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Fulda, 9. Mai 1913.
'S? Pbstbestrllnng. Am ersten Pfingstfeiertage findet in Fulda eine einmalige Brief« und eine einmalige Pakeibestellung statt, eine Geldbestellung findet nicht statt; die Landbestellung ruht an diesem Tage. — Am Pfingstmontag findet eine einmalige Orts-Bries« und Geldbestrllung statt, dagegen keine Pakelbestellung Außerdem werden sämtliche Landorte und Wohnsitze einmal deaanaen.
* Firmung. Am 2. Pfingstfeiettag wird in der Stadtpfarrkirche das hl. Sakrament der Firmung gespendet. Das feierliche Hochamt, in welchem der Hochwürdigste Herr Bischos die Predigt halten wird, beginnt pünktlich 9 Uhr. An dieses schließt sich sodann nach einer kurzen Pause die Spendung der Firmung an. Die letzte hl. Messe beginnt mit Rücksicht auf die ausgedehnte Feier um %12 Uhr.
I Vom To«. Die Gebläie der beiden Orgeln des Domes werden enllprechend dem Fortschritt unserer Zeit seit einigen Tagen mit Elektromotoren und Windschleudermaschinen angetrieben.
? Spende für die katholischen Missionen. Die Listen der Gaben zur Kaiser-Jubiläumsspende zu Gunsten d:r katholischen Missionen werden am 25. Mai geschlossen. Diese Listen enthalten außer dem Ertrag der Kirchenkollekten auch die bec- sonderen Spenden einzelner Wohltäter, die im Hinblick auf die hohe Kulturarbeit der katholischen Missionen für Kirche und Vaterland ihren Wohltätigkeitssinn gelegentlich der freudigen Feier des Kaiser-Jubiläums noch außerhalb der Kirchenkollekte zu betätigen wünschen. Die Listen werden dann an das Kaiserliche Kabinet übersandt, um dem Kaiser vorgelegt zu werden. Den Spendern wird in den nächsten Tagen Gelegenheit geboten werden, ihre Gaben durch Vermittlung von Boten an die katholischen Pfarrämter der Stadt Fulda gelangen zu lassen.
§ Auch eine Pfinaftfreude bereitet gegenwärtig die 'Einkommensteuer-Veranlagungskommission unserer Bürgerschaft. Schutzleute eilen von Haus zu Haus und überbringen die Neuveranlagung für das Steuersahr 1913/14. Mancher wird bei der Durchsicht des Schreibens verdutzt gewesen sein, als er daraus erfuhr, daß seine Einnahmen höher sind, als er selbst wissen wollte.
§ Eisrnbaynvorzvge. Um an den Pfingsttagen den Verkehr glatt abwickeln zu können, bat die Eisenbahndirektion Frankfurt eine Anzahl Vorzüge eingelegt. Für unsere Gegend kommen folgende in Betracht. In der Richtung nach Bebra: am 10., 11., 12., 13. und 14. Mai v-Zug 1—3. Kl. Fulda ab 8 Uhr vorm.; am 10. Mai Personenzug Fulda ab 2.13 Uhr nachm., 6.12 Uhr und 6.23 Uhr abends. In der Richtung nach Frankfurt: am 10 Mai Personenzug Fulda ab 8.42 Ubr vorm., am 10 u. 13 Mai Personenmg Fulda ab 6.36 Uhr abends, am 10., 13., 14. Mai V-Zu > 1.—3. Kl. Fulda ab 9.42 Uhr abends. In der Richiung nach Gießen gebt am 13. u. 14. Mai um 2.50 Uhr nachmittags ein Perwnenzug ab. In der Richtung von Gießen fährt ein Personenzug am 10. Mai um 7.28 Uhr abends ab. Die Reisenden tun gut, die Vorzüge xu benutzen, da diese den Anschluß an den Umsteiaeplatzen am sichersten erreichen.
