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Fuldaer Zeitung

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40. Zahrgang.

Dienstag den H. Mal

Erstes Blatt

Nr. 103

Preußischer Landtag.

Herrenhaus.

Sitzung vom 6. Mai 1913.

Das Herrenhaus hat am Montag nunmehr gleich­falls seine Tore geschlossen. Die Zahl der Herren, die zur Schlußsitzung erschienen, war recht bescheiden, ob­schon noch zwei Probleme der Erledigung harrten, die eine größere Beteiligung wohl gerechlsertigt hätten. Zu­nächst handelte es sich um die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn. Die Berkehrsvethältntsse in Berlin haben sich tatsächlich zu einer wahren Kalamität entwickelt, so daß auf der Stadt- und Ringbahn zu­weilen ein geradezu lebensgesährliches Gedränge herrscht und die Bahn die Menschenmassen kaum noch zu be- sördern vermag. Die Lokomotiven fahren zu langsam, und kommen auch zu langsam m Gang, so daß damit viel Zeit versäumt wird. Es hat sich als notwendig herausgestellt, die Lokomotive durch die elektrische Statt zu ersetzen und so die Zahl der verkehrenden Züge zu erhöhen. Wie Minister Breitenbach meinte, besteht die Absicht, die Züge um lüu Prozent, also um das Dop­pelte, zu vermehren. Das Haus war einmütig der Meinung, da dem gesteigerten Berkehr Rechnung ge­tragen und uie Elektrisierung vorgenommen werden müsse, aber so billig wie bisher wird man aus der Stadt­bahn nicht mehr fahren können. Bisher arbeitete die Stadtbahn mit Unterbilanz; nach der Elektrisierung sollen die Tarife so weit erhöht werden, daß sich die Bahn wenigstens mit einigen Prozent rentiert. Ober­bürgermeister Wermuth von Berlin legte sür seine Spree- alhener etn gutes Wort ein, aber der Herr Minister schüttelte mit dem Kopse: An den Tarisen kann nichts mehr gekürzt werden, da die Bahn nach ihrer Elektri­sierung nicht mehr mit Berlust arbeiten soll. — Eine recht interessante Debatte entspann sich über die Regu­lierung der Oder und die Anlage eines Staubeckens bei Ottmachau. Graf Zedlitz-Trützschler schilderte die gewaltigen Schäden, die den Bewohnern jenes herrlichen Tales erwachsen, das sür die Stauanlage verwendet werden soll. Man kann ihm seine Klagen wohl nach- sühlen, denn auch sein herrlicher Besitz wird in Zukunft unter Wasser gesetzt werden. Aber er fügte sich, weil das Interesse der Provinz Schlesien dieses Opfer er­heischt Es handelt sich um ein technisch hochinteressantes Proiekt, und daher ist es begreiflich, wenn von verschie­denen Seiten gelinde Zweifel tn die glatte Durchführ­barkeit und in die erhoffte Wirkung des Staubeckens gesetzt wurden. Aber man anerkannte die Notwendigkeit, und das Gesetz fand mit großer Mehrheit Annahme. Dann entließ der Präsident die hohen Herren in die Ferien.

x Skuiari soll gerät werben.

Zaunkönig Nikita von Montenegro, der .lieber sterben" wollte, als von seiner frisch .eroberten" neuen .Hauptstadt" Skutari ablasfen, hat sich doch im letzten Augenblick noch besonnen. Als die Galgenfrist end­gültig ablaufen wollte, hat er den Trotz in die Nach­giebigkeit gewechselt. Er verspricht die Räumung von Skutari und führt als Grund die .große Pression Europas" an, um die Tatsache zu verschleiern, daß einzig und allein Oesterreich's drohende Hand ihn eingeschüchtert hat. Es liegen folgende Meldungen vor:

W Cetinje, 5. Mai 1913. Amtlich wird aus mon­tenegrinischer Quelle gemeldet: Die Krise bezüglich der Forderung nach Räumung Skutaris ist in dem von den Großmächten gewünschten Sinne gelöst worden. Da Montenegro sich einer gro­ßen Pression Europas gegenüber befand und keine Möglichkeit sah, daß es durch einen verlänger­ten Widerstand gelingen könnte, aus dieser Krise siegreich hervorzugehen, hat es gestern den Mäch- ten nachgegeben und erklärt, das Schicksal Skutaris in die Hände der Mächte zu legen. Der König entschloß sich im letzten Momente

Vie Schuld der Vaters.

