z. Blatt.
Druck oer Zuldaer Actienrnnierei in Suite,
*$* Fuldaer Zeitung♦
JVs 100.
Sreitag 2. Mai 1915.
28, Arbeiter August Heß 13 T. 30. Kaufmann Mo
RMameu« und Anzeigenteil.
kOPEL^
Gottesdienstordnung.
Am 8. Mai, dem Feste der Auffindung deS hl. Kreuzes, ist auf dem Schulzenberge bei Haimbach uw 7 Uhr eine hl. Messe.
Amt Geisa und Umgebung.
* Tiefenort, 30. April 1913. Bei der Wahl eines Vizebürgermeisters entfielen auf Joh. Gg. Kaiser 985, auf Gemcindesekretär Müller 116 Stimmen. 65 Stimmen waren zersplittert. Ersterer ist somit gewählt. — Wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung hat das Schwurgericht Eisenach am 3. März d. I. den Arbeiter Mnrkowic zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. M. hatte in der Nacht zum 16. Nov. v. I. auf der Straße von Tiefenort nach Hämbach den Arbeiter Novrotzki durch einen Messerstich getötet. Seine Revision wurde vom Reichsgericht verworfen.
* Kaltennordheim, 30. April 1913. Hier will sich ein Verein der Zugezogenen (oder wie es auf gut plattdeutsch heißt: „Verein d'r Rigefloegten") gründen. Eine neue Nummer im Vereinsregister.
* Fischbach, 30. April 1913. Der Ausbau des Basaltwcrkcs am Umpfen soll jetzt mit Macht betrieben werden. Die Vorarbeiten für die Anlage einer Drahtseilbahn von der Bruchstelle bis zur Feldabahn sind bereits erledigt; auch wird der Hauptstrang der Feldabahn verlegt, um ein Nebengleise zu schaffen. Das Brecherwerk findet dicht an der Straße nach Kaltennordheim Aufstellung.
Nur Oberhessen u. den Hess. Aemtern.
* Holzhausen u. Gl., 29 .April 1913. Bei dem gestrigen schweren Gewitter schlug der Blitz in das Anwesen des Kaufmanns Lotz ein und zündete. Im Nu stand die Scheune desselben sowie die Scheune des Gemeinderechners Lotz in hellen Flammen. Beide Gebäude sowie die sämtlichen Stallungen brannten vollständig nieder. Zwei Kühe wurden vom Blitz erschlagen, ein Schwein verletzt.
s:s Neustadt, 1. Mai 1913. Heute morgen wurde der bei Herrn Kaufmann R. Schlitt seit mehreren Jahren tätige Kommis Schade als Leiche in der Antreff bei Ruhlkirchen, Kreis Alsfeld, gefunden. Der Verunglückte war auf einer Geschäftstour und hat bei der heißen Witterung wahrscheinlich ein Bad nehmen wollen, bei dem er jedenfalls von einem Herzschläge getroffen wurde.
AiHug hem ©tert eregiftet hei Kgl. Standesamt; Wa
vom 25. April bis einschl. 1. Mai 1913.
(Anmeldestunden: An Werktagen von 8—12 Uhr vor« mittag?, an Feiertagen von 11—12 Uhr vormittags, nur für Totgeburten und Sterbefälle.)
Motor^Un küfirräcker.
Uan verlange^ Preisliste. |
FaMvertreter: Isaac Katz, Mittelstrasse 38M0j
♦ Fritzlar, 30. April 1913. Die Kreiskran, kenkasse des Kreises Fritzlar hielt ihre General- Versammlung ab. Die Jahresrechnung schließt ab in Einnahme mit 38 273 Mark, in Ausgabe mit 34 845 Mark. Die ärztliche Behandlung verursachte zirka 9500 Mark Kosten, für Arzneien PP. wurden 4300 Mark abgegeben. Der Reserve- und Betriebsfonds beträgt jetzt ca. 37 000 Mark.
