Einzelbild herunterladen
 

2. Blatt.

Fuldaer Zeitung

»nd In .(Milan 2»tienbn>cer»i ie (v!la.

folgendes Bild:

in den

Oie ein

erheblicher Bruchteil der Wähler eme Klasse auf­gerückt. In einzelnen Bezirken, die keine ober nur wenig kapitalkräftige Wähler ausweisen, kommt

Lokales.

Fulda, 3. Mai 1913.

# Verliehen wurde dem Rechnungsrat Rudolph in Bebra aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhe­stand der Rote Adlerorden 4. Klasse und dem Haupt­lehrer a. D. Schminke zu Kohlhausen im Kreise Hersseld der Adle« der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern.

JV5 ,0,.

Samstag 3. Mai 1913.

❖ Landtagswahl. Für die Urwahlen zum preuß. Landtag ist die Stadt Fulda in 15 Urwahl­bezirke eingeteilt worden. In den 15 Wählerlisten sind 3818 Wähler aufgeführt. Die Drittrlung in den einzelnen Urwahlbezirken erzielt Zs gehören an

G. Koedukation

Di« «Fuldaer Zeitung' hat schon im vor. Jahre «ergl. Nr. 114 vom 20. Mai 1912) in einer Reihe ,on sachlichen Ausführungen grundsätzlich Stellung »enommen gegen di» Gemeinschaftserziehung der Knaben und Mädchen in den Oberklaffen der Volks­schule, di» leider auch im diesseitigen Kreisschulinspek- tionS-Bezirk angestrebt wird. Wenn man sich aber der Hoffnung hingad, die schweren Bedenken, welche vom pädagogischen, ethischen und hygieniichen Stand- punkt gegen diese verhängnisvolle Neuerung laut geworden find, würden bei uns an maßgebender Stell» Gehör finden, so ist man leider bitter enttäuscht worden. Die Koedukation dringt unentwegt weiter vor und hat sich seitdem wiederum vier neue Poften erobert: zuerst in Hofbieber, und nun seit dem 1.April auch in Marbach, Kleinlüder, Dieters- Hausen.

Seit Jahrzehnten war in den betreffenden Klaffen an die Trennung der beiden Geschlechter feftgehalten worden, und di» Eltern wußten den wohltätigen Ein- floß dieser Einrichtung wohl zu schätzen. Daß diese nun mit den Maßnahmen recht unzuirieden sind, ist begreiflich. — Eines vor allem aber möchten wir hier noch besonders betonen: Im Vordergrund des öffent­lichen Interesses steht heute die -Jugendpflege. Die Staatsregierung erachtet diese für die Mädchen aber ebenso wichtig und nö ia wie für die Knaben, wenn auch mit letzteren i ichst der Anfang gemacht worden ist. Wo aber -bunte st» für diese eminent wichtige 'oziale Sache einflußreichere und treuere Helferinnen gewinnen als in t>en Lehrerinnen! Hat man doch jetzt eingesehen und erkannt, daß die modernen Emanzipationsgelüst» des weiblichen Ge- chlechtes nicht noch wilder und üppiger ins Kraut chießen dürfen und daß es gebieterisch not tut, in •en Mädchenseelen die edlen Reime der jungfräulichen Zurückhaltung und Bescheidenheit, der zarten Milde, de- seinen Empfindens für anderer Wohl und Weh zu wecken und zu pflegen. Die Kokdukation wird aber diese Aufgabe nie erfüllen können. Bei den Knaben wird die Eigenart der Mädchen gewiß nicht abfärben, wohl aber umgekehrt. Das kecke Hinaus- stürmen über die eng gezogenen Schranken edler Weiblichkeit, das nun einmal so betrübend in unserer geitströmung liegt, durch die Gemeinschaftserziehung wird eS ganz gewiß nur noch gefördert und gestärkt werden.

Wehe aber unserem deutschen Volke, wenn ihm fein wahres, echtes Frauenideal mehr und mehr ver- blaffen und endlich ganz versinken würde!

Aus -em Nachdargediete.

