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Fuldaer Zeitung

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I Die hiesige Handwerkskammer hat daher beschloßen, I den Gesell enplchfungen eine erhöhte Aufmerksamkeit 1 zu widmen und die ordnungsmäßige Durchführung dieser Prüfungen durch eine häufigere Teilnahme der Mitglieder der Handwerkskammer zu sichern. Es ist jedenfalls erforderlich, daß auch die Aufsichtsbehörden und Innungen in höherem Maße als es bisher viel­fach geschehen ist. den Gesellenprüfungen ihre Auf­merksamkeit schenken und sich selbst von Zeit zu Zeit von dem ordnungsmäßigen Gang der Prüfungen überzeugen. Um eine möglichst geregelte und wirk­same Beaufsichtigung dieser Prüfungen durch die Aufsichtsbehörde und die Handwerkskammer sicher- zustellen, ersuche ich, sich wegen Teilnahme an den Prüfungen mit der Handwerkskammer in Verbin­dung zu setzen. Die Gesellenprüfungen werden im hiesigen Bezirk noch vielfach in G a st h ä u s e r n ab­gehalten. Zur Wahrung der Würde der Prüfungs­handlung ist dahin zu streben, daß die Verwendung von Wirtshäusern zu Prüfungszwecken nach Mög­lichkeit vermieden wird. Ich ersuche deshalb, auf Benutzung geeigneter anderweitiger Räume hinzu­wirken; am geeignetsten erweisen sich hierfür die Hauser der Gesellen- und Jünglingsvereine, Jn- nungshäusrr, Rathaussäle, Schulräume usw. Dis zum L Oktober d. I. sehe ich näheren Mitteilungen darüber entgegen, in welchem Umfange noch weiter Wirtshäuser für die Gesellenprüfungen benutzt wer­den."

-!- Steigerung der Lebensmittelpreise in Hessen» Nassem. Nach amtlichen Feststellungen der Stadt- Verwaltungen stiegen in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt die Preise für 24 verschiedene der ge­bräuchlichsten Konsumwaren in Kasiel um 30,4, Frankfurt a. M. 29,6, Mainz 27,6, Mannheim 23,4, Wiesbaden 27, Darmstadt 28,2, Gießen 29,7, Hanau 31,5, Offenbach 30,4. Worms 23, Aschaffenburg 32,8, Homburg v. d. H. 35,7, Bad Kreuznach 25,7, Mar. bürg 32,6, Eschwege 37,9, Friedberg i. H. 27,4, Fulda 34, Hersfeld 42,4, Heppenheim 15,8, Mühl- heim a. M. 27,2, Mendorf 30,5, Bad Orb 26,5, Weilburg 29,5 und in Witzenhausen um 52,9 Pro­zent

♦♦ Die Apfelblüte gerettet. Inwieweit der kürz­lich ausgetretene Frost der Obstbaumblüte geschadet hat, läßt sich zurzeit noch nicht völlig übersehen. Tat­sache ist jedoch, daß die Apfelblüte durch den Frost nicht im geringsten benachteiligt worden ist, denn sie steckte noch wohlverwahrt in den Blüten- knospen, die der warme Sonnenschein eben erst zur Entfaltung bringt. Die Aussichten für die Aepfel- ernte scheinen nach dem reichen Blütenbehanq recht aünstiq zu sein, sodaß ein Ausfall an Steinobst und Birnen durch die Aepfelernte ausgeglichen werden kann — falls nichts dazwischen kommt.

(*) Ein Promenadknkonzert des Trompeterkorpl unseres Feldartillerie-Regiments sindet morgen vor­mittags 4,ii Uhr bei günstiger Witterung im Schloß- garten siatt.