25. April. Privatin, Witwe Anna Maria Wohl« gemuth, geb. Sippel, 76 I. 4 M. 24 T. 25. Fabrik« arbeiterin Maria Herzig, 16 I. 3 M. 19 T. 26. Privatin Anna Hoffmann, 62 I. 6 M. 26 T. 26. Landwirtschaft?« gehilfe Joseph Schickentanz von Neuhof-Neustadt, 14 I 6 M. 16 T. 26. Dienstmädchen Emma Klobes von Salzschlirf, 29 I. 18 T. 26. Ehefrau Franziska Kräh, geb. Kopp, von Hauswurz, 39 I. 7 M. 5 T. 27. Eisenbahn« kafsenbote Heinrich Fuß, 54 I. 11 M. 29 T. 28. Rentnerin, Witwe Anna Sauer, geb. Mahr, 83 I. 5 M. 28 T
«. non tzchrvebxri, 22 I. 1 M.
______________loses Stern, 72 I. 10 M. 21 T.
vermischter.
z Was uns die Zigeuner kosten. Der Gendarm merie-Wachtmeister Riegel war vor längerer Zeit bei Mainz von dem Zigeuner Ernst Ebender durch mehrere Schüsse in den Leib schwer verletzt worden. Dem Gendarmen mußten ungefähr zwölf Zentimeter Darm entfernt werden. Er ist heute noch kaum imstande. feste Nahrung zu sich zu nehmen und litt lange Zeit hindurch, während er zwischen Leben und Tod schwebte, die furchtbarsten Schmerzen. Riegel ist vollkommen dienstuntauglich und mußte deshalb jetzt mit vollem Gehalt pensioniert werden. Ebender wurde wegen der fraglichen Tat am 3. Dezember vorigen Jahres vom Mainzer Schwurgericht zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.
* Professor Erich Schmitt, der berühmte Germanist! und Literaturhistoriker der Berliner Universität, ift: Mittwoch nacht in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von 59 Jahren g est orb en. Erich Schmidt war seit 1887 ordentlicher Professor der deutschen Literaturgeschichte an der Berliner Universität. Vorher dozierte er in Straßburg und Wien.
* Genickstarre. Von zwei Bataillonen des Jnfan-' terieregiments Nr. 74 in Hannover find acht Mann an Genickstarre erkrankt. Die Kaserne ift abgesperrt worden.
* Eine Wachskerze, die 3000 Jahre brenne« soll. Eine Harlemer Wachslichtfabrik hat von der Kirchen-« gemeinde in Jercey City (Vereinigte Staaten) den Auftrag bekommen, die größte Wachskerze, die je fabriziert worden ist, anzufertigen. Der Preis dieser Kerze beträgt über 1200 Mark, ohne die zum Schmucke verwendeten Goldblätter, die ungefähr 200 Mark kosten. Die Kerze soll fünf Meter hoch werden. Man hat ausgerechnet, daß diese Riesenkerze neun Jahre reichen würde, wenn sie Tag und Nacht brennt. Nur an einem Tag im Jahre in Benutzunggenommen, hält sie 3000 Jahre lang aus. Sie soll dem Vatikan geschenkt werden unter der Bedingung, daß sie an hohen Festtagen zum Andenken an Pier». Pont Morgan entzündet wird.
Aus dem Nachbargebiete.
* Hanau, 30. April 1913. In geistiger Umnach- I tung stürzte sich die 44 Jahre alte Ehefrau des I Kaufmanns W. Meyer aus dem Fenster ihrer Woh- I nung in der Huttenstraße. Sie war sofort tot. — Ein Radfahrer von Niederrodenbach kam einem Kremser des Ulanenregiments zu nahe. Der Mann wurde vom Rad gerissen, kam unterdie Räder, wurde eine weite Strecke mitgeschleift und außerdem vom Pferde getreten. Schwerverletzt wurde der Mann ins Landkrankenhaus verbracht.