-t- Vom Lande, 2. Mai 1913. Ein bekannter R-nffeiseninann, Pfarrer Richard Sell von Stepsenhausen bei Meiningen, ist am 24 April un­erwartet schnell erst 51 Jahre alt gestorben. Er war stellverir. Verbandsdirektor des Verbandes tänvl. Genoffenschallen für Thüringen, sowie la igjähriges Mitglied des Auffichtsrais des Generalverbandes ländlicher Genossenschaften für Deutlchland und der Landwirtschaftlichen Zentral • Darlehnskaffe für Deutschland. In dem Verstorbenen verliert nicht nur die engere thüringische, sondern auch die gesamte deutsche Raiffeisen »Organisation einen Mann, der sich zu allen Zetten als em treuer Anhänger des R-iiffeisenschen Genoffenschaitsgedankens, als ein eifriger und tatkrättiger Förderer der Organisation Raiffeisens erwiesen hat. Mit aufopferungsvoller Eingabe hat er der Landbevölkerung gedient und sie für das edle Werk Raiffeiiens begeistert. Ganz be­sonders lag ihm die ländliche Wohlfahrtspflege am Herzen, für deren Aufnahme in den Tätigkeitsbereich durch die Genossenschaften er sich mit großem Eller und Erfolg ins Zeug legte. Seine ganze Zett, die ihm sein Amt als Pfarrer übrig ließ, bat er in den Dienst der Raiffeisensache gestellt. Auf allen größeren Tagungen der Gesamtorganlsation konnte man den Rmffeisenapostel Thüringens sehen, dem die Herzens­güte aus den Augen leuchtete und der so warm und überzeugend zu reden verstand. Auch den hessischen Ralffeisenmännern war der Verstorbene kein Unbo kannler; wiederholt ist er auf den Verbandslagen als Redner ausgetreten. Was der auch von Pfarrer Sell bochgeichätzte und verehrte sei. Prälat Schick für das Fuldaer Land gewesen ist, war Pfarrer Sell für Thüringen. Ehre fernem Andenken l

sowie die beiden Affistenten R. Lehr und I. Brehl, ferner der Schriftführer E. Fladun g wurden wieder­gewählt.

+ Fürsorgeerziehung. Nach der Statistik über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger und über die Zwangserziehung Jugendlicher betrug im Regierungs­bezirk Raffel die Gesamtzahl der bi- zum 31. Mär, 1912 auf Grund des mit dem 1. April 1901 in Kraft getretenen Gesetzes überwiesenen Minderjährigen 2263. Hiervon sind im Berichtsjahre 1911 enbgiltia überwiesen worden 203 Zöglinge, und von den 2263 Uebetrotefenen waren am Schluffe deS Berichtsjahres noch 1575 in Fürsorgeerziehung. Dazu kommen noch 14 ZwangSzögling», jo daß sich am 31. März 1912 insgesamt 1589 Minderjährige in Fürsorge­erziehung befanden. Im Berichtsjahr« ist ein Zu- gang von 63 zu verzeichnen. Von den auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1900 übetroieienen 1575 Fürsorgezöglingen im engeren Sinne sind flüchtig oder im Gefängnis 14, noch nicht unter­gebracht 32. Von den verbleibenden 1529 Zöglingen befanden sich am 31. März 1912 in Familie, Dienst und Lehre 1054 — 68,9 Proz., in Anstalten 475 - 31,1 Proz. Die 14 auf Grund des Gesetzes vom 13. Mär' 1878 überwiesenen Zwangszöglinge b.finden sich lämtlich in Dienststellen. Die Zahl der in Familien untergebrachten Zöglinge ist gegen das Vorjahr wiederum um 20 gewachsen. Schwierigkeiten haben sich bei Unterbringung der Zöglinge in Familien, Dienst und Lehr» auch in diesem Berichtsjahre nicht ergeben. Die Unterbringung von Zöglingen als Ge- selten war im Berichtsjahre le-djter als früher, nur bei Unterbringung von Schreinern und Buchbindern ergaben sich öfters Schwierigkeiten; die Unter» brmgunq in la nbroirtl (haft lieben Betrieben, die in erster Linie berücksichtigt werden, war dagegen nicht schwer, da es an guten Stellen in der Land­wirtschaft nicht fehlte. In Bäder wurden im Be­richtsjahre 9 Zöglinge geschickt. Die Erfolge der Fürsorgeerziehung im Jahre 1911/12 konnten bei 89 von 121 aus der Fürsorgeerziehung Entlaffenen als gut angesehen werden, also bei 73,55 Proz. gegen 76,92 Prozent im Jahre 1910. .Dieser Prozentsatz hat in den letzten Jahren nur unwesentlichen Schwankungen unterlegen, und die Erfolge können, wenn man das doch sehr bedenkliche Material berück­sichtigt, als recht gute bezeichnet werden. — Die Kosten der Fürsorgeerziehung haben im Berichts- fahre durchschnittlich 203,18 Mark für den Zögling betragen, gegen 187,99 Mark in 1910 und 174,04 Mark in 1909 Im einzelnen betrugen die Kosten durchschnittlich der in Anstalten untergebrachten Schulpflichtigen 328,50 Mark, der Schulentlassenen 584 Mark, der in Familienpflege untergebrachten Schulpflichtigen 120 Mark und der in Familie, Dienst und Lehre untergebensten Schulentlassenen 78 Mark. — Von den Angehörigen der Fürsorgezög- I linge wurden zu den Kosten 1074,39 Mark gegen I 937,30 Mark im Vorjahre beigetragen.

