4. Blatt.
»Wtf 6er Salbcer Zefienbruderei in Salbe,
*$* Fuldaer Leitung. *$•
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JVs 96.
Samstag 26. April 1915.
wochen-Run-schau.
[:] Fulda, 25. April 1913.
(Nachdruck oerboten.)
Tie Beratung dsts Militärctats im Reichstag brachte gegen Ende vergangener Woche peinliche Ent- hüllungm seitens des Sozialdemokraten Dr. Liebknecht über recht zweifelhafte Geschäftsmanöver der Kanonenfirma Krupp und der Dillinger Werke. Danach hat die deutsche Munitions- und Waffenfabrik vor einigen Jahren den Versuch gemacht, durch die Preffe auf die öffentlichu Meinung in Frankreich ein- zutoirken und für sich Selber Stimmung zu machen. Die Firma Krupp hat stch vor Jahren von der deutschen Marine für die Tonne Panzerplatten 400 Mark mehr zahlen lassen, als Yon der amerikanischen; ähnliches ist bei der Lieferung von Kanonenrohren geschehen. Ferner haben Angestellte der Firma Krupp in Berlin seit einer Reihck von Jahren durch unsaubere Geschäftspraktiken sich von Beamten und Militärpersonen aus dem Kriegsministerium allerlei Geheimberichte zu verschaffen gewußt, die sich nicht nur auf die Preise der Konkurrenz, sondern auch aus die Konstruktion von Waffen bezogen. Der Kriegsminister mußte im großen und ganzen die von dem sozialdemokratischen Abgeordneten vorgebrachten Be- schitldigungen zugeben. Da »in gerichtliches Versah, ren in der Angelegenheit noch Schwebt, wird mit einem sicheren Urteil über diese äußerst peinlichen Vor- tommnrsse zurückgehalten werden müffen, obgleich nahezu die gesamte deutsche Preffe und öffentliche Meinung sich heute schon in der scharfen Verurteilung dieser unsauberen Geschäftsmag över einig ist. Der Kriegsminister war im Zusammenhang mit der Affäre Krupp auch scharfen, aber durchaus ungerechtfertigten Angriffen ausgesetzt. J>n eingeweihten Kreisen will man aber wissen, daß dar Kriegsminister bereits vor einiger Zeit sein Entsirssungsgesuch eingereicht und nur den Wunsch ausgesprochen habe, noch die Wehrvorlage vor dem Reichstag zu vertreten.
Im preußischen Abgeordmutenhause kam «s bei der dritten Lesung des Etats des Jnriern zu lebhaften Auseinandersetzungen über die von der Linken geforderten Wahlreform. Herr von Dallwitz erklärte jedoch, daß die Regierung nicht geneigt sei, diesen Wünschen npchzugeben. Sie hvbe seinerzeit eine Wahlresormvorlage eingebracht, deren Annahme aber gescheitert fei. Jetzt müsse sie sich -den Terutin Vorbehalten, den sie zur Einbringung bar neuen Vorlage für geeignet halte. — Die neue Ost.markenvorlage in Höhe von 175 Millionen Mark, dusch die die preußische Polenpolitik fortgesetzt wird, gelangte in zweiter und dritter Lesung gegen die Stimmet des Zentrums und der Linken zur Annahme. Das Resultat stand von vornherein fest. Für die gloriose Antipoleirpolitik der Regierung ist im Dreiklaffenhauß: eine sichere, aus Konservativen und Nationalliberchlen bestehende Mehrheit vorhanden. Die Minister i>. Schorlemer und Lentze stießen wieder einmal ims hakattstische Horn, ohne ihm neue Töne entlocken zu können.