(*) Ein Mahnwort an die Eltern brtr. Spezialaus­bildung der Töchter. Es ist eine bedenkliche Tatsache, daß junge Mädchen besserer Stände, nachdem sie ihre Schulzeit hinter sich haben, die be'ien Jahre ihres Lebens int süßen Nichslun verbringen; es liegt eine Gefähr dann, wenn wertvolle Lebensabschnitte ohne systematische Arbeit verftreichen. Warum toll man nicht, wie bei der männlichen Jugend, diese kostbare Zeit be­nutzen, auch die Töchter für den Kampf des Lebens vorzubereiten, sie mit der Schulung des GeisieS, der Stählung des Willens und der Erziehung zur treuen Pflichterfüllung an den Gedanken gewöhnen, dab der Mensch zur Arbeit geboren ist, daß er nur in der Arbeit wahre Befriedigung finde und durch dieselbe seinem Leben Wert verleihen kann. Praktische Eltern werden sich nicht allein mit der Ausbildung ihrer Tochter zur bauswirtschaftlichen Tüchtigkeit begnügen, sondern thr Augenmerk darauf richten, daß ihre Kinder ttn Falle der Nichtverheiratung auf eigene Füße gestellt werden können. Darum hinein in einen praktischen Bern', ver die Möglichkeit einer Existenz schafft. Ein Spezialkursus in Maschinenschreiben und Stenographie, der wenig Zeit und Kosten erfordert, gibt heute die besten Aus­sichten, Eingang und Lebensstellung in Kontor und Bureaus zu finden

□ Ter Verband der HauS- und Grundbesitzer-Ver. eine der Provinz Hessen-Nassau hat auf Sonntag den 27. April d. Js., vormittags 11 Uhr, in Marburg eine Vorstandssitzung anberaumt mit der Tagesorb-

Yb.

Samstag 26. April 1913.

Thüringer „Toleranz".

Die „Fuldaer Zeitung" brachte vor kurzem einen Ar. tilel über die katholischen Künfessions- oder Privat, schulen. Es wurde da der Wunsch ausgesprochen, ein in der Diaspora tätig gewesener -Geistlicher möchte seine Erfahrungen zu diesem Punkte 8ent Leserkreis mitteilen. Inzwischen hat auch die „Germtania" in Nr. 158 bom 6. April einen Leitartikel veröffentlicht, der gleichfalls das Schulgebiet betrifft. (Vgl. amch Nr. 90 der „Fuld. Ztg.") Ich möchte heute noch ein Wort zu dieser „Schul, toleranz" sagen und nach einer siebenjährigen Diaspora» seelsorge die katholische Diasporasösule empfehlen.

Die katholischen Diaspora-Pfarcreien und -Kuratien im Grvtzherzogtum Sachsen-Weimar haben alle ihre Privatschule mit Ausnahme bvn Ilmenau. Warum man in dem Artikel der „GermanLa" dem Grotzherzog-

wie die Kirche.

2. Die Katholiken mögen den BonifatinSder. ein immer eifriger unterstützen.

3. Klerus und Volk dürfen nicht ruhen und rasten, bis auch in Sachsen-Weimar diese katholischen Schulen, die, doch staatlich zulässig, auf die st ä d t i s ch e n E4 a t s überncmmen werden. H. S.

Sie wandte sich hastig ab und ging ins Haus. Die Blutter blickte ihr traurig nach.

„Sie ist dazu geschafsen, glücklich zu machen und glücklich zu sein", dachte Frau Swerjeff, „armes Kind!"

Die Zimmer in Latwilischki waren klein und nied­rig, die Tapeten waren von der billigsten Sorte. Als Roman Romanowitsch aus Blagotir nach dem klei­nen Gute zog, mußte der Verwalter die Wohnung räumen. Im Gegensatz zu ihr standen die kostbaren Möbel, die Teppiche und Vorhänge, die Swerjeffs beim Umzuge mitgenommen hatten. Im letzten Zim­mer stand ein schöner Stutzflügel: Olgas schmale. Weiße Hand strich liebkosend darüber. Hier ver­brachte sic viele Stunden des Tages. Ihr Spiel war ihre Zerstreuung, ihr höchster Genuß; in den Tönen, der ihre Finger den Tasten entlockten, lachte und weinte ihre Seele. Sic hatte das Petersburger Kon­servatorium mit der goldenen Medaille beendet, und sie wußte, daß sie einst ganz auf eigenen Füßen stehen werde, wenn sich die müden Augen der Mütter für immer schlossen, wenn der leichtsinnige Bruder ihr auch die letzte Heimat raubte. Aber Olga sürch- tete sich nicht vor dem Kampf mit dem Leben; sic besaß ein mutiges Herz und eine eiserne Willens­kraft, zwei Eigenschaften, die ihr helfen mußten, vor­wärts zu kommen.