— Eine Snbmissionsblüte. Die König!. Eisen- I bahn-Bau-Abteilung zu Bebra hatte das Los 1 der I Verbindungsbahn Berlin-Frankfurt, bestehend ans I 155000 Kubikmeter Erdmassenbewegung, 6530 .Qu- bifmeter Beton, 6600 Kubikmeter Chaussierung und I 4400 laufende Meter Oberbaulegung öffentlich aus- I geschrieben und darauf eine große Anzahl von Ange- I boten erhalten. Bei Oefsnung derselben traten er- I hebliche Preisunterschiede zutage. . Während die I Firma Phil. Alberding-Fulda mit 286 442 Mark die I niedrigste Forderung stellte, betrug die Höchstforde- I rung der Firma P. Schanze-Rotenburg 486 796 Mk. I Angebote hatten u. a. noch eingereicht: Gebrüder I Schäfer-Hünfeld 325 408,80 Mk., C. I. Fend-Rons- hausen 374 936/90 Mk., D. Witzel-Bebra 375 762 Mk. und P. Gorski-Rotenburg 421977 Mk. Der Zu. I chlag soll innerhalb sechs Wochen erteilt werden.

X Stadtpfarrkirche. Nach der neuen Gottes- I dienstordnung findet die Christenlehre für die Jüng- I inge im Anschluß an den 8 Uhr-Gottesdienst V<10 Uhr I in der Severikirche statt.

= Moderner Voaelmord. Von einem hiesigen I Serrn wurden der Redaktion zwei Vögel, eine Rauch- I chwalbe und ein Hänfling, vorgezeigt, die hier unter I elektrischen Leitungsdrähten tot aufgesunden wurden. I Man begegnet vielfach der Meinung, daß die Vögel, wenn sie mit den Leitungsdrähten in Berührung I kämen, durch die Einwirkung des elektrischen Stro- I mes verendeten. Diese Ansicht ist falsch, da der Srtom I nur dann tötet, wenn er durch den Körper des Tie- I res geht, also auf irgend eine Weise durch den Tier- I körper eine Leitungsverbindüng mit der Erde herge- I stellt wird. Der Tod der Tiere ist vielmehr darauf I zurückzuführen, daß sie beim Fliegen gegen die in der I

So stand in Goldlettern verzeichnet.

Swerjeff notierte es sich in seinem Notizbuch und war sehr zufrieden mit dem Resultat seiner Reise.

_ „Ich glaube, ich halte ein kostbares Material in Händen," sagte er sich, „nun heißt es schlau sein und nicht zu früh handeln.

