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2. Blatt.

®rud der Selbe« Actiendrecierei te Selbe.

Zuldaer Leitung. ***

bta-tverordneten-versammlung.

Fulda, 29. April 1913.

Än der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver- ^mrntt-ng nahmen 30 Mitglieder des Kollegiunis teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte der stellvertre­tende Stv.-Vorsteher, Rechtsanwalt und Notar Rang. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt die Versamm­lung Kenntnis von dem Eingang eines Jahresberichts der Krieger- und Sanitätskolonne.

1. Aufhebung der Beschlüsse betr. den Kanalbeitrag und die Kanalgebühren. Stv. Fritz: Am 5. Februar dieses Jahres ist einem Beschlüsse des Magistrats be­treffs Erhebung von Kanalbeiträgen von der Stadtver­ordnetenversammlung zugestimmt, wonach von der Er­hebung von Kanalbeiträgen abgesehen wird. Es liegt ein Schreiben des Herrn Regierungspräsidenten bezw. Bezirksausschusses vor, welches moniert, daß der Ver­zichts auf die Erhebung der Beiträge nicht genügend begründet sei. Daraus läßt sich schließen, daß der Be­zirksausschuß dem Beschluß seine Genehmigung ver­weigert. Stv. Dux: Der Herr Regierungspräsident hat sich in seinem Schreiben zu der Erhebung von Ka­nalbeiträgen an sich gar nicht geäußert; es ist somit gar nicht ausgeschlossen, daß die Erhebung von Beiträgen bei genügender Begründung doch genehmigt würde. Stv. Fritz führt als Beispiele die Städte Hanau und Kassel an, in denen die Kanalbaukosten nicht durch ein­malige Beiträge, sondern durch jährliche Beiträge ge­deckt würden, aber nicht in der Form und Höhe, wie sie für Fulda vorgeschlagen worden sind. Der Ober­bürgermeister: Den Ausführungen des Herrn Dux mutz ich in gewisser Beziehung doch Recht geben. Bei einer persönlichen Unterredung mit einem Dezer­nenten bei der König!. Regierung in Kassel hat dieser sich dagegen erklärt, datz wir hier von der Erhebung von Beiträgen abgesehen haben. Er stand durchaus nicht auf dem Standpunkt, datz man hierbei die Grund­besitzer entlasten könne. Es gibt tatsächlich Städte, wie Remscheid, in denen einmalige Beiträge erhoben mür­ben. Die Sache steht so, datz wir zur Erhebung von Beiträgen berechtigt sind; ob wir dazu verpflichtet sind, ist eine andere Frage. Stv. Schulte stellt den An­trag, einmalige Kanalbeiträge bis zur Höhe von 190 000 Mark zu erheben. Für diesen Antrag spricht sich auch Stv. Vollmer aus. Nach wie vor, so führt er aus, stehe ich auf dem Standpunkt, daß wir an der Erhebung von Kanalbeiträgen nicht vorbcikommen. Vor allem weise ich darauf hin, daß wir durch allzu hohe Gebühren den Zuzug der Fremden nach Fulda beeinträchtigen. Ich beantrage, die Ordnung an den Magistrat zurück­zuverweisen. Stv. Fritz: Die Erhebung von Kanal­beiträgen ist nur dann angebracht, wenn ein besonderer Vorteil sich aus der Anlage ergibt; das ist aber nicht der Fall, wenn die Verpflichtung zum Anschluß besteht. Stv. Laux: Herr Fritz hat keine Stadt im Regierungs­bezirk angeben können, in der so hohe Beiträge gefordert worden sind, als in Fulda, er hat aber auch keine Stadt anführen können, in der überhaupt keine Beiträge er­hoben werden. Die Mieter werden alles daransetzen, um diese Ordnung zu Fall zu bringen. Stv. Schwarz stellt den Antrag, die Beratung über den Gegenstand auszusetzen und abzuwarten, wie sich der Herr Regie­rungspräsident zu der Frage stellt. Der O b e r b ü r- germeister: Wenn man Beschlüsse gefaßt hat, soll man sie nicht ohne triftigen Grund wieder aufheben. Was dagegen die wirtschaftlichen Vorteile der Kanali­sierung anbelangt, so bin ich mit dem Herrn Regie­rungspräsidenten der Meinung, datz foldjc aus jeden Fall für die Hauseigentümer bestehen. Stv. Kircher stellt darauf den Antrag auf Schlutz der Debatte, der angenommen wird. Stv. Schwarz zieht seinen An­trag zurück. Die Beschlüsse des Magistrats: Die Be­schlüsse der städt. Körperschaften vom 5./11. Februar betr. den Kanalbcitrag und die Kanalgebühren aufzu­heben, von der Erhebung von Kanalbeiträgen abzusehen, die bereits eingezahlten Kanalbeiträge nebst 4 Proz. Zinsen im Monat Oktober 1913 zurückzuzahlen und zwar nicht aus Anleihcmitteln, sondern aus den als Kanal­beitrag eingezahlten zur Verfügung stehenden Geldern, werden von der Versammlung akzeptiert.

