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Fuldaer Zeitung

। Erschein« «gisch mit Ausnahme der Sonn- und Zelerkage. vierte!- i jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda lsowle auswärts 1.50 Mark. •••• Botationsörudt und Verlag der ^8 s Sulboer ficfienbrudterei In Zulba. Semfpredjer Nr. 9. 5 s

s ~ wochen-veilage: ’s s 7 's s monats-BeitageF s s Ittuftrlerte Sonntagszeitung Fuldaer Seschichtslrlätter s Zieljungsliften der preußisch-süddeutsch« Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, n

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Crftes Blatt.

Mittwoch den 30» April 1913

40. Zahrgang.

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Nr. 99

/ W* Wegen d»S Feiertags Christi Him­melfahrt wird die nächste Nummer der ,5ul« daer Zeitung' erst am Freitag ausgegeben.

Preußischer Landtag

Herrenhaus.

Sitzung vom 29. April 1918.

Las Herrenhaus setzte die Etatsberatung beim Kultu»etat fort Be|anderes Interesse beanspruchte hierbei der Antrag bei ©raten Rantzau, der in seinem ersten Absatz ernste Erwägungen verlangt, wie man die Heranwachsende Jugend in strafferer Zucht halten könne, und der in seinem zwetten Absatz die Ver« tängerung der Schulpflicht vom 1*. bis zum 16. Jahre fordert. Der Antrag rief eine längere Debatte hervor. — Der Kultusminister verhielt sich ihm gegen­über bei aller Würdigung der Tendenz ablehnend. Gegen die Verlängerung der Schulpflicht bis zum 16. Jahre sprächen doch schwere Bedenken. Die 421 Mil. jionen jährlicher Schulunterhallungskosten für Preußen würden dann um ein Viertel vermehrt werden müssen. So wurde denn auch von dem Antrag Rantzau nur der erste Absatz angenommen. — Dann wandte man sich dem Kapitel Universitäten zu, wobei namentlich die Ueberfüllung der akademischen Berufe erörtert wurde. Recht lange unterhielt man sich auch über den Ausbau der Universität Münster zu einer Volluniversität. ES war ein beständiges Feilschen und Handeln zwischen dem Herrn Minister und einer Reihe von Mitgliedern bei HauseS. Der Ausbau kostet nämlich recht viel Geld und da möch en alle beteiligten Kreise so billig wie möglich wegkommen. Die Stadt Münster hat sich zur Zahlung von 500000 Mark bereit erklärt. Mit diesem Zuschuß ist die Regierung einverstanden. Dagegen mcht mit demjenigen der Provinz Westfalen, die nämlich nur 250000 Mark beisteuern will. Der Herr Minister er­mahnte die Herren au8 Westfalen, die Gelegenheit beim Schopfe zu nehmen, denn sie werde sobald mcht wieder kommen. Die Provinz Westfalen möge ihr Portemonnaie etwas weiter aufiun, Dann werde sich Die mittlere Linie schon finden lassen. Darauf kam mqp zum Etat Des Ministeriums des Innern. Hier brachten einige Herren Wünsche Der BoDenresormer vor, während Der Berliner Oberbürgermeister Wermuth Die Regierung um halDige Vorlegung eines Jrrengesetzentwurss ersuchte.

Mittwoch Weiterberatung.

Abgeordneteuhauk.

Sitzung vom 29. April 1918.

Zunächst tritt das HauS in die von der Tagesord- ittfitg abgelebte erste Beratung Des Gesetzenlwurss betr. die Umlegung von Grundstücken m Der Landgemeinde Griesheim a. M. ein.

Unterstaatssekretär Frhr. CoelS van der Brüggen: ©rieshetm ist nur pro forma eine Landgemeinde und in Wirklichkeit eine StaDtgemeinDe mit blühender Industrie. Leider sind die einzelnen Bauparzellen so unregelmäßig, daß sie zur Bebauung ungeeignet sind und eine Um­legung nölig ift.

Rach unwesentlicher Debatte wird Der Gcsctz?"livurs in erster unD Dann in zweiter Lesung ang?mmii:i:i. — Hieraus wird Die Dritte Beratung des

EisenbohnanleihegesetzeS fortgesetzt.