Roman Romauovitsch verband mit scharfem Ver­stände eine große Verschlagenheit und die Kunst, sich zu verstellen, sobald es chm Vorteil bringen konnte.

Ohne seine Rückkehr anzumelden, war er eines Tages wieder in Latwilischki. Olga empfing ihn zu­erst allein. Sie war so kalt in chrer Begrüßung, daß chr Bruder sich gleich über sie ärgerte.

„Tu scheinst ja wenig erbaut, mich zu sehen." sagte er brummig. „Ich habe eine liebe Schwester, das muß ich sagen."

„Du erwartest Siebe und machst mir nur Sorge," entgegnete sie streng. „Denkst du denn garuicht an unsere arme Mutter, die uns vielleicht nur noch kurze Zeit erhalten bleibt?"

„Ist Mamachen denn so krank?" fragte Roman.

„Ja, und dein Leichtsinn bricht ihr das Herz. Ich bitte dich, bezähme dich wenigstens so lange sie lebt. Du weißt, wie sehr sie dich liebt, sie setzte große Hosf- nungen auf den einzigen Sohn, und wie wenig hast du sie erfüllt."

„Immer nur Tadel und Vorwürfe!" schrie Ro­man heftig, „ich verbitte mir deine Einmischung."

Olga kehrte chm den Rücken. Schweigend verließ sie das Zimmer, — sie fühlte sich immer wieder durch Romans Wesen abgestoßen.

Frau Swerjeff war glücklich, den Sohn in Lat­wilischki zu haben. Mit der den Müttern eigentüm­lichen Zärtlichkeit hing chr Herz an ihrem Sorgen­kinde. Sie hatte viel um ihn geweint und gebetet; sie hoffte, daß Gott sie endlich erhören müsse. Auch die Kranke wünschte für Roman eine Heirat; so allein konnte er solide werden; das dachte sie in chrer Siebe zu dem mißratenen Sohne.

Roman war doch erschüttert, als er die Mutter nack fast einem halben Jahre sah. Etwas Weiches wallte in dem durch Leichtsinn und Genußsucht ver-

Vie Schuld des Valets.

11] Roman von Freifrau G.von Schlippenbach.

Erst gegen Morgen ist das Fest zu Ende. Man verabschiedet sich mit dem Versprechen, sich bald wie­der in ähnlicher Weise zu treffen. Olga ist schon früher fongefahren, gleich nach Schluß des Kotillons. Sie bittet Daisy, sie ihrem Vater zu empfehlen. Selt­samerweise fühlt sich Fräulein Swerjeff jetzt von der rauschenden Musik, dem faden Gespräch ihrer Tänzer fast angewidert.

„Ich paffe nicht mehr unter leichtsinnige, frohe Menschen," denkt sie, als sie durch die graue Morgen­dämmerung dahinfährt, ihrer traurigen Heimat ent­gegen, wo Sorgen auf sie warten und die kranke Mutter vielleicht schlaflos ihrer harrt. Und das stolze Mädchenhaupt neigt sich vor der Last des Kummers- ein tränenloses Schluchzen erschüttert ihre Brust. Sie ist ja unbeobachtet, gottlob.

Roman Romanowitsch Swerjeff lebte sich unter­dessen in Paris und Monte Carlo aus. Das heißt, er fröhnte seinen Lastern, ließ seinen sogenannten noblen Pasiionen die Zügel schießen und vergeudete den letzten Rest des einst großen Vermögens. Selten dachte er an die beiden, ihm so nahestehenden Frauen, deren Schutz und Stütze er sein mußte. Kam ihm zu­weilen der Gedanke an die kranke Mutter, an die Schwester, tauchten Gewissensbisse in ihm auf, so ver­scheuchte er diese unangenehmen Gedanken leicht durch den Wein und die fieberhafte Aufregung der Roulette. Das Glück wechselte. Bald war Swerjeff im Besitz großer Summen, die aber oft schon am näch­sten Tage verloren wurden. Er schrieb und telegra­phierte nach Hause um Geld, das der 9?rtoalter Gri- jjori Tichitofski von den Wucherern für hohe Prozente ^erschaffen mußte. Dieser spitzbübische Grigori war das Werkzeug seines Gebieters und zu allen Schurken- streichen zu haben. Dabei hatte Swerjeff das Be­wußtsein, daß er von dem Menschen bestohlen wurde. Sr nahm sich vor. ihn fortzujagen, sobald er einen Betrug entdeckte. *

dorbenen Herzen des Wüstlings auf, und er blieb die ersten Tage zu Hause und leistete der Kranken Gesellschaft.

