2. Blatt.
Dm«! 6er Zuldaer Actiendmüerei in Suita.
* Zuldaer Zeitung. «•
Katholiken Deutschlands.
Immer größer sind in den letzten Jahren die Scharen derer geworden, die zu den Generalver- sammlungen der Katholiken Deutschlands von allen Seiten zusammenströmen, um ihre frohe Zugehörigkeit zur Kirche öffentlich zu bekennen und sich neue Begeisterung für den Kampf draußen im Leben zu holen. Bei diesem Massenandrange besitzt aber kaum noch eine Stadt, so groß sie auch sein mag, einen Saal, der geräumig genug wäre, alle die vielen Tausende von Besuchern zu fasien. Deshalb mußten schon seit einer Reihe von Jahren die Städte, in denen die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands tagte, für die großartige Veranstaltung eine eigene Halle errichten. Die Herstellung eines besonderen Baues aber, der mehrere Tausende von Sitzplätzen aufweist, verursacht ungewöhnliche Ausgaben. Es kommen noch dazu die Unkosten, die mit der Vorbereitung jeder großen Tagung verbunden sind. Damit aber alle diese Ausgaben gedeckt werden und das Lokalkomitee jeder Sorge um die sichere Finanzierung unserer Generalversammlung enthoben sei, ist es notwendig, daß die Zahl der ständigen Mitglieder immer noch wachse.
Ständige Mitglieder sind solche, die sich verpflichten, alljährlich den Betrag von 7,50 Mk. zu bezahlen, wofür ihnen die kunstvoll ausgestattete Mitgliedskarte, der illustrierte Führer durch die Tagungsstadt und der ausführliche stenographische Bericht, der überaus wertvolles Material über die Lage der katholischen Kirche in der Gegenwart enthält, übcrsandt werden. Auch katholische Vereine und Körperschaften und kirchliche Genosienschaften können ständige Mitglieder werden. Eine Verpflichtung zum persönlichen Erscheinen bei der Generalversammlung Wird damit nicht übernommen.
Aus den angeführten Gründen richten wir an Euch, liebe Glaubensgenossen, die ebenso herzliche wie dringende Bitte, Euch als ständige Mitglieder der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands anmelden zu wollen. Wir sind überzeugt, daß besonders die hochwürdige Geistlichkeit und die Bor- stände der katholischen Vereine nicht bloß selbst als ständige Mitglieder beitreten, sondern auch mit regem Eifer eine lebhafte Werbetätigkeit entfalten werden, nm unter den Angehörigen ihrer Pfarreien und ihrer Vereine für unsere Generalversammlungen eine große Anzahl ständiger Mitglieder zu gewinnen.
Der Betrag von 7,50 Mk. kann, wenn gewünscht, der Anmeldung beigefügt oder auf Postscheckkonto, Amt Karlsruhe Nr. 5020, eingezahlt werden.
Alle Anmeldungen sind zu richten an Herrn Bankier C. R e u m o n t, Metz, Poststraße 2.
M e tz, im April 1913.
Der Vorsitzende des Zentralkomitees: Graf Droste zu Vischering, Erbdroste.
Der Vorsitzende des Lokalkomitees zur Vorbereitung der 60. Generalversammlung der
Katholiken' Deutschlands zu Metz 1913: Prof. Kintzinger.
Lokales.
Fnlda, 6. Mai 1913.
# Verliehen wurde dem Oberpostsekretär a. D., Rechnungsrat Schraudebach zu Frankfurt a. M.» Bockenheim der Rote Adlerorden vierter Klaffe, dem früheren Weichensteller Stärck el zu Bockenheim und dem pensionierten Oberpostschaffner Stroh zu Hanau das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens, dem pensionierten Oberbriesträger Schneider zu Fronhausen das Allgemeine Ehrenzeichen.
-ff- Ueberwiesen wurde der bisherige Direktor der Oberreal>chule in Breslau, Unruh, dem Provinzialschulkollegium in Kassel als Provinzialschulrat.