* Kassel, 30. April 1913. Zur Zeit ist man bei dem Schwalbenthal mit dem Bau einer groß- artigen Brunnenanlage beschäftigt. Das Wasser, das aus einem 28 Meter tiefen Stollen hervortritt, sprudelt aus zwei mächtigen Löwenköpfen in ein großes Bassin am Ausgang des Berges. Das Ganze wird jedenfalls eine große Anziehungskraft auf Touristen ausüben.
* Aus Thüringen, 30. April 1913. Auf der Haltestelle in Dankmarshausen wurde dem Hilfsschaffner Habegans aus Obersuhl von einem Zug ein Arm abgefahren. — In Gera wurde der akademische Hilfslehrer Borth unter dem Verdachte, zahlreiche Wechselfälschungen begangen zu haben, verhaftet. — Im Forstrevier Pollwitz entstand ein Waldbrand, dem ein Bestand von drei Morgen zum Opfer fiel. Ein Waldarbeiter hatte das Feuer verursacht und beim Versuch, es zu löschen, erlitt er solche Verletzungen, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte.
* Aus Franken, 30. April 1913. Durch den Blitz erschlagen wurde bei Bischbrunn ein Handwerksbursche aus Böhmen. Unter einem Baume wurde er tot aufgefunden. — Das etwa 4 Jahre alte Söhnchen des Fabrikarbeiters Hock in Aschaffenburg kam einem Pferd zu nahe und erhielt von dem Tier einen Schlag mit dem Huf an den Hinterkopf. Das Kind brach bewußtlos zusammen. — Der mit dem Anstreichen des Transformators beschäftigte, in den 50er Jahren stehende Arbeiter Pfeifer aus Hüttenheim kam der elektrischen Leitung zu nahe, wodurch er getötet wurde. Er hinterläßt eine Frau und 4 Kinder. — Die Mainkanalisationsbauten zwischen Offenbach und Hanau werden von Preußen durchgeführt, das für diesen Zweck ein Neubauamt in Hanau errichtet hat. Die Arbeiten zwischen Hanau und Aschaffenburg fallen Bayern zu und erfordern für die Wehre, Kammer- schleußen, Floßgassen und Schiffsdurchlässe der vier Staustufen bei Krotzenburg, Groß Welzheim, Kleinostheim und Mainaschaff, für die Herrichtung des Flußbettes und für die Hafen- und Umschlaganlage bei Leider-Aschaffenburg 23500 000 Mk. Die erste Rate von 3 000 000 Mk. wurde bereits vom bayerischen Landtag genehmigt. Als Zeitpunkt der Vollendung ist der 1. April 1917 in Aussicht genommen. — Die besonders in Franken und Thüringen weitbekannte Glockengießerei I. P. Lotter in Bamberg goß fünf Glocken für die katholifche St. Willi- baldskirche in Nürnberg. Mit diesen Glocken ging der 1000. glückliche Guß vonstatten.
Lokales.
, ... Fulda, 2. Mai 1913.
❖ Sommerfahrplan. Die wichtigsten Aenderungen In dem am 1. Mai in Kraft getretenen Fahrplan sind für die Station Fulda folgende: Es fährt ein neuer Personenzug mit 1.—4. Kl. ab Fulda um 2.56 Uhr nachts nach Frankfurt. Der Personenzug nach Frankfurt, der seither Fulda um 3.15 Uhr nachm. verließ, fährt jetzt schon um 2.31 Uhr nachm. ab, ebenso fährt der Zug nach Gießen, seither 2.46 Uhr nachm., schon um 2.33 Uhr ab. Der Abend-0-Zug (1. u. 2. Kl.) von Frankfurt, der Fulda seither 12.38 Uhr erreichte, hält jetzt nicht mehr hier, dagegen hält ein neuer V-Zug mit 1.—3. Kl. um 1.49 nachts. Erwähnt sei auch nochmals der neue Sonn- und Feiertags-Zug aus der Rhönbahn Fulda- Gersfeld, der 2 14 Uhr Fulda verläßt, sowie die Neuerung auf der Strecke Fulda-Tann, daß der feit« her nur Sonn» und Feiertags fahrende Zug um 2.21 Uhr nachm. ab jetzt auch Mittwoch nach- mittags verkehrt.