Tie französische Regierung hat nun Maßnahmen getroffen, um das Unrecht, das in der Provinzialhauptstadt Nancy mehrere» deutschen Reichsangehörigen zugefügt wurde, fotneit es auf amtlichem Wege tunlich war, wieder gut zu machen. Eine andere Erklärung, die allerdings nicht wie eine Satisfaktion aussieht, gibt die französische Presse. Man spricht und schreibt von einer „Quepelle d'Allö- mand". Dieses Geflügelwort hat in der fr anzösischeu Alltagssprache einen ganz besonderen Sims. Es bedeutet einen Krakeel ohne Grund, lediglich) um des Krakeels willen. Natürlich hat diesen bii' brutsche Presse provoziert. Daß man sich in Frankrr ich offenbar bemühte, ben ganzen Zwischenfall auf ritne grobe Herausforderung der Deutschen zurückzufülhren, daß man schrieb, die in ihrer ruhigen Harmlosigkeit und heute erwiesenen Wohlanständigkeit deutsches Reisenden hätten das charmante, geistreiche, so deutschfreundliche Schauerdrama vom „Ulanenfrib* ausgepfiffen und bei einzelnen, für deutsche Ohren wohl sesonders melodisch klingenden Stellen fogar. ausgespuckt, daß man sogar behauptete, die ganze Sache laffe eine von der deutschen Regierung inszenierte Provokation vermuten, — das alles ist natürlich „Querelle d'Allemand"! An allen diesen gingen, die das sonst so liebenswürdige Wesen des französischen Volkes neuerdings so bedenklich entfteÜti trägt niemand anders die Schuld, als die blinde Llnver- antwortlichkeit einer Preffe, der erst vor wenigen Tagen auf dem Londoner Journalistenbankett Lord Rosebery so ernst und eindringlich ins Gewissen geredet hat. Tie Wühlarbeit der chauvinistisches Re-
Unpolitische Seltläufc.
N. B-ilin, 24. Sprit IS®.
tNachdruck nicht gestattet.)
Eine Bärenjagd ist ein männliches Vergnügen; aber eine Floh jagd? Brr!
Welch schönes Bild von Mut und Kraft, trjjntn die Schlachtroffe gegen Kugeln und Bajonett tzhre Attacke machen! Doch welch trauriges Bild, w,mn das tapfere Pferd unter den Stichen von Bremsen und Fliegen vergeblich zuckt und zappelt!
In der fortrafenden Lokomotive des Schnellzuges steckt eine gewaltige Kraft; aber wenn die winzigen Schneeflöckchen auf den Schienen und in dem $raab= Werk sich versammeln, dann liegt der Riese gesegelt ?u Füßen der Zwerge.
Mancher hat schon geseufzt: Mit den größten Gefahren weiß ich mich schon abzufinden; wes-tn nur die kleinen Widerwärtigkeiten einem nicht auf Schritt und Tritt das Leben verbittern wolltejn! Dieser ewige Kleinkrieg mit den Mücken und TücHen des Daseins verdirbt einem die Lebenslust und tüas Lebensglück.
Unter den Nadelstichen des Schicksals leiden nicht bloß wir kleinen Durchschnittsmenschen, sondern mich die Großen dieser Welt nnb die Völker.
Wir streben nach Frieden und guter Nachbarschaft. Da kommt ein Teufelchen und bläst ein in Zeppelin nach Luneville. Mit Müh und Not wild die Gefahr glimpflich überwunden. Aber nun Puts tat das Teufelchen die Nachtbummler von Nancy zu Rcp- beiten gegen deutsche Vergnügungsreifende auf. Hüb kaum sind wir durch die Dornen dieses schlimmeren Zwischenfalls hindurchgekommen, da verirrt sich ein deutsches Flugzeug mit zwei Offizieren wiederum über die Grenze. Nun stehen wir blamiert da. Jedtzr Fall für sich ist im Grnnde eine Kleinigkeit: abqr wenn sich die unangenehmen Ueberraschungen hätj- seu, so wird ein schweres Aergernis daraus. Während wir noch den Franzosen eine Lektion über beit Juten Ton halten, drehen die den Spieß um und verbitten sich unsere „Einsälle". Es geht wie it|t Zusammenleben von zwei Familien mit muntere): Nachkommenschaft: wenn die * beweglichen KindcL .den Grenzstrich auf dem Korridor ober im Gartcv
volver-Journalisten, welche täglich vom eignen Takt unb bet eigenen souveränen Kaltblütigkeit daher Mein, droht das Friedenswerk der republikanischen Regierung, welche in der Angelegenheit von Nancy etne taktvolle Erledigung herbeizubringen sich bestrebte, schwer zu gefährden.
