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Zuldaer Zeitung

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Mittwoch den 7. Mm 1913»

Crftes Blatt

Tlr. 104.

40. Zahrgang.

4- Die Bereinigten Staaten und die gelbe Raste.

Die amerikanische Verfassung enthält seit dem Bürgerkriege (1865) einen Paragraphen, wonach jeder Ausländer, der weiß oder in Afrika geboren oder von afrikanischer Abstammung ist, amerikanischer Bürger werden kann.

Weil damals nur Weiße und afrikanische Neger (n den Vereinigten Staaten lebten, wurde naturge­mäß die gelbe Rasse im Gesetze nicht erwähnt. Als die Zeiten sich änderten und die Japaner und Chinesen in großen Mengen in Nordamerika und speziell in Kalifornien sich ansiedelten und in­folge ihrer bald erreichten wi^jchastlichen Höhe eine u n l i eb s a m e Konkurrenz für die ansässigen Weißen bildeten, hat man den sich immer wieder­holenden japanischen Versuch, sich naturalisieren (ein- Bürgern) zu lassen, von Seiten der Einzelstaaten im­mer abgewiesen, weil man die Nichterwähnung der gelben Rasse in der Verfassung als ein Verbot aufsaßte.

Und nun drohen ernste Schwierigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und I a v a n auszubrechen, die mit dieser immerhin eigenartigen Auslegung eines Gesetzesparagrav'ye.t, wie er Wohl bestimmt nicht im Sinne des Gesetz­gebers lag, eng zusammenhängen. Jipan hat gegen die Verkürzung der Rechte seiner Untertanen pro­testiert und fordert nicht nur, daß der leidige Ge­setzesparagraph des Naturalisationsverbotes aufge­ll o b e n, sondern, daß ihnen auch gestattet wird, Grund und Boden zu erwerben. Die Japaner, die zum großen Teil in kultureller Beziehung über den andern Weißen Einwanderern sichen, geben zur Begründung ihrer Forderung an, daß sie nicht reine Malayen, sondern ein Gemisch dieser Rasse mit Ariern bildeten, daß also das ominöse Gesetz für sie gar nicht in Betracht kommen dürfe.

Tie Lösung dieser Frage stößt nun insofern auf große Schwierigkeiten, da die Vereinigten Staaten ein Staatenbund sind und die Bundesregierung in die Angelegenheiten der souveränen Einzeljtaaten, also auch Kaliforniens, nicht direkt eingreifen darf. Der Präsident der Union, bei dem sich di? Jai- paner über ihre Zurücksetzung in Kalifornien be­schwert haben, hat zwar alles getan, um die Zwistig­keiten beizulegen und unangenehme Folgen zu ver­hüten, seine Tätigkeit konnte sich aber nur darauf beschränken, dem Gouverneur von Kalifornien seine Wünsche nahezulegen. Als vor einigen Jahren in Kalifornien die Japaner aus den öffentlichen Schulen ausgeschlossen werden sollten, griff Prä­sident Roosevelt ein und entfernte aus den er, laffenen Vorschriften alles, worüber Japan Grund zu haben glaubte, sich beschweren zu müssen. Roose­velt stand damals auf der Höhe seiner Macht und war der populärste Mann in Amerika, dem man gern verzieh, wenn er manchmal über seine Befug­nisse hinausstieg. Der Präsident Wilson aber, der zwar die Achtung und Wertschätzung des Volkes in großem Maße besitzt, ist nicht der Mann, der es mit der Verfassung und den Gesetzen so leicht nimmt. Es käme für ihn wohl nur in Betracht die kalifor­nische Gesetzgebung von der Unzweckmäßigkeit ihres Vorgehens zu überzeugen und zu einem Kompromiß zu bestimmen.

Wenn auch die Beziehungen zwischen Jaoan und den Vereinigten ©taten in den letzten Jahren zufrie­denstellend waren, so war man sich in Amerika doch immer bewußt, daß man in Japan eine gefahr­drohende Macht zu erblicken habe. Denn gerade Japan gegenüber sind die Vereinigten Staaten be­sonders verwundbar, weil die Philippinen und Ha> waii zwei treffliche Angriffspunkte bieten und die Küste am Stillen Ozean nur mangelhaft befestigt ist.

Die Schuld des Vaters.

14] Roman von Freifrau G.von Schlippenbach.