<P Die Generalmusterung findet für die Gestellungspflichtigen voraussichtlich in den Tagen vom 29 Mai bis 2. Juni in den Giesel'schen Sälen statt.
& Sein 25 jähriges Meister-Zubiläum bei der Firma Fuldaer Stanz- und Emaillir-Werke F. C. Bellinger konnte gestern Herr Hans Jaeger begehen. Der §ubilar, der seit einiger Zeit durch Krankhest ans ett gefesselt ist, wurde durch Gratulationen und Geschenke seitens der Firma, seiner Mitarbeiter, des Werkmeister > Bezirk-Vereins Fulda sowie zahlreicher Freunde geehrt und erfreut.
♦* Neue Münzprägung. Die ersten Münzen mit dem neuen Bildnis des Kaisers, das den Monarchen im reiferen Alter in Kürassierunisorm darstellt, werden vom Regierungsjubiläum des Kaisers an ausgeprägt werden, und zwar sollen neben den Erinnerungsmünzen zum 25. Regierungsjubiläum des Kaisers, in diesem, Etatsjahre 3 und 5 Markstücke mit dem neuen Bildnis ausgegeben werden.
X Vom Landkrankenhaus. Der Kreistag des Kreises Hünfeld hat in feiner letzten Sitzung zu den Kosten der Anschaffung eines Kranken. Automobils für das Landkrankenhaus in Fulda aus Kreismitteln einen Betrag von 1500 Mark als einmalige Beihilfe bewilligt. Zur Entlastung des Lcmd- krankenhaufes in Hersfeld ist bekanntlich auf Anordnung der Bezirksbehörden der größte Teil der Ortschaften des Kreises angewiesen, Kranke dem Landkrankenhaus Fulda, statt bisher in Hersfeld, zuzuweisen.
Die Flurprozessionen konnten sich gestern gut entwickeln. Ein kurz vorher niedergegangener Regen hatte den lästigen Staub beseitigt. Die Beteiligung an den Flurprozessionen der beiden hiesigen Pfarreien war besonders seitens der Männerwelt sehr gut. Bei der Prozession der Stadtpfarrei fang an den vier Altären der stadtpfarrliche Kirchenchor; die Musik wurde hier von der Artilleriekapelle ausgeführt, während bei der Prozession der Dompfarrei die Feuerwehrkapelle spielte.
§ Einführung. Gestern vormittag wurde in der evangelischen Kirche der neu ernannte zweite «vangel. Geistliche, Herr Pfarrer Weber, durch Herrn Superintendent Ruhl-Fulda, unter Assistenz der Herren Pfarrer Stein-Hünfeld und Reich-Fulda in sein Amt eingeführt. Der neue Pfarrer schickte als Einleitung in seiner Einführungspredigt voraus, daß er ein Sohn unserer Stadt sei, auch bereits vor 15 Jahren als Hilfspfarrer in der evangelischen Gemeinde Fulda gewirkt habe. Der evangelische Kirchenchor, unter Leitung des Herrn Musiklehrer Leber, begleitete den Gottesdienst durch 4 stimmige Vorträge mit Orgel« begleitung.