2. Entwurf einer Ordnung betreffend die Erhebung von Kanalbenutzuugsgebühren. Stv. Fritz empfiehlt die Annahme des in Nr. 95 der „Fuldaer Zeitung" be­reits mitgeteilten Entwurfs, der angenommen wird. Gleichfalls wird debattelos ein Zusatzantrag angenom­men betreffs Deckung der infolge des späten Inkraft­tretens der Ordnung für das Etatsjahr ausfallenden Beträge durch Erhöhung der Sätze um ein Viertel ihres Betrages für die Zeit vom 1. Juli 1913 bis ZI. März 1914.

3. Anstellung eines Leiters der Fortbildungsschule im Hauptamt. Stv. Fleischmann: Die Angelegen­heit ist schon früher hier zur Sprache gekommen, jedoch zurückgesetzt worden, um das Kuratorium der gewerb­lichen Fortbildungsschule zu befragen. Dieses hat der Anstellung eines Leiters für die gewerbliche und kauf­männische Fortbildungsschule zugestimmt. Immerhin kann ich den Magistratsantrag nicht unterstützen, da für die gewerbliche Fortbildungsschule unbedingt ein Leiter mit Fachbildung nötig ist. Außerdem muh man beden­ken, daß die gewerbliche Fortbildungsschule 17 Klassen hat, die kaufmännische dagegen nur 3. Das Anfangs­gehalt des Leiters ist auf 4060 Mk. festgesetzt, und es entsteht eine Mehrausgabe von 2000 Mk. Die Pflicht­stundenzahl des Leiters ist auf 12 festgesetzt; ich meine, diese könnren bei einem derartigen Gehalt doch vermehrt werden. Der Oberbürgermeister: Wenn der Herr Referent meint, es lasse sich schlecht eine Kraft finden, die für beide Schulen geeignet ist, so ist das wahr, aber im Prinzip nicht unmöglich. Im übrigen sind für den Leiter m i n d e ft e n s 12 Pflicht stunden vorgesehen, eine Erhöhung der Sundenzahl ist deshalb nicht ausgeschlossen; man mutz ein Minimum festsetzen. Damit stimmr auch die Rechnung, daß der Leiter höch­stens 2000 Mk. Mehrkosten verursacht. UebrigenS wird von diesem Zuschuß die Regierung die Hälfte tragen. Nach einigen persönlichen Erörterungen tritt die Ver­sammlung auf längere Zeit in eine geheime Sitzung ein. Nach deren Schluß stellt Skbt Fleischmann den Antrag auf Zurückverweisung des Magistratsautra­ges an eine fünfgliederige Kommission bezw. an die Kuratorien der beiden Schulen. Der Antrag fällt, der des Magistrats wird angenommen.

