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Fuldaer Leitung

Samstag 5. Mai 1915.

3. Blatt

orua oer SnlSert ZctienOntdertl in Sille.

wochen-kundschau.

[:] ftulba, 2. Mai 1918.

Der Reichstag ist am Montag in die Pfingst- ferien getreten, nachdem er zuvor die dritte Lesung des Etats beendet hatte. Nur die Budgetkommission hat noch bis am Mittwoch getagt, um die Wehrvorlage und die Deckungsentwürfe zu beraten. Die erste Ab- stimmung über die geforderte Erhöhung der Mann» schaftsbeftände hat bereits stattgefunden. Unverkürzt sind mit den (Stimmen der Rechten, des Zentrums, der Nationalliberalen und der fortschrittlichen Bolks- Partei die Mannfchaftserhöhungen der Infanterie, der Kavallerie, der Feldartillerie, der Fußartillerie, der Pioniere, der Berkehrstruppen und des Trains bewilligt worden. Bei der Forderung von sechs neuen Kavallerieregimentern hat die Kommission einen grö- feeren Abstrich vorgenommen, indem sie nur drei neue Kavallerie-Regimenter bewilligte. Am 10. Mai will- die Kommission schon wieder zusammenkommen, um die Vorberatung bis zur Wiedereröffnung des Pie- nums soweit gefördert zu haben, daß einer glatten und schnellen Verabschiedung der Wehrvorlage nichts im Wege steht. Immer deutlicher tritt jedoch das Streben der gesamten Linken zutage, die Deckung der laufenden Ausgaben bis zum Herbst zu verschie­ben, da sie alsdann eher auf eine Lösung der De­ckungsfrage in ihrem Sinne hoffen zu können glaubt. Auch in Bundesratskreisen soll für eine Verschiebung der Deckung bis zum Herbst eine gewisse Stimmung vorhanden sein.

Die Erste Preußische Kammer, das Herren, haus, ist seit einigen Tagen wieder in Berlin bet» sammelt, um den Etat und einige kleinere Vorlagen zu beraten. Die Legislaturperiode des Abgeord­netenhauses ist nunmehr abgelaufen. Am Mittwoch hat die letzte Sitzung stattgefunden. Die Tagungen dieser Woche standen sichtlich unter dem Zeichen der bevorstehenden Neuwahlen.

Die bevorstehenden Wahlen beginnen nun end. lich auch ein wenig Bewegung hervorzurufen, da jetzt alle Parteien mit ihren Wahlaufrufen vor die Preu- tzischen Wähler hingetreten sind. Auch das Zentrum hat in dieser Woche seinen Wahlaufruf veröffenf licht, der in schlichter, aber eindrucksvoller Form alle Zcntrumswähler zur Beteiligung an den Wahlen aufruft. Hätte das Abgeordnetenhaus keine anderen, als nur die großen kulturellen Aufgaben zu erfüllen, die ihm gestellt sind, so dürfte schon aus diesem Grunde kein einziger Wahlberechtigter am Wahltag fernbleiben, weil ein jeder die Pflicht hat, der Mittel sich zu bedienen, die, wenn auch noch so klein, dem großen Zweck der Wahrung und des Schutzes der christlichen Weltanschauung im ganzen öffentlichen Leben dienen.

Bitt der Zentrumsfraktion des preußischen Mge- ordnetenhauses ist unlöslich verknüpft der Name ihres hochverdienten langjährigen Führers Tr. P o r s ch, der in dieser Woche seinen 60. Geburtstag begehen konnte. Dr. Porsch hat sein ganzes Leben dem Dienst der katholischen Sache und der Zentrums. Partei gewidmet. Von seiner unermüdlichen Tätig­keit wissen wohl alle Organisationen des öffentlich- katholischen Lebens zu erzählen, ganz zu schweigen von dem unvergeßlichen und erfolgreichen Wirken Tr. Porschs im Reichstag und vor allem im preu­ßischen Abgeordnetenhause Nicht nur die Zentrums­fraktionen dieser beiden Häuser, sondern auch die ganze Zentrumspartei haben dem bewährten Käm pen für die gute Sache an seinem 60. Geburtstage ihre Huldigung dargebracht.