Aus dem Balkan ist zwischen der Türkei und ben Balkan st aaten ein längerer Waffenstillstand abgeschlossen worden, dem bald der Frieden folgen dürfte. Tie Differenzen, die noch -wischen den Vorschlägen der Mächte und den Forderungen der Balkanstaaten bestehen, sind gegenüber dem einmütigen Friedenswillen belanglos. Schwieriger werden sich dagegen die Airseinandersetzungen unter den siegreichen Verbündeten selbst gestalten. Das Gespenst eines zweiten Balkankrieges steht bereits drohend am politischen Horizont. Der Balkanbund erscheint selbst nach Aeußerungen serbischer Blätter als erschüttert, ein Fortbestand des Bündnisses unmöglich. Schon ziehen die Bulgaren gegen die Griechen und Serben, und diese gegen die Bulgaren Truppen zusammen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es hier einer energischen Intervention der Mächte bedarf, um einen neuen Krieg im Keime zu ersticken.
Das Ereignis dieser Woche war der Fall Sku- t a r i s. An sich kann es uns ja ziemlich glcichgiltig sein, ob Montenegro Skutari erobert hat oder nicht. Man könnte sich sogar vielleicht freuen, daß die Qual der Besatzung unb ber Bürgerschaft, bie seit langem schon am Hungertuche nagte, ein Ende gefunden hat. Aber bie Ehre Europas unb bas Inter- effe Oesterreich-Ungarns werben so sehr durch ben Fall ber Festung berührt, daß man gerade jetzt, da der Friedensfchluß bevorsteht, mehr als vorher die Ausdehnung des Krieges befürchten muß. Montenegro hat Skutari gegen den Beschluß und ben Befehl Europas mit Gewalt erobert, müßte es auf Befehl Europas toicber heran soeben, aber man glaubt nicht, daß Montenegro bie Festung nicht ohne sehr bedeutende Verluste erobert hat, nur um sie wieder herauszugeben. Es wäre entschieden einfacher gewesen, billiger, unblutiger und würdevoller, wenn man Montenegro nicht erst Skutari hätte erobern lassen. Die Welt sieht mit Spannung und Sorge auf bie weitere Entwicklung ber Dinge.
n. Die endlose Schraube.
Ucbcr ben Fall Krupp kann man noch nicht urteilen. Nicht nur der Ruf ber alten Firma, auch die Billigkeft gestatten kein Urteil, solange das gerichtliche Urteil noch nicht ergangen ist.
Wie aber auch das Urteil ausfallen mag, charakteristischer ist ein anderer Fall, der zugleich mit dem Fall Krupp in Erinnerung gebracht worden ist: daß die deutsche Munitions- und Wafsenfabrik, Aktienge- sellschaft in Berlin-Karlsruhe, einen Artikel in die Parifer Preffe des Inhalts zu schmuggeln versuchte, wonach die französifche Heeresverwaltung sich entfchloffell habe, die Neubewaffnung der Armee mit Maschinengewehren erheblich zu beschleunigen unb bie hoppelte Anzahl als zuerst beabsichtigt, zu bestellen. Der Pariser Figaro, in ben ein solcher Artikel geschmuggelt werden sollte, bestreitet, einen derartigen Artikel gebrach zu haben, gibt aber zu, daß das Schreiben der Firma den angegebenen Sinn hatte. Unb bas ist das Entscheidende. Der Versuch, Alarmartikel in die sranzösische Preffe zu bringen, ist gemacht worden — ob mit, ob ohne Erfolg, mag zunächst dahingestellt bleiben. Der Zweck war, Deutschland aufzuhetzen, das zu tun, was nach dieser Notiz die sranzösische Regierung angeblich getan hat. Denn es gilt als sicher, daß, wenn eine Macht etwas für ihr Heer tut, die anderen Mächte folgen müffen. Darauf wurde und wird spekuliert.
