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2. Blatt.

Druöer Zulbaer IcttartnKmi in gilbe.

F Zuldaer Leitung. *$*

Montag 28. April <915.

Z Das neue Beteranengesetz ist am Samstag den 26. April vom Reichstag ein­stimmig angenommen worden.

Danach erhält jeder Kriegsteilnehmer, der sich in bedürftigen Verhältnissen befindet, künftig 150 Mark jährlich gegen bisherige 120 Mark.

Diese Erhöhung von 30 Mark ist aber nicht das Wichtigste, sondern die Hauptsache ist, daß der Veteran künftig nicht mehr seine dauernde gänz­liche Erwerbsunfähigkeit nachzuweisen braucht, wie das bisher vorgeschrreben war.

Jetzt genügt also der Nachweis, daß der Bewerber den Feldzug in ehrenhafter Weise mitgemacht und daß er bedürftig ist, dagegen braucht er nicht mehr zum Kreisarzt zu gehen und erst von diesem feststellen zu lassen, daß er erwerbsunfähig ist.

Bekanntlich war das gerade die Hauptbeschwerde, worüber Veteranen, die bisher ganz von der Einsicht und dem guten Willen der Aerzte abhängig waren und behaupteten, nicht zu ihrem Recht kommen zu können.

Man nimmt an, daß jetzt die Zahl der Veteranen, welche den Ehrensold von 150 Mark erhalten, ganz bedeutend steigen wird, da noch über 400 000 Kriegs­teilnehmer am Leben sind und von diesen wohl der weftaus größte Teil bedürftig ist und nun den An­spruch auf die Rente erhält.

So hört man doch auch aus dem Reichstage ein­mal etwas Gutes! —■>

Lokales.

Fulda, 28. April 1913.

# Verliehen wurde dem Eisenbahnobersekretär a. D., Rechnungsrat Freckmann zu Kassel der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Stadlkämmerer und Sparkassenrendanten a. D. Müller zu Mar­burg der Kronenorden vierter Klaffe, dem Eisenbahn­betriebssekretär a. D. la Roche zu Kassel das Ver­dienstkreuz in Gold, dem Pensionierten Eisenbahn­werkführer Reidelbach zu Treysa, den Pensionier­ten Eisenbahnweichenst. Heldmann zu Sarnau im Kreise Marburg und W a l d m a nn zu Gombeth im Kreise Homberg, dem pensionierten Bahnwärter Blum zu Ungedanken im Kreise Fritzlar, dem bis­herigen Aushilfsbahnwärter Weitzel zu Anzefahr im Kreise Kirchhain das Allgemeine Ehrenzeichen.

— Versetzt ist zum 1. Mai der evangelische Hilfs­pfarrer Herr Bachmann von hier nach Fechenheim.

Js. Dombrandprozeß. In dem Prozeß deS Preuß. FiskuS gegen den Rentner M. und den Drogisten P. in Fulda wegen Zahlung eines Schadenersatzes von 4300 Mark aus den Kosten der Instandsetzung der Domtürme nach dem Brande vom 4. Juni 1905 waren bekanntlich die Beklagten vom Oberlandes­gericht sKassel zum Ersatz der geforderten Summe verurteilt worden. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision, welche materielle und prozessuale Rügen erhob, hatte Erfolg: Das Reichsgericht hat am 26. April das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgericht zurückver- wiesen.

Ms. Neue ZwangS-Jnnmrg. Der Regierungs-Präsi­dent hat am Samstag eine Verfügung erlassen, daß vom 1. Juli d. I. ab in Fulda eine Zwangs-Innung für das Mau re r-, Zimmerer, und Dachdecker- Gewerbe errichtet werde, nachdem sich bei der Ab- stimmung die überwiegende Mehrzahl der Stimmen der beteiligten Gewerbetreibenden für die Errichtung dieser neuen Zwangs-Innung ausgesprochen hat.

△ Meisterprüfung. Vor der Prüfungskommission in Fulda legte der Schmied Herr Michael Müller aus Langenbieber die Meisterprüfung für daS Schmiedehandwerk mit Erfolg ab.