In der Hauptstadt der glorreichen Spihbubenra- publik P o r tu g a l ist es zu großen Demonstrationen gekommen. Man ist mit der republikanischen Verfas­sung unzufrieden, und wiegelt nach erprobtem Muster das Militär auf gegen die Regierung. Es bestätigt sich nicht, daß die Monarchisten diese Kundgebungen veranlaßten, es war vielmehr ein großer Teil der Republikaner, denen die Radikalherrschaft noch nicht radikal genug war. Die Polizei soll in den Räumen der radikalen republikanischen Bereinigung viele Ver- baftungen vorgenommen haben. Wenn auch das Feuer der Empörung zurückgedämmt werden konnte, |o glimmt es doch unter der Asche weiter.

Die Montenegriner haben das so heiß umstrittene Skutari in Händen. Das Versprechen Nikitas, daß er das Osterfest mit seiner Armee in Skutari feiern werde, konnte eingelöst werden: Die orientalischen Christen feierten am letzten Sonntag ihr Osterfest. Und König Nikita versichert, daß er in Skutari bleiben werde und nur durch Gewalt von dort vertrieben werden könne. Er will also den

Unpolitische Seltlüuse.

N. Berlin, 1. Mai 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Den ersten Mai wollen die Sozialdemokraten als ihren Parteifeiertag in Beschlag nehmen. Halt! In dresem Jahr geht das erst recht nicht. Auf den Mai­tag fällt das Himmelfahrtsfest, und so gibt es in der Sen Welt eine christliche Maifeier voll Freude und nung

Nicht dem Umsturz gilt sie, sondern der Erbau- ttng. Nicht dem Kampf, sondern dem Frieden. Die Herzen sollen nicht hinabgedrückt werden in Ver­druß und Grimm über das irdische Elend, sondern emporgehoben werden zu den himmlischen Höhen, wo alle Mängel und Mühen ihren Ausgleich und ihren Lohn finden. Himmelfahrt — das ist die wahre Maisahrt. Dort oben beginnt der wunder­schöne Monat des Grünens und Blühens, der kein Ende findet und keinen Winter mehr zu fürchten hat.

Den Himmel auf Erden verfprechen die Volks- berführer ihren Nachläufern. Ach nein, der Himmel 'kommt nicht zu uns herunter; wir muffen uns schon aufwärts bemühen, wenn wir ihn erreichen tooL len. Einen Vorgeschmack des Himmels der- mittest uns die Hoffnung. Aber wenn man nun der Menschheit den Glauben an ein besseres Jenseits raubt und ihnen keine andere Aussicht läßt, als auf das qualvolle Totenbett, da zieht man ihm ja den letz­ten Trostbecher vom Munde. Das gibt keinen Him­mel auf Erden, sondern eine Hölle auf Erden: die Hölle der Hoffnungslosigkeit, der Verzweiflung. Wer nicht auf den Himmel und sein Heil hofft, der be­findet sich in einer ähnlichen Sage, tote ein armer Schächer, der zu lebenslänglicher Zwangsarbeit der- urteilt ist. Er stöhnt unter der Last seines Frondien- stes in dem erdrückenden Bewußtsein, daß das Tag für Tag und Jahr für Jahr so fortgehen wird, bis er schließlich in der Tretmühle zusammenbricht, ohne jede Aussicht auf Erlösung. O, die Hoffnungslosigkeit tst wie eine schwere iSträflingStette an Armen und Beinen. Die Hoffnung aber ist gleich einem Luft­ballon, der die Seele esitporhebt aus den Sümpfen

