2. Blatt?
Druck der Zuldaer rletiendruckerei in $alba.
«* Fuldaer Leitung. «•
Är 99
Mittwoch 50. April ML
Lokates.
Fulda, 30. April 1913.
# Personalien. Den Sanitätsrälen Dr. (Sem» nel in Salzjchlirf, Dr. Sebold in Kassel und Dr. Sommer lat in Frankfurt a. M. wurde der Cha» :akter als Geheimer Saniläisrat, sowie den Aerzten Dr. Kandier in Kloster Hama und Dr. Mayer in Frankfurt a. M. der Charakter als Sanitätsrat verlieben.
cb. Dem Jahresberichte der preatz. Regierungs- und Gewerberäte und Bergbehörden für 1912,
der soeben im Druck erschienen ist, entnehmen wir für unseren Bezirk folgendes: Im Regierungsbezirk Kassel sind im Berichtsjahre in insgesamt 3637 der Gewerbe» aufsicht unterstehenden Betrieben zusammen 78809 Arbeiter bezw. Arbeiterinnen beichästigt worden. Hiervon entfallen auf erwachsene männliche Arbeiter 55488, auf Arbeiterinnen 14309, auf männliche junge Arbeiter im Alter von 14—16 Jahren 5329, auf weibliche Arbeiter im Aller von 14—16 Jahren 2962, auf Jungen unter 14 Jahren 149 und auf Mädchen unter 14 Jahren 72. Von diesen Betrieben wurden 1693 mit zusammen 64236 Arbeitern seitens der Gewerbeaufsichtsbehörden revidiert.
Danach hat die Zahl der beschäftigten männlichen Arbeiter gegen 1911 keine wesentliche Aenderung erfahren. In den Anlagen, in denen vorwiegend im Freien gearbeitet wird, wie in den Ziegeleien, Steinbrüchen, Lehm- fabriken, war allerdings infolge des sehr regenreichen Sommers und Herbstes die Zahl der Arbeiter in dieser Zeit nicht unwesentlich zurückgegangen; anderseits haben aber diese eigenartigen Witterungsverhältnifse günstig auf den Beschäftigungsgrad in der Bekleidungsindustrie, namentlich in der Schuhindustrie, eingrwirkt. Auch waren infolge größerer Aufträge der Balkanstaaten die Segel- und Zellstoff-Fabriken lebhaft beschäftigt.
Bei der Lohnzahlung haben sich im Berichtsjahre statt der Lohnbücher und Lohnzettel mehr und mehr Lohntüten mit entsprechendem Ausdruck eingebürgert.
AuSstände und Aussperrungen find 36 mal vorgekommen,- sie erfolgten vorwiegend wegen Lohndifferenzen.
Arbeiterinnen waren gegen das Vorjahr 700 mehr beschäftigt. Namentlich die Gummiwerke, das Bekleidungsgewerbe und die Zigarrenindustrie beschäftigten mehr Arbeiterinnen. Bei der Reaelung der Arbeitszeit an Samstagen ist in den letzten Jahren ganz unverkennbar das Bestreben der Betrievs- lettkr hervorgelreren, den Arbeusichluß. der für Arbeiterinnen kraft des Gesetzes spätestens um 5 Uhr nachmittags zu erfolgen hat, möglichst früher zu legen. So schließen eine Anzahl Betriebe in unserem Bezirk, meist allerdings unter Wegfall oder Kürzung der Mittagspause, um 2, 2Vi, 3 oder 31/» Uhr. In einer gröberen, neu errichteten Darmzubereitungsanstalt in Fulda ruht aus rituellen Gründen die Arbeit an Samstagen überhaupt, doch unter Fortzahlung des vollen Tagelohnes an die Arbeiter.
In 1689 Betrieben wurden im Berichtsjahre 8791 junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren und 221 nicht mehr schulpflichtige Kinder beschälligl. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen zum Schutze der jugendlichen Arbeiter wurden m 151 Fällen ermittelt. 60 Per fönen wurden wegen dieser BuroiberbanMungen bestraft. Neben teil Ziegeleien waren es befände» s die Bäckereien, die ungeietzlich Jugendliche und Kinder be= schämglen. — Wegen Beigehens gegen das Geietz betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben find im Berichtsjahr 31 Besinnungen erfolgt. Zum größten Teil sind dre Ueberhetunaen aus den Verzeichnissen gewerblich beschäftigter Schultinder entnommen, welche die Schulaufsichtsbehörden den Gewerbeaussichtsbeamten mittetlten.
