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Fuldaer Zeitung

<rfd)ehft «ätzffch mit Ausnahme der Sonn- unb Zelertage. viertel-

Wochen-Veilage:

ZiefnmgsUften der xreißisch-siidbrnchch« Xlaffen-LEerie. halbjährlich Taschenfahrplm. k

r. 100

Erstes Vlatt.

Zrelkag den 2. Mal 1913

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40. Zahrgang.

HMÄgen: T>» Raum <fn«r ihtfra.lgttf CeWKKHte; <t mm fcrttt, hofft! jjpffj. Widmen: Der Raum einer Coloneljelle, 74 nun breit, Kostet 40 Pfa. Bei Wieberholungen Rabatt, jfir Offert- unb Auskunfttinjeigen 20 Pf. extra. 3n Konkursfällen wirb ber bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für basln- »lagen oon Sortierungen IN $ulba. flnjeigen-flnnahme bis 10 Uhr bormittaas. * ~ Größere finjdcen erbitten wir uns tags vorher. 3

Ehrlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn unb Bestellgeld in Julba sowie auswärts 1.50 Mark.« Rotationsöruck unb Verlag ber X x Sulbaer fldienbruckerei in Zulda. Jemfpredjer Nr. 9.

möndrs-Beißge^ s

Illustrierte Sonntagszeitung | Zuldaer Sefchichtsblätter

Deutsches Reich

Ausland.

* v. ii bie Tnffiagetteu. Die Polizei unternahm in Vonojn am Diittwoch eine wohlvorbereitete Aktion fielen das Hauptquartier der Suffragetten. Das Äiucau wurde besetzt, alle Papiere mit gerichtlicher (SrlaubniS beschlagnahmt und sieben Führerinnen wegen Aufreizung zu Gewalttaten verhaftet. Eine Menge konfiszierter Dokumente wurde in einen Möbelwagen geladen und weggeschafft. Die Suffragetten leisteten keinen Widerstand. Sie lachten über den Eifer ber Polizei, die nach Ansicht der Suffragetten nichts von Belang finden werde. Nach dem letzten Neberfall durch bie Polizei im März vorigen Wahres, wobei bekanntlich Fräulein Christabel Pankburst nach Paris floh, hätten sie sich vorgesehen. Jann e Kenny, eine Anhängerin des Frauen­stimmrechts, wurde in Dover verhaftet, als sie von Frankreich zurückkehrte. Sie wurde dem Polizeigericht in Bowstreet vorgesührr unter der Anklage, zum Zwecke böswilliger Sachbeschädigung an einer Verschwörung teilgenommcn zu haben. Der Gerichtshof verweigerte es, die Angeklagte gegen Bürgschaft freizulassen. In Hendon wurde ein Wagenjchuppen in Brand gesteckt. An der Tür war ein Platat angehestet, das die tiicrte trug:Tas Stimmrecht! Hütet euch I'

** Ein russischer General wegen Landesverrats ver­haftet. In Petersburg wurde beim Direktor des mili­tärischen Bahnwesens, General Megebrow, eine Haussuchung vorgcnommen; es wurden einige, den General schwer belastende Briefe und Dokumente be­schlagnahmt. General Megebrow wurde in Unter­suchungshaft genommen, ebenso sein Sohn, der eben­falls Offizier "ist. Vater und Sohn sollen wichtige Dokumente an das 'Ausland verkauft haben.

* In Mexiko sind zwischen Hueritas und D i a z' Anhänger Reibungen entstanden, und beide Parteien bilden jetzt bewaffnete Feldlager. Huerta hat die Infanterie im Nationalpalast verstärkt, wäh­rend Diaz einen großen Teil der Artillerie auf einem dreißig Meilen von der Hauptstadt entfernten Be- sitztum zusammengezogen hat. Der Kriegsminister befindet sich im Besitz der Zitadelle, in der der Rest der Artillerie liegt.

