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MM»«ch 30. April >013.

- Fuldaer Leitung. «•

L. Blatt.

Mt Juldaer Betienbntderei in fixlbe.

anwälie übernommen.

Reklamen- «nd Anzeigenteil.

em junger krank war Der Prie- Kathedralc gerichtliche

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Georg A.Jasmatzi Akhöes.Dresden Größte deutscheCigarpi^enfabrik,

und eben einen Ohnmachtsanfall hatte, ster war Domherr an einer bekannten und' wartete seit zwei Jahren auf das

Am Dienstag wurde die Vernehmung des Ange- klagten Ohm fortgesetzt. Auf die Frage des Vorsitzen, den erklärte der Angeklagte, sein Gehalt habe 50 000 Mark betragen; dazu kämen noch Tantiemen in Höhe von 100 000 Mark, so daß er ein Gesamteinkommen von 150 000 Mark gehabt habe. Ersparnisse habe er nicht machen können. Bei der Bank sei er mit 50 000 Mark beteiligt gewesen, so daß er also, wie der Vorsitzende feststellt, beim Zusammenbruch der Bank ein verhältnismäßig geringes Kapital verloren hat. Beim Vernehmen der übrigen Angeklagten gab Bankdirektor Laue aus Koburg an, er habe unbe­dingtes Vertrauen zu Ohm gehabt und die Leitung der Bank mit ihm nach bestem Gewissen geführt. Justizrat Huchzerm ei er erklärte, es sei absolut unwahr, wenn Ohm behaupte, daß er, Huchzermeier, von allem gewußt habe. In eine Prüfung der Bi­lanzen sei er nicht eingetreten, weil er der Meinung gewesen wäre, daß es genüge, wenn der Aufsichtsrat hierfür eine Persönlichkeit bestimmt, die absolutes Vertrauen genieße. Angeklagter Maiweg - Dort­mund erklärte, über den Gang der kaufmännischen Geshäfte hätte er nicht orientiert sein können, weil seine Vorbildung als Architekt eine rein technische sei. Dem Angeklagten Ohm habe er in jeder Beziehung volles Vertrauen geschenkt. Angeklagter Justizrat Im Walde betonte, sein Vertrauen sei so absolut gewesen, daß er noch unmittelbar vor dem Zusam­menbruch für 75000 Mark Aktien kaufte. Angeklag­ter P ü t t m a n n-Münster gab an, um Einzelheiten habe er sich nicht gekümmert, da er unbedingtes Ver­trauen zu Ohm, Hartwig und Huchzermeier gehabt habe. Der Angeklagte Bücherrevisor Hartwig gab an, zu Ohm habe er das blindeste Vertrauen ge­habt. Seine Einkünfte aus den Gründungen der Niederdeutschen Bank mögen 250 000 bis 300 000 Mark gewesen sein. — Die Weiterverhandlung wurde hierauf auf Freitag vertagt.

deutschen Bank geglaubt. I menbruch kleiner Existenzen, aber ein Verschulde« könne er hieran nicht anerkennen.

-- 31 Proz.

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Alle anderen Märchen werden je nur einmal genannt. Die Frage, wer das Märchen erzählte, erhält folgende

t* Das Märchen in der heutigen Kinderwelt.

Im Hinblick auf die mannigfache Beurteilung, rie Märchenlektüre bei Eltern und Berufserzieher findet, ist von Interesse eine Ausnahme der Arbeits­gemeinschaft für experimentelle Pädagogik der kath. pädagogische» Vereine Münchens über da? Verhältnis von Kind und Märchen. An 58 10-14 jährige Be­sucherinnen eine- HorteS, die in der Hauptsache ein­fachsten Verhältnissen entstammen und an 118 10 bis 16 jährige Schülerinnen einer höheren Mädchenschule wurden folgende Fragen zur schriftlichen Beantwortung gerichtet:

1. WaS für Märchen sind dir erzählt worden? Von wem?

2. Was für Märchen hast du gelesen, in was für einem Buck? Woher war das?

3. Hast du Märchen gerne, oder magst du sie nicht?

4. War für ein Märchen magst du am liebsten? Warum?

6. Hast du einmal eme Märchengestalt nachahmen wollen? Wie?

Die Umwelt, in der die Kinder der ersten Gruppe leben, ist ersichtlich aus dem Stand der Ellern. Bei 21 war der Vater .Arbeiter", bei 10 Tagelöhner, bei den übrigen kleiner Hanvwerksmann, Kutscher, Wegmacher usw.