. Bezirkssteuer. Der L a n d es a us sch uß hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die für das Etatsjahr 1913 zu erhebende Bezirkssteuer in Höhe von 10 Proz. des Steuersolls auf die einzelnen Stadt- und Landkreise zu verteilen. Der gesamte Betrag der Bezirkssteuer beläuft sich auf 1 Million 55 328 Mark. Davon entfallen auf die einzelnen Kreise: Kassel-Stadt 322 935 Mk., Kassel-Land 34 951 Mk., Eschwege 38 228 Mk., Frankenberg 12 738 Mk., Fritzlar 22937 Mk., Fulda 53 911 Mk., Gelnhausen 33 627 Mk., Gersfeld 9513 Mk., Hanau-Stadt 88 085 Mk., Hanau-Land 86 640 Mk., Hersfeld 34 841 Mk., Hofgeismar 27 431 Mk., Homberg 14 050 Mk., Hünfeld 11341 Mk., Kirchhain 15 724 Mk., Marburg 54 873 Mk., Melsungen 20 090 Mk., Ro- I tenbnrg 23 603 Mk., Grafschaft Schaumburg 34 877 I Mk., Schlüchtern 22 003 Mk., Herrschaft Schmalkalden 28 429 Mk., Witzenhausen 23 227 Akk., Wolfhaqen 17 251 Mk. und Ziegenhain 24 414 Mk.
= Große Zugv-rfpatungcu bis zu einer Stunde j waren gestern bei sämtlichen Zügen aus Süddeutsch- land zu verzeichnen. Die Verspätungen dürften mit «>er Einführung des neuen Fahrplans züsammenhängen. I
Fk. Mittelstandskursus. Am verflossenen Montag fand im kath. Gesellenhause hier ein Kursus für den Mittelstand statt. Volksvereinssekretär Frank sprach zu Beginn sein Bedauern darüber aus, daß trotz der vielen Einladungen und Hinweise in der Zeitung und persönlichen Agitation sich so verhältnismäßig wenige Herren eingefunden hätten. Der Magistrat der Stadt Fulda hatte einen Vertreter ent- I janbt; auch waren mehrere Geistliche erschienen. Herr I Dr. H ö f l e-M. Gladbach führte in einem gediegenen I Referate ungefähr Folgendes aus: Das Aufkommen des modernen Staates brachte eine einheitliche Volks- I wirtschaft und das Prinzip der freien Konkurrenz. I -Me Einführung der schrankenlosen Gewerbefreiheit hat den Mittelstand geschwächt. Da gilt es die Auswüchse der Gewerbefreiheit zu beseitigen. Tie alten Zunftorganisationen hat man einfach beseitigt, ohne etwas Neues an ihre Stelle zu setzen. Das Eindrin- I gen des Großbetriebes ist eine Hauptursache für den Rückgang des Mittelstandes. Ganze Handwerkszweige I
verschwunden, und das Warenhaus vernichtet I b'eie selbständige Existenzen. Die Bedarfsverschiebungen und Änderung in den Absatzbedingungen, die ungünstigen Kredit- und Zahlungsverhältnisse, das Egsystem und die mangelnde Staats- und Selbst- I Mse erschweren die Existenz des Mittelstandes sehr. Dre Sozialpolitik zugunsten des Mittelstandes hat zu wat eingesetzt. Es mangelt an einer durchgreifenden Selbsthilfe. Der Mittelstand ist zu wenig 6e- I ü’cglitf) und versteht es nicht recht, seine Kräfte zu entfalten, das beweise ja auch wieder die ungenügende Beteiligung an diesem Kursus. Trotzdem IN die gegenwärtige Lage des Mittelstandes nicht I hoffnungslos. Vom Handwerk leben heute 10tztz Mil- tionen Menschen. Die Lohnsumme beträgt 5y2 Mil- uorben und die Produktion 11 Milliarden "Mark. I ->cnch der Berufs- und Gewerbezählung sind von ! Amtlichen gewerblichen Betrieben noch 91 Prozent i «lernbetriebe. Die Erhaltung möglichst vieler selbst- 1 nanbigen Existenzen liegt durchaus im Interesse der • ^-"bwirtschaft. Die wirtschaftliche Selbständigkeit 11
Gingesandt.
