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Fuldaer Leitung

die

Kleines Fenittoton

t ihren größten Glan

diesem Jahre verschont, aber so ganz haben sich Wetterpropheten diesmal nun doch nicht geirrt.

u.ktivn Anfang Juni - sieht ebenfalls ent tundc vor der Lonne

Mars geht morgens lange vor der Sonne auf, steht aber für die Beobachtung nicht sonderlich günstig. Der größte Planet unseres Sonnensystems, Jupiter, erhebt sich mehrere Stunden vor der Sonne morgens über dem Osthorizont. Sein Aufgang verfrüht sich aber immer mehr, so daß er bald schon vor Mitter­nacht aufgehen wird, also vonr Morgenhimmel an den Abcndhimmel treten wird. Das wird Ende Mai der Fall sein. Der Planet wird den ganzen Sommer über bis in den Herbst unseren Nachchimmel zieren. Saturn wird bald in den Strahlen der Sonne verschwinden, wie alle übrigen Sterne des Stieres, in dem sich zurzeit der Saturn bekanntlich befindet. Später wird dieser Planet den Morgenhimmel be­reichern.

Wahlen in einem Orte sich das Wahlgeschäft voraus- stchtlich nicht über Mittag hinausziehen wird, nur der Vormittag schulfrei bleibt.

Pfingstverkehr. Das herrliche Maiwetter vom Freitag und Samstag sollte anscheinend die Voraus­sagungen über den zweifelhaften Charakter des Pfingstwetters Lügen strafen. Viele Wanderlustige hatten sich dann auch auf die Beine gemacht und strebten am Samstag in größeren und kleineren Gruppen mit vollbepackten Rucksäcken den Rhön­bergen zu, um das liebliche Fest in der verjüngten freien Natur zu feiern. Allein der Wcttermacher hatte ihnen ein Schnippchen geschlagen; denn am Morgen plätscherte ein Landregen nieder und die grauen Wolken am Himmel ließen nicht viel Hoff­nung auf Besserung aufkommcn. Tatsächlich hielt der Regen, wenn er auch gegen Mittag an Stärke nachließ, den ganten Tag an. Am zweiten Pfingst­tag das Gegenteil: blauer Himmel und lachender Sonnenschein. Tie Eisheiligen haben uns zwar in

zeug zu schützen und Nistkästen in großer Zahl an- zubrinqen. Auf der Straße stürzte heute das Pferd des Bäckermeisters Rimbach zusammen und war so­fort t o t.

* Frauensee, 10. Mai 1913. Der Gemeindevor­stand des Kirchspiels Frauensee-Dönges beschloß die Fortführung der Wasserleitung auf dem ziemlich außerhalb des Torfes gelegenen Friedhof.

°n den Abendhimmel. -Norgenhimmel und geb' auf. Sie hat am 25. 2. c

Lokaler.

Fulda, 13. Mai 1913.

UH Jubiläums - Feier im Tome. Mit aller kirch- sicher Pracht wurde am Pfingstlonntag bte Feier des 1600jährigen Jubiläums des Ediktes von Mailand oom Jahre 313 in der hiesigen Kathedrale gefeiert. In der Festpredigt bot Herr Prof. Dr. Leimbach eine kurze Darstellung von Konstantins Sieg an der Milvischen Brücke und dem Mailänder Edikt, wür­digte die Bedeutung dieser Ereignisse und legte die Folgerungen dar, die sich für die Gegenwart aus ihrer Betrachtung ergeben. In dem vom Hochw. Herrn Bischof zelebrierten feierlichen Ponlifikal-Ämte brachte ver Alumnen-Chor unter der Leitung des Herrn Re­gens Prof. Dr. Schreiber die vierstimmige Messe von Filke mit Orgel- und Orchester-Begleitung (Feld- artillerie-Kapelle) in hervorragend schöner Weise zum Vortrag. Mächtig und eindrucksvoll erschallte nach dem Offertorium das »Tu es Petrus« von Haller mit Posaunen - Begleitung. Als nach dem Hochamte der Hochw. Herr Bischof das Te Deum anstimmte, flammte plötzlich der Hochaltar in effektvoller elektrischer Be­leuchtung auf. Begeistert sang das den Dom füllende Volk mit Begleitung der Posaunen und den brausen­den Klängen der großen Orgel das .Großer Gott, wir loben Dich". Ein vierstimmig gesungener Segen beendete die eindrucksvolle Feier.