X Eine Nacheichung der Matze und Gewichte findet in diesem Jahre im Kreise Fulda statt in Großen- lüder vom 5.-8. Mai, in Bad Salzschlirf vom 13. bis 16. Mai, in Hainzell vom 19.—21. Mai, in Hosenfeld vom 26.-28. Mai, in Hauswurz vom 29. bis 31. Mai, in Flieden vom 2.-6. Juni, in Mittel- kalbach vom 10.—11. Juni, in Neuhof vom 12. bis 18. Juni, in Rothemann vom 23.-25. Juni, in Eichenzell vom 1.—2. Juli, in Dipperz vom 7. bis 9. Juli und in Langenbieber vom 11.—16. Juli. Alle Gewerbetreibenden, Großhandlungen, Fabrik- betriebe und Landwirte, sofern sie irgend welche Er­zeugnisse nach Maß oder Gewicht verkaufen oder den

[] Erinnerungen an die Freiheits­kriege.

VIII.

Max von Schenkendors.

Von all den Frühlingssängern, die dem Lenz der anbrechenden deutschen Freiheit entgegengejubelt, welche die Herzen» des Volkes erweckt und zu kühner Tat begeistert haben, hat keiner so laut gesungen, als Max v. Schenkendorf.

Der unbeugsame Trotz gegen den französischen Eroberer, der unbezwingbare Haß gegen das Welsch­tum, der ehrliche deutsche Zorn hat in den Schriften und Liedern Ernst Moritz Arndt einen kraftvollen Dollmetsch gefunden.

Was v. Schenkendorf uns singt, ist anders ge­artet, das ist eitel goldne Liebe zum Vaterland, das ist heiliges Feuer für deutsche Art, deutschen tiefen Glauben, deutsche Sitte. Im Reiche der Dichtung tut er den Dienst, den einst Noms jungfräuliche Vestalinnen übten, durchdrungen von dem Gedanken, daß die also gehütete Flamme bei Vaterlandsliebe nie erlöschen dürfe, solle Deutschlands Wohlergehen verbürgt sein.

Hart an der Grenze der deutschen Mark zu Tilsit wurde Max Ferdinand v. Schenkendorf am 11. De­zember 1783 geboren. Sonderbar, niemand hat feu­riger das Lied vom freien deutschen Rhein gesungen, als der östlichste Ostpreuße: .

Es klingt ein heller Klang, Ein hehres deutsches Wort, In jedem Hochgesang Der deutschen Männer fort. Wir huld'gen unserm Herrn, Wir trinken feinen Wein. Tie Freiheit sei der Stern! Die Losung sei der Rhein! Wir wollen ihm aufs neue schwören: Wir müssen ihm, er uns gehören, Vom Felsen kommt er frei und hehr, Er fließe frei in Gottes Meer!

. Allerdings vom Rhein her klang damals in möch­ten, das Herz erfassenden Tönen das Lied der deut­schen Romantik, der auch seine edle Feucrseelc zuge­schworen hatte.

Die engere Heimat, das Vaterhaus mit unglück­lichen Verhältnissen hatte dieser empfindsamen Dich-

Umfang von Leistungen danach bestimmen, müffen ihr« Maßgeräte, wie Längen- und Flüßigkeitsmaße, Meßwerkzeuge, Hohlenmaße, Gewichte und Wagen unter 3000 kg Tragfähigkeit an einem der bestimmten Orte zur Nacheichung vorlegen, und zwar an dem angegebenen Termin, andernfalls eine Nacheichung beim Eichamt in Fulda erfolgen muß. Nach Beendi­gung der Eichung rottben polizeiliche Revisionen vor­genommen. Nicht transportable Meßgeräte, wie Viehwagen, müffen zur Eichung angemeldet werden.

E Brieftaube«. Sonntag vormittag gegen */i9 Uhr wurden an der Eilgutrampe der hiesigen Station ungefähr 250 Brieftauben des Brieftaubenklubs „Heimkehrs-Würzburg aufgelaffen.