Wir haben das bereits des öfteren erlebt, und erleben es noch immer. Noch ist kein Ende in dem Rüstungswettkampf abzufehen. Niemand weiß zu sagen, wie ihm eine Grenze gesetzt werden kann. Ein einzelnes Volk kann es nicht, und keine einzelne Regierung wird es wagen. Dennoch sollte bie gesamte Diplomatie ihren Witz brauchen, um das Heilmittel ausfindig zu machen. Denn jedes Land hat ein großes Interesse daran, Millionen unb Milliarden zu sparen, da es für diese sehr viel beffere Verwendung hat. Im Verlauf von 16 Jahren sind die Jahresausgaben der Großmächte für Heere unb Marine von 2y2 auf ünf Milliarden gestiegen. Die jetzt geforderte Heeresverstärkung ist eine noch nie dagewesen große. Die Landesvertetdigungsbudgets ber Mächte werden
nicht respektieren, bann kann aus ben kleinen Zwi- chenfällen eine große Zwisttgkeit werden. Da bleibt iichts anderes übrig, als baß der Vater die unvor- ichtigen Buben beim Ohr nimmt und ihren Klugheit cinbläut.
Unb wie gehts am Dalk an? Im Schweiße ihres Angesichts unb mit unenblicher Geduld haben bie Staatsweisen von Europa es dahin gebracht, baß bie Bulgaren, Serben unb Griechen Wasfenstillstanb machen unb bie Grundlagen des Friedens annehmen. Aber da kommt ihnen ber Zaunkönig Nikita von bem kleinen Montenegro in bie Quere, verbeißt sich auf das Spielzeug Skutari, bas ihm verboten worben ist, unb rennt mit seinem Trotzkopf bie ganze kostbare Spiegelscheibe des europäischen Friebens ein. Die Großen lassen sich bänbigen, bie kleine Mücke sticht unversehens.
Auch unser K r i e g s m i n i st c r kann ein Sieb von ber Tücke ber Kleinigkeiten singen. Er soll 120 000 neue Soldaten unb über eine Milliarde neue Kosten durchsetzen. O, diese Riesenaufgabe wird ihm nicht sauer; die große Sacha geht, wie geschmiert. Aber nun kommen eine Reihe von Dingen zur Sprache, bie im Verhältnis dazu, klein erscheinen, unb in diesem Domgeftrüpp bleibt man stecken. Wie tehts mit ber Farbe ber Uniformen? Sollen sie alle eldgrau sein, wie es sich für den Kriegsgebrauch gehört, ober soll man auch noch blaues Tuch fabrizieren lassen, das angeblich auf ber Parade besser aussieht? Ter Reichstag sagt mit Recht, man müsse bei dem großen Mehrbedarf an allem Ueberflüssigen sparen. Die Regierung glaubt aber, gewisse überlieferte Liebhabereien noch verteidigen zu müffen. Nun gibt es einen Eitelkeitsstreit, während wir doch alle Kraft und Zeit auf bie Beschaffung des Notwendigen bereinigen müßten.
Dazu kommen noch die Scrgerniffe bei ben Grunbstücks- unb Licserungsgefchästen. Wo Aas ist, ba sammeln sich die Raben, unb wenn Reich ober Staat Geschäfte machen wollen, so sind gleich Schmarotzer da, bie ihren Prosit machen wollen. Tiit unverhehlter Schadenfreude tischen die Sozialdemokraten alte und neue Geschichten auf von den bedenklichen Kunstgriffen, welche die Waffeu- fabrifanten anwenden, um recht viel Aufträge zu
also noch weit mehr anschwellen. Es muß aber bann die Zeit kommen, da „die Schraube ohne Ende" doch ihr Ende finbet. aber ein Enbe mit Schrecken, ben Schrecken, den man durch bie enormen Rüstungen zu verhüten glaubt, und der doch unvermeidlich ist, wenn ber Nüstungseifer so fortgeht. Unb ewig kann es so nicht fortgehen.
Der deutsche Reichstag soll unb wirb bie Heeresverstärkung im Großen unb Ganzen bewilligen, aber er wird auch nachsehen, wo bas Gelb bleibt. Wenn nun einmal wieder Millionen über Millionen für Niistungszwecke bewilligt werden müffen, bann will der Reichstag wenigstens verhindern, daß das Reich übervorteilt werde, wie es im Falle Krupp angeblich der Fall sein soll; er will durch die am Mittwoch beschlossene parlamentarische Untersuchungskommission seine Aufmerksamkei-t allen jenen Praktiken zuwenden, durch die der für bie Armee- unb Marinezwecke bestimmte Goldstrom in allerlei Kanäle und Kanälchen abgeleitet wird, bis er am Ende zum erheblichen Teil in den Taschen profitfreubiger Ge> schäftemachm münbet.