* Der kalifornisch« Senat hat trotz allen Druckes, der von der Regierung der Vereinigten Staaten aus auf ihn ausgeübt wurde, die Vorlage angenommen, die die Japaner praktisch von dem Lander- w e r b im Staat a u s s ch l i e ß t. Alle Abmachungen haben nicht verfangen, weil hinter der Vorlage so gut wie ganz Kalifornien steht, namentlich die großen und dort sehr mächtigen Arbeitergewerkschaften, die I in den billig arbeitenden Japanern ihre schlimmsten Wettbewerber sehen. Aber auch die Obstzüchter und Winzer in den fruchtbaren Tälern des Landes, meist eingewanderte Schweizer, Italiener und Deutsche, oder deren Nachkommen, wünschen dringend das Ge­setz, streik die Lavaner es durch ihr zähes Zuiammen- I

Sm rmttonalliberaleS Kommissionsmitglied vertrat den Standpunkt, die Notwendigkeit eines verstärkten Grenzschutzes sei erwiesen. Di« starke Kavalleriebesetzung des GardekorpS gestatt« aber vielleicht bei einer ander­weitigen Organisation der Formationen einen Abstrich von zwei Regimentern. Redner werde bei Ablehnung der ganzen Forderung die Bewilligung von vier neuen Regimentern beantragen. Nach einer nochmaligen nach- drücklichen Hervorhebung deS Kriegsministers, di« Sache sei sehr ernst unb äußerst wichtig, erfolgte die Ab­stimmung.

Die Regierungsvorlage (sechs Regimenter) wurde mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt; der nationalliberale Eventualantrag (vier Regimenter) eben­falls, und zwar mit 15 gegen 13 Stimmen. Dagegen fand der fortschrittliche Antrag, drei Regi­menter zu bewilligen, mit 16 gegen 12 Stimmen Annahme. Gegen alle Anträge stimmten die Sozialdemokraten, das polnische und das elsässische Kommissionsmitglied, sowie einige süddeutsche Mitglieder des Zentrums.

Die nächste Kommissionssitzung findet Dienstaa, den 20. Mai statt.

nähme des ganzen katholischen Volkes und der Par­teifreunde ersehen, wie allgemein die Verehrung und Dankbarkeit für sein Wirken als Nachfolger und Erbe Windihorst empfunden wird.

Zu dem Ausfall derNationalliberalen Korre­spondenz (bergt Nr. 99 d. Zeitg.) spricht jetzt auch ein konservativer Abgeordneter in der Kreuzztg." ein klares und kräftiges Wort. Er kommt zu dem Schlüsse, daßAngriffe, wie sie hier von dem nationalliberalen Parteiorgan erhoben wer­den, eine gedeihliche Förderung des großen vaterlän­dischen Werkes nicht nützlich sein können." Der konservative Abgeordnete verwahrt seine Partei sehr entschieden gegen den doppelten Vorwurf, daß die Konservativen sich in Abhängigkeitvom Zen­trum gegeben und diesem bei einem Verschlep­pungsversuch Handlangerdienste geleistet hätte. Was die Abhängigkeit angeht, so klingt es ja für die Zentrumspartei sehr schmeichelhaft, wenn sie als Führerin und Herrscherin hingestellt wird. Aber erstens ist es nicht richtig, und zweitens verfolgen derartige llebertreibungen den Zweck, die anderen Parteien eifersüchtig zu machen und vom Zusammen­arbeiten mft dem Zentrum abzuschrecken. Gegen den Borwurf der Verschleppung hebt der konser­vative Abgeordnete treffend hervor, daß sich bei dem Widerstände gegen den Arbeitsplan des Präsidenten Spahn die nationalliberalen Ausschußmit­glieder in der Gesellschaft der Sozialdemo­kraten befunden haben. Mit schneidender Höf­lichkeit bemerkt er:

.Man wird es den konservativen Kommissionsmit- gliebem kaum verdenken können, daß sie bei diesen isozialdemokratischen) Hisstruppen der nationalliberalen Partei nicht gerade bie Absicht voraussetzten, das Zu­standekommen der Heeresvorlaae »u fördern.«