Zs P. Eustach Kircher, Senior des Frauenberger Konvents, tritt mit dem heutigen Tage in das fünfzigste Jahr seines franziskanischen Ordenslebens. Die Vorsehung hat eS ihm vergönnt, in bester Gesundheit und seltener Rüstigkeit das Jubiläumsjahr zu erreichen. Die kirchliche Feier des Jubiläumstages findet voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Juni statt.
Ssp An daS Fernsprechnetz der Stadt Fulda wurde daS hustge Proviantamt unter Nr. 134 angeschloffen. Der Anruf auf Nebenanschluß (38) kann nicht mehr benutzt werden.
Der Gesangverein „Sumpshausen".
(Eine naturgeschichtliche Plauderei.)
Langweilig war es doch, seitdem die abendlichen "Hebungen im Gesangverein „Sumpfhausen" eingestellt waren. Herbstliche Kühle hatte sich eingestellt. Der feuchte Aufenthalt, die schwache Bekleidung, nicht einmal ein paar Haare auf dem Leibe — wer hat da noch Lust zu singen?! Zu alledem war auch noch Trauer in der Kownie emgekehrt. Eine größere Anzahl der Stimmesgenosien war Meuchelmördern in die Hände gefallen. Rohe Burschen hatten sie im Tümpel gefangen, ihnen die Hinterbeine abgeschnitten und den so verstümmelten Körper in's Wasser zurück, geworfen. Unter gräßlichen Schmerzen hatten die armen Opfer chr Leben ausgehaucht, während Feinschmecker unter den Menschen die Keulen als Leckev- bissen verzehrten. Kanibalen fürwahr! Selbst der Dirigent, eine hervorragende Größe, besonders inbe- treff seines Körpers, wurde ein Opfer des Massenmordes. Wohl hatte er sich noch kurz vorher aufgebläht im Vollgefühl seiner Würde und seines An- sehens in der musikalischen Gemeinde. Unbestritten war seine Kandidatur aufgestellt, einstimmig seine Wahl gewesen, „doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ewiger Bund zu flechten und das Unglück schreitet schnell". Auf der Höhe seines Ruhmes, nachdem schon die Partitur zu einer neuen Frosch Cantate — er hoffte bestimmt im diesjährigen Preissingen zu Frankfurt als Sieger nachhause zurückzukehren — in Bereitschaft lag, sank er dahin .... Tiefer zeigte das Thermometer. Gleichen Schritt mit ihm hielt die Blutwärme der Sangesbrüder. Der Gefrierpunkt rückt bedenklich näher. Doch der, den Bewohnern von Sumpfhausen von Natur aus innewohnende Instinkt hatte alle noch rechtzeitig gemahnt, die tieferliegenden Wohnungen aufzusuchen, um dem Hungertode zu ent- äehen. Schmalhans war überhaupt in der letzten Zeit Küchenmeister gewesen, denn die allgemeine Fleischteuerung hatte sich auch in Sumpfhausen bemerkbar gemacht. Hier und da summten noch einzelne Fliegen und Käfer. Man mußte sich Mühe geben und räglich auf die Jagd gehen, um den knurrenden Magen zu befriedigen. Gott seh Dank, mit der Blutt wärme nahm auch der Appetit ab. Man war in der letzten Zeit überhaupt so schläfrig und nur mit Mühe
E Geflaggt haben heute anläßlich des 31. Geburtstages des Kronprinzen von Preußen die staatlichen und städtischen Gebäude unserer Stadt.
cP Verhaftet wurde gestern morgen der junge Kaufmann, der unter Vergiftungserscheinungen erkrankt, dann nach Koburg gereist und am Sonntag von dort zurückgekehrt war. Er hatte in dem Geschäft, wo er zuletzt beschäftigt war, einen Posten Seidenstoffe entwendet und sie im Pfandhaus unter Angabe eines falschen Namen versetzt. Ferner hatte er in einem hiesigen Blumengeschäft einen wertvollen Kranz für seine angeblich verstorbene Schwester be- stellt und auf der schönen Schleife sogar eine Erinnerungswidmung anbringen lassen. Den Kranz legte er in seinen Schließkorb und machte sich von den Blumen Vorsteck-Sträußchen.