4. Reinigung öffentlicher Straßen. Stv. Wohl­gemut h : In der Sitzung vom 20. Januar d. I. hat der Herr Oberbürgermeister diese Angelegenheit hier erörtert und ist zu dem Schlüsse gekommen, daß cs eine Frage der Zeit ist, die Reinigung der Straßen auf die Stadt zu übernehmen. Nach einem neueren Gesetz wird die Stratzenreinigung den Gemeinden zur Pflicht gemacht, falls kein anderer herkömmlicher Brauch besteht. In Fulda besteht ein ortsübliches Gewohnheits­recht, insofern als die Grund- und Hausbesitzer den Teil der Straße vor ihren Grundstücken kehren lassen. Ist es nun wünschenswrt, daß die Stadt die Reinigung übernimmt? Gewiß wird eine Gemeindebehörde in der Lage sein, die Reinigung planmäßiger auszufuhren. Berechnungen haben ergeben, daß die Stratzenreinigung mittels Kehrmaschinen bedeutend billiger ist als durch Arbeiter. Die Kosten betragen bei zweimaliger Reini­gung in der Woche mit Kehrmaschine 20 000 Mk., bei dreimaliger 25 600 Mk.. bei täglicher Reinigung 40 000 Mk.; erfolgt die Reinigung durch Arbeiter, so stellen sich die entsprechenden Zahlen auf 45 900 Mk., 64 600 Mk. und 116 600 Mk. Bisher betrugen die Kosten 16128 Mk., und zwar 7000 Mk. für Müllabfuhr und 6000 Mk. für Kehren. Ein Unternehmer Brähler hat sich erboten, eine wöchentlim zweimalige Reinigung für 18000 Mk. auszuführen. Wenn man nun die Haus- üeßtzer nicht besonders mit den Kosten belasten will, ^Mußten diese durch allgemeine Steuern aufgebracht Werden, wodurch eine Erhöhung der Steuern um 5 bis i Droz, erforderlich würde. So konnnen wir zu dem .Kchlutz, daß augenblicklich eine Blenderung nicht onae-

bracht ist, zumal eine Reihe anderer wichtiger Ausgaben m Aussicht steht. Ich beantrage also, daß es beim alten bleibt. Stv. Adam: Ich kann mich diesen Aus­führungen nicht anschlietzen. Es ist sehr fraglich, ob hier in Fulda überhaupt eine Observanz besteht. Eine diesbezügliche Entscheidung der Strafkammer ist nicht maßgebend. Meiner Ansicht nach hat man hier unter schikanösem Vorgehen der unteren Polizeiorgane zu leiden. Ein Teil der Stratzenreinigung ist zudem schon von der Stadt übernommen, so datz man schon aus diesem Grunde nicht von einer Observanz reden kann. Die Rechtsunsicherheit bleibt nach wie vor bestehen. Es liegt kein Grund vor, die Hausbesitzer noch weiter 3U_ belasten. Ich meine, was andere Städte können, müsse Fulda auch können. Ich stelle daher den Antrag: Tie gesamte Reinigung der Stratzen und Plätze über­nimmt die Stadt und ine Kosten trägt die Allgemeinheit. Der Oberbürgermeister: Ich gebe zu, datz die Hausbesitzer eine gewisse Last trifft, aber vollständig entlasten kann man sie nicht. Zudem würden die Kosten, falls dem Anträge Adam stattgegeben würde, durch Gebühren zu decken fein, und die würden auf jeden Fall mehr betragen als für die jetzige Reinigung. Wenn wir genau wützten, wie hohe Kosten uns in nächster Zeit bevorstehen, könnten wir unter Umständen die Uebernahme auf die Stadt in Erwägung ziehen. Bei Uebernahme der Reinigung der Bürgersteige, die doch durch Arbeiter erfolgen müßte, würden die Kosten noch grötzer sein. Ich kann unmöglich den Antrag stellen, die Stadt zu belasten, wenn ich nicht weih, woher wir das Geld nehmen können. Stv. Schulte: Ich stelle mich auf den Standpunkt, datz die Reinlichkeit der Stra­tzen gerade so sehr für die Mieter wie für die Haus­besitzer von Vorteil ist. Es ist also unangebracht, von den Hausbesitzern Arbeit für die Mieter zu verlangen. Ich bitte den Antrag Adam anzunehmen. Der O b e r- b ü r g e r m e i st e r : Es gibt keine Stadt von der Größe Fuldas, welche die Straßenreinigung übernommen hat. Zudem kann auch von einer Schneebeseitigung durch die Stadt keine Rede sein, ebenso nicht vom Streuen bei Glatteis; denn das ist unmöglich wegen der hohen Kosten und auch aus dem Grunde, weil nicht genügend Personal vorhanden ist. Was die polizeiliche Schikanierung betrifft, so muß ich sagen, daß nach dem amtlichen Material, das mir in den letzten Tagen zu­gegangen ist, in der letzten Zeit weniger Strafmandate erlassen worden sind als früher. Stv. Schwarz stellt den Antrag auf Schluß der Debatte; wird angenommen. Der Antrag des Magistrats, cs vorläufig beim alten zu belassen, wird darauf angenommen.