Schaufliege«. Bei dem gestrigen sommerlich­schönen Wetter war der Exerzierplatz das Ziel vieler Spaziergänger und Schaulustiger, um dem seit länge­rer Zeit angekündigten Schaufluge des Herrn Mürau- Gelsenkirchen beizuwohnen. Zur Unterhaltung des Publikums konzertierte eine Abteilung der Kapelle des Artillerie-Regiments, und auch an einem frischen Trünke fehlte es nicht. Längere Zeit schien ein auf­ziehendes Gewitter die Veranstaltung wieder in Frage zu stellen. Doch zum Glück zog es vorüber, so daß gegen i/>5 Uhr das Luftfahrzeug aus der Halle gefahren werden konnte. Herr Mürau bestieg den Führersitz, der Motor wurde angeworfen und mit lautem Getöse sauste der Apparat über das Feld und hob sich leicht und elegant in die Höhe, wo er sich 6 Minuten lang hielt. Unter dem Beifall des Publikums kam der Eindecker in schönem Gleitflug vor der Halle wieder nieder, um kurz darauf abermals zu einem eleganten Rundflug aufzusteigen. Herr Mürau erreichte eine Höhe von fast 200 Meter und ginn nach 17 Minuten glatt nieder. Auf den beab­sichtigten 1—2stüudigen Wettflug verzichtete er wohl mit Rücksicht auf die unsichere Wetterlage. Die Flug­maschine wurde alsbald abmontiert, und Herr Mü­rau, der Vielen ein noch nicht gesehenes Schauspiel bot, reifte »och am Abend ab. — Bereits am Sams­tag abend kurz nach 6 Uhr warM. zu einem Probe­flug aufgeftiegen.

a. Ueberfahrm wurde am Samstag von einem Radfahrer das etwa vierjährige Kind des Schreiner- meisterS Bernhardt in der KSnigstraße. Glücklicher­weise trug eS außer kleinen Blutungen keine ernste Verletzung davon.

~ Gestohlen wurden am Freitag in einem Hotel- Restaurant mehrere Kisten Zigarren, Zigarretten und eine Anzahl feiner Liköre int Gesamtwerte von 25 Mk. Von dem Täter hat man keine Spur.

== Kreis-Kriegerverband. Im Gieselscheu Saale fand gestern nachmittag die diesjährige 15. Abgeord­netenversammlung des Kreis-Kriegerverbandes Fulda statt. Erschienen waren über 100 Mgeordnete und Vereinsvorstandsmitglieder. Der Kreis-Verbands- vorsitzende, Herr Dr. Pfeiffer, eröffnete die Ver­sammlung mit einer kurzen Ansprache, in welcher er auf den Ernst der jetzigen Zeit hinwies. Er betonte gleichzeitig, die Vereine möchten in diesem Jahre von größeren Festlichkeiten Abstand nehmen, weil viele Mitglieder an Regimentsjubiläen teilnehmen. Der Verbands-Schriftführer, Herr Wachtmeister a. D. Schmidt, verlas das Protokoll der vorjährigen Versammlung und den Geschäftsbericht. Er er­mahnte gleichzeitig mit kernigen Worten, die Ver­eine, ihre Pflichten treu und gewissenhaft zu erfül­len, die „Parole" zu lesen und das „Jahrbuch" zu halten. Der Kassenbericht des Kassierers, Herrn H e i n l i n, ergab ein Vermögen des Verbandes von 2155 Mk. Dem Kassierer und dem Schriftführer dankte die Versammlung für ihre mühevolle Arbeit. Der Kreisverband hat jetzt 47 Vereine mit 2647 Mit­gliedern. Einstimmig wurde der alte Vorstand wie­dergewählt. Die Feier des 18. Oktober soll wie früher von den Vereinen durch Freudenfeuer begangen wer­den, wobei Ansprache gehalten und patriotische Lieder gesungen werden sollen. Die Vereine, die Schieß- stände anlegen und Gewehre kaufen wollen, mögen sich an den Schriftführer wenden. Die Haftpflicht­versicherung beträgt 5 -Z pro Mitglied; besitzt der Verein einen Schießstand, kommt noch ein geringer Beitrag hinzu. Sanitätskolonnen sollen, wo es möglich ist, an größeren Orten gegründet werden. Herr Dr. T ö l l e in Flieden will den Versuch machen, hält aber die Ausführung für sehr schwer. Die Ver­sammlung beschloß, den Bundesbeitrag auf 60 I zu erhöhen und diesen Beschluß dem Kurhessischen Krie­gerbunde mitzuteilen. Als Ort der nächsten Abge-

tcrnatur, die so recht ein unberührtes Gotteskind in­mitten der Welt blieb, wenig Anziehendes geboten.