X Fuldensien. Man schreibt uns: Die in dem Schaufenster der Remhardt'schen Buchhandlung aus- gestell'-m, im Privatbesitz des Herrn Emil Jestädt befindlichen Bilder sind nicht farbige Steindrucke, sondern Original-Aquarelle des in diesem Artikel erwähnten, verdienstvollen, genialen städt. Zeichenlehrers Johannis. Ignaz Johannis war geboren in Fulda am 29. Juni 1790 und starb am 5. April 1852. Er ist der Vater des 1895 verstorbenen Professor Jos. Johannis sowie der noch lebenden hochbetagten Frl. Maria Johannis und des Herrn P. Johannis. Die Ausstellung ist übrigens durch ein farbiges Bild vermehrt worden, das eine Doppelhinrichtung auf dem Rabenstein am Rauschenberge im Jahre 1826 darstellt. Ferner sei erwähnt, daß außer den drei Blättern von Lithographien von Ignaz Johannis 26 Bilder aus dem ehemaligen Peter Franz Ä r n d ' s ck e n Kunstverlag ausgestellt sind. Der Arnd'fche Verlag hat außer einer größeren Anzahl von Ansichten von Fulda und Umgebung noch eine Menge anderer Bilder, wie Porträts, Kommunion-Andenken, Bilderbogen, Schlachtenbilder, kommerzielle lithogr. Drucksachen usw. hergestellt, von denen noch einiges im Fuldaer städt. Museum zu sehen ist. Diese Lithographien sind aus der Anstalt Engel hervorgegangen, die auch die einzelnen Aufnahmen gemacht hat.
= Fulvataler Brieftauben-Reisevereinigung. Bei bem~ m Sonntag von Emleben aus veranstalteten
Romfahrt -es Caritas-Berbandes
ö. Rom, 3. Mai 1913.
Fuhr da ein Auto über den St. Petersplah, hielt in, man bei ah vom Wagen aus durch das Opernglas die rteRge Kuppelkirche, und in einigen Augenblicken faulte das Auto weiter. O $e§, man hatte ja San Biedro gesehen.' Nicht so treten Katholiken in den Kolonnadenkranz von 6t. Peter. Ihnen »st die Krypta St. Petri ein heiliger Fels, über dem nicht nur der Riesenbau der größten Kirche der Welt sich erhebt, sondern auch der unzerstörbare Bau der ganzen katholischen Kirche, gegründet durch den, von dem es da heißt: »Christus genern, ChriüuS heute, Christus in alle Ewig, leit*. Wie groß mag die Zahl derer lein, die im Laufe der Jahrhunderte betend uns sinnend nach 6t. Peter logen und an der Confessio sich neue GlaubenSsreude und neue Liebe zum Oberhaupt der Kirche holten! Hier reichten sich in endlosen Rethen die Pilgerscharen langst vergangener Zeiten die Hände in dem einen Glaubenssätze: Credo unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam.
Der Pilgerzug will nicht in erster Linie Land und Beute Italiens kennen lernen, sein Ziel erblickte er im Besuch der Heiligtümer Roms. Wie reich irt die hl. ewige Stadt an solch' geweihten, oft mit Martyrerblm getränkten Stätten; so viele Gräber von Heiligen, dte in der Allerhetligenlitanet angetufen werden, werden uns sichtbar gemacht! Zuerst galt der Besuch nach St. Peter den übrigen Hauptkirchen RornS, insbesondere den Ronftantimfdjen Basiliken; in den drei verzeichne bene» Kirchen wurden die Andachten gehalten zur Oeminnunq des JubilSumsablasses. Mächtig schallte jeweils das -Großer Golt* durch die roeitgelpinnte Hallenkirche. Alle betannten Heiligtümer wurden ausgesucht, und nut Gott weiß, wie viele stille Gebete tn solchen weihe» "ollen Stunden zum Himmel emporfttegen.
liebet die Abwickelung des Reiseprogramms von Genua aus möge noch solgendes nachgetragen sein. Am Morgen des 18. Aprrl fand in der Pilgermesse in der «ttdje zur Unbefleckten Empfängnis eine Predigt über pnedrich Ozanam, den Gründer der Vincenz' eteine, Watt, biettot Löfflet m Mailand, 1h teilet der Erzknözeie iyteiburg i. Br, wußte in eindrucksvollen Worten ein ^dens- und Charakterbild des Wohltäters der Armen A entwerten und jür die Vincenzvereine zu begeistern, -"ach oem Gottesdienste wurden m einer prächtigen
PreiSflug erhielten die ersten 6 Konkurspreise: Händler- Neuhof, Hab er sack-Fulda, Vogler.Fulda, Stürz- Lanzenhain, Heil-Neuhof, H e r g «t-Fulda. Gewettet wurden 221,60 Mk. in Klassen von 1.50 Mk. diS 19 Mk. pro Taube. In der letzten Klaffe errang verget-Fulda einen Preis. Insgesamt wurden 53 Preise errungen.