Bon 3032 im Berichtsjahre gemeldeten Unfällen waren 20 mit tödlichem Ausgang verbunden. Angestellte Erhebungen haben ergeben, daß in den Maler- und Wei! binderwerlställen das Anjetz n und die Verwendung von Bleiiarben zurückgehen Gegen Miß ände in den Sch la sst all en der Arbeiter mußte in neben Fällen eingeschrliten werden.
Aus dem Bericht des Bergrevierbeamten (Fulda gehört zum Bergrevrer Schmaltaldeni entnehmen wir, daß die Zahl der Bergarbeiter < tm Berichtsjahre gegen das Borjahr gestiegen ist, diele Zunahme (416 Köpfe) entfällt säst ganz auf 5 neue im Ablerrfen de- • rlffene Kalsschächre. Im Essenerzbau und Braunlohlen- bergdau ist die Belegschaft zurückgegangen, tm Schwer- spaibergbau gestiegen. Die Zahl dir jugendlichen A> beiter betrug 82. Dieselben waren meist in der Eisenerzschridung, Schwerspatklauberei und in den Kali- salzmüdien beschä-ligt. Im Berichtsjahre kamen 142 Unfälle zur Anzeige, 8 Unsälle verliefen tödlich; von letzteren entfallen 3 auf Beschäftigung an elektrischen Anlagen. Aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Kruppschen Guß- I stahlfabrik in Essen tm August 1912 wurde jedem Arbeiter I . der Bieberer Gruben eine silberne Erinnerungsmedaille und ein Geldgeschenk überreicht, und zwar je nach dem I Dlenstalter tn Höhe von 5-50 Mark.
Aus -em Nachbargediete.
Gewitternachrichten.
I * Bilstein, 29. April 1913. Bei einem schweren I Gewitter, das sich gestern nachmittag in der hiesigen I Gegend entlud, wurde in Kirchbracht die 12jäh- I rige Tochter des Bürgermeisters Junker, als sie eine I Kuh nach Hause treiben wollte, vom Bli« ge- I tötet. Auch die Kuh wurde durch den Butz erschlagen.
* Helmarshaustn, 29. April 1913. Bei dem gestrigen Gewstler, das le!weise von Hagelschlag be» gleitet war, ist in den Gärten vielfach die Erd- krume mit den eingepflanzten Kartoffeln usw. fort- geschwemmt worden.
* Wolfhagen, 29. April 1913. Heute früh ent» lud sich über unserer Stadt ein starkes Gewitter, wobei ein kalter Blitzstrahl in das Gebäude des alten Landratsamts einschlug und den Schornstein zertrümmerte. Auch wurde im Garten ein starker Birnbaum vom Blitz vollständig zerschlagen. An der Straße von Altenhasungen warf der Blitz eine Pappel um.
— Fortbildungsschulen und Gesellenprüfungen. Vom Vorsitzenden der Gesellenprüfungsausschüsse ist I nach einem Bericht der Kasseler Handwerkskammer vielfach Beschwerde darüber geführt worden, daß die Lehrlinge bei der Anmeldung zur Gesellenprüfung kein Zeugnis der Fortbildungsschule einreichen I könnten, weil ihnen die Leiter der Schule die Ausstellung eines solchen vor Schluß des Schulhalbjahres verweigern. Ter Regierungspräsident weist deshalb tn einem Erlaß auf § 130 c der Gewerbeordnung hin, nach dem der Lehrling seinem Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung die Zeugnisse über den Besuch der Fortbildungsschule beizufügcn hat, sofern der Prüfling während der Lehrzeit zum Besuch einer Fortbildungsschule verpflichtet war. Die Leiter von Fortbildungsschulen werden angewiesen, das von den Prüflingen erbetene Zeugnis in Zukunft auch im Laufe des Schulsabres auszustellen.