Mächten Wester trotzen. Damit ist die Friedens- Politik der Großmächte auf eine neue Hemmung ge stoßen. Nachdem die Parade der Kriegsschiffe an der montenegrinischen Küste sich als eine ganz un­gefährliche Augenweide für die Userbewohner ent- puppt hatte, ist das in der letzten Zeit etwas gestiegene Ansehen der Mächte fast wieder zur Stufe der Lä- cherlichkest gesunken. Oe st erreich-Ungarn hat allerdings nicht gezögert, noch einen letzten Versuch eines einmütigen Vorgehens der Großmächte zu ma­chen und in einer Zirkularnote dringend einen ge» meinsamen Entschluß über die nächsten Schritte zu veranlassen. Allerdings erklärte Oesterreich, daß es bet einer Zögerung der Großmächte auf eigene Faust handeln werde, daß die Entscheidung der Mächte von Montenegro endlich respektiert und Skutari geräumt werde. Zur Stunde, wo diese Zeilen geschrieben werden, wartet alle Welt, ob Oesterreich wirklich durchgreift, oder ob Montenegro doch noch in letzter Stunde nachgibt und Skutari räumt. In Ruß. land hat selbswerständlich die Altstawische Agi- tation wieder stark eingesetzt und rennt wütend gegen die Friedenspolitik Sassonows an. Die Versuche, das europäische Konzert zu sprengen, treten in der ruf. fischen Presse wieder deutlicher und hartnäckiger her­vor.

Auch für die Romantik ist gesorgt. Ein neuer Wallenstein ist in der Person Essad Paschas auferstanden und tritt als Usurpator für den albani- scheu Thron auf. Im Zusammenhang mit den Mel­dungen, daß sich Essad Pascha zum Fürsten von Al­banien habe proklamieren lassen, erscheint die Kunde aus den schwarzen Bergen, daß Essad Pascha mit dem König von Montenegro ein Abkommen getroffen habe, Skutari nach einem letzten Scheinkampfe zu räumen, nicht unglaubwürdig. Jedenfalls hat der Verteidiger Skutaris durch seine an den Tag getre­tenen ehrgeizigen und selbstsüchtigen Pläne bte ganze Sympathie verloren, die ein ruhmreicher und tapferer General für sich beanspruchen darf.

Deutscher Reich.

Ein Konservativer gegen die Polenpolitik. Im Verlage von Karl Curtrus-Berlin ist soeben ein Schriftchen erschienen „Sie Mißerfolge in der PoIenpolitik", das den Baron Karl von P u 11 k a m e r zum Verfasser hat. Der Verfasser hat als früherer Landrat des Kreises Mogilno die Entwicklung der Polenpolttik und ihre Wirkungen aus eigener Anschauung kennen gelernt. Er geht von dem Satz aus „Gewalt führt in der Polenpolitik nicht zum Ziele" und erklärt am Schluß seiner Bro- schüre:

UebrtgtnS gibt eS in den deuisch-polnischen Provinzen viel« Grundbesitzer, Kaufleute und Beamt« und deutsche Katholiken in allen Kreisen, die die Polen» Politik der Regierung mißbilligen und die Ansiedlung für mehr schädlich als nützlich halten. Aber der saft terroristische Einfluß, der von den Polenfeinden ausgrübt wird, ist em derartiger, daß sie mit ihrer Meinungsäußerung weiß nicht öffentlich hervorzutreten wagen. Ebenso steht es mit zahlreichen Mitgliedern der konservativen Partei, die lediglich aus dem Grunde für die Polengesetze stimmen, weil sie ungern gegen Vorlagen der Regteruna auftreten . . .

