4. Blatt.
'rud «er Sulboer rictiendruverei in finifta.
e TOdt und TDtffen. f|
August Hermann Francke.
Ein Schulmann vor 250 Jahren.
(Nachdruck verboten.)
Was christlicher Unternehmungsgeist zu leisten vermag, wenn er mit wahrer Nächstenliebe verbunden ist, das zeigt sich, wie im Leben so manches katholischen Organisators, so auch in dem Leben des vorstehend genannten Schulmannes. Zwar ist er niemals zur vollen Erkenntnis'der wahren Kirche gelangt, aber mit dem ihm anvertrauten Pfand hat er redlich gewuchert, und deshalb ist sein Wirten auch mit außerordentlichen Erfolgen gesegnet worden.
August Hernrann Francke wurde am 22. März 1663 als der Sohn eines angesehenen protestantischen Rechtsgelehrten in Lübeck geboren. Als der Knabe drei Jahre alt war, wurde sein Vater von Herzog Ernst dem Frommen als Justizrat nach Gotha be- rufen, wo er jedoch schon nach wenigen Jahren starb. Unter den Augen der sorgsamen Mutter erhielt der hochbegabte Knabe zunächst Privatunterricht, besuchte dann das Gymnasium in Gotha und vollendete dort seine vortreffliche Vorbereitung für das Univerfitäts- studium. Er widmete sich dem Studium der protestantischen Theologie und studierte mit Eifer und Hingebung zuerst in Erfurt, dann in Kiel. Nach dreijährigem Besuch der Universität begab er sich rach Hamburg, um seine Kenntnisse in der hebräischen Sprache immer weiter zu vervollkommnen. Kurze Zeit daraus finden wir ihn in Leipzig, wo er an der Universität Vorlesungen für Bibelfreunde hielt. In diesen Vorlesungen übersetzte er zuerst den Grundtext der heiligen Schrift ins Deutsche, g'b dazu die notwendigen sprachlichen und sachlichen Erklärungen und knüpfte daran praktische erbauliche Betrachtungen. Wegen dieser Bestrebungen, das Studium der hl. Schrift auf das praktische Leben anzuwenden, wurde er von anderen Professoren der Leipziger Universität angeseindet, bis er die Stadt verließ und nach kurzem Aufenthalt in Lüneburg nach Hamburg übersiedelte. Hier errichtete er eine Privatschule für Kinder und sammelte auf diese Weise seine ersten Erfahrungen auf dem Gebiete, auf welchem er später mit so großartigem Erfolge wirksam sein sollte. Nach Leipzig zurückgekehrt, nahm er seine biblischen Vorlesungen wieder auf und erntete reichen Beifall. Allein mit seinem Einfluß und seiner Beliebtheit wuchsen auch die Mißgunst und der Haß seiner alten Gegner. Diese brachten es schließlich dahin, daß Francke w^gen Pietismus seines Amtes entsetzt und aus der Stadt verwiesen wurde. Im Jahre 1692 'erhielt er aber einen Ruf an die neugegründete Universität in Halle, an welcher ihm der Lehrstuhl für orientalische Sprachen und zugleich das Pfarramt in der Vorstadt Glaucha übertragen wurde. Hier wirkte er bis zu seinem Tode in wahrhaft, segensreicher Weise auf dem Gebiete der Jugenderziehung. Hier war es wo er die großartige Gründung ins Werk setzte, die noch heute unter dem Namen „Francks s ch e Stiftungen" in Blüte steht.. Der Anfang des Unternehmens war nur klein. Die Armen, die an jedem Donnerstag zum Pfarrhause kamen, um ihr Almosen in Empfang zu nehmen, fertigte er nicht an der Ture ab. sondern ließ sie in das