13] Roman von Freifrau G.von Schlippenbach.

„Versprechen Sie mir etwas, Olga Romanowna," sagt er bittend. „Wenn Sie je eines väterlichen Freundes bedürfen, so denken Sie an mich und ver­trauen Sie mir."

„Das will ich", ringt es sich über ihre Lippen, und tvieder sagte sie sich, daß sie sich beherrschen muß, um sich nicht zu verraten.

„Ich danke Ihnen, mein liebes Kind," entgegnet Scltjakoff, der sich schon heut? in der Rolle, die er sich zu spielen vornimmt, üben will.

Daisy jubelt der Freundin entgegen. In ihrer Lebhaftigkeit ruft sie:

„Papascha hat dich überlistet, er ist nicht zur Jagd gefahren. Er sagte, er sei erkältet, aber ich glaube es garnicht; er blieb nur, um dich zu sehen."

..Aber Daisy," mahnte Ilja ärgerlich, „du plap­perst *>‘t Unsinn."

Sie fliegt ihm an den Hals.

„schilt nicht, goldenes Väterchen," schmeichelt sie, ,/ich bin ja so froh, euch beide hier zu haben. Es soll recht gemütlich werden! Kommt nur, das Feuer knistert im Kamin, und der Diener hat auf meinen Befehl soeben den Samowar hereingebracht."

Daisy zog die Freundin an der Hand mit sich; die Verlegenheit Olgas entging ihr.

Noch lange erinnert sich Olga Romanowna der stunden, die sie an jenem Tage bei den Nachbarn Verlebte. Die drei Menschen bildeten ein harmoni­sches Trio, und der Frohsinn Daisys wirkte wohl­tuend auf ihren Vater und seinen für gewöhnlich ernsten Gast.

„Bitte, spielen Sie etwas," sagte Ilja Geotge- tvitsch, „ich hebe Sie noch nie gehört. Daisy erzählte urir ost begeistert von Ihrer Kunst."

„Spielen Sie auch die Peeroynl-Suite?" fragte Softßakoff,. „2a? ist meinem Geschmack nach fast das herrlichste de» nordischen Meister-." .

zu diesem schweren Schritte. Der König ist tief überzeugt, hierdurch seinem Lande und Volke gegen­über ein großes Opfer für den allgemeinen Frieden zu bringen, ein Opfer, welches einmütig von allen Seiten, sogar unter Androhung des Ver- lustes de: Unabhängigkeit Montenegros, von ihm verlangt wurde. Bei seinem Entschluß ließ sich der König auch durch die Rücksichten auf die Verbün­deten leiten, indem er befürchtete, daß, wenn er bei seinem Widerstande beharrte, er ihre mit so viel Opfern erkauften Siege gefährden könnte. In der vergangenen Nacht sandte der König durch die Ver- Mittelung des englischen Gesandten an Sir Ed­ward Grey eine Depesche, welche in Kürze fol­gendes besagt: „Meine Regierung legte in ihrer Note vom 30. April die Gründe ihres Verhaltens in der Skutari-Frage dar. Dieses Verhalten war durch die unerschütterlichen Grundsätze der Gerechtigkeit ge­leitet. Noch einmal verkünde ich mit meinem Volke meine durch die Geschichte und durch die Eroberung geheiligten Rechte. Meine Würde und die Würde meines Volkes gestatten mir nicht, isolierten Aktionen nachzugeben, deshalb lege ich das Schick­sal Skutaris in die Hände Europas."

• Budapest, 5. Mai 1913. Ministerpräsident Lukac 8 erklärte heute mittag, (wie in einem großen Teil der gestrigen Auslage dieses Blattes noch mitgeteilt werden formte) in der öffentlichen Sitzung des Reichstags, daß laut Meldung des Gesandten in Cetinje König Nikita die Großmächte verständigte, daß er Skutari bedingungslos räumen werde. Dieses erfreuliche Resultat sei, so betonte Lukaes, dem energischen Auftreten der Monarchie zu verdanken, welche nun bestrebt fein werde, daß ihrem Verlangen unverzüglich entsprochen werde. Die Mitteilung des Ministerpräsidenten wurde von dem Hause mit miet erholten Eljenrusen ausgenommen. Ich habe die Ehre, gleichzeitig die Mitteilung zu machen, daß die Monarchie mit derselben Entschlossenheit, die sie bisher bekundet hat, fordern wird, daß diese in Aussicht gestellte Räumung nunmehr unverzüglich auch tat säch­lich erfolgt (Langanhaltender Beifall, Elsenrufe.)

