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2. Blatt

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Zuldaer Zeitung.

JVo 102.

Montag S. Mai ,9lL.

Kleines AeuitteLon

Lokales.

Fulda, 5. Mai 1913.

# Verliehen wurde dem Gendarmeriewachtmeister And em er zu Gelnhausen das Allgemeine Ehren­zeichen.

Personalien. Polizei-Sekretär N e h l s, - Kassel wurde zum Krcisausschuß-Sekretär ernannt. Der Schutzmann Krop f bei dem Kasseler Polizeipräsidium wurde zum Kreisboten beim Landratsamt des Kreises Hünfeld ernannt. — In den Ruhestand versetzt wurden die Lokomotivführer Cord es in Kassel und Schaumburg in Marburg. Versetzt wurde Gütervor­steher Wohltmann von Northeim nach Kassel zum Rechnungsbureau. Die Prüfung bestanden zum Lokomotivführer die Lokomotivheizer Saul in Kassel, Leitschuh in Bebra und Hocke in Treysa. — Ober­zollkanzlist Schröder ist zum Kanzlei-Inspektor bei der König!. Oberzolldireklion in Kassel ernannt worden. — Beyer, Geh. Baurat, Intend. und Bau­rat von der Intend. 18. Armeekorps wurde auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand und Eiermann, Militärintend. Rat, Vorstand der Intend. der 31. Div., zu der Intend. des 18. Armee- torps versetzt. — Die Eisenbahn«Gehilfen Thon, Krönung und A. Koch 2 in Fulda wurden zu Unter- assistent'en ernannt.

ch-r An das Fernsprechnetz der Stadt Fulda wurde die Rich. Müller'sche Verwaltung und Gewerkschaft Lettengraben, Braunkohlenbergwerk, unter Nr. 566 angeschlossen.

a Zwangsinnung. Nachdem bei der Abstimmung sich die Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden für die Einführung des Beitrittzwanges erklärt hat, ist vom Regierungspräsidenten die Errichtung einer Zwangsinnung für das Maurer-, Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk im Bezirke der Stadt Fulda vom 1. Juli 1913 ->»Js. genehmigt worden. Von dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerbe­treibende des vorbezeichneten Bezirks, welche das Maurer-, Zimmerer- und Dachdecker-Handwerk be­treiben, gleichviel, ob sie Gesellen und Lehrlinge beschäftigen oder nicht, dieser Innung an.

!!! Richard-Müller-Stiftung. Auf Kosten der Richard-Müller-Stiftung wurden heute 43 kränkliche Kinder aus dem Kreise Fulda unter Begleitung Barm­herziger Schwestern nach Soden in die dortige Kinderheilanstalt verbracht. Der Aufenthalt in der Anstalt ist je nach dem kränklichen Zustande für die einzelnen Kinder auf 4 bis 8 Wochen berechnet. Außerdem gelangten noch weitere 15 Kinder ans den Kreisen Gersfeld und Schlüchtern zur Auf­nahme, wofür Herr Richard Müller-Fulda die er- orderlichen Aufwendungen besonders zur Verfügung gestellt hat.

E Der Hofzug des Kaisers durchfuhr gestern früh 5.37 Uhr ans der Fahrt nach Wiesbaden die Station Fulda. In Wiesbaden traf er um 81/* Uhr ein.

a. Durch Beschluß deS Kreisausschusses des Kreises Fulda ist die G.undstücksparzelle Gemarkung Ober« Försterei Giesel, Kartenblatt 6, Nr. 30/20 = 83,5121 ha groß, die Grundstücksvarzelle Gemarkung Hainzell, Karlcnblatt 5, Nr. 97 = 0,7007 ha groß, nis dem Gutsbezirk Oberförsterei Giesel ausgeschieden und dem Gemeindebezirke Hainzell zugeteilt worden.

O Prämiert wurde die rote Teckelhündin Madel j>. d. Haide des Herrn Dentist A. Walter-Fulda ruf der I. Allgemeinen Hundeausstellung in Hanau ‘in Offener- und Siegerklasse mit je 1. und Ehrenpreis.