Zu Karlsruhe hatte er sich vor Weihnachten 1812 mit der trefflichen Witwe des verstorbenen Königs­berger Kaufmanns Burklev vermählt und in ihr eine gleichgesinnte Lebensgefährtin gefunden, von der er noch nach Jahren fang:

„Nie soll mich die Wahl gereuen,

Und ich sage feierlich:

Könnt' ich auch noch zehnmal freien, Zehnmal freit’ ich, Liebste, Dich!"

Als bald nach der Hochzeit der König den Ruf „An sein Volk!" ergehen ließ, da litt es ihn nicht in der trauten Häuslichkeit, obwohl er durch eine verstümmelte Hand auch zum Waffendienst unfähig war. Er zog mit nach Breslau, wo die Freiheits­kämpfer sich sammelten.

Vater Blücher, den er ersuchte, seine Lieder unter den Soldaten einzusühren, nahm ihn in feiner Art gut auf und meinte: „Man immer druff los gesungen! Das bringt Feuer unter die Leute. Jetzt muß "jeder singen, wie ihm um's Herz ist, der eine mit dem Schnabel, der andere mit dem Sabe I!"

Bald hatte er den Tod seines lieben einzigen Bruders zu betrauern, der bei Bautzen schwer ver­wundet wurde und in seinen Armen starb. Er singt ihm im Tode nach:

Zeuch hin, wo Karl der Große,

Wo Gottfried, Balduin

Die Sieges- und Todeslofe Für Gottes Krieger ziehn.

Der ganze große Kampf erhielt in seinen Augen den Charakter eines deutschen Kreuzzuges. Er faßte sein Amt als deutscher Dichter tief christlich auf und ließ seine Gesinnung in allen Liedern wiederklingen.

So singt er u. a. in seinem Soldaten-Morgenlied:

Du reicher Gott in Gnaden, Schau' her vom blauen Zelt; Du selbst hast uns geladen In dieses Waffenfeld.

Laß uns vor dir bestehen, Und gib uns heute Sieg; Die Cbristenbanner wehen, Dein ist, o Herr, der Krieg. Ebenso klingt es nach getaner Schlacht:

So zündet nun die Feuer In Gottes Name» an.

DrbReteitberfantmlintg wurde Künzell gewählt. - Ferner dürfte noch zu erwähnen sein: Die 47. Ver­bandsvereine gewährten an Unterstützungen, Sterbe­geldern und Beerdigungskosten im Jahre 1912 2724 Mk. 49 Kameraden erhielten Unterstützungen vom Deutschen Kriegerbund im Betrage von 672 Mark; 46 Witwen wurden aus der Preußischen Krie­gerstiftung Kaiser Wilhelm II. mit 240 Mk. unter­stützt. — Nach der Vermögensstatistik haben die 47 Vereine zusammen einschließlich der Verbandskaffe ein bares Vermögen von 21134 Mk.

Hk. Besuch von Handelssachverstänbigen aus Calcutta und Sydney. Für Interessenten im Bezirke der Handels­kammer zu Hanau ist der Handelssachverständige beim Kaiser!. Generalkonsulat in Calcutta, Herr Gösling, am Freitag, 23. Moi und der Handelssachverständige beim Kaiser!. Generalkonsulat in Sydney, Herr de Haas, am Donnerstag, 29. Mai in Frankfurt a. M. zu sprechen, und zwar durch Vermittlung der Handelskammer zu Hanau, welche Anmeldungen bis zum 12. Mai erbittet.