Präsident Graf Schwerin: Vorläufig sind zu dieser Besprechung 94 Redner gemeldet. (Heiterkeit.- Wenn jeder Redner 10 Minuten sprechen würde, so daueridas gerade 16 Stunden. Ich schlage deswegen vor, die Redezeit auf 10 Minuten zu begrenzen. (Lebhafte, hei­tere Zustimmung s

U. a. empfiehlt

Abg. Dr. o. Campe (natl.) bessere Verbindungen für Hildesheim.

Alg. Dr. Flesch (Vp.) befürwortet Den Bau der L aunus-Ouerbahn.

Abg CahenSly (Z.) bittet um bessere Verbindungen für den Westerwald, so um eine Vollbahn von Frankfurt über den Westerwald nach Köln und befür­wortet die Fortführung der Westerwald-Quer­bahn von Montabaur nach der Lahn.

Meines Fenitteton.

— Rhabarbergerichte. Erst seit einigen zehn bis fünfzehn Jahren wird in Deutschland der Rhabarber nicht mehr nur als üppige Gruppenpflanze angebaut, sondern auch als Gemüse, obwohl sein vielseitiger Wert in England, Amerika und Frankreich schon längst bekannt war. Jetzt bringt man bei uns auch den Rhabarber schon zeitig zu Markte und bekommt ihn als Kompott selbst in den Restaurants, ein Be­weis dafür, daß Rhabarbergerichte auch der deutschen Zunge vortrefflich munden, und daß diese so einfach und billig zu kultivierende Pflanze unseren Haus­frauen um so willkommener ist, als ihre Ernte in die noch gemüsearme Jahreszeit fällt und höchstens mit Spinat und Blattsalat konkurriert. Dabei soll man gerade im Frühjahr möglichst viel „Grünes" essen! So hat sich der Rhabarber für den Küchenbedarf im­mer mehr eingeführt, nur sollte man ihn recht ver­schiedenartig verwenden, denn er ist in der Tat ebenso nutzbar zu "Suppen, wie zu Kompott und .Gelees, zu Puddings, zum Füllen von Backwerk, als Gemüse usw. Der Rhabarbergeschmack gleicht dem von Sta­chelbeeren. Da bezügliche Rezepte noch wenig be­kannt sind, mögen einige folgen. Rhabarbersuppe: In 1 Liter Wasser kocht man zirka 100 Gramm abge­schälte Rhabarberblattstengel, treibt die Masse dann durch ein Sieb, gibt etwas Zitronenschale, ein Glas Weißwein und Zucker nach Geschmack hinzu und steift mit 1 Löffel Kartoffelmehl. Diese Suppe kann auch kalt als Getränk genossen werden, es wirkt sehr er­frischend und ist überaus gesundheitsstärkend, wie alle Rhabarbergerichte und auch der Rhabarberwein. Rha­barberkompott ist am bekanntesten. Es wird fast ebenso wie die Suppe hergestellt, nur zerschneidet man die Stengel in kleine Stücke und läßt das Wasser fort. Ein Durchsieben braucht nicht stattzufinden, da das Kompott in Stücken schöner aussieht als in Muß form. Auch ein Abschälen ist durchaus nicht nötig, die Schalen kochen vollständig weich und beeinträchti- pen den Geschmack keineswegs, hingegen wird dieser

verbessert durch Mitkochen von Avkelkinenschalen

Abg. Dr. Schroeber (natl.) befürwortet Den Bau Der Oberwesertalbahn, ferner den Bau einer Bahn Wolfhagen-Fritzlar und Die Durchfüh. rung der Kleinbahn Naumburg-Netze in Waldeck. Schließlich wünschte Redner di« Verbesserung der Ver­bindung von Kassel nach München und Berlin.

Abg. v. Heimburg (kons.) betont die Notwendigkeit der Durchführung einer Eisenbahnverbindung von Wetzlar nach Norden durch den Kreis Biedenkopf.