-y- Ein Augenscheinstermin fand gestern mittag am Abtstor wegen einer im Januar v IS. daselbst vorgekommenen Schlägerei stalt. Die beteiligten zwei Täter haben ihre Strafe inzwischen abgebübt. Einer von ihnen hat nun das Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet und beaniprucht für dte zu Unrecht verbüßte Strafe (Sntfcfcäb gung. Er behauptet, daß einer der damaligen Zeugen bei uet Schlägerei überhaupt nicht anweiend war.
** Plenarsitzung der Handelskammer zu Panau. In ihrer Plenarsitzung am 7. d. M. wurden die neuen Mitglieder der Handelskammer, Julius Berlizheimer zu Hanau und Herr August Schneeweiß zu Bad Orb, in ihr Amt eingeführt, und Herr Winterschuldirektor Wagner zu Gelnhausen als Probenehmer für chemische Düngemittel der Superphosphatindustrie verpflichtet, sowie Fritz Matheus zu Hanau als öffentlich angestellter Bücherrevisor beeidigt. Die Handelskammer ge- nchmigte dann den Rechnungsabschluß für 1912/13 mit 21 420,— Mk. in Einnahme und Ausgabe. Zu Mitgliedern der Direktion der König!. Zeichenakademie zu Hanau wurden Kommerzienrat Brüning und Georg Deines wiedergewählt und zu Mit- gliedern des Aufsichtsrates der in Berlin zu gründenden Tiamantfchleiferei G. m. b. H. Albert Dernes und Carl Ginsberg gewählt und als Mitglieder des künf- tigen Beirats für die Hanauer Diamantschleiferei- Fachschule Carl Ginsberg und Ludwig Kießling in Aussicht genommen. Die Handelskammer trat den Beschlüssen bei, welche hinsichtlich des Wehrbeitrages und der Deckungsvorlagen für die Heeresvermehrung der Ausschuß des Deutschen Handelstages am 22. April gefaßt hat. Der Gesellschaft für Weltmarken- recht, welche sich die Schaffung eines einheitlichen Warenzeichenrechts in den am Welthandel bezeichneten Ländern zur Aufgabe gemacht hat, ist die Handelskammer als Mitglied beigetreten. Sie wird sich demnächst eingehend mit der Reform des deutschen Patentrechts zu befassen haben. Schließlich erledigte die Handelskammer eine große Anzahl verschiedener Verkehrsangelegenheiten in ihrem Bezirk (Fahrpläne, Gütertarife, Postangelegenheiten usw.).
f 8auDtag8wat)l. Anläßlich der beoorfteqenoen Landtagswablen in Preußen ist seitens der Ressortminister verfügt worden, daß alle Nachgeordneten Behörden dafür zu sorgen hätten, daß allen Beamten die Ausübung des Wahlrechts erleichtert wird. Die Dienststunden sind entsprechend zu regeln. Auch für die Eiscnbahiibeamten gelten nach Möglichkeit diese Bestimmungen.