= Tot aufgefundeu. Als am Pfingstmontag, nach­mittags gegen 2 Uhr, einige junge Leute auf der Fulda kahnten, bemerkten sie im Spitz!aweiher, einem toten Arm der Fulda nahe der Tivolt-Brauerei an der Maberzellerstraße, einen Gegenstand im Wasser treiben. Beim Nähertommen sahen sie, daß ein menjch- liches Ohr aus dem Wasser tagte, und bald erkannten sie die Leiche eines Knaben. Sofort wurde die Polirei telephonisch von dem Fund in Kenntnis gesetzt und ebenso der Sattlermeister Retchardt, da man in der Leiche dessen feit 10 Tagen vermißten Sohn ver- mutete. Diese Vermutung sollte sich auch bestätigen. Die Leiche weist Merkmale auf, welche darauf schließen lassen können, daß der Knabe eines gewalt­samen Todes gestorben ist. So zeigt z. B. die rechte Schädeldecke eine lange Wunde, von der man glaubt, daß sie mit einem stumpfen Instrument beigebracht sei. In dem Munde und in der Nase bemerkte man geronnenes Blut. Ferner wurde man gewahr, daß nur oer Hals und der Kops blau und angeschwollen waren, während der übrige Körper sowie die Hände die natürliche Farbe hatten; auch war der Leib nicht durch Wasser aufgetrieben, woraus man schließt, daß der Knabe nicht lebend ins Wasser gekommen ist. Es ist leicht erklärlich, daß die schon durch das Verschwinden des Knaben beunruhigten Gemüter durch diese Wahrnehmungen, die man an der Leiche machte, noch lebhafter erregt wurden und die seit einigen Tagen umgehenden abenteuerlichen Gerüchte neue Nahrung bekommen haben. Man erzählt, der Junge fei im Haimbacher Walde in eine Rehschlinge geraten und von dem Schlingen­steller, da er noch Lebenszeichen gab, erschlagen und dann ins Wasser geworfen worden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Blutspuren und Wunden am Kopfe durch Schläge mit einem Ruder beigebracht find. Jedenfalls liegen für alle verschiedenen Gerüchte keine sicheren Anhaltspunkte vor. Die Sektion der Leiche, die in die Leichenhalle des neuen städtischen Friedhofes gebracht wurde, wird hoffentlich Klarheit in die Sache bringen.

r- Roheit. Nach einem kurzen Wortwechsel brachte gestern abend der etwa 18jährige G. einem gleich­alterigen Burschen am Luckenberg einen Messerstich in den Arm bei. Die Verletzung ist nicht gesährlich

F. Achtung, Waldbesucher l Bei dem " sonnigen Wetter kommen die Kreuzottern wieder zum Vorschein. Eins dieser gütigen Reptilien wurde gestern nachmit­tag von einem jungen Burschen im Lehnerzer Walde gefangen und unschädlich gemacht.

-o- Von der Straße. Am Samstag nachmittag I geriet in der Ohinstraße ein unbespannter Wagen ins Rollen und stieß gegen eine Laterne, die in I Trümmer ging. Auf dem Friednchsplatz wurde gestern morgen ein Herr von Krämpfen befallen. Taumelnd stieß er gegen eine Kutsche, wobei er zu I Fall kam. Von Passanten wurde er in die Volks­lesehalle getragen.

Schulschluß am Wahltage. Um den Lehrern I die Ausübung ves Wahlrechts bei den bevorstehenden Wahlmännerwahlen für die 22. Legislaturperide des Landtages zu ermöglichen, hat die Regierung gestattet, daß am 16. Mai soweit dieser Tag kein Ferien- I tag mehr ist der Unterricht ausfällt, jedoch mit der Maßgabe, daß solche Lehrer, welche an diesen Wahlen gesetzlich sich nicht beteiligen dürfen, sowie die Lehrerinnen am Wahltage ordnungsmäßig Schule zu halten haben, und daß, wenn bet diesen

Aus Gberheffen u. den befi. Aemtern.

