freiheit!
Für des Volkes Wohlfahrt!
Die Notwendigkeit eines starken Zentrums steht klar vor uns. Daraus ergibt sich die Pflicht, am Tage der Wahl oafür Sorge zu tragen, daß möglichst siele Zentrumsstimmen abgegeben werden-
Für ein starkes Zentrum, den Hort des Rechtes und der Freiheit!
Der Wahltag soll sein ein Ehrentag für das Zentrum!
Mit Gott für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Für Thron und Altar!
Für das Wohl des preußischen Volkes!
Wählt!
Wählt Zentrum!
* Mehr Interesse für die Landtags- Wahlen!
Unter der Wucht der gewaltigen Ereignisse auf dem Balkan sowie bei dem Interesse, das die Reichspolitik gefangen nimmt, will es scheinen, als ob die Landtagswahlstimmung in diesem Jahre nicht besonders lebhaft fet.
Tas darf aber nicht sein- Im Wahlaufruf der Zentrumsfraktion sind die Tätigkeitsgebiete materieller und idealer Art kurz und knapp umzeichnet, auf denen der Preußische Landtag zuständig ist. In welchem G e i st e nun die Gesetzgebung hier getätigt wird welcher G e i st vor allem die gesamte Verwaltung durchweht, das kann der Bevölkerung nicht gleichgültig sein, speziell auch nicht dem katholischen Volksteile in Preußen. Dazu kommt, daß Preußen unter den Bundesstaaten eine gewisse Vorherrschaft inne hat, daß es hier die führende Stellung entnimmt und damit leicht auch die Reichspolitik in seinem Sinne beeinflussen kann. Der Bundesrat legt zwar dem Reichstage die Gesetzesentwürfe vor, von seinem Vorgehen hängt der Fortgang der Gesetzgebung jedenfalls int Reiche ab, im Bundesrat haben aber die Vertreter der preußischen Regierung den größten, ja ausschlaggebenden Einfluß. Hier kann man sagen: Preußen gewonnen, alles gewonnen. Will die preußische Regierung aber nicht vor- S^ehen, dann wartet der Reichstag vergeblich auf ge- etzgeherische Arbeit.
Daraus ergibt sich, wie wichtig es ist, daß auch hn Landtag das preußische Zentrum mög-
Vie Schuld öes Vaters.
40] Roman von Freifrau G.von Schlippenbach.
„Hier ist noch etwas," sagte einer der Bauern.
Er überreichte Ribajedoff einen Hornknopf, der von einem Jagdrock herrühren mußte. Gehörte er dem Toten?
Rein, Swerjeff trug einen dunklen Paletot mit Zeugknöpfen.
„Da habe ich drei Dinge in der Hand, die mir helfen werden, die Wahrheit an das Licht zu bringen," dachte der Beamte zufrieden.
Er befahl dann, die Leiche nach der Kreisstadt zu bringen.
Ter Befund des Körpers bewies, daß der Stich mit dem dreikantigen Stilet die einzige Verwundung toai; mit sicherer Hand mußte der Mörder sein Opfer getroffen haben.
Ter Vorfall erregte das größte Aufsehen. Von nah und fern strömten die Menschen herbei. Ribaje- doff legte Beschlag auf die Papiere des Verstorbenen Er forschte in Swerjefss Schreibtisch nach, aber außer einigen unbezahlten Rechnungen fand er nichts. Schon wollte er das Suchen als vergeblich aufgeben, da sah er ein zerknittertes Blatt, es hatte sich in der Schieb- lade festgeklemmt. Vorsichtig zog der Untersuchungsrichter das Papier hervor. Es mußte das Konzept zu einem Briefe sein. Mit Bleistift standen einige Zeilen hingeworfen. Doch fiel es schwer, die schlechte Handschrift zu lesen. Nach einiger Mühe gelang es Alexander Feodorowitsch dennoch.
„Ilja Georgewitsch," las der Beamte, „ich muß Sie in einer für Sie wichtigen Angelegenheit sprechen. Wände haben Ohren, deshalb erwarte ich Sie heute abend um %11 Uhr im Walde, der zwischen Blagotir und Latwilischki liegt, beim schwarzen Teich.
Wagen Sie nicht abzusagen, die Folgen fielen auf Sie zurück.
Roman Romanowitsch Swerjeff.
Latwilischki am 10, April 1901."
lichststarkvertreten ist, um auf die preußische Regierung einen Druck im Sinne seiner Wünsche und damit indirekt auch auf die deutsche Reichspolitil! ausüben zu können. Dieser Aufgabe kann das Zentrum um so nachdrücklicher gerecht werden, je mehr es eine größere Stimmenzahl auch bei den diesjährigen Landtagswahlen aus sich bereinigt.