Hk. Wichtig für Betriebskrankenkaffen! Rach Artikel 21 des Einführungsgesetzes zur Reichste rsiche« ru gsordnung werden diejenigen Betriebskrankenkaffen Ende dieses Jahres von amiswegen ausgelöst, für die nicht bis zum 30. Juni bei dem zuständigen Versicherungsamt eine mit den Vorschriften der neuen Reichsversicherungsordnung in Einklang gebrachte Satzung eingereicht ist. Diese Gesetzesvorschrift scheint in den in Betracht kommenden Kreisen nicht allgemein bekannt zu fein. Bei Betriebskrankenkaffen werden die neuen Satzungen von den Betriebsunternehmern aufgestellt und eingereicht. Vor der Einreichung sind aber die Versiche' ten darüber .anzuhören". Der Verband zur Wahrung der Interessen der deutschen Betriebrkrankenkassen mit dem Sitz in Esten bat Mustersatzun zen und eine eingehende Anleitung für die Aufstellung der reuen Satzungen wie für die Durchführung der Reichsversicherungsordnung überhaupt herausgegeben und seinen Mitgliedern übermittelt. Der Verband erteilt in besonderen Fällen auch Auskunft.
△ Statistik M Standesamtes. Im Monat April wurden 22 Aufgebote erlassen und 10EH n geschlossen. Im ganzen wurden 47 Geburten angemeldet <24 männliche und 23 weiblichen Geschlechts.) Hiervon waren Lebendgeborene 22 männl., 23 roeibl. Totgeborene 1 männl, 1 roeibl. Auf Neuenberg, Lehnerz und Ziehers entfallen 1 männl, und 0 roeibl. Ge« butten. Im Bezirke der Stadt Fulda starben 22 männl, und 28 roeibl. Personen. Hiervon entfallen auf das Landkranlenhaus 8 männl, und 7 roeibl Orts« nembe. Außerdem starben in Neuen berg, Lehnerz und Ziehers 0 männl und 0 roeibl. Personen.
** Ein gemeiner Schwindel. Vor einigen Tagen brachte das „Fuldaer Kreisblatt" folgende Meldung:
Rom, 3. Mai 1911. In Cefalu aus Sizilien wurde ein f che ußli cheS V erb re cken verübt. Der Bfarrer
W igenlahrt die Stadt und Deren Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen. Besonderes Interesse erroedte der Ha,en mit seinem riesigen Handelsverkehr und der überwältigende Blick auf das weite Meer. Nachmittags führten mehrere Sonderzüge der elektrischen Straßenbahn die Pilger hinaus an der Küste der Riviera entlang nach Sestri Ponen e und Pegli, um den prachtvollen Park und die Wasferspiele der berühmten „Villa Pallavicini" zu besichtigen.
Am Samstag, den 19. April erfolgte früh die Abfahrt nach Pisa, das schon allein wegen des weltbekannten schiefen Turmes sehenswert ist, daneben aber noch im Dom, dem Baptistarium und dem alten Friedhof große Berühmtheiten birgt. Um 2,45 Uhr führte der Sonderzug die Pilger von Pisa nach dem schönen Florenz, daS um Vi5 Uhr erreicht wurde. Den Abend verbrachten die Pilger zum großen Teil auf 6a i Miniato, um von dort aus den herrlichen Blick auf die Blumenstadt Florenz bei Sonnenuntergang zu gemeßen. Nach dem Besuche des Gottesdienstes in der deutschen Kirche San Gaetano am Sonntag früh um 7 Uhr wurden die hervorragendsten Kirchen der Stadt (Darunter der prächt ge, aus Marmor erbaute Dom) besichtigt und Darauf Die beiden großen und bekannten Museen: den „Palazio begli Uifizi" und den „Palazzo Pitti" mit weltberühmten Bildern Michelangelos in Augenschein genommen. Florenz ist sehr reich an guterhaltenen Monumentalbauten religiösen und profanen Charakters, die einen dauernden Eindruck auf den Besucher machen.
Kurz nach 9 Uhr am Montag früh hielt der Sonder- ,ug mit den Pilgern auf der Station Siena, um in her Kirche der hi. Katharina, die große Heilige unterer Strebe, in einer deutlichen Andacht zu verehren. Eine wagenrundsahrt durch die Stadt ließ uns oen Reichtum und auch die Reinlichkeit ihrer Bürger erkennen. Kur, nach 1 Uhr erfolgte die Abfahrt nach Rom, das um Vi7 Uhr erreicht wurde.