Abg. Riehl (Zentr.): Der neue Fahrplan bringt für meinen Wahlkreis, besonders für die Kreishaupt­stadt Fulda einige Verbesserungen, was ich dankbar anerkenne. Leider sieht er aber auch eine Verschlech­terung vor, indem der D-Zug 1 vom 1. Mai ab in Fulda nicht mehr hält. Hierdurch ist die Verbindung mit dem Norden und Osten erheblich beeinträchtigt. Ich richte an die Königliche Staatseisenbahnverwaltung die drin­gende Bitte, das Halten dieses ZngeS wieder anordnen zu wollen und den Spruch recht sehr zu beherzigen, daß Die linke Hand nicht wieder nehmen soll, was die rechte gegeben, daß die linke nicht wissen soll, waS die rechte tut. Der Grund für das Nichtmehrhalten deS Zuges ist in Dem beinahe zu einem System gewor­denen Verfahren der Staaseisenbahnverwaltung zu suchen, das darauf hinausläuft, die mittleren und kleineren Städte immer mehr vom Fernver­kehr auszuschließen. Das bedeutet eine schwere wirtschaftliche Schädigung dieser Sädte, und es ist deshalb wirklich ^he Zeit, daß Die Staatseisen. bahnverwaltung von diesem Verfahren endlich abgeht. Infolge dieses Verfahrens besteht in meinem Wahlkreise allgemein die Befürchtung, es würden nach Fertigste!, lung deS Distelrasentunnels und Der Verbindungsbahn bei Bebra noch mehr Züge als bis jetzt die Station Fulda, ohn. anzuhalten, passieren. Ich bitte die König!. Staatseisenbahnverwaltung, jetzt schon ihr Augenmerk darauf zu richten, daß diese Befürchtung sich nicht ver- wirklicht, ferner aber auch darauf Bedacht zu nehmen, datz nach Fertigstellung des erwähnten Tunnels die nach dem Süden geheirden Züge in Fulda zusammengestellt werden, weil diese Stadt ihrer Größe und als Mittel­punkt mehrerer Bahnlinien allein in Frage kommen kann. Einen schon mehrfach gerügten und schwer emp­fundenen Uebelstand muß ich auch diesmal wieder zur Sprache bringen und zwar den, datz es immer noch nicht möglich ist, Hanau, den Sitz des Landgerichts, und Frankfurt a. M„ nach dem ein erheblicher geschäft- kicher" Verkehr besteht, anders als mit einem D-Zuge zu erreichen, wodurch die Fahrt erheblich verteuert wird. Dem Uebelstand läßt sich leicht abhelfen, indem man den um 7.32 morgens von Elm abgehenden Eilzug it Fulda ab bereis laufen lätzt. Ich ersuche dringend, > sen durchaus berechtigten Wunsch endlich zu erfüllen. Ein weiterer schwerer Uebelstand besteht immer noch ungeschwächt fort, der darin zu finden ist, datz eine di­rekte Verbindung mit der Provinzialhauptstadt Kassel hier noch nicht existiert. DaS dürfte Daran liegen, daß zwei Direktionsbezirke in Frage kommen, und daß die maßgebenden Stellen Die Grenzen Der beiden Bezirke als eine chinesische Mauer anzusehen scheinen. Die Bewohner Der Gemeinde Neuhof wünschen, daß einer der Frühzüge so gelegt wird, daß die Kinder, die Die höheren Schulen in Fulda besuchen, ihn benutzen können, und nicht in Fulda wohnen müssen. Ich bitte, diesem Wunsche Rechnung zu tragen. Ich habe schon mehrfach den Wunsch der Kreise Fulda und Gersfeld hier vor­getragen, es möge eine Bahn von Fulda über Dipperz nach Popp enhausen gebaut werden, damit endlich der östliche Teil der Kreises Fulda und Der westliche Teil des Kreises Gersfeld erschlossen wer- en. Die durchschlagenden Gründe für den Bau dieser Bahn habe ich schon mehrmals erschöpfend hier vorge­tragen und verweise auf sie, um eine Wiederholung zu vermeiden. Sie sind der Staatseisenbahnverwaltung bekannt, um so mehr, als sie ihr erst jüngst durch eine Deputation in überzeugender Weise vorgetragen worden sind. Ich will nur hervorheben, datz der Bau Schwie- rigfeiier. in keiner Weise bietet, der Grunderwerb ge­sichert und die Rentabilität nachgewiesen ist. Alle matz- gebenden Faktoren sprechen sich für den Bahnbau aus, nur fehlt noch die Zentralinstanz mit ihrem Entschlutz, die Bahn zu bauen. Ich bitte dringend um recht bal­dige Fassung des Beschlusses und um Anordnung der Vorarbeiten. Zum Schlüsse noch den Wunsch zweier Gemeinden meines Wahlkreises. Die Gemeinde Bronn­zell wünscht, daß ein Zugpaar der Linie Frankfurt­