Nachdem sie ihre Mutter versorgt hatte, fragte Olga nach dem Verwalter Grigori Tichnofski, von dem sie das Bewußtsein hatte, daß er unzuverlässig und unredlich war. Mer was konnte sie dabei tun? Ihr Bruder lobte den Mann und überließ ihm alles. Soviel Olga vermochte, suchte sie einen Ein­blick in die Wirtschaft zu bekotnmcn, in Haus und Hof sah sie nach dem Rechten. Aber wie wenig war das, und wie leicht wurde sie von Grigori hinter- gangen. Aus ihre Frage nach dem Verwalter sagte man ihr, daß er nach Vcrnowka gefahren sei und erst am Nachmittage zurückkchrcn werde.

„Wahrscheinlich wieder betrunken", dachte Olga. „JchZverdp. mit.Roman sprechen; er muß den Men-

ihrer Tochter Wange. „Mir zu Liebe harrst Du aus in diesen schweren Verhältnissen! Nicht lange mehr wird mein kummervolles Herz schlagen, und wenn ich gestorben bin, steht Dir nichts mehr im Wege, Tu "kannst Deinen Flug in Weite nehmen, Ruhm und Lorbeeren erwarten Dich auf Deiner Künstler- laitfbahn."

„Ach, sprich nicht so, mein goldenes Mütterchen", bat Olga mit bebenden Lippen, „jeder Tag, den wir noch zusammen sind, ist ein Geschenk des Himmels, Gott wolle Dich noch lange erhalten."

Sie waren aus dem Hause in§_ Freie getreten. Der sogenannte Garten von Latwilischki bestand aus einigen alten Bäumen und zwei Blumenbeeten, die Olga selbst angelegt hatte und pflegte. Dicht da­neben wuchsen Kohl und Küchcngemüse. _ Die Wege waren von Gras überwuchert, und man sah, daß sich nieiitottb um dieselben kümmerte.

„Es füll alles mit der Zeit anders werden, Ma- mafcha", sagte das junge Mädchen. „Sieh, hier ist eine Rojc aufgebläht, die erste, die ich am Strauch gepflegt; Du sollst sic haben."

Mit einer anmutigen Bewegung ihrer hohen Ge­stalt bückte sich Olga Romanowna und pflückte ein Sträußchen, das sie der Kranken in den Schoß legte. Dann hüllte sie ihre Knie in ein Tuch und schüttelte die Kissen zurecht, die eine Magd herausgebracht hatte.

„Sy, mein Seelchen, ich gehe hinein, um Dir Dein Frühstück zu bringen. Marfa, unsere alte Ge­treue, mag bei Dir bleiben, während ich mit dem Verwalter spreche. Es ist möglich, daß ich ausreite, aber ich eile zurück, Du weißt, ich bin nicht lange ruhig fern von Dir."

„Geh nur, mein Herzchen, Tu brauchst Bewegung, Du bist jung und kannst noch etwas vom Leben er­warten."

lieber Olga Romanownas Gesicht flog ein Schat­ten, und die braunen, weichen Augen trübten sich.

„Seit Michael starb, ist meine Jugend dahin", sagte sic leise, „ich habe sic in einen Sarg gelegt."

des Regierungsbezirks Kassel sowie an die Magistrate der Städte Kassel, Hanau, Marburg, Fulda, Eschwege und Schmalkalden den nachstehenden Er­laß gerechtet: „Bei den Untersuchungen der Gesellen­prüfungen im hiesigen Regierungsbezirk hat sich ge­zeigt, daß diese noch vielfach an erheblichen Mängeln leiden. Diese Erfahrungen sind sowohl von mir als auch von der Handwerkskammer gemacht worden.

2. Blatt.

WMFler (1 Salta

Lokaler.

Fulda, 26. April 1913.

# Verliehen wurde dem Stadtbaumeister a. D. Knecht zu Frankfurt der Rote Adlerorden 4. Klasse und dem Hauptlehrer a. D. Diebener zu Schenk­lengsfeld der Adler der Inhaber des HausordenS von Hohcnzollern.