[] Geschäftskauf. Der Orgelbauer Herr Kaspar Schede! in Fulda hat das Orgelbaugeschäft von Emil Botz in Kirchhain käuflich- erworben und mit seinem Geschäft in Fulda vereinigt.

E Briestauben. Gestern vormittag wurden an der Ellgatrampe etwa 400 Brieftauben aufgelassen. Sie gehören dem Brieftaubensportvereinen in Klein­heubach a. M., Klingenberg a. M., Groß-Auheim, Gelnhausen, Schierstein a. Ah. und Viernheim. Kurz darauf wurden 30 große Körbe Brieftauben von der Brieftaubenvereinigung Aschaffenburg aufgelassen. — Auch die F u ldaer Brieftauben - Reisevereinigung, welche die Brieftaubenvereine in Fulda, Bebra, Ober­ufhausen, Lauterbach, Neuhof, Flieden, Günthers, Horas und zwei Hersselder Vereine umsaßt, hatte gestern großes Preisfliegen. Insgesamt nahmen unge­fähr 600 Tiere hieran teil. Ter Ausstieg erfolgte um 9.55 Uhr vormittags in Eisleben. Die erste Taube traf ein 12.13 Uhr in Neuhof, in Hersfeld 12.27 u. 12.45 Uhr, in Fulda 12.33 Uhr, Oberufhausen 12.24 Uhr, Bedra 12.18 Uhr, Lauterbach 12.58 Uhr, in Horas 12.48 Uhr und in Flieden 1.03 Uhr nach­mittags. Günthers fehlte geffern abend noch.

§ Unfall. Samstag nachmittag gegen 5 Uhr kam bet 7jährige Schüler E. durch eigene Unvorsichtigkeit vor einem aus der Stadt lammenden, mit vier Per­sonen besetzten Automobil zu Fall und geriet unter

— Erich Schmidt f> In allen gebildeten Kreisen Deutschlands hat die Nachricht von dem Tode des be­rühmten Literarhistorikers Erich Schmidt ein Ge­fühl tiefer Trauer hervorgerufen, denn mit ihm ist einer unserer besten Goethekenner und einer der be­liebtesten Lehrer der Berliner Hochschule dahinge­gangen. Seit dem Jahre 1887 hat er unaufhörlich dort gewirkt und durch Wort und Schrift warmes Interesse für deutsche Sprache und Dichtung geweckt Und gefördert. Wenn Erich Schmidt „las", dann füllte sich das auditorium maximum bis auf den letz­ten Platz. Franzosen, Italiener, Russen waren ver­treten, besonders zahlreich aber die Damenwelt, wes­halb man ihn auch scherzhaft den „Damenprofessor" nannte. Betrat daun die hochgewachsene, männlich schöne Gestalt des großen Gelehrten den Saal, um nach einigen einleitenden Sätzen in geradezu glän­zender Sprache den Vortrag zu beginnen, dann folgte alles mit unermüdendcr Aufmerksamkeit den über­aus geistvollen Darlegungen. Dabei verfügte er über eine überaus wohllautende Stimme, die nie ihre Wirkung auf die Zuhörer verfehlte. Besonders leb. haft erinnere ich nüch einer Stunde, in der er Goethes Lied „An den Wtottb": Füllest wieder Busch und Tal .... rezitierte. Ta empfand man so recht den Zauber von Goethes Lyrik. Tiefes Schweigen herrschte in dem weilen Raume, als er geendet, dann aber brach ein stürmisches, nicht cndenwollendes Bei­fallsgetrampel aus, das ihm für einige Minuten un­möglich machte, fortzufahren. Seine Schüler. hat Erich Schmidt allezeit eifrigst gefördert und jeden mit Rat und Tat freundlichst unterstützt. ■_ Die ger­manische Philologie hat durch seinen Tod einen Ver­lust erlitten, der schier unersetzlich ist. Aber da?, was er gefügt in: Laufe seiner Jahre, überdauert ihn, und sein Einfluß aus die gebildete Welt wird, wie der Reichskanzler in seinem Beileidstelegramm treffend sagte, nock> in Generationen tiefgreifend fori - leben. E. G-

das Fahrzeug. Als der Chauffeur durch kräftiges Bremsen den" Wagen zum Stehen gebracht hatte, lag der Junge mit dem Kopf dicht vor dem linken Hinter- rad. Der Kleine kam glücklicherweise mit Haut­abschürfungen davon.