(*) Vaterländische Frauenvereine. Die diesjährige Mitgliederversammlung des z. Zt. 46 Zweigvereine zählenden Verbandes der Vater la n»
Vortrag: „Der Bienenstand." Danach Besuch von Bienenständen. Abends 8 Uhr im KursuSlokal Vortrag: „Die Geschichte der Bienenzucht." — Mittwoch den 14. Mai, früh 8 Uhr: Vorträge: 1. „Der Bienenstaat und seine Glieder"; 2. „Die Triebe im Bienenstaate"; 3. Nutzanwendung für die Praxis. Besuch von Bienenständen. Nachmittags 2 Uhr Ausflug nach Tann. Dort Vortrag: „Natürliche und künstliche Vermehrung." Abends 8 Uhr im Kurfuslokale Vortrag: „Die Bienen und die Blüten." — Donnerstag den 15. Mai, früh 8 Uhr: Vorträge: 1. „Die Rassezucht"; 2. „Die Königinnenzucht". Besuch von Bienenständen. Nachmittags 2 Uhr Ausflug nach Wüstensachsen und der Zuchtstation Rhönhäuschen. Dort Vortrag: „Die Durchlenzung." Abends 8 Uhr: Geselliges Beisammensein und Vortrag: „Der Honig." — Freitag den 16. Mai, früh 8 Uhr: Vorträge: 1. „Die Geistesfähigkeiten der Bienen"; 2. „Der Körperbau"; 3. „Das Wachs." (Praktische Vorführung des Gießens der Kunstwaben.) Nachmittags 3 Uhr Ausflug nach Seiferts. Dort Vortrag: „Die tzerbstbehcmdlung." Abends 8 Uhr im Hobmann'scken Felsenkellersaal Vortrag: „Die Feinde der Bienen und ihre Krankheiten." — Samstag den 17. Mai, früh 8 Uhr: Vorträge: 1. „Unsere Organisation"; 2. „Die Bienen tm Winter und auf dem Transporte". Mittags 12 Uhr Schluß des Kursus. Das Kursuslokal befindet
Die Schuld des Vaters.
10] Roman von Freifrau G.von Schlippenbach. — v.
Soltjakoff und feine Tochter waren nun schon ivenige Wochen in Blagotir. Sie hatten bei allen Rachbarn Visiten gemacht, und man lud sie ein. Ter Russe ist eine sehr gesellige Natur; er liebt das Vergnügen, und sein Haus steht immer den Gästen offen, die er in der liebenswürdigsten Weise willkommen heißt.
In Tatnofka waren jetzt nur der Fürst und feine Gemahlin. Die Töchter badeten in Jalta und Boris Wladimirowitsch wurde erst nach den Mcr> növern erwartet. Auch hier begrüßte man Ilja Eeorgewitsch und Daisy herzlich. Dlan freute sich, daß Blagotir wieder in bessere Hände gekommen war. Tie Swerjeffschen Damen standen hochgeachtet da, aber mit Roman Romanowitsch verkehrte man lieber nicht. Wenn er berauscht war, suchte er gern Streit. Sein rohes Wesen, sein ausschweifendes Leben waren überall bekannt; man vermied ihn so viel als möglich.
' Der intimste und liebste Umgang Iljas und Daisys war der mit bcn beiden Frauen in Latwr- lischki, ihrer nächsten Nachbarschaft. Mit der schwärmerischen Innigkeit junger Mädchen schloß die Tochter Soljakoffs sich an die ältere Freundin. Selten vergingen einige Tage, daß sie sich nicht sahen; sie ritten zusammen aus oder sie lasen und musizierten. Olga gab Daisy Klavierstunden, wohingegen sie bei der im Englischen Bewanderten diese Sprache übte. Und immer war es, als träte ein Sonnenstrahl über die stille Schwelle, wenn das rosige Gesicht Daisys erschien. Sie brachte der Kranken Blumen, Früchte und Bücher, sie brachte Jugend und Heiterkeit mit sich, sodaß Olgas ernste Züge weniger streng erschienen, und sie das Lachen, das» sie lange verlernt, toie- derfand. Oft begleitete ihr Vater sie, oder er holte feine Tochter ab. Dann blieb auch er ein Stündchen bei bcn Tarnen. Er gab sich frei und unbefangen.