# Personalien. Der Charakter als Profeffor ist verliehen worden den Baugewerkschul-Oberlehrern Brude, Bahlke, Wünsche und Wunsch in Frankfurt a. M. — Ter Genchtsreferenvar Böste aus Bebra wurde zum Gerichts-Aflessor im Bezirk des Oberlandesgerichts zu Kasiel ernannt. — Beför­dert wurde zum Rittmeister der Res. der Oberleut­nant der 9hf. im Gardetraindataillon Karl Bau­mann« Eichhof bei Hersfeld.

A Päpstliche Auszeichnung. Dem Stadtältesten Herrn August Müller wurde vom Heil. Vater das Komthurkreuz des St. Silvesterordens verliehen.

Fernsprechverkehr. An das Ortsfernsprechnetz der Stadt Fulda wurde das Spezialgeschäft für Reste von Joseph Zahn er, Buttermarkt, unter Nr. 560 angeschlossen.

(*) Das Elektrizitätswerk bittet uns, mitzuteilen, daß es am morgigen Sonntag das Stadtnetz zwecks Anschlusses einer neuen Kabelstrecke für die Zeit von 12 bis 3 Uhr mittags stromlos machen muß.

E Ein gefährlicher Unfug unserer Jugend ist das Stemwersen. Vor nicht langer Zeit noch erlitt der Schaffner ,eines Eilgüterzuges bei Vierzehnheiligen durch einen Steinwurf eine schwere Kopfwunde, und gestern nachmittag entgingen die Insassen eines von Frankfurt kommenden Automobils in der Nähe des sogenannten Lerchenfeldes nur knapp der Gefahr, von einem Steinwurf verletzt zu werden. Auch hier war es ein Volksschüler, der mulwilligerweise mit einem Stein nach dem Automobil warf. Sein Name wurde festgeftellt und bei der Polizei gegen ihn An­zeige erstattet.

Strafkammer. Der schon wiederholt wegen Diebstahls vorbestrafte 50jährige Gelegenheitsarbeiter M. Schm, von hier hatte sich gestern abermals wegen Diebstahls zu verantworten. Am 2. Dez. v. Js. soll er aus einem Eisenbahnwagen im sogen. Stöckel» ser Bahnhof emen Sack Weizen, der Firma I. Wein­berg hier gehörig, um damit Hühner zu füttern, ge­stohlen haben. Bei einer Haussuchung fand man an zwei Stellen 146 Pfund Weizen in seiner Wohnung vor. In der gestrigen Verhandlung wurde er des Diebstahls überführt. Der Erste Staatsanwalt be­antragte gegen den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände 6 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte demgemäß. — Ein 64 jähriger Möbelfabrikant aus Tann (Rhön), der im Mai 1911 in Konkurs geriet, war des Vergehens gegen die Konkursordnung angeklagt. Der Angeklagte hatte es unterlassen, zur vorgeschriebenen Zeit die Bilanz u ziehen und außerdem hatte er die Hand- lungsbltchec unordentlich geführt. Der Erste Staats­anwalt beantragte unter Zubilligung mildernder Um­stände wegen der nicht rechtzeitigen Aufstellung der Bilanz 50 Mk. Geldstrafe. Das Gericht verurteilte ihn zu 30 Mk. Geldstrafe. — Bei einer im August v. Js. abgehaltenen Revision der Drogerien in "der Stadt Fulda wurden in einer Drogerie u. a. Zink- Toilette-Crcme, Zahnwehlropfen und Höllensteinstifte angetroffen, Sachen, die zum Verkauf in Drogerien nicht sreigegebcn sind. Die betr. Inhaberin der Drogerie erhielt einen polizeilichen Strafbefehl über 15 Mk., wogegen sie gerichtliche Entscheidung bean­tragte. Anfang Januar d. Js. erkannte das Schöffen­gericht auf die gleiche Strafe. Dte Strafkammer als Be^usungZinstanz verwarf gestern dem Anträge des Ersten Siaalsanwalts entsprechend die Berufung. — Der 19 jährige Dienstknecht H. D., zuletzt in Johannes, berg, war angeklagt, 20 Mk. und 8,50 Mk. in bar, einen Schusterhammer und einen Rtng im Werre von 10,50 Mk. gestohlen zu haben. Die Gelddiebstähle bestritt der Angeklagte entschieden, gibt aber zu, den Fingerring genommen zu haben. Dte Beweisaufnahme konnte ihn wegen der Gelddiebstählc nicht überführen und so wurde er wegen des Ringdiebstahls zu drei Tagen Gefängnis verurteilt.

schen entlassen und sich selbst mehr um die Wirtschaft kümmern."