— Unterschlagung. Der Kassierer eines hiesigen Spielvereins ist am Samstag verhaftet worden, weil er die Vereinskasse mit einem größeren Betrage unter« schlagen hatte. Da kein Fluchtverdacht vorlag, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.

a. Zwei Fensterscheiben zertrümmert wurden am Restaurant Löwenkeller am Samstag nachmittag von einem Betrunkenen, der in Begleitung seiner Frau das Haus soeben verließ.

[] Diebstähle. In die Selterwasserbude an der Ecke der Bahnhof, und Heinrichstraße wurde ver- gangener Nacht eingebrochen. Der Dieb eignete sich für 20 Mark Zigarren an. — Aus dem Flur eines Hauses der Friedrichstraße wurde gestern abend ein Fahrrad gestohlen.

5 Der Katholisch Kaufmännische Verein bot auf dem gestrigen Familienabend im Bürgern vereinssaale seinen Freunden und Gönnern die prächtige Lustspiel-Neuheit „M a j o l i k a" von Leo Walther Stein und Ludwig Heller. Schwank kann man das liebenswürdige Werk, das kürzlich im Brliner Lustspielhause seine hundertste Auf­führung erlebte, nicht nennen. Das verbieten schon der elegante, witzfprühende Dialog, sowie die hübsch und originell gezeichneten Charaktere, die frisch aus bem"Sieben gegriffen sind. Ein junger, lebens­froher Herzog, der Regent eines Duodezstaates, ist mit seiner Mutter in die unvermeidlichen Geldnöte gs-, raten. Einen Ausweg daraus zeigt chm ein Bankier, der dem Herzog rät, nachdem auf einem seiner Güter eine ausgezeichnete Tonerde gefunden worden ist, eine Majolikafabrik zu gründen. Der Plan wird angenom­men, ausgeführt und auf den Poften des Fabrikdirek­tors ein Oberleutnant gesetzt. Anfangs floriert das Unternehmen, aber erst der als Direktor eingesetzte Buchhalter des Bankiers bringt dieses auf eine unge­ahnte Höhe, sodaß es dem Herzog sogar möglich ist, nicht nur seine Schulden zu tilgen, sondern auch auf seine Zivilliste zu verzichten. Daß schließlich noch der Herzog sein Bräutchen in einer allerliebsten Prinzessin heimführt, versteht sich in einem guten Lustspiel von selbst, und „Majolika" macht darin keine Ausnahme. Bühnengewandt, wie die Jünger Merkurs im Kath. Kausm. Verein sind, mußte man eine vortreffliche Wiedergabe des Lustspiels erwarten, und diese Erwar­tung wurde keineswegs enttäuscht. Besonders wuß­ten die Mitwirkenden den Gegensatz zwischen kauf­männischer Tüchtigkeit und dem Offiziers^. und Hof­geist im Sinne der Verfasser trefflich herauszuarbei­ten. Das amüsante Stück errang mit seinen harm­losen Scherzen und Anspielungen und namentlich auch mit den geschickt angebrachten, teilweise lokal gefärb­ten Extempores einen vollen Heiterkeitserfolg. Alle Darsteller, Herren und Damen, hatten an dem leb­haften Beifall der sehr zahlreichen Zuhörerschaft ihren wohlverdienten Anteil. Die Musikspenden der Artil­leriekapelle gaben der Aufführung einen anmutigen Rahmen.