Tas Ergebnis war nun folgendes:

hörte zu einer Menge von Verdächtigen, die alle eben unschuldig waren. Ein anderer Priester stand mit einigen Mitgefangenen in einem dunklen Gange vor einer Zelle, welche am hellen Tage für ihre Beleuch- tung auf eine kleine Oellampe angewiesen war. Im Innern derselben lag auf einer Matratze ““ '------

Edelmann vom alten Regime, der sehr

Handel und Industrie.

'I Berlin, 29. April 1913. Die Börse , ts infolge der Fortdauer der politischen Unsicheryeit eine schwache Tendenz. Von deutschen Anlechen, deren seit mehreren Tagen andauernder Rückgang eine besonders unerfreuliche Erscheinung ist, notier­ten 0,10 Proz. niedriger, nur 3l4prozentige Reichs­anleche ermäßigte sich um 0,20 Prozent. Die Privat­diskont erhöhte sich auf vierfünfachtel Prozent.

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* Priesterliche Gefangene in Portugal.

Tas Folgende ist die Uebersetzung eines portugie­sischen Stimmungsbildes der Catholic Times:

Ich schreibe diesen Brief in Lissabon inmitten heidnischer Festlichkeiten, mit welchen man den Ostersonntag feiert. Nur in wenigen Kirchen ver­sammeln sich die Gläubigen, die noch Mut genug be­sitzen, sich den Gefahren auszusetzen, die ihnen sei­tens des antireligiösen Geistes der Regierung bestän­dig drohen. Wenn ich meinen Brief der hiesigen Post zur Beförderung Übergabe, würde er wahrscheinlich nie seine Bestimmung erreichen; denn die Aufsicht über versandte Briefe und Zeitungen wird hier in rücksichtslosester Weise betrieben. Wir sind genötigt, auf den Straßen im Flüstertöne zu sprechen, damit wir nicht von vorbeigehenden Anarchisten gehört wer­den, ebenso in unseren eigenen Häusern aus Furcht vor den von Earbonarios bestochenen Dienstboten.

Ich schreibe Ihnen, damit Sie Ihr Bestes tun, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das schreckliche Los zu ziehen, das so viele Priester unter dieser bru­talen Republik getroffen hat. Ich will Ihnen nicht von den vielen angesehenen und gebildeten Männern sprechen, die hier monatelang, mitunter sogar jahrelang im Gefängnis liegen ohne Verhör, ohne Hoffnung auf Befreiung, ja selbst ohne die geringste Ahnung von der Anklage, die gegen sie erhoben worden ist. Nur von den Priestern will ich Ihnen erzählen, die meine eigenen Augen in einer Umgebung gesehen haben, wo ihnen die notwendigsten Lebensbedürfnisse versagt sind, wo kein Zeichen von Religion erlaubt und ihnen jede Aussicht auf ein gerichtliches Ver­fahren in unabsehbare Ferne gerückt ist. Ich er­innere mich besonders eines ehrwürdigen Mannes, der von Hunger und Not abgezehrt war. Haupt- und Barthaar des Unglücklichen hatten offenbar schon lange jeglicher Pflege entbehrt, feine fadenscheinigen Kleider waren wilweise zerfetzt, aber aus seinen Zü­gen leuchtete etwas, das den gesalbten Märtyrer ver­riet. Er wußte nicht, weshalb er dort war; er ge-

schmerzlich berührt, ist die Tatsache, daß di- evange- lrsche Schicht unseres Volkes an dem Rückgang stärker beteiligt ist, als d ie katholische. Wenn 3’r°ie& f° wettergeht, würde im Jahre 1926 die Bahl der katholischen Schulkinder in Deutschland jener der evangelischen gleich sein, während jetzt 3V» Mill, evangelischer Schulkinder den 2 Millionen katholischer gegenuberstehen. Der Grund für diese Abwärtsbewegung des deutschen Volkes liegt nur in der absichtlichen Be­schränkung der Kinderzahl. Sowohl in nationaler wie in konfessioneller Hinsicht ist die Gesahr ungeheuer. Hier kann nur eine Erneuerung un'r c-j Volkes auf sittlicher und religiöser Grundlage als ;i ziges Heilmittel helfen. Nur wenn Opfermut und Um< >agung, Pflichtgefühl und Gollverlrauen wieder in unserem Volke Wurzel fassen, kann jene Gefahr abge- wandt werden.