Hau? treten und nahm zunächst mit den Kindern ein Stück Katechismus durch, wobei die Erwachsenen aufmerksam zuhörten. Dann erst ging es an die Verteilung des Almofens. Da aber seine eigenen Mittel nicht be- sonders groß waren, er jedoch gerne reichlicher gegeben hätte, so brachte er in seiner Stube eine Sammelbüchse an. Als er in dieser eines Tages die für jene Zeit nicht unbedeutende Summe von sieben Gulden vorfand, faßte er den Entschluß, eine Armen- fchule zu begründen. Das sind sieben gute Groschen, soll er gesagt haben, damit muß die Vorsehung etwas Besonderes vorhaben und wir wollen damit etwas Tüchtiges ins Werk setzen. Er kaufte also Bucher und nahm einen armen Studenten an, der die Kinder zwei Stunden täglich zu unterrichten hatte Als Schulzimmer diente ein Saal neben seinem Studier- zimmer. Die Zahl der Schüler betrug von Anfang 27, bald aber stellten sich mehr Kinder, auch solche von wohlhabenden Bürgern ein, die an dem Unterrichte teilzunehmen wünschten. Diese letzteren muß- ien wöchentlich einen Groschen Schulgeld mitbringen. Auf diese Weise wurde es Francke möglich, seinen Lehrer besser zu besolden und die Zahl der täglichen Unterrichtsstunden auf fünf zu erhöhen. Und schon im ersten Sommer war die Zahl der Schüler auf 60 angewachfen. Der Ruf von feiner aufopfernden Tätigkeit sowie von seinen Leistungen im Unterricht verbreitete sich sehr schnell. Immer neue Schüler meldeten sich, immer neue Unterstützungen flössen dem edlen Menschenfreunde zu. Und weil der Saal die Menge der Kinder nicht mehr fassen konnte, so mietete et im Nachbarhause eine Stube, trennte die Wohlhabenden von den Armen und richtete gesondert eine Armem- und eine Bürgerschule ein. Schon 1695 konnte er für diese beiden Anstalten ein eigenes Haus laufen. Am meisten aber dauerten ihn die armen, verwahrlosten Waisenkinder. So viel er konnte, nahm et sich ihrer besonders an. Neun solcher Kinder hatte er bei Bürgerfamilien untergebracht. Da schenkte ihm ein Freund auf seine Bitten für diesen Zweck 500 Taler und im Vertrauen auf Gottes Segen kaufte Francke 1696 ein zweites Haus, in welchem erjeine Waisen unterbrachte. Beaufsichtigt wurde diese Schar, zweiundfünfzig an der Zahl, durch einen Studenten der Theologie. Tas ist der Anfang seines Waifen- bauses. Für Söhne höherer Stände hatte er schon 1695 eine Lehr- und Erziehungsanstalt gegründet, ein mit Internat verbundenes Gymnasium. Da er nun für all diese Anstalten Lehrer und Erzieher brauchte, so richtete er ein Lehrerseminar ein, tn welchem er unbemittelten Studierenden unentgeltlich Tisch und pädagogische Unterweisung zuteil werden ließ Dafür mußten sie sich aber verpflichten, wenigstens drei Jahre lang an feinen Anstalten zu wirken. 1698 legte er den Grund zu einer Druckerei, die sich im Laufe der Zeit zu der heutigen Waisenhaus-Buch- handlung herausgebildet hat, und im Jahre 1700 machte er den Anfang mit der Waisenhausapotheke, die bald eine reiche Einnahmequelle für seine 'Stiftungen werden sollte. Als Francke im Jahre 1727 starb umfaßten seine Anstalten laut einer Ausstellung, die dem Könige Friedrich Wilhelm I. von Preußen überreicht wurde:
