Fuldaer Zeitung
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e Zletpmgsliften der preußisch-süddeutsche» Xlassen-Lotterie.
40. Zahrgang
Samsfog den 26. April 1913
erstes Blatt
Nr. 96
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Illustrierte Sonnfagszelfung
Monats-Beilage: s s
Erscheint «gisch mit Ausnahme der Sonn- und Zelersoge. viertel' Mhrtidier Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Sutöa fomte auswärts 1.50 Mord. — Hotationsörudt und Verlag der X 8 Zuidoer kctiendruckerei in Zulda. Zernsprecher Nr. 9. ::
(Intrigen: DtrReum rintr rinftsolflgtn Colon dufte, 47 n dreN, koftrt 15 Pf«.
- — — —------ - Relttamen: Der Roum einet Cotoneljeile, Un breit, koslri 40 Pfg. Bd
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SulvOet Ut|ultu]lSQIuiICt Konltursföüen wirb bet bewilligte Rabatt hinfällig. Oft hundert für bas €in- *' klagen von Jorberungen ifi Zulbo. flngrifen-rinnahme bis 10 Uhr bormittags.
-Lotterie. — tzaldjShrlich Taschenfahrplan, H s = ersten dtnelrm erbitten wir uns tags oortier. = s
Deutscher Reichstag.
Sitzung boot 25. April ISIS.
Rach zwei kurzen Anfrage« bett, der Verhandlungen «oischen den in 9leu-jtamerun berechtigten KonzessionS- gesevkchaften und den verbündeten Regierungen über die künftigen Stellen der Gesellschaften und zweitens über die Gründe des ergebnislosen Verlaufs der Brüs. feier Spirituosenkonfere z von 1912 wird der Ergän- znngsetat zum Etat der Schutzgebiete für 1913 nach un- wesentlichen Bemerkungen des Abg. Noske (Soz.) an» genommen.
Dann wird die Beratung des
Stets des Reichsschatzamtes
mit der Abstimmung über die von der Kommission ge» strichene neue Stelle eines 2. Direktors im RerchSschätz- amt fortgesetzt.
Die Budgetkommission hatte die Stelle gestrichen, trotz aller Bitten deS Schatzsekretärs Kühn. Vizepräsi. benl Dove stellt den Posten zur Abstimurung; es erhebt sich das ganze Haus.
In höchstem Erstaunen bemerkt Vizepräsident Dove, er sei bei der Formulierung der Abstimmung mitzver» standen, aber das ganze Haus ruft ihm zu: Ja, ja, wir bewilligen den ttektorl (In diesem Augenblick erscheint Staatssekretär $Mn.)
Beim Titel .Veteranenbeihilfe' spricht
Abg. Arnstadt (konfi) seine Befriedigung über die endliche Erfüllung der Wünsche der Veteranen aus und hofft, daß die Veteranenbeihilfe nicht bloß auf 150, sondern gleich auf 180 Mark erhöht wird.
Reichsschatzsekretär kühn teilt mit, daß der Bundesrat gestern einem Gesetzentwurf bett. Erhöhung der Bei- httfen für die Kriegsteilnehmer zugestimmt hat.
Die Abgg. Bruckhofs (Vp.) und Zürn (Rp.) find für möglichst rasche Verabschiedung des Gesetzes.
Abg. Pospiech (Pole) führt Klage, daß polnischen Veteranen vielfach aus politischen Gründen die Beihilfe entzogen oder überhaupt versagt worden sei.
Abg. Route (Soz.) hält die geplante Erhöhung für völlig unzulänglich.
Reichsschatzsekretär Kühn: Der neue Gesetzentwurf enthält ausdrücklich die Bestimmung, daß bei Festste!, hing der Fürsorgebedürftigkeit baS politische Verhalten vollständig außer Betracht bleiben soll. Jeder Klage über mangelndes Entgegenkommen wird sorgfältig nach, gegangen. Dabei ist mehrfach festgesttllt worden, datz bisweilen völlig unberechtigte Ansprüche erhoben werden.