Der alte Postbote Feodor kam soeben mit seinem struppigen Pferdchen auf den Hof gefahren; Olga ging ihm entgegen und fragte nach den Zeitungen und Briefen. Es war nur ein Brief da; er trug ihres Bruders Handschrift und war an den Verwal­ter adressiert, der Poststempel war aus Monte Carlo. Instinktiv wußte Olga, daß es ein Befehl war, ihm Geld zu schicken. Grigori verstand es, gegen hohe Zinsen, die Mittel zum ausschweifenden Leben seines Herrn zu beschaffen.

„Die neuen Herrschaften sind nun bald schon vierzehn Tage in Blagotir", erzählte Feodor. „Ilja Georgowitsch Soltjakoff ist ein wunderschöner Mann, und Dosia Jljanowna ist noch reizender geworden in den vier Jahren. Gott segne das liebe Täubchen."

Olga hörte kaum hin. Was gingen sie die Frem­den an, die jetzt in Blagotir lebten, in dem Hause, wo sic ihr kurzes Brautglück genossen hatte, wo sie den Geliebten in der Krankheit gepflegt und ihm die Augen zugedrückt hatte; denn Michael Ssergewitsch Bronski war auf Urlaub bei feiner Braut gewesen, als er dem Typhus erlag.

Er wollte in Blagotir beerdigt sein auf dem Friedhof mitten im Walde, damit Olga wenigstens die traurige Freude habe, sein Grab zu Pflegen.

Das junge Mädchen setzte sich an den Flügel Ihre Finger glitten über die Tasten: sie phantasierte, wie sie zu tun Pflegte, wenn ihr das Herz schwer war. Nach und nach gingen die Töne in die Grieg- sche Perght-Suite über; sie spiel»" die unvergleichlich ergreifende Melodie, die der groß: nordische Meister mit „Äsens Tod" bezeichnet hatte. Michael liebte diese Weise und bat die Braut ost darum.

„Bei dieser Melodie möchte ich einst sterben», hatte er einmal geäußert, und Olgas liebendes Herz zitterte bei seinen Worten. Und doch kam es so. Mit erlöschender Stimme bat der junge Offizier sie, sein Lieblingsstück vorzutragen. Als sie zu Ende war, war auch das junge, hoffnungsvolle Leben er­loschen; Michael Sergewitsch hatte ausgelittcn. (F. fj.

Darum sage ich: ... I A Staatsbehörde und Gesellenprüfungen. Der

1. Jeder katholische Misfionsgcistliche in Deutschland I Kasseler Regierungspräsident hat an die Landräte strebe danach, seine Privatschule zu haben und gu 1 " ~ • • *• — —

behalten. Die Schule ist in der Diaspora so wichtig.

Die schuld öes Vaters.

®] Roman von Freifrau G. von Sch tippen bach.

1 Olga Romanowna war drein ndzwanzig Jahre alt, eine vornehme, anziehende Erscheinung, sehr ge­bildet und feinfühlend, dabei stolz «nd scheinbar kalt. Aber unter diesem Eispanzer pochte! ein heißes Herz; sie empfand tief und nachhaltig. Mßt neunzehn Jah­ren starb ihr Über alles geliebter Bräutigam, ein junger Offizier, den sie in Petersburg kennen gelernt batte. Sie war wie gebrochen. Mts dem lebens­lustigen, heiteren Mädchen wurde evi verschlossener, stiller Mensch. Nur die Liebe ihrer fMuttcr half ihr über ihren Kuntmcr hinweg. Fort cm widmete sie sich ganz der Leidenden und verzichtete auf persön­liches Glück.