-y- Zum Ehrenmitglied der Friseur-Zwangsinnung ernannt wurde der Friseur Trost anläßlich seines 70. Geburtstages.
X Gestohlen wurde gestern morgen von einer hiesigen Taxameterdroschke eine in unmittelbarer Nähe der Steuerung in einer Blechkapsel angebrachte große Remontoirubr mit dem Ausdruck .Automobil".
-f- Handwerkertag. Wie wir bereits berichtet haben, findet am 25. d. M. der diesjährige Ver- tretettag der Innungen, Handwerker- und Gewerbe- vereine des Kasseler Bezirks zu Gelnhausen statt. Aus der umfangreichen Tagesordnung nennen wir folgende Punkte: Welche Ziele und Aufgaben verfolgt der Verband öffentlicher Lebmsversiche- rungsanstalten und die von ihm eingeführte Volksversicherung. — Die gesetzliche Regelung des Verdingungswesens und die Einrichtung von Ver- dingnngsämtern. — Die schädlichen Folgen der Gewerbefreiheit und die Mittel zu deren Beseitigung.
L- Wanderungen unserer Jugendvereine. Der tatho- lische Jugendverein der Stadtpfarrei beschloß in feiner letzten Vereinsversammlung eine zweitägige Pfingstwauderung in die Rhön zu unternehmen. Am darauffolgenden Sonntag (18. Mai) bat der Jünglingsverein der Dompsarrei einen Maiausflug nach Neuhof vorgesehen.
♦ Vertretung der landwirtschaftlichen Arbeiter in den LandwirtschastSkammern. Das Landesökonomiekollegium bat die Landwirtschaftskammer in Kassel um eine gutachtliche Aeußerung zu einer Anzahl Fragen über die Vertretung der landwirtschaftlichen Arbeiter in der Kammerorganisotion ersucht. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer hat in seiner letzten Sitzung zu dieser Frage Stellung genommen.
— Reservistenübungen. Im Herbst wird bei dem 18. Armeekorps (Frankfurt a. M.) einem Reserve- Jnfanterie-Regiment eine Reserve-Maschinengewehr- Kompagnie zugewiesen. Zu den Fliegertruppen werden 30 im Fliegerdienst ausgebildete und 240 als Techniker zu verwendende Reservisten anderer Waffen zu einer vierwöchigen Hebung eingezogen. Ferner treten hinzu Hebungen von Hnterzahlmeistern und Zahlmeister-Aspiranten des Inaktiven- und Be- urlaubtenstandes, die für Feldstellen bestimmt sind, für die Dauer von zwei bis acht Wochen. Im übrigen finden die Hebungen so wie im Vorjahre statt. Jedes Armeekorps stellt zwei Reserve-Infanterie. Regimenter und eine Reserve-Artillerie-Abteilung auf. Die Zusammenstellung soll möglichst derjenigen im Mo- bilmachungsfall entsprechen.
* Eine Erinnerung an Franz v. Dingelstedt. Die Tochter Franz Dingelstedts, Baronesse Susanne von Dingelstedt in Graz, hat dem Friedrichsgymnasium in Kassel ein eingerahmtes Bild ihres 1881 verstorbenen VaterS übersandt. Der gefeierte Dichter, von dem auch das allbeliebte Weserlied stammt, war vom Jahre 1836—1838 als Lehrer an dieser Schule tätig. Im letztgenannten Jahre wurde Dingelstedt an das Gymnasium in Fulda versetzt, wo er bann 1841 seinen Abschied nahm, um seine hessische Heimat auf immer zu verlassen.
Aus dem Nachbargebiete.