(♦) Fnßballsport. Der deutsche Fußballbund ließ gestern die Zwischenrunde um die deutsche Meister­schaft in Essen austragen. Unser westdeutfcher Meister, der Duisburger Spielverein, spielte gegen den vor­jährigen deutschen Meister, „Holstein"-Kiel und Duis­burg gewann auch diefes Spiel, wie am Sonntag gegen Stuttgart, mit 2 : 1. Das andere Spiel „Viktoria"-Berlin gegen die Leipziger Bewegungs­spieler gewannen letztere in Leipzig mit 3: 1. Das Schlußspiel um die deutsche Meisterschaft findet zwischen Duisburg und Leipzig am Pfingstsonntag in München statt. — Im hessischen Kreise ist durch ein Protest eine Wendung eingetreten, sodaß nun­mehr der Raffelet Fußballverein als hessischer Meister anzusprechen fein durste, vorausgesetzt, daß er das zu wiederholende Spiel gegen ,.Herknles"-Kaffel gewinnt. — Zum Kreisspiel trafen sich gestern »Sport*-Kassel und „Herkules"-Kaffel. Sport gewann mit 6 : 2.

Aus Uirche und Schule.

* Trier, 23. April 1913. Bischof Dr. Korum von Trier hat in einem Erlaß den Geistlichen seiner Diözese den Besitz von Automobilen und das Fahren in Automobilen untersagt, da dies der Be­scheidenheit, die den geistlichen Stand schmücken solle, nicht entspreche, zumal durch das Automobilfahren der Geistlichen mannigfache Aergernisfe nicht zu ver­meiden seien. Vor dem Ankauf eines Automobils durch Geistliche ist eine besondere bischöfliche Erlaubnis einzuholen.

Ans dem Nachbargebiete.

? Horas, 26. April 1913. Heute nachmittag fiel das 2i^>jährige Söhnchen Otto des Eisenbahnvorar­beiters Stumm in einen Wassergraben und wäre sicherlich ertrunken, wenn nicht der hinzueilende 13- jährige Sohn des Maurerpoliers Witze! es aus dem nassen Element gezogen hätte. Diesem gelang es auch vor kurzem, ein anderes Kind, den 3jährigen Hermann Günther, ebenfalls vom Tode des Er­trinkens zu retten.

k Opperz, 26. April 1913. Der Arbeiter K. F. hier, der in einem Schachte des Kaliwerkes Ellers beschäftigt ist, fiel etwa 5 Meter tief in einen Schacht und zog sich mehrere nicht unerhebliche Verletzungen zu, die indes wahrscheinlich sein Leben nicht gefähr­den. In dem Schacht Ellers, in dem vor einigen Wochen ein größerer Wassereinbruch erfolgte, werden z. Zt. 2000 Zentner Zement eingebracht.

[] Rimmels, 27. April 1913. Bei der Verpach­tung der hiesigen Gemeindejagd, 321 ha groß wurde Meistbietender Herr Amtsrichter Hasseneamp aus Neuhof mit 800 Mark. Der frühere Pachtpreis betrug 480 Mark.

•r» Bad Salzschlirf, 26. April 1913. Die ersten ßurgäfte sind hier eingetroffen. — Unser Kurort erhält wieder einige Neuanlagen. Ein Auskunfts- unb Reisebureau, sowie ein neuer großer Lesesaal werden demnächst dem Verkehr übergeben. Die Fuß­steige der Bahnhofstraße wurden zum Teil mit Klein­pflaster versehen und eine Hosraite zur Verbreiterung der Mühlenstraße angekaust.

* Schlitz, 26. April 1913. Infolge des starken Andranges des Grundwassers in den Hutzdorfer Wiesen, mußte der aufgestellte Eimerbagger den Betrieb nach kurzer Probe einstellen. Das neue Flußbett wird nunmehr durch die zahlreichen Arbeiter ausgehoben. — In letzter Zeit haben verschiedene

Der Herr hat viele Scharen Zn unserm Schutz bestellt, Tie heiligen Engel wahren Des frommen Kriegers Zelt.

v. Schenkendorf's tiefe Religiosität brachte ihn dem katholischen Empfinden überaus nahe. Die hei­lige Jungfrau, Heilige und Märtyrer ruft er in feinen Liedern wiederholt an, die hohen Feste der Kirche besingt er völlig in katholischer Glaubensauf­fassung. Seiner tiefen Verehrung für den Papst gab er lauten Ausdruck. Als Napoleon es wagte, Pius VII. gefangen zu nehmen, erhob er seine Stimme und fang:

Hör' auf deines Volkes Flehen, Heiland, laß vorüber gehen Deiner Kirche Todeswehen.

