2. Blatt.
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Druck der Fuldaer Ütttentrucrrel in Hnlda.
Fuldaer Zeitung»
M ,05.
Donnerstag 8. Mai 1915.
totales.
Fulda, 8. Mai 1913.
* Verliehe« wurde dem Ober - Regierungsrat Behrendt zu Saffel der Rote Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife, dem früheren Bürgermeister Kleespies zu Salmünster, bisher zu Lettgenbrunn, dem früheren Gemeindeschöffen Müller zu Amordach in Untersranken, bisher zu Leltgenbrunn-Villbach, und dem früheren Gemk'nvediener Heßler zu Butter, stadt tm Landkreise Hanau, bisher zu Lettgenbrunn, da- Allgemeine Ehren,eichen, sowie dem bisherigen Bezirksfeldwebcl beim Landwehrdezllk I Kastel Hiller das Allaemeine Ehrenreichen in Bronze.
# Personalien. Landrichter Dr. jur. v. Hage n s, zurzeit Hilfsrichter am Oberlandcsgericht in Kassel, ist zum Oberlandesgerichtsrat ernannt und dem Senat des Oberlandesgerichts Kassel zugeteilt worden. — Landrichter Dr. jur. K i r s ch st c i n, zurzeit der Vorsitzende Richter bei der Kamnrer für Handelssachen am Landgericht in Kasiel, ist zum Ober- landesgerichtsrat ernannt und an das Oberlandesgericht in Kiel versetzt worden. — Ernannt wurde der Oberzollkanzlist Schröder zum Kanzlciinsvek- tor bei der Kgl. Oberzollbirektion in Kassel. — Der setzt wurden zum -.'Juli Koppen, Jntrnd.- und Baurat, von der Jntend. des 1. zu der des 18. Armeekorps, D e l o n g e, Militär-Jentend.-Sekretär von der Jntend. der 21. Div. zur Jntend. des 18. Armeekorps. — Der bisherige Kreistierarzt Oell- rich ist zum Veterinärrat bei der Kgl. Negierung in Kassel ernannt.
i. Die Piojckle zum Oberrealschulneubau werden vom 12. Mai ab bis einschließlich 25 Mai ds. Js. in den Stadlsälen vormittaas von 9 — 12 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr öffentlich ausgestellt.
-L Viehmarkt. Emen trostlosen Anblick bot heute früh der Biehmarktplatz; denn es waren nur fünf Stück Vieh zugetrieben, aber auch diese verschwanden halb. Ter Viehhändlerveiein hat demnach den Boykott des Fuldaer ViehmarkteS, der in früheren Jahren oft mit über tausend Stück Vieh beschickt war, tatsächlich erreicht. Diese Wendung der Dinge ist i hr bedauerlich, nicht bloß für die Land- wirte der Umgegend sondern auch für die Gewerbetreibenden der Stadt. Die beiden Tierärzte verließen schon >rüh den Viehmarkt.
+ Vom Handwerk. Durch die zum 1. Juli zu errichtende Zwangsmnung für das Maurer-, Zimmerer- und Dachdecker-Handwerk wird die Zahl der hier bestehenden Innungen (sämtlich ZwangSinnungenl aus sieben steigen. Diese werden alsdann rund 300 selbständige Handwerker umfassen, und Fulda wird damit, was die Zahl der Innungen und ihrer Mit glieder anlangt, unter den kurhestischen Städten gleich nach Kassel kommen. Neben diesen sieben Innungen — denen aller Voraussicht nach im Lause dieses Jahres noch weitere folgen dürsten — besteht als handwerkliche Organisation in unserer Stadt noch der Gewerbe verein mit rund 100 Mitgliedern.