Ein offenherziges Bekenntnis. Wennsonst jemand nachweist, daß die hakatistische Politik falsch ist, dann heißt es vielfach: „Mangel an Nationalgefühl." Ist der Krttiker katholisch, so nennt man ihn einen Pa­pisten, sonst rechnet man ihn zur „roten Inter­nationale" oder bezeichnet ihn als einen „verrückten Einspänner". Alles das kann man gegen einen Mann, der Jahrzehntelang im Herzen der Provinz Posen Landrat war, nicht geltend machen. , Er hat die Wirkungen der hakatistischen Politik studiert und herausgefunden, daß diese Politik nicht gerecht, sehr kostspielig und dazu noch töricht ist. Noch vor 30 Jahren sei das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen in den Ostmarken gut gewesen, aber die haka­tistische Politik habe alles verdorben. Mit Recht weist Baron von Puttkamer auch auf die internatio­nale Gefahr hin, in die wir uns mit einer sol­chen Politik begeben. Die polnische Bevölkerung wohne an der Grenze unseres (Staates nach Rußland. Im Falle eines Krieges mit Rußland werde dieses sich die Gegnerschaft unserer Polen zunutzen machen und dieselben an sich zu ziehen suchen. Es ist nützlich, über diesen Punkt noch etwas mehr zu sagen. Ein sehr bedeutsamer Punkt in der polnischen Frage ist nämlich, daß die polnische Bevölkerung der Ottmark sich der Regierung gegenüber in einer weitaus bes- seren Position befindet, als noch vor einem Jahre.

und Dornen der Erdenwelt in die lichten und liebli- chen Höhen, dem seligen Himmel entgegen.

Unser Zeitalter ist auf die Eroberung der Luft versessen. Einstens wollte man durch den Turm von Babel bis an den Himmel sich emporarbeiten. Jetzt will man durch Flugzeuge und Luftschiffe die Schwer- traft überwinden. Die vielen Abstürze lehren uns, wie schwierig und gefährlich es ist, die Körper bis über die Wolken erheben zu wollen. Ganz anders steht es mit dem Ausstieg der Seele, mit der geistigen Himmelfahrt. Unser Denken und Fühlen ist nicht an die Anziehungskraft der Erde gebunden und nicht auf die Tragkraft der Luft angewiesen. Unser Geist schweift noch leichter und noch weiter, als die Licht- strahlen, durch den ungeheuren Raum der Schöpfung, und er schwingt sich sogar hinaus über die Grenzen der erschaffenen Welt bis an den Thron des Schö­pfers, bis an den Urquell alles Seins und die Heim­statt aller Ebenbilder Gottes. Dieser Aufschwung in die Unendlichkett und Ewigkeit ist die herrlichste und zugleich heilsamste Gabe, die der Menschheit verliehen ward Zugleich der klarste Beweis für die Unsterb­lichkeit der Seele, denn wenn sie nicht diese Eigen- sckaft besäße, so würde sie auch nicht imstande sein, eine fr ungeheure Idee zu fassen. Vom Himmel nur kann uns die Kunde vom Himmel gekommen fein, und die Hoffnung auf die Himmelfahrt beschert uns Engelsflügel. Wer aber dem Menschen den Himmels- glauben raubt, der drückt ihn von der Engelshöhe auf den Tierstandpunkt hinab.

Die „Aufgeklätten" sagen, die menschliche Ver­nunft werde alles schon ins Lot bringen. Wer an das Allheilmittel der Vernunft glaubt, der ist ver­zweifelt leichtgläubig. Was hat denn in den verflos­senen Tausenden von Jahren die vielgepriesene menschliche Vernunft für die Ordnung geleistet? Da­her rührt ja gerade die weitverbreitete Unzuftieden- heil, daß die Menschen ttotz aller jug. Kulturfort­schritte nicht klug und gut genug sind, um Staat und Gesellschaft ins rechte Gleis zu bringen. Und das schlimmste ist: daß die menschliche Vernunft so arg mit Eigensinn und Selbstsucht durchsetzt ist, daß sie sogar die Wirksamkeit der erhabenen Lehren und Vor-