Was ihr deine Huld gespendet. Ach ihr Kleinod ist entwendet. König, deine Braut geschändet.

Paul und Peter, Kirchensäulen, Heil ge Schirmer, wollet eilen Unsers Vaters Herz zu heilen;

Die, mit zornerfüllten Mienen, Einst dem Attila erschienen Und ihn zwangen, euch zu dienen, Wollet nun den Frevler lohnen, Der zertreten eure Kronen —

Wollet länger sein nicht schonen.

Man hat v. Schenkendorf den Kaiser-Herold genannt. Und mit vollem Recht, seines Herzens Sehnen und Träumen ging auf das Wiedererstehen der alten deutschen Herrlichkeit. Vor dem Kaiser stul^ Karls des Großen in Aachen bricht er in die W" ■ aus:

Steht er wohl noch lange leer?

Will sich drauf kein Kaiser setzen

Allen Völkern zum Ergötzen, Der Bedrängten Schirm und Wehr?

Ach, die Sehnsucht wird so laut!

Wollt ihr feinen Kaiser füren?

Kommt kein Ritter, heimzuführen Deutschland, die verlaßne Braut?

Komm' vom Himmel uns herab,

Den wir alle froh begrüßen.

Generalversannnlungen der Schützer Molkerei getagt. Der Betrieb will sich nicht mehr in dem Grade wie früher rentieren, da seitens der Genossen nicht genügend Milch geliefert wird. Im Schlitzer- land sind die Landwirte mehr zum Mästen von Vieh übergegangen. Die Molkerei wurde zu groß angelegt. Die Genossenschaft geht mit dem Gedanken um, sich aufzulösen u. durch Neugründung einer anderen Genossenschaft die Gebäude billiger verkaufen^zu lassen.

* Frischboru, 28. April 1913. Am 22. März d. I. wurden in dem Walde an der Kreisstraße Lauter­bach-Herbstein Teile eines vermeintlich menschlichen Skeletts ohne Kopf gefunden. Nach einem bei der Anatomie an der Universität Gießen eingeholten Gutachten handelt es sich jedoch nicht um menschliche Knochenüberreste, sondern um die eines großen Hundes.

* Tann i. d. Rh., 27. April 1913. Der bisherige Vorsitzende des hiesigen Zweigvereins des Rhön­klubs, Rentmeister Barlhelmes, der das Amt eines Vorstandes seit einer langen Reihe von Jahren bekleidete, legte aus Alters-Rücksichten sein Amt nieder. Auf der General-Versammlung wurde der Vorschlag, beim Hauptvorstand des Rhönklubs in Fulda zu bean­tragen, daß Herr BarthelmeS zum Ehrenmitglied er­nannt werde, einstimmig angenommen. Anstelle des Genannten wurde Haupttehrer Kohl zum Vorsitzen­den des Vereins gewählt; als Kassierer ging Kauf­mann Karl Freudenthal und als Schriftführer Buch­bindermeister Barthelmes ans der Wahl hervor. — Kürzlich hat sich hier unter der Bezeichnung .Habel- berg-Gemeinde" ein Klub gebildet, der es sich zur Aufgabe machen will, die Schönheiten der Rhön noch mehr, als dies bisher der Fall war, den Frem­den zu erschließen und anderersetts auch die Gesellig- feit zu pflegen. Vorsitzender bezw. Bürgermeister der Gemeinde ist Fabrikbesitzer Schneider, Stellvertreter Lehrer Schmidt-Wendershausen und Gemeindepfleger Lehrer Bauer-Schlitzenhausen. Eine ähnliche Vereini- gung besteht bereits in Geisa, und zwar die „Rocken­stuhl-Gemeinde-, welche mit der „Habelberg-Ge- meinde" die gleichen Ziele verfolgt.

* Hersfeld, 26. April 1913. Arn 1. Mai beginnt an unserem Lullusbrunnen die diesjährige Bade­saison und am 15. Mai werden die regelmäßigen Kurkonzerte beginnen.