5. Bewilligung der Kosten für den nördlichen Bür­gersteig in der Straße „Hinter den Löhern". Stv. Kir­cher: Im Etat sind für die Anlegung von Bürger­steigen 17200 Mk. vorgesehen. Diese Summe reicht aber nur dann aus, wenn die in Frage stehende Straße einen Kohlenbelag erhält. Soll hier ein festes Pflaster angelegt werden, so würden 2200 Mk. mehr erforderlich sein. Zudem gibt es im Gebiete der Straße noch ver­schiedene Grundstücke, die nicht Eigentum der Stadt sind. Betreffs Ankaufs dieser Grundstücke werden Ver­handlungen gepflogen. Es kommen in Betracht ein 70 qm großes Stück des Herrn ©immer, ä qm 8 Mk., ein 180 qm großes Stück, ä 4 SRt. sowie eine kleine Parzelle, dem Herrn Heinrich Knips gehörig. Für den Ankauf dieses Geländes wären noch insgesamt 1464 Mark zu bewilligen. Ich stelle den Antrag auf Bewil­ligung der beiden Summen von 2200 Mk. und 1464 Mk. mit dem Zusatz, daß die Stadt die Grundstücke zunächst erwirbt, bevor die Straße ausgebaut wird. Der Ober­bürgermeister: Es ist nicht angebracht, die Grunderwerbskosten zu bewilligen, bevor Verträge vor- liegen. Indes kann vorläufig sehr gut mit der Instand­setzung des vorderen Teiles der Straße von der Nord­deutschen Wollkämmerei an begonnen werden. Stv. Kapp rügt, daß man bei den großen Ausgaben der letzten Jahre auch hohe Summen für alle Bürgersteige bewilligen soll. Stv. S u n k e l erklärt, daß die Straße „Hinter den Löhern" großen Verkehr aufweise und datz hier notwendig etwas geschehen müsse. Der Antrag wird daraufhin angenommen mit der Maßgabe, daß vor­läufig mit der Instandsetzung des vorderen Teiles der Straße begonnen weren soll.

Während des Schlußteiles der Verhandlungen hatte man im Sitzungssaale die Gasbeleuchtung probeweise durch elektrifches Licht ersetzt. Provisorisch sind an der Decke des Saales 10 Lampen von je 200 Kerzenstärke verteilt, die bisherige Gasbeleuchtung hatte nur eine Stärke von annähernd 1600 Kerzen. Man war allseits der Ansicht, daß das elektrische Licht hell genug fei, dann aber auch, da die Lampen viel höher angebracht sind als die Easleuchter, für die Augen bedeutend an­genehmer sei. Bei dieser veränderten Beleuchtung des Saales von oben herab fielen auch sofort einige Mängel in die Augen. So z. B. meinte Stv. Eickenscheidt, die drei Büsten der Majestäten seien doch arg verstaubt und bedürften im Jubiläumsjahre einer gründlichen Reinigung. Nicht besser sei es mit der Decke und mit den Tapeten bestellt. Nachdem der Oberbürgermeister scherzend dem Wunsche Ausdruck verliehen hatte, daß bei dem milden elektrischen Lichte auch die Verhand­lungen friedlicher verlausen möchten, wurde die Sitzung um 10.20 Uhr geschlossen.

Lokales.

Fulda, 29. April 1913.