oder von unreifen Stachelbeeren. Rhabarberpudding läßt sich in vielerlei Art anfertigen. Recht wohl­schmeckend ist ein Pudding nach folgendem Rezept: Aus Rhabarberstücken, Zucker, Zitronensaft und eini­gen geriebenen Mandeln kocht man einen Brei, wobei man fortwährend umrühren muß, fügt in wenig heißem Wasser gelöste Gelatine hinzu und füllt die Masse in Formen, die nach dem Erkalten gestürzt und mit Schlagsahne übergossen werden. Zu Rha­barbergemüse verwendet man nur die Blätter, also nicht die Stengel, und bereitet sie genau so zu wie Spinat. Bratkartoffeln und Pökelfleisch schmeckt sehr gut zu diesem Gemüse. Scherbet aus Rhabarber ist ein vorzügliches, erfrischendes Getränk für den Som­mer. Man kocht je 100 Gramm Rhabarberkompott, dieses aber ohne Mehlzusatz, mit % Liter Wasser noch einmal auf, fügt Zucker und Apfelsinensaft hinzu, seiht durch, läßt erkalten und füllt das Getränk nun auf Flaschen. hf

— Di- Philosophie der Diät. Seit langem bereits versichern uns Die Aerzte, Daß wir unseren Appetit zu chronischer Ueberireibung erzogen haben: wir offen zu viel, wir essen viel zu viel und würben uns viel Wohler befinden, wenn wir Den Umfang unserer Nah­rung etwas strenger begrenzen wollten. Viele Leiden und Gebrechlichkeiten führt man auf diese ständige Ueberernährung zurück. Jetzt veröffentlicht Der eng- lische Arzt Dr. Chalmers Watson ein Buch, das Den Titel führt „Das Buch Der Diät" und in Dem er Die Un. Zweckmäßigkeit unserer jetzigen Art Der Ernährung Dar» zulegen sucht. Aber Der britische Jünger Des Aeskulap unterscheidet sich von vielen seiner strengen Kollegen da­durch, datz er ein fühlendes Herz für menschliche Schwä- chen bat, ja heimlich zwischen Den Zeilen scheint er sogar mit Den Besitzern eines gefunDen unD kräftigen appetiie8 zu sympathisieren. Ochfenfleisch, so versichert Dr. Watson, ist am besten, wenn Der Ochse nicht mehr unD nicht weniger als 2 Jahre alt war. Interessant aber ist Die Behauptung Des Mediziners, nach Der Kalbfleisch nicht nur weniger Nährwert hat, sondern auch schwerer verdaulich ist. Bislang neigte man allge. mein dazu, das Kalbfleisch als leichtverdaulich anzu- sehen. Dagegen hat Der Hammel große Vorzüge, sein

Bebra in Bronnzell hält, weil Die Züge Der Rhönbahn für Den Besuch von Fulda ungünstig liegen, und auch nicht gut anders gelegt werden können. Die Gemeinde Kerzell hat auf ihrer Haltestelle nur Stückgutver­kehr, sie wünscht mit den umliegenden Gemeinden Wag- gonverkehr und würde gern einen Beitrag zu den Ein- richtungskosten zahlen. Die Gründe, Die für diesen Wunsch sprechen, habe ich wiederholt ausführlich da» gelegt. Ich verweise darauf. Die Gelegenheit, ein Ladegleise zu bauen, ist jetzt günstig, weil zwei Heber« holungsgleii - gebaut werden und ein vollständiger Um. bau des Bahnhofs stattfindet. Ich bitte dringend, dem Wunsche der beiden Gemeinden Rechnung zu tragen.

Abg. Dr. v. Savignh (Z.) wünscht um Entgegen, kommen auf der neuen Strecke Bühren-Dalheim-Bochen und hofft, daß die angeorbneten Ermittlungen für eine neue Staatsbahnlinie von Paderborn durch die Doh- renschlucht über Detmold-Vlotho nach Minden zu einem baldigen günstigen Ergebnis führen. Er wiederholt seinen vorjährigen Wunsch um eine Stadtbahnverbin» Dung von Gelnhaus en nach Dem benachbarten Bayern mit Dem Ziele Aschaffenburg unter Uebemahme Der teilweise vorhandenen kleinen Bahnen und Ausbau Der Linie Hanau-Büdingen.

