Zuldaer Zeitung
Kleines Feuilleton
Das Schiff ist mit Appa. legraphie für weite
Ferne 'strebe Leister-
Leiche weist keinerlei Strangulationsmerkmale ES wurde festgestellt, daß der Junge mit Kopf nach unten in daS Wasser geraten ist. vorgefundenen Verletzungen am Kopfe dürsten
und erhängte sich ein 14jähriger Knabe. Ein 13- jähriger Knabe hatte ein Loch in eine Serviette gemacht und erschoß sich aus Furcht vor Strafe. Ein anderer batte sein Schwesterchen hart geschlagen und erhängte sich darauf. Ein 9jähriger Knabe hatte eine Fensterscheibe eingeschlagen und stürzte sich deshalb durchs Fenster. Eine Reihe von Kindern beschloß zu sterben, weil sie in der Schule eine schlechte Zensur erhalten hatten. Der Tod der Eltern oder Geschwister, der Verlust eines Messers, alles das sind Ursachen
Situation nicht dadurch, daß e8 nach einem bei ihm beließen Fechterkunststückchen versucht, die Aufmerk- samkeit von der sizilischen Verleumdung auf irgend eine Schlechtigkeit, die die ,Fuld. Ztgck begangen haben soll, abzulenken. Es will da Anstoß an einem von uns mitgeteilten Reichsgerichtsurteil genommen haben. Das .Kreisblattt stelle sich doch nicht so ein- faltig an. In unserer Darlegung jenes Rechtsstreite? ist eine ernste Sache in durchaus ernster Weise be- bandelt worden. Da? ,Kreisblattt kann nickt ver- lonaen, daß wir ihm zu Liebe den Tatbestand ändern und damit die rechtliche Seite deS Falles verschieben. Die »Entrüstung* glaubt dem ,Kreisdlattt ja kein Mensch. Ebensowenig wie ihm jemand, der die ,Fuld. Ztg/ gelesen hat, glaubt, wenn es erzählt, wir wären »wutschnaubend vor sittlicher Entrüstung* über eS hergefallen. Dummes Zeug! Nicht ein Wort der Kritik haben wir an das KreiSblatt verschwendet. Das war ja auch aar nickt nötig. Wir haben lediglich festgestellt, daß das ,KrsiSblaltt wie auch andere Blätter eine Meldung verbreitet habe, die eine grobe »antiklerikal«* Verleumdung enthält. Das war unser Recht und unsere Pflicht. Wenn daS Blatt jemanden nötig hat, der ihm sein Verhalten noch näher charakterisiert, dann möge es sich doch an seinen jüngsten Setzerstift wenden. Der kann daS schon besorgen.
Q Die Aussichten für die Obsternte sind in unserer Gegend ''heraus gön^tq, das konnte man bei Spa,iergä"gen an den verflossenen Feiertagen vielfach feststellen. Besonders die Apfelbäume stehen im herrlichsten Blütensckmuck und versprechen eine 'ehr reiche Ernte. In den Gärten neigt sich das Beerenobst sckon zur Erde, so schwer beladen sind die Sträucher mit gut entwickeltem Fruchtansatz. Auch die tzeidelbeersträucher in den Wäldern blühen schon an sonnig gelegenen Stellen und auch hier sind die Aussichten gut.
L Eine Kreuzotter wurde gestern nachmittag im Niesigerwalde von Herrn Schneidermeister Klug hier erlegt. Das Tier mißt etwa 60 Zentimeter.