t Der Leobund (Jngendabteilung des St. Josephs- vkreins) beging am Sonntag sein Patronatsfest (St. Georg) sowie den Namenstag seines Präses durch eine wohlgelungene Feier in der Harmonie. Das Programm wies Theaterdarbietungen, Vorträge, Musikstücke und gemeinsame Lieder in bunter Folge aus. Bemerkenswert war die Ansprache des Seniors, der über die im Leobund schon geleistete Arbeit be­richtete, durch die der Bund dem jugendlichen Arbeiter alles biete, was immer dem Bereich der modernen Jugendpflege angehört. Ter noch junge Verein pflegt neben der geistigen Weiterbildung seiner Mitglieder daS Turnen, den Sport und das Spiel, bietet Ge­legenheit zu edler Unterhaltung und kameradschaft­licher Geselligkeit. Der Präses des Leobundes pries in seiner Ansprache den hl. Georg als Vorbild eines treu katholischen, vaterlandsliebenden jungen Mannes. Wie St. Georg gegen den Drachen des Umsturzes und der Unstttlichkeit zu kämpfen fei die vornehmste Aufgabe der jungen Arbeiter, die sich unter seinen Schutz gestellt hätten. Den Gästen fiel besonders die gute Haltung der Mitglieder, ihr offenkundig gutes Einvernehmen untereinander und ihr herzliches Ver­hältnis zum Präses auf. Sehr angenehm berührte es, daß dem Präses als Geschenk eine größere Geld­summe zu beliebiger Verwendung für Vercinszwecke überreicht wurde.

Gewitter. Nachdem am Sonntag und gestern vormittag eine hochsommerliche Schwüle über Stadt und Land gelagert hatte, find gestern nachmittag in der Umgegend (vcrgl. Nachbargebiel) heftige Gewitter niedergegangen, während das Stadtgebiet Fulda ver­schont blieb. Die Zeitungen berichten aus vielen Ortschaften Mitteldeutschlands von wolkenbruchartigem Regen. Wodl ein Dutzend mal hat der Blitz in Kassel und Umgegend eingeschlagen, doch hat er nur im Stadtteil Kirchditmold gezündet, wo ein Haus niederbrannte. — Groben Schaden haben die Wasser- masien im Kreise Melsungen angerick tet, besonders in den Obstanlagen, in Gärten und in Wäldern. Aus Baden berichten Telegramme, daß heftige Hagel­schläge verschiedene Gegenden des Merkgräflerlandes hermsuchten und an Feldsrüchten und Obstkulturen großen Schaden anrichteter

[] Diebstähle. Ein löjähriger Bursche drang heute vormittag in einem Hause der Mittelstraße in ein Zimmer, worin sich gerade niemand befand, schloß einen Sckrank auf und stahl daraus zehn Eier. Ebenfalls von einem jugendlichen Dieb wurde aus einer Wirtschaft in der Kurfürstenstraße ein Päckchen Zigaretten gestohlen.

(?) Uebrrsall. Am Samstag abend wurde ein Mädchen auf der Edelzellerstrahe auf dem Heimwege von einem Burschen von rückwärts überfallen und zu Boden gezogen. Um sie am Schreien zu hindern, drückte er ihr seine Hand in den Mund. Der Unhold hatte sich jedoch schwer verrechnet, denn es gelang dem kräftigen Mädchen sich frei zu machen und zu entfliehen.

* Mifsionsschwindler. Seit längerer Zeit behelligt der »syrische Chorblschof Msgr. Jos. Khayatt" Deutschland, Belgien und wohl auch andere Länder mit seinen Bettelbriefen. In einem gedruckten „Ausruf der syrischen Katholiken in Mossul und in ganz Mesopotamien an ihre Mitbrüder im Abendlande zugunsten des päpstlichen Institutes Pius X. zu Mossul" betont er die Notwendigkeit einer solchen Anstalt in Mossul, und behauptet, daß der Papst teils mündlich in einer Audienz, teils durch ein besonderes Handschreiben an ihn (Khayatt) das Unternehmen genehmigt, gesegnet und dem tätigen Wohlivollen aller Christgläubigen warm empfohlen habe. Schon Inhalt und Ton des Schreibens und des Aufrufes erweckten kein Vertrauen. Der Umstand, daß Khayatt die nach dem letzten Dekrete vom 1. Jan. 1912 unumgänglich erforderliche spezielle Erlaubnis der Propaganda umgeht, und sich dafür auf private Aeußerungcu des Papstes beruft, endlich die Tatsache, daß derselbe Msgr. Khayatt bereits 1911 von der Propaganda ausdrücklich desavouiert wurde, alles das legte den Verdacht eines Schwindels sehr nahe. Auf eine Anfrage bei der Propaganda, d. h. der vom Papst selbst ausdrücklich für solche Fragen bezeichneten Instanz, erfolgte die bestimmte Erklärung: Msgr. Khayatt habe absolut keine Autorisation zum Sammeln für jein vorgebliches Institut. Wolle man die syrische Mission unterstützen, so solle man die Hilfe dem Patriarchen Ignaz Ephrem Rahmani zukommen lassen.