# Ziegenhain, 12. Mai 1913. Vierzehn Luft' schiffe des Prinz Heinrich-Fluges wurden bei ihrer Vorüberfahrt auch hier gesehen. Das 1. um/e 12 Uhr, eine Taube, landete um */«! Uhr in Kassel, das Letzte um 7 Uhr nachmittags. Ein Schiff mußte bei Zimmersrode wegen eines Raddefektes landen.

* Von der Edertaljperre, 10. Mai 1913. Durch verschiedene Ungehörigkeiten, welche sich Touristen auf der Baustelle der Talsperre bei Hemfurth haben zu Schulden kommen lassen, hat sich das Kgl. Bau­amt genötigt gesehen, sämtlii e Wege, welche von Waldeck, Berich und Buhlen zur Baustelle und Mauer führen, zu sperren, mit Ausnahme des direkten Weges von Waldeck hinter der Kanzel vorbei, des sog. Eckenweges, sowie des Weges von Buhlen nach Hemfurth, beide auf der Hemsttrther Brücke mündend. An Sonn- und Feiertagen sind Posten aufgestellt.

* Frankenberg, 10. Mai 1913. Der 36jährige Maurer Hofmeister in Somplar, welcher in dem be­nachbarten Züichen arbeitete, hatte sich, um den Heimweg zu ersparen, in einem Neubau gegenüber der Chemischen Fabrik tur Ruhe begeben, nachdem er zuvor einen Eimer brennenden Koks zur Erwär­mung in dem Raume ausgestellt hatte. Durch den ledenfalls schadhaften Behälter hindurch entzündete sich nachts der Fußboden, und der nach außen dringende Qualm wurde von dem Nachtwächter be­merkt, welcher die Feuerwehr alarmierte. Als diese den Brand abgelöscht hatte, fand man den leblosen Körper des Maurers. Er hinterläßt fünf unmündige Kinder.

[:1 Neustadt, 12. Mai 1913. Gestern und heute hatten wir das seltene Ver niigen, eine größere An­zahl Flugmaschinen auf der Reise nach Kassel beobachten zu können. Gegen 11 Uhr wurde das Surren des ersten .Luttvogels" vernehmlich. Dann folgten in Abständen von ungefähr V» Stunde 15 Ein- und Doppeldecker. In ruhigem Fluge, in der scheinbaren Größe eines Habichts oder Storches glitten die Maschinen durch das Luftmeer. In später Stunde, gegen 3/i7 Uhr und 1 «8 Uhr, kamen die letzten Segler durch. Während die Route nach Kassel direkt über Neustadt führte, halten sich heute die Piloten etwas mehr nördlich, nach Momberg.

On parle franyais! English spoken! Deut­sches Land, deutsche Städte, deutsche Häuser, gleichen großen Läden, an deren Tür die einladende Inschrift prangt: On parle frangais! English spoken! (Hier spricht man französisch, englisch!) Denn es gibt fein Gebiet des Lebens, wo wir nicht mit einer Fülle von französischen und englischen Ausdrücken beglückt sind oder, da wir dem Fortschritt huldigen, tm Lause der Zeit einmal beglückt werden. Wenn wir uns ein Haus bauen ober eine Wohnungs-Einrichtung erstehen, wenn wir in einem Gasthofe übernachten oder uns in einer Wirtschaft an Speise und Trank laben wollen, wenn wir uns mit Kartenspiel oder Tanz die Zeit vertrei­ben, wenn wir uns an Bewegungs-Spielen erfreuen oder einem Rennen zuschauen wollen, wenn wir uns Waren, sie seien welcher Art sie wollen, zn kaufen wünschen, wenn wir uns unterhalten oder eine Zei­tung, einen Roman lesen wir wären verloren, wenn wir nicht zum Glück von Jugend auf den aus- ländischen Geist eingesogen hätten, wie es sich für das »Reich der Mitte", für gute Deutsche geziemt. Ader übertreibe ich nicht doch? Es ist natürlich nicht mög­lich, auf einem begrenzten Raume mit Tausenden von derartigen Ausdrücken aufzuwarten, es würde auch nur ermüden: es genügt, wenn ich hier ein ge Proben

