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Fuldaer Zeitung

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, viertel, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Sulla sowie auswärts 1.50 mark. •••• Rotationsdruck und Verlag der z : Sulöaer flctienbrudterel In Sulda. Zemfprecher Nr. 9. ::

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Illustrierte Sonntagszeitung i Zuldaer SeschichtsblLtter

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Nr. 101. Erstes Blatt.

Samstag den 3. Mai 1913.

40. Zahrgang.

Preußischer Landtag.

’ Herrenhaus.

Sitzung vom 2. Mai 1913.

Drei Stunden sprach man über das sogenannte Äusgrabungsgesetz und aus den Ausführungen der Redner ging deutlich hervor, daß man mit der Re. gierungsvorlage, die die rechtliche Grundlage des Eigen, tums an Ausgrabungen anders regeln will, in manchen Punkten nicht einverstanden war. Die Kritik fand denn auch ihren Niederschlag in einer Fülle von Ab» änderungsanträgen, von denen einige angenommen wurden, sodaß das Gesetz noch einmal an das Abgeord- netenhaus zurück mutz, ixt bekanntlich jede Vorlage nur dann Gesetz wird, wenn ihr beide Häuser des Landtages zugestimmt haben. Herr v. Schwerin-Löwitz wird daher noch eine Sitzung des Abgeordnetenhauses einberufen müssen.

Recht interessant und lebhaft gestaltete sich die bis oahin ziemlich eintönigen Debatten, als die Ostmar» k e n v o r l a g e an die Reihe kam. Im Herrenhause sitzen bekanntlich auch, wie im Abgeordnetenhause, Ver- ireter der Polenpolitik und Gegner derselben. In ziem, lich scharfen Worten wandten sich zwei polnische Herren -egen die Polenpolitik Preußens und sie fanden hierin llnterstützung durch den Grafen Droste zu Vifchering, -er in vornehmer und würdiger Weise den Zentrums» standpunkt vertrat. Das Zentrum mißbilligt die ganze klrt und Weise der Behandlung der Polen durch sie preußische Regierung. Finanzminister Dr. Lentze ver» teidigte selbstverständlich die Polenpolitik, indem er die Schuld der Regiernugsmatznahmen auf die Polen ab» zuwälzen suchte. Damit begegnete er aber auf mehr als einer Seite einem gelinden Zweifel. Daß die Her­ren streng konservativer Richtung der Regierung bei» sprangen, ist selbstverständlich. Bis tief in den Abend hinein dauerte die Debatte über unsere Polenpolitik und es ward manches Wort für und wider gesprochen, ohne daß man sich einig wurde. Und man wird nie einig werden, so lange Preußen nicht von dieser lieb, losen Art, zu „germanisieren", abläßt. Wenn man die Herzen einer Bevölkerung gewinnen will, muß man es Inders anfangen. — Am Samstag wird die Polendebatte fortgesetzt.

Deutsches Reich.

♦ Berlin, 2. Mai 1913. Der Kaiser erschien Freitag morgen nach 5 Uhr auf dem TruppenübungS» platz Döberitz und nahm eine Besichtigung eines Bataillons des 1. Garderegiments zu Fuß vor. Hieran schloß sich eine Gefechtsübung und dann der Vorbeimarsch der beteiligten Truppenteile. Hieraus hielt der Kaiser eine Ansprache an das 1. Garde­regiment anläßlich des hundertjährigen Geden.tages der Schlacht bei Großgörschen. Auf dem Truppenübungsplatz waren auch die Kaiserin, die Prinzesiin Viktoria Luise und Prinz Ernst August, Herzog zu Braunsctweig und Lüneburg, anwesend.