Abg. Cohmann (Z.) begrüßt den angekündigten Ge. setzentwurf und hofft, daß im Laufe der Jahre die Beihilfe auf 180 Mk. erhöht werden kann. Er wünscht, datz auch die berücksichtigt werden, die nicht unmittelbar vor den Feind gekommen sind, wie die Handwerker und die zum Bewachungsdienst Eingezogenen und hält es für am Platze, auch der Witwen der Veteranen zu gedenken.
Abg. Siebenbürger (kons.): Ich mutz meine alten Kameraden darüber aufklären, daß das Vorgehen der Sozialdemokraten eine Farce ist.
Der Präsident rügt diesen Ausdruck.
Abg. Siebenbürger: Dann sage ich: ES ist ein ge» meiner Schwindel. (Große Unruhe und Lärm bei den Soz.)
Der Präsident ruft den Redner zur Ordnung.
Nach kurzer weiterer Debatte wird der Etat bewilligt. Beim Titel Jubiläumsmünzen bedauett Abg. Arend (Rp.), daß die Münzen nicht in genügender Zahl ausgeprägt find.
Abg. Schwärze-Lippstadt (Z.) wünscht Beseitigung der Fünfmattstücke und der 25 Pfennig-Stücke.
Die Abgg. Rupp-Marburg (W. D.), Pauli-Cochem (Z.) und Werner-Hersfeld (Rp.) begrühen gleichfalls die Vorlage, welche die wirtschaftliche gedrückte Lage der Veteranen heben soll.
Abg. Dr. Arendt (Rp.) bemängelt daS Aussehen der neuen Denkmünze und fordert eine vermehrte Ausprägung von Silbergeld.
Abg. Schwärze-Lippstadt (Z.) spricht sich für ver. mehtte Ausprägung der Denkmünze, sowie für eine bessere Ausgestaltung derselben aus und wünscht ferner Einziehung der unbeliebten Fünfmatt- und 25 Pf^ Stücke und weitere Ausprägung von Dreimarkstücken.
Abg. Dr. Certel (k.) tritt für die Prägung eines anderen 25 Pf.-Stückes ein.
Reichsschatzsekretär Kühn erklärt, daß daS 25 Pf^ Stück vom Verkehr nicht aufgenommen würde, weil es im Vettehr heute nicht mehr die Rolle spielt tote früher.
Abg. Dr. Oertel (k.) ist überzeugt, datz das 25 Pf^ Stück bei guter und anständiger Prägung gern ausgenommen wird.
Abg. Dr. Arendt (Rp.) stellt fest, daß der Abg. v. Sttombeck als Anreger des 25 Pf^-Stückes in Betracht komme.
Der Etat beS ReichssckatzamteS wird bewilligt, ebenso debatteloS der Etat der Retchsschuldenver» to a 11 u n g.
Zum Etat der Allgemeine« Reichsfinanzverwaltnng liegt eine Resolution der Kommission vor: Den Reichs- kanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß durch Unterdrückung der sogen, wilden Buchmacher, event. durch Einführung einer Konzessionspsticht für Buch- macher der Hinterziehung der Totalisatorstempelsteuer wirksam Dorgeheuat wird.
Abg. Etslle (Soz.) tritt gegen das System der rn- direkten Stenern auf.
Abg. Graf kaniy (L) betont demgegenüber, daß speziell an den landwirtschaftlichen Zollen nicht nur Großgrundbesitz, sondern vor allem auch der mittlere und Kleinbesitz das lebhafteste Interesse habe.
Abg. Fegtor (Vp.) spricht sich dafür aus, daß bei den Mängeln beS Einfuhrscheinsystems an einem weiteren Abbau der Einfuhrscheine gedacht werden müsse. Von einer wetteren Erhöhung der Schutzzölle könne keine Rede fein.
Abg. Gothein (Vp.) wendet sich gegen die Konser- dativen und wünscht anstatt der großen Gutsbezirke kleine Bauerngüter. ,
Abg. Schulze-Gävernitz (Vp.) glaubt, daß in 20 Iah. ten die jetzigen Schutzzölle verschwunden fein werden.
Abg. Stolle (Soz.) verlangt Aufhebung der Futter- solle.