-)-(- Steinhaus (Kr. Fulda), 5. Mai 1913. Als am Sonntag d-e Bewohner von Steinhaus aus der Nachmittags-Andacht zu Steinau auf dem Nachhause, wrge begriffen waren, versuchte ein des Radfahrens nicht recht kundiger Dienftknecht aus Steinau, der in Lehnerz in Diensten steht, die Kirchenbesucher zu über- holen. Kurz vor Steinhaus fuhr er auf einen Trupp Kirchgänger, zwei Männer und zwei Frauen, die zu Fall kamen. Unglücklicherweise kam die etwas schwache Frau eines Arbeiters aus Steinhaus unten zu liegen und trug außer Verletzungen des linken Oberarmes
war es einem möglich, die Augen offen zu behalten. Träge schlichen die Einwohner umher. Selten noch wagte einer einen Sprung. Tödliche Langeweile plagte die männliche Jugend. Die Freuden des Wirtshausbesuches waren ihnen fremd. Alle waren von Natur aus überzeugte Absttnenten, welche sich zwar in alkoholfreien, aber in desto mehr mit Schlamm vermengten Flüssigkeiten wohlfühlten. Sumpfhühner machten wohl hier und da einen Be- such, aber „Sumpfhähne" im schlimmsten Sinne des Wortes gab es nicht in der Gemeinde. Immer tiefer sank die Temperatur und eines Tages lag das Vereinslokal des Gesang-Vereins Sumpfhausen im tiefsten Winterschlafe, verödet und verlassen in den Armen der erstarrten Erde. Lusttg tummelten sich die Menschenkinder auf der spiegelglatten Fläche deS Teiches. Eismacher kamen und arbetteten mit lautem Gepolter an der Schlafftätte der erstarrten Sumpf, bewohner. Diese aber lagen traumumfangen am Grunde des Gewäffers und hatten keine Ahnung von den Freuden des Winters; denn ihr Leben spielt sich nur in drei Jahreszeiten ab. Selbst die ältesten Veo treter des Geschlechtes sahen nie die vierte Jahreszeit und die längstverklungenen Heldensagen kennen keinen Kampf in Nacht und Eis. Doch auch die Tage der Ruhe gingen bald vorüber. Höher steigt die Sonne. Schon tauen Eis und Schnee. „Der Tau- wind fchnob vom Mittagsmeer" und viele Bächlein rinnen die Berge hinab. Die aufgeyenve Frühlingssonne beleuchtet zwar noch manchmal die bereifte Landschaft, aber sie erwärmt auch den Boden mehr und mehr und manche ihrer Strahlen erreichen auf Augenblicke das schlammige Bett der eingeschlafenen Sänger. Warme Nächte bringt der März bei seinem Scheiden und der beginnende April hat viele schöne Tage. Allmählich regt sichs auch in Sumpfhausen. Neugierig streckt schon eine hier und da den dicken Kopf zum Waffer heraus und lugt im Dämmerscheine zum Frühlingshimmel empor. Länger läßt man sich aber nicht mehr halten und eines abends heißt's in aller Munde: „Es wird Frühling, die Frösche quaken wieder." Das laute „goak, goak" des neugewählten Dirigelitcn versammelt den Verein. Die schnarrende Stimme beginnt mit dem Grundton und endigt in tremolo mit der Oktav. Dazwischen tönt das „gäk, gäk" der weiblichen Mitglieder des gemisch-
noch Verletzungen an der Stirn, Hand und dem Ellen- bogen davon, sodaß sie in ihre Wohnung getragen und heute morgen in? LandkrankenhauS nach Fulda gebracht werden mußte. „ .