deutscher Auslands - Seligkeit gebe. Aus folgenden Teilen besteht dasdeutsche" Haus: Souterrain, Entre- sol, Parterre, Etagen und Mansarde; unter den Piecen (Appartements) finden wir Entree, Salon, Boudoir und Closet, in den Zimmern Jalousien, Bordeaux und Stores, Portieren, Chaiselongue, Fauteuil, Buffet, Trumeau, Lustre, Plafond, Parkett u. a.,m. Ebenso ist es im Gasthofs« und Vergnügungswesen: Hotel und Dependance, Portier, Lift und Lift-boy, Saison, Reunion, Etablissement, Restaurant, Cafe, Chambre söparee, Chat noir, Cabaret, Variete, American Bar re. Schlimmer vielleicht noch steht es mit der Speisekarte; da bietet man uns an der Table dhöte, beim Diner und Souper als Menu ober ä la carte: Bouillon, Tourne-dos, Entrecote, Boeuf ä la mode, Sardinen ä Phuile, Ragout fin en coquilles, Vol-au-vent, Ome­lette aux confitures re. re , oder auf englisch: Irish stew, Ham and eggs, Ox-tail soup, Welsh rarebit, Natives, Mixed picles aber nun ist's wohl genug! Nur noch im Vorübergehen ein paar Ausdrücke aus dem Berufe des »Merchant-tailor« und Verwandtem: Smoking, Cutaway, Sweater, Cape, Sealskin, Skunk, Box-calf, Godyear Welt, Homespun, Liberty u. v. a. Und wie auf diesen und anderen Gebieten das meiste ranzöstsch ober englisch benannt wirb, so heißt es auf dem bet Musik trotz Richard Wagner noch durchweg: Si parla italiano, auf dem des Zigarrenhandels: Se babla espanol. Doch genug, genug! Die Sache ist- trostlos und am trostlosesten, daß Tausende, nein Millionen gar nicht wissen oder nicht wissen wollen, wie trostlos sie ist. Und ehe das deutsche Volk nicht einsieht, wie beschämend dieser Zustand ist, und wie recht die Fremden haben, wenn sie über so viel Selbst­verleugnung den Kopf schütteln, ehe wir uns nicht aufraffen, kann es auch nicht besser werden. Nun, ihr müßt wissen, was ihr tut, ich kann es nicht ändern; an meiner Tür aber bleibt geschrieben wie bisher (und ich wollte, viele machten es ebenso):Hier wird deutsch gesprochen!" (Aus der Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.)

vermischtes.

* Der Kaiser auf der Eisenbahn bestohlen. Dem Kaiser, sind wie erst jetzt in die Oeffentlichkeit bringt, bei seinem letzten Besuch in Straßburg zwei Han d- fasche n mit zum persönlichen Gebrauch erforder- lichen Gegenständen abhanden gekommen. Es sind zwei Handtaschen aus Krokodilleder mit goldenem Bügel und mit den Initialen des Kaisers. Zwischen den Eisenbahnbehörden von Straßburg, Metz und Wiesbaden sind lebhafte Meinungsverschiedenheiten entstanden, da jede der genannten Direktionen die Schuld an dem Verschwinden der Taschen den anderen Verwaltungen zuschiebt. Eine sofort eingeleitete Un­tersuchung hat bis jetzt noch keinerlei Ergebnis gehabt.

* Die Einbrecher im Leichenzimmer. In der Bödestraße in Wattenscheid (Westfalen) drangen Ein­brecher in die Wohnung des kurz vorher verstorbenen Viehhändler Mikus und versuchten, in dem Zimmer, in dem die Leiche aufgebahrt war, den dort stehenden Geldschrankzu erbrechen. Nachdem sie das Nutz­lose ihrer Bemühungen eingesehen hatten, entwendeten sie zwei Uhren und eine Kiste Zigarren und ver­schwanden.

* Raubmord auf der Landstraße. In Grafen­busch im Rheinland wurde in der Nahe der Straße Oberhausen-Sterkrade in einem Graben die Leiche einer unbekannten Frau im Alter von etwa 35 Jahren gefunden. Alle Anzeichen beuten auf einen Raub­mord hin.