I In der Tat, es ist ein starkes Stück, wenn die I Nationalliberalen den Geschäftsgang nach den Wün- I scheu der ausgesprochenen Gegner der Wehrvov- I läge einzurichten suchen und dann in chrem Partei- I organ gegen die Freunde der Wehrvorlage den I Borwurf der Verschleppungstaktik erheben! I Mit Recht sagt der konservative Abgeordnete: wer so I handelt, der rufe allerdings, gewollt oder ungewollt, I den Eindruck hervor,als wolle er ans pacteipoli- I tischen Gründen die gleichzeitige Deckung der Heeres- I ausgaben verhindern, also die Entscheidung über die I 186 Millionen laufenden Ausgaben bis zum H e r b st I hinausschieben". Der Verschleppe! ruft: I Haltet den Verschleppet:! Wir hoffen immer noch, I daß die besseren Elemente in der nationalliberalen I Partei sich von solchen gefährlichen Plänen noch I rechtzeitig abwenden werden, und wenn doch die

Sache ernst werden sollte, so stehen nach unserer An­sicht der Regierung und den positiven Parteien nach Mittel und Wege zur Verfügung, um eine gleich­zeitige und gleichmäßige Erledigung der zusammengehörigen Vorlagen durchzusetzen.

* Ansprache des Prinzregenten nach der Münchener Parade. Im Anschluß an eine große Frühjahrs­parade, die am Dienstag in München nach langen Jahren zum ersten Mal« wieder stattfand, rühmte der Prinzregent in einer Ansprache dir Haltung der | Truppen und fuhr dann fort:

Sollte je bie bayerische Armee wieder vor den Feind treten" unb mit verstärkter E imme rief er:unb auf daS müssen wir uns ja jeberzeit gefaßt machen so zweifle ich nicht, baß bie bayerische Armee unter bem Oberbefehl Seiner Majestät bes Kaisers als obersten Feldherrn einer ber besten unb vollwertigsten Bestandteile im beutschen Heere sein wirb!"

* Zmpf-Znquifition? Der wegen Bekämpfung des Impfzwanges vom westfälischen Provinzial-Schulkol- legium mehrfach verfolgte, jetzt zwangsweise pensio­nierte Professor Mir us in Dortmund ist der,Franks. Ztg.' zufolge neuerdings dadurch wieder belästigt wor­ben, daß man feine Tochter von der städtischen höheren Mädchenschule ausgeschlossen hat. Obgleich Mirus dem Schuldirektor ein von einem Arzte ausgestelltes, den Anforderungen des Jmpfgesetzes vollauf genügen­des Jmpsbesreiungs-Zeugnis, nach welchem das Kind wegen Krankheit nicht geimpft werden darf, einreichte, I hat man feine Tochter mit der sonderbaren Begrün- bürg entlassen, sie seieine Gefahr für die übrigen I Schülerinnen", obgleich diese sämtlich durch die Impfung vor der Pockenerkrankung geschützt sind. I Andere Kinder der Dortmunder Schulen, bei denen I die Impfung aus gleichen Gründen unterblieb, sind I nicht aus ber Schule ausgewiesen worden. Wenn I diese Darstellung zutrifft, dann ist das hier geübte I Vorgehen unter keinen Umständen zu billigen und I muß auch von den Anhängern des Impfzwanges I verurteilt werden. Mit ber hier gegebenen Begrün- I düng könnte man schließlich auch jeden vom Schul- I besuch-nrückwcisen, bei dem die Impfung vergeblich war. I

* AnZ Walbeck, 1. Mai 1913. Die Reichstags- I E, satz w a 'a I im Wahlkreise Waldeck-Pyrmont I vt an| »ui 11 Juni festgesetzt worden.

Preußischer Landtag.

Herrenhaus.

Sitzung vorn 30. April IMS.

DaS Herrenhaus setzte in der Etatsberatung den Etat bes Ministeriums be$ Innern fort. Das Ani- mierkneipwesen, bie Wohnungsfrage, bie kommunale Fleischversorgung u. a. m. wurden von ben verschiedenen Rednern erörtert. Unb so wurde denn ein Etat nach bem anbern erledigt, ohne daß sich die Debatte je außer- halb deS in diesem Hause gewohnten ruhigen Fahr­wassers bewegt hätte. Der StaatshauShaltsetät für 1913 ist somit endgiltig vom Landtage verabschiedet. Auch da» Ruhrtalsperren- unb bas Eesekegesetz würben angenommen, unb bann vertagte sich das Saus auf Freitag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 30. April 1913.