Die Slawen haben aus der Balkanhalbinsel inztoischen einen großen Triumph erfochten und infolgedessen reckt die ganze slawische Welt chre Flügel zu neuem Aufstieg. Für den Panslawismus im großen Ruffenreiche ist 1913 ein Jahr „der Erhebung" ge- worden wie 1813 für Preußen, ober die Spitze der Bewegung richtet sich gegen b i e Deutschen. Die russische Presse mahnt alle siawischen Bölkerschaf- ten, sich an das „Mütterchen Rußland" anzuschließen, denn nur im Bunde mit ihm könnten sie ihr Ziel erreichen. (Nach der Volkszählung von 1910 hatte Rußland annähernd 167 Millionen Einwohner.) Von der Türkenherrschast seien die Slawen jetzt befreti, jetzt müsse um Erlösung vom Joche der Deutschen gekämpft werden. In Oesterreich- Ungarn seien mehrere slawische Dolksttämme zu be­freien, in Deutschland nur einer, die Polen, hier sei aber auch der Druck hundertmal stärker. Aus eigner Kraft könnten die Polen nichts dagegen tun, aber Rußland werde sie auch aus der deutschen Knecht­schaft befreien. Die Vorbedingung dazu sei, daß sie sich vertrauensvoll an Rußland anschlössen. — Es wird dringend notwendig fein, in der Ostmark e i n- zulenken, wenn das Reich nicht Schaden leiden soll. Baron von Puttkamer empfiehlt, einen kö­niglichen Prinzen zum Oberpräsidenten von Posen zu machen. Der Gedanke ist nicht übel. Sein Pro­gramm formuliert Herr Puttkamer am Schluffe dahin:

.Fort mit der Ansiedelung, die nur unnütze Kosten macht, fort mit allen Ausnahmegesetzen, inklusive der Eprachengesetze, und fort mit der llnterdrückuna von Staatsbürgern, die sich nichts gegen die EtaatSgesetze haben zuschulden kommen taffen."

Wie über da» Zentrum geschwindelt wird! In einer Anzahl von Zeitungen lesen wir:

„Verschiedene Beschlüsse beim Militäretat, die in der Budgetkommission deS Reichstages aus Be­treiben deS Zentrums gesoßt worden waren, namentlich der Beschluß in der Frage der Kommandanturen, hatten den Reichskanzler deratt verstimmt, daß er in Gesprächen mit führenden Persönlichkeiten des Zentrums durchblicken ließ: Wenn die Partei ihre Haltung nicht ändere, «erd« er mit ihr dir HeereSvorlage nicht erledigen lönnen. Der Sinn dieser Wort« konnte nur dahin gedeutet werden, daß, wenn das Zentrum sein Brrfadren, derartige Abstriche zu machen, sortietze, die Auflösung deS Reichstages erfolgen werde. Die Eröffnung dieser Aussicht hat ihre Wirkung nicht ver­fehlt. Nach erregten Auseinandersetzungen innerhalb der Fraktion ist der Abg. Dr. Epahn mit seinem Rate, ein- zulenken, durchgedrungen. Herr Erzberger, der als Sprecher und Führer des radikalen, hauptsächlich Süd­deutsch« umfassenden Flügels der Fraktion anzusehen ist, wurde überstimmt. Danach ist das. Einvernehmen zwischen dem Reichskanzler und dem Zen­trum wieder hergestellt. Das ist in der Haltung der Budget kommiffion gegenüber der HeereSvorlage zu- tage getreten und hat sich auch schon bei den jüngsten Beschlüssen der Vollversammlung des Reichstages geltend gemacht."

Diese Ansicht ist in ihren Einzelheiten und in der Gesamtheit frei erfunden. DaS Zentrum hat in den letzten Tagen yar keine Fraktionssitzung gehabt, daS Zentrum bat tn der dritten Lesung an allen Abstrichen festgehalten; die Kommandanturen sind endgültig gestrichen worden, und bei den Adju­tanten fallen 10 Stellen weg. Es ist also gar alles leeres Gerede und blinde Phantasie, was sich hier als Neuigkeit darstellt. Unsere Leser werden sich daran gewöhnen müffen, daß in den nächsten Wochen noch eine Reihe solcher Tartarennachrichten verbreitet werden.