Im Jahre 1896 ergaben sich ernste Bedenken gegen die Firma Krupp wegen der Lieserung von Rohrrücklaufgeschützen mit Schutzschilden nach deutschem Muster an die sranzösische Regierung, später wegen ihrer Beteiligung am Pulverring zum Schaden des Militärfiskus, dann wegen ihres Konkurrenzkampfes unter amtlicher Protektion wider Ehrhardt unb „Rheinmetall". 1901 mußte man erfahren, baß bie Vereinigten Staaten ihr Panzermaterial um 20 Prozent billiger beziehen, als Deutschland das feinige; trotz Preisrückgang sind unsere Panzerplatten noch um mindestens 800 Mark pro Tonne zu hoch. 1905 wurde im Reichstage nachgewiesen, wie hoch bie Preise ber Firma Krupp bei Kanonen unb Geschossen siub; wie ein Preisrückgang nur infolge des Auskommens ber Konkurrenz eintrat. Kriegsminister v. Einem bestätigte bieg durch Bekanntgabe amtlicher Zahlen. Nun erfährt man zum höchsten Erstaunen, daß durch unlau etre Manipulationen gerade die Firma Krupp in den Besitz der Konkurrenzangebote gekommen ist. Unlieb mußte es auch auffallen, baß unter ganz öffentlicher finanzieller Unterstützung seitens ber Waffenlieferanten kriegstechnische Vereine gegrünbet wurden, gewisse Preßorgane finanziert wurden, bie eine sehr unangenehme Scharfmacherei gegen Frankreich, insbesonbere aber gegen England einleiten mußten, ganze Heerscharen pensionierter hoher Offiziere ber Armee und Marine feit jener Zeit durch das Land ziehen und den Krieg predigen. Es ist gar kein Geheimnis mehr, hinter bem Kriegsgeschrei steckt oft die Dividende der Waffenfabriken.
Deutsches Reich.
+ Ermittelung über die Viehpreise auf deutschen Viehmarkten. In dem der Kommission zur Untersuchung ber Zustande im Vieb- unb Fleischhandel unterbreiteten Fragebogen steht an erster Stelle die Untersuchung des Preises vom Stall bis zum Viehhof. Zur Vornahme dieser Ermittelungen wurde von der Kommission eine aus vier Mitgliedern bestehende Unterkommission eingesetzt, der je eiy Vertreter der Landwirtschaft, des Viehhandels, des Fleischergewerbes und der Viehverwerlungsgenoffenschasten angehört. In Begleitung eines Vertreters des Reichsamts des Innern Hal diese Unterkommission schon eine Reihe derartiger Feststellungen in Berlin, Breslau, .Dresden unb Hamburg gemacht unb ist jetzt dabei, auch einige bedeutende süddeutsche Märkte zu besuchen. Unb zwar handelt es sich um München, Mannheim unb Frankfurt a. M. Zur Unterstützung der Arbeiten der Unterkommission an Ort und Stelle wird an lebetn Marktort ein Viehhändler, der Obermeister der Fleischerinnung und ein Landwirt zur Verfügung stehen. Außerdem aber werden an den Erhebungen auch Vertreter ber betreffenden Landesregierungen und der beteiligten Schlachthofverwaltungen teilnehmen.