Der Präsident erbittet und erhält bie Genehmigung beS Hauses, dem Kronprinzen anläßlich seines Ge­burtstages bi« Glückwünsche des Hauses zu überbringen. Ferner bringt der Präsident unter der lebhaften Zu­stimmung deS Hauses bem Abgeordneten Dr. Porsch zu feinem 60. Geburtstage bie herzlichsten Glückwünsche dar.

In dritter Beratung wird der Gesetzentwurf betr. die Umlegung von Grundstücken in ber Laub, gemeinde SrieSheim o. M. ohne Debatte ange­nommen.

Darauf wird bie dritte Beratung des Entwurfes eines EisenbahmmleihegesetzeS fortgesetzt.

Sine groß« Anzahl Redner bringen Einzel- wünfche vor.

Abg. Brett (freikons.) bittet um eine Bahn von Wetzlar über Gladenbach nach Biedenkopf, damit nicht landwirtschaftlich blühende Gegenden des Kreises Marburg abgeschnitten »erben.

Abg. Schwarze-Lippstabt (Ztr.) forbert ben Bau ber Strecke Büren-Corbach über Bredelar ober Marsberg. Wetter wünscht ber Redner bie Uebernahme ber Klein- bahn Mebebach-SteMhelle burch ben Fiskus unb Fort- setzung biefer Linie nach Corbach-Frankenberg und die Fortsetzung ber westfälischen Landesbahn von Warstein über Hirschberg nach Meschede. Wenn man Berlin mit der Elektrisierung der Stadtbahn beglücke, solle man auch mehr für bie Provinz tun. Das sei eine moralische 58er« pflichtung bet Eisenbahnverwaltung.

Abg. Humana (Ztr.) bittet um endliche Erfüllung deS Wunsche» nach Fortführung der Sackdahu Paderborn- tzippspringe.

Abg. Tuercke (Hosp. d. Kons.) wiederholt seine Wünsche wegen der Bahn Hersfeld - Homberg - Wabern unb Obersuhl.Hoheneiche, sowie Um» Wandlung der Personenhaltestelle Oberhaun in eine I Güterhaltestelle unb Beseitigung von Mißständen auf I dem Bahnhofe Obersuhl.

Unterftaatifefretär Stieget: Die vielen vorgebrachten I Wünsche werden erwogen werden. Die Verwaltung wird eS sich angelegen fein lassen, bie Haupt- und ebenso die I Nebenbahnen auSzubauen.

Damit ist bie Generaldebatte erledigt. Das Gesetz Ivirb angenommen.

i Nach debatteloser Erledigung einiger Petitionen ist m Tagesordnung erschöpft.

Präsident Graf v. Schwerin-Löwitz: Wir stehen am Ende unserer Gefchäste vor Pfingsten. Zur Einberufung einer »eiteren Sitzung, falls infolge abweichender Be- I schlöffe deS Herrenhauses eine solche nötig werden sollte, bitte ich um Ihre Ermächtigung. Der Präsident wünscht den Mitgliedern des Hauses gute Erholung und hofft I imf ein gesundes Wiedersehen im Juni. (Beifall.)

** Berlin, 1. Mai 1913. Der Kaiser empfing I Mittwoch mittag in Antrittsaudienz den neuernannten türkischen Botschafter Mahmud Mukhtar Pascha m Gegenwart des Staatssekretärs des Aeußeren, von I Jagow. Beide Herren waren zur Frühstückstafel geladen. Prinz August Ernst zu Braunschweig tst heute im Neuen Palais eingelroffen. Der Bun­desrat hat die Zustimmung u. a. erteilt zu dem Ge- setzentwurf betr. Gewährung von Bethülsen an Kriegsteilnehmer. Der Entwurf von Bestim-

I mutigen für die Vornahme einer Zwischenzählunq der Schweine im Jahre 1913 unb 1914 unb der Gesetz­entwurf betr. Enlschädigung von Schössen unb

I Geschworenen gelangten zur Annahme.

C Zum 60. Geburtstag des Abg. Dr. Porsch hat­ten sich am Mittwoch in Berlin viele treue Freunde aus den beiden Zentrumsfraktionen und schlesische Parteifreunde zusammengefunden, um dem Gefeier-i I test persönlich herzliche Glückwünsche zu überbringen. Dte Glückwunschtelegramme, die im Hotel des Abg.