♦ Vom Herrn Abg. Dr. Porsch geht uns folgendes Schreiben mit der Bitte im Veröffentlichung zu:

Berlin, 2. Mai 1913. Aus Anlaß meines 60. Ge­burtstages sind mir in den letzten Tagen soviel freund­liche telegrapdilche und briesliche Glückwünsche zugegangen, daß ich meine Absicht, sie einzeln zu beantworten, zu meinem Bebauern habe aufgeben müssen. Deshalb bitte ich, am diesem Wege dafür meinen allerherzlichften tiefgefühlten Dank aussprechen zu dürfen. Dr. Porsch.

Die Auslösung des Abgeordnetenhauses. In parlamentarifchen Kreisen wird damit gerechnet, daß bas Abgeordnetenhaus noch vor den am 16. Mai stattfindenden Urwahlen für die neue Legislatur­periode zur Auflösung gelangen wird. Diese Auf­lösung, schreibt die Nordd. Allg. Ztg., würde ebenso, wie es in den Jahren 1873, 1876, 1879 und zuletzt 1908 der Fall gewesen ist, lediglich formale Be­deutung haben und den Zweck verfolgen, dem neu zu wählenden Abgeordnetenhause den Zusammentritt schon vor dem 26. Juni, — dem Tage, mit welchem die Legislaturperiode des jetzigen Abgeordnetenhauses durch Zeitablauf beendet sein würde — zu ermög«

D Erinnerungen an die Freiheits­kriege.

ix.

Die Schlacht bei Lützen und Großgörschen.

(2. Mai 1813.)

Der Boden, auf dem das zum Widerstand gegen Napoleon erwachte Preußen in Verbindung mit sei­nem ruffischen Verbündeten die erste große Schlacht lieferte, ist em alter historischer Kampfboden. Hier bei Lützen wogte im dreißigjährigen Kriege die große Schlacht zwischen den Kaiserlichen und den Schweden, in der Gustav Adolf seinen Tod fand, in der der sapfere Reitergeneral Pappenheim tödlich verwundet wurde und Wallenstein selbst nicht unverwundet blieb, hier stieß auch Napoleon, der in Leipzig sein Ouartier aufgeschlagen, auf seinen Gegner und wie damals entbrannte ein mörderischer Kampf, der dem Eroberer schwere Opfer kostete, wenn er durch seine llebermacht in Verbindung mit seinem Feldherrn» talent auch schließlich das Schlachtfeld behauptete. Er verlor 23 000 Mann, sein Gegner nur 11500. Er verlor 5 Geschütze, dieser keines. Und doch brachte die heldenhaft bestandene Schlacht dem Heere Preu» ßens einen unersetzlichen Verlust, indem General Scharnhorst, der große Reformator der preußi­schen Armee, einen Schuß in den Schenkel erhielt und trotz der Kunst der Aerzte auf einer Reise nach Wien begriffen, in Prag der erhaltenen Wunde erlag. „Lieber eine Schlacht verloren, als diesen ausgezeich­neten Mann," äußerte sich der alte Blücher und er uwchte wohl Recht haben.

„In dem wilden Kriegestanze Brach die schönste Heldcnlanze, Preußen, euer General.

Lustig auf dem Feld bei Lühe" Sah er Freiheitswaffen blitze.., Doch ihn traf der Todesstrahl."

So sang Max v. Schenkendorff in seiner bewegten ^otenklage um den unersetzliche^ Mam^

lichen. Ein politischer Zweck würde selbstverständlich mit einer solchen lediglich auS formalen Gründen erfolgenden Auslösung nicht verbunden sein.