Es wäre Sache des Evangelischen Bundes, an der „Erneuerung unseres Volkes auf sittlicher und religiöser Grundlage" mitzuarbeiten und diese Ar­beit nicht allein der Inneren Mission zu überlassen. Aber der „Kampf gegen den Ultramontanismus", in dem er seine ganze Kraft erschöpft, läßt ihm nicht Zeit dazu.

beit. Unter anderem erhielt er einen Schlag ins Ge­sicht, so daß das Blut über die Wangen floß. Am Ziele seines Leidensweges wurde ihm mitgeteilt, daß er als Verschwörer angeklagt sei, weil er vorgehabt habe, einen großen Garten zu pachten, weil er ein Begräbnis zu Fuß begleitet habe, obwohl ihm ein Wagen zur Verfügung gestanden und endlich, weil er jedermann gesagt habe, daß Priester, die Pen­sionen (vom Staate) angenommen hätten, exkom­muniziert werden würden.

Die Ursache dieser schrecklichen Zustände sind die Earbonarios, jene mächtige geheime Gesell­schaft, deren Mitglieder bei ihrer Aufnahme feierlich schwören, alle niederzumetzeln, die sich ihnen wider­setzen. Der menschliche Verstand ist unfähig, die Höhe und die Tiefe» ihrer Verworfenheit, Grausam­keiten und absoluten Immoralität zu begreifen. Sie kennen kein Mitleid mit Frauen und Kindern und der harmlose Priester und die barmherzige Schwester sind ihnen eine besonders willkommene Bente, mit der sie auf eine so barbarische Weise verfahren, wie es in den dunkelsten Zeitaktern nicht geduldet worden wäre. Tie Gesellschaft ist 32 000 Mann stark und die Zahl ihrer Spione ist Legion. Allen göttlichen und menschlichen Gesetzen zum Trotz beherrschen diese Teufel in menschlicher Gestalt die Kriegsgerichte, vor welchen alle zu erscheinen haben, die überhaupt Gegenstand eines gerichtlichen Versahrens werden. Von den Earbonarios bezahlte Zeugen stehen in der Nähe der Gerichtshöfe zu jeder Zeit zur Verfügung, um durch beschworen falsche Aussagen die Unschul­digen aus dem Wege zu räumen, deren Tod beschloß sen ist. Sollte trotz aller angewandten Mittel der Prozeß einen dem Angeklagten günstigen Verlauf nehmen, so ergeht an die Geschworenen die furcht­bare Drohung, daß der Tod ihnen ebenso wie den Gefangenen eine Stunde nach der Freisprechung ge­wiß sei. Das Urteil „Schuldig" ist bann die unver­meidliche Folge.

von Zeit zu Zeit den Gerichtsärzten. auf seinen Ge­sundheitszustand hin untersucht. Inzwischen hat sich sein Gesundheftszustand so gebessert, daß ihm vor einigen Wochen im Gerichtsgesängnis in Werl die Anklageschrift zugestellt werden konnte.

Im Saufe des Prozesses, der borgeftern 10% Uhr begann, werden auch die geschäftlichen Verhältnisse der Niederdeutschen Bank, ihrer 29 Filialen und ihrer etwa 20 sonstigen Gründungen erörtert werden. Die Verlesung der Anklageschrift nahm eine halbe Stunde in Anspruch. Bei feiner Vernehmung bestritt Direk­tor Ohm alle gegen ihn vorgebrachten Anklage­punkte. Die Gründungen der Niederdeutschen Bank