)( Der kathol. Meister- und Männerverein hielt gestern abend in feinem Vereinslokale, Gasthaus zur Hinterburg, eine außerordentliche Generalversamm­lung ab. Die Wichtigkeit der Tagesordnung — stand doch zur Beratung die Gründung einer Sterbegeld- unterstühungskafse — hatte die Mitglieder zu zahl­reicher Teilnahme veranlaßt, was der Obermeister, Herr Anton N e i b e r t, mit Genugtuung feststellte. Herr Buchhalter Mollenhauer erstattete hierüber eilt ausführliches Referat. Nach einer sehr lebhaften Debatte, in die wiederholt der geistl. Beirat Herr Dr. Heller eingriff, wurde der Vorstandsantrag, eine, Sterbeunter st ützungskasse im Verein zu gründen, bei einer Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von 8% Pfennige pro Monat und Zahlung einer Un­terstützung von 25 Mk. in jedem Sterbefall, angenom­men. Später eintretenbe Mitglieder erhalten evtl, im ersten Jahre nach bem Beitritt zehn, in den fol­genden Jahren ebenfalls 25 Mark Sterbegeldunter- stützungs. Für das verstarb. Vorstandsmitglied Schlos- fermeifter H. Böschen wurde Herr Glasermeister Jos. Fuchs gewählt. Unter den beabsichtigten Ausflügen wurde auch eine Herrentour nach Vacha zum Besuche des Herrn Kuratus Rippert, des früheren Präses des Vereins, bestimmt.

§ Der Zweigverein Kassel des Verbandes vermessungs­technischer Beamten hielt gestern seine 2. Wanderver­sammlung hier im evangel. Gemeindehause ab. An­wesend waren Vertreter von allen Stationen des Generalkommissionsbezirkes Kassel. Die Verhand­lungen, die vom Herrn Vermessungs-Assistenten Vogt- Kassel eröffne/ wurden, betrafen durchweg berufliche

— Wie Graf Haefeler als Weinreisenber in Frank­reich war. Eine Episode aus dem Leben des General- felbmarfchalls, bie in bie Zeit vor bem Jahre 1870 fällt, verbient in biesen Tagen erneutes Interesse. Im Mai des Jahres 1669 toanberte durch die Täler der Mosel und der Marne ein friedlicher deutscher, der sich in die Hotelbücher als „Weinreisenber" eintrug, ber in dieser Gegend Geschäfte habe. Dieser Wein- reisende erregte aber bald Aufsehen und auch die Auf­merksamkeit der Behörden: er machte nämlich an­scheinend topographische Aufnahmen. Dadurch fühlte sich schließlich' der Gendarmeriemajor des Departe­ments Marne in Unruhe versetzt und er bescbloß, den landvermessenden Wcinreisenden einmal auszu­fragen. „Sie heißen?" — „Graf Haeseler." — „Ihr Beruf?" — „Ich bin Offizier, und zwar im preußi­schen Großen Generalstabe." — „Im preußischen Großen Generalstabe? Und da reisen Sie in Frank­reich?" — „Ja, zu meiner Unterhaltung." — „So, so'. Und womit beschäftigen Sie sich zu Ihrer Unter­haltung?" — „Ich mache mir das Vergnügen, das Gebiet' zu studieren, auf bem im Jahre 1792 das französische und das deutsche Heer einander be­gegneten. Tiefe Gegend ist vom historischen Stand­punkt aus sehr interessant." Nun könnte man den­ken, daß ber Gendarmeriemajor nichts Eiligeres zu tun hatte, als den Vorfall nach Paris zu melden und den merkwürdigen „Weinreisenden" festzusetzen. Da­mals waren aber die französischen Gendarmeriemajore noch nicht so nervös wie heute, und so nahm denn ber Major volle Rücksicht aus den Abgesandten des Großen Generalstabs und entließ ihn mit den Wor­ten: „Ich möchte Ihnen doch empfehlen, bei Ihrer weiteren Reise keine Terrainaufnahmen mehr zu machen!" Weitere Folgen batte diese Geschichte nicht.

— Tie Tclegraphenstaugen der Welt. Auf Grund sachverftändiger Schätzungen darf man, wie ber „N. P. T." erzählt, annehmen, daß sich die Zahl der auf der ganzen Erde vorhandenen Telegraphenstangen auf 60 bis 70 Mill, in den Telegraphen- und Fern- sprechlnüen und auf weitere 15 bis 20 Mill, in Li­nien mit Kraft- und Lichtleitungen belauft. Sowohl

innere Angelegenheiten. Nach Schluß der Verhand- langen fand im evangel. Gemeindehaus ein gemein« jchaftlicheS Mittagsmahl statt. Anschließend hieran wurden die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt be­sichtigt.