Für Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt bu Redaktion nur die preßgesetztiche Verantwort»«-.
lieber die Hebung bet Pflichtfeuerwehr in Pilgerzell am Sonntag, den 27. April, über die verschiedene Kameraden ihr Mißfallen ausgesprochen haben, wirb erwidert: Die Hebung ward bekannt gegeben und gekennzeichnet als eine Angriffsübung auf die Gastwirtschaft Kraus, worin ein schon sehr entwickelter Brand herrschet Um nun schnell Wasser zu haben, wurde der gefüllte Wasserbehälter des betr. Wirtes dazu benutzt, welcher sich in dem 30 cm tiefer liegenden Keller befindet, also gut zu erreichen war. Um nun mit dem vorhandenen Schlauchmaterial an die angebliche Brandstelle gelangen zu können, mußte das Wasser zunächst eine Strecke weit mit Eimern herbeigeschafft werden. Wenn nun den betr. Kameraden diese Hebung in ihren Sonntagskleidern nicht zugefagt hat, so können in Zukunft derartige Hebungen Werktags abgehalten werden. Die übliche Speisung aus dem Dorfbrunnen kann aber nicht als eine Hebung im Sinne der Feuerwehr betrachtet werden, denn sie war immer nur eine Spritzenprobe, welche mit 6—8 Mann ausgeführt werden kann. Was nun das Festhalten in der Wirtschaft betrifft, so ist dies einmal deshalb angeordnet worden, um verschiedene wichtige Besprechungen und Bekanntmachungen zu bewerkstelligen, hauptsächlich aber deshalb, um es den Kameraden während dieser Zeit gemütlich zu machen und um nicht auch noch während dieser Zeit auf der Straße stehen zu müssen. Der Saal war vom Wirt frei zur Verfügung gestellt und keiner brauchte zu trinken.
Der Ortsbrandmeister: Baier.
Blitzschlägen begleitet war. Zwischen 4 und 6 Uhr hat sich ein furchtbares Unwetter mit schwerem Wolkenbruch und zehn Minuten andauerndem vernichtendem Hagelschlag im mittleren Schwalmtal, im oberen Edertal, im südlichen Waldeck und den angrenzenden Gebieten Kurhessens entladen. Es ist durch dieses Unwetter, wie es schwerer seit Menschengedenken in jener Gegend nickst niedergegangen ift, ein ungeheurer Schaden angerichtet worden. Die Mitteilungen von Augenzeugen klingen geradezu trostlos. Es fielen Eisstücke von der Größe eines Hühnereies und einer Männer- faust. Die niederstürzenden Wassermassen haben alles mit fortgerissen, was sich ihnen in den Weg stellte. So ist der Eifenbahndamm der neuen Bahnstrecke zwischen den Stationen Bergheim-Gifflitz und Anraff nn Waldeck auf eine Strecke von 50 Fuß und mehr gerutscht und weggerissen, sodaß der Eisenbahnverkehr! vollständig unterbrochen ist. Am schlimmsten scheint die Gegend zwischen Bad Wildungen und Schloß Wald- e ck von dem Unwetter betroffen zu sein. Aehnlich klingende Nachrichten kommen auch aus der Gegend von Melsungen, wo der Blitz zweimal eingeschlagen hat, ferner aus der Gegend von Fritzlar, Jesberg, Wabern und aus den oberhefsischen Bergen,
Handel und Industrie.
4 Berlin, 30. April 1913. Die Börse zeigte nach den niedrigen Anfangskursen eine ruhige Haltung bei zunächst ziemlich behaupteten, dann vereinzelt leicht gebesserten Kursen. Von deutschen Anleihen gaben 3proz. Reichsanleihe und Konsuls 0,30, die übrigen 0,10 Prozent nach. Der Privatdiskont versteifte sich auf viersiebenachtel Prozent.