<? Im Rdöntlub (Zweigverein Fulda) wurde gestern ab nd m der »Allen Post" eine Bilderserie aus der Rhön, des Schlosses Adolphseck und des Stoppelberges bei Neukirchen gezeigt, die von den zahlreich erschienenen Rhönklubmitgliedern mit vielen Beifall ausgenommen wurde. Herr Kaufmann Breusing hatte es mit Unterstützung des Herrn Drogisten Popp verstanden, eine Auswahl der herrlichsten Landichasls- bilder zulammeniustellen. Das Auge wurde vorbeigeführt an Schloß Adolphseck mit seinem schönen Eingänge von Westen her, dem Wildpark mit seinen Anligen und Gewässern. Die weitere Reihenfolge zeigte uns die schönen Täler der Rhön, von denen sich die gewaltigen Berge und Kuppen romantisch abheben. Tie Winterlanvschaften wechselten mit den grünen Rasenflächen ab. Herr Dr. Schneider stattete am Schluffe den Veranstaltern des wohl- gelungenen Lichlbilvervorlrages den Dank der an- roeienöcn Milglieder des Zweigverems ab. — Der nächste Ausflug findet am Sonnlag nach Pfingsten statt.
+ Fuldensien. Die rührige Reinhardt'sche Bucijhandlung dahier veranstaltete m ihrem Auslage- Erker eine recht interessante Ausstellung. Dieselbe besteht in einer reichhaltigen Kollektion von Fulden- fien: Druckwerken sowohl als Bildern, die sicherlich das Interesse eines jeden heimatliebenden Fuldaers erregen dürft, n. An die im Buchhandel längst vergriffenen Schriften, wieHochsürstl.Fuldarfche Verordnungen, Gymnasial-Progr^mme, Biographien und bergt mehr, reihen sich dann die neueren und neuesten Veröffentlichungen der Fuldaer Literatur: die von
Kc. Der Defraudant.
(Nachdruck verboten.)
Wer wird es ihm glauben, war es denn überhaupt zu glauben? Es ist aber auch rein lächerlich, dem Menschen eine solche Borniertheit zuzumuten. Man hatte ihn gestern in einem Fiaker zum Wettrennen fahren sehen, und heute wird er kommen und sagen: Ich habe die zweitausend Gulden, welche ich einkassierte, verloren; auf der Straße, im Prater oder sonstwo. Im Wiener Prater? Ja, jo etwas wußte es schon sein. Es war ja auch ganz natürlich, daß er sie verloren hatte. Kann denn jedermann gewinnen? Er sucht nochmals, zum wer weiß wie- vielten Male, mit fieberhafter Hast, strengt sein Gedächtnis auf unerhörte Weise an: Um elf Uhr habe ich das Geld erhoben und es in meine Brieftasche gelegt, in die schwarze mit dem Monogramm. -Dann ging ich langsam über die Ringstraße spazieren, dar- auf essen und dann — ja dann hatte er sich ganz einfach auch einmal das Auftreten eines Kavaliers, eines Mannes von Welt geben wollen. Er hatte einen Wagen gemietet und war zum Renne" gefahren — warum auch nicht? Er lebte ja so einge- zogen, so einfach, durfte er sich nicht auch einmal eine Extraausgabe erlauben? Wie lange hatte er bei seinem kleinen Gehalt sparen müffen für jeden Tag. Nach dem Rennen fuhr er in ein VergnügungSlokal und dann, nach etwas luftig verbrachtem Abend, nach Hause; da war er eingeschlafen und am Morgen fehl- ien die zweitausend Gulden. Er hatte sie verloren, nicht im Spiel, nicht beim Totalisator, nein, ganz einfach auf der Straße im Prater oder sonstwo.
Hohoho, junger Mann, gestehen Sie es nur ein, Sie haben gespielt, verloren, wollten das Verlorene ^rückgewinnen und haben noch mehr verloren. Geben Sie wenigstens das, was Ihnen noch übrig blieb, Zurück.
„Herr Chef, ich habe das Ganze verloren, ich schwöre es Ihnen, verloren, verloren!"