Bei den Urwahlen muß jeder Zentrums- mann zur Stelle sein!
K Das „angriffslustige" Deutschland.
In Frankreich und auch bei den russischen und englischen Franzoienfreunven wird immer wieder Deutschland als Störenfried und Herausfor« derer hingestellt. Das deutsche Reich ist die gierige Spinne, die lauernd inmitten des Rehes sitzt, um im gegebenen Falle über die arme Fliege herzufaüen.
Em deuticheS Blatt meinte bei der Besprechung der Berner Zusammenkunft, die erste und entschei- vende Aufgabe der Friedensfreunde sei, die Nachbarn davon zu überzeugen, daß Deutschland nicht an« griffstustig sei.
Gewiß, es wäre sehr schön und heilsam, wenn wir diese Verwundung Deutschlands unschädlich machen und die abergläubische Furcht vor der deut chen Angriffslust austreiben tönnten. Aber rote soll en wir das machen?
Durch Beteuerungen unserer Friedlichkeit und Freundlichkeit? Ach, was können die schönen Worte helfen, wenn sogar die tatsächlichen Proben der Friedlichkeit, die wir seit 42 Jahren fortgesetzt abgelegt haben, wirkungslos bleiben?
Tatsachen beweisen, sagt man gewöhnlich; doch die Erfahrung zeigt nur zu oft, daß gegen die politischen oder konfessionellen Vorurteile auch die gewichtigsten Tatsachen nicht aufkommen können. Deutschland hat in dieser Beziehung ein ähnliches Schicksal zu tragen, wie der Katholizismus: sie werden gescholten und verfolgt von denselben Leuten, die sich über die „Anmaßungen, Kampfgelüste und Herrschsuchtbestrebungen" ihrer geduldigen Opfer nicht laut genug „entrüsten" können. Das konfessionelle Lamm und das politische Lamm, sie sind stets der Wassertrübung schuldig, auch wenn sie unten am Bache stehen.
42 Jahre lang ist Deutschland, nachdem es einen unerhörten Kriegserfolg errungen hatte, ein Muster der Friedlichkeit geblieben. Wenn das nicht genügt, dem fehlt entweder der Verstand oder der gute Wille.
Aber Tanger und Agadir! — werfen die Gegner ein. Jawohl, diese Zwischenfälle zeigen gerade recht deutlich, auf welcher Seite die friedensgefährliche Begehrlichkeit sitzt. Nicht Deutschland wollte etwas erobern, sondern Frankreich wollte Marokko einstecken, ohne sich um die Vertragsrechte und die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands zu kiimmern. Also Frankreichs Begehrlichkeit gab Anlaß zur Spannung, und wenn schließlich Frankreich doch das begehrte Land erhielt gegen einige Freihandelsklausen und etwas Kongoland von zweifelhaftem Werte, — so ist dieser friedliche Ausgang der Krisis ein schlagender Beweis für die deutsche Geduld und Bescheidenheit.
Mit beruhigenden Beteuerungen und freundlichen Gesten haben wir es gegenüber Frankreich auch schon versucht. So sehr, daß sich in Deutschland selbst zahlreiche Stimmen erhoben, die vor dem „Nachlaufen" und dem „Aufdrängen der Freundschaft" ernstlich warnten. Die Warnung war berechtigt; denn all' das Liebeswerben hat keinen Nutzen gebracht. Im Gegenteil, die Annäherungsversuche wurden drüben bald als Hinterlist, bald als Schwäche gedeutet, und das Ende vom Siebe war die Steigerung des Mißtrauens und der Revanchegelüste.
Das Datum stimmte mit dem Verschwinden Swerjefss.
Ribajedoff wollte das Haus des Ernwrdeten ber- lasten, da sah er einen Wagen vorfahren. Es war Wladimir Boristowitsch, der alte Fürst Arbutin. Er hatte gehört, daß der Untersuchungsrichter in Latwilischki war und wollte näheres erfahren.
Arbutin stellte sich vor.
„Es ist mir sehr angenehm, Sie hier allein zu sprechen," sagte Ribajedoff. „Darf ich Sie um einige Auskünfte über die Person des Herrn Ilja Georgowitsch Soltjakoff bitten, kennen Sie ihn?"
„Gewiß, er ist mein Nachbar, ich kann sagen, mein Freund."
„Und was halten Sie von ihm?"
Lauernd prüften die stechenden Augen des Kriminalbeamten das Gesicht des Fürsten.