* Melgershausen, 26. April 1913. Eine dem Gutsbesitzer Simshäuser gehörige Scheune mit zirka 600 Ztr. Stroh und sämtlichen landwirtschaftlichen Maschinen und Wagen ist bis auf den Grund niedergebrannt.

a. Bad Sode», 27. April 1913. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, gibt es in diesem Jahr eine vo r- zügliche Erdbeerernte. Der Frost hat den Pflanzen, da sie in der Entwickelung noch weit zurück waren, gar nicht geschadet. Auch ans Cronberg, Oberhöchstadt, Schwalheim und anderen „Beerenobst, orten" wird berichtet, daß die Aussichten auf eine gute Ernte bis jetzt die denkbar günstigsten sind.

* Bad Orb, 26. April 1913. Vier schöne Auer« Hähne wurden in den letzten Tagen im hiesigen Stadtwalde von mehreren Jägern erlegt.

* Gelnhausen, 26. April 1913. Der Kreistag genehmigte den Bau eines Gruppenwasserwerks für 12 Gemeinden des südwestlichen Kreisteiles.

* Offenbach, 26. April 1913. Der verheiratete Zuschneider Hunoch hat sich heute früh in seiner Wohnung wegen Krankheit erschossen.

-t Ans dem Taunus, 27. April 1913. Gegen die geplante Bahn.auf den Feldberg wird in den weitesten Kreisen der schärfste Protest erhoben. In erster Linie sind es die Taunuswanderer selbst, voran der Taunus-Klub, die geltend machen, daß der Feld- berg kein Spekulations-Objekt ist, sondern ein herr­liches Stück Natur, das durch eine elektrische Bahn nicht noch mehr verunzert werden darf. Ferner macht sich in den Städten am Südrande eine erhebliche Geg­nerschaft bemerkbar, da man hier mit Recht bei der Ausführung des Planes eine bedeutende Ablenkung des Touristenstromes befürchtet. Schließlich dürfte auch der Forst-Fiskus gegen das Projekt ein energisches Veto einlegeu.

* Hanno». Müudeu, 26. April 1913. Vor der Bonasorler Schleuse fand man heute die zum Teil bereits in Verwesung übergegangene Leiche eines Mannes in den mittleren Jahren. Man vermutet, daß der Tote ähnlich ist mit einem aus Kassel stam­menden Manne, der feit Anfang d. M. vermißt wird und dessen Kleidung seinerzeit am Ufer der Fulda ge­funden wurde.

Dem wir sinken zu den Füßen, Steig' empor aus tiefem Grab! _©o ideal hat kein anderer Dichter seine Aufgabe aufgefaßt wie er. Als der Feind bezwungen, da mahnt er, im Innern Frieden und Ordnung zu schaffen, um das Vaterland liebenswert zu machen. Was er damals fang, das hat auch heute noch Gel­tung und deshalb mögen hier die Verse den kurzen Abschluß der kurzen Charakteristik des schon am 11. Dezember 1817 zu Koblenz verstorbenen Dichters bilden, welche er in seinem „Frühlingsgruß an das Vaterland" singt:

Aber einmal müßt ihr ringen Noch in ernster Geisterschlvcht Und den letzten Feind bezwingen, Der im Innern drohend wacht. Haß und Argwohn müßt ihr dämpfen, Geiz und Neid und böse Lust — Tann nach schweren, langen Kämpfen Kannst du ruhen, deutsche Brust.

Jeder ist dann reich an Ehren, Reich an Demut, und an Macht; So nur kann sich recht verklären Unsers Kaisers heil'ge Pracht. Alte Sünden müssen sterben In der gottgesandten Flut, Und an einen fel’gen Erben Fallen das entsühnte Gut.

Segen Gottes auf den Feldern, Tn des Weinstocks heil'ger Frucht, Manneslust in grünen Wäldern, In den Hütten frohe Zucht; In der Brust ein frommes Sehnen, Ew'ger Freiheit Unterpfand, Liebe spricht in zarten Tönen Nirgends wie im deutschen Land. Ihr in Schlössern, ihr in Städten, Welche schmücken unser Land, Ackersmann, der auf den Beeten Deutsche Frucht in Garben band: Traute deutsche Brüder, höret Meine Worte, alt und neu: Nimmer wird das Reich zerstöret, Wenn ihr einig seid und treu!