* »Rund nm Spessart und Rhön*. (318,6 km3 Bei der am 1. Feiertag ausgetraaenen Raddauerfahrt, »Rund um Spessart und Rhön*, hat Hans Ludwig-Soflenheim in 13 Stunden 18 Minuten 50 Sekunden als Erster das Ziel erreicht, al? Zweiter der Südafrikaner Louis Lewis, als Dritter Rudolf Kotsck-Kpritz. Der Regen machte sich bei den Radfahrern unangenehm bemerkbar. Mancher von den Fahrern gab unterweas die Tour aus. Einige erlitten unterwegs kleine Unfälle.
p. ftußballiport. Die erste Mannschaft des 1. Fuldaer F. C. »Borussia* e. B. weilte zu Pfingsten im Rheinland und spielte am ersten Feiertag gegen Velberter F. C. 02, wo sie salleidingS mit nur zehn Mann) 2:3 unterlag. Am zweiten Feiertag wurde in Köln gegen die dortige »Spielvereinigung" mit dem gleichen Resultat gespielt; indes muß dabei berücksichtigt werden, daß Borulsia kurz nach Halbzeit nur noch acht Mann im Felde hatte. Das Spiel war auf 3 Uhr festgeseht, wurde aber unerklärlicherweise erst um 4Vi Uhr begonnen. Durch diesen verspäteten Beginn mußten drei Spieler BorussiaS während des Spieles austreten, um den Abendzug noch zu erreichen.
Xus u. bett Hess, »entfern.
♦ Marburg, 13. Mai 1913. Am 9. Juni beginnt hier eine Schwurgerichtsperiode. Zum Vorsitzenden wurde Landgerichtsrat Tilemann gewählt.
» Frankenberg, 13. Mai 1913. Am 1. Pfingsttage war eine Frau von hier mit ihrem H/2 Jahre alten kranken Kinde zum Arzte geeilt. Als sie dort ankam, konnte der Arzt nur den unterwegs erfolgten Tod durch Gehirnschlag feststellen.
[:J Neustadt, 13. Mai 1913. Sicherem Vernehmen nach stößt die projektierte Erhöhung unseres Kirchturmes seitens der Kgl. Regierung auf Schwierigkeiten. Fundament und Unterbau würden in ihrem jetzigen Zustande eine Erhöhung nicht vertragen. Namentlich die Ausbildung des Turmhelmes nach dem Projekt des Architekten Marschall würde solche Uebelstönde Hervorrufen. Eher geeignet fei das frühere Projekt des Baurats Güldenpfennig, welches einfache Formen aufweise. Vom Standpunkte der Denkmalpflege habe ebenfalls der Bezirkskonfervator Dr. von Drach, sowie die „Ortsgruppe des Bundes Heimatschutz zu Marburg" Bedenken gegen eine Veränderung des jetzigen Stadtbildes geäußert.
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.«nnvoch (4. Mai 1915.
demnach daraus trtläten, daß der Junge mit Kopf gegen feste Gegenstände aus dem Grunde des
Weihers stieß. Die Leiche muß schon seit dem 2. Mat
2. Blatt.
Druck der §uldaer »ctienbruderei in Selbe.
gang ... . ,
Kapitän Scott lag auf seinem Rücken, friedlich, als ob er schliefe. Er lag nicht in fernem Schlafsacke. Die Körper Dr. Wilsons und Leutnant Bowers dagegen ruhten in ihren Schlafsäcken, und eS schien, als habe sie Kapitän Scott, der augenfdY- als letzter starb, noch sorgsam eingchüllt und .eckt. Leutnant BowerS lag auf einer Seite, genau, als schlief er nur. Dr. Wrlfon saß in halb zurückgebeugter Stellung, den Rücken gegen die innere Zeltwand gelehnt, so daß er uns das Gesicht zuwandt«, als wir