So ist's recht; denn nach den Ueberrafchungen, die bisher Nikita der Welt bereitet hat, muß man mit Vertrauen warten, bis er tatsächlich Skutari g e- räumt hat, und zwar ehrlich geräumt hat, ohne unter irgend einem Vorwand oder in irgend einer Form die Festung einem Spießgesellen in die Hände zu spielen.

Erfolgt ohne Verzug und Hinterlist die Räumung von Skutari, so hat Oesterreich keinen Anlaß mehr, gegen Montenegro militärisch einzuschreiten.

Diese Wendung hat zwei Seiten. Gewiß ist es erfreulich, wenn ein kriegerischer Konflikt vermieden wird, da aus dem Kleinkrieg unter Umständen ein großer Krieg entstehen könnte, und da dem verbün­deten Könige von Italien eine Züchtigung seines Schwiegervaters immerhin unangenehm sein müßte. Andererseits aber kann man trotz aller Friedensliebe sagen: Es ist schade, daß Montenegro nicht einmal die Macht Oesterreichs am eigenen Leibe zu spüren bekommt! Eine gründliche Züchtigung wäre sehr heilsam gewesen, um der habsburgischen Monarchie den gehörigen Respekt bei den Balkanemporkömmlin­gen zu sichern.

Jetzt muß sich Oesterreich mit dem morali­schen Erfolg gegenüber dem trotzigen Nachbarn be­gnügen. König Nikita und seine Freunde bemühen sich freilich sofort, Oesterreich in den Hintergrund zu drängen und die neue Wendung als einen Erfolg „Europas" oder gar ausdrücklich als einen Triumph des Dreiverbandes hinzustellen. Die Tatsachen leh­ren das Gegenteil. Wenn man die Sache auf eine der Gruppen der Mächte zurückführen will, so hat

Olga bejahte; ihre schlanken Finger glitten leise über die Tasten.

Daisy, die in einer wirtschaftlichen Angelegen­heit abgerufen wurde, verließ das Zimmer; Ilja und sein Gast blieben allein. Nur das Licht einer Steh­lampe mit rotem Schirm und das Feuer im Kamin erhellten den Raum, durch den die ergreifenden Töne zogen.

Ungern spielte Olga „AsenS Tod". Heute tat sie es. Sie war wie im Traum. Die tiefe Erregung ihrer Seele gab sich in der Wiedergabe kund, mit der sie die hinsterbende Melodie vortrug.

Den Kopf in die Hand gestützt, lauschte Solt- jakofs. Er denkt an die Vergangenheit, an sein jun­ges Weib, deren Todesstunde er nicht durch seine Ge­genwart erleichtern konnte, deren Dahinscheiden man ihm trocken mitgeteilt hatte. Nicht einmal die letzte Ehre konnte er ihr erweisen. Fremde standen an der Gruft, und sein Kind war eine mutterlose Waise durch des Vaters Schuld geworden. Soltjakofs stöhnte qualvoll. Er hatte Olgas Gegenwart vergessen; sein Leid hielt mit ihm Zwiesprache.

„Sie leiden," sagte eine weiche Frauenstimme.

Er fuhr aus seinem Grübeln auf.

Olga stand neben ihm, halb über ihn gebeugt, na­menloses Mitleid in ihren Augen. Er schaute zu ihr empor, wie der Verzweifelte zu seinem rettenden Engel.

„Wenn Sie wüßten," murmelte er, M@te würden vielleicht vor mir erschauern."

Er sprach wie hypnotisiert durch die Macht der Musik.

„Nein, ich würde Sie verstehen und bemitleiden, Ilja Georgowitsch."

Sein Haupt senkte sich noch tiefer.

„Ich — verdiene e8 nicht," stößt er zwischen den Zähnen hervor. „Ost mochte ich emen Menschen ha­ben, dem ich von jenen alten, schweren Tagen er­zählen kann; es würde mir das Herz erleichtern."