I Dr. Porsch nach Hunderten eingingen aus ganz I Deutschland, Belgien, Holland, Luxemburg, Oester- I reich und der Schweiz und die zahlreichen Glück­wunschschreiben legten beredtes Zeugnis ab von der Verehrung und Beliebtheit, deren sich Dr. Porsch in ganz Deutschland und weit über seine Grenzen hin­aus erfreut. Daß unter den Gratulierenden sich alle größeren Organisationen der Zentrumspartei und des öffentlich katholischen Lebens, das Zentralkomitee zur Vorbereitung der Katholikenversammlunoen, Zentrumsvereine, Zentrumszeitungen und Berlage

I m großer Anzahl befanden, braucht kaum erwähnt zu werden; aber auch von Führern und Angehöriacn anderer politischer Parteien wurden dem 60jährigen Glückwünsche überbracht. Die Minister hatten schon in den letzten Tagen alle persönlich in ehrenden Worten Dr. Porsch ihre Glückwünsche ausgesprochen; ! der Reichskanzler, Kultusminister von Trott zu Sol; j und Staatssekretär Krätke gedachten am Mittwoch nochmals telegraphisch des Festes. Ein Telegramm des Kardinal Fürstbischofs von Breslau iandte die herzlichsten Glückwünsche verehrungsvollst. Das Tele­gramm des Augustinusvereins gedachte bewundernd des segensreichen Wirkens des Abg. Dr. Porsch im Dienste von Wahrheit, Freiheit und Recht, besonders aber der treuen Freundschaft und mannigfachen För­derung. welche Dr. Porsch jederzeit der katholischen Preffe und dem Augustinusverein zuwandle. Gluck- lvünsche sandten ferner Weihbkschof Augustin von Breslau und der Bischof von Hildesheim, der greise Führer des Volksvereins Franz Brands, Dr. Julius Bachem und Abg. Krebs, viele halbverqessene ehe malige Schulfreunde usw. itito. Zum Schluß des im Hotel des Abg. Dr. Porsch veranstalteten Frühstücks erschien noch die Berliner Verbindung Suevia in Vollwichs, um zugleich mit dem Vorsitzenden des Berliner Philisterverbandes die Glückwünsche Ber­liner G- V. zu überbringen. Kurzum, Abo. Dr. Porsch konnte am Mittwoch aus der herzlichen Teil-

Halten und rücksichtsloses Vorgehen fertig gebrach haben, die Weißen aus ben besten Ländereien wegzu- beißen und sich selbst dann in den Besitz des Sanbeä zu setzen. Der Vorlage fehlt nun, nachdem sie in beiden Häusern angenommen worden fft, nur noch die Unterschrift des Gouverneurs; dann ist sie Gesetz geworden, ohne daß Amerika unb Japan es haben verhinbern können.

Die Kavallerieforderungen der Wehrvorlage abgelehnt.

cw. Berlin, 30. April 1913. Die Budgetkommission b«8 Reichstags setzt« in ihrer Sitzung vom Mittwoch bi« Brratung ber Wehrvorlagen bet der Forderung von sechs neuen Kavallerie-Regimentern fort.

ES würben zunächst von ben verschiedenen Parteien allerlei Wünsche unb Bedenken vorgebracht. Man hielt bie Kavallerievermehrung nicht für nötig oder für schwierig unb bie Anwendung von Mafchinengewehren für vernünftiger.

«in Zentrumsmitglied besprach die Dislokations­frage der Kavallerie, für die lediglich die Sicherheit des Vaterlandes maßgebend fein könnten.

Der Kriegsminister gab Erklärungen ab über daS deutsche, französische unb russische Stärkeverhältnis der Kavallerie. Durch baö Luftschiff- und Flugzeug- tvesen fei bie Kavallerie durchaus nicht entbehrlich geworben. Aus bem Innern lasse sich keine Kavallerie nach ben Grenzen legen, um bie innere Organisation be» Korps nicht zu zerreißen. Die Kavallerie im Zukunftskriege habe erhebliche Aufgaben für die Ver­folgung. DeS weiteren machte ber Kriegsminister An­gaben über bie Ausübung des Grenzschutzes unb die Grünbe, bte einen Ersatz ber Kavallerie burch Maschinen- gewehre unmöglich machten.