Abg. Heir: (natl.) wünscht die neue Linie von Mün­den bis Bodenfelde im oberen Wesertal, sowie von Holz­minden nach Hameln, sowie ferner, daß die Mittags- schnellzüge nach Berlin in Münden halten.

Abg. Wendlandt (natl.) befürwortet Den Bau einer Werrabrücke bei Eschwege und den Ausbau DeS Bahnhöfe? in Schmalkalden.

Abg. Drinnenberg (Z.) befürwortet den Bau der Bahnen FulDa-Drpperz-Poppenhausen, Hünfeld-Morles bezw. Eckweisbach und GerSfeld-Bischofsheim.

Mittwoch: Weiterberatung.

Abg. Dr. Porsch, der verdienstvolle. Führer der preußischen Zentrums, sraktion, vollendet heute sein 60. Lebensjahr. Ver­flossenen Mittwoch hatten sich bereits die Zentrums­fraktionen des Reichs- und des preußischen Landtages im Festsaale des Abgeordnetenhauses vereinigt zu einer Festfeier für den Jubilar, -er bis auf den heu­tigen xag sich jugendliche Arbeitskraft zu bewahren wußte.

Die Wiege von Felix Porsch stand in R a t i b o r. 1879 hatte er sich als Rechtsanwalt zu Breslau niedcrgclasien. 1881 bis 1893 war Porsch Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis Reichenbach» Neurode. 1884 wurde Dr. Porsch ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er auch seine meiste Zeit und den größten Teil seiner fruchtbaren Schaf­fenskraft widmete. Hinweise auf die hastigen Schut- kämpfe und auf den Streit um wirtschaftspolitische, um Steuer- und Verwaltungs-Gesetze, genügen schon, um zu zeigen, worin Pirsch seine Lebensaufgabe sah, wie er ihrer Erfüllung gerecht wurde und was er als energischer, zielbewußter Führer der preußischen Zentrumsfraktion an hervorragender Arbeit geleistet hat. 1904 wurde Porsch zum ersten Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses gewählt und ge­nießt Ansehen und eine selten große Verehrung bei den Mitgliedern der anderen Fraktionen. Wenn auch Porsch in den letzten Jahren selten das Wort ergriff, so wußte er doch noch immer seinen Mann zu stellen, wenn große kulturelle und Weltanschau- ungssragen behandelt wurden oder zu behandeln waren. ‘ Nach dem Tode Windthorsts hatte Porsch beim Kampf um den Zedlitz'schen Schulgesetzentwurf die Führung seiner Fraktion in der Hand. Und 1906 war Dr. Porsch beim Kampf um das preußische Schulunterhaltungsgesetz wieder in der vordersten Reihe zu finden. Schon 1892 war Porsch als Füh­rer der Fraktion für die Freiheit des Religionsunter­richtes der Dissidentenkinder kräftig eingetreten.

Als Vorsitzender des preußischen Landesausschus­ses leitet Porsch die Geschicke der preußischen Zen­trumspartei; ebenso eifrig betätigt er sich im Zen-

Fleisch wird vom menschlichen Organismus mühelos absorbiert; vom Lamme, das mehr Fett enthält, läßt sich das nicht behaupten. Den VerDauungsorganen er- weist man Die zarteste Rücksicht, wenn man sich mit Zungen, Nieren und Dergleichen ernährt. Auch junge wohlgenährte Hühner und wirklich junge Hasen sind zu empfehlen. Die Auster ist wertlos. Die Leute, Die Da fioffen, Den Nährwert eines leichten Fleischgerichtes Durch ein DutzenD Austern zu ersetzen, muffen Damit rechnen. Daß sie eigentlich nichts gegeffen haben. Denn Die Austern enthalten unter 100 Teilen 88 Teile Wasser. Der Mensch ist zu viel Quantität: Dafür trinkt er aber auch zu wenig. 2 Liter Flüssigkeit sollten Das tägliche Pensum sein, DaS Dem Organismus gegönnt wird. Ge­wiß enthält Die feste Nahrung bis zu einem gewissen Teile Wasser; aber das genügt nicht, willst Du gesund und jung bleiben, so trinke täglich wenigstens einen Liter reines gewöhnliches Wasser. Weise stuft Dr. Watson die Enthaltsamkeit der verschiedenen Lebens- alter ab. In der Jugend sei man enthaltsam, im reifen ManneSalter enthaltsamer als in Der Jugend und im Alter am enthaltsamsten. Das klingt sehr streng, aber in Wirklichkeit ift es gar nicht so schlimm. Denn für einen 60jährigen Herrn stellt der englische Mediziner folgenden täglichen „Speiseplan" auf: 6 Uhr morgens eine Tafle Tee. %9 Uhr Tee oder Kaffee. Brot, Eier oder Fische. Um %2 Uhr Fische, Pudding, Biskuit oder Käse. Das Geflügel verschiebe man besser zur Abend­mahlzeit. Um 4 Uhr Tee. Um 7 Uhr etwas Gemüse- oder Fischsuppe. Geflügel oder Wild, nur ausnahms­weise rohes Fleisch, Gemüse, Pudding oder leichtes Deflert, Obstkompotr. Um 10 Uhr eine Tafle Bouillon mit Ei oder Geflügel und eine Scheibe gerösteten Bro­tes. DaS wären am Tage 6 Mahlzeiten, in deren Ver. laufe man genügend Gelegenheit hat, sich gegen Den Hungertod zu schützen. Selbst ein jüngerer Mann mit gesundem Appetit wird gegen diese Philosophie der Diät nichts eintoenben und zugeben: bei dieser Enthaltsam- leit lätz: sich? ganz gut leben.