1. Das Pädagogium mit 82 Schülern, 70 Lehrern und anderen Personen.
2. Die lateinische Schule des Waisenhauses mit 3 Inspektoren, 32 Lehrern, 400 Schülern und 10 Bediensteten. *
«. Zuldaer Zeitung. -
3. Die deutschen Bürgerschulen mit 4 Inspektoren, 98 Lehrern, 8 Lehrerinnen, 1725 Knaben und Mädchen
4. Das Waisenhaus mit 100 Knaben, 34 Mädchen und 10 Aufseherinnen.
5. Der Freitisch mit 255 Studenten und 360 armen Schülern.
6. Haushaltung, Apotheke und Buchhandlung mit 53 Personen.
So hatte denn Francke am Abend seines Lebens die Genugtuung, sein Werk immer frischer und weiter sich entwickeln zu sehen. Sein Ziel, die „Erneuerung des gesamten Volkslebens auf dem Grunde einer aus lebendiger christlicher Erkenntnis wieder- geborenen Bildung", tote er selbst es bezeichnet, hatte er, soweit es in einem kurzen Menschenleben zu er reichen war, erreicht. — Seine Bedeutung auj dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts läfi1 sich in folgende Sätze zusammenfasien. In erziehlicher Hinsicht ist sie vor allen Dingen begründet in seiner wahrhaft christlichen Sorge für die Erziehung der Armen, Waisen und Verwahrlosten. Durch fein Organisations- und Verwaltungstalent überragt er bei weitem alle Pädagogen, die vor und nach ihm S'ebt haben, wenn auch seine wohlgemeinte väter- e Leitung vielfach in Uebertreibungen ausartete, Frohsinn und Heiterkeit bei den Kindern oft verkümmerte und so mannigfachen Schaden anrichtete. In unterrichtlicher Beziehung sind manche feiner Grundsätze sehr bemerkenswert. Nach ihm soll die mit Ernst verbundene Siebe der Grundzug der Erziehung fein. Dem Religionsunterrichte wies er eine hervorragende Stellung zu. Die Unterrichtsform soll entwickelnd, Gesprächsform fein. Der deutsche Unterricht erstrebt sinngemäßes Reden und guten Stil. Ein Hauptgewicht legte Francke auf Realien und Handfertigkeitsunterricht, Mathematik, Naturwissenschaften, Gco graphie'wurden anschaulich gelehrt und die daraus gewonnenen Kenntnifse Praktisch verwertet. So ist Francke zwar nicht der Begründer eines neuen Systems zu nennen, aber in seinem Wirken ist der Keim unterer heutigen Realschulen unverkennbar enthalten Johann Julius Hacker, der gewöhnlich als der Vater unsere» Realschulen bezeichnet wird, ist übrigens aus Franckes Schule hervorgegangen. Francke ist außerdem der Begründer der Waisenhäuser. Die Volks- und Gelehrtenschulen Deutschlands und anderer Länder entstanden nach dem Muster der Halleschen Stiftungen. Zu der Gründung von Lehrer- seminarien Hai Francke den Anstoß gegeben, lieber- Haupt hat er das Schul- und Erziehungswcfen zu einer selbständigen Berufssache erhoben; er brachte Pädagogische Theorie und die Praxis in lebensvolle S*erbinbung; in der Berufsbildung für den Lehrer- stand hat er mehr getan als irgend einer vor feiner Zeit. Das Berechtigte und Bedeutsame seiner Bestrebungen ist auch vom Preußischen Staate anerkannt, verwertet und gefördert worden und das ist eine der wichtigsten Erscheinungen, die sich an Franckes Wirksamkeit anschließen.
Die Mönchsrepublik ans dem Athos
Von W. Roß-Hamburg.
Gelegentlich der Einnahme von Saloniki und' der Besetzung der Halbinsel Chalkidike durch die Griechen ist auch die Frage des Westerbestehens der Mönchs- republik auf dem Athos berührt worden. Die griechische Regierung soll, Zeitungsmeldungen. zufolge, die Existenz des Gemeinwesens in seiner bisherigen Form verbürgt haben. Viele werden beim Lesen der Nachricht zum erstenmal in ihrem Leben von dieser Republik gehört haben, von der in der großen Oef- fentlichkest so wenig bekannt ist. Es ist bisher nur einzelnen, besonders empfohlenen Reisenden und Gelehrten möglich gewesen, in die sorgsam behütete Abgeschlossenheit der Halbinsel Achos einzudringen.
Die Halbinsel ist die östliche Landzunge der Chalkidike deren Südspitze von dem 1955 Meter hohen Athos gebildet wird. Seit mehr als tausend Jahren ist der Athos der „heilige Berg", der Hort der griechisch-orthodoxen Christenheit. Alle Stürme der Zeit hat er überdauert; die Wellen der gefchichtz- lieben Entwicklung sind an ihm spurlos vorübergegangen. Wer heute die Klöster des Athos betritt, der fühlt sich um viele Jahrhunderte zurückversetzt. Hier herrscht noch das Mittelalter in seiner starren, ur» sprünglichen Form.
Weltabgeschieden liegt der Berg da. Kerne der großen Dampftrlinien berührt seine Gestade. 9Zur kleine Segelboote, die die frommen Pilger nach den Klöstern bringen, legen an die steilen Ufer der Halbinsel an. Wollen Fremde die Klöster besuchen, so müssen sie eine direkte Empfehlung vom griechischen Patriarchen in Konstantinopel vorweisen können. Mit diesem Schreiben müssen sie vor die heilige Synode treten und genau Zweck und Ziel ihrer Reise auseinander setzen. Werden ihre Absichten als ungefährlich anerkannt, so ist ihnen der Zutritt zu dem Gebiet des Athos gestattet; von diesem Augenblick an genießen sie dann auch die Gastfreundschaft und Unterstützung der Mönche.