d* Die Abhängigkeit der Konservativen von Zentrum. Gegen den Vorwurf der .Nationalliber t Korres­pondenz" daß die Konservativen sich in Lvhängigkeit vom Zentrum begeben, verwahrt sich, wie gestern mitgeletlt, in der Kreuzzeitung ein konservativer Ab- geordneter. Wir kennen schon längst diese hinter­listige Anfeindung. Sobald die Konservativen in einer Sache mit dem Zentrum überein stimmen, wird das Zentrum als Tyrann und die konservative Partei als Sklavin hergestellt. So wird der Rechten die ArbeitSgemeinscha t mit dem Zentrum verekelt. Aber nun hat im Laufe der Reichstagsgeschichte schon häufig die nationalliberale Partei mit dem Zentrum zusammen gearbeitet, sogar in sehr großen Dingen, wie Bürgerliches Ges'tzbuch, Zolltarif rc. Ist denn nun auch die nationalliberale Partei in eine unwürdige Abhängigkeit vom Zentrum ge­raten? Ja, Bauer, das ist etwas anders l Nach dem Verfasser jenen Artikels der,Nationalliberalen Korrespondenz" darf sich die nationalliberale Partei überall die Arbeits- und Bundesgenoffen suchen, wo wo sie gerade die geeigneten finden; sie darf auch unter Umständen mit dem Zentrum gehen, aber auch mit den Sozialdemokraten, wie z. B. jetzt in der ?rage der Geschäftsordnung für die Budgetkommiision.

te konservative Partei aber darf nicht mit dem Zentrum zusammengehen und mit der Sozialdemo­kratie ebensowenig; die soll nur auf die national- liberale Partei blicken und horchen dürfen! Das heißt doch, die Konservativen wirklich abhängig machen von den Nationalliberalen. Kein Wunder, wenn sich die konservative Partei gegen eine solche Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit wehrt. In den Zentrumskreisen aber muß man auch beachten, daß dieses alte System, die mit dem Zentrum über­einstimmenden Parteien zu verdächtigen und ihre Wähler aufzuhetzen, noch immer im Schwange ist.

+ Die Maiseier der deutschen Sozialdemokratie hat in diesem Jahre einen recht harmlosen Verlauf ge­nommen. Nur aus Wilhelmshaven werden Aus­schreitungen Maifeiernder gemeldet. Der Weltseiertag hatte diesmal aus dem Grunde ein friedliches Gesicht, weil der Himmelfahrtstag den Kampf um die Arbetts- freiheit überflüssig machte. In der Preffe und in Resolutionen wurde dem revolutionären Charakter der Feier aber doch Ausdiuck gegeben; so schrieb die die Leipzig. Vo.ksztg., daß diese Massendemonstrationen /rötet oder später in einer Periode revolutionärer Kämpfe um die Macht im Staate ausmünden müssen."

Ausland.

* Die Gnadensonne des Zaren scheint über Ge- rechte und Ungerechte. Aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums sind dem ehemaligen Statthalter des fernen Ostens, Admiral Alexejesf die Bril­lanten zum Alexander Newsky-Orden verliehen wor­den. Dieser Alexejeff ist durch seine Mißwirtschaft in der Hauptsache für den russisch-japanischen Krieg ver­antwortlich zu machen.

△ Die Mauaviten in Pole«. In Ruffisch-Polen ist es der Mariavitensekle (eine den Altkatholiken ver­wandte Sekte) Dank der Unterstützung der ruffischen Regierung gelungen, sich in den B e s i tz v o n 5 2 k a t h o- tischen Kirchen, 126 Kapellen, 52 Pfarrhäusern, 49 Volksschulen u. s. w. zu setzen.

*♦ Marokko. Bei ei em Kampfe mit dem marok- kanifchen Stamme der Schloe in Sidi Ali verlor die französische Kolonne des Obersten Mangin 18 Tote und 41 Verwundete.

* Mexiko. Nach Meldungen New-Dorker Blätter haben die Rebellen bei La Cascade einen Eisenbahn­zug zerstört und 45 Passagiere niederge­metzelt.

Scharnhorst war mit dem Verlauf der Schlacht gar nicht zufrieden. Er schrieb darüber sofort an seine Tochter wie folgt.

„Ich habe einen traurigen Tag gehabt: schlechte Führung der Armee vom Grafen Wittgenstein, Mangel an allem und in der Schlacht selbst keine Leiti ng des Ganzen: was war das Großes zu er­warten?"