* Goldadern im Eulcngebirge. Die Erschließung starker Erzgänge im Eulengebirge ist nunmehr ein geleitet worden, nachdem andauernde Prüfungen das Vorhandensein von Adern mit Gold, Platin, Kupfer und Tran ergeben haben. Es ist deshalb die Ver­leihung des Mutungsrechtes von dem Ingenieur Hausse aus Herisckidorf bei Hirschberg eingeleitet wor­den. Es handelt sich dabei namentlich um das Berg­gelände im Tiefgänge der Hohen Eule in der Rich­

2lus dem Nachbargediete.

* Bad Salzschlirf, 10. Mai 1913. Die Pfingsttage ! haben unserem Badestädtchen einen regen Verkehr ge­bracht. Auch der Zugang der Kurgäste hat in den letzten Tagen bedeutend zugenommen. Tie amtliche Kurliste verzeichnete schon für Donnerstag 295 an­wesende Kurgäste.

# Lauterbach, 12- Mai 1913. Seinen 95. Geburts­tag begeht moraen der Rentner Isaak Schloß dahier (früher in Allenborf b. Ziegenhain wohnhaft) in außer­gewöhnlicher körperlicher Rüstigkeit unb Geistesfrische

* Hanau, 10. Mai 1913. Bei Groß-Steinheim entgleiste heute morgen der D-Zug Wien-Frankfurt a. M. Lokomotive, Tender und der erste Packwagen sprangen aus dem Geleise. Em Hilfszug brachte die übrigen Wagen nach Hanau, wo der Zug eine Lokomotive erhielt. Verletzungen sind nicht vorge­kommen.

# ' Flieden, 12. Mai 1913. Traurige Pfingsten hatte hier die noch junge Frau des Arbeiters Braun. Letzterer hatte seit einiger Zett in Frankfurt a. M., wo er in Arbeit war, gekränkelt. Auf die freudige Nachricht einer Erstlingsgeburt bei seiner Frau raffte er seine Kräfte zusammen, um bas frohe Ereignis am Pfingstfeste im Kreise von Frcn unb Verwanbten so gut rote möglich feiern zu tönnen. Er fuhr beshalb am Samstag mit ber Bahn hierher, sollte jedoch lebend Frau unb Kind nicht leben. In Elm bekam er einen Sckroächeanfall, und als er hier auf dem Bahnhof ankam, gab er nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Der schnell herbeigerusene Arzt mußte bald darauf den Tob burch Herzschlag feststellen.

* Kassel, 11. Mai 1913. Durch Verfügung des Regierungspräsidenten wurdePotizeikommissar Pape, der seinerzeit wegen Beleidigung eines Zahlmeisters zu 2C0 Mark von ber Strafkammer verurteilt worben war, seines Amtes enthoben. Das Reichs­gericht hatte die Revision gegen bieses Urteil ver­worfen.

* Mainz, 12. Mai 1913. Der 41jährige Stampp, ber auf dem Holzlager der Firma Messerschmitt! am Safteier Rheinuser die Nachtwache hält unb dabei den Uebergang ber Eisenbahn am Sintertor über­schreiten muß, würbe gestern abend beim lleberschreiten der Gleise oom Wiesbadener Schnellzug erfaßt, bet Kopf klemmte sich in die Maschine, bie Beine würben vom Körper ab getrennt und ber übrige Körper vom Zuge dis Biebrich mitgefdjleift. Stampp hinterläßt eine zahlreiche Familie in bitterer Not.

* Aus Franken, 10. Mai 1913. Im Sinn» grunbe blüht zur Zeit roieber die seltene Schach­blume, welche nur an vereinzelten Stellen in Deutsch­land vorkommt. Von der Hochstraße, bie im Waide von Roßbach nach Gernünben führt, wird eine Abzweigung nach Mittelsinn gebaut. Die Vorarbeiten sinb bereits im Gange. Bei einem Militärzüge, welcher entlassene Mannschaften der Referveregim.nts von H a m m e l b u r g nach ber Heimat be'örbcrte, ent­gleisten gestern mittag bei Einfahrt in bie Station Gemünden die beiden letzten Personenwagen, 4 Reservisten trugen leichte Verletzungen davon. Ter Materialschaden ist nicht bedeutend.

2. Blatt.

Druck der Huldaer Actiendrueierei in Hulda.