„Sie haben mir vorhin gesagt, daß ich Sie als Freund betrachten soll; die wahre Freundschaft be- dingt aber 8erfreuen. Erscheine ich Ihnen besten nicht wert?"

offenbar der Dreibund hier seinen Willen durch, gesetzt, während die ruffisch-französische Diplomatie sich gezwungen sah, ihrem Schützling zurückzupfeifen.

Darin liegt gerade die „Moral von der Gerichte". So lange man glaubte, daß Oesterreich zaghaft sei, riffen dre Ränke und Stänkereien nicht ab; doch als man sah, daß Oesterreich zum militärischen Einschrei­ten bereit sei, da wichen die Hetzer zurück. Die Nutz­anwendung ergibt sich von selbst: die gepanzerte Faust regiert die" Stunde. Oesterreich muß im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung dasselbe Verfahren beibehalten, das jetzt zum ersten Erfolge geführt hat: es muß nicht mehr fordern, als was wirklich notwen­dig ist, aber wenn es eine Forderung erhoben hat, so' muß es sofort bereit sein, mit eigener Hand die verlangten Trauben zu pflücken.

Diese tatkräftige Taktik wird fortan noch in doppelter Hinsicht notwendig sein:

Erstens wegen der „Kompensationen", die König Nikita durch seine russisch-französischen Freunde beantragen wird. Möge Oesterreich ruhig festhalten an feiner Willensmeinung, daß für die pflichtmäßige Räumung von Skutari keine Entschädigung in Landbesitz geleistet werden darf. Das ist nicht bloß Sache der Ehre und der Gerechtigkeit, sondern auch Pflicht gegenüber dem neuen Albanien, das eine weitere Verstümmelung im Norden durchaus nicht erleiden darf.

Zweitens muß Oesterreich sich entschlossen und tat­kräftig zeigen in der dringlichen Ausgabe, die Ord­nung in Albanien herzustellen.

Diese Frage bleibt auch nach der Räumung von Skutari auf der Tagesordnung. Essad Pascha, mit dem König Nikita den faulen Handel in Skutari ab­geschlossen hat, sitzt noch als Ruhestörer und Blut­sauger in dem armen Lande. Es wäre sehr trau­rig, wenn Oesterreich und Italien sich durch die Bemühungen Rußlands und Frankreichs abhal­ten ließen von der geplanten Expedition nach Alba­nien. Die ist jetzt ebenso notwendig, als vor dem Zurückweichen Montenegros, wenn auch der Anlaß zum Kampf gegen Montenegro selbst fortfällt.

Darum kann man nur wünschen, daß Oesterreich und Italien nicht in die alte Zaghaftigkeit znrück- sallen. Die Erfahrung zeigt ja, daß die erhobene Faust bessere Dienste für den Frieden tut, als alle Beredtsamkeit in London.

W Wien, 5. Mai 1913. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Cattaro: Zur Nachgiebigkeit M on- tenegros dürfte der Umstand beigetragen haben, daß sich die Folge der Blockade und der Ein­stellung des Verkehrs von Cattaro in Montenegro bereits stark fühlbar macht. Es fehlt an Lebensmitteln und anderen Bedarfsartikeln. Heute oder morgen wird in Cetinje die Stadtbeleuchtung eingestellt werden müssen, da die elektrische Beleuchtung bereits seit längerer Zeit nicht mehr funktioniert und auch der letzte Rest von Petroleum bald verbraucht sein wird. In den Privathäusern werden schon feit eini­gen Tagen Kerzen gebrannt, aber auch dieser Vorrat ist erschöpft. Auch das Benzin ist ausgegangen.

Wien, 5. Mai 1913. Dem Korrespondenten der „Reichspost" in Cattaro gegenüber äußerte sich der montenegrinische Brigadier ' Vrbiea folgendermaßen: Es kann kommen, was da will, so ist u n s e r S ch i ck- sal doch besiegelt. Was ich über die gegen­wärtige Lage denke? Die Russen und Serben haben uns gedrängt, sie haben uns in diese Lage hineir gebracht, aus der wir nicht mehr herauskönnen. Jedenfalls wird der Zusammenbruch der Kriegs- Politik die bisherige Gefahr nicht beseitigen und die Ruhe in Montenegro Herstellen. Die Räumung Skutaris kann immer noch Schwierigkeiten Hervor­rufen.

Olga fragte es mit so inniger Betonung, daß es den Mann an ihrer Seite Packte. Er ergreift ihre Hände, will sprechen, doch die Stimme versagt. Er atmet mühsam, und es zuckt in seinem Gesicht.