Münster nach Dortmund. Ihre erste industrielle Gründung war die Altenessener Maschinen-Bauan- stalt, der später mehrere folgten. Die Zahl der Filia­len und der Gründungen stieg von Jahr zu Jahr. Da hierzu große Geldmittel notwendig waren, suchte die Bank vor allem durch hohe Zinsen und die Er­richtung von Haussparkassen neue Geld­mittel zu bekommen. Die der Bank übergebenen De- pots wurden meistens auch sofort zu Geld gemacht. Von anderen Banken erhielt sie gegen Bürgschaft der Aufsichtsräte usw. Darlehen. Aber alle Gelder reich­ten nicht aus, den Konkurs der Bank aufzuhalten, der auch am 27. Juli 1910 eröffnet wurde. Die Auf­sichtsratsmitglieder hatten zum Teil weit über ihre Verhältnisse Bürgschaft übernommen. Der Zusam­menbruch der Niederdeutschen Bank hat s. Z. im Ruhrrevier und weit darüber hinaus ebenso großes Aufsehen erregt, wie der Konkurs der Leipziger Bank. Ohm hatte es verstanden, durch Gründung von zahl- reichen Filialen dem Geschäftsverkehr der Bank einen bedeutenden Aufschwung zu geben, dem aber die baren Mittel der Bank nicht gewachsen waren. Gerüchte, daß es mit der Bank nicht besonders gut stehe, waren schon lange im Umlauf, durch prompte Erledigung der eingegangenen Verpflichtungen wußte Ohm aber jedes Mißtrauen zu zerstreuen. Um so großer war die Panik, als der Zusammenbruch sich nicht mehr auf­halten ließ. Viele kleine Leute verloren chre Er­sparnisse, insgesamt sollen bei dem Konkurs der Bank und ihrer Tochtergesellschaften 50 Millionen Mark verloren gegangen sein. Die Hauptan­klage in dem bevorstehenden Verfahren lautet jetzt gegen Ohm und 14 Mitangeklagten auf Bilanzver­schleierung, Untreue, Betrug und Konkursvergehen. Die Verteidigung der Angeklagten haben 25 Rechts- ___"< Einige Straffälle sind im Laufe der Voruntersuchung von der Staatsanwalt­schaft fallen gelassen worden. Obwohl das erste Ver­fahren bereits drei Jahre zurückliegt, konnte die wei­tere gerichtliche Erörterung der Angelegenheit nicht in die Wege geleitet werden, da Ohm schwer erkrankte. Er wurde in ein Sanatorium überführt und von dort

seien keine Uebergtüitbungen gewesen. Die Ursache des Konkurses seien bas Verhalten ber Gruppe ber Deutschen Bank unb des Industriellen Thyssen Sen. gewesen, die systematisch auf den Untergang der Nie­derdeutschen Bank hingearbeitet hätten. Die Ber­liner Handelsgesellschaft habe die größte Torheit be­gangen, als sie nicht einsprang. Bis zum letzten Augenblick habe er an die gute Zukunft der Nieder- Er beoauere den Zusam-

vermiMes.

** Der Krach ber Niederdeutschen Bank vor Gericht.

Der Schwurgerichtssaal des Landgerichts , in Dortmund wurde gestern zur Stätte eines Nie- s e n p r o z e s s e s , wie die deutsche Strafrechtspflege ihres Gleichen nicht aufzuweisen hat. Ist doch die Dauer des Prozesses, zu dem 150 Zeugen und 10 Sachverständige geladen sind, auf nicht weniger als fünf Monate berechnet. Zur Anklage stehen die ge­schäftlichen Maßnahmen, die zum Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank und ihrer Fftialen bezw. Toch- tergesellschaften führten. Als Hauptangeklagter er­scheint der ehemalige Direktor der Niederdeutschen Bank, Ohm, ber bereits wegen Depotunterschlagung in ber gleichen Sache mit acht Monaten Gefängnis unb 2100 Mark Geldstrafe belegt worben ist.

Die Niederdeutsche Bank wurde im Jahre 1895 von Ohm und Hernekarnp als Kornmandttgesellschaft zu Münster gegründet; 1899 wurde sie eine Komman­ditgesellschaft auf Aktien und hieß „Westfälische Bank- kommandite". Sie verlegte 1902 ihren Hauptsitz von

o. Geburtenrückgang und KonfeMon.