^Inzwischen ging ein fortschrittlicher Antrag ein, patt sechs neue» Kavallerieregimenter nur brei zu bewilligen.

Eüi zweiter Zentrumsabgeordneter führte aus: Auf- sallenb fei, baß bie Heeresverwaltung immer bie gerade »erlangte Waffe alS bie wichtigste bezeichne, bie unter reinen Umständen entbehrt werben könne. Der Kriegs- Minister spreche immer von einem zukünftigen Kriege; Me Erfahrungen be» jüngsten Vergangenheit wolle er nubt gelten lassen. Im russisch-japanischen unb im öaltanirteg habe bie Kavallerie nur eine sehr unter­geordnete Rolle gespielt. In einem zukünftigen Kriege tonne von einer Offensive durch bie Kavallerie angesichts der modernen Waffenverhältnisse keine Rebe sein. Der notwendig« Grenzschutz werbe sich wohl durch Ver- schiebungen erreichen lassen.

Der KriegSminifter begründete erneut bie Notwendig- wt ber sechs Kavallerieregimenter, insbesondere mit ber Bermehrung ber französischen Kavallerie und mit dem veränderten Berhälinisse zu Rußland. Er erläuterte bann an ber Hand kriegsgeschichtlicher Beispiele die Aiichiigkeit d-r Kavallerie und wies darauf hin, daß Parade- unb Repräseutattonsrückstchten bei der Zusam- menstellung ber Kavallerie keine Rolle spielten. Der Kriegsminister machte in vertraulichen Angaben einen erneuten Hinweis auf die Unmöglichkeit des Heraus- ziehens ber Kavallerie auS dem Innern. Weiter erklärte er, wenn auch die Aufklärung Hauptaufgabe ber Flug- Auge sei, so müsse boch erst durch Angriffe die feindliche Kavallerie geschlagen werden. Dann erst könnten die «ufllärungsorgane vorgeschickt werden.

1 Ein Fortschrittler hielt die Verstärkung der Kavallerie an der Ostgrenze für notwendig. Deshalb bewilligten sie drei Regimenter, wovon eventl. eins an die Ostgrenze Ztztgt werden könnte.

Wie«, 30. April 1913. Die Zustimmung Italiens, an den militärischen Zwangsmaßregeln Oesterreich-Ungarns gegen Montenegro teilzunehmen, ist im Laufe des heutigen Tages im Ministerium des Aeußern eingelaufen. Nunmehr ffndet zwischen Wien und Rom ein lebhafter Depeschenwechsel über die militärischen Einzelheiten statt. Ver« mutlich wird, wenn Oesterreich marschiert, Italien ebenfalls Truppenlandungen, jedoch in strengster auf die Wahrnehmung seiner eigenen

X WllMlr Detioot!

Auf der gestrigen Londoner Konferenz beabsich­tigte sich Oesterreich zu vergewissern, wer an der Exe­kution oder Expedition gegen Montenegro teilzuneh- men gedenke. Der österreichische Entschluß, die! Zwangsaktion durchzuführen, sofern König Niküa Skutari nicht alsbald aus der Hand gibt, sei aber un- I abänderlich. Nach der Londoner Konferenz solle ein österreichisches oder vielmehr ein gemeinsames öfter-! reichisch-italienisches Ultimatum nach Cetinje ab- gehen, und sei dann Skutari nicht binnen 48 Stun- I den von den Montenegrinern geräumt, so solle der I Tanz beginnen. j

So hieß es am Mittwoch. Inzwischen hat die I Konferenz getagt, lieber ihr Ergebnis berichten wir I weiter unten. Das heißt, wir berichten da, daß sie I lei« Ergebnis hatte. Das war ja nicht so schwer I vorauszusehen. Nun werden, offenbar um Oesterreich I noch weiter hinzuhalten, von .London aus Mit- I teilungen verbreitet, die auf eine gewisse Nachgie- I bigkeit Montenegros schließen lassen sollen. I Es bleibt abzuwarten, ob Oesterreich sich abermals eine Frist gönnt, ehe es zum Schlage ausholt. Kommt es zum Einschreiten Oesterreichs, dann ist zu hoffew und zu wünschen, daß es ohne ernstere Kämpfe ge­lingt, Montenegro in Skutari an die Lust zu setzen. Das hängt freilich ganz davon ab, wie die Monteur I griner sich verhalten werden. Sollten sich aber blu­tige Zusammenstöße ereignen, so wird man wohl den Anfang sehen, aber niemand weiß, wo und wann eS I ein Ende haben wird.