hl Neuhof, 4. Mai 1913. Der VolkSverein hielt heute eine Versammlung ab. Freude für Auge und Herz bot die zahlreich erschienene Jugend. Das Programm bot den Besuchern zunächst Aufklärung über eine materielle Frage: Hebet die Lebensversicherung. In Frage kommt für den kleinen Mann nur die Volksversicherung, wie sie die Leokaffe bietet. Die neueste Kaffe auf diesem Gebiete der Volksversicherung, die sozialdemokratische ..Volksfür- sorge" wurde in ihrer Grundlage gekennzeichnet. Die Gefahren, die sie in sich birgt: Hinführen des Arbeiters mit seiner ganzen Familie und des Landvolkes zur Sozialdemokratie, wurden klar dargelegt. Der Appell, sich an die Leokaffe anzuschließen, war er- solgreich. An zweiter Stelle wurde den Anwesenden von Herrn Dechant B erm oser ein Bild der Stätte des vorigen eucharistischen Kongreffes geboten. Sehr interessante und mit Freude und Begeisterung aufgenommene Hinweise auf unsere eigenen örtlichen Verhältnisse ergaben sich während des Vortrages von selbst. Befriedigt und neu angeregt find alle Teilnehmer na* Hause gegangen. Hoffentlich roneben die Versammlungen in Zukunft gleich gut besucht zum Besten bet katholischen Sack. in Neuhof. — Froh und frisch war heute unsere männliche Jugend gestimmt. Durch gütige Zuwendung des Herrn Landrales war es möglich geworden, hinreichend Spielgeräte zu beschaffen, die heute dem Jünglingsverein übergeben wurden. Der erste Spiel- nachmittag gestaltete sich recht schön. Ein Dutzend neue Mitglieder war gleich die Ernte des Vereins. Und es kommen noch mehr — das darf man sagen! Dankbar erkennen die Leiter des Vereins es an, daß ihnen vom Landratsamte kräftig unter die Arme gegriffen wird mit dem, was sie nicht haben, nämlich mit Geld. Geld von der einen Seite, Arbeitswunsch und Albeitskrast von bet andern, das gibt den guten Klang ab, den die Jugend gern hört — Freude und Frohsinn in ernster und heiteret Betätigung.
X Bieberstein, 5. Mai 1913. Mit dem Auftrieb auf der Fohlenweibe wird am Donnerstag, den 8. Mai begonnen werden.
t. Eckweisbach, 5. Mai 1913. Zur Lehrerin an der hiesigen Mädchenschule anstelle der nach Fulda berufenen Fräul. Josepha Kramet wurde die Schulamts- Bewerberin Fräul. Emma Völker von Aumühle bei Eckweisbach vom Schulvorstand gewählt.
* Bebra, 4. Mai 1913. Auf billige Weise suchte ein fremder Mensch, den Ausweispapieren nach ein Russe, die Bahnfahrt von Frankfutt hierher, zu machen. Ihm fehlte es jedenfalls an dem nötigen Kleingeld und so bestieg er denn ein leeres Bremshäuschen und fuhr als blinder Passagier. Allein hier wurde cr festgenommen und der Ortspolizei übergeben.
8 Bölkershaufrn, 5. Mai 1913. Beim Beschlagen eines Pferdes stürzte ein polnischer Knecht des 9titter* gutes so unglücklich hin, daß et einen doppelten Beinbruch erlitt. Er wurde dem Landkrankenhaus in Eschwege macfüirt.
ss Bad Soden, 5. Mai 1913. Das hiesige Genesungsheim der Höchster Farbwerke beherbergte im letzten Geschäftsjahr 176 Personen.
* * Neu-Isenburg, 5. Mai 1913. Die Arbeiten zu dem im vor. Jahre beschlossenen Volksbad sind jetzt vergeben worden.
* Hanau, 5. Mai 1913. Heule wurde der Besitzer der Diamantschleiferei Wilhelm Reußig wegen Unterschlagung von zwei Brillanten im Werte von 2400 Mark verhaftet. Reußig hatte die Steine von einem Bijouteriefabrikanten erhalten, sn sofort versetzt und die Pfandscheine weiterverkaust. — Der Magistrat hat beschlossen, der Straße Nr. 93 zwischen Frankfurter Landstraße und der Straße 99 den Namen Goethe st raße beizulecen.