Ob ich nicht lieber beim Vater freie", dachte Swerjeff.Aber nein, ich muß zuerst sicher sein, daß die Tochter mich nimmt. Hm, eigentlich kann ich nicht gerade behaupten, daß sie mich ermutigt; sie entschlüpft mir jedesmal, wenn ich mich ihr nähern will. Aber das ist vielleicht nur mädchenhafte Sprö- digkeit. Wenn mir nur nicht der Junge, der Boris Arbutin, ins Gehege kommt. Er wird zu Ostern in Datnofta erwartet, und er soll meiner Auserwählten bei seiner letzten Anwesenheit sehr den Hof gemacht haben."

Roman kratzte seinen kahlen Kopf.

Ich will doch etwas das Terrain bei dem Alten, ich meine Ilja Georgewitsch, sondieren. Zeigt er sich ablehnend, so habe ich ein Mittelchen, um ihn willig zu machen. Ich zögerte schon viel zu lange."

Fürst Arbutin und seine Familie verkehrten am eifrigsten mit Ilja und Daisy. Der echt vornehme Zuschnitt des russischen Magnatenhauses und der herzliche Gastfreundschaft in Datnofka machten das Schloß zum Mittelpunkt heiterer Geselligkeit. Solt- jakosfs waren stets gern gesehene Gäste, und die warme Freundschaft der Herren wuchs mit der Zeit.

Ich hoffe, Boris und Dosia Jljanowna werden ein Paar", sagte die Fürstin Ljuba Arbutin eines Tages zu ihrem Gatten,die Familie ist alt und von tadellosem Ruf, wenigstens soviel ich weiß".

Auch ich habe schon denselben Gedanken gehabt", stimmte Wladimir Borissowitsch feiner Frau bei,ich träte gern mit Ilja Georgewitsch in ein nahes Ver­wandtschaft sverhältnis, ich habe ihn doch aufrichtig lieben und achten gelernt."

Nun Boris kommt ja Ostern; hoffentlich macht e§ sich bann. Sie scheinen ja Wohlgefallen anein­ander zu finden."

Morgen ist Jagd bei sHieprosskis. Ich will Ilja Georgewitsch schon jetzt entloben, uns am ersten Osierfeiertäge zu besuchen. Es ist das erstemal, daß

So ist die Angst, Japan könne die Westkiiste Ame­rikas langsam erobern, indem es den Ueber- schuß seiner Bevölkerung dorthin dirigiert, urnso- wemger unberechtigt, als man sieht, daß die japa­nische Politik in der jüngsten Zeit mit der neuen chinesischen Republik sympathisiert und auf ein Bünd­nis Japans mit China hinarbeitet. Aus diesem Grunde findet die an und für sich ganz unbegründete Handlungsweise Kaliforniens auch int Osten der Ver­einigten Staaten mehr Anklang, als man erwartet hätte.

* Landtagswahlen und Wirt­schaftspolitik.

Mit Genugtuung hebt der Wahlaufruf der Zen- trurnsfroktion des Preußischen Abgeordnetenhauses den Wert unserer Schutzzollpolitik für unsere gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse, Industrie und Gewerbe nicht minder wie für unsere Landwirtschaft hervor und betont die Notwendigkeit deren Fort­führung.

Das Festhalten an unserer bisherigen Wirtschafts- polstik ist nicht bloß notwendig mit Rücksicht auf die Landwirte, sondern auch die Gesamtinteressen des Vaterlandes, sofern in einer blühenden Landwirtschaft Industrie und Handel den sichersten kaufkräftigen Absatzmarkt haben, und eine leistungsfähige Land­wirtschaft am besten die Lebensmittelversorgung der wachsenden gewerbstätigen Bevölkerung verbürgt. Nun fällt zwar die Entscheidung über die Fragen der Schutzzollpolitik im Reichstag, aber auch der Landtag hat hierbei ein gewichtiges Wort mitzu­reden. Die Reichsgesetze kommen zustairde unter Zu­sammenwirken von Reichstag und Bundesrat. Ter Bundesrat ist die Vertretung der einzelnen Staats­regierungen, wobei Preußen den größten Einfluß hat von den 61 Gesamtstimmen im Bundesrat besitzt Preußen deren 17. Tie preußische Regierung muß aber im Landtag über ihre Stellungnahme Rede und Antwort stehen. Hier können also unsere Abge­ordneten auf die Gesetzgebung des Reiches indirekt ihren Einfluß geltend machen.