Abg. Hesiermann (natl.) tritt der Anschauung der Sozialdemokratie, daß sich die Landwirtschaft auf Kosten der übrigen Stände in ungerechtfertigter Weise be- ceickett, entgegen und ist für Beibehaltung der Einfuhr- scheine zur Rentabilisierung beS östlichen Getreideanbaus. Auch die kleinen Bauern verlangten den Echuhzoll.
Nach weiterer unerheblicher Debatte wird die gestern wrückgestellte Resolution Baumann (Z.) betr. verstärk- ten Schutz für die inländische Weinproduktion angenommen, ebenso die Resolution der Budgetkommis, sion betr. Totalisatorstempel.
Der Rest des Etats, ebenso das Eatsgesetz werden Se6 ielnfi nnftL-n nnim ort
Die bet GeschäftSordnungskommission überwiesene Resolution Bassermann und Gen. betr. Heber- toeifung der Wahlprükungen an eine ae- richiliche Behörde wird an die verstärkte Ge- schäftSordnungskommission verwiesen. Die Heberet n $ u n f t zwischen Deutschland und Rußland zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst wird in erster und zweiter Beratung debatteloS erledigt. Ebenso in einmaliger Schluhberatung bet Entwurf einer Bekanntmachung über dteAenderung beS Wahlreglements vom 28. Mai 1870.
SamStag: Kleinere Vorlagen und dritte Beratung deS EtatS.
Preußischer Landtag
HtrrephaaS.
Sitzung vom 25. April 1913.
Auf der Tagesordnung des Herrenhauses standen 22 Punkte. In zwet Stmtben waren sie erledigt. Nur Bertchterftalter kamen zu Wort und befleißigten sich einer lobenswerten Kürze. Man nahm die Erwetterung beS Stadtkreiles Linden an, den Entwurf über ältere Hypotheken in Neovo-pommern und Rügen, sowie den über die SBetbefferung der Wohnunqsoerhältnisse staatlicher Arbeiter. Einige Rechnungsfachen wurden zur Kenntnis genommen, und dann kamen eine Anzahl Petitionen an die Reihe, die man größtenteils den KommisflonS- beschlüflen gemäß durch Uedergang zur Tagesordnung erledigte.
Samstag: Etat.
Abgeordnetenhall?.
Sitzung vom 25. April 1913.
Zunächst werden Rechnungssachen deba teloS erledigt. Da? Ruhrreinhaltungsgefetz, das die Bildung einer Ge. noffenlchast zur Reinhaltung der Ruhr und ihrer Neben« flüffe bezweckt, wird tn 2. Leiung angenommen, desgleichen da? Ruhrtalsperrengesetz. daS die Zusammen- sassunq der Wasserwerke und ähnlicher Anlagen zu einer Genossenschaft mit dem Zweck vorsteht, das der Ruhr lchädltch entzogene Wasier zu ersetzen und eine bessere Ausnutzung der Triebkraft ver Ruhr und ihrer Nedeu- flüsse herbeizuiüdren.
Daraus wird ein Antrag, der Budgetkommifsion auf angemessene Erhöhung des Remuneraltons- und Unter» stützungsionds im Etat des HaujeS von 1914 ab angenommen. Es folgen Petitionen.
Erne Petition deS Schutz verband es gegen die Bäckereiverordnung, die eine Verlängerung der DtSpenle auf bte Standdauer der Häuser oder bis zum grübet en Umbau derselben wüni cht, wird den Kom- miiflonSbefchlüffen entsprechend in dem Sinne erledigt, daß sie zur Berücksichtigung überwiesen wird.
Eine Reihe wettet er Petitionen wird ebenfalls den KommissionSbefch üsien entsprechend erledigt.
SamStag: Petitionen, kleinere Borlagen, Anträge.
tiE Der AuSgang des belgische« Streiks.
Der Strei! ist beendigt. Daß er gescheitert sei, wollen die Sozialdemokraten nicht gelten lassen. Sie reden und sch eiben so, als ob der Kammerbeschluß von Dienstag eine bahnbrechende Errungenschaft ihrer Erpressertakttk sei. Das ist nichts weiter als eine Bemäntelung ihres Rückzuges. Aber man kann zugeben, daß es noch besser gewesen wäre, wenn die Sozialdemokratie auch nicht das kleinste Fetzchen zur Bedeckung ihrer Blöße gesunden hätte. In der Polin! kann man aber nicht immer das allerbeste err.tcken.