** Unter Bergistungserscheinnugen erkrankte h:er am Freitag abend ein in einem Geschäft auf der Marklstraße tätiger Kaufmann. Seine Wirtsleute, die das auffallende Unwohlsein des jungen Mannes merkten, ließen einen Arzt kommen, der dem Patienten den Magen auspumpte. Am folgenden Tage war der Kranke auf einmal verschwunden, vermutlich nach feinem Geburtsort Koburg. Man nimmt an, daß ein SelbstvergistungSversuch vorliegt, zumal dem Herrn in letzter Zeit von seinen Gläudtgern etwas hart zugesetzt worden fein soll.

Touristenverkehr. Ter gestrige Sonntag brachte unseren Rhönbahnen den üblichen sommerlichen Ber- kehr. Während am Tage bei dem kühlen Wind und dem wechselnden Sonnenschein die Touristen vollkom­men auf ihre Kosten kamen, setzte gegen Abend ein dünner, aber anhaltender Regen ein, von bem wohl mancher unangenehm überrascht worben ist.

Lk. Normen für Turchfchnittsweizen. Don einem Borstanbs-Ptitgliede der Kasseler Landwirtschaftskam­mer war eine Stellungnahme zu den Vereinbarungen über die Qualität des diesjährigen Durchschnittsweizens beantragt worben, weil nach seiner Ansicht die Nor­men für bie schlechten Witterungs-Verhältnisse zu hoch und auch höher als in anderen Provinzen angesetzt seien, wodurch die hessischen Landwirte bei dem Ver­kauf ihres Weizens erheblichen Schaden gehabt hätten. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer trat in seiner letzten Sitzung der Ansicht bei, daß bie Vereinbarun­gen über die Qualität des Durchschn'ttsweizens in der hiesigen Gegend, welche von dem Kasseler Futter- und Düngermarkte festgesetzt wurden, für die Land- wirtschaft nicht als günstig anzusehen sind. Der Vor­sitzende der Landwirtschaftskammer wurde gebeten, jetzt noch auf eine Herabsetzung der Normen hinzuwirken.

— Zur Laubtagswahl. Der Kultusminister hat angeorbnet, baß die Lehrer an dem noch in die Pfingstferien fallenden 16. Mai in ihrem Dienstorte anwesend sein müssen, um ihr Wahlrecht ausüben zu können. Der Tag ist für »We Schulen nur der Wahl wegen zu de" Pfingstfer en gerechnet worden, also nicht Ferientag im eigentliche i Sinne des Wortes.

X Kraftsportklub Gninmua. Di« gestrige Ver­anstaltung im Jägerbaus Bronnzell gereichte dem Klub zur Ehre. Ein äußerst zahlreiches Publi­kum füllte die Räume des Jägerhauses. Die sport­lichen Darbietungen, insbesondere die Mormor- gruppen, fanden ungeteilten eitall.

△ Vivat-Bänder zur Jahrhundertfeier. Zur Ver­wendung bei ber Jahrhundertfeier der Erhebung Preußens ist zum Besten der Veteranenspenbe ein mit Versen und mit bildlichen Darstellungen bedrucktes Seidenband herausgegeben worden, rote man e8 unter dem Namen „Vivat-Band" von der Zeit des sieben­jährigen Krieges an bis in die Zeit von 1813 allgemein als Festschmuck an der linken Brust oder an der linken Schulter trug. Die damaligen Bänder wurden von Männern und Frauen, von jung und alt, bei den Fest- feiirn und Festbällen getragen, genau so. rote man heule Festlchleisen und Festmedaillen trägt. Diese Sitte ist in Ostpreußen mit großem Erfolge neu belebt morden. Die Bänder sind von hellfarbiger Seide und kosten 50 und 75 Pfg. Um die Verwendung bei den Schulkindern und Kriegervereinsfesten ganz allgemein zu ermöglichen, werden auch billige Ausgaben aus Atlas hergestellt und zwar ein Schulband für Volksschulen für 10 Pfg., für höhere Schulen für 15 Pfg. und ein Vereinsband für 25 Pfg. Diese billigen Atlasbänder sind nur von der General- verlriebsstelle: Gräfe u. llnzer's Verlag, Berlin, Friedrich­straße 125, zu beziehen, roo auch die teureren Seiden­bänder bei größeren Aufträgen zum Vorzugspreise zu haben sind. Bei Bestellungen auf 100 Schulbänder liefert der Verlag auf Antrag fünf Bänder für unbemittelte Schulkinder gratis.

st. Fußballspott. Aus dem gestrigen Fußballwett­spiel Schweinfurt,1905" gegen »Borussia* ging letztere mit 2:0 als Sieger hervor.