•y* Von der drahtlosen Telegraphie. Ein zu Versuchszwecken für die Schneider'sche drahtlose Telegraphie bestimmter 28 Meter hoher Stahlturm ist eingetroffen. Mit den erforderlichen Erdarbesten zu seiner Ausstellung im Garten des Ingenieurs Ferd. Schneider wird in den nächsten Tagen begonnen. Der Turm wiegt 46 Zentner.
:X: Jagdkalender. Im Monat Mai darf nur folgendes Wild erlegt werden: Auer», Birk-, Hasel- und Fasanhähne; Truthähne nur bis einschl. 14. Mai, Rehböcke vom 16. Mai ab. Alles andere Wild hat Schonzeit.
1*1 Schöffengericht. Ein 40 jähriger Landwirt in Bachrain hatte dort am 12. Januar 1913 bem Taglöhner I. mit einem Zinkeimer eine 4 cm lange Hautwunde quer über den Kopf beigebracht. Wegen dieser gefährlichen Körperverletzung wurde I. unter Bewilligung mildernder Umstände zu 15 Mk. Geld- strafe verurteilt. Der Amtsanwalt hatte 30 Mark beantragt. — Der Gastwirt C. B. hier, der nur alkoholfreie Getränke verabreichen durfte, hatte trotz- dem alkoholhaltige Getränke verkauft und wurde dafür mit einem polizeilichen Strafbefehl über 10 Mk. bedacht. Er beantragte gerichtliche Entscheidung, weil ihm die Strafe zu hoch erschien. B. zog jedoch auf Zuraten des Vorsitzenden gestern seinen Berufungs- antrag zurück. — Abermals verhandelte gestern daS Schöffengericht gegen das Ehepaar D. hier, das'früher eine alkoholfreie Wirtschaft mit Damenbedienung de- trieb und des Vergehens gegen § 180 be« St.-G.-B. angeklagt war. Zu bet Verhanblung, bie unter AuS- ichluß bet OeffenUichkeit staltfanb unb fast 31/» Stunben währte, war ein sehr großer Zeugenapparat aufgeboten. Das Gericht erkannte auf Freisprechung bes Mannes, ba betfelbe, bet meist geschäftlich vorn Hause abroefenb war, über bie Vorgänge im Hause nicht unterrichtet sein wollte; bie Ehefrau wurde dagegen überführt, in über 30 Fällen sich bes Vergehens aus bem bettiffenben § 180 schulbig gemacht zu haben, unb bem Anträge Des Amtsanwalts gemäß zu einer Woche Gefängnis sowie zur Tragung bet nicht unbe- Deutenben Kosten bes ganzen gerichtlichen Verfahrens verurteilt.
* Der Landesausschuß des Regierungsbezirks Kassel beschloß in seiner gestrigen Sitzung, bie Pläne und Zeichnungen für den Bau einer Stifts- k i rch e bei der Landesheilanstalt in Marburg anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers zu genehmigen. Der Landesausschuß wird in den nächsten Tagen den Bau vergeben und stellte für diese Zwecke 50 000 Mark der Landesbauverwaltung zur Verfügung. Nach Möglichkeit soll noch in diesem Jahre der Rohbau fertig gestellt werden.
sich tm Hotel-Restaurant „Zum Engel" (Aug. Nüdling)' in Hilders. — Anmeldungen wolle man alsbald au Lehrer Ferdinand Hillenbrand gelangen lassen.
* Tiktttshan, 30. April 1913. Heute morgen «legte der Holzhändler Steuernagel aus Hers- felb im hiesigen Revier einen kapitalen Auerhahn von 1,30 Meter Länge unb 1,40 Meter Flügelspannung.
* Hilders, 29. April 1913. Der Fahrplan der am 1. Juni zu eröffnenden neuen Kraftwagen-Personenpost Meiuinge n—F ladunge n—W üsteu- sachsen—Hilders ist folgender: Ab Meiningen 7.15 und 3.00, an Fladungen 10.30 und 6.12, ab Fladungen 11.50 und 5.50, an Wüstensachsen 12.55 und 6.55, an Hilders 1.30 und 7.50. Ab Hilders 8.55 und 1.35, an Wüstenfüchsen 9.50 und 2.10.