Tie Swrrjesss waren erst vor bter Jahren nach Vlagontir gezogen, kurz nachdem Daisy Soltjakoff ihren Vater nach Amerika begleitete. ^Dic kurze Zeit hatte hingereicht, um Mutter und Trchter in der Gegend allgemein beliebt zu machen^ wohingegen Rchnan Romanowitsch sich keine FreurDc durch sein zynisches, leichtfertiges Wesen zu erwetpen verstand.

„Mütterchen, mein goldenes", sagte Olga, „ich lvill Dich tu den Garten bringen. Es sitz heute warm und sonnig, die Luft wird Dir gut tun."

Die Kranke fröstelte; ihr Atem ging schwer.

„Olga", sagte sie mühsam, „ist eine Post schon gekommen, hat Dein Bruder nicht geschrieben?"

„Nein, Mütterchen."

„Ob er in Monte Carlo ist? Er wird dort das letzte verspielen. Wir werden am Bettelstäbe auch don hier fortziehen müssen. Ich wollte, ich lüärc tot."

„Speick nicht so", flehte Olga, „ich brauche Dich jo fehr. Bin ich nicht da, um für Dich zu sorgen, Du, mein Seelchen? Ich habe ja im Katherincnstift ^es Examen »cmacht und kann Klavirrstunden Leben.""

»Ja, Du bist mein tapfere;, gutes Kind", ver­letzte die Kranke, und ihre abgezehrte Hand streichelte

* Die Reform derZwangsinuuugerr.

s 3» der Denkschrift des Deutschen HandwerkS- Mch Getverbekammertags betreffend Abänderung des Handwerkergesetzes vom Jahre 1897 ist eine Reihe von Vorschlägen gemacht, die eine Reform der Zwangsinnungen bezwecken. Den Borfchlä- gen kommt besondere Bedeutung zu, well die Aocmgsinnung in Handwerkerkreisen als die eigent- fi§e Berufsorganisation des Handwerks angesehen

und das Streben nach Gründung von Zwangs- trnnntgen unverkennbar ist.

Der erste Wunsch geht auf Ersatz des Wortes -Zwaogsinnuna durch Pflichtinnung. Es ist das eine alte Forderung des ersten Deutschen Hand­werks- und Gewerbekammertags. Im Hanirwerk herrscht gegen allen staatlichen Zwang eine gewisse Voreingenommenheit. Man will daher bei der Innung auch schon äußerlich das Aufkommen einer Vorstellung von Zwang vermeiden. Der zweite Vorschlag betrifft eine Erschwerung der Aus­lösung von Ztvanasinnungen. Es gibt immer Handwerker, die sich den Vorschriften der Zwangs­innung nur ungern unterwerfen und daher von den auferlegten Beschränkungen wieder Möglichst bald laszukommen suchen durch Auflösung der Zwangs- irmung. Wenn auch diese Auflosungsbestrebungen keinen Erfolg haben, so rufen sie durch die immer Wicker eingebrachten Anträge auf Auflösung Beun­ruhigung unter den Mitgliedern hervor und verhin- dern eine zielbewußte Tätigkeit. Zur Auflösung der Innung gehört ein Beschluß der Jnnungsversamm- Iiutg, der mindestens von einem Viertel derjenigen Junurigsmitglieder, welche der Innung anzuge­hören verpflichtet sind, beantragt ist. Der § 100 t GO, der die Auflösung der Innung regelt, soll nun insofern geändert werden, als der AusiVsungsantrag in den drei ersten Jahren bei der Aufsichtsbe­hörde und erst später beim Jnnungsvorstand ein- gebracht werden muß. Außerdem soll bei Ablehnung des Antrags innerhalb drei Jahren kein gleicher An­trag eingÄhracht werden dürfen. Bei der Besetzung der Gesellenansschüsse haben sich Schwierig­keiten ergebt'», weil die Beteiligung am Gesellenaus­schuß nach dpn heutigen Vorschriften nur solchen Ge­sellen möglich ist, die die Meisterprüfung abgelegt oder von der' Verwaltungsbehörde das Recht, Lehr- linge auszubibden, erhalten haben. Es sollen daher die frühern Vorschriften, die eine Erleichterung der Vorbedingungei: zur Aufnahme in den Gesellenaus­schuß enthielten, wieder in Geltung gesetzt werden.