„Soltjakoff ist ein durch und durch vornehmer, edler Mensch", versetzte Arbutin warm.
„So — hm! Haben Sie ihn kürzlich gesehen?"
„Zu Ostern. Augenblicklich ist er mit seiner Tochter auf einige Tage in das Tabowsche Gouvernement gereift, er wird aber heute zurückerwartet."
„Das ist gut; ich habe mit ihm zu sprechen."
„Degen des Mordes von Roman Romanowitsch?". fragte Arbutin erstaunt, „was sollten Sie önst mit ihm zu verhandeln haben?"
„Gerade darüber. Haben Sie an Soltjakoff eine hier seltene Waffe bemerkt?"
„Allerdings em Stilet mit dreikantiger, haarschar- er Schneide."
„Ich dachte cs, nachdem man diesen Brief gelesen. Bitte, tun Sie es mich "
Der Fürst gehorchte.
„Seit dem JO. April abends ist Swerjeff vermißt worden."
<0" in undenkbar!" rief Arbutin, „Sie halten b. ■ '• S jtjakoff für den Mörder?"
„Im tlö.p.'i der Leiche steckte das Stilet. Es war mitten durch das Herz gegangen; er muß eine sichere Hand haben. Bemerkten Sie es nicht vielleicht früher selbst?"
Wollen nun die Herren von Bern einen neuen Versuch machen, den Aberglauben von dem „angriffslustigen Deutschland" auszurotten, so begleiten wir sie mit unfern Wünschen, aber nicht mit unfern Hoffnungen. Die Leute, die in Frankreich den Ton angeben, wollen nicht belehrt und bekehrt werden." Sie brauchen das fortbestehende Märchen von der deutschen Angriffslust und Kriegssucht, — weil sie selbst auf eine Verbesserung der Kriegsergebnisse von 1870 spekulieren.
Darum dürfen wir uns nicht auf Reden oder Resolutionen verlassen, sondern muffen unsere Wehrmacht so stark machen, daß weder die chau- vinistischen Franzosen noch die panslavistischen Russen sich an Deutschland herantrauen. Diese Rüstungslast kann erst dann gemildert werden, wenn die Franzosen voll und ganz den Frankfurter Frieden an. erkennen und Rußland auf das deutschfeindlich: Bündnis mit Frankreich verzichtet.
Die Formel von Status quo (Aufrechterhaltung des Besitzstandes) hat neuerdings an Ansehen verloren; aber für Mitteleuropa ist nach wie vor die ehrliche Anerkennung des Besitzstan- d e s die einzig richtige Grundlage des Friedens. Deutschland ist friedlich, weil es nur behalten will, was es hat.
deutsches Reich.
r Berlin, 14. Mai 1913. Der Geh. Oberregte« rungsrat und Vortr. Rat im Reichsamt des Innern, Müller, ist zum Direktor der wirtschaftlichen und handelsvolitischen Abteilung deS Reichsamtes unter gleich,eiliger Ernennung zum preußischen stellver« tretenden Bevollmächtioten zum BundeSrat ernannt worden. — Der.Staatsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend das Schlepvmonopol auf dem Rhein-Weser-Kanal und dem Lippe-Kanal. — Die Vorberatungen über ein neues Po st abkommen zwischen Deutschland und Oefterreich-llngarn sind, Blältermeldungen zufolge, beendet. Die Beratungen waren dadurch notwendig geworden, daß der bestehende Poftvertrag vom Jahre 1872 kürzlich von der österreich-ungarischen Regierung gekündigt ift.
4- Keine neue Wahlrecht-Vorlage in Preußen. Eine Nachrichtenstelle bestätigt unsere Bermutuno, daß die Blätiermeldung von einem Hinweis der Thronrede zur Landtagseröffnung auf eine neue Wahlreform erfunden ist. Ob die Thronrede eine neue Wahlreform ankündigen werde ober nicht, sei bisher selbst den Nächstbeteiliglen nicht bekannt: jedenfalls solle vermieden werden, einen neuen Wahlrechtsentwurf einzubringen, ohne daß in der durch die Landtagswahlen geschaffenen parlameMarüchen Lage eine Gewahr für seine Annahme geboten sei. — Tas entspricht durchaus der bisher von der preußischen Regierung eingenommenen Haltung.
* lieber die Einsuhr von Futtermitteln aus unseren Kolonien rote die,Voss. Zig/ erlährt, bei dem R ichs- kolonialamt eine Konferenz vorbereitet. Von beton« derer Bedeutung ift hierbet die Frage eines Ersatzes lüt die russische Futtergerste durch Einführung der Sorgumhirse.