— Die Rache des Versicherungsmannes. Ein Fabrikant, der in einem gemütlich stillen Städtchen des Sauerlandes nervenruhig und seelenfroh sein zwischen Berufspflicht und Neigung dabingleitendes

tralausschuß für die Vorbereitung der Generalvev sammlungen der Katholiken Deutschlands. Wo iinmei katholisches Wesen und katholisches Leben sich ent­faltet, ist Porschs Mitarbeit und Beistand zu fühlen.

Das befriedigende Bewußtsein treuester Pflicht­erfüllung und segensreichen Strebens nach Verwirk- lichung hoher Ideale, sowie die Achtung und Dank­barkeit so vieler Tausender mögen dem an der Schwelle des Alters Stehenden einen zufriedenen Rückblick auf die verfloflenen Jahre gewähren und ebenso einen ruhigen Ausblick auf noch viele komr mende Jahre.

Die Weh» Vorlage

in der Momuü Jüan«

cv Berlin, 29. April 1913.

In Der heutigen allgemeinen Besprechung über Die Wehr Vorlage erklärte Der Staatssekretär ferner auf Anfragen, Die Neutralität Belgiens sei Durch internationale Abmachungen festgestellt und Deutschland sei entschlossen, an Diesen Abmachungen fest, zuhalten. Im übrigen könne er nur wiederholen, Deutschland wolle b en Frieden und sei stets bereit, mit Frankreich friedlich auszukom- men. Auch Oesterreich habe bewiesen, daß es durch­aus friedlich gesinnt sei.

Auf weitere Ausführungen erwiderte der KriegS- minifter: Belgien spielt bei Der Begründung der Wehrvorlage keine Rolle. Auf eine Anfrage über Die Botschafterkonferenz in London erklärte Staatssekretär v. Jagow, Die Meldung des Botschafters in London liege noch nicht vor.

Hierauf fchlug der Vorsitzende vor, nunmehr in die materielle Beratung einzutreten, und zwar zu­nächst Die Etatserhöhungen und bann Die Truppenfor» mationen, und endlich DaS Gesetz selbst zu beraten. Der KriegSmini st er erklärte, das Streben Der Heeres­verwaltung sei Dahingegangen, Die Etatsstärken an un­seren Grenzen Den Kriegsstärken zu nähern, aber die Einschränkung sei durch die gesicherte Ausbildung ge­geben. Ein sozialdemokraischer Redner betonte nochmals, daß die äußere Wehrhaftigkeit auf dem eingeschlagener Wege nicht zu erreichen sei.

Im weiteren Verlaufe erklärte der Staatssekretär, seinen klaren Worten über unser Verhältnis zu Belgien habe er nichts hinzuzufügen. Ein eventueller Kon - flikt Oesterreichs mit Montenegro gehe Deutschland zunächst direkt nichts an und habe mit der Wehrvorlage nichts zu tun. lieber ©tu« tari habe er keine neuen Nachrichten.