Jahrzehnte hindurch galt Frankreich als das einzige Land, das einen merklichen Rückgang ber Seburtengtffer aufzuweisen hatte. Bpn dieser An- Eht ist man mittlerweile aber gründlich abgetönt- m; der Geburtenrückgang ist durchaus keine ftam jösische Sondererscheinung mehr, sondern tritt in allen zwtlisierien Ländern in geringerem oder stärkerem Umfang auf.

Seit Mitte der siebziger Jahre hat auch in Deutschland ein erschreckender Geburtensturz eingesetzt und immer dringlicher wird die Aufgabe unb die Pflicht, bem Volkszerfall Einhalt zu gebie- tm. Manner ber Medizin und Volkswirtschaft sind keft Jahren am Werk, um den Ursachen nachzuprüfen dft den Geburtenrückgang zur Folge haben, und auf Mtttel unb Wege sinnen, um gegen bie Zersetzung unb bas Umsichgreifen dieses für den Staat bedenk­lichsten Uebels einen Damm aufzubauen. Die rinen glaubten im steigenden Wohlstand den Grund für den Rückgang der Geburten gefunden zu haben; »ndere zogen zu, seiner Erklärung die Theorie von der sogen. Aequivalenz der Reize heran; andere wieder sahen die Hauptursache in der Rationalisie­rung des Geschlechtslebens, aber keine dieser Theo­rien gab eine erschöpfende Erklärung für den Gebur­tenrückgang in seinem ganzen Umfange, sie alle krankten an der Unzahl der Ausnahmefälle, die sie nicht zu umfassen vermochten> Da ist es nun ein unftreitbar großes Verdienst des bekannten katho­lischen Volkswirtschaftlers Dr. Hans Rost, der in einer vortrefflichen Schrift bett Nachweis geführt hat, baß bie religiöse Ueberzeugung bei ber Frage beS Geburtenrückgangs bie Hauptrolle spielt. (Geburtenrückgang unb Konfession, Verlag I. P. Bachem, Köln, brosch. 2,40 Mk., geb. 3 Mk.)

An der Hanb reichen statistischen Materials wirb hier vor Augen geführt, welch erheblicher Faktor bei der Häufigkeit unb bem Sinken ber Geburten bie religiöse Ueberzeugung ber Bevölkerung ist. In ben Ländern und Gegenden, wo bie Bevölkerung noch durchdrungen ist von religiöser Gesinnung, macht sich ein Sinken der Geburtsziffer kaum bemerkbar; und doch tritt auch dort, wo die Bevölkerung noch gläu­big ist, ein Unterschied zwischen dem katholischen und vrotestantischen Teil der Bevölkerung, was ihren An­teil an der Geburtenzahl betrifft, klar zutage. Die eheliche Fruchtbarkeftszisfer int deutschen Reiche er­gibt, daß durchschnittlich die katholische Ehe ein Kind mehr aufzuweisen hat, als die pro- testantische; eine Tatsache, die auch in andern Län­dern, so in der Schweiz und in Holland, verwirklicht ist, sodaß in diesen Ländern in nicht ferner Zeit in der konfessionellen Bevölkerungszusammensetzung sich rine nicht unerhebliche Verschiebung zugun sten des Katholizismus herausbilden kann, Denn die Katholiken nicht durch andere Umstände, jo besonders durch Mischehen starke Verluste erleiden.

Es ist unschwer einzusehen, warum der Katho- Üzismus ein stärkeres Hindernis gegen den Gebur­tenrückgang barstellt als ber Protestantismus, ob­wohl beide bie Unnatur ber neomalthusianistischen Praxis verurteilen. Die katholische Religion mit ihrer hohen sittlichen Auffassung vom Zweck bet Ehe, mit ihren unerschütterlichen, [trengen sexuellen Moral geboten und mit ihrem großen Einfluß durch ihre Priester auf das Volk, besonders im Beichtsakrament hat eben stär­kere Mittel zur Bekämpfung und Hintanhaltung des Geburtenrückgangs in der Hand.