„Fetzt noch nicht,— später — vielleicht, auf die Gefahr des Verlustes Ihrer Freundschaft, ringt es sich ans seiner verschlossenen Brust hervor.

„Das fürchten Sie nicht. Ich werde Sie immer verstehen, Ilja Georgewitsch."

„Vielleicht gibts doch irgendwo eine Menschen- feele, dieich nicht kenne, die mich versteht und die mir antwortet."

Sehr leise sagte er diese Worte. Sie aber geht noch einmal zum Flügel. Sie spielt. 63 ist eine weiche, ergreifende Melodie, ein zweifelndes Fragen und zaghaftes Antworten, ein Fordern und Gewah- ren. Soltjakoff fühlt es, Olga hat dieses Lied kom- Paniert; es schmiegt sich in seiner Klangfülle an die ftanzösischen Verse, die er bezeichnet hat.

Daisy ist zurückgekehrt: das gefährliche Alleinsein ist zu Ende.--

Von diesem Tage an lebt ein stilles Einvernehmen zwischen Soltjakoff und Olga Romanowna Swerjeff; sie wiffen, daß sie sich innerlich nahe stehen.

VIII.

Seitdem Roman Romanowitsch nach Latwilischki zurückgekehrt war, sind mehrere Wochen vergangen. Es ist Ende Februar geworden. Immer mehr von seinen Gläubigern bedrängt, weiß Swerjeff nicht ein noch ans. Nur die Findigkeit des Verwalters Gri- Si Tischnofski macht es noch möglich, daß fein Herr über Wasser hält. Swerjeff bebandelt sein Werk­zeug bald mit kameradschaftlicher Vertraulichkeit, in­dem er mit ihm trinkt, bald ist Roman herrisch und von brutaler Heftigkeit gegen Tischnofski. Ein wüten- >er Haß beginnt in der Seele dieses Schurken zu wach­sen. Ja, er haßt seinen Herrn und fürchtet ihn noch mehr mit der sklavischen Furcht eines Hundes, der bald gestreichelt, bald mit Fußtritten behandelt wird.

Tlschnoftki wäre schon lange gegangen, wenn er £h nickt bei den Wuchergeschäften Romans seinen orlctl verschafft hätte. Er besaß bereits ein rundes

* Wien, 6. Mai 1918. Nach einet Meldung bet ,Südlavffchen Rott.' aus Cetinje unternahmen die Gesandten Rußlands, Frankreichs und Eng. lands einen gemeinsamen Schritt, um den König von Montenegro zu veranlassen, Skutari sofort zu räumen. Ihre Kabinette würden sich nachträglich für gewisse Enttchädigungen an Land und Geld einsetzen. Der italienische Gesandte ergänzte diesen Schritt durch eine separate Demarche. Der russische Gesandte übet« brachte eine direkte Mitteilung des Zaren von R.ß- land als Antwort auf ein Handschreiben des KönigL Nikita. Serbien und Bulgarien erteilten freundschaft­liche Ratschläge. Durch alle diese Schritte veranlaßt, tief der König einen außerordentlichen Rat, der das Ergebnis hatte, daß die Forderung, Skutari weiter zu behalten, nicht mehr einmütig et< hoben wird.

* Wien, 5. Mai 1913. Aus Cetinje meldet die .Südflavische Korrespondenz": Die Nachrichten übet die Räumung Skutaris werden ohne weitet« Aufregung ausgenommen. Von einer Auflehnung einzelner kriegslustigen S ämme oder einer Bedrohung bet Dynastie fei keine Rede. Das Land fei in einer derartig verzweifelten Sage, daß es nur eine Gefühls­erleichterung geben kann, den Gefahren einer neuen aussichtslosen Verwicklung entgangen zu sein. Anch die Stimmnng tn bet Armee sei nichts weniger als aktionsfähig gewesen.

Die Expedition nach Albanien.

* Budapest, 5. Mai 1913. Der heute abgehaltene M i n i st e r r a t beschäftigte sich mit der Verhängung des Ausnahmezustands in einem Teile des unga­rischen Staatsgbietes. Die endgültige Beschlußfas­sung wurde auf morgen verschoben. Wie der „Pestet Lloyd" meldet, werden Oesterreich und Ita­lien gegenüber allen Widerständen und Machen­schaften ihr Programm bezüglich der Abgrenzung, so­wie betreffend die künftige Verfassung und Organi­sation Albaniens ourchzuführen wissen.