— Ein »Museum für kindliche Selbstmörder*. DaS schreckliche Ueberhandnehmm von Kinderselbstmorden hat den Professor Chopotinin in Moskau veranlaßt, di« Beweggründ« dafür näher zu erforschen und alles, was über daS seelische Leben deS Kindes Auskunft geben könnt», in einer Art Museum zu sammeln. Besonder? werden hier alle Dokumente festgelegt, die uns die Zwangsvorstellungen erklären, unter denen sich die Kinder befinden müffen, um den Gedanken an dm Tod so weit nachzugehen, daß fie ihrem Leben ein Ende machen. In der Hauptsache handelt es sich dabei natürlich um die Abschiedsbriefe, die meist recht kindlichen Charakter haben, fehr oft aber auch von einer tragifchen Größe find, die man einem so jugendlichen Alter kaum zutrauen sollte. Hierzu gehört vor allen Dingen ein Fall, in dem ein zehnjähriger Knabe seiner Mutter schreibt, daß »er sich bas Leben nehme, weil er den Anblick des beständig schwer betrunkenen VaterS nicht mehr ertragen könne. Seine Siebe und feine Ehrfurcht vor seinem Vater feien dahin, und darum müsse er sterben.* Die kindlichen Tragödien haben die verschiedensten Ursachen. Schlechte Behandlung, Furcht vor der Strafe, Verzweiflung über schlechte Erfolge in der Schule, der Spotr der Kameraden, unglückliche Liebe (!) — das sind die Hauptbeweg- gründe zur Verneinung deS Willens zum Leven. »So kann man nicht leben", schreibt ein Knabe, ähnlich wie die Erwachsenen es tun, und fügt hinzu, wer feine Jacke und fein Spielzeug erben soll. — Ein kleines Mädchen ermordet sich nach dem Tode der Mutter und fordert in einem Zettel »den Vater auf, ihr zu folgen*. — Das Alter der jugendlichen Selbstmörder beginnt mit 31/» Jahren. So alt war ein Knabe, der sich erhängte. (!) Ein Knabe von .5 Jahren erhängte sich, als er-vorn Vater bestraft '»ar. AuS bemfelbm Grunde tötete sich ein 13jähriger
totales.
Fulda, 14. Mai 1913.
Eine Wählerversammlung der Zentrumspartei findet heute abend 8y2 Uhr in der Harmonie statt. Es ist der letzte Appell vor der Wahl, dem kein eifriger Zsnttumswähler fernbleiben darf.
# Verliehen wurde dem Silberarbeiter Kniest in Raffel daS Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichms.
# Personalien. Provinzial-Schulrat Leist, dem seither die Lehrerseminare und Präparanden-Anstalten unserer Provinz unterstellt waren, ist als Vortragender Rat in daS Kultusministerium berufen worden. — Durch Beschluß des Landesausschuffes wurde der Bureaugehilfe Franz Latsch zum etatsmäßigen Bureau- und Kaffengehülfen hei dem Leih- und Pfand- Haufe Fulda angestellt.
E Leichenschau. Die gestern mittag von */sl2 Uhr an durch den Rreiäarjt Geh. Medizinalrat Dr. Marx erfolgte eingehende Besichtigung der Leiche des Hans
im Wasier gelegen haben. Sie wurde zur Beerdigung freigegeben.
•4- Ucbcrsall. Ein gemeines Verbrechen, wie es ttn stillen Fuldaer Lande kaum denkbar ist und schwerlich bei uns Glauben gefunden hätte, wenn es uns nicht einwandfrei verbürgt worden wäre, wurde in der Nacht zum Dienstag zwischen 2 und 3 Uhr aus der Landstraße von Großenlüder nach Oberbimbach ausgeführt. Der 'Handelsmann W i n g e s von hier kam mit seinem Geschirr, auf dem sich außer ihm noch eine etwa 50jährige Frau und ein 17jähriger Junge von hier befanden, von einer geschäftlichen Fahrt zurück, als plötzlich an der bezeichneten Stelle vier maskierte Personen gleichzeitig auf das Geschirr eindrangen, es zum Stehen brachten, die Laterne herunterrissen und wegschleuderten. Während dann einer der Räuber mit einer in der Dunkelheit nicht erkannten Waffe sich vor Winges hinstellte und ihn unter Bedrohung an jeder Bewegung und gleichzeitig den Jungen am Schreien hinderte, riflen die anderen Unholde die Frau vom Wagen und taten ihr Gewalt an. Die erkannten Banditen, die aus Großenlüder stammen, wurden zur Anzeige gebracht. Hoffentlich wird ihnen eine Strafe zudiktiert, die allem derartigen Gesindel als abschreckendes Beispiel dient.
zum Selbstmord aewesen.