Von sozialdemokratischer Seite wurde die weitere Frage gestellt, ob mit Italien und Oesterreich Verhandlungen im Gange seien, daß auch diese beiden Länder Dem Vorgehen Deutschlands entsprechend in glei­cher Weise Rüstungsverstärkungen vornehmen. Deutsch­land trage im Verhältnis erheblich größere Opfer. Als vom Regierungstische keine Antwort erfolgte, wurde in Der Sitzung die dreizehnte sozialdemokratische Rede ge­halten. Abg. Ledebour glaubte dabei feststellen zu ton­nen, daß der Leiter des deutschen Auswärtigen Amts nichts wisse und eine unglaubliche Unfähigkeit an den Tag lege.

Nach der Pause erklärte auf Anfrage Generalleut, nant Wandel, daß bei Der Aushebung ein gleich­mäßiger Maßstab angelegt werde und von einer starken Heranziehung Der ländlichen B e° völkerung nicht die Rede sein könne. Nach den Ergeb­nissen in der Musterung sei kein Zweifel, daß die Zahl Der Tauglichen völlig ausreiche. Auch Ge. neraloberarzt Schulzen erklärte auf Grund des ärzt­lichen Materials, daß kein Grund vorhanden sei, daß die Tauglichkeit zurückgehe, vielmehr sei ein erhebliches Steigen bemerkbar. Die Tatsache der Steigerung Der Herzkrankheiten habe Den wissenschaftlichen Senat be­schäftigt, es seien befonbere Vorschriften über die Be­urteilung solcher Fälle erlassen.

Von sozialdemokratischer Seite traten mehrere Red­ner in längeren Darlegungen Den Regierungskommis­saren entgegen. Sie verwiesen u. a. auf den Gebur­tenrückgang. Auch könne man damit rechnen, daß Die zunehmenDe Jndustriealisierung Deutschlands die Militärtauglichkeit beeinträchtige.

I IIII I I!»I!

Dasein lebte, ist durch die Rache eines Versicherungs- mannes an d:n Rand der Verzweiflung gebracht worden. Die Geschichte begann damit, daß er eines Tages seine Geneigtheit zu erkennen gab, sein Leben versichern zu lassen. Tie großen Gesellschaften, deren satzungsgemäßer Zweck es ist, Kukunftz bedenkenden Vatern und Gatten gegen entsprechende Prämien­zahlung die drückende Sorge um die Zukunft ihrer trauernden Hinterbliebenen von der Seele zu wäl­zen, haben bekanntlich außer ihren planmäßig das Feld abstreisenden Berussaaenten an allen Orten und in allen Gesellschaftsschichten ein großes Heer sogenannter stiller Vermittler, in deren feingespon­nenen Fäden sich mit wenigen Ausnahmen alle die­jenigen verstricken, die den gröberen Maschen der von den Berufsagenten geflochtenen Netze entschlüpfen. Unser Fabrikant wurde Fanggut eines im Ruhrge- biet ansässigen stillen Vermittlers, der mit dem eisen­reckenden Märker hin und wieder geschäftlich zu tun hatte. Man einigte sich mündlich auf eine Versiche­rungssumme von 20 000 Mark, und der Vermittler bekam den Auftrag, baldmöglichst die erforderlichen Vordrucke einzusenden. Das tat er auch. Inzwi­schen mußten dem Fabrikanten aber wohl Zweifel an der Zweckmäßigkeit des Abschlusses aufgestiegen sein; denn als der Brief mit den Papieren eintraf, ließ er ihn uneröffnet an den Absender zurückgehen. Offenbar kannte er noch nicht die Zähigkeit und ge­schäftliche Ausdauer der Versicherungsleute, die mit dem Teufel das eine gemeinsam haben, daß sie die einmal ergatterte Seele nicht wieder aus den Hän- den lasien. Der Vermittler besah kopfschüttelnd den zurückgckommenen Brief. Hm, natürlich nur ein Irr­tum, irgend eine Dienstbotendummheit ober so etwas Aehnliches. Er packte ihn, mit einem höflichen gleitschreiben und neuer Adresse versehen, wieder ein und gab ihn zum zweiten Male zur Post. Mit dem- selben Erfolge. Zwei Tage später war der Brief wieder Da N „Annahme verweigert!" Da soll denn doch gleich ---. Jetzt setzte sich der Bersicherungs-

mann selbst in den Zug, belagerte einen halben Tag die lauschig gelegene Villa des angeblich in Geschäf­ten verreisten Fabrikanten und batte das Glück, ihn