* Tas wiederholte Ueberfliegen der Grenze durch deutsche Luftfahrt-Offiziere hat nach einer Straßburger Meldung den Erlaß eines neuerlichen strengen Verbotes durch die vorgesetzte militärische Instanz zur Folge gehabt. Es ist darin allen Offtiieren ohne Ausnahme zur Pflicht gemacht, unter keinen Umständen die Landesgrenze zu überfliegen. Jede Zuwider« Handlung, gleichgültig, auf welche Umstände solche zurück,usühren ift, wird mit einer Mindeftstrafe von 14 Tagen Stubenarrest bedroht.
* Weilburg, 14. Mai 1913. Der christlichsoziale Reichslags-Abgeordnete Behrens, der im Landtags« Wahlkreiie Weilburg-Usingen tüt den Bund der Landwirte und B e christlicl'soztale Partei kandidiert, hat
„Allerdings — einmal auf der Jagd," stammelte Wladimir Borissowitsch.
„Erzählen Sie mir davon."
„Soltjakoff tötete einen Wolf, indem er dem Raubtiere eben dieses Stilet genau ins Herz stieß. Wir bewunderten sein sicheres Auge und seine feste Hand."
Ribajedoff machte sich einige Notizen, dann fuhr er fort:
„Ist es Ihnen bekannt, daß sich Swerjeff und Soltjakoff schlecht standen?"
„Es schien keine große Sympathie zwischen ihnen zu herrschen; die Ursache glaube ich zu erraten."
„Und die wäre?"
„Roman Romanowitsch bewarb sich um die Hand der einzigen Tochter Svltjakoffs unb der Vater der jungen Dame sah es ungern; er machte keinen Hehl daraus."
„Ich bitte Sie, mich nach Blagotir zu begleiten," sagte der Untersuchungsrichter sehr ernst.
Die beiden Herren fuhren in dem Wagen Arbutins fort.
Ilja und Daisy hatten einige Besuche int benachbarten Gouvernement gemacht. Bor einer Stunde erst zurückgekehrt, erzählte ihnen der Diener Iwan sofort, was sich in ihrer Abwesenheit zugetragen hatte. Soltjakoff verfärbte sich sichtlich, was Iwan auffiel.
„Mein Gott," dachte er, „der Herr scheint etwas zu wissen."
Ein Wagen fuhr vor das Haus. Es waren der Fürst und Ribajedoff; sie fliegen aus. Ilja kam chnen im Flur entgegen.
„Willkommen Wladimir Borissowitsch," sagte er herzlich und streckte ihm die Hand entgegen.
Ilja stutzte, als er genauer in des Freundes Geich! sah.
„Was gibt es?" fragte Soltjakoff, dem es wie eine böse Vorahnung übers Herz kroch.
Ribajedoff trat vor.
„Ich bin der Untersuchungsrichter und bitte Sie, mir zu folgen," sagte er energisch.
„Warum?" rief Ifta.
Sie find des Mordes an Roman Romanowitsch
gestern in einer Versammlung in Usingen erklärt, daß er im Falle feiner Wahl mit den anderen von der Wirtschafll. Vereinigung aufgestellten Abgeordneten eine eigene Fraktion bilden werde, und zwar die Wirtschaftliche Vereinigung im Abgeordneten« hau e. Er trete nicht der konservativen Partei bei, auck nicht als Hospitant.
# Karlsruhe, 14. Mai 1913. Die Drohung in der wzialdemokratischen,Volksstimme", daß in Bade n an einen Rotblock im zweiten Wahlgang gar nicht mehr zu denken sei, wenn der Block zwischen National- liberalen und Freisinnigen ohne Sozialdemokraten im ersten Wahlgang so durchgesührt würde, wie die nationalliberale Presse zu berichten wußte, hat seine Wirkung, wie vorauszusehen war, nicht verfehlt. Die ,$olt§ftimme' ist in der Lage, zu melden, daß erneute Verhandlungen zwischen der liberalen und der sozialdemokratischen Partei stattgesunden haben, die zur Folge haben würden, daß der liberale Block nicht so, wie zuerst berichtet, zu stände kommen werde; eine gemeinsame Aktion der Liberalen und Sozialdemokraten gegen das Zentrum sei keineswegs ausaeschlossen. Also nur kaltes Blut: es wi>d schon alles ins Blei kommen. Wenn auch ein Rolblock für den ersten Wahlgang nicht mehr zu stände kommen sollte, man wird doch li-bevoll Rücksicht aufeinander nehmen und gewissermaßen gegen das Zentrum zu Felde ziehen. Es wäre auch zu intereffant gewesen, wenn die nationalliberalen Fähnlein unter Führung des Großblockhosrats Rebmann mit „gvmmiger Wucht" gegen die Sozialdemokraten — angestürmt wären, denen sie dann im zweiten Wahlgang liebreich die Hande reichen wollten.