* Bebra, 29. April 1913. Je dem Konkurs der Baufirma Paul Scheller dahier sind die Aussichten für die Gläubiger recht ungünftig. Den bis jetzt angemeldeten Forderungen in Höhe von 53 400 Mark stehen etwa 3000 Mark an Aktiven gegenüber. Die Grundstücke der Firma sind über den äußersten Wert hinaus belastet.
* Bebra, 29. April 1913. Der vom Gastwirt Beck entlassene Dienstknecht Joseph Beck aus Oberbayern fing mit seinem Dienstherrn wegen seiner Entlassung Streit an. Der Anstreicher Schmidt kam Gastwirt Beck zu Hilfe und erhielt hierbei von dem Dienstknecht B. mit einem Messer einen Stich in bie Herzgegend. Der Täter ergriff sodann durch ein Fenster die Flucht und warf das Messer fort; er wurde aber von seinen Verfolgern eingeholt und festgenommen und heute früh dem Amtsgerichtsgefängnis in Rotenburg zugeführt. Der schwerverletzte Schmidt wurde bem Landkrankenhaus in Hersfeld zugeführt. ,
X Stoffel, 29. April 1913. Freitag, bett 2. Mai abenbs 8 Uhr, findet im kleinen Saale bes Etadtparks eine BoltSvereins-Konferenz für das Dekanat Kassel statt. In berfelben wirb Be icht erstattet über den Stand und die Entwickelung bes VollsvereinS im Bezirk. Außerdem wird der neue Stadtgeschäftsführer eingeführk werden. Herr Lanbessekrelär Gotthardt wirb bie Frage behandeln: „Sollen die Frauen im Volks» verein mit organiitert werben?' Der Hochwürd. Herr Bischof, ber zur Firmung und Visitation der Pfarreien hier weilt, wirb die Versammlung mit seinem Besuche beehren.
* Hann.-Münben, 29. April 1913. Auf der Zechs Steinberg geriet der 21jährige Arbeiter K. aus Unvorsichtigkeit mit seiner rechten Hand in eine Ton- Walze, so daß sie ihm total zerquetscht wurde. Im Mindener Krankenhaus mußte dem Unglücklichen die Hand amputiert werden.
* Ostheim b. Hanau, 29. April 1913. Der 60 Jahre alte Taglöhner Jost von hier hat sich gestern in der Nähe von Kilianstädten in der Nidder ertränkt.
* Hanau, 29. April 1913. In bem log. „Fran- zosenloch* hat man vor längerer Zeit Goldabfälle gefunden, bie offenbar von einem in Hanau verübten Goldbiebstahl herrühren. Das Absuchen bes Sumpfes ist fortgesetzt worden mit bem Erfolge, baß neuer» dings roieber 266 Gramm Gold an ben Verdanb der Edelmetallinbustriellen in Hanau abgeliefert werben konnten.
[] Frankfurt, 29. April 1913. Der Hochwürbigste Herr Bischof Joseph Damian bmiette gestern vor seiner Rückkehr nach Fulda bei Ihrer Königl. Hoheit ber Lanbgräfrn von Hessen in Frankfurt a. M.
, cH Frankfurt, 28. April 1913. In ber „Akademie für Handels und Sozialwissenschaften" begann heute ein F ort b i ld u n g s ku r sus für höhere Verwaltungsbeamte und Juristen, an dem sich neben 20 Teilnehmern noch 40 Hörer beteiligen. — Der Polizeipräsident hat den von der Sozialdemokratie für den 1. Mai geplanten Festzug vom Stadtwald nach der Stadt unter dem Hinweis auf die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verboten. — Die jüdischen Viehhändler haben infolge des israelitischen Feiertags den heutigen Vieh markt nicht beschickt und damit das ganze Geschäft lahmgelegt. Es waren nur Schafe und Schweine aufgelrieben; von Großvieh standen nur 9 Ochsen, 7 Bullen, 44 Kühe und 20 Kälber zum Verkauf.