Er schrie es laut und gellend upd erschrak über °te eigene Stimme. Verstört blickte er im Zimmer uwher. Ja, er war noch zu Hause in seinem trau» sichen Zimmer, das er sich mit fo“*Viel Liebe einge- Wet und behaglich gemacht. Doch die zwei schönen uitdeutschen Schüsseln an der Wand fielen herunter
Prof. Dr.G. Richter berauSgeg ebenen „Quellen und Abhandlungen der Gefchickite der Abtei unb der Diözese Fulda", F. Rübsam: Die Glocken deS Domes zu Fulda, eine Reihe von Werken bar Rhönliteratur re. Ebenso interessant sind auch die ausgelegten Ansichien von Fulda unb seiner Umgebung, die in Steindrucken, Stahlstichen, Federzeichnungen sich darstellen. Be- fonderS aber erhöht es den Reiz ber Anordnung, daß wir neben den mannigfachen Gesamtansichten unserer Stadt, welche der alte verdienstvolle Fuldaer Zeichner Ignaz Johannis vor ungefähr hundert Jahren ausgenommen hat, nun auch die Originalleberzeichnungen der aus brr Mappe .Altfulda" ja wohl- bekannten so überaus glücklich erfaßten Straßenbilder unseres modernen, heimischen Künstlers Gustav Iller sehen. Ferner sind noch einige alte farbige Stein- drucke ans dem Privatbesttz des Herrn EmÜ Jestädt ausgestellt.
Neue Telegraphen-Anstalt. In Bengendorf im tticüe Hersfeld ist eine Telegiaphen-Anstalt mit UnfaQmelbebienft unb öffentlicher Fernfprechstelle in Wirksamkeit getreten. — Die Telegtaphen-Hilfsstellen Lettgenbrunn unb Villdach im Kreise ©ein« Hausen sind aufgehoben worden.
— Nachlösen von Eisenbahnsahrkarten. Um einen längeren Aufenthalt eines Reisenden oder auch des Zugführers beim Nachdösen von Fahrkarlcit zu vermeiden, haben feit 1. April b. Js. alle beutfdjen Bahnen die Anordnung getroffen, baß bas Zug- begleitpersonal möglichst unterwegs, wenn sich bet Reisende meldet oder ohne gültige Fahrkarte betroffen wird, auf einem Formular, worin alles Nötige vor- gedruckt ist, den Sachverhalt zu notieren und diese Notiz dem Beamten der Nachlöfestation zu übergeben hat.
A Der Saatenstand im Reiche war Anfang Mai, wenn 2 gut und 3 mittel bedeutet: Für Winterweizen 2,5 (gegen 2,5 im Vorjahr); Winterroggen 2,7 (2,6); Klee 2,5 (3,5); Luzerne 2,8 (2,9); bewässerte Wiesen 2,3 (2,5); andere Wiesen 2,6 (3,0). Für den Regie rungsbezirk Kassel lauten die betreffenden Zahlen 2,5; 2,6; 2,6; 2,3; 2,5.
* Gegen Verabreichung von Schnapskonfckt an Kinder wendet sich eine Bekanntmachung des Kasseler Polizeipräsidenten, die folgenden Wortlaut hat und allgemeiner Beachtung wert ist: „Es kommen vielfach Konsekte — Bonbons, Zuckerbohnen, Prali- nees usw. — in den Handel, welche mit Schnaps verschiedener Art, darunter oft mit sehr minderwertigem, gefüllt sind. Angestellte Untersuchungen mit diesen Konfektarten haben ergeben, daß der Alkoholgehalt in denselben oft ein sehr erheblicher ist. Es sind auch bereits Fälle vorgekommen, in denen erwachsene Personen durch den Genuß eines solchen Konfekts berauscht worden sind. Umsomehr aber werden solche Konfekts den Kindern gefährlich, denen im Interesse ihrer Gesundheit der Genuß alkoholhaltiger Flüssig feit in jeder Form untersagt werden sollte. Es tvird insbesondere Aufgabe der Eltern und Erzieher fein, bin ihrer Obhut anvertrauten Kindern und Pfleglingen den Genuß solcher Konfekte zu verbieten."
2lii$ dem Nachbargebiete.
d. Hünfeld, 7. Mai 1913. Mit der Vertretung der Lehrerstelle an ber hiesigen Stadtschule anstelle bes Herrn Lehrers Atzert ist vom 16. b. M. ab ber Schul- amtSberoerber Karl 58inber aus Fulda beauftragt.