----- Neue Urlaubsbestimmnngen für Militäranwärter zur Vorbereitung auf die Zivilversorgung als auch zur Beschäftigung im Zioitdienst oder im Privat- dicnst werden wahrscheinlich nach Feststellung des Militäretats durch den Reichstag demnächst in Krast treten. Es ist anzunehmen, daß die ent­sprechenden Bestimmungen für Preußen, Bayern und Sachsen die gleichen sein werden. Die neuen Be­stimmungen werden sehr vereinfacht und übersicht­licher sein.

— Musikvernn. Die Konzerte des MusikvereinS Fulda erfreuen sich beim hiesigen Publikum mit Recht großer Beliebtheit. Am Chrsili Himmelfahrtstage il. Mai) wird der Verein wieder einen musikalischen Abend veranstalten. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß der Besuch des Konzertes recht rege sein wird, da der strebsame Verein die Musik liebevoll und mit Verständnis pflegt und für ein geschmackvolles, ab­wechslungsreiches Programm Sorge getragen hat.

— Sport. Das Spiel am Sonntag zwischen den 1. Mannschaften der Frankfurter „Amicitia" und der „Borussia" zeitigte einen einwandfreien Sieg der „Borussia" mit 4:0 Toren über die Frankfurter Mannschaft. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, als es „Amicitia" noch vor 14 Tagen gelang, die z. Zt. spielstarke Mannschaft des Frankfurter F.-Cl. „Germania 1894" mit dem gleichen Resultat zu schlagen.

Ans dem Nachbargebiete.

(*) Bachraiu, 28. April 1913. Der hiesige MiIi- tärberein feiert Sonntag den 25. Mai fein Fahnen­weihfest. Die Vorbereitungen hierzu sind in vollem Gange. Eine große Anzahl von Vereinen hat bereits ihr Erscheinen zugesagt. Der Vorsitzende des Kreis­kriegerverbandes, Herr Dr. Pfeiffer, hat die Festrede übernommen.

a. Kerzell, 28. April 1913. Die unter Kindern beliebte Unsilte, sich an fahrendes Gejährt zu hängen, hat hier einem Kinde das Leben gekostet. Der vier- bis fünfjährige Sohn des H. Wösch hängte sich an den Wagen seines Onkels, fiel zur Erde und brach das Genick, so daß der Tod sofort eintrat.

* Vom Vogelsberg, 28. April 1913. Unter. den Wildbeständen zwischen Lauterbach, Eisenbach und Stockhausen ist Milzbrand sestgestellt worden. Füchse, die anfcheinend an Milzbrand verendete Rehe gefressen hatten, wurden lot aufgefunden und an ihnen die Seuche sestgestellt.

! Oberrombach, 28. April 1913. In dem Forst­revier Oberrombach, in der Kgl. Oberjörsterei Fulda, wmX' uev.te morgen von Herrn Forstassessor Hüster ott? Ka s.'l ein ganz kapitaler alter Auerhahn er­legt. „an Schützen ein kräftiges Waidmannsheil!

X Aus der Rhön, 27. April 1913. Aus einem am Fuße der Wasserkuppe gelegenen Dörflein, wo man noch rote zu patriarchalischer Zeil den Jagd- zins fordert ! jährlich 30 Mart), wird uns Nach­stehendes zugesandt: „Eine Abwanderung der Nhönhasen von den Abhängen des Ehrenberges und der Wasserkuppe nach den nördlichen Jagd­gründen scheint sich Heuer in der Schonzeit vorzu- bereiten oder vielleicht zum Teil schon Tatsache zu fein. Diese Vermutung mußte sich den Eigentümern der Grundstücke unseres gemeinschaftlichen Jagd- bezirkes ausdräugen, als sie in der .Fuldaer Zeituucft lafen, die Verpächterin eines jener nördlichen Jagdreviere (Silges im Kreise Hünfeld) beziehe nunmehr die erhebliche Summe von 610 Mark als jährlichen Pachtpreis, statt, wie seither, 150 Mark. Des Rätsels einziger Schlüssel kann die Fleisch- teuerung doch nicht sein. Mir feuchtem Auge schauen wir denn von unseren sonst so freudigen Höhen ent­lang dem Tannenfels den adziehenden Scharen der Rhönhäslein nach. Doch, gemach; dort, nicht fern von der Milseburg steinichten Wand, halten sie Rat, die Rhönhajeii, verständig fitzend im Kreise: Beschluß: „Sie kehren wieder — Zu uns in Busch und Wald; Sie singen Heimatslieder Dort an der Berges- Halo'." — Br chluß: „Sie kommen wieder — Bedin­gungsweise nur. Daß doppelt zahlt der Mieter Den Zit s für uns're Flur!"