Ausland.

Zs Tie Schreckensherrschaft der portugiesischen Revolutionäre. Immer wieder bestätigen neue 'Nach­richten, daß die Verfolgung der Katholiken durch die Loge in Portugal unvermindert fortbauert Als vor einigen Tagen in Linveirv ein a l t e r G e i st l i ch e r Verhaftet und ins Gefängnis geführt wurde, reizten die Carbonari der. Abschaum der Bevölkerung auf, den alten Mann zu töten. Dieser Vorfalls ist charakteristisch für das ganze System, das die fzrei- maurer gegen die Katholiken zur Anwendung brin­gen. Die Freimaurerei wollte unter der Monarchie nichts von der Todesstrafe wissen, aus Furcht, diese könnte auf die Königsmörder und andere ihr teure Verbrecher angewendet werden. Sie hat es auch nickt gewagt, die Todesstrafe unter der Republik ein- zilführen. Es existiert also für die Priester und ka­tholischen Laien, welche schuldig sind, nicht freimau­rerisch zu fühlen, keine Todesstrafe. Man hilft slch damit, indem man Sie durch Meuchelmörder bem fünften des Christentums auf Schritt und Tritt be­hindert.

„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage", heißt es bei dem Dichter. Wo gehts denn in der Welt wirk­lich vernünftig zu? @ttoa in Belgien, wenn mehrere Hundetttausende von Arbeitern sich in einen tollen Streik hineinhetzen lassen und zwei Wochen lang auf ihren Arbeitslohn und ihr Familienwohl ver­zichten — für nichts und wieder nrchts, verleitet von geschwollenen Wahlrechtsphrasen, und schließlich zu- rückgepfiffen von ihren Verführern, ohne daß etwas erreicht worden. Oder in P o r t u g a l, wo man die sanfte Autorität des schwachen Königs abgestreift hat, um sich in die Zwangsjacke der Pöbelherrschaft der Carbonarios zu stürzen? Oder aus bem Balkan unb in Lonbon, wenn bte Habgier des Zaunkönigs von Montenegro hinreicht, um ganz Europa in Kriegsgefahr unb Angst zu stürzen? Das welterschüt- ternbe Geschäft, bas ber hinterlistige König Nikita in Skutari mit bem Abenteurer Essad Pascha abgeschlos­sen hat, beweist ganz besonders deutlich, tote sehr bte mobertte Welt von Torheiten und Bosheiten ab­hängig ist.

Unfug und Unverstand an allen Ecken und En­den! Und die Folge davon ist, daß immer weiter g e- rüstet werden muß. Ja, die Verstärkung der Rü­stung Deutschlands ist unbedingt notwendig und das Volk bringt in patriotischer Einsicht willig die Opfer an Kraft unb Gelb. Aber habet brauchen wir uns nicht zu verhehlen, daß bte ganze Wettrüsterei ben handgreiflichen Beweis liefert für die Unvernunft in den modernen Weltverhältnissen. Die Menschheit kann trotz allem gepriesenen Fortschritt der Kultur aus ben ewigen Kriegsgefahren unb Rüstungslasten nicht herauskommen. Wenn wir meinen, wir könnten nun enblich einmal wieder frei aufatmen, so gibt es plötzlich einen netten „Zwischenfall", sei es hinten in Skutari, oder vorne in Nancy, der tote ein Reif in die Frühlingsnacht auf die Hoffnungen fällt. Man darf ja nicht verzagen und muß krampfhaft an der Hoffnung festhalten, daß die Menschheit doch schließ­lich noch zu den Jahren der Vernunft kommen werde. Aber wer das noch erleben will, der muß nicht bloß den Methufo^zn "ertrumvfen, sondern sogar mit

AnSgehen aus ihren Wohnungen, in bem Augew- blicke ihrer Verhaftung ober in bem Augenblicke" da sie aus bem Gefängnis zur Aburteilung geführt wer­ben erworben läßt Diese Morbtaten durch den be­zahlten Pöbel werden bann bem republikanischen VoUsglfiihl aufgeladen. In der ftanzösischen Re- bolutivn ist alles das auch schon dagewesen, dir por- tugiesffchen Garbonari sind gelehrige Schüler der Jakobiner.