Man ersieht also hieraus, tote sehr als Gewähr für die Fortführung unserer Wirtschaftspolitik die Rückkehr eines starken Zentrums in das Abgeordne­tenhaus von Bedeutung ist.

Deutsches Reich.

* Berlin, 6. Mai 1913. Der Staatssekretär des ReichsjchatzamteS Kühn und der Staatssekretär deS Reichsjustizamts Dr. Lisco haben mit kurzem Urlaub Berlin verlassen. Tie Teilnahme des Zaren an der Hochzertsseier in Berlin ist am Monlag, einer Petersburger Meldung zufolge, enbgiltig beschlossen worden. Die Fahrt erfolgt auf dem Landwege. Bekanntlich war zur Jubelfeier des Kaisers ein Reiterfest im hiesigen Stadion geplant. Dieses Fest ist nunmehr abgesagt worden, und es wird er­zählt, daß der Kaiser, auf dessen Teilnahme man gerechnet hatte, mit Rücksicht auf die politftche Sage abgelehnt hätte. Daß der Kaiser seine Teilnahme an diesem Reiterfest abgelehnt hat, ist richtig, daß ihn dazu jedoch Grunde poliliswer Statur bestimmt hätten, ist faljch. Vielmehr hat der Kaiser geäußert, es würde nicht zum Charakter des Jahres stimmcn, wenn zu seinem Regierungsjubiläum ein derartig prunkvolles Fest geleiert würde, es würde vielmehr feinen Wünschen entsprechen, wenn dieses Fest einen volkstümlichen Charakter erhielte. Deshalb will sich der Kaiser daraus beschränken, im Stadion eine Huldigung der Turner und der Jugend ent­gegennehmen.

)( Zum Schluß des preußischen Landtages weiß der .Berliner Lokal-Anz/ entgegen anderer Meldungen

er dieses schöne Fest wieder nach seiner Abwesenheit in der Heimat feiert."

Ja, labe ihn und seine Tochter ein", sagte Für- fiin Ljuba beistimmend.

Alle Jäger sahen der morgigen Jagd mit ge- spannter Erwartung entgegen. Außer dem reichen Wildbestande waren auch Bären in den großen Wäl dem Nieprofskis. Tie Raubtiere richteten großen Schaden an; sie zerrissen die Schafe und Schweine der Bauern und hatten sogar ein kleines Kind zer­fleischt. Da galt es, den frechen Räubern eins auf den Pelz zu brennen. Ueberall war Soltjakofis Treffsicherheit bekannt; auf den Jagden hatte man ihn als unvergleichlichen Schützen und tollkühnen Mann kennen gelernt. Einmal hatte er feine letzte Kugel auf einen Wolf verschossen. Das verwundete Tier stürzte sich auf den Jäger, aber Ilja George- toitsch zog kaltblütig ein blitzendes Messer hervor und stieß es dem Wolf gerade ins Herz. Alle gratulierten dem Mutigen; die blutbefleckte Waffe wanderte von Hand zu Hand. Es war eine haarscharfe, dreikantige Klinge, eine Art Stilet, nur länger und stärker. Die Herren bewunderten den blanken Stahl, der, von kundiger Hand geführt, doppelt gefährlich werde» mußte.

Ich habe in Amerika mehr als einer Lebensge­fahr getrotzt, wenn ich diese Waffe bei mir hatte", sagte Soltjakoff leichthin.

Es war ein nebeliger Tag, als sich die Jäger bei Nieprofski einfanden Der Schnee war weich gewor­den, man sah jede Fähre deutlich. Der Förster meinte, das sei gerade das rechte Wetter, um Meister Petz zu jagen. Im weiten Kreise umstanden die Bauern die Stelle oes Waldes, wo der Bär in einem großen, hohlen Baume hauste, lieber den kurzen, einst weiß gewesenen Schafspelz trägt der russische Bauer im Winter oft einen Schal aus buntem Stoff der die Taille einschnürt, den Kopf bedeckt die große Feldmütze und die Beinkleider, die weit und faltig von grobem Wollzeug sind, stecken in hohen, gelben Schaftstiefeln.

Heute Irieyn wir den Räuber, Väterchen", sagte ein schmucker, junger Bauer zu einem alten

mitzuteilcn, daß eS fraglich ist, ob in der lau Legislaturperiode noch eine geschäftliche Sitz» g nu..- findet, zumal es heißt, daß die Regierung auf die Erledigung des Ausgrabungsgesetzes keinen großen Wert mehr legt; man brauche al|o die Herren aus dem Abgeordnetenhause nicht mehr zu bemühen. Es werde wahrscheinlich am 14. Mai nur noch eine formelle Schlußsitzung beider Häuser zur Ent­gegennahme des Dekrets über die Aullöiuvg des Ab­geordnetenhauses und der Schluß des Landtages statt- finden.