Man pflegt den heiligen Berg meistens von der kleinen Hafenstadt Dafni ans zu betreten. Der Berg selbst ist' ein steiler Marmorkegel, der bis zu zwei Drittel seiner Höhe mit wundervollem Wald bedeckt ist. Die ganze Halbinsel ist der Länge nach von einer mit Wald bedeckten Höhe durchzogen, die ihren Abschluß in dem heiligen Berg findet. Man begegnet hier den verschiedensten Baumarten und Pflanzen; besonders reich sind die Nußbäume vertreten, von denen der Hauptort der Halbinsel, das Städtchen Karyäs, seinen Namen herleitet. Karyäs ist eins der merkwürdigsten Orte, die es gibt. Es ist eine „tote Stadt", nur bewohnt von Mönchen und einigen türkischen Soldaten. Zu beiden Seiten der Straße reibt sich ein Magazin an das andere, aus denen an bestimmten Wochentagen die Mönche ihre Bedürfnisse decken. An diesen Tagen ist etwas Leben im Ort. Sonst stört fein lauter Ton die Stille, wie ausgestorben liegen die Straßen. Die eigentliche Kuppe des Athos ist unbewohnt. Nur an den Abhängen findet man einige Klöster, deren die Mönchsreviiblik im aanzcn 21 zählt, die über die ganze Halbinsel zerstreut liegen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von Einsiedeleien und Filialklöstern, die von Laien- brüdern bewohnt werden, deren die Bestellung der Aeckcr und die grob? Arbeit zufällt. Die Mehrzahl der Klöster gehört den Griechen, außerdem je eins den Rusten, besonders vrächtig in der Nähe von Dafni gelegen, den Serben, Rumänen und Bulgaren. Ihre inneren Angelegenheiten ordnen die Klöster selbst, für die Vertretung nach außen ist die heilige Synode, die ans jährlich wechselnden Vertretern der Klöster gebildet wird und in dem Städtchen Karyäs ihren Sitz hat, zuständig. Tort wohnte auch bis jetzt der türkische Pascha mit wenigen Soldaten und Beamten, die die Oberherrschaft der Hohen Pforte verkörperten.
Ein jährlicher Tribut von 40 000 Frcs. bildete die einzige Abgabe, die die Republik dem Sultan zu zah- len hatte.
Es gibt zwei Klaffen von Klöstern. In den köno- bittschen ist das Leben besonders streng geregelt Jeder Fleisch, und Weingenuß ist verpönt. Die Mönche leben nur von Waffer, Brot und Gemüse. Es sind dies meist die ärmeren Klöster. Sie führen eine gemeinsame Klosterkasse, aus der alle Bedürfnisse bestritten werden. An der Spitze steht ein Abt mit fast unumschränkter Gewalt.
Wesentlich verschieden ist das Leben in den idor- rhytmischen Klöstern. Hier hat jeder Mönch feine eigene Zelle, in der er nach feinem Wohlgefallen leben kann. Auch die Ausstattung und Verpflegung in diesen Klöstern ist bedeutend reichhaltiger, wie auch die Klostergüter größer sind. Jedes Kloster wählt jedes Jahre eine aus dvei Mönchen bestehende Verwaltung der in erster Linie die Aussicht über die Be- wirtschaftung der Güter obliegt. Dre Bewirtschaftung erfolgt, wie vorhin schon erwähnt, durch Laien- brüder.
Eigenartig ist die Besttmmung, daß kein Weib- liches Wesen die Halbinsel betreten darf, eine Vor- schrift, die mit voller Strenge durchgeführt wird und sogar so weit geht, daß dem türkischen Pascha in Karyäs nicht gestattet wurde, seinen Harem mitzubringen. An der mazedonischen Grenze sind eigene Posten ausgestellt, die jedes Betreten des Gebietes der Republik durch Frauen verhindern.
Das Leben der Mönche ist ein fast ununterbroche- ner Gottesdienst. Der griechisch orthodoxe Kirchen- kult wird hier in seiner ursprünglichen Form geübt. Es sind noch die alten Satzungen; dieselben Melo- bien der Hymnen erklingen wie vor tausend Jahren. Man sieht die alten Psalterien mit den Noten, die vergilbten Pergamenthandschristen, die dem Kultus zugrunde gelegt werden wie damals, als in der abgelegenen Wildnis des Athos die ersten Klöster gegründet wurden.