[•] HtlderS, 8. Mai 1913. Den v.rliegenben Anmeldungen nach erhält unser gern bestickter Rhönort einen außergewöhnlich starken Psing st feiertags, besuch. Auch der in ber Pfingstwoche bahier ftatt- findende große Jmkerlehrkursus wirb reges Leben hierher brinaen.
* Alsfeld, 7. Mai 1913. In der General-Ver- fammlvng der Oberhesfischen Kornhaus« Genoffenfchaft wurde mitgeteilt, daß bie schleckte Witterung ber Jahre 1911 und 1912 eine sehr un- aünstige Wirkung auf bie Geschäfte ausgeübt habe. Die Bilanz zeigt einen Fehlbetrag von 6000 Mk. Der Stanb ber Genossenschaft ist jedoch dadurch nicht gefährdet, da der reelle Wert der Gebäude unb Maschinen größer ist, als er durch Abschreibungen zu Buch steht.
* Hersfeld, 7. Mai 1913. Der dem Rittergutsbesitzer Schoen gehörige Hermannshof ging zum Preise von 280 000 Mark in den Besitz des Herrn Steinhoff aus Unna i. W (früher in Lengcrs) über.
□ Hanau, 7. Mai 1913. tinbe vorigen Monat s ftnb hier zwei Stück 31/* % preußische Konsols Nr. 324858 und 324859 L 500 Mark auf bisher
und zerschellten, und es klang wie ein Klirren und Rasseln von eisernen Ketten. Der Makartstrauß über den Schüsieln wurde zu Staub, nur die blauen Pfaufedern blieben einen Augenblick, aber sie blickten ihn an wie glühende Geisteraugen, dann verschwanden auch sie. Was war denn aber das? Die Tapeten, die dunkelroten Tapeten, welche so schön waren und dem Samt so täuschend glichen, wurden grau, so grau wie Stein. Das Fenster schrumpft zusammen und Gitterstäbe legen sich darüber. Er ist eingesperrt, ein Defraudant.
Er rafft sich auf, die schrecklichen Bilder zu verscheuchen. Er will auf die Polizei gehen und Anzeige von dem Verlust erstatten. Er hält schon wieder die Leute für dumm. Als ob jemand zweitausend Gulden in barem Geld und in unverfänglichen Fünfzigernoten zurückgeben werde. Ja er, er hätte in einem solchen Falle nichts Eiligeres zu tun gehabt, als das Geld zurückzugeben. Wer ihm das glaubte.
Und seine Eltern, seine greifen, alten, ehrlichen Eltern, ihr Sohn ein Dieb; und seine Marie, seine liebe, teure Marie, was wird sie sagen? Er, ihr alles, ihr Geliebter, der Bankbeamte Georg Distler ein Gauner, ein Defraudant — und er ist es nicht einmal.
Er nimmt aus dem Schreibtisch einen Revolver; er will sich erschießen. Dann wäre alles aus und bann — nun ja, bann wäre seine Schuld erwiesen. Natürlich, heutzutage vergreifen sich die leichtsinnigen jungen Leute an fremden Geldern und wenn sie nicht mehr ein noch aus wissen, erschießen sie sich, um der Schande des Gerichtssaals zu entgehen. Bedurfte es da wohl noch einer Untersuchung? Was hätte er denn sonst für eine Ursache gehabt, sich zu töten? Das Bankhaus wird zweitausend Gulden ins Verlustkonto eintragen, der Finder wird sichs mit dem Selbe wohl sein lassen unb ben Selbstmörber, ben Defraudanten, wirb man einscharren in einen Winkel. Und Marie. Sie, bie er schon überall als seine Braut vorgestellt, was würbe aus ihr werben? Ein schöner Titel bas: bie gewesene Braut eines Tefraubanten, ber sich aus Furcht vor Strafe erschossen hat. Seine Eltern — nein! Er bürste sich nicht töten, ihretweg.u nicht. Aber was sonst? Entfliehen? Wohin? Ohne Gelb, ohne Paß, man wirb ihn ja verfolgen, steckbrieflich, unb wird ihn zurückbringen. Dann wird man ihn
unaufgeklärte Weise abhanden gekommen. Im Ermittelungsfalle wird um Benachrichtigung der Banken erhtebf.