— Seit wann verwendet die Hausfrau Kohlen? Der Winter ist hinter uns, und gottlob sind die Ausgaben für Kohlen diesmal glimpflich gewesen. Immerhin, man muß heizen da und dort, um es in seinen vier Wänden erträglich zu haben. Natürlich hat man mit Kohlen geheizt. Wie müßte man frieren, wenn man diese Produkte viele Jahrtausende zurückliegender Sonnenwärme nicht hätte! Man müßte sich mit Holz und Holzkohlen begnügen, wie es ja heute noch
von 6t Maure hotte im Beichtstuhl erfahren, daß em junges Mädchen nachmittags außerhalb der Stadt ein Stelldichein mit fernem Geliebten haben sollte. Der Pfarrer beredete das Mädchen, eine Stunde früher als ausgemacht hmzukommen, um Aufsehen in Der Nachbarschaft zu vermeiden. AIS daS Mädchen an dem Bestimmungsort erlebten, fand es den Pfarrer, der es oergeroaltigte und dann ermordete und den Leichnam in Stücke schnitt. Der Pfarrer wurde auf der Flucht von Carabinieri eingeholt. Nur mit großer Mühe konnte er vor der Wut der Wenge gerettet werden
Die Geschichte istvonAnfangbiszuEnde erfunden. Die Schauermär tauchte zuerst in Italien Droschkenkutscherblättern auf, richtete aber h'er wenig Schaden an, weil die Italiener im allgemeinen ihre „Pappenheimer" kennen und aus Erfahrung wissen, daß 120 Prozent von den angeblichen klerikaler- Skandalgeschichten erlogen und erfunden sind Aus diesen Blättern aber fft die Geschichte dann in das deutsche Spezialorgan für solche Tartarenmeldungen, das „Berl. Tageblatt" übergegangen und das „Ful- daer Kreisblatt" hatte nichts eiligeres zu tun, als diese neueste antiklerikale Gemeinheit auch seinen Lesern vorzusetzen. Ter „Offerte. Romano" hat eine genaue Untersuchung des Tatbestandes vornehmen lasten, die die Lüge in ihrer ganzen Gemeinheit ergibt. Er veröffentlicht folgendes Telegramm aus Cefalu:
Ich kann mit vollkommener Bestimmtheit versichern, daß der vom Haß diktierte, schmutzige und imfame Bericht der antiklerikalen Blätter gänzlich unwahr und in allen Teilen erlogen ist. An dieser gemeinen Verleumdung ist auch nicht ein Schatten von Wahrheit. Der Klerus bereitet ein gerichtliches Einschreiten vor.
Der „Offerteatore Romano" fordert die Blätter, die von dem „schändlichen Verbrechen" berichtet haben, auf, sofort die Wahrheit zu berichten.
p. Eisenbahndiebstahl. Am 26. April ist der Frau eines schwedischen Offiziers in einem von Berlin nach Genua durchgehenden Wagen vermutlich zwischen Erfurt und Franksurt a. M. eine gebltdjbiaune, mit grüner Seide gefütterte und mit einer silbernen Toiletten- einrichkung versehene Handtasche mit einer Arnahl diamantenbeletzter Schmuckgegenstände und em Kreditbrief der Bank „Aktioboiaget Norrlands Banken" in Stockholm auf 20>0 Fis. mit Der Unterschrift .Frau Luise Martin' gestohlen worden. Die Polizeidirektton ersucht um etwaige zweckdienliche Angaben.
Aus dem Nachbargebleie.
X Kämmerzell, 7. Mai 1913. Das den Anbau der hiesigen St. Rochuskapelle abschließende große eiserne Tor wurde mit Gewalt geöisnet und die im Innern an demselben befindlichen beiden Opferbüchsen wurden erbrochen. Der Einbrecher wird aber kaum einen Pfennig darin gesunden haben.