Kurz vor seinem Tode noch klagt er: „Alle sieben Orden und mein Leben gäbe ich für das Kommando eines Tages!" In der Tat, die russische Leitung unter v. Wittgenstein war durchaus nicht einwandftei. Be­sonderen Schmerz aber bereitete es den heldenmütigen Genralen, daß sie bei dem Könige keine Anerkennung und vielfach sogar bittere unverdiente Vorwürfe fan­den. Heber den Verlauf der Schlacht von Lützen und Großgörschen hat uns der Adjutant des Zaren Alexander L, Oberstleutnant v. Wolzogen, in seinen Memoiren Aufzeichnungen überliefert, in denen es heißt:

„Als es entschieden war, daß der Feind die Dörfer Groß- und Klein-Görschen, Rahna und Kaja besetzt hatte, griff zuerst die preußische Brigade des Obersten von Klüx vom Blücherschen Korps das erstgenannte Dorf mit dem größten Jlngeftüm an und nahm es, sowie auch das Dorf Kleingörschen, wurde jedoch bald darauf aus beiden wieder herausgeworfen, wor- auf die zweite Brigade des Blücherschen Korps unter General von Zielen vorrückte und dasselbe Schicksal erfuhr. Endlich wurde auch noch das Aorksche Korps zum Angriff der Dörfer verwendet; aber der Erobe­rung der Dörfer folgte immer von neuem deren Ver­lust. Die Monarchen hatten sich auf einen Hügel eilte Viertelmeile von Großgörschen begeben, von wo sie das Schlachtfeld gut übersehen konnten, ohne sich Der Gefahr zu exponieren. Dem Kaiser Alexander aber war es darum zu tun, feinen Mut zu zeigen, weil er seit Austerlitz nicht mehr vor dem Feinde gewesen und damals durch die Flucht der Seinen mit fortgerissen worden war. Er begab sich daher ohne alle Not plötzlich in das heftigste Feuer, sodaß Witt- aenstein immer nur damit beschäftigt war, ihn wieder

X Die kritische Lage.

Oesterreich, das mit großem Nachdruck verkündigen ließ, daß es durch die Ergebnislosigkeit der Bolschafter­sitzung freie Hand zu selbständigem Handeln bekomme, hat von dieser Freiheit bis zu diesem Augenblick noch keinen Gebrauch gemacht. Jede Stunde aber kann man gewärtig fein, daß der Konflikt die äußerste Schärfe annimmt, daß zum letzten Mittel feiner Söfung geschritten wird. Die Krise, die alle Nerven spannt, hält also an. Wenn bai mit den Vertagungen von Montag auf Donnerstag und von Donnerstag auf Montag usw. rote bisher fortgeht, kann Europa auch noch über Pfingsten hinaus ober gar bis zur Sommer- roenbe in schwebender Pein bangen und banger.

Das bisherige Zögern Oesterreichs erklärt sich allenfalls aus der Verwicklung, die im Innern von Albanien eingetreten ist. Es gilt jetzt nicht bloß, Ckutari wieder loszureifen, sondern es muß in ganz Albanien die Ordnung wieder hergestellt werden, die Essad Pascha nach der verräterischen Uebergabe Skutaris im stillen Einvernehmen mit Montenegro und Serbien über den Hausen geworfen hat. Die ganzen Bemühungen Oesterreichs und Italiens um ein neues Fürstentum Albanien werden zum Kinderspott, wenn nicht bald der Abenteurer Essad mitsamt den marodierenden Resten der tür» kischen Truppen aus dem Lande hinausgeworfen wer­den. Da« ist die gemeinsame Aufgabe von Oester­reich und Italien, und dabei drängt sich von selbst die „Arbeitsteilung" auf, daß von Wien aus der Norden, von Rom aus der Süden Albaniens in Ordnung gebracht wird. Und auch in Ordnung gehalten wird! Denn ohne eine fortdauernde Vormundschaft wird sich dort schwerlich etwas ge» scheidtes entwickeln. In Oesterreich hatte man sonst eine Scheu davor, Italien an der Ostseite der Adria seßhaft werden zu lassen; aber man scheint sich jetzt mit dem Gedanken versöhnt zu haben, daß Italien fetnett Einfluß in Balona begründet. Die Straße von Otranto ist ja auch noch so breit, daß sie selbst von einer an beiden Seiten sitzenden Macht nicht ge­sperrt werden kann. Obendrein entspricht ein Con- dominium Italiens in Albanien der Abmachung über die Adriaintereffen, durch welche die beiden Mächte ihre gegenwärtigen herzlichen Beziehungen begründet haben, (vgl. hierzu weiter unten: Das österreichische italienische Einvernehmen.)