* Hersskld, 28. April 1913. Seinen Verletzungen erlegen ist der Schlosserlehrling K., der sich, rote rotr kürzlich mtfteilteu, beim Spielen mit einem Terzerol einen Scbuß in den Unterleib beigebracht hatte.

* Raboldshausen, 28. April 1913. Am Samstag abend kam das zweijährige Kind des Landwirts G. in einem unbewachten Augenblick in das Getriebe eines Getreidegöpels und erlitt so schwere Ver­letzungen, daß es bald darauf verstarb.

* Beiseförth, 28. April 1913. Unserem 79jäh rigen Bürgermeister H a r b u s ch , welcher kürzlich infolge hohen Alters sein Amt niederlegte, ist das

Jß 98.

Dienstag 29. AprU 191$.

Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen wor. den.

* Hanau, 29. April 1913. Die von den städt Körperschaften vollzogene Wiederwahl unseres seit­herigen Oberbürgermeisters Gebeschus auf eine fernere Amtsdauer von 12 Jahren hat die Be­stätigung des Königs erhalten.

* Oberelsungen, 28. April 1913. Heute nachmittag wurde während eines heftigen Gewitters das Haus des Landwirts Gerhardt durch einen Blitzstrahl in Flammen gesetzt. Trotz eifriger Löscharbeiten brannte daS Wohnhaus aus, dagegen gelang es, einige Möbel und das Vieh aus den Ställen zu retten.

* Frankfurt, 27. April 1913. Der Schornstein­fegergeselle Gomolka wollte gestern seine Meisterprü- sung ablegen und hatte dabei einen steigbaren Schorn­stein vom Keller aus im Innern bis zum Dach durch­zuklettern. Obwohl natürlich die Leute im Haus an­gewiesen worden waren, kein Feuer zu machen, war doch im ztveiten Stock Feuer angezündet worden, so­daß K v h l e n g a s e auffttegen und den jungen Ge­hilfen betäubten. Man hörte Plötzlich, wie er innen im Schornstein bis zum Keller herunter- s a u st e, und als man ihn herausholte, war er be­wußtlos und schwer verletzt.

ss. Oberursel, 28. April 1913. Gestern abends wurde die 25jährige Ehefrau deS Kaufmanns Laug­felder aus Bockenheim von einem Automobil über» fahren und auf der Stelle getötet.

* Darmstadt, 27. April 1913. Der Rechner des Bezirks-Sparkasse Rheinheim, G. Regel, ist seiner Amtes enthoben worden, da sich Unregelmäßig­keiten herausgestellt haben. Es wurde festgestellt, daß der Rechner Darlehen und Kredite ohne die Ge­nehmigung des Aussichtsrates und statutenwidrig aus- geliehen hat. Die Kasse soll größere Geschäftsoerbin- düngen mit der Verwertungs- und Verwaltungs-Ge» sellschaft in Frankfurt haben.

Ami Geisa und Umgebung.

* Stadtlengsfeld, 28. April 1913. Am Sonntag nachmittag fiel das 4jährige Söhnchen des Porzellan­fabrikarbeiters Richter in die Felda. Der zufällig vorübergehende Porzellanfabrikarbeiter Gottschlich sprang kurz entschlossen in das Wehr und rettete so das Kind.