(*) Bad Salzschlirf, 8. Mai 1913. Der Beginn der Saison zeigt hinsichtlich des Besuches wieder das alte für Bad Salzschlirf charakteristische Bild; den größten Teil stellen die alten Verehrer des heilkräftigen Bonifatiusbrunnens, die ihrem gicht- geplagten Organismus wieder sein altbewahrtes Umstimmungsmittel an besten Quelle zuführen wollen, während' die neuen Kurgäste, die hier eine' schnelle Genesung erhoffen, meist noch die Folgen chres tückischen Anfalles erkennen lassen. Dagegen hat der Kur- ort selbst manch wesentliche Veränderung erfahren. Das prächtige, mit behaglichem Komfort ausgestattete Badehotel ist ausgebaut worden und präsentiert sich in seiner Vollendung als imposantes Werk der Architettur. In seiner Nähe ist als Anbau an die zierlichen Kolonaden ein mustergUtig eingerichteter Lesesaal entstanden. Als neues allgemein anerkanntes Heilmittel sind in Salzschlirf die Heißluftappa- rate nach Dr. Tyrnauer eingeführt worden, die sich durch eine gleichmäßige Hitzeverteilung auszeichnen und die Anwendung recht hoher Temperaturen zulassen. Auch das Zander-Institut hat rationelle Verbesterungen aufzuweisen. Allgemeine Anerkennung finden die neugeschaffenen Anlagen und Promenaden, die von dein Lesesaal nach dem Gipfel der Ludwigshöhe führen, der nunmehr auf den neu angelegten Wegen mit ihrer sanften gleichmäßigen Steigung leicht zu erreichen ist. Zahlreiche Bänke, deren heller Farbenton sich von dem frischen Grün anmutig abhebt, ermöglichen auch dem Naturfreunde, dem das Wandern'schwerer fällt, den Genuß eines angenehmen, Körper und Gemüt in gleicher Weise erfrischenden Spazierganges auf die liebliche Bergkuppe mit ihrem schönen Waldbestand und ihren lohnenden Fernblicken auf das Bad und die Höhen des Vogelsberges.
* Hersfelv, 8. Mat 1913. In Haffei bestand Herr Le ter Loewer vom städtischen Lyzeum die 'Mittel'chullehrerprüfung.
* Neu-Isenburg, 8. Mai 1913. In dem Trocken- raum einer Wäscherei in der Bahnhofstraße entstand
auf dem Lande vielfach geschieht; aber welchen Preis würde das Holz wohl haben, wenn es das alleinige Feuerungsmaterial wäre! Klagt man doch schon jetzt, daß unsere Wälder den Bedarf nicht mehr decken. Die Verwendung von Kohlen reicht nun gar nicht so weft zurück, als man glauben sollte. Zum erstenmale lesen wir in einer Chronik von Lüttich aus dem Jahre 1195 von „schwarzer Erde, die zum Brennen vortresflich geeignet ist." Später werden einmal in einer Urkunde der Stadt Aachen vom Jahre 1353 „steinerne Kohlen" erwähnt. 1429 gab es „Stehnkohlen" im Saargcbiet, und im sechzehnten Jahrhundert grub man auch int Erzgebirge mit Erfolg nach Steinkohlen. Aber eine ganz allgemeine Verwendung zu Heizzwecken fanden die Kohlen damals noch lange nicht, weil es an geeigneten Heizanlagen, an Kohlenöfen fehlte, so daß häßliche, stinkende Dämpfe in die Zimmer drangen, sobald man mit Kohle heizte. Welchen Fortschritt hat seitdem der Kohlenverbrauch und die Feuerungstechnik gemacht! hf
— Wieviel kann der Mensch hintereinander trinken? Im Sommer bekommt man Durst! Es soll aber trinkfeste Leute geben, die, auch wenn sie keinen sommerlichen Durst haben, imstande sind, zehn bis zwanzig Glas Bier zu „genießen", ohne sonder- liebe Beschwerden dabei oder danach zu empfinden. Natürlich brauchen sie dazu einige Stunden Zeit und eine angenehme Gesellschaft. Fragt man nun, wieviel ein Mensch überhautet, oder richtiger, wieviel er hintereinander trinken kann, so hängt dies natürlich nicht von der Willenskraft ab, sondern vom anatomischen Bau des Magens. Ein normaler Magen kann durchschnittlich 3 Liter Flüssigkeit fassen, man kann also, da der Magen nur bei großem Hunger ganz teer ist, höchstens 6 Glas Bier oder Wasser hintereinander trinken. Mehr zu trinken bringt kein Mensch fertig. Die mei- ften werden es kaum auf 3 bis 4 Glas hintereinander bringen. vs
- Tie Überraschung. Tochter: „Nun habe ich in drei Monaten unter Anleitung der Warna und Der Köchin das Kochen erlernt. Jetzt bitte ich aber, Papa, auch um die mir versprochene Ueberraschnng." — „Rech: gern, Hebe Eva, am Ersten kündige ich Der Köchin!"