Aus dem Nachbargebiete.

(♦) Salzschlirf, 4. Mai 1913. Die Gesamtzahl ber Kurgäste, die bis zum 2. Mai hier eingetroffen waren, beträgt 119. Das Kurtheater wird am Psingst» feiertag eröffnet.

* Alsfeld, 3. Mai 1913. Mit der Wiederher­stellung der hiesigen Walpurgiskirche wird nach Pfingsten begonnen werden. — Die Arbeiten an der neuen Baönnrecke Alsfe ld — Hersseld sind in rüstigem Forlschreiten begriffen. Das Schwalmtal zwischen Alsfeld und Altenburg soll durch einen Eisenbahndamm bezw. Brücke von riesiger Höhe durchquert werden. Unweit des Dorfes Eifa über» sckreuet die Bahnlinie den gleichnamigen Bach auf

ber absoluten Länge, als auch ber Dichte nach besitzt bas Deutsche Reich bas größte Telegra- phen-unbFernsprechnetz. Ihm am nächsten stehen bie an bie Nordsee grenzenden Länder, bie ziem­lich übereinstimmenb auf das Quadratkilometer gegen 5000 Meter Linie und gegen 2000 Meter Drähtlei- tung haben. Unter bem Durchschnitt Europas bleiben Rußland, Schweden, Norwegen, die Balkanländer, Spanien und Portugal. In Amerika haben die Ver­einigten Staaten das ausgedehnteste Netz. Für den gesamten amerikanischen Kontinent bleibt die Dichte des Liniennetzes wert unter ber Hälfte ber des euro­päischen Netzes. In ber ganzen Welt mögen heute runb 3,7 Mill. Kilometer Ueberlanblinie mit nahe an 18 Mill. Kilometer Leitung vorhanben sein. Die übertoiegenbe Mehrzahl ber in Europa gebrauchten Stangen sinb Kiefern, in Amerika überwiegt bie Ze­der. Tie Lebensdauer der einzelnen Holzarten ist natürlich verschieden. Die läugfte Lebensdauer haben die in Australien verwendeten Stangen aus Bäumen ber Gattung Eukalyptus, bie ohne Anwenbung künst­licher Mittel eine mittlere Gebrauchsbauer von 25 Jahren haben. Durch eine Reihe von Zubereitungs verfahren wird bei den anderen Bäumen ber Einfluß ber klimatischen Einflüsse wesentlich gemindert.

— Ta Wesen der Subtraktion. L:e Lehrerin ist in ber riechen stunde bei den jcbwier:gen Gesetz n der ©ubtrattion angelangt. „Beim Subtrahieren", tagte sie, „die Tinge müssen immer von der gleichen Art fein. Wir können z. B. nicht 3 Birnen von 4 Pstrsi- schen oder 8 Pferde von 10 Katzen-abziehen. Habt Ihr verstanden?" Ein kleine Junge hebt schüchtern die Hand: „Nun, Bobby, was willst btt?" „Bitte, Fräulein," sagt Bobby, „kann man auch 3 Liter Mi ich van 2 Kuben abziehen?"