Es ist ein ^ohes Verdienst des genannten Ratio nalöfortomen, daß er mit dem Hinweis auf die durchschlagende Bedeutung des religiösen Moments in der Bekämpfung des Geburtenrückgangs gleichzei­tig auch den vollen Beweis von der hohen Kul» turkraft des Katholizismus geführt hat and daraus die durchaus gerechtfertigte Forderung sieht, daß der katholischen Kirche in Deutschland volle Entfaltungsfreiheit zu gewähren ist, damit insbeson­dere die katholischen Missionen sich mit noch mehr Erfolg der Bekämpfung dieses Zeitübels widmen I können, die im bevölkerungspolitischen, nationalen und religiösen Interesse geboten ist.

Wir Deutsche haben alle Ursache, uns mit aller Energie zum Zurückdämmen des Geburtenrückgangs aufzuraffen, damit nicht auch wir in Bälde mehr Särge als Wiegen in unserm Vaterland haben.

Der Oldenburgische Landüsverein für Innere Mission veröffentlicht unter der Überschrift: „Eine nationale Gefahr" in den in Oldenburg erscheinenden I Nachrichten für Stadt und Land (Nr. 92) eine ernste I Mahnung. Nach statistischen Angaben über den Ge­burtenrückgang heißt es .in diesem Aufrufe:

Die Zahl gebt unerbittlich herab, nicht nur in den I größeren Städten, sondern auch schon auf dem platten I Lande. Was den evanaeliichen Beobachter besonders I

kein Märchen war erzählt worden 18 Mädchen Schneewittchen.....

Rotkäppchen......

Dornröschen......

Das tapfere Schneiderlein Hänsel und Gretel . . .

Aschenbrödel......

Däumling.......

* Die Bräute des Zuchthäuslers. Als ein ganz geriebener Gauner entpuppt sich der Berliner Geld- schrankeinbrecher Skorna, der zu 15 Jahren Zucht­haus verurteilt worden war und dem es gelang, mit seinem Freunde Mittelstedt, der auf 6 Jahre die Staatspensionsanstalt bezogen hatte, im September v. I. aus dem Zuchthaus in Rawftsch zu entkommen. Beide wurden nach einigen Monaten wieder ergriffen. Aber Skorna war in der kurzen Zeit der Freiheit nicht untätig gewesen. Er hatte eine Anzahl schwerer Einbrüche begangen und sich sogar zweimal ber­icht. Die erste Braut war die Schwester eines sehr wohlhabenden Fabrikanten, ber er sich als „Ingenieur Gustav Schmibt" vorstellte. Herr „Schmidt" zeigte sich sehr nobel. Einmal schickte er eine Kiste mit köst­lichem Wein an seine Braut, ein anbermal kaufte er ihr in einem der ersten Berliner Modengeschäfte ein hochelegantes Kostüm. Ab und zu verreiste Herr Schmidt „geschäftlich". Das heißt: er machte wieder einmal einen Einbruch. Und bei einer solchen „Ge­schäftsreise" erbeutete er auch den köstlichen Wein. Kurz vor der Hochzeit erklärte Skorna seine Verlobung für aufgehoben, da er sich inzwischen bereits mit einem anderen Mädchen bericht hatte. Auch diese Ver­lobung war nicht von langer Dauer. Der Braut fiel es auf, daß ihr Bräutigam Legitimationspapiere auf alle möglichen Namen bet sich führte und außerdem das Geld mit gar zu leichten Händen ausgab. Kurz darauf fiel der Gauner der Polriei in bie Hände, die ihn wieder in seine Rawftscher Pension zurückbrachte.

* Infolge eines Motorbesektes stürzte auf ber Strecke von Chemnitz nach Buchholz ein Verkehrs- omnibus einen zwei Dieter hohen Straßendamm hinab. 27 Personen wurden verletzt, drei davon schwer. Der Chaufseur Kreißig erlitt einen schweren Schädelbruch sowie innere Verletzungen. Er liegt in hoffnungslosem Zustande im Chemnitzer Krankenhaus darnieder.

* Bergsturz in Norbitalien. Eine Häusergruppe ber Ortschaft C o u'r rn a y e u r ist unter ben Fels- massen eines Bergsturzes begraben worden. Einzel­heiten über die Katastrophe und die Verluste an Men­schenleben fehlen noch.