* Eine Denkschrift über den Umfang des Bau- schwiudrlS ist, der ,Postt Rr. 208 zufolge, im preuß. statislilchen Landesamt ausgearbeitet worden. Die Denkschrift gibt Aufschluß über die Höhe der Verluste der Handwerker bei Konkursen von zahlungsunfähigen Bauunternehmern in den Jahren 1909 bis 1911. Diese Denkschrift wird neben den amtlichen Ergeb­nissen einer Erhebung Über den Bauschwindcl, tue 1912 angestellt ward-, die Grundlage bilden für die weiteren Erwägungen der Regierung, ob der zweite Teil des Gesetzes über die Sicherung der Bau­sorderungen in absehbarer Zeit in Kraft gesetzt werden soll.

+ Handwerkerinnen in Deutschland. Seitdem auch für weibliche Handwerker ein ordnungsmäßiger Bildungsgang vorgesehen ist, hat das weibliche Handwerk in Deutschland einen starken Aufschwung genommen. Am 1. April 1913 gab es 18700 weib­liche Lehrlinge mit regelmäßigem Bildungsgänge, 6100 weibliche Gesellen und 2120 weibliche Hand­werksmeister. Von den letztgenannten waren 665 in den Kommilsioncn für Meisterprüfung vertreten. An Fachvereinen weiblicher Handwerker gab es 63. Nach den bisherigen Erfahrungen haben sich die weiblichen Handwerksmeister im ganzen recht günstig bewährt.

Ei« Spezialfonds des Evang. Bundes zur Protestantisierung eines kathol. Ländchens. Kürzlich ist berichtet worben, baß zurStärkung des Prote­stantismus auf bei» katholischen Eichsfelb" dem Halleschen Hilssverein für die protestantische Bewe­gung 30 000 Mk. geschenkt und die gleiche Summe zur Verfügung gestellt wurde, sobald die erste evan­gelische Schule auf dem Eichsfelb errichtet wirb. Das katholische Eichsfelb soll also protestantisch werben. Nichtsdestoweniger erhebt der Evangelische Bund stän­dig den Vorwurf der Propaganda und der Proselhten- macherei gegen die katholische Kirche, wenn diese den in protestantische Gegend verschlagenen Katho­liken nachgeht. Wir machen also auch hier wieder die Erfahrung, daß der Evangelische Bund selbst das übt, was eranberenbortoirft. Im übrigen ist die erste evangelische Schule auf bent Eichsfelbe längst gegründet, und zwar schon zu der Zeit, als Protestanten auf bas katholische Eichsfelb kamen, b. h. zur Zeit der Besitzergreifung durch Preußen vor hun. bert Jahren. Im Westpr. Bolksbl. schreibt ein Poli­tiker, ber früher lange Jahre auf dem Eichsfelbe ge­lebt hat: Es bestehen auf dem Eichsfelbe (bas, die Kreise Heiligenstabt, Worbis, Duderstabt und einen Teil des Kreises Mühlhausen i. Th. begreift) nicht nur in ben Kreisstädten, sondern auch in nicht weni­gen anderen Orten evangelische Schulen, überall da, wo sich ein ober zwei Dutzend evangelischer Kinder borfinben. Diese Schulen erfreuen sich ber ausgie­bigsten Förberung ber Regierung. In Heiligenstadt besteht sogar eine höhere evangelische Töchterschule. Vor 15 Jahren zählte diese nur 9 neun! Schülerinnen, und bezog Jahr für Jahr aus dem Regierungsfonds 900 Mk., während die katholische Mädchenschule keinen Pfennig aus Staatsmitteln er­hielt. Die evangelischen Schulen erfreuten sich sogar des Privilegiums der konfessionellen Kreisschulinspek- tion. Im "Kreist Worbis fungierte ein protestanti­scher Kreisschulinspektor im Hauptamte für die katho­lischen und evangelischen Schulen; im Kreise Heiligeu-

Mann,ber Bär hat mir in diesem Winter das zweite Schaf geraubt."

Und mir ein fettes Schwein!" rief ein bärtiger Mann.

Mir hat ber braune Satan die Bienenstöcke unv geworfen und den ganzen Honig gefressen", erzählte ein dritter Bauer.