T. Die Ausnutzung der Moore in Holland.
Wohl in keinem Lande der Welt hat die Ausnutzung der Torfmoore schon frühzeitig eine solche Ausdehnung und eine so systemattsche Ausbildung erfahren, wie in unserem Nachbarstaat Holland. Mit großer Sachkenntnis und einem gewaltigen Kapitalaufwand find die dortigen ausgedehnten Moorablago- rungen kanalisiert und soweit trocken gelegt, daß die sogenannte Vchnwirtschast eingeführt werden konnte. Die Entwässerungsgräben sind dabei gleich in solchen Abmessungen angelegt, daß sie nicht nur zur Ableitung der Grundwasser, sondern auch als Schiffskanäle benutzl werden können. In den so zugänglich gemachten Mooren wird der Torf von der Sohle der Ablagerung aus vorgehend ausgcstochen, abgetrocknet, und in ziegelsteinartige Formen gepreßt. Die auf diese Art gewonnenen Torfsteine oder Briketts werden in flachen Booten auf den Moorkanälen und den an diese anschließenden Hauptschiffahrtskanälen den sich über ganz Holland und die anstoßenden Gebiete verteilenden Verbrauchsstellen zugeführt. Als Rückfracht verladen die Boote Straßenkehricht und sonstige Abfälle aller Art, welche namentlich von den Städten gern abgegeben und den Schiffern frei zugebracht Werden, und führen dieselben den Torskolo- niften zu, die sie als Dünger für das abgetorfte Gelände verwerten. Auf dies? Weife wird nicht nur ein großer Teil Hollands mit billigem Brennstoff versorgt, sondern es werden auch jährlich ganz erhebliche Flächen sonst brachliegenden Sumpflandes urbar gemacht und in ertragreiche Ackerstücke umgewandelt, was einer großen Ackerbau treibenden Bevölkerung Gelegenheit zum Erwerb eines gut lohnenden Eigentumes verschafft. Jahr für Jahr siedeln sich hier neue Kolonisten an, und bilden so sich immer mehr erweiternde ländliche Gemeinwesen, die im allgemeinen gut florieren. Auch diesen Ansiedlern leisten die Moorkanäle gute Dienste, oa dieselben bequeme und billige Verkehrswege zur Verfrachtung der get- wonnenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse nach den Städten sowie zur Ausfuhr in das Ausland bilden. Selbst unseren deutschen Märkten werden auf diese Art nicht geringe Mengen Produkte, namentlich Gemüse und dergleichen, aus den Moorkolonien Hollands zugeführt.
'M Moderne Sprengmittel und Sprengverfahren.
Wie alle Gebiete des Wirtschaftslebens, so weist auch die Sprengtechnik namentlich int letzten halben Jahrhundert gewaltige Umwälzungen und Fortschritte auf, und zwar erstrecken sie sich sowohl auf die eigentlichen Sprengmittel selbst als auch auf die Anwen- dungsmöglichkeiten derselben und auf die Sprengverfahren.
Der älteste Sprengstoff ist das aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter bestehende Schwarzpulver, welches der Mönch Berthold Schwarz um die Mitte des 14. Jahrhunderts, wenn auch nicht gerade erfand, da es schon im 13. Jahrhundert bekannt und zu Feuerwerkszwecken benutzt wurde, so doch derart verbessette, daß es als Schieß- und Sprengmittel brauchbar wurde. Fast genau 500 Jahre blieb das Schwarzpulver das einzige Sprengmittel, bis um die Mute des 19. Jahrhunderts Schönbein die Schieß, b a u m w o l l e und kurz hinterher Nobel zuerst das Nitroglycerin oder Sprengöl und dann das Dynamit erfand.