* Stuttgart, 13. Mai 1913. Auf der heutigen Landesversammlung des württembergiichen Volks« schullehrer-Vereins, an der 1500 Lehrer aus allen Teilen des Landes teilnabmen, forderte der protestantische Mittelschull hrer Reichert (Stuttgart) eine vollständige Trennung von Kirche Unb Staat nach dem Vorbilde Frankreichs. Statt des Religions-Unterrichtes sollte eine.Religionskunde" gegeben werden. Den Geistlichen sollte die Schule wie in Nordamerika verschlossen fein. — Ter Ver« sammlung wohnten auch mehrere sozialdemokratische Abgeordnete an, aber auch der Leiter des evangelischen Oberschulrates, Direktor v. Hieber.
Ausland.
** Staatssekretär von Jagow in Wien. Staatssekretär v. Jagow ist gestern früh in Wien ein getroffen. Vormittags machte er Besuche. Die Blätter begrüßen den Staatssekreär v. Jagow als hochwillkommenen Gast, der der herzlichsten Aufnahme sicher fei. Mittags fand bei dem deutschen Botschafter ein Frühstück statt. Alsdann stattete Sraatssekretär v. Jagow dem Grafen Berchtold einen Besuch ab und wurde um 2 Uhr vom Kaiser empfangen und hatte dort eine halbstündige Audienz. Nach derselben konferierte Jagow nochmals anderthalb Stunden mit dem Grafen Berchtold. Der Kaiser verlieh Jagow das Großkreuz des Leopoldordens.
△ Der österreichische Katholikentag. Die „Reichs- Post" hat das Programm für die Tagung der österreichischen Katholiken, die vom 15.—17. August in Linz ftattfinbet, veröffentlicht. Auf der Tagesordnung stehen die Schulfrage, Organisation der katholischen Jugend, die katholische Presse, die Arbeiterfrage und "die Frauenfrage in ihrer Beziehung zur praktischen Organisation. Auch eine ganze Anzahl anderer wichtiger Punkte wird ihre Erledigung finden.
** König Alfons Pariser Besuch. Der unter dem Vorsitz des Königs abgehaltene spanische Ministerrat beschäftigte sich mit der Steife des Königs nach Paris, sowie deren Bedeutung für die internationale Politik.
dringend verdächtig. Haben Sie diesen Brief erhalten?"
Ribajedoff zeigte den Entwurf von Swerjefss Schreiben.
„Ja, das habe ich"
„Sind Sie der Aufforderung gefolgt?"
„Ja." Fast tonlos fiel das Wort von Svltjakoffs blaffen Lippen.
„Befaßen Sie ein Stilet, eine gefährliche Waffe^ mit drei scharfen Kanten und einem silbernen Griff?"
„Ja, aber ich habe sie im Rosmarischeffschen Walde auf der Bärenjagd verloren."
„So? Nun, warum sprachen Sie nicht über Ihren Verlust? Weshalb stellten Sie nicht gleich Nachforschungen an?"
Die stechenden Blicke des Untersuchungsrichters bohrten sich förmlich in das totenblasse Antlitz Iljas.
„Ich erwähnte den Verlust nicht aus Zartgefühl für den Fürsten. Ich glaube, ich muß das Stilet verloren haben, als ich auf den Baren zusprang, der Arbutin zerreißen wollte. Es hätte Wladimir Borisso< witsch peinlich sein können, daß ich die Waffe einbüßte, als ich fein Leben rettete. Später sagte ich mir, das einer der Bauern wohl das Stilet gefunden und behalten hatte"
„Äloch eine Frage habe ich an Sie, ehe wir nad K. aufbrechen. Welchen Rock trugen Sie am Abeni. des 10. April? Ich bitte, ihn mir zu zeigen."
„Iwan, bringe meinen Jagdrock her!" befahl Ilja.
Ter Diener gehorchte.
Eine peinliche Pause entstand.
„Hier," sagte Soltjakoff, das Kleidungsstück dar- reichend.
„Es fehlt ein Knopf," bemerkte Ribajedoff. „Wissen Sie, wo Sie ihn verloren haben?"
„Nein wie sollte ich mich dessen erinnern."
„Sie sollen es morgen erfahren; bitte folgen Sie mir letzt. Ihr Diener kann Ihnen die nötigen Sachen heute abend bringen."
Daisy war erschreckt eingetreten.
ßortiefeutto io lat)