.:. Gerichtsbekannt? Berechtigtes Auffehen erregte vor einiger Zeit eine Urteilsbegründung des Amtsgerichtes Ludwig stabt in einem Beleibigungspro- zeß. Darin stellte Oberamisrichter Kreuzer fest, es fei eine gerichtsbekannte Tatsache, daß bie katholische Geistlichkeit im letzten Wahlkampf sich vielfach nicht entblöbet hat, bie Kanzel, von ber doch nur Worte des Friedens und der Versöhnung tönen sollten, zum Tummelplatz politischer Leidenschasten zu machen. Das erzbischöfliche Ordinariat Bamberg wandte sich daraufhin an bas
hohen Preisen zu ergattern. Auch wenn man alle UebertreibmtgcH abzieht und alle milbernben Um- tänbe gelten läßt, so bleibt doch immer noch genug übrig, um bei den weniger urteilsfähigen Leuten die Stimmung zu verschlechtern. Und zum Ueberfluß kommt es gleichzeitig zum Krach wegen eines unglückseligen "Tauschgeschäftes in Berliner Grundstücken, bei denen die Reichs- und Staatsbehörden ihre kausmännische Unfähigkeit in fehr bedenklicher Weise erwiesen haben. In ihrem heiligen Diensteifer haben sie bie Rücksicht auf die Volksvertretung vergessen und sind einem „wohl empfohlenen" Agenten der- artig ins Garn gelaufen, daß der Mann nicht weniger als 21/2 Millionen Abstandsgeld verlangt. Das sind boch Äcrgerniffe, die sich bei etwas Um- und Vorsicht hätten vermeiden lassen und in so ernster Zeit unter allen Umständen hätten vermieden werden müssen. Mit Recht fragt man: Was soll denn aus ber neuzubewilligenden " Milliarde werden, wenn Lieferanten unb Zwischenhändler sich so auf das Schmarotzen verstehen? Das Zentrum hat einen festen Griff in dieses Wespennest veranlaßt durch seinen Antrag, daß eine besondere Kommission zur Regelung aller Rü- stungslieferuugen eingefetzt werde.
Jetzt, wo so großes auf bem Spiel steht, sollte man endlich auch entschiedene Schritte tun gegen die alten Aergernisft des Duellwesens, ber Solbätenmißhand- lnngen, der Grobheiten bei Kontrollversammlungen u. bgl. Der Einwand, daß solche Aergernissc nur selten noch vorkamen, ist nicht durchschlagend. Jeder einzelne Fall wirkt, abgesehen von dem Unrecht, das die Opfer erleiden, höchst nachteilig auf weite Kreise und auf die Stimmung des Volkes ein.
In kleinen Wiegen wächst großes Unheil heran. So erhebt sich jetzt in Frankreich ein Angst- und Notgeschrei wegen Gefährdung der Flottenmacht durch die — Opium pfeife. In Tonkin haben die Schiffsoffiziere und Matrosen das Opium kennen gelernt; sie haben ihren Kameraden diesen Genuß beigebracht, und jetzt hat sich die Seuche so arg verbreitet, daß man in Toulon, dem neuen Hauptkriegshafen, bereits 163 öffentliche Opiumhöhlen gezählt unb zugleich das Opiumrauchen in zahllosen Wohnungen festgestellt hat. Die französische Flotte hat sich soeben erst aus bei furchtbaren Not des unzuver-
bortige Landgericht mit bem Ersuchen um Bekanntgabe jener Geistlichen, welche bie Kanzel zum Tummelplatz politifcher Leidenfchaften gemacht hätten. Rach längerer Untersuchung gab das Landgericht den Bescheid,
„datz Oberamtsrichter Kreuzer in Ludwigsstadt in dem gegen ihn anhängig gemachten Verfahren Geistliche, die im letzten Wahlkampf die Kanzel zu politischen Zwecken mißbraucht hätten, nicht namhaft gemacht hat und daß fein Verhalten von den Disziplinargerichten entsprechend gewürdigt morden ist.»
So sollte es stets gemacht werden. Wenn solche unb ähnliche Behauptungen gegen Geistliche ausgesprochen werden, sollten immer sofort die strickten Beweffe für solche Behauptungen verlangt werden; dann käme in ben allermeisten Fällen die Rotblockpresse um das Vergnügen, mit Verleumdungen gegen Geistliche hausieren zu können.
2lu$Ianö.