i fördert die Entfaltung der Persönlichkeit, hebt Selbst. I gsfühl, Selbstachtung und Pflichtgefühl. Aus diesen I Gründen kann der Mittelstand auch Staatshilfe in l I Anspruch nehmen. Viele Wünsche des Mittelstandes i I an die Gesetzgebung sind in Erfüllung gegangen, js- . I doch bleibt noch eine Reihe von Wünschen übrig: So '• I die Abänderung des Paragraphen 100 q der Ge- j I Werbeordnung, Abgrenzung von Fabrik und Hand-
I werk, Heranziehung der Industrie zu den Kosten der I Lehrlingsausbildung, Besteuerung der Warenhäuser ’ I und Konsumvereine usw. Durch einmütiges Zu- ; I sammengehen, Aufklärung des Publikums und durch . I eifrige Mitarbeit in den bürgerlichen Parteien , I muß der Mittelstand die Erfüllung seiner Forde-
I rung an die Gesetzgebung zu erzielen suchen. Jedoch : I darf die Staatshilfe immer nur die Ergänzung der , I Selbsthilfe bilden. Der Mittelstand ist ein freier - I Erwerbsstand, deshalb ist er auch in erster Linie auf , I seine eigene Kraft angewiesen. Die ^Betätigung der
I Selbsthilfe vollzieht sich in der Hauptsache durch die I Organisationen. Leider entwickelt der Mittelstand zu I wenig Gemeinsamkeitsgefühl; man sieht nur die I Gegensätze, weniger die gemeinsamen Interessen. Die I eigentlichen Organisationen für den Mittelstand sind I Innungen, Gewerbevereine, Schutzvereine für Han- I bei und Gewerbe, welche mehr die allgemeinen In- I teressen des Mittelstandes zu vertreten haben. Die I Selbsthilfebestrebungen des Mittelstandes sollten sich I in der Gründung von Genossenschaften äußern. Alle I Arten von Genossenschaften passen nicht für den Mit- I telstand, die gebräuchlichsten sind die Kredit- und I Rohstoffgenossenschaften. Ferner ist eine Besserung I der Zahlungsverhältnisse anzustreben. Zum Schutze I gegenüber faulen Kunden ist dis Einrichtung von I Einziehungsämtern zu empfehlen, welche sich bequem I an eine bestehende Organisation anschließen. Am I öffentlichen Leben nimmt der Mittelstand vielfach I nicht genügend Anteil. Er muß aus sich heraustre- I ten, in den allgemeinen, auch andere Stände umfass I senden Organisationen Mitarbeiten, ebenso auch in I den politischen Parteien. Die Gründung einer eige- I neu Mittelstandspartei ist zu verwerfen. Durch die I Tätigkeit des Mittelstandes in den verschiedenen Par- I teien werden diese im Sinne des Mittelstandes be- I einflußt. Das Verhältnis des Mittelstandes zu I andern Erwerbsständen bedarf nach einer Klärung I und Festigung. An sich sind Mittelstand und Ar- I beiter natürliche Bundesgenossen gegenüber dem I Großkapital. Der Mittelstand bietet einerseits dem I Arbeiterstande die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs, I profitiert aber auch anderseits von einer leistungs- I und konsumfähigen Arbeiterschaft. Auch die Ge - I Werkschaft im Handwerk ist berechttgt. Die Ge- I werkschasten dürfen aber die Verhältnisse des Groß- I Betriebs nicht einfach auf den Kleinbetrieb übertra- I gen wollen. Anderseits müssen auch die Handwerks- I meister erkennen, daß eine Stärkung der christlich- I nationalen Arbeiterbewegung gegenüber den sozial- I demokratischen Gewerkschaften auch in ihrem Inter- I esse liegt. Die Entwicklung hat gezeigt, daß auch I Tarif Verträge im Handwerk möglich sind. Beim I Mittelstand und Beamten fehlt es auf beiden Seiten I an Verständnis. Zu einem großen Mißstand hat I sich der heimliche Warenhandel der Beamtenschaft I ausgewachfen. Die Warenhäuser bedrohen I vielfach die Existenz des Mittelstandes. Es gibt in I Deutschland ungefähr 150 Warenhäuser, deren Um- I satz auf 320 Millionen Mark geschätzt wird. Auch I Hausierhandel und Warenlager bereiten dem I kaufmännischen Mittelstände eine scharfe Konkurrenz. I Konsumvereine gibt es ungefähr 1300 mit einer I Mtgliederzahl von 2% Millionen, einem Umsatz von I 500 Millionen Mark und einer Eigenproduktion von I 70 Millionen Mark. Ein gesetzliches Verbot läßt I sich nicht rechtfettigen, jedoch ist die Forderung nach I Besteuerung derselben berechtigt. Zum Schlüsse be- I tonte Redner, daß die Mittelstandsfrage eine Er- I ziehungssrage des Publikums fei. Dasfelbe müsse I zur Schätzung der Qualitätsware erzogen und über I Abzahlungsgeschäfte, Wanderlager, Warenhäuser I usw. aufgeklärt werden. Der Volksverein oe- I sorgt diese Aufklärung durch Wort und Schrift sowie I durch Abhaltung von Kursen und dergleichen. Der I Mittelstand soll nicht an seiner Lage verzweifeln, I sondern einig, eifrig und freudig zusammen arbeiten, I dann wird es ihm auch gelingen, die bestehenden I Schäden zu beseitigen oder doch wenigstens zu mil- I I dere und bessere Existenzbedingungen zu erzielen. — I Dem Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion I I an.