Heute geht es nur um die montenegrinische Maus,' I die hinter dem Ofen an dem Skutari-Speck knabbert und die niemand bisher wegzuscheuchen den Mut ge» I funbeit hatte; was weiter wird, können auch die I Oesterreicher selbst nicht ermeffen.

Die Botschafterkorrferenz i« London.

Wa« hat sie beschlossen? Diese Frage ist in aller; Munde. Geduld, Geduld! Der offiziöse Telegraph' erzählt, daß sie begonnen unb beendet worben sei. DaS ist ohne Zweifel sehr wichtig, und es M gut, daß man uns das ausdrücklich mitteilt. Die! Welt hätte sonst vor Ungeduld vergehen tonnen,* wenn sie nicht gewußt hätte, daß die Herren in Lon­don bei ihren gestrigen Beratungen einen Anfang und auch ein Ende gehabt haben. Aber waS ist zwischen Anfang und Ende beschlossen worden? die Ver«' tagung auf Montag! Die vorliegenden Mel^ düngen lauten:

W. London, 1. Mai 1913. Die Botschafter find etwa um 3 Uhr 30 Minuten zur Konferenz im Aus­wärtigen Amt eingetroffen. Die Botschaftervereinigung warum 5 Uhr S5 Minuten beendet. Der russisch« Botschafter verließ alS erster, der österreichische als letzt«» bie Konferenz. j

W. London, 1. Mai 1913. Die in Bezug auf bl« etwaige Auflösung ber Botschafterkonferenz ausge­sprochenen Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. De» österreichische Botschafter hat sich, nachbem bie übrigen Botschafter baS Auswärtige Amt verlassen hatten, einige Zeit mit Eir Edwarb Grey unterhalten. Kurz darauf zeigte baS Auswärtige Amt an, baß sich bie Bot­schafter am kommenben Montag wieder ver» einigen werden. Inzwischen werden die Botschafter ihren Regierungen über die heute getroffenen Entschei­dungen Mitteilung machen.

* London, 1. Mai 1013. Der ,Frkf. Ztg. wird von hier gemeldet: Auch die heutige Konferenz der Botschafter, welcher außer den Vertretern der Groß­mächte teilweise auch türkische Diplomaten beiwohnten, hat äußerlich die Verhandlungen nicht weiter geführt. Es würde, wenn die Wiener Meldungen recht behielten, den morgigen Einmarsch der Oester- reicher in Montenegro bedeuten. Indessen besteht hier die Hoffnung, daß dieser Schritt vermieden werden wird. Formell hat der österreichische Botschafter seiner Regierung allerdings die Freiheit des Handelns wahren müffen, und die entscheidenden Beschlüsse liegen bei Wien, aber auS der Tatsache, daß eine weitere Konferenz auf Montag angesrtzt wurde, läßt sich schließen, daß Gewaltschritte unmittelbar nicht bevorstehen. DaS die Situation beherrschende Faktum ist eben, daß Monte- uegro sichtlich nachgiebiger geworden ist und sich zur Fügsamkeit gegen den Willen der Mächte, bereit erklärt halt. Der russische Druck, der wieder­um die Folge dringlicher englischer Vorstellungen fein dürfte, ist die Ursache dieser zu lobenben Ein­sicht des Königs Nikita. Freilich knüpft Montenegro an die Bereitwilligkeit, Skutari aufzugeben, die For­derung anderweitiger Gebietsentschadigung,! und Oesterreichs Einspruch hiergegen bildet jetzt wohl, eine Hauptschwierigkeit. Es wird hier gehofft,! daß es gelingen werden, in den nächste» Tagens einen Ausweg in Gestalt einerkleinen Zuwendung" an Montenegro zu finbm.

Oesterreich und Italien.