Natürlich erfordern die Verhandlungen zwischen Wien und Rom eine gewisse Zeit, da es sich um Entfchlüsse und Handlungen von sehr großer Trag­weite handelt. Hoffentlich bestätigt sich die Ver- mutung, daß Oesterreich nur deshalb in die be­schlossene Vertagung gewilligt hat, weil es bis zum nächsten Montag mit Italien zum vollen Ein- Verständnis zu gelangen denkt. Sollte die Eini­gung über eine österreichisch italienische Aktion in Albanien nicht zustande kommen, so wird allerdings für Oesterreich nichts anderes übrig bleiben, als das Zwangsverfahren wegen Skutaris auf eigene Faust in Gang zu setzen. Das muß sein,' denn sonst hätte Oesterreich als Großmacht abgedankt.

Die Lage ist also immer noch sehr ernst. Ob Pfingsten ein Fest der Freude werden wird, ist noch höchst unsicher.

Oesterreich vor der Entscheidung.

* Wien, 2. Mai 1913. Hier denkt man über den Stand der Krise wie folgt: Aus den Meldungen über die Londoner Botschafterkonserenz geht hervor, daß über die von Oesterreich-Ungarn verlangten Zwangsmaßnahmen gegen Monte- negrokeinBeschluß gefaßt ist, sondern tm Ge­genteil neue Verschleppungsmanöver ge­macht worden sind. Die an diesen Manövern betei­ligten Mächte dürfen sich daher nicht wundern, wenn Oesterreich nunmehr zusammen mit Italien, mit dem es ein Einvernehmen über das gemeinsame

glücklich herauszubringen. Unterdessen kommandierte eigentlich niemand oder vielmehr jedermann: der Kaiser, d'Auvray (vom russischen Stab) Diebitsch, Blücher. Scharnhorst (welche beide blad verwundet wurden), ja selbst die Generaladjutanten des Kai- sers, — am allerwenigsten aber Wittgenstein, der gar nicht einmal recht wußte, wie die Brigaden und Regimenter standen. So geschah es denn, daß lau­ter partielle Angriffe ohne Zusammenhang ftattfan» den, anstatt daß man gleich alle Haubitzen aus der Armee zusammenzog und die vor der Schlachtlinie liegenden Dörfer so rasch als möglich zerstörte, um dann den Feind mit konzentrierter Kraft angreifen zu können. So aber wurde fast nur Bataillon für Bataillon gegen die Dörfer vorgeführt, welches An- griffssystem natürlich von beiden Seiten einen großen Verlust nach sich zog . . .