* Offenbach, 5. Mai 1913. Die Bohrversuche für die Errichtung des geplanten Kreis-Gruppe n- wasferwerkes, deren Anlage bei einer Wasserversorgung für sämtliche in Betracht kommenden Gemeinden des Kreises Offenbach sowie einer Abgabe bis zu 12 000 Tageskubikmetern an die Stadt Offenbach, zwei Millionen Mark kosten wird, haben bisher ein recht günstiges Ergebnis gezeitigt. In dem Gersprenz- und Rodautal wurde ein mächtiger Grundwasserstrom entdeckt, der gutes Trinkwasser führt. — Der Offenbacher Haus- und Grundbesitzer- Verein beabsichigt eine Erhöhung der Miels- preise um 10 Prozent eintreten zu lassen.
en Chores. Es ist ihr Minnelied. Noch kurze Zeit und die Lücken des vorjährigen Vernichtungskrieges sind wieder ausgefüllt. Der Mensch aber, welcher die Töne der Liebe nicht versteht, gibt die prosaische Antwort: „Die Frösche quaken das Laub aus den Bäumen!" l:l
— «int lustige Echulgefchichte. Ein Schulmann erzählte mir kürzlich folgendes Erlebnis, das ich dm Lesern nicht vorenthalten möchte. Der Herr Schnl- inspeklot hat die Schule zu X. inspiziert und hält nun Konferenz mit dem Direktor und den Lehrern. Der gestrenge Vorgesetzte äußert fich sehr lobend über die Leistungen der Schüler. .Ader", so fügt er hinzu, „bie Schule ist nicht nur dazu da, den Schülern den Wissensstoff betjubringen, sondern sie soll die Knaben auch zu einer gefälligen Lebensart erziehen. Dazu gehört, daß sie eS verstehen, in angemeffener Form Antwort zu geben. Es ist mir ausgefallen, daß die Antworten der Schüler ungelenk, ja gerade unhöflich herauskommen. Sie geben dem Fragenden, dem sie antworten, nicht die diesem zukommende Anrede. So antwortete der Schüler, den ich nach seinem Namen fragte, mit einem kurzen: Müller, statt höflich: Müller, Herr Inspektor. Sorgen Sie dafür, meine Herren, daß wenigstens diese einfache Höflichkeits- regeln den Schülern fest eingeprägt wird." — Em Jahr später! Der Herr Inspektor ist von neuem zur Besichtigung erschienen und tritt in das Klaffenzimmer, in dem soeben Religionsunterricht erteilt wird. Man ist gerade beim „Sündenfall". Der Herr Inspektor — als Mann der Praxis — greift unmittelbar in den Hnterricht ein und nimmt dem Herrn Lehrer die Fragestellung ab. „Wie sagte da Gott zur Schlange?" so fragt er den kleinen Müller. Und prompt erfolgt, eingedenk der strengen Instruktion, die Antwort: „Verflucht sollst du fein, Herr Inspektor" — „Nein, nein, das meine ich nicht; was sagte der Herr noch weiter zur Schlange?" Müller: „Aus dem Bauche sollst du kriechen, Herr Inspektor." „Um Gottes willen weiter, was noch mehr?" Müller: „Ich werde dir ben Kopf zertreten, Herr Inspektor."