* Frankfurt, 7. Mai 1913. Die Weiterverhandlung im Prozeß des Lotteriekollekteurs Schäfer ergibt durchweg dasselbe Bild, das wir gestern zeichneten. Bei der Elberfelder Ziehung hat sich Schäfer, sobald der Hauptgewinn gezogen war, nicht mehr aktiv beteiligt. Nachdem noch die Vorgänge bei der Zieh ung der Straßburger Kriegerheimlotterie verhandelt worden waren, wurden bie Sachverstänbigen gehört. Direktor Ulrich von ber Generalbirektion ber preußischen Klassenlotterie führte aus, Schäfer habe bei seinen Lotterien ein eignes System konstruiert und konsequent durchgeführt. Die Aufltellung der Tische unb Räber hätte anders sein müssen, als es bei Schäfer üblich war. Es war sehr wohl möglich, daß sich Schäfer beim Einschütten der Loseröllchen in bie Räber Nummern aneignete. Auch aus Nieten einer früheren Lotterie hätte sich Schäfer Nummern verschaffen können. Unter allen Umständen lieg? die Möglichkeit vor, daß die Gewinne auf bestimtmeNum- mern hinqelenkt werden; es sei sogar sehr leicht. Bei den von Schäfer geleiteten Lotterien sei offenbar eine Reihe von Unregelmäßigkeiten vorgekommen. Der Angeklagte habe einSystem gehabt, auf eine bestimmt^ Nummer einen bestimmten Gewinn fallen zu lassen. Es sei eine so merkwürdige Erscheinung, daß der Angeklagte seit Jahren immer bie Haupttreffer selbst mache, baß von einem Zufall keine Rede mehr sein könne. Der Sachverständige Kröger sprach sich in ähnlichem Sinne aus. Staatsanwalt Dr. Keller beantragte unter Hervorhebung des großen Vertrau- ensbruches wegen Betrugs in vier Fällen eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis, 12 0 0 0 Mark Geldstrafe unb 5 Jahre Ehr Verlust. Schäfer würbe zu br ei Jahren Gefängnis, 9000 Mark Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust verurteilt.
* Melsungen, 7. Mai 1913. Die Impfung der Säuglinge ist hier wegen der Ma fern k ran ky ei' bis auf weiteres verschoben worden. Diese Krankheit herrscht auch in Schwarzenberg, so daß die Schule neichloff'n werden mußte.
* Spangenbcrg, 7. Mai 1913. Gestern abend stand plötzlich die Scheune des Dampfsägewerksbesitzers C. Siebert in flammen. In kurzer Zeit brannten auch bie Dachstühle bes angrenzenben Stal les unb bes Wohnhauses. Der Feuerwehr gelang es, ben Brand auf seinen Herd zu beschränken. Vom Unglück scheint der Landwirt C. Wenzel verfolgt zu sein, der in dem Hause zur Miete wohnte. Vor nicht ganz einem Jahre brannte dessen Anwesen ebenfalls ganz nieder. Jetzt hat er wieder seine sämtlichen Stroh- und Futtervorräte verloren und muß wieder, da sein Neubau noch nicht vollendet ist, den Wander- stab ergreifen.
* Kassel, 7. April 1913. Der Bahnangestellte Orth in Harmuthsachsen vergnügte sich gestern damit, aus einem Zimmerstutzen vom Fenster aus nach Spatzen zu schießen. Plötzlich trat ein iunge§ Mädchen von 18 Jahren aus der Hauslüie heraus, geriet in die Sckußlinie und wurde durch einen Kugelschuß in die Stirn tödlich getroffen, so daß sie auf dem Transport zum Krankenhause verschied.