Namentlich das letztere, welches nichts Weiter ist als ein mit Sprengöl getränkter poröser und an sich gewöhnlich unwirksamer Stoff, machte infolge seiner größeren Sprengkraft dem Schwarzpulver den Vorrang streitig und hat dieses vielfach ganz verdrängt. In erster Reihe eroberten die kräftigeren Sprengstoffe allenthalben dort das Feld, wo es darauf ankam, feste Gegenstände zu zerschmettern, also in der Kriegskunst zum Laden von Granaten, und als Minen zum Zerstören von Festungswerken, Schiffen und bergt, in der Industrie hauptsächlich zum Sprengen von Fel- sen, zum Niederbringen von Schächten und zum Her- stellen von Tunnels und Grubenräumen in festem Gestein. Tas Schwarzpulver dagegen behauptete seinen Platz vorwiegend da, wo weniger eine Zerstö- rung als vielmehr eine Fortbewegung oder eine Abtrennung von Körpern bezweckt wird. Dieses ist stets beim Schießen mittels Stationen, Gewehren usw. der Fall, wo die Ladung möglichst weit forigeschleudert wird, diese selbst aber und der Lauf geschont und gegen Zerstörung gesichert bleiben sollen, ferner bei der Gewinnung nutzbarer Mineralien, Bausteinen, Erzen, Kohle und bergt von ihren natürlichen Lagerstätten. Hier sollen die zu gewinnenden Stoffe weniger zer- neinert. als vielmehr in größeren Stücken von den
JVo 101.
öamstag 5. Mai 1913.
benachbarten Massen abgetrennt werden. Hierzu eignet sich aber das langsam verbrennende und deshalb gewiffermaßen mehr schiebend wirkende Schwarzpulver ungleich beffer, als die plötzlich in ihrer ganzen Masse zugleich verbrennenden und deshalb in ganz kurzer Zeit eine ungleich größere Arbeit ausübenden brisanten Sprengmittel, deren Gase, nach allen Setten Auswege suchend, alles in ihrem Bereich befindliche zertrümmern.
Obgleich das Schwarzpulver zur Gewinnung der im Erdinnern aufgespeicherten Mineralschätze ausgezeichnete Dienste zu leisten vermag, wird seine allgemeine Verwendung zu diesem Zwecke doch dadurch sehr beeinträchtigt, daß es eine lange Schuß- flamme bildet und deshalb bei Anwesenheit von Schlagwettern in den Bergwerken diese leicht zur E x- p l o s i o n bringt, eine Untugend, die es übrigens mit dem Dynamit gemeinsam hat. Dieser Umstand spornte die Sprengtechniker dazu an, Sprengstoffe ausfindig zu machen, welche nach dieser Richtung hin weniger gefährlich sind. Als Ergebnis diefer Anstrengungen tauchten bald eine ganze Reche sogen. Sicherheitssprengstoffe auf, welche ihrem Namen bezüglich der Sicherheit gegen Schlagwetterentzündungen bis zu einem getoiffen Grade mehr ober minber Genüge leisteten. Tas wefentlichste Merkmal der Sicherheitssprengstoffe besteht darin, daß chnen Ammonium-, Magnesium-, Natrium- ober ähnliche Salze beigemengt sind, welche durch Verdampfung chres Kristallwassers die Hitze der Verbrennungsgase und damit auch die Gefahr der Schlagwetterentzün- düng herabmindern.
Einen weiteren Anlaß zum Auffuchen neuer Sprengmittel bildet die Gefährlichkeit der Herstellung, des Transportes und der Handhabung fast aller Sprengstoffe, Gelche auch deren Ausschluß ober doch wesentliche Erschwernisse für beten Beförderung mit der Eisenbahn bebCvn. Die Bestrebungen zur Vermeidung dieser Nebelwände zeitigten eine ganze Anzahl neuer Sprengmittel, von welchen jedoch nur wenige praktische Bedeutung erlangten. Einige der interessanteren derselben mögen hier kurz besprochen werden.
Bor etwa 15 Jahren wurden auf verschiedenen Zechen des rheinisch-westfälischen Steinkohlenreviers ausgedehnte Versuche mit Knallgas als Sprengmittel veranstaltet. Man füllte dabei Wasser in als Patronen dienende Stahlhülsen von etwa 200 mm Länge und 300 mm Durchmesser und zersetzte dieses mit Hilfe eines durchgeführten elektrischen Stromes. Das so gebildete aus Wasserstoff und Sauerstoff be- Eenbe Gasgemisch konnte nicht entweichen, son- n blieb unter hohem Truck in der Patrone ein- geschlosfen. Diese letztere wurde in das Schußioch und mittels eines elektrischen Funkens zur Explosion gebracht. Die Hoffnung, in dem Knallgas einen gefahrlosen Sprengstoff für Schlagwettergruben zu erhalten, erfüllte sich leider nicht, da die aus dem Bohrloch herausschlagende Expwsionsflamme etwa vorhandene Schlagwetter zur Entzündung bringt. Damit scheidet das Knallgas aus der Reihe der Sprengstoffe vorläufig wieder aus, namentlich da sich das Verfahren im übrigen auch als zu teuer erwies. Zudem sind auch die Füllung, der Transport und die Aufbewahrung der Knallgaspatronen keineswegs ungefährlich, da das Gas in denselben unter einem Druck von 400 bis 500 Atmosphären steht.