Don recht-roegen hätte sich die belgische Rammet» mehrheil im Verein mit der Regierung aus den Standpunkt stellen und dort verharren können: So lange dieser Etpresserstreik dauert, reden wir überhaupt nicht über die Frag« des Wahlrechts; allo einfacher Uedergang zur Tagesordnung, dis die Ordnung im Lande wieder hergestellt ist! — Das wäre eine korrekte Taktik gewesen, vielleicht auch eine heilsame Taktik, ober doch eine Art Pferdekur, eine starke Belastung des ohnehin schwer geprüften Landes. Der Streik, der in dieser Woche an Umfang bereits abnahm, hätte sich dann noch eine Weile fortgeschleppt, und die Verringerung des Umfanges wäre vermutlich ausgewogen worden durch die steigende Erbitterung der fortkämpfenden Minderheit, so daß Ruhestörungen, Gewalttaten und Blu.vergießen als Todeskämpfe deS Streiks zu befürchten gewesen wären. Um diesem Unheil nach Möglichkeit vor- jubeugen, entschloß sich die Mehrhell, einet Resolution zuzusttmmen,die keine sachliche Rachgied tgkeit bedeutete, aber doch den sozialistischen Führern einen Anhaltspunkt gab, wo ihre Bestrebungen tüt den Stretkabbtuch anknupten konnten. Nebenbei erreichte die Rechte butt die sachlich unbedenkliche Resolution den Vorteil, daß sich die innige Harmonie zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie etwas lockerte. Bei den Abstimmungen über die einzelnen Teile des Kammerbeschlusses ergab sich wieder einmal eine geiammelte bürgerliche Mehrheit gegen die Sozialdemokratie, und das ist in Belgien noch bemerkenswerter als bei uns.
Die Resolution knüpfte an einen Antrag der Liberalen an Aber die Rechte begnügte sich nicht mit der vorgeschlagenen Festlegung einer Ministererklärung, sondern veclangte und erreichte die ausdrückliche Verurteilung des Streikes als politischen Erpressungsmittels. Bei der Ab- ftimmung über diesen Punkt siel die liberale Partei tn eine radikale Gruppe (etwa */») und einer gemäßigten Gruppe (etwa */») puseinander. DaS ,ft vieueicht ein Ansatz zu einer künftigen Scheidung zwischen Alt- und Iungltberalen. Jedenfalls ist eS em gutes Zeichen, daß auch bte Mehrzahl der liberalen Abgeordneten trotz aller Großblockmachenschasten offen und entschieden den Erprefferstreck verurteilt hat.
WaS nun die vielberufene Erklärung des Ministerpräsidenten angeht, so handelt es sich um nichts anderes, als die Wiederholung dessen, was der Ministerpräsident schon am 12. März gesagt hatte und was damals für genügend erachtet wurde, um die sozialistischen Führer zu dem Beschluß
Deutsches Reich.
i Berlin, 25 April 1913. Der Kaiser wohnte am Freitag morgen einer großen Gefechtsübung der Metzer Garnsion in der Nähe von ©raoelotte bei. AbendS 10'1. Uhr erfolgte bte Ai sahri im Sonderzug nach Straß!urg. — Die Kaiserin und die Prtn- zeffin Liktoria Luise sind Freitag vormittag in Pots- dam wieder eingetroffen. — Aus den Erträgnissen des :>agdbuches des Kronprinzen soll 100 Berliner Volksschülern unentgeltlicher Sommeraufenthalt in Langsuhr gewährt werben.
c. Die vertraulichen Besprechungen in der Budget- Kommission über die Wehrvotlage nahmen am Freitag ihren Fortgang. Von der Regierung waren anwesend der Unterstaatssekreiär des Reichskanzlers Wahnschaffe und Kriegsminister v. Heeringen nebst Militär - Bevollmächtigten der Bundesstaaten. Die KommtssionS - Beratung der Wehrvorlage wird, wie wir berellS mitgeteilt haben, am Montag ihren Anfang nehmen.