dischen Frauenvereine im Regierungsbezirk Kassel findet am Freitag den 16. Mai," 4 Uhr nachmittags in dem neuen Krankenhause vom „Roten Kreuz" zu Kassel statt. Anmeldungen zur Teilnahme an der Versammlung sind bis zum 8. Mai an den Vorstand des betreffenden Zweigvereins zu richten. Die Ausweise zur Erlangung von Fahrpreisermäßigungen werden von dem Vorstande des Zweigvereins auSgcfcrtigt. Die Tagesordnung der Versammlung umfaßt neben dem Geschäfts- und Rechenschaftsbericht rind den Vorstandswahlen sowie Mitteilungen aus der Versammlung über die Tätigkeit ber einzelnen Vereine usw. insbesondere einen Vortrag über „bie Kriegsvorbereitung der Vaterländischen Frauen- Vereine. Am Abend soll ein gemeinsamer Besuch des Hosiheaters hier und im Anschlüsse daran ein gemeinsames Abendessen in den Gesellschastsräumen des Ratskellers stattfinden, zu dem auch Angehörige der Mitglieder willkommen sind.
Hk. Der neue Zolltarif der Vereinigten Staaten. Ein wortgetreuer Abdruck der dem amerikanischen Repräsen-
I tantenhause vorliegenden amtlichen Drucksache in eng» I lischer Sprache, ist zum Preife von 3 Mk. in Karl I HeymannS' Verlag in Berlin W 8, Mauerstraße 43/44 I erschienen. Für die deutsche exportierende Industrie ist I dieser Entwurf, der eine starke Erweiterung brr Liste I zollfreier Waren unb zahlreiche Zollermäßigungen enthält, I von großer Bedeutung. In unterrichtrten amerikanischen I Kreisen rechnet man mit einer Erledigung ber Vorlage I tm Repräsentantenhause biS Mitte Mai, mit ihrer ent» I gültigen Annahme durch alle Instanzen noch tm Laufe I beS kommenden SornmerS.
(*) Sport. Am Sonntag ben 4. Mai bietet ber I Kraftfportklub Germania tm Jägerhaus Bronnzell I seinen Gästen hervorragenbe Leistungen auf bem Gebiete
j eines Sportes.
ZNfc, Ter Sommerfahrplan in Plakatform ist in bet heutigen Nummer abgebtudt. Der Taschenfahrplan wwb unseren Lesern in ben nächsten Tagen zugehen.
„O, das hat Papascha angeordnet," sagte Daisy, I „ich hörte, wie er dem Gärtner seine Befehle gab. I Ist er nicht einzig lieb und gut, Olga? O! Du I mußt ihn noch besser kennen lernen, dann wirst du I ihn, wie ich, lieben. .
„Wie du?" dachte Fräulein Swerjcff, „nein, bas I kann ich nicht, ich liebe ihn anders, ganz anders."
Die harmlosen Worte des jungen Mädchens hat- I ten ihr Klarheit über ihr Herz gegeben. Aber auch I sie sagte sich, daß sie diesem Gefühl nicht nachgeben I durfte. Sie konnte ihre Mutter nicht verlassen und I Ilja war gegen sie selbst nur von väterlicher Gesin- I nung erfüllt. Wie hätte er sonst so gleichmäßig ruhig I bleiben können? —•
„Nächsten Freitag ist mein Namenstag," sagte I Daisy. „Du weißt, daß ich hier nicht mit meinem I eigentlichen Namen genannt werde; in Rußland wird I man willkürlich umgetauft. Nun, und so nennt man I mich Feodosia oder kurzweg Sofia. Als Kind ärgerte I ich mich über Boris Wladimirowitsch, wenn er cs I tat; jetzt muß ich mich darin ergeben; nur du und I Papascha nennen mich Daisy. Aber liebste, goldene I Olluschka, du wirst bodj. zum zehnten September kom- I men! Das darfst du mir nicht abschlagen; das ganze I Fest ist mir sonst verdorben."
* „Ich werde kommen, mein Seelchen," entgegnete I Olga lächelnd.