Die wichtigste Forderung ist die Aufhebung des bekannten § 100 q, der den Zwangsinnun­gen die Festsetzung von Mindestpreisen verbietet. Das Handwerk Ho t die Macht über die Preisbildung vielfach verloren ;unb leidet stark unter der Preis­schleuderei. Dadurch, daß man den Zwangsinnungen das Recht gibt, Mindestpreise einzuführen, will man die Mißstände beseitigen. Heute bleibt den Mitglie­dern der Zwangsiwnungen kein anderer Weg, als neben der Innung eine eigne Vereinigung mit dem Zwecke der Festsetzung von Mindestpreisen zu schas­sen. Während der .Handwerkskammertag 1902 in Leipzig noch eine Mitwirkung der Behörden bei der Festsetzung der Mindestpreise vorsah, verlangt er heute die gänzliche Beseitigung des § 100 q. Die Verwirklichung der Forderung würde den allein dastehenden Fall bedeuchcn, daß der Staat mit Hilfe des gesetzlichen Zwanges die Möglichkeit für Preis­konventionen schafft. Tenn ein Austritt aus der Zwangsinnung gibt es fiir den einzelnen nicht. Die h'ute bestellenden sonstigem Preiskonventionen, z. B. in der Industrie, beruhem alle auf freier Verein- I barung.

Der Handwerkskamertvg hofft aber auf Grund I der entgegenkommenden Erklärung des Staatssekre- I tärs des Reichsamts des Indern vom 5. März 1913 I auf baldige Verwirklichung feiner Forderung.

I tum Sachsen „eine etwas rühmlichere Ausnahme" in dem I thürinisihen Schukkonzert gegen die Katholiken zugestan. I den Hai, ist mir unerklärlich. Es ist doch selbstverständ- [ lich, daß die Schulen der katholischen Gemeinden des I ehern. fuld. Dekanates Geisa — um diese nur handelt I es sich hier — auch katholisch sind. Was den staatlichen I Zuschuß betrifft, so beträgt er bei einer Schülerzahl von I zirka 50 Kindern jährlich 250 Mk.!

Bei der Erörterung des Falles der Jenaer katholischen I Schule ist nun die Frage aufgeworfen worden, ob e§ I überhaupt angebracht sei, in Thüringen latho. I lische Privatschulen zu unterhalten, und selbst I katholische Geistliche in Thüringen sind der Ansicht ge- I wesen, man solle diese Schulen wieder auflösen, weil die I Erfolge in gar zu schroffem Verhältnisse zu den auf. I gebrachten Opfern ständen. Demgegenüber sage ich: I Wenn wir in Thüringen noch keine kathol. Privatschulen I hätten, dann müßte man sie gründen. Ich selbst habe im Jahre 1906 eine solche begründet. Seien wir doch weitblickend! Ich kann mir den Entschluß der Jenaer Bittsteller, die Schule auflösen und die Kinder auf die städtischen Schulen wieder verteilen zu wollen, nur als Zugmittel für die Erlangung des natürlich be­rechtigten städtischen Zuschusses erklären. Während Amerika seine blühenden Pfarrschulen besitzt, und dabei der Katholizismus gute Fortschritte macht, sollten wir die SchMe preisgeben und ganz die Kinder in protestan- tische Hände geben? Man gebe nur die Schule auf, hat man bann noch die Kinder im Religionsunterricht? Nach dem weimarischen Schulgesetz find sie nicht gezwungen, den katholischen Religionsunterricht zu besuchen; der । katholische Vater kann erklären, daß die Kinder am pro- I testantischeu Religionsunterricht teilnehmen sollen. Und selbst wenn uns der kath. Religionsunterricht staatlich garantiert würde, was ist wertvoller: katholischer Reli­gionsunterricht in katholischer Schule, oder katholischer Religionsunterricht neben ebangel. Schule? Wir haben ja genug Erfahrung auf den einzelnen Stationen ge­sammelt, wo wir neben ebangel. Schule kath. Religions­unterricht erteilten. Was wir in der einen Woche er­reichten, war bis zum nächsten Religionsunterrichte wie­der über den Haufen geworfen. Was sagte doch der Meininger GeneralsuperiMendent Dr. Graue im Pasto­renblatt 1905? , . . Was die Kinder anlangt, so haben kleine Mädchen und kleine Jungens bon Gewissensfrei­heit noch keine Ahnung, sondern sic nehmen bergnügt hin, was ihnen freudig und herzlich dargeboten wird." Darum kann nur gelten, was das Bonifaiiusblatt im Jahre 1912 schrieb: Wir dürfen nicht eher ruhen und rasten, bis jede katholische Gemeinde auch in der Diaspora ihre Kirche und katholische Schule hat.