Um nicht gezwungen zu sein, den Bergarbeitern Dynamit in die Hände zu geben und um sich von den diesbezüglichen in Folge der nihilistischen Attentate sehr strengen Vorschriften der russischen Behörden zu befreien, verwenden dortige Bergwerksverwaltungen feit einigen Jahren einen Sprengsto'f, der aus einer Mischung von 90 Teilen Kaliumchlorat und 10 Teilen Petroleum besteht. Dieser Miedziankit getaufte Sprengstoff wird neuerdings auch in Deutschland, namentlich auf schlesischen Stein?, hlengruben versucht und dabei auf den Zechen selbst hergestellt. Das Kaliumchlorat wird in Pulverform in perforierte Papierpatronen gefüllt, dann mit Petroleum getränkt und mit geöltem Papier umhüllt, damit das Petroleum nicht verdunstet. Ob sich das Sprengmittel dauernd bewährt, müssen erst weitere praktische 93er« suche ergeben. Als Sicherheitssprengstoff kann es je- densalls nicht gelten, da es eine lange Schußflamme und erhebliche Mengen Kohlenoxydgas erzeugt.
Ueber die neuesten Versuche mit Sprengungen mit flüssigem Sauerstoff, die in den siskali- chen Kalksteinbrüchen bei Rüdersdorf vorgenommen werden, sprach am 28. November 1912 der Geh. Regierungsrat Kolbe in der Berliner Bergakademie. Danach werden die mit einer Mischung von Kieselgur und Paraffin im Verhältnis von 60 zu 40 Teilen gefüllten und mit einer Sprengkapsel versehenen Sprengpatronen in das Schußloch gebracht und fest besetzt. Ein mit den Patronen verbundenes Papierröhrchen, welches aus dem Bohrloch herausragt, wird beim Besetzen mittels einer durchgesteckten Raumnadel offengehalten. Nach Fertigstellung des Besatzes wird die Raumnadel entfernt und durch das Papierröhrchen sauerstoffreiche, flüssige Lust bezw. flüffiger Sauerstoff in die Patronen eingeführt, und es werden dann die letzteren mittels elektrischer Zündung zur Explosion gebracht. Weil der fluffige Sauerstoff bei der Berührung mit der erheblich wärmeren Patronenfüllung rasch verdampft und sich verflüssigt, so muß das Einfüllen desselben und ebenso das Zünden des Schusses schnell erfolgen und darf keineswegs über 5 bis 10 Minuten dauern, da sonst die Wirkung zu sehr beeinträchtigt wird. Sinkt doch infolge der Ber- bunftung des Sauerstoffes die Sprengkraft nach 5 Minuten bereits auf die Hälfte, um nach weiteren 5 Minuten nahezu bis auf 0 herunter zu gehen. Nach Beseitigung dieses Mangels wird der flüssige Sauerstoff jedenfalls einen idealen Sprengstoff liefern, wenigstens soweit eine gefahrlose Herstellung und Handhabung in Frage kommt. Ob er auch als Sicherbeitssprengstoff für Schlagwettergruben "Kien kann, ist noch nicht bewiesen.
Allerlei.
— E'ies der größten Vozelmuseen der Erd, dürfte nach seiner Vollendung das Museum des Professors Alexander König in Bonn enthalten. In der Sammlung befinden sich viele Sclteicheiten, als deren größte auch Aepyorniseier von verschiedener Größe. Die Eier stammen von dem vor Jahrtausenden auSgeftorbenen madagassischen Riefenstrauß Aepyornis und sind gut erhalten, während von den Riesenstraußen selbst bisher nur wenige Knochen aufzufinden waren. Ein Ei des Aepyornis ist 34 Zentimeter lang und 2214 Zentimeter dick, hat also die dreifache Länge des Straußeneies. Nur wenige dieser Niefeneier "iZX hn Tonboden Madagaskars gefunden worden und befinden sich außer in Bonn in Paris und in der ungarischen Nationalsammlung zu Budapest.
r