* Kassel, 7. Mai 1913. Ein Automobil, da? von Kaffel aus eine längere Fahrt angetreten batte, ist in der Nabe von Meimbressen in Brand geraten und in Flammen aufgegangen. Personen wurden nicht verletzt. — Die Gemeindevertretung Niederzwehren erhöhte das Gehalt des Bürgermeisters von 5500 Mark auf 6000 Mark unb das WoHnungsgetb von 600 Mark auf 1000 Mark. Die Berüge des Bürgermeisters betragen alfo zusammen 7000 Mark — Den Lehrern wurde eine Ortszulage von 300 Mark nach 25jäbrtger Dienstzeit be illigt.
* Embach, 7. Mai 1913. Graue Schneewolken sandten uns beute vormittag große Schneeflocken aus die Erde. Da jedoch die Temperatur einige Grad über Null blieb, zerschmolz der Schnee bald wieder.
dh. Bad Homburg v d. H., 7. Mai 1913. Die Stadtverordneten beschä tigten sich gestern abend mit einem Anträge, der die Enttührnng einer Winter- tur-Taxe fordert, und zwar 8 Mark für eineHaupt- und 4 Mark für eine Beikane für die Zeit vom 15. Oktober bis 15. April. Der Magistrat wurde beauftragt, eine entiprechende Vorlage zu machen.
dh. Bad Homburg v. d. tz., 7. Mai 1913. In ge» Heimer Sitzung beichloß gestern die Stadtveroibneten- Versammtung, den Betrag für das Hochzeits-Geschent der Prinzessin V'ktvria Lnite von den ursprünglichen
einsperren und eines Tages zur Gerichtsverhandlung führen, rechts und links einen Gefängnisbeamten zur Seite. Wie bie Leute ihn angaffen, er fühlt ihre Blicke, trotzdem er es nicht wagt, aufzuiehen. Man wird die Anklage verlesen, wird ihn befragen, ob er sich schuldig bekenne. Nein, er hat nichts gestohlen, nichts unterschlagen, er hat es verloren. Da lächelt der Staatsanwalt und der Präsident und die Geschworenen und olle Leute. Er sieht ihr Lächeln nicht, denn er hält die Augen fest geschloffen, wie der Vogel Strauß, aber er fühlt es. Verloren! Nun ja, es behauptet ja auch niemand, daß er es nicht verloren hätte.
Mit wahnsinniger Angst erzählt er ihnen jetzt aber, daß er es nicht im Spiel verloren, sondern auf der Straße, im Prater oder sonstwo.
So, und zu was sei er zum Rennen gefahren? Bei seinem bescheidenen Einkommen sei es nicht glaublich, daß er sich derartige Ausgaben leiste, er dürfe dies auch gar nicht. Und bann wäre bies ein ganz eigentümlicher, befonberer Zufall unb er möge bas Gericht nicht für so töricht halten, an solche Zufälle zu glauben. Er möge lieber ein offenes Ge- stänbnis äblcgen, er habe es getan, um mit bem fremden Gelbe eigenes zu gewinnen ober sonst aus einer Ursache; bies allein könne feine Richter zu Mitleib stimmen unb dergleichen mehr.
Dann spricht ber Staatsanwalt, unb ber ist ent» schieben nicht bumm. Es wäre auch gerade unsinnig, ihn dafür zu halten. Was ber nicht alles weiß. Er weiß ganz genau, wo bas Gelb hingekommen sei, er weiß genau, wie und wieso Georg Distler es verloren. Er hort von chm treffliche Sittensprüche über die Verderbtheit der Welt im allgemeinen und der modernen Jugend insbesondere, er kann nicht umhin, dabei einige sehr scharfe Ausfälle auf die Schädlichkeit des Totalisators in seine glänzende Rede zu mengen. Ja, wie gesagt, der Staatsanwalt weiß mehr als Georg, er weiß so viel, daß der Verteidiger gar nichts mehr weiß — unb nur an bie Milde ber Geschworenen sich toenbet.