— Der Eisberg-Jäger. Die Katastrophe der „Tftanic" hat bekanntlich den seefahrenden Nationen den Plan nahegelegt, auf gemeinsame Kosten eine Ueberwachung des Nordatlantischen Ozeans zur Feststellung der Lage und des Zuges von Eisbergen ein» zuführen, um die Wiederholung eines so furchtbaren Unglücks zu verhindern. Es wurde auch berichtet, daß England, das ein besonderes Jnteresie an dieser Frage, einen Anfang zur Lösung dieses Problems gemacht hat, indem es ein für den Widerstand gegen Eisdruck geeignetes Schiff in eine schwimmende Beobachtungsstation verwandelt hat. Ueber dieses Schfff, das vor einiger Zett von Dundee abgefahren ist, werden in der „Nature" einige nähere Angaben gemacht: Die „S c o t i a", das Schiff der schottischen Südpolarexpedition von 1903, hat 357 Tonnen und fährt unter Dampf 7 Knoten, bei Unterstützung durch günstigen Wind 10 Knoten. Das Schiff ist mit Appa- raten für drahtlose Telegraphie für wette Entfernungen ausgerüstet, so daß es mit den Statto- nen von Neufundland und Labrador in Verbindung treten kann. Zu seiner Besatzung gehören ein Hydro- graph, ein Meteorologe und em naturwissenschaftlicher Forscher. Mehrere Laboratorien, darunter eine? für Meeresbiologie, sind an Bord eingerichtet. Das Schiff führt Flugdrachen mit sich, die Instrumente zur Untersuchung der Luftströmungen und atmosphärischen Erscheinungen mit hochheben sollen. Es wird das erstemal sein, daß in diesem Teile des Atlantischen OzeanS derartige Untersuchungen ange»
teilt werden. Zu den Aufgaben, die für das Arbetts- eld des Schiffes gesetzt worden sind, gehört eS auch, )en Einsturz der Eisberge genau zu beobachten, die Zeit zu bestimmen, in der die Auflösung beginnt, und die Richtungen festzustellen, in denen die Eisberge sich bewegen. Die Beobachtungen, die auf der „Scotia" gemacht werden, sollen durch drahtlose Telegraphie an die Landstationen weitergegeben werden, um den großen Schiffsgesellschasten zu ermöglichen, die Reiselinieu ihrer Dampfer je nach den Eisverhält- Nissen des Ozeans zu bestimmen.
— Wie der Südpolsorscher Scott gefunden wurde. Der junge norwegische Leutnant Crau, der an dem Zuge jener Expeditionstruppe teilnahm, die inmitten des ewigen Eises des Südpols die irdischen Ueber- reste des Kapitäns Scott und seiner Kameraden, des Dr. Wilson und des Leutnants Bowers auffand, hat jefet in Winnipeg dem Korrespondenten eines engli- schen Blattes geschildert, wie man die unglücklichen Helden des Südpols tot in ihrem Zelte fand. „Friedlich und erst war der Abschluß unserer Wanderung," so erzählte Crau. „Wir erreichten die Zelte, in denen die Leichname ruhten. Alles war still. Der Schnee hatte sich rings um das Zelt hoch aufgetürmt, und irgend etwas sagte uns, daß es mit unseren Kameraden zu Ende sei. Das Herz zog sich uns zusammen. Leutnant Wright, der Kanadier, der unsere Abteilung führte, näherte sich dem Zelte als erster und hob langsam die Klappe empor. Wir folgten, auf das Schlimmste gefaßt. So bildete sich vor dem Zeltein- gang eine kleine Gruppe. Und bann sahen wir sie.