Tob bem braunen Satan!" riefen alle aufgeregt.

Mit Schreien unb Johlen schloß sich der Kreis eng und enger um bes Bären Lager. Die Bauern hielten zwei Holzbretter in ben Hünben, bie sie gegen» einanber schlugen; das Wild wirb daburch aufge» scheucht unb läuft den Jägern schußgerecht vor ben Lauf. Einige Schüsse knallten. Einige Hasen und Füchse waren erlegt auch ein Elenkalb aber noch immer zeigte "sich Meister Petz nicht. Die Ge­sichter ber Bauern wurden länger unb länger.

Sol? bet schlaue Satan entwischt sein?" dachten sie ärgerlich. _

Auch Tischnowski nahm an der Jagd teil. Er war am Abend vorher zufällig zu dem Förster Nie- proftki gekommen, unb dieser forderte ihn auf, sich doch das Treiben anzusehen, was Grigori gern an- nahm. Er bekam eine Flinte unb mischte sich unter die Bauern, ba er sich nicht in ben Kreis der zur Jagb Eingeladenen wagte.

Um zwölf Uhr brach bie Sonne sich Bahn und ber Nebel verschwand unter ihrem siegreichen Gruß.

Geben Sie acht, Bärin (Herr), sagte der Förster Nieprofskis zu Soltjakoff,gleich werden wir etwas erleben. Hören Sie, wie der Bär brummt; er wit­tert unsere Nähe. Und hier sehen Sie-seine Spuren", er deutete auf die frische Fährte.

In dem Weichen Schnee sah man die plumpen Tatzen des Raubtieres. Noch andere Anzeichen ließen darauf schließen, daß man sich seinem Lager näherte, abgenagte Knochen, Fellstücke und Ueberrefte der ge­raubten Deute lagen umher. Das Brummen wurde lauter und lauter, die Hunde bellten wütend und stürzten vorwärts. In seiner ganzen Höhe aufge­richtet, stand der Bär vor seiner Höhle; es war ein ungewöhnlich großes, starkes Exemplar. Zottig hing

stabt war ein katholischer Kreisfchulinspekto- im Hauptamte angestellt, aber nur sür bie katholischen Schulen bie evangelischen Schulen unterstanden dem Superintendenten. Wir sind überzeugt, baß es auch noch heute im Kreise Heiligenstabt so ist. Der Spenber der 60 000 Mark war also herzlich schlecht unterrichtet über die Sage der Evangelischen auf dem Eichsfelb. Die Gabe wäre besser angebracht gewesen zum Zwecke ber Erhaltung des evangelischen Glau­bens unter ber protestantischen Bevölkerung ber Pro­vinz Sachsen, wo ber Unglaube einen solchen Umfang angenommen hat, baß bie Herren Pastoren oft nicht einmal auf den Dörfern Zuhörer haben für ihre Sonn- unb Festtagspredigten.

* Der Nürnberger Skandal. Sogar die liberale M.-Augsburger Abendztg." veröffentlicht eine Zu­schrift, welche dem skandalösen Beschluß des Nürn­berger Magistrates in Sachen des Projektes einer Franziskanerniederlassung jede praktische Bedeutung abspricht. Der Verfasser weist darauf hin, daß Fran- ziskanerpatres in Nürnberg seit längerem aushilsssi weise in der Seelsorge tätig sind und daß, Klagen über Störung des konfessionellen Friedens nicht laut geworden sind. Die Aushilfe in ben Kirchen durch Patres könne ber Magistrat nicht hindeW. Und wenn er hindert, daß Patres Religionsunterricht in den Volksschulen erteilen, so würden bie jungen Welt- geistlichen noch mehr für biefe Sparte herangezogen werben unb beten interne Seelsorgearbeit wieder würden Patres in Anspruch nehmen.^ Zwischen ber ununterbrochenen Wiederkehr in ber klösterlichen Aus­hilfe unb ber offenen Ansiedelung sei kein solcher Un­terschied, baß große Streitigkeiten barüber am Platze wären. Gestern trat das Gemeindekollegium von 'Nürnberg dem MagistralSbeschluß betreffend die Nicht« zulaffung deS Franziskanerordens bei. Die Gemeinde« täte sind genau so unduldsam wie die Magistrats­mitglieder. !