Darauf werben sie sich zurückziehen und ihn allein lassen in banger Qual unb bann werden sie das Urteil sprechen: Georg Distler ist schuldig des Verbrechens der Veruntreuung nach Paragraph soundsoviel
1000 Mark auf 400 Mark herabzusetzen und dafür zwei Vafen nack antiker Art anfertigen zu taffen Die Iretroetbenöen 600Mart sollen zur Anfertigung einer Adresse verwendet werden, die dem Kaiser zum Regierungs-Jubiläum von der Stadt yombutg übermittelt wird. — Bankier Moritz Rothschild feierte heute das goldene Hochzeitssest.
* Borken, 6. Mai 1913. Der vom Kreistag des Kreises Homberg seinerzeit an Stelle des Rittergutsbesitzers W. Hofmann dahier als ’JUitglicb der Krets- vermittelungsbehörde gewählte Gutsbesitzer F. Scheffer in üDlatborf ist jetzt bestätigt worden.
• Mühlhausen (Thür.), 7. Mai 1913. Die 22jähr. Tochter des Lehrers Jörke wurde gestern bei häuslichen Arbeiten im Treppenhause plötzlich von einem Schwindelanfall befallen und fiel über die Treppcn- brüstung hinab in die Tiefe. Sie erlitt schwere innere und äußere Verletzungen, die nach etwa zwei Stunden den Tod herbeiführten.
* Limburg, 7. Mai 1913. Der allgemeine Rück- gang der Schweinepreiie batte zur Folge, daß auch He hiesigen Mehrer seit 25. vorigen Monats das Schweinefleisch um 10 Pfg. billiger verkaufen.
* Würzburg, 7. Mai 1913. Bei der heutigen Wahl des zw eiten Bürgerin eist e r s wurdeRechte» rat Brand von hier (Zentrum), mit 21 Stimmen gewählt. Auf Rechtsrat Löffler von hier steten 19 Stimmen. Für Rechtsrat Brand stimmten Zentrum und Freie Bürgervereinigung, für Rechtsrat Löffler Die Liberalen und bie Sozialdemokraten.
* Ans Franken, 7. Mai 1913. Der Großherzog von Oldenburg hat nach dreiwöchentlichem Kuraufenthalt Kissing en wieder verlassen und sich i ach Wtesbaden begeben. — Das Cais Waldeck in Ktssingen ging bet der Zwangsversteigerung bei einem Bargebot von 6076 Mk. und etwa 20000 Mk. Hypotheken an Rechtsanwalt Stäblem und Portier Fell als ÜJleift- bietende über. — Die 6. unterfränkische Kreis» tierfckau, die am 23., 24. und 25. Mai anläßlich der Wanderversammlung bayerischer Landwirte in Aschaffenburg ftatifinbet, wird mit 181 Rindern des gelben Frankenschtages, 58 Rindern des Fteck- vtehschlages, mit 35 Pferden (Oldenburgern und l- gtenO, 105 Edelschireinen und veredelten Landschwerncn, 69 Ziegen und 68 Schalen (Bastard-Franken-- und Rhönichasen) beschickt werden. — Einer der ältesten Priester der Diözese Würzburg, Kommorant Kohl- fchreiber, fretrefignierter Pfarrer von Unteresten« beim, begeht heute seinen 85. Geburtstag. Der Jubilar ist zu Kitzingen geboten und Priester seit 20. August 1851. — Die bayerische Zentralstelle für Obstverkarttsvermittlung in München berichtet, daß der Schaden, den die frostigen Nächte am Frühobst usw. in einigen Gegenden in Unterfranken verursacht haben, auf 3—4000JO Pik. bewertet werden kann. — Die Gemeindevcri.etung in Kahl beicliloß, für den Schulhausneubau 50000 Mk. zu 41t* Proz. auszunehmen.
Ami Geisa und Umgebung.
* Stadtlengsfeld, 7. Mai 1913. Dieser Tage konnte der Leiter ber Bürgerschiile, Rektor Henschel, auf eine 25jährige Tätigkeit als Lehrer zurückblicken. Seit 6 Jahren wirkt er an der hiesigen Schule.