Die Planeten bieten folgendes Bild: Merkur 8cht noch morgens vor der Sonne auf, kommt aber Ndch seiner oberen Scnncnb

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 10. Mai 1913. Um die Nonnen- schäden in den staatlichen Forsten des Großherzog- tums Sachsen-Weimar energrsch zu bekämpfen, hat das Staatsministerium angeordnet, in den staatlichen Forsten sämtliche nützlichen Vogelarten, die wirksame Bekämpfer ber Nonne sind, mit ihrer Brut vor Raub-

Der Sternenhimmel im Mai.

. Die Tageslänge wächst noch andauernd, so daß Mit der Beobachtung des Fixsternhimmels erst in den späteren Abendstunden begonnen werden kann. Im Westen sehen wir tief am Horizont die Stern­bilder des Kleinen Hundes, die Zwillinge und weiter nördlich den Fuhrmann. Interessant ist der Osthiin- toel. Genau in der östlichen Richtung strahlt die Leier, int Nordosten sehen wir ein großes Sternbild in der Gestalt eines Kreuzes; es ist der Schwan. In den kontmenden Monaten werden all diese Stern­bilder bei höherem Stande besser zu beobachten sein. Genau im Süden steht die Jungfrau, links vom Ze­nith (Scheitelpunkt) der Bootes und rechts, also nach Westen zu, der Löwe. Tief int Norden, über dem Horizont leicht auffindbar, steht die Kassiopeia.

An Sternschnuppen ist der Mai sehr arm. An­fangs des Monats fallen solche aus dem Wassermann; sie heißen deshalb Aquariden (Aquarius = Wasser- ntann). Dieser Meteorschwarm wird mit dem Halley- Ichen Kometen in Verbindung gebracht.

Die Sonne tritt am 21. Mai, nachmittags 6 llhr, aus dem Zeichen des Stieres in das der Zwil- nnge. Am 5. Mai ist Frühlingsmitte. Der Unter­gang der Sonne verspätet sich noch fortgesetzt, während sich ihr Ausgang noch versrüht. Die Tageslänge nimmt also auch in den kommenden Wochen noch zu.

Der M o n d st a n d ist im Mai folgender: Neu- Nlönd am 6. Mai, erstes Viertel am 13. Mai, Voll- rnvnd am 20. Mai und letztes Viertel am 28. Mai.

> $08.

Dienstag 13 Mai 1915.

tung nach dem Reichenbacher Talkessel, die Hänge zwischen Peterswaldau und Steinseifersdorf, doch soll die Erwerbung des Mutungsrechtes noch auf weiter, Gebiete des Eulengebirges ausgedehnt werden.

* Heimwehkranke Pinguine. Daß Ttere unter Heimweh zu leiden haben, ist eine bekannte Tatsache. Im allgemeinen pflegt jedoch ihr Heimweh nur kurze Zeit zu dauern. Daher erregt es in den Kreisen der Londoner Zoologen lebhaftes Interesse, daß von den zehn Pingninett, die von den Falklandinseln nach London importiert wurden, neun nach kurzer Zeit starben. Ihr Tod ist weder auf Krankheit, noch auf den Klimawechsel zurückzuführen, sondern auf Heim­weh. Die Vögel hockten ziemlich niedergeschlagen bei­einander und verweigerten die Nahrungsaufttahme. Nur ein einziger Pinguin schien anders veranlagt zu sein, denn er ließ sich den Tod der Gefährten nicht zu Herzen gehen und akklimatisierte sich schnell.

* Bei Rettung seines Kindes verunglückt. Bei W e i ch e r i n g (Bayern) wollte der Bahnwärter Wanninger sein spielendes Söhnchen vor dem Heran­kommen des Schnellzuges von den Gleisen zurückrei- ßeit. Vor den Augen seiner Frau wurde der un­glückliche Mann vom Zuge ersaßt und getötet.

* Die Hochzeitsgabe des braunschweigischen Lan­des für den Prinzen Ernst August und die Prinzessin Viktoria Luise, für die der Landtag einen Betrag bis zu fünfzigtausend Mark bewilligt hat, besteht in einem prächtigen Diadem für die Prinzessin.

* Wegen Veruntreuung von mehr als sieben Mil­lionen Mark ist der ehemalige Direktor ber Förening- bank in Tammerssors (Finnland) wegen Veruntreu­ung von mehr als 7 Millionen Mark zu zehn Jah­ren Zuchthaus verurteilt worden. Entsprechend dem Amnestieerlaß wird die Strafe auf sechs Jahre acht Monate herabgesetzt.