Daisy kam jetzt regelmäßig zweimal in der Woche nach Latwilischki, um bei Olga Klavierstunden zu nehmen. Nach dem 10. September war Fräulein Swerjeff nicht wieder in Blagotir gewesen. Sie ver­mied, Ilja Georgewtisch öfter zu begegnen, und auch er war von demselben Wunsch erfüllt. Je weniger er das schöne Mädchen sah, desto besser war es für sein leidenschaftliches Herz, das wieder nach einem Glück verlangte, welches unerreichbar war. Je mehr Ilja darüber nachdachte, desto tiefer gähnte der Ab­grund zu seinen Füßen, der chn von Olga trennte.

Soltjakofss waren schon nach kurzer Zeit überall gern gesehen. Die jungen Herren huldigten mehr oder weniger dem reizeiwen Mädchen und bemühten sich um seine Gunst. Aber Daisy blieb unberührt davon. Sie war gegen olle gleich freundlich und un­befangen; es schien, als sei sie gefeit gegen ein wär­meres Gefühl. Oder sollte ihr Herz schon gesprochen hoben? Hatte sie das Ideal ihrer Träume gesunden?

Boris Arbutin war nach dreiwöchentlichem Urlaub zu seinem Regiment zurückgekehrt. Er und Daisy hatten sich oft geneckt. Es gab kleine Empfindlichkeiten und Versöhnungen, wie schon in früheren Tagen. Der junge Offizier brannte bereits lichterloh für das reizende, kapriziöse Mädchen. Er reifte fort, hoffte aber bald wiederzukehren. In Petersburg wurde Boris Wladimirowitsch zum Adjutanten eines Groß­fürsten ernannt, eine hohe Auszeichnung bei seiner Jugend. Trotzdem freute er sich nicht darüber, denn nun war es ihm unmöglich, nach Datnofka zu kom­men. Er mußte den Prinzen in den Kaukasus be­gleiten, wohin derselbe in geheimer Mission geschickt wurde. Vorher kaufte Boris aber das an Daisy ver­lorene Vielliebchen, eine kostbare Vase aus französi­schem Porzellan, die von Wasserrosen umgeben war. Er schrieb einige Worte auf seine Karle.

„Ich denke daran und vergesse Sie auch nicht!" Tief unter den weißen Blüten verborgen, lugte ein blaues Vergißmeinnicht hervor. Als Daisy es sah, errötete sie, und ein glückliches Lächeln huschte über ihr Gesicht.

। Luft wenig hervortretenden Drähte stoßen. Diese I Ansicht wird auch durch die Tatsache begründet, daß I viele Vögel unter den Post- und Eisenöahntelegra- I phendrähten aufgefunden werden, in denen doch nur ein ganz schwacher Strom zirkuliert. So bedauerlich diese Tatsache für die Erhaltung der Nutz- und Sing­vögel ist, läßt sich dieser Vogelmord doch nicht ver­hindern.

* Kath. kaufmännischer Verein. Der Vergnügung?. auSschuß des kath. kaulmännischen Vereins bittet uns, nochmals darauf dinzuweisen, daß der Beginn des morgigen Familienabends schon auf 7'/, Uhr festgesetzt ist und daß bereits von 71/« Uhr ab das ArtiUerie- I orchefter konzertieren wird. Mit der Aufführung deS ganz neuen eigenartigen Schwankes Majolika scheint der Vergnügungsausschuß des K. Ä. V. einen guten Griff getan zu Haden. Nach den uns vorliegenden Kritiken aus andern Städten hat das Stück überall beste Auf­nahme gefunden. Eine Zeitung schreibt: Das ausvcr- faufte Haus amüsierte sich köstlich und wiederholt er­schallte Beifall selbst bet offener Szene. Die beiden bewährten Autoren haben es verstanden, ihre Figuren höchst originell und doch lebenswahr ,u gestalten.