* Kaltennordheim, 7. Mai 1913. Ter Einfluß der Handwerkskammer für das Großherzogtum Sachsen macht sich auch im Holzschnitzer-Handwerk des Oberlandes immer mehr geltend. UeberaU zeigt sich das Bestreben, durch lorglältige Ausbildung der Lehrlinge für die Holzschnitzkunst neue und brauchbare Kräfte heranzuziehen. So haben sich kürzlich hier vor der Prüfungskommission für Holzschnitzer wieder 5 Lehrlinge der Gesellenprüfung unterzogen.
Aus Gderheffen u- den heff. Aemtern.
A Marburg, 7. Mai 1913. Die freiwillige Feuerwehr beschloß, an Sonn- und Festtagen auf dem Rathause eine ständige Feuerwache einzurichten.
• Marburg, 7. Mai 1913. Auf Anregung des Verkehrs-Vereins Marburg und Frankenberg werden vom 11. Mai ab S o unta gs i adr kart en nach Fr aut enberg 2. Klaffe zu 2,30 Mk, 3. Klasse zu 1,45 Mk. und nach Herzhausen 2. Klasse zu 3,40 Mk., 3. Klasse zu 2,30 Mk. verfua,swei>e ausgegeben; die Beibehaltung erfolgt nur, wenn sie ausreichend stark benutzt werden.
und wird zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Darauf werben sich Staatsanwalt unb Verteidiger freundschaftlich lächelnd die Hände drücken und fort« gehen; und die Zuhörer verlassen ebenfalls den Saal und denken sich — ja, was denn eigentlich? Der arme junge Mensch, vielleicht ist er doch unschuldig? O nein! Die Zuhörer sind ja auch nicht dumm — und schließlich, was hatte er denn selbst bei einer ähn- ichen Gelegenheit gesagt? Er hatte erbarmungslos ein Verdammungsurteil ausgesprochen. Es war reilich ein wenig anders gewesen. Denn ber damals hatte wirklich gestohlen und das Geld in leichtsinniger Gesellschaft in einer Nacht durchgebracht. Aber hatte er dies nicht auch getan? Wenn eS alle sagen, muß es ja doch wahr ffem, unb ob in leichtfertiger Gesellschaft ober beim Rennen, das ist alles eins.
Alle sinb schon fort, boch nein, da sitzt noch jemand mit einem Schleier. Marie! Ja, sie ist es und sicht ihn an, so eigentümlich unb starr. Dieser Blick bohrt sich in sein Gehirn ein, tief unb immer tiefer und — er sagt ihm, daß sie tot sei, gestorben seinetwegen. Der Blick schwebt ihm vor, als sie ihm das Haar scheren, chm das graue Kleid anlegen, die Sträflings- tracht. Dann führen sie chn in die Zelle unb er fällt nieber auf ben Steinboden. Der Blick aber sagt ihm jetzt, daß auch seine Eltern gestorben seien aus Gram und Schande. Da wird er emporgerissen und bie, welche es getan, sagen ihm, daß er gehenkt werden müsse, sein Verbrechen sei zu groß. Sie führen chn fort und er hört das Armefünderglöcklein läuten, erst leise, bann lauter und lauter, und seine Haare sträuben sich auf dem Kopfe. Er hört noch ein wahnffinniges, schauerliches Hohngelächter, er hört bie Glocken läuten mit schrillem Klang, unaufhörlich, bann legt es sich um seinen Hals kalt, eiskalt, die Kehle zuschnürenb und den Atem raubend.
„Herr Distler, Herr Distler! Warum öffnen Sie denn nicht? Ich hätte bald bie Glocke abgerissen. Sie haben gestern nacht beim Nachhausekommen Ihre Brieftasche auf ber Treppe verloren. Es ist noch ein Glück, baß sie kein Frernber gefunben hat. Aber Herr Distler, so reden Sie boch, wie sehen Sie mich denn an? Um Gotteswillen zu Hilfe!--Herr
Distler ist wahnsinnia geworden."