* Die beleidigte Bulldogge. Ein seltsamer V?r- leurndungspozeß gelangt gegenwärtig in dem nord- amerikanischen Städtchen Ällentown in Pennsylvanien zur Verhandlung. Angeklagt ist eine Frau Mary Winthrop-Turner, die dritte Gattin eines zweimal geschiedenen Millionärs. Als Kläger wird ein Artur Bender aus Ällentown genannt, der sich im Namen seiner preisgekrönten BuldoggeCounteß Toots" sg tief beleidigt fühlt, daß er zu einer Entschädi­gung von 20000 Mk. berechtigt zu sein glaubt. Im vergangenen Jahre hatten Frau Turner und Herr Bender, beide Mitglieder des Hundezüchterklubs Westminster Kennel Club", junge französische Bul- boggen auf der Hundeausstellung im Hotel Astor. 'Unvorsichtigerweise rühmte sich Herr Bender Bekannten Frau Turners gegenüber, daß 'seineCouneß Toots" einen bedeutend besseren Platz erhalten hätte, als die aus der Zucht seiner Konkurrentin stammende Dol­lar-Prinzeß". Daraufhin hatte die gekräntte Hunde- züchterin nichts eiligeres zu tun, als an die gelesenste Zeftung von Allentöwn zu schreiben, daß ihreDollar- Prinzeß" viel schöner sei als Herrn BendersCoun­teß" und daß diese keineswegs den ersten Preis be­kommen hätte. Dieseunerhörte Verleumdung" mußte vor Gericht ihre Sühne finden, und so klagte der Besitzer der beleidigten Buldogge auf Schaden­ersatz in angegebener Höhe.

* Flucht eines ungetreuen Vermögensverwalters. Der Administrator Prola aus M a i' l a n d ist seit einiger Zeit spurlos verschwunden. Wie sich heraus, stellt, hatte Prola mehrere Adelsfamilien, deren Ver» mögen er zu verwalten hatte, um mehrere hundert­tausend Mark geschädigt. Er hatte die Gelder zu Spe­kulationen für eigene Rechnung benutzt.

* Ermordung eines Millionärs. In Newhork wurde der Millionär Vincer in seiner Wohnung et« morde! aufgefunden. Vincer hatte einmal die Aust , 'ordernng einer Berbrecherbande erhalten, eine grö-"' ßere Summe zu zahlen, hatte aber den Brief der Polizei übergeben. Er scheint das Opfer der Rache der Bande geworden zu fein.

Literarisches.

Hessische Chronik", Monatsschrift für Familien- und Ortsgeschichte, begründet und herausgegeben von Dr. Hermann Bräuning-Oktavin und Professor D. Dr. Wilhelm Diehl im Verlag der L. C Wittich- schen Hofbuchdruckerei Darmstadt. II. Jahrgang ttt3,Hef: 4:

Inhalt: Bibliothekar Dr. Philipp Losch: Der llribrbrief des Grafen Schaumburg. Geheimer Post- rat Karl Dingeldey Stammbaum der Familie Dingeldey. Dr. Hermann Bräuning-Oktavio: Professor D. Dr. Wilhelm Diehl. Professor D. Dr. Wilhelm Diehl: Beiträge zu einer heffen-darmstädtischen Lehrermatrikel. Archivar Dr. C. Knetsch: Die Wolfsburg und die be­nachbarten Häuser am Schloßberge zu "Marburg. Regierungsrat Dr. Viktor Würth- Wappen blühender hessischer Bürgergeschlechter. Mit drei Abbildungen. Oberlehrer und Stadtarchivar Ferdinand Dreher: lieber Friedberger Apotheken. Kleinere Mitteilungen: Sophie Sömmering. - Friedrich v. Thudichum. Wilhelm Stachel. Bücherschau. Aus Zeitschriften. Aus. tausch. Auskünfte. Familientage. Nachrichten. Preis: Jährlich 12 Hefte: 6 Mark, vierteljährlich drei Hefte: 1,50 Mark, Einzeihe sie gegen Voreinsendung des Betrags von 60 Psg. Probeheft unentgeltlich.

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