* Ein zehntägiger militärischer Mißhandlungs- prczeß vor dem Kriegsgericht in Thorn gegen Hauptmann Arthur Kohler und Feldwebel Kremin vom 176. Infanterieregiment endete mit der Verur­teilung des Hauptmannes wegen Mißhandlung Un­tergebener in 45, vorschriftswidriger Behandlung in 62, Mißbrauchs der Dienstgewalt in 3, Unterlassung der Verfolgung strafbarer Handlungen in 2 Fällen zu sechs Monaten Festungshaft. In 115 weiteren Anklagefällen erfolgte Freisprechung. Feld­webel Kremin wurde wegen Mißhandlung Unter­gebener in 58, vorschriftswidriger Behandlung in 9 und wegen Mißbrauchs ber Dienstgewalt zu sechs Wochen gelinben Arrests verurteilt.

Verhör, bas über sein Los entscheiden sollte. Man sagte mir, daß unter den 800 Staatsgefangenen eine Menge Priester seien und daß, wie wenig Aussicht auch die Seien auf ein gesetzmäßiges gerichtliches Verfahren haben möchten, es doch bekannt sei, baß die Priester nie verhört ober befreit wür­den.

Ein anderer Priester wurde ohne jede Begrün­dung um 6 Uhr morgens in seiner Wohnung verhaf­tet. Er verlangte den Verhaftungsbefehl zu sehen, worauf die Carbonarios zum Scheine in ihren Ta­schen suchten, dann aber einfach Gewalt brauchten. Von ber Bitte bes Verhafteten, in einem Wagen an­geführt zu werben, ber er selbst bezahlen wolle, nah­men die Unholde keine Notiz. Es war eben bie Zeit, wo bie Straßen von ben Arbeitern belebt waren, bie sich zu ihren Werkstätten begaben. Plötzlich ließ einer der Carbonarios. die den Priester führten, die Republik hochleben und da das unglückliche Opfer in den Ruf nicht einstimmte, so wurde er von den Vor­übergehenden mit Fußtritten unb Schlägen mißhan-

Die Mutter bei 14 Mädchen — 24 Prozent.

Der Vater bei 7 Mädchen = 12 „

Eine Schwester bei 6 Mädchen — 10 „ Ein Bruder bei 4 Mädchen = 7 „

Außerdem werben bie Lehrerin und die Hortleitc- rin genannt.

Die zweite Frage wirb dahin beantwortet, daß 11 Mädchen, d. i. 19 Proz., auch noch kein Märchen gelesen haben, nur 13 mal halten bie Kinder ge­legentlich ein Märchenbuch als Geschenk erhalten.

Frage 3 wird von allen Kindern bejaht und hei Frage 4 trägt Schneewittchen ben Preis baoon mit 10 Stimmen (17 Proz.); bei ber 4. Frage lehnen 32 '55 Proz.) überhaupt ab, 3 betonen ausdrücklich „Ich mag alle", unb wenn eine ablehnend genannt ist, so kommt die Begründung, „weil ich mich fürchte" (Wolf, Menschenfresser re.), oder „weil es so traurig ist" (Schneewittchen).

Pädagogisch sehr interessant ist die Beantwortung der 5. Frage; 47 Kinder erklären, sie hätten nie eine Märchengestalt nachahmen wollen, 3 lassen die Frage unbeantwortet, 5 nennen Tugendbeispiele urb 4 Un­tugenden. Die Königin in Schneewittchen: .ich habe in den Spiegel geschaut, ob ich hübsch bin", „ob ich schön bin", „ob ich schöne Haare habe", „lange Haare habe".

Zum Vergleich und zur Gewissenserforschung für alle Eltern fei hergesetzt, was bei der Aufnahme in ber höheren Mädchenschule festgestellt wurde: Auch hier erklärten 16 Mädchen (14 Proz.) kein Märchen erzählt bekommen zu haben, und nur bei 55, d. i. 47 Proz., hatte die Mutter, bei 10, d. ist 5 Proz., d.r Vater Märchen erzählt.

Aus diesen Zahlen spricht eine geistige Verarmung des Familienlebens, die besonders im Zusammenhalt damit, daß eine Umfrage jdei Erwachsenen überein­stimmend den großen Wert maßvoller Märchenlektüre I ergeben hat, außerordentlich zu bedauern ist.

Unsere Marine

2 Pf g. Cigarette