.!. Jubiläumsfeier. Wie seit Jahren üblich ist, kamen auch in diesem Jahre am zweiten Pfingstfeier- tage diejenigen Herren, welche vor 25 Jahren das hiesige König!. Lehrer-Seminar verlassen haben, zur gemeinschaftlichen Feier ihres 25jährigen Dienstjubiläums zusammen. Für fünfzehn junge Leute öffneten sich im Jahre 1888 die Piorten des Seminars. Hoff- nttngssroh und erfüllt mit hohen Idealen traten sie hinaus ins Leben, um in dem zwar fckönen, aber auch arbeitsreichen und schweren Berufe eine? Volks- schullehrers zu wirken. In alle Weltgegenden wurden sie zerstreut; drei gingen nach dem fernen Osten, andere nach Naffau, Rheinland, Westfalen und dem Großherzogtum Hessen, nur wenige wirken heute noch in ihrer engeren Heimat. Zwei deckt bereits der grüne Rasen und einer war durch Krankheit verhindert zu erscheinen. Alle übrigen fanden sich am Psingstmontag im Parkhotel zusammen und feierten ein fröhliches Wiedersehen. Es waren die Herren Grün und Hain- Großauheim, Jacobi und Kempf «Kaffe!, Kraiger-Mühlheim (Ruhr). Speldorf, Lei st er-Barsch, L e n t s ch - Würselen bei Aachen, Link-Harheim b.Frankfurt a. M., Schä^er- Dellbrück bei Köln, Schleicher! und Franz Schmitt-Fulda, Se lz er-Osterspai a. Rhein. Zahtteiche Damen und Herren aus Fulda und Umgebung hatten der Einladung zu dem von dem vor- bereitenden Komitee veranstalteten Familien- Abend Folge geleistet. Herr Franz Schmitt bot den Erschienenen herzlichen Willkommen und de- grüßte insbesondere seine zum Teil aus west ~ herbeigeeilten Klassenbrüder. Die eigentliche hielt Herr Rektor I a c o b i, der in bekannter schäft seine Ausgabe löste. Er entwarf in vollendet schöner Weise ein Bild der Entwickelung auf literarischem und schulpolitischem Gebiete während der verflossenen 25 Jahre und endete mit einem Hoch aus den Lehrerstand. Im Namen der erschienenen Gäste dankte Herr P. Schmitt den Jubilaren für die Einladung und die freundliche Begrüßung und entbot ihnen herzl. Glückwünsche. Herr Seminarlehrer
eintraten. Auf seinen Zügen lag die Spur eines schwachen Lächelns, es war so, als müsse er im näch^ sten Augenblick aus seinem gesunden Schlafe toieber erwachen. Wie oft hatte ich auf feinem Gesicht dem gleichen Ausbruck gesehen, morgens, wenn er erwachte! und stets in bester Laune war. Dieser Anblick jetzt traf uns ins Herz, und fchweigend standen wir im Angesicht des Todes. Als wir dann die Ausrüstungen und Aufzeichnungen Kapttän Scotts aufgenommen hatten, betteten wir die Körper nebeneinander und sprachen über ihnen das Totengebet. Dann ereifern« ten wir die Pfosten aus dem Zelte, bedeckten die Körper mtt der rauhen Leinwand und darüber errichteten wir einen 5 Meter hohen Hügel aus Eisstücken und Schnee. Zwei Schneeschuhe banden wir fo übereinander, daß sie ein Kreuz bildeten, und dieses, Zeichen setzten wir auf jenen Totenhügel, als eine" letzte Erinnerung an die Dahingeganaenen. Dort, wo sie fielen, haben wir sie gelassen. j
— Was ist Talmi? „Das ist doch nur Talmi," hört man häufig sagen. Daß der Name ursprünglich die Bezeichnung für eine Goldnachahmung ist, wirb wohl auch jeder wißen, aber darüber hinaus wirb bie. Kenntnis weitaus der meisten nicht gehen. Der Name Talmi für eine Goldimitation, eine mit einer dünnen Goldschicht überwalzte Kupfer- und Zinnlegierung, ist vom Namen des Pariser Erfinders Tallois abgeleitet. Wie Alfred Schirmer nun in der „Zeitschrift für deutsche Wortforschuna ausfuhrt, kommt Talmi von „Tal. mi = or , der seuierzett im Handel üblichen Abkürzung für das neue Produkt, und bedeutet also „Talloissches Halb-Gold". Der übertragene Gebrauch, den die Bezeichnung Kaimt in Deutschland findet, geht schon auf die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zuruck. Seit de» neunziger Jahren ward bann ber Ausbruck „Talrntt zu einem allgemeinen Stichwort für allerlei unechte! unb halbschüriges Wesen.