4- St« Nompremitzanttag zur Erhöhung der Ge- Hölter der mittleren und unteren Postbeamten. Zwilchen den bürgerlichen Parteien des Reichstags haben, rote schon gemeldet, Verhandlungen wegen Erhöhung der Gehälter der mittleren und unteren Postbeamten fta tgefunben, bt« jetzt »u einem Kompromißantraa sämtlicher bürgerlicher Parteien geführt haben, dem bte Regierung vorläufig allerdings noch ablehnend geger überstand.
Für die Unterbeamten bet Echaf frier klasse bei der Reichspost- und Telegraphenverwaltung werden folgende Gehaltssätze beantragt: 1200—1290— 1880-1470-1560 - 1640-1720-1800 Mark; für bte Unterbeamten beim Postmuseum, beim Telegraphenver« suchSamt, bei der Telegraphen-Apvaratwerkftatt, bet den
Staatliche Zwangsprotestantifiervng großen Stils.
Unter dem Titel „Religiöse Notlage der Kacho- ltken in Sachsen" wurde dieser Tage in bei katholischen Presse auf eine fast unglaubliche Tatsache hin- gewiesen. Denn der katholische Volkstell nicht gewohnt wäre, ftt gewiflen deutschen Bundesstaaten nach russischem Muster behandelt zu werden, konnte man versucht werden, die Sache für einen verspäteten Aprilscherz zu halten.
Am .Königreich Sachsen ist Gesetz: Katholische Kinder, die keine Gelegenhett haben, Re. ligionSunterricht in der katholischen Kirche zu erhalten, find gezwungen, am evangelisch-lutherischen Religionsunterricht teilju» nehmen. Haben diese Kinder ben protestantischen Religionsunterricht bis zu ihrem 12. Lebensjahre besucht, so sind sie ohne weiteres als Pro- iestauten zu bewachten, selbst bann, wenn beide Eltern katholisch sind. Solche Kinder, die nach ihrem 12. Lebensjahr selbst wider den Willen ihrer beiden Eltern zwangsweise und gesetzlich protestantisch „gemacht werden, gab es un Jahre 1909 nicht weniger als 3465.
Bis jetzt ist nicht bekannt geworden, datz liberale Pollliker oder ihre Zeitungen sich schon einmal über diese nicht nur den Bestimmungen des Westfälischen Friedens, sondern auch der Würde eines modernen Jhdturftaater ins Gesicht schlagenden Besttmmungen aufaereqt hätten. Unter solchen Umstanden können die pharisäischen Augenverdrehungen liberaler Demagogen innerhalb und außerhalb hoher Paria- mente" nur widerwärtig berühren.
Das von diesen Herren mit Vorliebe als ast schreckendes Beispiel klerikaler Schulpolitik verschriene Spanien hat in seinen Schulgesetzen niemals einen ähnlichen Konversionszwang besesien. Gerade ist eS daran, sogar die Kinder katholischer Eltern, wenn diese es wünschen, vom Neligionsunterricht in der Schule zu befreien. In ihren Zeitungen und Versammlungen aber werden Liberale im Verein mit ihren roten Brüdern fortfahren, von „klerikaler Un- duldsamkeit" zu sprechen und ihrem urteilslosen Publikum davon zu erzählen, wie herrlich — — frei die Katholiken sich im deutschen Vaterland bewegen können.
auf Vertagung des Sttecks zu veranlassen. Dieser vernünftige Beschluh wurde bekanntlich nachher unter dem Einsluh der Kampfhähne aus dem wallonischen Industriezentrum wieder umgeswßen. Dieselben Leute, die zu Ostern den Ausspruch des Ministers als ungenügend erklärt und mit dem erneuten Streikbeschluß beantwortet hatten, hätten folgerichtiger Weise auch jetzt die Aufräumung dieses alten Ausspruchs als wertlos erachten und die Fortsetzung des Kampfes beschließen müffen. So folgettchttg und tapfer waren aber nur noch 300 von den 1200 Delegierten.
Die Mehrzahl fiel um, weil es ihr vor der Fortsetzung deS Streiks graute.