— Stimmungswechsel. Schuldner: „Ich möchte gern meine Schuld bei Ihnen bezahlen —" Gläu­biger: „Ach, bitte, das hat ja gar keine Eile!" — Schuldner: „Aber ich kann leider noch nicht." — Gläubiger: „Ja, was bilden Sie sich denn eigentlich ein? Meinen Sie denn, ich werde noch langer ba-= cutt warten?"

einer über 30 Meter hohen Eisenbetonbrücke. In bet Nähe ber Hardtmühle wird eine weitere große Eisen­bahnbrücke gebaut. Wie der Bürgermeisterei Alsfeld von maßgebender Stelle aus milgeteilt worden istj wird die Teilstrecke Niederaula—Schwarz am 1. Okt. 1914 eröffnet werden können. Die noch fehlende Strecke bis Alsfeld kann vor dem 1. Mai 1915 nicht in Betrieb genommen werden, da der Bahnhofs- umbau in Alsfeld lange Zeit erfordert. — Ter Ausschuß der Landwirtschaftskammer für Oberhesseir hält am 30. Mai in Alsfeld eine Zuchtvieh- Auktion für Simmentaler Bullen, Edelschwein» Eber und Landschwein-Eber ab. Aufgetrieben werben nur Tiere, die in die Herdbücher der Landwirtschafts.! kammer eingetragen und von der Körungskommtssion angckört bezw. begutachtet sind. j

* Bad Orb, 3. Mai 1913. Nach dem Erkenntnis des Bezirks-Ausschusses in Kassel haben die noch in Lettgenbrunn wohnenden Besitzer, welche sich gegen die Auflagen des Milttärsiskus sträuben, die Aufforderung erhalten, bis zum 8. Mai den Ort zu räumen. — Zum Platzkommandanten des Truppenübungsplatzes Orb wurde Hauptmann von Trott zu Solz vom Füsilier-Regiment Nr. 80 ernannt. Derselbe hat bereits die Kommandanturge- schäste übernommen.

Q Wickers, Kreis Gersfeld, 4. Mai 1914. Am 1. Mai schlug bei einem heftigen Gewitter, das am Vormittag hier niebergtng, der Blitz im Schulhauss ein. Das Dach an der einen Giebelseite wurde be­schädigt, eine Menge Ziegel heruntergeworsen, Dach­latten zertrümmert, ein Fenster zerstört, auch am Mauerwerk und an der Scheune zeigten sich Spuren des Blitzes. DaS Haus erzitterte gewalttg; ber Schrecken der Hausbewohner war nicht gering. t

♦ Hanau, 8. Mai 1913. Beim Eisenbahnregiment sind noch 9 Soldaten an Typhus erkrankt. Zu der morgen hier stattfindenden Ausstellung sind 426 Hunde gemeldet. Eine tausend Personen fassende Festhalle ist errichtet, um den Besuchern vor allen Wetterunbilden Schutz zu bieten. — In Bergen stürzte sich die 54 Jahve alte Frau Grüne bäum anscheinend in einem Anfall von Schwermut in ben Main. Es gelang zwar, sie noch lebenb ans ben Fluten zu bergen, boch starb sie kurze Zett danach. '

♦ Melsungen, 3. Mai 1913. In Altmorschech wurde ein ausländischer Arbeiter, welcher aus einem dortigen größeren GutShofe in Arbeit stand, in seinem Schlafgelaffe an berStubentür erhängt aufgefunben. Die Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. 1

* Kassel, 3. Nov. 1913. Oberlandesgerichtspräfi. bent Greifs ist aus Berlin hier eingetroffen. Der amtliche Dienstantritt erfolgt am 15. Mai. — Dem hessisch en Bienenzüchter-Ber ein ist vom Vor. stand der Landwirtschaftskammer für ben RegierungS. Bezirk Kaffe! eine Beihilfe von 700 Mark für das Jahr 1913 bewilligt worden; bie Staatsbeihilfe soll gleichfalls wieder 700 Mark betragen. — In ver­gangener Nacht wurde am Martinsplatz ein Herr von drei übelbeleumdeten Menschen überfallen und der Börse beraubt. Die Täter wurden ver­haftet. — Generalleutnant z. D. Braumüller ehemals Kommandeur des hier und in Fritzlar garnifonierenben Fußartillerie-Regiments Nr. 11, ist nach längerem Leiden in Wiesbaden gestorben. ..