△ Die Jesuiten und die Wissenschaft. Auf ben Philippinen hat der Direktor des staatlichen Wetterbüros Pater Jose Algufi 8. J. mit Benützung einer Idee seines Lehrers Pater Faura S. J- ein Barozyklometer konstruiert, welches das Nahen eines (Taifun) Wirbelsturm auf weite Entfernungen an, zeigt. Das Instrument ist auf sämtlichen Kri< s- schtffen ber Union unb aus über 1000 Handelsschif­fen Ostasiens im Gebrauch. Zum Unterbirektor bes Wetterbüros auf ben Philippinen wurde ebenfalls ein Jesutt, Pater Robert Browne aus Preston, er­nannt. — Die Jesuitenuniversität in Tokio macht mite Fortschritte. Pater Tsutsihafsi, ein gebürtiger Japaner unb hervorragender Astronom, leistet gute Dienste. Die Kurse für Deutsch und Englisch sind eröffnet. Die Gründung einer Bibliothek ist in die Wege geleitet. Eine kleine Anzahl Studenten läßt sich schon jetzt in ben Grundwahrheiten ber katholi­schen Religion unterrichten.

△ Toleranz in Rußland. Anläßlich deS drei- hundertjährigen RegierungsjubiläumS des russischen ZarendauseS wurden 9958 Gefangene, darunter 840 politff die Verbrecher begnadigt, aber kein c i. ziger katholischer Priester.

Aus Kirche und Schule.

.Die streikenden Kardinale." Dieser Tage stand im »Berliner Tageblatt' und in anderen Blattern zu lesen:

„Das Neueste auf dem Gebiete deS internationalen Streik- und ObftruktionLwesens ist die B o y k o 11 i e r u n g der Peterskirche durch die Kardinäle. Der Vikar der Peterskirche, Monsignore Jorio hatte, auS Absicht oder Vergeßlichkeit, eS unterlassen, bei den Funktionen zur Konttantinfeier in der Peterskirche den Kardt fiten eigene Plätze anzuweisen, sodaß die Ktrchensürsten ge­zwungen waren, sich hinter di« simplen Domherren zu setzen. Diese schwere Kränkung ihrer Würde hat die Kurtenkardinäle veranlaßt, den Petersdom zu boykottieren, bis ihnen eigene Sitze angewiesen und das Domkapitel sich bei ihnen entschuldigt. Da dies Sonntag noch nicht geschehen war, glänzten beim Pontifikalamt die Kardinäle durch ihre Abwesenheit, und nur Kardinal Vico, der von der Angelegenheit nichts erfahren hatte, wohnte der Zeremonie bei. Der Papst soll über den Zwischenfall sehr ungehalten fern, weil er angeblich einen schlimmen Eindruck des Verhaltens der Kardtnäle auf die Gläubigen befürchtet."

An der ganzen Geschichte ist, wie wir aus bester Quelle erfahren, kein wahres Wort. Auch schon au8 dem Grunde nicht, weil die Ronftantinfeter nicht in der Peterskirche, sondern in San Giovanni in Laterano, der Hauptkirche RomS, stattgesunden hat. Und da waren alle Kdrdinäle im Chor zugegen.

Aus dem Nachbargebiete.