— Schneidig. Schaffner: „Hier ist bie Notleine gezogen worben?" — Kadett: „Jawohl, sofort um- kehren! Bin in unrichtigen Zug e tage fliegen 1"
a. D. Wagner, der eimige noch in Fulda weilende der früheren Lehrer ber Jubilars dankte für die an ihn gerichteten Begrüßungsworte und beglückwünschte gleichfalls die Jubilars, in deren Namen Herr Kempf-Kaffe! Dankesworte an alle Erschienenen unb an die Redner des Abends richtete. Später feierte Herr Franz Schmitt insbesondere Herrn Jacobi, der durch seinen Vortrag und die von ihm gedickteten Singlieder, ganz '^sonders zum Gelingen des Abends beigetragen habe. Dieser hinwiederum sprach dem vorbereitenden Komitee für seine Bemühungen Anerkennung und Dank aus. — Gestern morgen 9 Uhr fand in ber Severikirche -in Dank- gottesdienst statt. Darauf besuchten die Jubilare die Gräber ihrer oerftorbenen Lehrer, um in dankbarem Gedenken Kränze nieberzulegen und für die Seelenruhe ber Entschlafenen zu beten. Um 1 Ubr vereinigten sich bie Jubilare zu einem gemeinschaftlichen Esten im Parkbvtel. Nack demselben unternahmen sie einen Spaziergang in die Umgebung. Für heute ist ein Ausflug in die Rhön vorgesehen.
8 Drahtlos. Heute vormittag wurde der zu Versuchszwecken der drahtlosen Zeittelegraphie eingetroffene 28 Meter hohe Eifenturm im Garten des Herrn Ingenieur Ferd. Schneider aufgerichtet. Diese Arbeiten vollzogen sich in nur knapp einer halben Stunde und erfolgten mittels eines sehr praktisch angelegten Hebelsystems unter Leitung des Herrn Maurermeisters Gregor Hau- tumm und Ingenieurs Ferd. Schneider. Eine große Anzahl Personen beobachteten mit großem Interesse diese Arbeiten von den umliegenden Straßen aus. Die Antenne zum Fernempfang wird in etwa 14 Tagen fertig gestellt sein, alsdann wird mit den Fernversuchen begonnen.
□ Schulanfang. Der Schulunterricht beginnt für alle Volksschulen ber Stadl wie gewöhnlich am Freitag Morgen. Den wahlberechtigten Lehrern wird dann von 10 Uhr ab Gelegenheit gegeben, ihr Wahlrecht auszuüben.
X Zur Landtagswahl. Aus Anlaß der Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause am 16. Mai hat die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. angeordnet, daß die am Montag ober Dienstag ben 12. bezw. 13. Mai 1913 gelösten A rbeiter - Rück- fahrkarten zur Rückfahrt auch am Donnerstag ben 15. Mai ober am Freitag den 16. Mai 1913 gelten, ferner daß Arbeiter-Rückfahrkarten ausnahmsweise auch am 15. ober 16 Mai 1913 verausgabt werben bürfett. Die Karten berechtigen zur Rückfahrt an einem beliebigen Tage in ber Zett vom 16. bis einfchl. 19. Mai. Außerdem ist angeorbnet worben, baß bie Gültigkeit ber Arbeiter-W ochen karten, bie am 15. ober 16. Mai nicht benutzt werben, sich um bie Zahl ber ausgefallenen Tage verlängert.