= Eine Eingabe der Militäranwärter. Der Bund deuticher Militäranwärter hat Blättcrmeldungen zufolge eine Eingabe an den Reichstag gemacht, in der im Hinblick auf die steigende Zahl der Unter­offizierstellen, die das Heer nach der neuen Wehr­vorlage benötigt, einige wichtige Abänderungsvor­schläge zum MannschaftsverforgungSgesetz vom 31. Mai 1906 gemacht werden, das jetzt dem Parlament vorliegt. Vor allem wird alS dringend notwendig erachtet, daß den Militäranwärtern drei Viertel der mittleren Beamtenstellen vorbehalten werden. Hierfür wird geltend gemacht, daß mit der erhöh: en Geldadfindung der jetzige Uebelftanb, der nur geringe Aussichten aus eine Unterbringung dep Anwärter in mittleren BeamtensteUen biete, keines­wegs beseitigt werden kann. Weiter wird u. ii. bie Anstellung sämtlich,.! Militäranwärter, also auch der Unterbeamten, nach Ablauf der Probezeit auf LedenS« zeit und Aufnahme einer entsprechenden Bestimmung in das Gesetz von 1906 als notwendig erachtet.

)( Die blutige Rosa für dm Maffenstreik zur Er­zwingung einer preußischen Wahlresorm. In der Setpf. Volksztg." schreibt R. S., vermutlich also Rosa Luxemburg, daS preußische Wahlrecht weise von lelbft darauf hin, daß ein Maffenstreik des preußischen Proletariats die einzig mögliche Löiung sei. Bebel soll bekanntlich kürzlich den Gedanken eines Massen- ftreiks zur Erzwingung des Reichstagswahlrechtes für Preußen als.Verrücktheit* bezeichnet haben. Man kann ruhig abwarten, ob die preußischen Genossen Herrn Bebel oder Frau Rosa Luxemburg folgen werden.

Borchardt-Leiuert o or dem Reichsgericht. Gestern mittag wurde tm Prozeß gegen die preußischen Land­lagsabgeordneten Borchardt und Le inert vom Reichsgericht das Urteil verkündet. Das Gericht erkannte auf Verwerfung der von den Ange« llagten eingelegten Revision. In der Begründung

ihm bas braune, grau gesprenkelte Fell um ben kräf­tigen Körper, bie kleinen, grünlichen Augen funkelten wilb unb aus bem geöffneten blutroten Rachen blitz­ten bie gewaltigen Zähne.

Dem ersten Hund, der in feinen Bereich kam, versetzte ber Bär einen gewaltigen Hieb mit ber Tatze, baß betreibe laut aufsrcheienb mit gebrochenen Rippen liegen blieb; er verendete saft sogleich.

Hoh! Halloh! Satan, Räuber!" schrien dis Bauern.

Die Jäger Waren näher gekommen. Arbuttn War allen voran, hinter ihm kam Soltjakoff. Der Fürst schoß. Eine Kugel ging vorbei, die zweite traf ben Bären, aber nicht tödlich. Da stürzte sich das rasend gemachte Untier auf Arbukin. Er umklammerte ihn mit ben gewaltigen Armen, unb feine Tatze mit ben furchtbaren Krallen blitzschnell erhebend, machte der Bär ben Versuch, über den Kopf seines Opfers zu fahren Die Mütze Wladimir Boriffowitschs War zu Boden gefallen; vergeblich versuchte ber bedrängte Mann, feinen Hirschfänger zu ziehen; er konnte den Arm nicht frei bekommen. Doch bevor noch ber Bär ben Fürsten mit ben scharfen Krallen kämmen konnte, wobei bem Unglücklichen gewöhnlich die ganze Kopf­haut abgerissen wirb, bevor sich bas Gräßliche ereig­nete, War Soltjakoff an ber Seite bes Freundes; er legte bie Flinte an unb schoß.

Mitten ins Herz getroffen, stürzte der Bär zu Boden.

Sie haben mein Leben gerettet", ries der Fürst, Wie soll ich Ihnen danken, Ilja Georgewitsch!"

Arbutin umarmte und küßte Soltjakoff.

Dies vlles trug sich in Wenigen Sekunden zu, noch ehe die anderen Jäger herzugeeilt Waren. Jetzt umstanden alle den getöteten Feind. Die Bauern schmähten ihn und stießen ihn mit Füßen.

Honigräuber, Schafsdieb, nun Wirst du uns kei­nen Schaden mehr tun können!" brüllten alle durch­einander.

Die Nachbarn umringten Soltjakoff und beglück­wünschten rhn.