Es tourbeutun an dem sogenannten Monarchen^ Hügel seitens Sir Alliierten beratschlagt, was weiter zu tun sei, und ob die Schlacht am anderen Morgen fortgesetzt werden solle. Kaiser Alexander hatte 5 oße Lust dazu; als indessen General S)ermoloff, der Ehef der russischen Artillerie, erklärte, daß er keine Muni- fron mehr habe, wurde der Kaiser zwar sehr unge­halten darüber, sah indessen doch ein, daß nun nichts anderes übrig bleibe, als den Rückzug anzutreten. Infolgedessen wurde der Befehl sogleich erteilt, daß fürs erste die schwere Artillerie und die Reserve auf Dresden zurückgehen, die Armee aber die Nacht über noch auf dem' Schlachtfelde bleiben solle. —

Als dieser Entschluß gefaßt war, hörte ich auf einmal einen alten preußischen General, welcher den Arm in einer Binde trug sich sehr dagegen ereifern: „Was! All das Blut soll hier umsonst geflossen fein!" rief er aus. „Nie und nimmermehr gehe ich zurück, sondern noch in dieser Nacht werde ich die Franzosen zusammenhauen, daß sich diejenigen schämen sollen, die das Wort Rückzug ausgesprochen haben!" In der Dunkelheit vermochte ich den Mann, der diese Worte ganz laut sprach, nicht zu erkennen und erkundigte mich daher, wer er sei, worauf ich die Antwort er­hielt: „Blücher!" Ich erzähle diese Anekdote als

einen Beweis dafür, welch ungemeine Lebenskraft dieser nun bereits 70jährige Greis noch befaß; denn auch er war schon um 2 Uhr (morgens) von Rötha ausgeritten und bis jetzt — abends 9 Uhr —, groß- tenteils zu Pferde im heißesten Kampfe geblieben; überdies war er schon am Mittag am Arm verwundet' worden. Demungeachtet plante er nach 19ftünbiger Anstrengung noch einen Kavallerieangriff, welcher auch unter dem Obersten von Dolffs von der preußi­schen Reservekavallerie wirklich ausgeführt wurde, iw- oeffen insofern keinen großen Erfolg haben konnte, als die tiefe Dunkelheit unb ein fataler Hohlweg, in welchem die Kavallerie vollständig auseinanderkam, die baldige Umkehr derselben notwendig machte. Doch wurde Napoleons Hauptquartier, welches hinter den mehrgenannten Dörfern bewafierte, gesprengt, und die französische Armee erhielt den Befehl, sich weiter zurückzuziehen und mithin' das Schlachtfeld zu räu­men."

Ueber das Verhalten speziell der preußffchen Truppen in dieser Schlacht erzählt uns von Boyen in seinen Denkwürdigkeiten:

„. . . Ein allgemeiner Wetteifer zuckte wie ein mächtiger Schlag durch alle Schlachtreihen, die Frei­willigen strebten sichtbar, den höheren Standpunkt ihrer Bildung auch tm Gefecht bemerkbar zu machen, und den Liniensoldaten dagegen belebte das kriege­rische Ehrgefühl, nicht hinter' den jüngeren Waffen­gefährten zurückzubleiben. Es war wohl kein Stand des bürgerlichen Lebens, der nicht an diesem Tage für die Erhaltung des Vaterlandes in unseren Krieger­reihen kämpfte; so mancher schon zum geistlichen Stande gebildete Jüngling verteidigte die Selbstän­digkeit seines Vaterlandes, hohe und niedere Regis- rungs- und Gerichtsbeamte kämpften für die Erhal­tung und dn Geist der preußischen Verwaltung.

Das brandenburgische Dragonerregiment führte der Chef desselben, der Prinz Wilhelm, Bruder des Königs, mehr als einmal an dem heutigen Tage in das ernste Gewühl des persönlichen Kampfes, wäh­rend auf dem Flügel des Regiments ht der ersten Reiterreihe der Hosm-"fchall des^ Prinzen, Graf Grö-