— Zurückstellung der Volksschullehrer vom Militärdienst. Auf Grund eines aus ber Provinz Hannover hervorgetretenen Streitfalles hat ber Minister entschieben, daß Volksschullehrer, soweit sie nicht im Besitz des Berechtigungsscheines zum einjährig-frei- willigen Dienst finit, nach Ablegung ber ersten Prüfung nur ausnahmsweise vom Militärdienste zurück- gestellt werden dürfen. Eine allgemeine Zurückstellung dieser Lehrer ist weder mit ber Vorschrift ber Kabinettsorder vom 8. Februar 1900, wonach ihre Einstellung in ben Militärdienst möglichst unmittelbar nach dem Seminarschlußtermin, stattzufinden hat, noch "mit ben militärischen Interessen vereinbar.
0 Ein gemeiner Schwindel. Zu der Schwinvelmel- bung aus Sizilien, wo ein katholischer Pfarrer einem Mädchen Gewalt angetan, es ermordet, in Stücke geschnitten und vergraben haben sollte, wird den »Pax-Jnsormationen" aus Messina bestätigt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Der Bürgermeister von San Mauro läßt öffentlich ertlören, daß in San Mauro niemand, weder von einem Priester, noch von einem Laien, vergewaltigt, ermordet unb in Stücken geschnitten wurde. Auch der »Zentralauskunftsstelle* wird geschrieben, baß die ganze Geschichte, soweit ein Geistlicher damit in direkter ober indirekter Verbindung stehen soll, glatt erfunden ist. ES handelte sich um einen Racheakt gegen den angesehene» und allgemein beliebten Pfarrer von San Mauro in Cefalu, der gegen die geheimen Wühlereien der Maffia vorgeht und deshalb keinen Augenblick vor Lügen und Verleumdungen, ja vor tätlichen Angriffen sicher ift. Die Frankfurter Rechtsschutzstelle für den kathol. Klerus ('Jliebenau 24) hat bereits Schritte unternommen, damit die Verbreiter der Verleumdung in Deutschland zur Rechenschaft herangezogen werden. — Das ,Fu!daer Kreisblattt, das die Verleumdung ebenfalls verbreitet hatte, hat es noch nicht für nötig gefunden, zu widerrufen. Das mag es nun halten, wie es will und wie es glaubt, das mit seinem Gewissen vereinbaren zu können. Es verbessert aber fein»
Lehrer Heilbrunn-Raffel unb Schaumberg« Neukirchen über »die gesetzliche Stellung der jüdischen Schulwesen*; ferner sprachen Neuhaus-Fritzlar über Abänderungs-Vorschläg« der Verordnungen über Die jüdischen Gememde-Verwaltungen, und Rosen stein- Fritzlar über die Sage ber jüdischen Landlehrer Alle Vorträge lösten längere Debatten aus.
2Iu$ dem Nachbargebiele.
♦ GerSfeld, 13. Mai 1913. Das Pfingstfest brackte unserem One wieder einen regen Fremdenverkehr. Außer vielen (Simeltouriften hatten sich mehrere Vereine und Gesellschaften zur Pfingstwanderung durch die Rhön eingefunben. Vom Rhönklubzweigverein Sa ja wien (Posen) waren schon Ende ber Woche 18 Personen eingetroffen. Gestern traf u. a. auch eine Turner-Damenriege aus Darmstabt »u einer Dreitägigen Rhöntour von ber Milseburg über die Wasfirkunpe hier ein
* Aus dem Kreise Gersfeld, 12. Mai 1913. Der Hochw. Herr Bischof von Fulda wird am Sonntag den 18. Mai in Gersfeld, am 25. Mai in Poppenhausen und am 26 -Mai in Weyhers den Firmlingen der genannten Pfarreien die hl. Firmung, spenden.
* Sebra, 13. Mai 1913. Zur Wahl der Wahl- männer ist Bebra in drei Urwihldezirke eingeteilt worden. — Nach Beschluß der Gemeindevertretung werden die Anlieger der mit Kanalrohrleitung versehenen Straßen mit einem Betrag in Höhe der Hälfte der Anlagekosten herangezogen werden.
ch. Hanau, 13. Mai 1913. Unter starker Beteiligung aus allen Teilen Hessen-Nassaus hielt ber israelitische Lehrer-Verein der Provinz hier seine 45. General-Versammlung ab. Die vom Vorsitzenden Oppenheimer-Treysa geleiteten Verhandlungen brachten zunächst eine große Anzahl von Begrüßungen durch Behörden, Lehrer-Vereine und zahlreiche Kultus-Gemeinschaften. Sodann referierten die
Reichhardt ergab, daß irgendwelche Anhalts- punkte für ein Verbrechen nicht vorliegen. Die auf. dem Die sich dem
Amt Geisa uttö Umgebung.