♦ Ein Minister, wie er in eine SchandrePublik Paßt. In ber portugiesischen Kammer interpellierte der Abg. Jacinto Nunes toieber wegen ber Unter«' drückung ber verfassungsmäßig gewährleisteten Preßfreiheit durch ben Minister des Innern. Der Interpellant erklärte, einige katholische Zeitungen hätten immer noch nicht bie Erlaubnis erhalten, zu erscheinen, biefe verfassungswidrige Unterdrückung mache den peinlichsten Eindruck im In- und Auslande. Der Minister erwiderte darauf, die betreffenden Zeitungen seien Organe ber Jesuiten (!) und ba bie Jesuiten in Portugal von Gesetzes wegen als Verbrecher und Uebeltäter angesehen würden, könnten sie auch keine Zeitungen veröffentlichen lassen, so wenig wie Diebe, Mörder unb Apachen solche veröffentlichen dürften! Es braucht Wohl kaum gesagt zu werden, daß dis Jesuiten nichts mit den betreffenden katholischen Zei- titngen gemein haben. Das Gesetz, das die Jesuiten als „Verbrecher" betrachtet, existiert auch nur in der Phantasie ber Jakobiner. Die Schandrepublik am Togo, die sich auf Verbrechen aufgebaut hat, fürchtet die Aufklärung durch die katholischen Blätter wie der Teufel das Weihwaffer.
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ist man empfindlich. Rasch HB i V-J. ist eine Erkältung da, und die / Stimme ist öfter belegt und
heiser als frei. Das lästige Gefühl der belegten Stimme vergeht, sobald man ein paar Wybert-Tabletten zu sich nimmt, die immer zur Hand sein müssen und in allen Apotheken 1 Mark pro Schachtel kosten. Bei Erkältung lindern sie den Hustenreiz und bringen den Katarrh schnell zum Schwinden.
Sicher und schmerzlos wirkt das echte [294 Radlmr’sche Hühnerausenmittel. Fl. 60 Pfg. Nur echt aus der Kronen-Apotheke, Berlin W. 8. Zu haben in Apotheken u. Drogerien.
lässigen ft--Pulvers herausgearbeitet; jetzt steckt sie in einer Opiumnot, da bie geistige und körperliche Kraft der Besatzung und vor allem der Führer durch die verruchte Pfeife mit tödlicher Sicherheit untergraben wird. Und man weiß nicht, wie man bem Verderben steuern könnte!
Nun wollen wir ja nicht einen pharisäischen Ton anschlagen. Bei uns ist freilich bie Opium- ober Morphiumseuche noch nicht epidemisch geworben, aber basür haben wir andere „nationale" Seuchen. Der Alkohol richtet noch viel zu viel Verheerungen in ben Körpern unb ben Seelen an. Und besonders bedenklich ist das Anwachsen der Spiel- und Wettleidenschaft. Immer wieder kommen Berichte über Familienkatastrophen und Verurteilungen wegen Unterschlagungen unb Betrugs, bie in dem Satze gipfeln: ber Schuldige hat seinen eigenen Verbimst unb bas fremde Geld in Rennwetten ober im Glücksspiel verbracht. Solche Verirrungen fangen auch in der Regel klein art, wachsen sich schnell aus und verbreiten das größte Verderben um sich herum. Gegen den gemeinschädlichen Unfug der Rennwetten unb der Glücksspiele aller Art müßte in einem christlichen Kulturstaat noch viel entschiedener vorgegangen werden. Das sind giftige Fliegen am Volkskörper, unb der steht hilflos da wie ein Gaul, dem der Schweif gestutzt ist.
Tie Wett- und Spielsucht verführt zahlreiche Angestellte zu Veruntreuungen, und die Unehrlichkeit sängt sehr häufig ganz im kleinen an: bei der Portokasse. Die Geschäftsleiter achten oft zu wenig auf die verhängnisvolle Versuchung, in bie ihre jüngeren Leute durch bie mangelhafte Kontrolle der Portokrffe geführt werden. Daß in einem umfangreichen Geschäft des Portowesens sich zu ganz beträchtlichen Unterschlagungen benutzen läßt, hat neulich eine Berliner Gerichtsverhandlung erwiesen. Bei den dortigen Elektrizitätswerken hat ein Vera Walter der Portokasse in Summa 20 000 Mark unterschlagen, wofür er zwei Jahre Gefängnis erhielt.
Um große Aergernisse zu verhüten, mutz man bie kleinen Keime des Unheils nach Kräften bekämpfen. Wer einen Brand verhütet, braucht die Feuerwehr nicht m alarmieren.