Freilich sind die Opfer groß, die zur Unterhaltung der katholischen Pribatschulen gebracht werden müssen. Wenn aber etwas daraus folgt, dann nur das Eine: Ihr Katholiken, alle hinein in den Boni- fatiuSberein. Wir tun soviel für die auswärtige Mission, und das ist recht, es mutz noch mehr geschehen, aber dabei sollte man ja nicht die innere Mission vcrges- sen. Man nimmt es den Katholiken übel, wenn sie katholische Missionsschulen gründen, wie es mir passiert ist; die kathol. Pribatschnle ist den Protestanten ein Dorn im Auge. Ich frage: Welchen Zweck hat dann die evan- gelische Konfessionsschule? Und doch gründen die Pro­testanten sie überall, wo sie keine öffentliche besitzen.

Und dann vom seelsorglichen Standpunkte: Wie ist eS mit dem religiös-kirchlichen Leben einer jungen Dias­pora-Gemeinde bestellt ohne Schule? Ost ist während der ganzen Woche kein Erwachsener in der hl. Messe, so aber Inteen doch jeden Morgen unschuldige Kinder vor dem Tabernakel und beten für Vater und Mutter um das Glaubenslicht und gehen am Sonntag znm eucha­ristischen Mahle. Die mancher Vater und manche Mut­ter ist durch die katholische Schule dort auch wieder gut geworben. Ich habe Familien gekannt, bie nie mehr die sonntägliche heilige Messe besuchten, feitbem ihr Kind aber zur kathol. Schule ging, fanben auch sie toieber ben Weg zur kathol. Kirche. Ich hatte in meiner großen 98 Ortschaften umfassenden Mission einmal eine Familie mit 9 Köpfen: Der Vater katholisch, bie Mutter evange­lisch, bie Kinber gesetzlich katholisch, aber tatsächlich evan­gelisch. Seitbem bie Kinber nun bie katholische Schule besuchten, würbe ber Vater toieber eifrig, bie Kinder würben bie besten unsrer Schnlkinber, unb bie Mutter ist inzwischen in einer Nachbarknratie, wohin sie ver­zogen waren, katholisch geworben. Gewiß, wir haben auch traurige Siunben mit ber katholischen Privatschule burchzukosten: untoürbige Lehrkräfte, öfterer Wechsel ber guten, finanzielle Sorgen, Anfeindungen bei meist libera­len Protest. Lehrerkraft u. s. w., doch was soll bas, wenn wir nur bem heiligen katholischen Glauben bienen. Das muß unser Streben sein, auch in ber Diaspora bie ganze Fülle beS religiös-kirchlichen Lebens zu entfalten unb Christus in Allem zu verherrlichen; unb dazu gehört auch bie katholische Schule.

Es ließe sich noch Vieles sagen; für heute nur noch ein Beispiel, bas von selbst für bie Notwendigkeit ber katholischen Konfessionsschule spricht: In N., einer Kreisstabt in Thüringen, wollte ein evangelischer Vater seine teils schulpflichtigen Kinber zum katholischen Glau­ben ber Mutter überschreiben lassen. Davon benach­richtigt. erscheint in ber Familie ber zustänbige evange­lische Geistliche, um ben Vater von biefem Schritte ab- zubringen, aber ba ber Mann bei seinem Entschlüsse verharrt, .spricht ber Pfarrer bas Wort: „Dann schicken Sie ihre Kinber wenigstens nicht in bie katholische Schule." —