* Kassel, 2. Mai 1913. Der Hochwürbigste Herr Bischof von Fulba traf am Mittwoch hier ein, um am Feste Christi Himmelfahrt in ben katholischen Kirchen bte Firmung zu spenden. Am Vorabend bes Festes fanb ein feierlicher Empfang in ber Kirche zur Heiligen Familie statt. Am Himmelfahrtsmor­gen las Bischof Jos. Damian eine stille Messe, wohnte bann bem lebitierten, von Herrn Dechant Delm - horst zelebrierten feierlichen Hochamt bei unb fjielt bte Festprebigt, ber er bie Geschichte ber Himmelfahrt Christi zu Grunbe legte unb weiterhin bie Worte be­händ eite: Sursum corba!" (Empor bie Herzen!), bie sich in besonderer Weife auf das Sakrament der Fir­mung anwenben ließen. Nach bem Hochamt fand so­dann die Firmung einer großen Anzahl Kinder und Erwachsener statt. Am Nachmittab firmte ber Hochw. Herr bie Kinder ber Pfarrgemetnbe St. Elisabeth, währenb am nächsten Sonntag vormittags in Wehl- heiden und nachmittags in Rothenditmold das heil.. Sakrament gespendet wird.

* Weilburg, 2. Mai 1913. Zwei Gastwirten aus Hainichen sind auf einer Spazierfahrt mit bem Wagen bie Pf erbe burchgegangen. Der Wagen wurde zertrümmert; einer der Insassen ist tot, der andere lebensgefährlich verletzt.

* Vom Eichsselde, 30. April 1913. Die freisin­nige Mühlhäufer Zeitung berichtet: Zur Stär-

Ahasver den Wettlauf aufnehmen. Wir werden es nicht mehr erleben; aber das darf uns nicht hindern, mit unfern bescheidenen Kräften am sausenden Web­stuhl der unvernünftigen Zeit mitzuarbeiten, um wenigstens ben Sieg bes Guten in ber Zukunst voru bereiten zu Helsen. Der Christ bars erst recht nicht verzagen ober streiken. Eher könnten bie enttäuschten Weltweisen bie Flinte in das Korn werfen. Wir wis­sen ja baß broben ber Herr sitzt, ber bie Welt sich entwickeln läßt nach seinen geheimnisvollen Plänen, bte weit hinausgehen über unser nur kleines Gehirn unb unsere winzige Lebensbauer. Wir sinb von schwachen Begriffen, aber wir sollen von treuem Eifer sein. Wir tun unsere Pflicht unb Schuldigkeit; das wettere überlassen wir dem Herrn des Himmels. Auf bem Sterbelager braucht uns bie Enttäuschung nicht zu peinigen; benn wir gehen alsbann ja bahin, wo alles ausgeglichen und vollendet wird

Wer fest an den Himmel glaubt und auf seine Himmelfahrt hofft, der kann sich auf Erben das kost­bare Gut ber Gemütsruhe sichern. Das Schlimmste in den irdischen Zeitläufen ist bie ewige Unruhe, bte Nervosität, das Hangen unb Bangen in Sorgen, Aerger, Furcht unb Verdruß. Das sinb die Bazillen, die der Seele bte Lebenslust unb Schaffens­kraft Verberben. Der Volksmunb hat schon längst das richtige Rezept gegen diese Krankheit angegeben: „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen." So ist es. Wer seinen Frieden mit bem Himmel geschlossen hat, ber erfreut sich auch des Friebens auf Erden. Nicht als ob er von allen äußeren Widerwärtigkeiten verschont bliebe. Aber das unangenehme und häß­liche kann nicht in sein Inneres bringen. Er sagt sich: Ich habe bas Meinige getan nach bestem Wis­sen unb Können! Den Himmel können mir weder bie Menschen noch bie Teufel rauben, solange ich mit Gottes Gnade im guten Willen bleibe.

Die Seelenfrieden, bie Gemütsruhe — bas ist schon ein Vorschuß, ein Vorgeschmack von ber besse­ren Welt. Die Erbe läßt sich nicht in ein Paradies verwandeln, aber im Herzen kann sich ber Himmel austun.

Friede den Menschen, die eines guten Willens sinb!