h Kassel, 3. Mai 1913. Die gestrige Volks­vereinskonferenz des Dekanats Kassel war gut besucht. Aus bem Geschäftsbericht, den Herr H. Uthmann erstattete, sei herdorgehoben,' daß der seit 19 Jahren hier eingeführte Volksverein im Jahre 1911 eine Mitgliederzahl von 630 aufwies: Der eifrige Geschäftsführer für die Stadt Kassel, Hem Reg.-Baurneister Kegel, wurde dem Bolksvereiu durch den Tod entrissen. Herr Regierungsrat Klocke führte hierauf die Geschäfte weiter, bis auch er mitten aus einem arbeitsreichen Leben abberufen wurde. Auf Anregung des Herrn Abg. Klocke wurde der hiesig« Volksverein entsprechend der Einteilung Kassels in' Pfarreien und Knratten in 5 Gefchästsbezirke einge­teilt, die ihrerseits einem Geschäftsführer für Groß- Kassel, Herrn Obersekretär Setmann, unterstellt sind. Herr Landessekretär G o t t h ar t - Frankfurt a. M. sprach über das Thema: „Sollen die Frau«; im Volksverein mit organisiert werden?" Redner zeigte, wie im Maschinenzeitalter bie Frauen mehr unb mehr ben häuslichen Pflichten entfrembet unb bem Erwerbsleben zugeführt werden. Dadurch wurde die Lage der Frau schlimmer, schlimmer in sozialer, gefährlicher in sittlicher und religiöser Beziehung. Sie werden wie die Männer dem Strome des partei- politischen Kampfes zugetrieben. Daraus, daß bereits 330 000 erwerbstätige Frauen sozialdemokratisch or­ganisiert sind, läßt sich bie Gefahr ermessen, welche den zirka 4 Millionen katholischer Frauen unb Mäd­chen, welche int Erwerbsleben tätig sind, drohen. Diesen Gefahren will ber Volksverein Begegnen, in­dem er bie Frauen bem kath. Bolksverein anschließen will. Zur politischen Schulung, religiöser Unter­weisung unb Unterhaltung werden ben Frauen, bie bem Volksverein angehören, jährlich für den Jahres­beitrag von 1 Mk. 6 Hefte zugeschickt. Der Reimer gab noch einige Winke, wie man bie Frauen zum Eintritt in ben Volksverein gewinnen könne. Zum Schluß bat ber neue Geschäftsführer, Herr Deimann, um eifrige Mithilfe, bantit ber Volksverein in Kassel eine Stärke erreiche, bie ihm bei ben 13—14 000 Katholiken zukomme.

* AuS Thüringen, 3. Mai 1913. In Sonne­berg sinb sämtliche Brauer in den Ausstand ge­treten. — Die Kochkunst-Ausstellung in Coburg hatte am Himmelfahrtstag den 5000. Besucher zu verzeichnen. Es war der Musketier Röder ans Bischroind vom 5. Bayrischen Jns.-Regt, in Bamberg, der zu seinem Erstaunen eine silberne Taschenuhr als Präsent überreicht erhielt. Der 8000. Besucher soll eine goldene Uhr bekommen. — Am 17. und 18. Mai d. I. findet in Weim ar die vierte ordent­liche Hauptversammlung des Verbandes Thüringischer Industrieller statt. — Aus Anlaß des Regierungs­jubiläums des Kaisers bewilligte der Gemeinderat von Untermhaus bei Gera 10000 Mk., die dem Fonds zur Errichtung eines Hospitals und eines Volksbades überwiesen werden sollen. — Der Kurz- warenjabrikant Kommerzienrat Naether tu Ze itz stiftete aus Anlaß des Regierungsjubiläums bee Kaisers 150000 Mk. zum Bau eines Jugendheimes. — In Schleusingen ist am Freitag ein neuer Bürger­meister gewählt worden. Es waren wett über 200 Bewerber vorhanden. Gewählt wurde Bürgermeister Dr. Sommer aus Bismark.

* Rab-Idkhausen, 3. Mai 1913. Ans dem Gehöft des Landwirts Glänzer geriet das ca. dreijährige Söhnchen des G. in das Getriebe des Göpels, das linke Bein sowie das Rückgrat wurde ihm vollständig zerlrümi-erk, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.

ss Friedberg, 4. Mai 1913. Ter älteste männliche Einwohner Oberheffens ist hier in ber Person bes Schäfers Kullmer gestorben. Ter noch bis m