Vorgehen hergestellt hat, ohne Rücksicht auf die übri­gen Mächte dazu schreitet, dem Willen der Mächte Geltung zu verschaffen. Nach der Reutermeldung scheint noch immer mit der Möglichkeit gerechnet zu werden, daß Oesterreich-Ungarn Montenegro für den Verzicht auf Skutari irgendwelche Entschädigun, gen zugestehen werde. Demgegenüber muß immer wieder festgestellt werden, daß Oesterreich-Ungarn die Frage der Zugehörigkeit von Skutari und der Gestaltung der Nord- und diordostgrenze Alba­niens durch den Beschluß der Mächte als endgüli- tig und unabänderlich entschieden be­trachtet, somit nicht neue Entschädigungen dafür be­willigen kann, welche die getroffenen Vereinbarungen wieder einschränken. Wenn sich also Montenegro die­sen Vereinbarungen nicht restlos und zwar in k ür- 8 e ft e r Frist fügt, werden die Botschafter in Lon­don am Montag vielleicht schon Mitteilungen vomBeginndesVorgehensOesterreich- Ungarns entgegennehmen können.

* Wien, 2. Mai 1913. Auch nach bet neuerlichen Vertagung der Londoner Botschafterversammlung ohne Beschluß in der Skutarifrage, zeigt sich hier das Bestreben, den Mächten abermals Frist zu las- s e n, sich Oesterreich-Ungarns Anschauungen und Ab­sichten anzuschließen. Halbamtlich wird jedoch er­klärt, daß die neuen Vorschläge, die in der Botschafter­vereinigung gemacht worden sind, kaum geeig­net seien, eine Aenderun g in der Sage hervor­zurufen. Zu König Nikolaus' Antwort auf den Schritt der Mächte bemerkt man hier, die Mächte hätten schon einmal fein Verlangen nach neuen Ver­handlungen über die albanische Grenzregelung zurück­gewiesen. Der heutige gemeinsame Minister­rat hat die vom Minister des Auswärtigen bärge» legten Pläne und Kostenvoranschläge für das geplante Vorgehen der Monarchie einstimmig gebil» ligt.

” Wien, 2. Mai 1913. Die „Neue Freie Preffe" meldet zu der heutigen gemeinsamen Ministerbe­ratung: Der Zweck der Beratung war, vorwie­gend jene Maßnahmen der inneren Verwal­tung zu erörtern, die int Falle eines auswärtigen Konfliktes notwendig wären, sowie Maßnahmen finanzpolitischer Natur zu besprechen. Dis- ser Punkt bildet den wesentlichsten Beratungsstoff. Entscheidende Beschlüffe für die auswärtige Politik hatte der Ministerrat nicht zu treffen, weil es sich um Kronrechte handelt, die ausschließlich dem Kaiser als dem obersten Kriegsherrn zustehen. Die Minister wurden über die Situation eingehend informiert und aufgefordert, jene inneren Vorbereitungen zu treffen, die im Ernstfälle notwendig sind. — Morgen findet ein österreichischer und Ungar. Minister- r a t statt, behufs Entgegennahme der Vorschläge der gemeinsamen Regierung.

* Wie«, 2. Mai 1913. Von authentischer Seite erfährt ein Mitarbeiter der „Nat. Ztg.": Oesterreich- Ungarn lehnt jede, wie immer geartete territoriale Kompensation an Montenegro ab. Wenn es trotz der provokatorischen Haltung Montenegros noch einige Tage bis zum Beginn Der eigentlichen militärischen Maßnahmen verstreichen läßt, so ist dies nur auf die noch immer fortdauernden Verhandlungen, mit Italien zum Zwecke der gemeinsamen 2müm zurückzuführen. Im General stabe herrscht fieberhafte Tätigkeit. Angesichts der her­ausfordernden Haltung des Königs Nikita wird unter allen Umständen ein militärisches (S i n u' schreiten erfolgen, um die Räumung Sku- t a r i § zu bewirken. Nach dem bisherigen Stand der Unterhandlungen zwischen Wien und Rom steht es aber jedenfalls schon heute fest, daß eine gemein­same ö st erreich ifch-italienifche Aktion, zur Herstellung der Ordnung in Alba­nien erfolgen wird. In allen Kreisen Wiens herrscht eine fieberhafte Erregung. Ueber die fort­währende Verzögerung ist die Bevölkerung g ssi