Was der Ministerpräsident nicht etwa verspro chen, sondern nur als eine Möglichkeit hm gestellt hat. ist die Besprechung über eine etwaige Ber- beffcrung des politischen Wahlrechts in der Kommis fron die das kommunale Wahlrecht reformieren soll.' Mit der Zulassung einer solchen Suche nach einer neuen Formel haben sich Regierung und Mehrheit nichts vergeben, denn man kann doch nicht von vornherein das bestehende Wahlrecht für unverbesserlich und unabänderlich auf ewige Zeiten erklären. Vorsichttger Weise ist für die Suche eine längere Frist gestellt und auch noch der Ausfall der Wahlen im nächsten Jahr als Borprobe ro Aussicht genotw men.
Die Sozialdemokratie hat also mst chrem großen ,^kompf" fachlich nichts erreicht. Mit dem Schein eines Erfolges werden die duldenden Mas- fen getröstet Die Gefahr eines neuen Erpresserstreiks kann freilich wiederkehren, aber kaum vor zwei Iah- ren, und hoffentlich wird inzwischen die Abwehr noch bester vorberestet sein, als jetzt.
DberpoBbtreltionen, betet ZettungSamt werden nach, stehende Sätze verlangt: 1300-1390—148ü—1560—1640 —1720-180U Mark.
Für die ®uteanbeamten zweiter Klasse bei der ReichSpofl- und Telegraphen Verwaltung, für die Lager Verwalter und Bauschreiber bei der Reichspolt- »nd Tclegraphenverwaliung und für die Cberpoft» aisistenten, Obertelegravhenassistenten, Poitassi- ftenten, Tetegrapbenassinenten und Postverwaller wird eine neue Klaffe 23 a beantragt mit folgenden Gehaltssätzen: 1800 - 2100 - 2350-2600—2850-8100-3350V 3600 Mark.
Außerdem hat man sich noch ans eine Resolution zugunsten der Dtätare geeinigt Danach soll der niebtigite Tageslatz für Postboten 2.20 Mark sein, der höchste 8.50 Mart Daneben sollen AlterSzulage» von je 10 P.g. für ben Tag gewährt werden.
Dieser Kompromißantrag, der in Form eines Gesetzentwurfes eingedracht worden ist, soll am Samstag in erster und zweiter Lesung beraten werden. Wte wir hören, wirb die Regierung ertlären, baß sie diesem Kompromißantrag zwar nicht zufttatmen, aber für den Herbst einen Gesetzentwurf in Aussicht stellen könne, in welchem die Gehaltsstufen der in Frage stehenden Beamtenklassen in der von den Antragstellern ge- forbetien Höhe geregelt werden sollen. Dagegen wirb bte Regierung sich Über bie Abstufung ber einzelnen GehallSklasten innerhalb der Höchst- und Niedrigst- gicnze bie Entscheidung Vorbehalten. In diesem Punkt bestehen zurzett noch Meinungsverschiedenheilen, bie erst bei bet Beratung deS in Aussicht gestellte» Gesetzentwurfs aufgeräumt werben können.
+ Namentlich» Abst.mmangen im Reichstage. Die Forderung bei Ersatzbaues der Kaiserjacht „Hohen- zollern" ist bei ber zweiten Lesung des Marine-Elats glatt angenommen worden. Wie der ,Berl. Lokal- anj.' erfährt, besteht aber bei den Sozialdemotralen bie Absicht, m ber dritten Lesung eine namentliche Abstimmung über diese Position zu beantragen. Da sich, wie baS Blatt weiter schreibt, mit ihnen auch andere Abgeordnete m der Ablehnung der geforderten Summe zufammenfinden dürften, werde es einer starken Besetzung beS Hauses bedürfen, um deren Annahme durchzusetzen. — Wir wissen nicht, ob die Sozialdemoliaten wirklich beabsichtigen, eine namentliche Abstimmung über bie „Hohenzollern" zu beantragen, jedenfalls aber werden bei der dritten Etatslesung mehrere wichtige namentliche Abstimmungen stattfinden, sodaß eS geboten erscheine, daß der Reichstag, vor allem auch die Zentrums-Fraktion, vollzählig vertreten ist.