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Sestern nachmittag ein Brand, bei dem für etwa 400 Hart Wäsche jerftört wurde.
• Homburg v. b. H., 8. Mai 1913. Der feit sechs Tagen vermißte Waisenknabe Heuler in Schloßborn wurde gestern in einem Schuppen, dem Tode nahe, aufgefunden. Der Junge hatte sich aus Furcht vor Strafe von Haus entfernt und seit der Zeit nichts mehr gegeffen.
• ttaffrl, 8. Mai 1913. In der Wildemannsaaffe wurde gestern ein «troa lechsjähriges Mädchen von einem Bäckerwagen überfahren. Das Kmd erlitt schwere Verletzungen am Kopfe. — Gelegentlich des gestrigen Zuchtschweinemarktes wurde einer Frau Der Geldbeutel mit 36 Mark Inhalt gestohlen. — Der Fahrbursche Herzog ist nach Verübung einer Reihe von Straftaten durchgebrannt. — Em an dem neuen Eifenbahnbau von Velmeden nach Großaimerode-Etchenberg beidiäftigter Schacht- meister ist plötzlich während Der Arbeit bei dem Dorfe Laudenbach Din einer Anzahl Kroaten und GaliziW in bösartige, Weise überfallen und durch Schläge mit Schippen und Hacken schwer mißhandelt worden. Em Gendarm nah zwei der Hauplan st iftcr fest.
* Aus Franke«, 8. Mai 1913. In Kilianshos bei Bischolsb m feierten die Eheleute Gri> bei in voller körperlicher und geistiger Frische das seltene Fest Der goldenen Hochzeit. — Dem Pächter der Mmeralbäder Kif singen, Hofrat Hessing in Göggingen, wurde der Verdienstorden der bayerischen Krone, mit dem der persönliche Adel verbunden ist, verliehen. — Dte kürzlich verstorbene Privatiere Lukretia Freitag in Kitzingen bat der Stadt Kitzingen 1000 Mark für Armenzwecke vermacht. — In Lohr a. M. verstarb Der Direktor des Aloysianum und Religionslehrer an Der Piäparanden- und Waldbau« Ichule Richard Hoffmann. — Bei Aschaffenburg wurde ein alter Kahn ausgebaggert. Der die Jahreszahl 1413 trägt. — Ans dem Wege unterhalb Bau- nach verstarb infolge eine- Schlaganfalles dw Landwirt Rothlauf. Er wurde von Leuten, die sein Fuhrwerk ohne Führer in Baunach ankommen sahen, in kurzer Entfernung von hier tot aufgefunden.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 8. Mai 1913. Die zweite Lehrerprüfung der Schulamtskandidaten, die am Freitag in Eisenach begonnen hatte, endete gestern mit einem sehr günstigen Ergebnis. Sämtliche 23 Herren bestanden das Examen.
♦ Vacha, 8. Mai 1913. Der Schachtarbeiter I. R. aus Tiefenort war am 18. Januar widerrechtlich in das Bureau des Bürgermeisters in Tiefenort eingebrungen und mußte schließlich mit Gewalt entfernt werden. Dabei widersetzte er sich gegen Den Schutzmann R. Er rourDe am Schöffengericht zu 4 Wochen Gefängnis und zu den Kotten des Verehrens verurteilt. Der Arbeiter H. Sch. aus Erbenhausen, ter seinem Schlaskollegen in Dorndorf aus einer Hose, welche in der gemeinschaftlichen Schlafstube hing, em Portemonaie mit 18 Mark Inhalt entwendet hatte, wurde zu eine Woche Gefängnis verurteilt. Der Wirtschaftsgehilfe K. batte bei einem Streit in Kieselbach Dem Landwirt M. mit einem Messer einen gefährlichen Stich in dte linke Seite beigebracht. Er wurde zu 100 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten verurteilt. Auch hat er Den Verletzten den erlittenen Schaden und die notwendigen Auslagen zu ersetzen.