= Sommertheater. Die diesjährige Spielzeit im Giesels Felsenkeller beginnt Mitte Juni unter einer neuen Direktion. Das Sommertheater wird seine diesmaligen Vorstellungen unter der Direktion der Wwe. des hier bestens bekannten Charakterkomikers Robert Herrmann geben, der in Fulda Jahrzehnte lang in weiten Kreisen große Sympathien genoß. Die Spiel. Vereinigung besteht aus 18 Mitgliedern und gastiert gegenwärtig in dem westfälischen Kurort Bünde.

(*) Hundertjahrfeier der 14 er Husaren. Am Sonn- tag nachmittag findet in der Alten Post eine außer­ordentliche Versammlung ehemaliger 14 er Husaren statt. Zweck der Versammlung ist vor allem Bekannt- gebung des jüngst festgelegten Festprogramms für die Regimentsfeier. Das Erscheinen aller Beteiligten wird dringend gewünscht.

<") Schwerathletik. Am 15. Juni findet das vierte Bezirks seil des Fuldabezirks tm Deutschen Athlelen- verband statt. Dt» einzelnen Konkmrenffpie!e setzen sich zusammen aus: Stemmen t Zwei- und Dretkampf, Ringen und Letchtatdle ik kDreikamps, Diskusweisen und Tau­ziehen). Der Wettkampf findet auf dem Borusfia-Sport- vlatz am Wall weg statt. Die Preisverleilung und die vorhergehenden Endkämpfe im Ringen werden im Jäger­daus zu Bronnzell vollzogen.

st. Fußballsport. Tue Spielleitung des ersten Ful­daer Fußdalltluvs .Borussia" e. B hat für den mor­gigen Sonntag ein erstklassiges Wettspiel atranaiert. Die erste Mannschaft des Schweinfurter Fußdallllnbs . 1905" wird der gleichen Mannschaft der ,Borussen' gegenüberfteben. Das Spiel beginnt um 3 Uhr am Sportplatz am Wallweg.

B. Radsport. Der Radsportklub Fulda, Gau 9 Frankfurt a. 'M. des D R. B. veranstaltet morgen abend im Gtesel'schen Saale „Sitten Abend in ikunst und Humor". Außer den radlportlichen Aufführungen, rote Kunstretgenfahren, Radballspiele, 2er Niedenadkunft- fobren, ist auch für den humoristischen Tetl bestens ge­sorgt Die Glanznummer bilhet daS Auftreten der Ntedenadkunnfahrer Gebrüder Stein-Offenbach.

I mancher Wähler in die zweit» oder gar erst» Klaffe, I der bei einer nur einmaligen Drittelung durch den t I ganzen Wahlkreis zur dritten Klaff» gehören würde. ' I Die Zahl der Wähler der 1. und der 2. Klaffe würde > I bei einer solchen einmaligen Drittelung der gesamten : I Wählermafse bedeutend geringer sein. Somit hebt ‘ I di» Drittelung in den einzelnen llrwahlbezirten den 1 I plutokratischen Charakter der Dreiklaffenwahl wieder : I etwas auf. Die Wahlmänner-Wahlen finden bekannt« ! I lieft am 16. Mai, am Freitag nach Pfingsten, statt. 1 I Zeit und Ort der Wahl werden noch bekannt gegeben.

I Die Aufstellung der Wahlmänner wird vom Wahl- I auSschuffe der Zentrumspartei noch erfolgen.