* Wien, 5. Mai 1913. Der „Rat. Ztg." wird von hier gemeldet: Sowohl Oesterreich als auch Italien verlangen nach wie vor, daß die Festsetzung der Gren­zen Awaniens (namentlich auch Südalbaniens) und der Verfassung des neu zu schaffenden Staates im Sinne der Londoner Beschlüsse zu erfolgen hat. Sollten di. Zustande in Albanien die Verwirklichung dieser Beschlüsse unmöglich machen, dann wird trotz der neuen Wendung die militärische Expedition dennoch erfolgen

* Rom, 5. Mai 1913. Der „Osservatore Ro­mano" versichert, daß die italienische Expe - d i t i o n nach Albanien aufgegeben sei. (Eine Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus.)

Die Botschafter-Konferenz.

Vx. London, 5. Mai 1913. Die Botschafter. Vereinigung ist um 3 Uhr 30 Minuten zusammen getreten. Sie nahm in aller Form Kenntnis von dem Entschlüsse Montenegros. Alle Botschafter gaben ihrer Befriedigung darüber Ausdruck. Die, Mächte wollen jetzt in Verhandlungen unter einander treten, um eine Entscheidung zu treffen, wie und wann Skutari den Mächten übergeben werden solle. Aus der Konferenz wurde votgeschlagen, daß die Stadt den Flottenoffizieten übergeben werde, die die Mächte vertreten, deren Kriegsschiffe jetzt an bet' Küste liegen. Grey verlaß auch den Entwurf der vorgefchlagenen Ftiedensbedingungen, der den Regierungen zur Genehmigung unterbreitet werden soll. — Nach ber heutigen Zusammenkunft ber Bot­schafter erklärte ein Diplomat im Laufe bet Unter­haltung bem Vertreter des Reutetschen Bureaus, baß bie Gerüchte von einer österreichisch-italienifchen Aktion in Albanien auf ber Konferenz noch nicht zur (Erörterung gelangt seien.

Sümmchen und trachtete darnach, es zu vermehren, deshalb nahm et alles scheinbar gelassen entgegen.

„Warte nur, mein Lieber, meine Stunde wird noch kommen," dachte Grigori, „ich werde dir alles heimzahlen, wenn du Haus und Hof verlieft, werde ich in Latwilischki als Besitzer wohnen bleiben."

Olga sah mit scharfem Blick, was der kranken Mutter, die in den Sohn vernarrt war, entging. Ro­man wollte das kleine Vermögen der Schwester in die Hände bekommen.

„Ich würde es in kurzer Zett am Kartentisch ver­doppeln", dachte et mit dem den Spielern eigenen Optimismus.

Kurz und entschieden weigerte Olga sich, dem Bruder dieses letzte Geld zu geben.

„Du bist mir eine schöne Schwester", tobte Ro­man, indem er blaurot im Gesicht wurde. „Dein Geiz wird Dir keinen Segen bringen."

„Es ist nicht Geiz", sagte Olga, sich mühsam be­zähmend, „ich kann nicht die letzten Hilfsmittel aus der Hand geben, damit Du sie verspielst oder ver­geudest. Ich sehe cs kommen, daß wir bald Latwi- lifchki verkästen müffen. Soll ich mit unserer armen, kranken Mutter auf bet Straße bleiben ober betteln gehen?"

Roman warf sich in die Brust.

„Das ist Wohl nicht nötig", sagte er prahlend, „ich bin auch noch da und kann sür Euch sorgen."

„Durch das Spiel?" fragte sie bitter. „Du hast nie arbeiten gelernt."

„Ich habe es bisher gottlob noch nicht nötig ge­habt."

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans mmmer- mehr", entgegnete Olga wegwerfend.

Sie entfernte sich, ohne auf die häßlichen Worte zu achten, die Roman ihr in maßlosem Zorn nachrief.

„Es ist Zeit, Ernst zu machen", sagte er sich. „Bei der nächsten Grlegenhett halte ich um Daisy Socha- kosf an. ' Ist sic erst meine Frau, so gelob: ich mir, ein neues Leben zu beginnen und solide zu werden."

Ahnte Daisy etwas? Sie verstand es, Roman Romanowitsch zu v-raw-^n — zw seieem Aerger

(Fortse-nnp toKJ