„O, das ist schön. Weiß du, wir werden tanzen; I da? habe ich mir ausgebeten. Mache dich recht schön! I Doch, das brauchst du nicht," fügte sie hinzu, „das I bist du immer."
„Schmeichle^." versetzte Olga, „du willst mich j eitel machen."
„Boris Wladimirowitsch trifft am neunten Sep- I tember auf Urlaub in Datnofka rin", plauderte Daisy I weiter, „wer weiß, ob wir uns noch zanken tvcrden? I Als Junge, war er oft unausstehlich und neckte mich, I bis ich davonlief. Jetzt lasse ich mir aber nichts mehr I gefallen, das soll er bald merken, Haft du ihn qls 1 Offizier gesehen?"^- ' ~ J
(•) Jmkerlehrkursus des bienenwirtschaftlichen Haupt- Vereins für 1913 in HilderS. Wenn der bienenwirtschaftliche Hauptverein Thüringen von jeher den Zweck verfolgte, für die Verbesserung und Verbreitung der edlen Imkerei in den Thüringer Ländern Sorge zu tragen, so hat er, ohne sein bisheriges Gebiet zu vernachlässigen, sich neuerdings auch die Aufgabe gestellt, ber modernen Bienenzucht in der Rhön festere Gestalt zu geben, ohne indes die Eigenart der alten Rhönbienenzucht zu stören. Um diese Ziele zu erreichen, hat bereits seine vorig, jährige Hauptversammlung, verbunden mit der üblichen Ausstellung, im freundlichen Rhönstädtchen Vacha mit großem Erfolg getagt. Auch heuer ruckt der vorwärts, strebende Verein mit seinem rührigen, tatkräftigen Vorstande an der Spitze dem borgesteckten Ziele näher, in.
dem er auf Antrag des Vertreters vom Zweigverein Hilders bei der Delegiertenversammlung in Jena ein. stimmig beschloß, seinen diesjährigen allgemeinen Lehrkursus zum erstenmale im Herzen der Rhön, im reizend gelegenen Marktflecken Hilders, und zwar in der Pfingstwoche vom 13. bis 17. Mai ds. Js., abzu. halten. Der Kursus bezweckt die Hebung der Bienen, zücht im gesamten Rhöngobiete durch Vermittlung theoretischer Kenntnisse und Aneignung der nötigen praktischen Fertigkeiten. Er wird unter Leitung des ersten I Vorsitzenden des Hauptvereins, Herrn Lehrers Pöllin. I ger-Windischenbernsdorf stattfinden. — Der Lehrplan I für den Kursus ist folgender: Dienstag den 13. Mai, I vormittags 8 Uhr Vorträge: 1. „Unfer gutes Menschen. I werk"; 2. „Umgang mit Bienen"; 3. „Nutzanwendung I für die Praxis". 11—1 Uhr Besuch von Bienenständen. I Nachmittags 2 Uhr Ausflug nach Eckweisbach. Dort
erzählte von Amerika und seinen Reisenden, bie Zeit flog, und man trennte sich ungern. Was Soltjakoff und Olga gleich bei ihrem ersten Sehen vorahnend gefühlt, verstärkte sich immer mehr unb mehr. Eine mächtige Sympathie zog sie magisch zu einander; sie fühlten die Seelenverwandtschaft zweier Menschen, die gelitten hatten unb lange einsam geblieben waren. In der verschlossenen Brust des reifen Mannes tobte ein harter Kampf. Durfte er noch einmal an ein Eheglück denken? Mußte er Olga gegenüber nicht den Schleier seiner Vergangenheit heben, würde sie sich bann nicht voll Abscheu von ihm wenben? Nein, nein, er konnte ihr nicht sagen, was vor zwölf Jahren geschehen. Er mußte schweigen und Herr seiner Leidenschaft für das edle Mädchen werden. Er wollte sie meiden, nicht mehr so häufig nach Latwilischki kommen. Aber'er traf sie bei den Nachbarn, und der gefährliche Zauber nahm ihn wieder gefangen.