— Ein Tier, das durch die Haut feinen Durst stillt, nicht also nur durch den Mund trinkt, ist die Schnecke. Sie gehört zu den wasserhaltigsten Tieren, und nicht ohne Zweck hat es die Statut fo eingerichtet,
JV9 J0.1
Dienstag 6. Mal 1915.
ob. Frankfurt, 4. Mai 1913. Unter dem Vorsitze von Provmzial-Direktor Dr. Breidert (Mainz) trat am Samstag der „Verein für daS Großherzoglurn Hessen und die Provinz Heffen-Naffau zur Beschäftigung Arbeitsloser" hier zusammen. Der Täligkeits-Bericht für 1912 beschäftigt sich vor allem mit der Entwickelung der Arbeiter-Kolonre Neu-Ulrich st ein, die als durchaus befriedigend angesehen werden kann, obwohl die Zahl der Kolonisten sich verringert hat. Die Betriebs-Kosten der Anstalt stellten sich im Jahr« 1912 auf 29,054 Mk. In diesem Jadre wird der Kolonie «ine Schmiede, und Schreiner-Werkstätte neu angegliedert. AIS nächst« Ausgabe sieht der Verein die Schaffung eines ArbertS- heims und die Fürsorge für jugendliche Wanderer vor. Der Haushaltsplan deS V.reins für 1913 wurde mit 51,400 Mark Einnahmen und Ausgaben und jener der Wirtschaft? - Verwaltung mit 67,208 Mark festgesetzt. — An demselben Tage hielt hier der „Ver- band der Verpflegungs-Stationen und Wan- derarbeittsstätten im Großherzogtum Hessen und in Heffen-Naffau feine Hauptversammlung ab. Dem vom Vorsitzenden Oder-Regierungsrat Springornm (Wiesbaden) erstatteten Verwaltungs-Berichte war zu entnehmen, daß der Verband auf ein erfolg, und arbeitsreiches Jahr zurückblicken kann. Dte An. nähme des Wanderarbeitsstätten«Gesetzes war für Heffen-Naffau van entscheidender Bedeutung und hat die maßgebenden Behörden Hessens und Hessen-Nassaus ermutigt, den Plan für eine gemeinsame Wanderord- nung und einen gemeinsamen Paß aufzustellen. Im Mittelpunkte der Tagung stand der Antrag auf die Verschmelzung des Stations-Verbandes mit dem mitteldeutschen Arbeisnachweis-Berdand, der einstimmig an» genommen wurde.
• Nied, 5. Mai 1913. Der in der TaunuSstraße wohnende Albert Koch zertrümmerte gestern abend im Verlaus eines Streites seiner Frau mit einem Hammer den Schädel, nachdem er sie vorher mit einem Strick gewürgt hatte. Der Gatten« mörder stellte sich der Polizei in Schwanheim mit den Worten: „Ich habe meine Frau umgebracht." Koch ist ein dem Trunks ergebener Mensch. Anscheinend zeigt Koch keinerlei Reue. Die ermordete Frau wird als eine ruhige und brave Frau geschildert.
II Neu-Ulrichstem, 5. Mai 1913. Die Versuche, für die Arbeiterkolonie Neu-Ulrich st ein aus den Gemeinden Appenrod, Darnenrod oder Maulbach Trinkwasser zu gewinnen, scheiterten. In« folgedeflen schloß die Gießener Kulturinspektwn mit Homberg a. d. Ohm einen Vertrag über die Lieferung von Trinkwaffer ab. Die Kosten der W a s s e tt leitung von Homberg nach der Kolonie betrage«, 27 000 Mark, wovon 5000 Mark bereits zur Ver. füguna stehen. Im Laufe dieses Jahres sollten zahl' reiche Neubauten ausgeführt werden, für die im Vor: anschlag 37 000 Mark vorgesehen waren. Doch mußte aus Mangel an Mitteln die rrichtung eine- Geflügelhauses, eines Jsolierhauses und eines Kolo, nistenbaus verschoben werden. Gebaut wird dagegerl eine Desinfektionsanstalt und eine Schmiede« uni Schreinerwerkstätte. Im letzten Jahr fanden 265 Mann Aufnahme gegen 310 im Jahre 1911.