= Spurlos verschwunden ist seit gestern nachmittag I 4 Uhr der ll jährige Sohn des Sattlermeisters Joh. I Reichhardt von der Langebrückenstraße. Was den I aufgeweckten Schüler veranlaßte, sich vom Elternhause I iu entfernen, ist unaufgeklärt. Di» heute früh tut« I fierenden Gerüchte von einer schweren Züchtigung durch I einen Lehrer entsprechen nicht Den Tatsachen. Der I Knabe ist bekleidet mit einer schwarzen Tuchhose, einer I Manchester-Jacke und trägt Turnschuhe; eS fehlt ihm am linken Ringfinger ein Glied. Man befürchtet, daß I er sich ein Leid angetan hat.

Q Walldürn-Wallsahrt. Die Eichsfelder Wall­dürn-Wallfahrer kommen in diesem Jahre am Frei- I tag den 16. Mai hier an. Am folgenden Tage, Samstag den 17. Mai, 10 Uhr vormittags, treten die Waller vereinigt mit denen aus der Gegend von I Fulda» vor dem Kohlhäuser Tore an. Bon hier bis I Walldürn wird die Wallfahrt zu Fuß gemacht.

X. 6in dreister Diebstahl wurde gestern mittag um I I Uhr in einem Garten „Am Pröoel" von einem I Arbeiter ausgeführt. Er fällte zwei große Lärchen­bäume im Werte von 30 Mark und band da? Ab- I iallholz in Bündel. Beim Fortschaffen der Stämme I wurde der Mann beobachtet und der Eigentümer des Gartens von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. Durch einen Schutzmann wurde der Dieö zur Anzeige I gebracht.

!! Gewerbliche Fortbikdungsschule. Die Gswerbe- I treibenden seien darauf aufmerksam gemacht, daß hier I in der gewerblichen Fortbildungsschule die P f i n g st- I fetten vom 4. bis 18. Mai einschließlich dauern, I oie Woche vor dem Pfingstfest also in diesem Jahre I schulfrei ist.

1*1 Strafkammer. Abermals beschäftigte sich gestern I die Strafkammer mit dem 26 jährigen Betriebsleiter I H. B. in Mackenzell und dem 36 jährigen Betriebs- I führet Cb. D. in Ostheim. Die Anoeklagten sind bei I dem Mitteldeutschen Basaltwert in Hünfeld tätig und I batten die Leitung und Führung der Feldbahn vom I Ulmenftein bis nach Hünfeld. Am 19. Juli 1912 I entgleist» in einer schadhaften We che ein Zug nut I Steinen. Hierbei geriet der damalige Rangierer und I Hilfsmaschinist E. M. von Rückers (Krs. Hünfeld) I mit dem rechten Bein zwischen die Puffer, wodurch er I ein steifes Bein bekam. Das Schöffengericht in tünfeld hatte B. fteigesprochen und D. zu einer

eldftrafe von 100 Mk. verurteilt. Gegen dieses I Urteil hatte D. Einspruch erhoben, ebenso auch die I Staatsanwaltschaft in Hanau mit der Begründung, I daß das Schöffengericht Hünfeld für diesen Fall mchl I zuständig sei. Gestern vormittag fand an der I Unfallstelle ein Augenscheinstermin statt, dem der I Kgl. Gewerbeinspektor von Fulda und ein Stein- I bruchbesitzer aus Kassel all Sachverständige bei- I wohnten; auch fünf Zeugen waren zugegen. In der I Wetterverhandlung wurde al§ erwiesen angesehen, I daß D. von der schadhaften Weiche tags zuvor Kennt- I nis erhielt, es aber unterlassen hatte, die Reparatur rechtzeitig vorzunehmen. Der Erste Staatsanwalt I beantragte gegen B. und D. je eine Geldstrafe von | 100 Mk., weil sie sich durch Fahrlässigkeit einer I Körperverletzung schuldig gemacht und ebenfalls durch I Fahrläsfigtett einen Transport gefährdet haben. Nach I fast einstündiger Beratung verkündete um 9 Uhr | abends das Gericht, daß der Angeklagte B. freizu­sprechen sei, während D. zu einer Geldstrafe von 50

I Mark verurteilt wäre. B. sei fretzusprechen, weil I nicht festgestellt sei, ob auch er um den schadhaften I Zustand der Weiche gewußt habe.