Es ging der Kranken besser. Eine alte Freundin war zu Besuch gekommen, Olga konnte ihre Mutter dazwischen verlassen. Sie erfüllte damit den Wunsch der Leidenden, die ihrem Kinde gern mehr Zerstreuung gönnte.
Roman schrieb einmal an die Seinen einen flüchtigen Brief, der aus Paris datiert war; von einer Heimkehr sprach er nicht. Desto öfter kamen Briefe an den Verwalter an, und Olga wußte, daß es immer Befehle waren, Geld zu beschaffen, das der Verschwender in kurzer Zeit vergeudete. Das mutige Mädchen war fest entschlossen, mit der Mutter nach Moskau zu ziehen, sobald der Zusammenbruch in Latwilischki erfolgte. Sie besaß etwas eigenes Vermögen, und ihr herrliches Talent mußte ihr bie Mittel verschaffen, um mit ber teuren Kranken bescheiden zu leben.
Bisher hatte Olga Romanowna sich noch nicht entschließen können, nach Blagotir zu kommen; nur das Grab ihres Verwbten hatte sie einige Male besucht. Sie war überrascht, es mit frischen Blumen geschmückt zu finden, und vermutete, daß Daisy diese zarte Aufmerksamkeit gehabt hatte- Sie dankte der Tochter Jljqs dafür.
ss Oberursel, 29. April 1913. Das tödliche Automobilunglück vom Sonntag abend hat seine vorläufige Aufklärung gefunden. Der Führer des Kraftwagens behauptet, daß ihm Frau Langfelder direkt ins Automobil gelaufen sei. Man glaubt, daß die.Frau in einem pwtzlichen Anfall geistiger Umnachtung Selbstmord verüd4e.
* Mainz, 29. April 1913. Ein Werber für bie Fremdenlegion hatte in Frankfurt mit einem anscheinend dem Arbeiterstande angehörigen Mann
„Ja, vorigen Winter, Er ist eia bildhübscher Leutnant."
„Na, ich werde ja selbst sehen," entgegnete Daisy munter. ]
Als Olga Swerjeff ihrer jungen Freundin zu ihrem Namenstage zu kommen versprach, wußte sie, daß es ihr schwer fallen würde, die Stätte ihres kürzen Glückes und ihres Schmerzes gänzlich verändert zu finden. Da, wo einst der Sarg ihres Verlobten gestanden hatte, sollte getanzt werden! sie selbst duisste sich dabei nicht ausschließen. Sie wunderte sich, daß sie sich dennoch auf das Fest freute. Sie war neugierig, Ilja Georgewitsch als Hausherrn kennen zu lernen, und so erwartete sie den zehnten September mit heimlicher Ungeduld.
„Lebewohl, mein goldenes Mütterchen," sagte Olga. „Tante Dascha wird Dich statt meiner pflegen) es ist Zest für mich, nach Blagotir zu fahren." .•
Die Kranke blickte von ihrem Rollstuhl wohlgc- ällig auf ihr schönes Kind. Olga trug ein schlichtes, weißseidenes Kleid, das ihre königliche Gestalt tadel-, los umschloß. Ein einziger Ring funkelte an ihrer Hand, es war ber Reif, den Michael ihr als Bräutigam an den Finger gesteckt; ein kostbarer Brillant zierte ihn. Kein anderes Schmuckstück wurde von Olga Romanowna getragen. Sie liebte es nicht, sich in der überladenen Weise vieler russischer Damen damit zu behängen. Heute färbte ein zartes Rot die gewöhnlich blassen Wangen; dadurch wurde xhre! Schönheit noch erhöht. ' 's
„Wie schön sie ist", sagte ÄuM DefÄc'ü bewundernd.
Olga hörte es und lachte. ... __ ____
„Tantchen, für Sie bin ich e§", saKe sie" leichthin,! obgleich ihr das Lob nicht unlieb war. Ja, sie'wollte chön sein! Sie sehnte sich danach, es in jenen trau- sigen Männcraugen zu lesen, deren Blick sie in Be-; angenheit versetzte; Soltjakosf sollte sie heute zum' ersten Male in Gesellschaft sehen und -- bewundern,' denn auch bie chelste Frau ist nicht jpjbne wMliche; Eitelfeit, 7 '