♦ Buttlar, 12. Mai 1913. Nach einem Bericht des Grubenvorstandes der Gewerkschaft Buttlar ist der Schacht bis 390 Meter abgeteuft. Das Gebirge ist unverändert dickbankiger, fester Buntsandstein, der aber leider immer noch feine Risse zeigt, sodaß die zutretenden Waffer teils mitgehen. Bei 390 Meter wurde vor ca. 8 Tagen ein Keilkranz gelegt, um durch Einbau von Tübbings die zugetretenen Wasser o uschließen. Es ist zu hosfen, daß bei der großen Teufe uno der Festtgkeit des Gebirges neue Wasserzuflüsse nicht mehr kommen werden. Wenn diese auch bisher beim Abteufen recht störend waren und durch den erforderlichen Einbau von Tübbings zu größeren Ausgaben zwingen, so haben es die vorzüglichen Abteuseinrichtungen und die eigene große elektrische Zentrale ermöglicht, andauernd weiter ab- zuteusen.
* Aus der Rhön, 13. Mai 1913. Einen recht unerfreulichen Ausgang scheinen die zwischen Hel- mershausen und Wohlmuthausen unternommenen Bohrver suche auf Kali nehmen zu wollen, auf welche die Bewohner des Herpftales große Hoffnungen setzten. Hieß es doch Ende des vorigen Jahres, es sei ein reiches Kalilager erschlossen und eine Bahnverbindung mit Meiningen ober Walldorf durch die im Entstehen begriffene Gewerkschaft tn Aussicht genommen. Eine merkwürdige Illustration erfahren diese Prophezeiungen durch die Tatsache, daß die Bohrgesellschaft einem Geschirrhalter tn Wohlmuthaus t, der Heizmaterial und Maschinen von der Bahn abholte, in den meisten Fällen sogar die Frachtkosten bei der Bahn verlegte, Fuhrlohn und Auslagen bis heute schuldig geblieben ist, so daß dte- ser den Gerichtsvollzicher in Anspruch nehmen mußte, der das (Eigentum der Gesellschaft im Bohrturm versiegelte. ____
* Kaltennordheim, 13. Mai 1913. Eme angenehme Pfing st Überraschung erhielt ein hier zu Besuch weilender junger Schlossergeselle; bekam er doch die telegraphische Nachricht, daß er 80 000 Mark in der Lotterie gewonnen habe.
* Tiefenort, 13. Mai 1913. Bei dem Eröffnung?, termin der Erd-, Bewnierungs- und Chaussierungsarbeiten für die Erneuerung der Kopf- und Settenladerampe sowie die Verlängerung des Durchlasses in Kilometer 52 21,3 auf Bahnhof Tte- fenort an der Strecke Salzungen-Vacha waren nachstehende Angebote abgegeben: Hahn-Buttlar 5712,14, Fladung-Geismar 5550,15, Peitz u. Ludwig-Htld- burghausen 7772,72, Schanz-Tiefenort 5466,14 Stegmann-Salzungen 4601,32, Schroder-Etsenaff 6179,33, Kümpel-Vacha 5064,53, Emich-Eisenach 6597,42, Bodechtel-Salzungen 5559,60. Der Zu- schlaa wird in toter Wochen erteilt werden.
* Gehaus, 13 Mai 1913- Am Pfingsttage verstarb hier Herr Jakob Nordheim im Alter tooi 72 Jahren. Er war Mitglied des Gemeinderats, Vorsitzender des Darlehnskassenvereins und Vorsitzender des Landwittschaftlichen Vereins für den Oberen Oechsegrund.