* Darmstadt, 5. Mai 1913. Die Strafkavtt mer verhandelte gestern gegen die schweren Ein brecher, die in der Nacht zum 22. Dezember v. Js, ein Darmstädter Goldwarenlager im Werte bot 15 000 Mk. ausräumten und damit flüchtig gingen Der ältere von beiden, Joh. Tomsie aus Littai ii Krain, ist vielfach mit Zuchthaus Vorbesttaft. Da andere, der 18 Jahre alte Joh. Hahn ans Lemberg war geständig und erläuterte die Streifzüge, die sn durch Europa gemacht haben. Tomsic erhielt IC Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, während Hahn wegen Beihilfe zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wlrrde.
st Königstädten, 5. Mai 1913. In der Nähe un« seres Ortes wurde der hochbetagte Vorstand der Nauheimer israelitischen Religionsgemeinde so unglücklich von dem Schremer Reinhardt aus Wetzlar mti dem Rade angefahren, daß er nach kurzer Zeit seinen Verletzungen erlag.
* Kasiel, 5. Mai 1913. Im Stadtteile Rothen« ditmold erhängte sich ein Mann im Alter von 67 Jahren. — An einem Neubau stürzte em Mann aus beträchtlicher Höhe hinab und blieb bewußtlos liegen Er wurde nach dem Landkrankenhause gebracht. — Die Fulda, die schon seit mehreren Tagen stark schmutziges, lehmiges Wasser führt, ist gestern um 35 Zenitmeter gestiegen. Das Wassex st e i g t noch weiter. .
daß die Schnecke auch durch die äußere Schleimhaut Wasser aufnehmen kann. Deshalb sieht man sw meistens am Morgen oder nach einem Regen über die nassen Gräser und Kräuter kriechen; die Tau. oder Regentropfen bleiben dann in den vielen Haut- runzeln hängen und werden langsam durch die Schleimdrüsen aufgesaugt. Durch Experiment» wurde festgestellt, daß eine Nacktschnecke, die einigt Tage trocken gehalten wurde, durch Bettäufeln der Haut binnen einer Stunde 29 Prozent an Gewicht zunahm, binnen zwei Stunden um 41 Prozent. Nach sechs Stunden betrug die Gewichtszunahme 49 Prozent und nun erst begann die Schnecke weiter, zukriechen. vs-
— Allerlei Weisheit. Die linke Hand ist bei den meisten Menschen kälteempfindlicher als die rechte. — Nach der letzten Obstbaumzählung kommen in Deutsch- l<md auf jeden Bewohner rund zwei Obstbäume. — Der kleinste Mensch der Erde, ein Fräulein Minott in Chi- cago, war nur 68 Zentimeter groß, wog nur 14 Kilo und starb im Alter von 82 Jahren. — In Indien sterben Jahr für Jahr 20. bis 22 000 Menschen an dem Biß giftiger Schlangen ,und gegen 10 000 durch Raubtiere. — Die Krone des ruffischen Kaisers besitzt den enormen Wert von 24 Millionen Mark. — An den chinesischen Volksschulen erhalten die Lehrer kein festes Gehalt, sondern für jeden Schüler täglich einen Betrag im Werte von 4'/- Pfg. — Die größten eßbaren Austern haben einen Muscheldurchmeffer von 20 bis sogar 30 Zentimeter; sie werden in Australien gefangen. — Chronometer, d. h. Zeitmeffer, werden jetzt so genau hergestellt, daß man die Zeit bis ein Hundertstel Se- künde genau ablesen ftntn. Sie werden elektrisch be» ttieben. vs;
— Eine treffende Antwort. Im Briefkasten der „Jllustr. Santa,. Ztg." fragte ein Abonnent an, ,,tn welchem Alter man Fohlen am besten toupiere . Das Blatt veröffentlichte darauf folgende Antwort eines an. deren Abonnenten: „Die beste Zeit zum Verhacken eines schönen Pferdeschweifes ist sehr bald nach dem Tode des Pferdes. Dabei gewinnen Sie einen guten Roßhaarwedel, ersparen dem Pferde Bei Lebzeiten viel Plage durch Fliegen und helfen mit zur Beseitigung einer tierquälerischen Modethorheit."