• Bamberg, 24. April 1918. Jetzt erst liegt das Ergebnis ber Reich Stag Sersatz wähl vollständig vor. ES erhielten Domprediger Leicht (Bente.) 14 141 Stimmen, PostsekretäeKrauß Forftcbr.) 3269 Stimmer, Gewerkschaftssekretär Vogel (Soz.) 4142 Stimmen, Der Zentrumskandibat hat also gegenüber ben beiden Gegnern einen Vorsprung von 6730 Stimmen, während ber Vorsprung Dr. SchaedlerS bei bet letzten Hauptwahl nur 5259 Stimmen betrug.
A Straßburg, 25. April 1913. Die Hetze gegen bie Katholiken in gewissen Unt- versitäiskreisen kennt keine Grenzen mehr. Straßburg fft rät charakteristisches Beispiel für den unversöhnlichen Haß gegen katholische Profefforen und katholische Lehrer. Alle Mittel sind gut, uui die Ausschließung eines katholischen Kandidaten für einen erledigten Lehrstuhl durchzusetzen. Kürzlich hat ein früherer Professor der Universität Straßburg Tbeobald Fiedler auf einer Zusammenkunft der Burschenschaften die Studenten zur Verteidigung der bs- drvhten „akademischen Freiheit" aufgerufen. Der Herr Professor erklärte, kein Student könne einem Professor fein Vertrauen schenken, dem von „jenseits der Berge" vorgeschrieben wird, was er zu denken und zu lehren bat. Es müße dagegen protestiert! werden, daß die Wissenschaft nach konfessionellen Richtungen gelehrt wird. Die Studenten müßten bereit' fein, die akademische Freiheit zu verteidigen. Dieser, Aufruf an die „Mitwirkung der Studenten" ist sehr, bedeutsam. Er zeigt, daß gewisse Profefforen,auch; in Deutschland bie unduldsamen Sitten der öfter-' reichischen Universitäten ein führen möchten, wo faul tholische Professoren und Studenten, dank der stillschweigenden Zustimmung der akademischen Behörden/ ganz dem liberalen Terrorismus ausgeliefett sind.
* München, 25. Avril 1913. Das Prinienpaar Max von Baden ist nach dreitägigem Aufenthalt in München nach Karlsruhe abgereist; Prinz Ernst August, Herzog xu Braunschweig und Lüneburg, geleitete sie zum Bahnhof. — Der Fürst von Hohenzollern und Exkönig Manuel von Portugal kamen heute nachmittag hier an.
--- München, 25. April 1913. Nachdem bet 93er» roalmngSgetichtShof bie Zufälligkeit der Leiche n- verbrennung ausgesprochen hatte, erließ die bayeiifche Regierung am 28. Dezember 1912 oder- polizeiliche Vorschriften, in denen bie polizeiliche Genehmigung ber Leichenverbrennung von einer letzt- willigen Verfügung beS Verstorbenen abhängig aemacht wurde. Die Vorsch iften stützten sich auf § 61 des Polizeistrafgesetzbuches, wonach die Ober» Polizeibehörde zum Erlaß von Bestimmungen über „Zeit, Art und Ort ber Beerdigung" befugt ist. In Ausübung seiner Dienstobliegenheiten hatte nun der Münchener Magistratsrat Hörburger die polizeiliche Genehmigung zur Leichenverbrennung in zwei Fallen, in denen, wie er wußte, die oberpolizeilich geforderte Form ber Verfügung nicht vorhanden war, erteilt und erstattete bann gegen sich deswegen Strafanzeige. Vo» dem Schöffengericht München wu:de er fretge proAen. Begründet wurde dieser Freispruch mit der Be- bauptung, bie von Hörburger übertretenen Be- stimmnngen bet oberpolizeilicken .VorichrMen seien rechtlich ungültig. Die oberpolfteilichen Vorschriften feien durch daS Polizeistratgesetzbuch nicht gedeckt; jene Vorschriften bezögen sich nicht auf bte „Art , sondern auf bie „Voraussetzungen" der Feuer, beftattung; die Oberpolizeidehörbe könne die gründ« fätzlich gesetzlich zuläfftge Feuerbestattung nrcht von Bedmsmtgen abhängig machen, bte bie Zulässigkeit