* Ostheim v. d. Rhön, 28. April 1913. Der Ost- Heimer Darlehnskassenverein hielt am Sonntag feine Frühjahrs-Generalversammlung ab. Der Einnahme von 339 855 Mark im vergangenen Jahre steht eine Ausgabe von 334 306 Mark gegen­über, während der gesamte Geschäftsumsatz über 1120 000 Mark beträgt. Die Spargelder haben eine Höhe von 268 000 Mark erreicht. Der Reingewinn beziffert sich auf 2743 Mark, d. t. rund 600 Mark mehr als vergangenes Jahr. Der Verein hat ein unteilbares Vermögen von über 13 000 Mark bei 20jährigem Bestehen.

Ans Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Marburg, 28. April 1913. Beim Strafexerzieren auf dem Kämpfrasen wurden heute vormittag zwei Soldaten des Jägerbataillons vom Hitzschlag betroffen. Sie wurden in der nahen Exerzierhalle sofort in ärzliche Behandlung genommen.

* Kirchhain, 28. April 1913. In der General» Versammlung der Ortskrankenkasse Kirchhain wurde mitgeteilt, daß die Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1912 mit 41235,25 Mk. abschließen. Es verblieb ein Ueberschuß von 4073 Mk. Das ist be­deutend mehr als früher.

* Frankeaberg, 28. April 1913. Der Gutsbezirk Domäne Wölkersdorf hat als selbständiger Gvtsbezirk aufgehört zu existieren und tft mit der Gemcinve Bottendorf vereinigt worden.

* Neustadt, 26. April 1913. Der Junker Hausett-Turm wurde von dem Landrat von Gilsa und dem Kreisbauinspektor Verlor aus Kirch­hain, dem Bezirkskonservator, Professor von Drach nebst einem Oberregierungsrat aus Kassel, sowie einem Ministerialdirektor aus Berlin besichtigt. Auf Staatskosten ist der, um das Jahr 1489 von dem hessischen Hofmeister, Junker Hans von Dörnberg erbaute Turm einer gründlichen äußeren Renovation unterzogen worden; die Kosten belaufen sich auf über 6000 Mark. Innere bauliche Veränderungen stehen noch bevor.

* Wabern, 28. April 1913. Aus geringfügigen Differenzen in einem Gesangverein ist hier unter der Einwohnerschaft ein heftiger Streit entstanden, so daß man jetzt nur noch von „Alt"- und „Neu"-Wa- bcrn spricht und sich in Wort und Schrift bekämpft. Seit einiger Zeit werden anonyme Briefe jntb Schmähschriften versandt. Die Folge Jill des Trei­bens werden natürlich Anzeigen, Untersuchungen und Bestrafungen sein, die keineswegs heilend wir-, ken. Auch auf die Tätigkeit der Gemeindevertretung, wirken die häßlichen Verhältnisse hemmend und schä­digend.

* Jesberg, 28. April 1913. Der Landwirt H-, welcher int Auftrage eines hiesigen Gutsbesitzers des­sen Feld mit Salpeter bewarf, verbrannte sich dabei so erheblich an den Händen und der Brust, daß er sich in ärzliche Behandlung begeben mußte. Durch den Regen hatte eine Zersetzung des Kunstproduktes stattgefundeu.

* Fritzlar, 28. April 1913. In einem der Stadt gehörigen Armenhaus wurde die allein wohnende ledige Frauensperson Cramer leblos im Bett auf« gefunden. Anzeichen für ein Verbrechen ergab die Untersuchung nicht.

vermischtes.

* Der „Imperator" hat am Samstag nachmittag 5 Uhr seine erste Probefahrt seewärts bei prachtvol­lem Wetter angetreten. Sonntag nachmittag kehrte er wieder nach Cuxhaven zurück. Es. hat sich heraus- gestellt, daß zwei Lager einer Turbine^heißgelaufen waren. Infolgedessen ist es nötig, die Turbine wie­der zu öffnen und die beiden Lager herauszunehmen. Tie technifcheu Probefahrten werden daher erst am 15. Mai fortgesetzt werden können, während die offi­zielle Probefahrt'und die K r o n p r i n z en sah rl erst tu der zweiten Maihälfte stattfinden kön-

1 * Glück im Unglück. Die Familie Ferz, bestehend aus Mann, Frau und zwei Kindern, reiste >n einem Schnellzuge von Paris nach Barennes. Einige Mei­len von Paris entfernt öffnete sich plötzlich von sel­ber eine Tür des Abteils, und das jüngere Kind des Ehepaares, ein dreijähriger Knabe, stürzte hinaus.