* Dermbach, 8. Mai 1913. Die diesjährige FrühjahrshauptkonferenzderLehrerdes 4. Verwaltungsbezirks findet am Montag, Den 19. er. hier statt. U. a. wird Herr Lehrer Fuß-Erbenhausen über die .Fibelfrage" referieren.
♦ Stadtlengsfeld, 8. Mai 1913. Einern polnischen Arbeiter fiel gestern ein Weichenstück auf Die Zehen des linken Fußes. Zwei Zehen mußten amputiert werden.
♦ Unterbreizbach, 8. Mai 1913. Die gestern in Eisenach abgehaltene Geroerkoeriammlung Der Gewerkschaft .Sachsen-Weimar" genehmigte nach eingehenden Darlegungen, denen zu entnehmen ist, daß der Grubenvorstand auch für das kaufende Jahr befriedigende Ergebnisse erhofft, sämtliche Punkte der Tagesordnung.
Aus Gderheffen u- den Hess. Aemtern.
* Marburg, 8. Mai 1913. Auf Veranlassung des AerzkUchen Vereins ist jetzt in der medizimichen Poliklinik der Unroerfität eine Auskunsts- und Für« forgeftelle für Lungenkranke eingerichtet worden. Sie bezweckt die Bekämpfung aller Formen von Tuberkulose, vor allem Der Lungenschwindsucht. Die unbemittelten Lungenkranken werden unentgeltlich untersucht, unterrichtet und je nach den Umständen in Fürsorge genommen. Die Kranken können nur auf Grund eines Ueberweisungsscyeines ihres behandelnden Arztes in Fürsorge genommen werden. Die Sprechstunden sind Werktags auf die Zeit von 9 bis 11 Uhr festgesetzt. — Das städtische Eiswerk, das auf dem Terrain des Gaswerkes errichtet ist, wird am 9. Mai in Betrieb genommen und am 10. Mai mit Dem Eisverkaufe beginnen.
♦ Marburg, 8. Mai 1913. Bei der gestern in der zweiten Krosse borgenommenen Stadtverordneten-Stichwahl wurde Schreiner-Obermeister Rose mit 77 Stimmen gewählt. Malermeister Bös erhielt 65 Stimmen.
* Aus dem Kreise Kirchhain, 8. Mai 1913. Von Anfang an, so schreibt die „Oberhessifche Zeitung", besteht auf der Ohmtalbahn der sehr beklagenswette Mißstand, daß auf dieser Verbindungsstrecke Kirchhain-Niedergemünden durchgehende Gütersendungen nicht befördert werden, obwohl diese Bahnstrecke die notwendige und natürlichste Verbindung zwischen der Main-Weserbahn und der oberhessischen Linie Fulda-Gießen darstellt. Gütersendungen von Treysa, Neustadt, Biedenkopf, Frankenberg, Westfalen nach Fulda, Lauterbach, Alsfeld, bei Rhön u. s. w. sollten selbstverständlich den nächsten und natürlichen Weg über die Ohmtalbahn über Homberg-Schweinsberg geführt werden, damit sie schnellstens an Ort und Stelle und in den Besitz der Empfänger gelangen. Solche Gütersendungen werden stets von Anfang an umgeleitet über Gießen, müssen also einen Umweg von etwa 94 Kilometer machen. Dementsprechend ist auch der Preis für die längere Umweglmie erheblich höher, als sie über die natürliche Verbindungslinie, über die Ohmtalbahn sein würde. Es handelt sich also hier um zwei sehr wichtige Dinge, um Zett und Geld. Zcdensalls ist diese Maßnahme vom allgemeinen Verkehrsstandpunkt angesehen, unwirtschaftlich und unnatürlich. Solche Umleitungen müßten einfach unmöglich sein! — Wiederholt sind im Laufe der Jahre Vorstellungen in dieser Sache erfolgt, es sind diese Mißstände immer wieder vorgeführt und erläutert