? Der Keuchhusten hat sich zur Zeit unter den I I Kindern unserer Stadt stark verbreitet. Beispiels« I I weise fehlen in einer Klaffe einer Volksschule 18 Kinder, I I die fast alle am Keuchhusten leiden. Die großen I I Tenlperaturschwankungeu der letzten Tage dürften die I I Ursache der großen Ausdehnung der Krankheit sein. I
-t Meisterprüfungen. Die Anmeldungen zu den I Meisterprüfungen und den verschiedenen' Gewerben waren derart zahlreich eingelaufen, daß nicht alle im I Monat April berücksichtigt werden konnten. Es waren I etwa 70 Prüflinge vorhanden, von denen bis jetzt I 46 die Prüfung ablegten und fast durchweg mit gutem I Erfolg, was auf den Besuch der Meisterkurse zurück- I znsühren ist. Unter andern, Vren Namen wir kürzlich mitteilten, bestand auch Herr Müller ans I Langenbieber die Prüfung für das Schmiedehandwerk.
!!! Der Musikverein veranstaltete am Himmelfahrtstage im Saale des evangelischen Gemeindehauses ein gut besuchtes Konzert. Die Darbietungen ivaren, wie man es au genanntem Verein gewohnt I I ist, vorzüglich. Eingeleitet wurde das Konzert mit einem flott gespielten Marsch „Klar zum Gefecht" von Blankenburg. Aus dem ersten Teil der Vortragsfolge seien noch hervorgehoben „Potpourri aus Verdis Troubadour" und die Quartette (gesetzt für Holzblas- Jnstrumente) „Märchen" und „Volksliedchen" von Komzak. Ließ schon der erste Teil des Abends erkennen, daß der Verein die einzelnen Piecen gut ein- I studiert hatte und formvollendet zum Vortrage I brachte, so steigerten sich die Leistungen noch im zwei- I ten Teile. „Die Traumbilder", Fantasie von Lnmbye, I ist ein Tongemälde von großer Schönheit, das mit tiefer Empfindung zum Vortrag gelangte. Reizend war die Fantasiepolka für 2 Piccoloflöten, von den Herren Joseph und Konrad Mollenhauer exakt vor- I getragen. Auch der übrige Teil der Vortragsfolge befriedigte aufs Beste. Anerkennung und reicher Beifall blieben denn auch nicht aus.
Ms Gewitter.
Mit dem gestrigen Tage hat sich der Wonnemonat eingeführt und allerorts erklangen die Weisen des lieblichen Maienliedes. Es stellte sich sogleich eine vermehrte Wanderlust ein, obwohl schon gegen Mittag I drohendes Gewölk am Himmel aufzog. Beim Drohen ist es jedoch nicht geblieben; in der R h ö n entlud I sich zwischen 7 und 9 Uhr abends ein kräftiges Ge- I Witter, das reichlich Regen brachte und von heftigen |