Uh. Der kathol. Zugendverein der Stadtpfarrei hielt am Donnerstag seine ordtt. Frühjahrs-General- Versammlung ab. Der Präses des Berems, Herr Stadtkaplan Börsting, erstattete Bericht über das verflossene Winterhalbjahr. Der Mitgliederbestand beträgt z. Zeit 191. Die Bibliothek umfaßt zirka 290 Bände und ko ete über 300 Mark. An Spar­prämien wurden 23 Mart gezahlt. Die Mitglieder- deuräge beliefen sich auf 198,05 Mark. Hierauf wurde der Vorstand unter Worten der Anerkennung für die treue Mitarbeit entlastet. Der seitherige Senior Roth, ■"■"■■"■""■""»■"■■■■■■■■■■■■■MB

Kurz vor Weihnachten reifte Roman Romano­witsch endlich nach Rußland zurück. Er hatte stark | im Spiele verloren, und Tichnofski behauptete, kein Geld mehr auftreiben zu können, der Kredit sei er­schöpft.

„Ich muß jetzt den Philister spielen," brummte Roman verdrießlich. „Es ist auch Zeit, daß ich diese alberne Rolle annehme, denn der Strick ist mir am Halse. Ich muß suchen, eine reiche Erbin zu heiraten; die Tochter des Amerikaners habe ich dabei im Auge. Wenn ich nur wüßte, wo ich den Namen Soltjakos! früher gehört habe."

Er grübelte angestrengt nach. Plötzlich erinnerte er sich dunkel, daß es in Wien gewesen war, vor bald dreizehn Jahren.

Immer klarer wurde seine Erinnerung.

„Sollte es der Käufer von Blagotir fein?" dachte Roman. Es hieß, daß er nach Amerika gegangen war, nachdem er —" er brach den Gedankenfaden ab und pfiff leise vor sich hin.

Seine Frau war eine Engländerin. Wenn ich nur wüßte, wie ihr Mädchenname war, das gäbe mir Gewißheit. Ich reise über Wien nach Hause. Halt, ein sicheres Merkzeichen habe ich noch. Jener Soltjakosf hatte eine verbundene Hand; er soll in der Affäre verletzt worden sein. Nun, mein sauberer Herr Schwiegervater in spe, hüten Sie sich, mir Ihre Toch­ter zu verweigern! Sie sind in meiner Gewalt! Ich werde den Mund nicht halten und Sie in der Gegend unmöglich machen; ich denke, Sie werden mein Schweigen erlaufen — um jeden Preis!"

Swerjeff reifte nach Wien und hatte dort in den drei Tagen, die er in der Kaiserstadt verbrachte, eine ganz seltsame Beschäftigung. Er besuchte die Kirch­höfe, er spürte nach dem Grabe der jung verschiedenen Frau Soltjakosf. Es waren seitdem viele neue Tote hinzugekommen, Kreuze ragten hervor, schöne Monu­mente rügen die Namen der Gestorbenen. Endlich fand Swerjeff, was er suchte. Der Wächter des stil- ' len Gottesackers, der nicht mehr benutzt wurde, zeigte ■ ihm den Hügel, der schön gepflegt war und ein weißes i Marmorkreuz zu Häupten hatte.

„Daisy Soltjakofs, geborene Morton, vierund­zwanzig Jahre alt, gestorben am 30. Juli 1887." 1

der 1.

2.

3. Klasse

Im I. Urwahlbezirk

9

18

195 Wähler

, 11.

t

5

24

221

, ni.

w

1

21

255

„ IV.

V

10

29

216

, V.

M

14

28

202

„ VI.

1

13

294

, VII.

ff

4

22

228

, VIII.

4

22

250

, IX.

M

8

22

185

n

, X.

ff

4

21

196

, XI.

ff

13

52

239

, xn.

13

38

254

, xm.

n

7

29

97

, XIV.

tt

11

34

202

„ xv.

tt

11

49

247

w

Es stehen

sich also

gegenüber

115

Wähler

bet 1.,

422 der 2.

und 3281 Wähler der 3.

Klasse. Infolge